{"id":2296,"date":"2007-04-27T09:57:15","date_gmt":"2007-04-27T07:57:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2296"},"modified":"2007-04-27T09:57:15","modified_gmt":"2007-04-27T07:57:15","slug":"hinweise-des-tages-380","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2296","title":{"rendered":"Hinweise des Tages"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>EZB-Chef Trichet sorgt sich wegen zu hoher Managergeh&auml;lter<\/strong><br>\n&bdquo;Wir m&uuml;ssen einige sehr hohe Verg&uuml;tungen sehr, sehr aufmerksam untersuchen. Sie werden von den Menschen in unseren Demokratien auf beiden Seiten des Atlantiks nicht verstanden&ldquo;, warnt der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Zentralbank.<br>\nSelbst die wirtschaftsfreundliche FAZ schlie&szlig;t sich diesen Bedenken an: Viele amerikanische Vorst&auml;nde verdienten deutlich besser, so werde h&auml;ufig argumentiert. &bdquo;Ja, und?, lie&szlig;e sich da fragen. Eine zwangsweise Orientierung an h&ouml;heren Managergeh&auml;ltern im Ausland machte nur Sinn, wenn dadurch die Abwanderung der besten deutschen Vorst&auml;nde zu ausl&auml;ndischen Konkurrenten verhindert werden sollte. Eine solche Abwanderung findet aber so gut wie gar nicht statt, denn sehr begehrt sind deutsche Vorst&auml;nde im hochbezahlten Ausland &uuml;berhaupt nicht &ndash; das Land verlassen hingegen ganz andere, die eher der Mittelschicht angeh&ouml;ren: junge und hochtalentierte Wissenschaftler, Informatiker und Ingenieure.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C\/Doc~E9DE5374B1DE24FD3B32645E53F107FF8~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a><\/li>\n<li><strong>Thomas Fricke: Finanzpolitiker wie W&auml;hrungsh&uuml;ter haben ihr Wirken jahrelang auf falsche Annahmen gebaut<\/strong><br>\nEs spricht einiges daf&uuml;r, dass Regierende wie Notenbanker die letzte Krise umgekehrt verst&auml;rkt haben. Wenn die deutschen Potenziale gr&ouml;&szlig;er waren, war nicht nur ein entsprechend kleinerer Teil der Wachstumsschw&auml;che bis 2005 strukturell bedingt (und stattdessen eher konjunkturell), sondern auch ein kleinerer Teil der staatlichen Finanzprobleme. Und es h&auml;tte gelohnt, die Konjunktur schon viel fr&uuml;her zu st&uuml;tzen &ndash; was bis 2006 jahrelang abgelehnt wurde, weil wir ja angeblich kein Konjunkturproblem hatten. Die Deutschen h&auml;tten sich mit einiger Wahrscheinlichkeit den Rekord von f&uuml;nf Millionen Arbeitslosen sparen k&ouml;nnen. Und sie k&ouml;nnten vielleicht bald auf Vollbesch&auml;ftigung zusteuern. Wenn sie sich von &Ouml;konomen nicht einreden lie&szlig;en, dass das Land das Potenzial dazu nicht hat.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/meinung\/leitartikel\/192314.html?p=1\">FTD<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung AM:<\/strong> Der Kolumnist der Financial Times Deutschland stellt mit Genuss und mit Recht heraus, mit welchen schr&auml;gen Theorien die hierzulande herrschenden National&ouml;konomen hantieren. Drei Hinweise m&ouml;chte ich erg&auml;nzen:<\/em><\/p>\n<p><strong>Erstens:<\/strong> Der Niedergang ab dem Jahr 2001 hatte nicht nur die von Fricke genannten Gr&uuml;nde, er war auch die Folge einer grotesken Fehleinsch&auml;tzung der Lage durch die meinungsf&uuml;hrenden National&ouml;konomen, insbesondere durch den Sachverst&auml;ndigenrat, und einer dieser falschen Beratung entsprechenden falschen Geld- und Fiskalpolitik. Ich erinnere daran, dass der Sachverst&auml;ndigenrat in seinem am 15.11.2000 pr&auml;sentierten Gutachten angesichts von 4 Millionen Arbeitslosen dennoch behauptete, die Konjunktur laufe rund. In einer &auml;hnlichen Gefahr, n&auml;mlich die wirtschaftliche Belebung viel zu schnell als Boom zu bezeichnen und abzuhaken, stehen wir &uuml;brigens auch jetzt wieder.<\/p>\n<p><strong>Zweitens:<\/strong> Unser eigentliches Problem ist, dass der dominante Teil der deutschen Wirtschaftswissenschaft von Makro&ouml;konomie nichts verstehen will und sich die Mehrheit von Politik und Publizistik dem anschlie&szlig;t.<\/p>\n<p>Darauf wiesen <strong>drittens<\/strong> schon vor fast fast drei Jahren der amerikanische Nobelpreistr&auml;ger Robert Solow und der Chef&ouml;konom von Goldman Sachs, Jim O&rsquo;Neill, in Interviews mit der Wirtschaftswoche und der Zeit hin. Ich zitiere Robert Solow aus seinem Interview mit der Wirtschaftswoche vom 9.9.2004:<\/p>\n<p>&raquo;<strong>Die deutsche Wirtschaft schw&auml;chelt nun schon seit einer Dekade.<\/strong><br>\nWenn ich ein Manager w&auml;re, w&uuml;rde ich meine Produktion auch nicht ausweiten, solange die M&auml;rkte nicht erkennbar expandieren.&laquo;<br>\nAn dieser klaren Erkenntnis gehe man in Deutschland jedoch st&auml;ndig vorbei, und zwar partei&uuml;bergreifend und angefeuert von einer &ouml;konomischen Wissenschaft und Publizistik, &uuml;ber die Solow sagte:<br>\n&raquo;Klar, Makropolitik beherrscht vermutlich niemand perfekt. Aber mir scheint offensichtlich: in Deutschland k&ouml;nnte man sie wesentlich besser machen&laquo;.<\/p>\n<p>So ist es.<\/p><\/li>\n<li><strong>Der gr&ouml;&szlig;te &ouml;sterreichische Baukonzern Strabag geht zu 30 Prozent an den russischen Milliard&auml;r Oleg Deripaska<\/strong><br>\nDer russische Oligarch ist Alleinherrscher &uuml;ber die Aluminiumbranche des Landes. Er hat seinen Konzern Rusal mit dem Konkurrenten Sual und dem Schweizer Handelshaus Glencore zum weltgr&ouml;&szlig;ten Aluminiumproduzenten verschmolzen. Deripaska gilt mit einem Verm&ouml;gen von rund 16,8 Mrd. Dollar der zweitreichste Russe.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/2007\/04\/25\/wi\/newzzF0Y48RIK-12.print.html\">NZZ<\/a>\n<p><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Am Beispiel Deripaskas wird deutlich, dass die Pr&auml;sidentschaft Putins sich nur vordergr&uuml;ndig als Antithese zu jener Jelzins eignet. Kaum zuvor in der Wirtschaftsgeschichte ist in einem Land in so kurzer Zeit einer Oberschicht  so sagenhafter Reichtum beschert worden, wie unter Jelzin. Putin mag die politischen Ambitionen dieser Klasse beschnitten haben, aber bis auf strategisch wichtige Bereiche wie die Energiewirtschaft, blieb es beim  Ausverkauf des nationalen Wirtschaftsbestandes an Unternehmer, die die Sowjetwirtschaft zum eigenen Vorteil ausschlachten k&ouml;nnen &ndash; w&auml;hrend die Allgemeinheit darbt. Die gegenw&auml;rtige &ouml;konomische Stabilisierung beruht nicht auf einer besonderen wirtschaftspolitischen Leistung des Putin-Regimes, sondern ist allein dem Anstieg der Rohstoffpreise geschuldet. Russland bleibt eine Gro&szlig;macht mit der Wirtschaft eines Entwicklungslandes.<\/p><\/li>\n<li><strong>Werner Vontobel: Flucht aus dem Armenhaus <\/strong><br>\nDer Ansturm der deutschen Arbeitskr&auml;fte in die Schweiz hat vor allem einen Grund: Deutschland hat sich innerhalb weniger Jahre mutwillig zum Billiglohnland und zum Armenhaus gemacht. Das Statistische Bundesamt meldet f&uuml;r 2006 ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Doch man muss genauer hinsehen: Gestiegen sind auch 2006 nur die Gewinne, n&auml;mlich um rund 30 Milliarden Euro. Die Summe aller L&ouml;hne hingegen ist trotz leicht zunehmender Besch&auml;ftigung erneut gesunken &ndash; und das mitten im Aufschwung!<br>\nDas geht schon lange so. Seit inzwischen zehn Jahren tut sich in Deutschland punkto Reallohn gar nichts mehr. Die Kaufkraft der L&ouml;hne ist in dieser Zeit um 5,1 Prozent gesunken.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.blick.ch\/sonntagsblick\/wirtschaft\/artikel56773\">Sonntags Blick<\/a><\/li>\n<li><strong>Spiegel: Konsumenten lassen sich von Euphorie anstecken<\/strong><br>\nBoomstimmung in den Unternehmen, der Dax auf dem Weg zur historischen H&ouml;chstmarke &ndash; und auf dem Arbeitsmarkt ist bereits von Fachkr&auml;ftemangel die Rede. Einzig die privaten Verbraucher blieben bislang vorsichtig. Doch inzwischen ist die Skepsis in Euphorie umgeschlagen. Die Gesellschaft f&uuml;r Konsumforschung (GfK) phantastische Zahlen: Die Zuversicht der Verbraucher in die Konjunktur stieg auf einen Rekordwert.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,479615,00.html\">Spiegel Online<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Der Spiegel setzt seine Aufschwungkampagne fort. Typisch Spiegel: Erst schreibt er ein Thema runter, dann wieder hoch und man wird es absehen k&ouml;nnen, dass der Aufschwung wieder herabgeschrieben wird.<br>\nZu den &bdquo;phantastischen&ldquo; GfK-Zahlen &uuml;ber die Zuversicht der Verbraucher verweise ich auf den letzten Vergleich zwischen Stimmung und  Realit&auml;t. Schon Anfang des Jahres hat die GfK ein steigendes Konsumklima erfragt. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Einzelhandelsumsatz waren ern&uuml;chternd: <a href=\"?p=2221\">Der Umsatz ist real um 1,6% gesunken<\/a>.<\/em><\/p><\/li>\n<li><strong>Die Privatisierung der Bahn bringt statt einer Haushaltsentlastung Mehrkosten<\/strong><br>\nDer Bund tritt bei der Privatisierung der Bahn freiwillig s&auml;mtliche Mitspracherechte ab, verpflichtet sich zu Subventionen und darf daf&uuml;r das Schienennetz nach 15 Jahren zu einem noch unbekannten Preis &ldquo;zur&uuml;ckkaufen&rdquo;. Damit droht die Aktion f&uuml;r die &ouml;ffentliche Hand und die Verbraucher zu einem &auml;hnlichen Verlustgesch&auml;ft zu werden wie in Gro&szlig;britannien.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/25\/25141\/1.html\">Telepolis<\/a><\/li>\n<li><strong>Hans-B&ouml;ckler-Studie zu Betriebsvereinbarungen &uuml;ber flexible Arbeitszeiten<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-C670FC58\/hbs\/hs.xsl\/dbbv_84757.html\">Hans-B&ouml;ckler-Stiftung<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-2296","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2296","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2296"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2296\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2296"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2296"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}