{"id":22961,"date":"2014-08-26T14:29:25","date_gmt":"2014-08-26T12:29:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22961"},"modified":"2015-10-25T11:54:02","modified_gmt":"2015-10-25T10:54:02","slug":"ukraine-merkel-rudert-zurueck-und-die-medien-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22961","title":{"rendered":"Ukraine: Merkel rudert zur\u00fcck und die Medien schweigen"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge, &uuml;ber die erf&auml;hrt man in den Medien wenn &uuml;berhaupt nur am Rande etwas. Erstaunlicherweise z&auml;hlt auch die offizielle Position der Kanzlerin zum Ukraine-Konflikt dazu. Am Sonntag sagte Angela Merkel im <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Bericht-aus-Berlin\/bericht-aus-berlin\/Das-Erste\/Video?documentId=23110108&amp;bcastId=340982\">Sommerinterview der ARD<\/a> ein paar Dinge, die man durchaus als Distanzierung vom Konfrontationskurs der EU einsch&auml;tzen muss. Die ukrainische Regierung wird dies nicht gerade mit Wohlwollen registriert haben. Und auch die ansonsten konfrontationsfreudigen deutschen Medien scheinen den Worten Merkels nicht besonders gewogen zu sein &ndash; anders ist ihr Schweigen kaum zu deuten. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n<em>Und was wir nur sagen und ich auch als jemand, der erlebt hat, dass Deutschland die deutsche Einheit durchf&uuml;hren konnte in Frieden mit Einverst&auml;ndnis auch der Nachbarn, sage das auch, dass das ukrainische Volk die M&ouml;glichkeit haben muss, seinen Weg zu w&auml;hlen. Und die Europ&auml;ische Union w&uuml;rde niemals, wenn die Ukraine sagt, wir gehen jetzt zur eurasischen Union, daraus einen Riesenkonflikt machen, sondern wir setzen auf die freiwillige Entscheidung. Ich setze allerdings auch auf die territoriale Integrit&auml;t der Ukraine und darauf, dass alle Ukrainerinnen und Ukrainer geh&ouml;rt werden.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><em><a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Interview\/2014\/08\/2014-08-24-merkel-ard.html\">Angela Merkel im Sommerinterview mit der ARD<\/a><\/em><\/p><p>Die Eurasische Union ist, das muss dazu gesagt werden, da &uuml;ber dieses Thema in Deutschland kaum berichtet wurde, der russische Gegenentwurf zur Europ&auml;ischen Union. Am 29. Mai dieses Jahres wurden die Vertr&auml;ge zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) von den Regierungschefs Russlands, Kasachstans und Wei&szlig;russlands unterzeichnet. Am 1. Januar 2015 soll die Union, die &auml;hnlich wie die fr&uuml;here EU vor allem eine Wirtschafts- und Zollunion mit einem gemeinsamen Markt und einer wirtschaftspolitischen Koordination sein soll, in Kraft treten. Die Eurasische Union ist eine Weiterentwicklung der &bdquo;Zollunion&ldquo;, die vom ukrainischen Ex-Pr&auml;sidenten Janukowitsch als Alternative zum &bdquo;EU-Assoziierungsabkommen&ldquo; erwogen wurden, was zu den ersten Demonstrationen auf dem Maidan f&uuml;hrte. <\/p><p>Auch auf die EU-Assoziierung angesprochen, &auml;u&szlig;erte sich Merkel am Sonntag sehr zur&uuml;ckhaltend:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wir haben jetzt erst mal ein Assoziierungsabkommen. Das haben wir mit vielen L&auml;ndern, zum Beispiel auch mit der T&uuml;rkei, um das mal zu sagen. Also das ist etwas, ein Status der engeren Nachbarschaft. Wir haben das &ouml;stliche Partnerschaft genannt. Und ich will einen Weg finden, wie viele andere auch, der Russland dabei nicht besch&auml;digt. Wir wollen auch mit Russland gute Handelsbeziehungen haben. Wir wollen mit Russland vern&uuml;nftige Beziehungen haben.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><em><a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Interview\/2014\/08\/2014-08-24-merkel-ard.html\">Angela Merkel im Sommerinterview mit der ARD<\/a><\/em><\/p><p>Begeisterung f&uuml;r eine EU-Assoziierung sieht wohl anders aus. In diesem Punkt hat Angela Merkel &ndash; und das kommt ja bekanntlich &auml;u&szlig;erst selten vor &ndash; jedoch durchaus Recht. F&uuml;r alle Beteiligten, die EU, Russland und die Ukraine, w&auml;re eine harmonische Koexistenz von der &bdquo;&ouml;stlichen Partnerschaft&ldquo; der EU und der &bdquo;Eurasischen Union&ldquo; die beste L&ouml;sung. Dies sieht die neue Zentralregierung in Kiew jedoch diametral anders &ndash; sie will m&ouml;glichst schnell nicht nur in die EU, sondern auch in die NATO. Wenn Merkel nun einem NATO-Beitritt der Ukraine eine klare Absage erteilt und der Ukraine mit auf den Weg gibt, dass die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland wichtiger sind als eine EU-Assoziierung mit der Ukraine, so ist dies ein deutliches Signal. Der larmoyante Hinweis, die EU w&uuml;rde sich nicht gegen einen Beitritt der Ukraine zur Eurasischen Union stellen, ist zudem eine 180-Grad-Wende, heizte doch EU-Kommissionspr&auml;sident  die Krise in der Ukraine im letzten Jahr <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/politik\/ukraine-will-sich-nicht-auf-eu-festlegen-id7657836.html\">mit der Feststellung<\/a> an, ein Land k&ouml;nne nicht gleichzeitig Mitglied einer Zollunion sein und einer weitreichenden Freihandelszone mit der EU&ldquo;.<\/p><p>Erstaunlich ist, dass Merkels Aussagen in den deutschen Medien so gut wie &uuml;berhaupt nicht aufgenommen wurden. Offenbar haben die auf Konfrontation gepolten Medien kein Interesse an einer Deeskalation. Anders ist es kaum zu erkl&auml;ren, dass Aussagen der Kanzlerin, die doch ansonsten f&uuml;r jede belanglose Phrase in den Himmel gelobt wird, nun gar nicht erst zur Kenntnis genommen werden.<\/p><p>Ganz anders war &ndash; wie zu erwarten &ndash; die Reaktion in der Ukraine. Um kaum mehr zu revidierende Fakten zu schaffen, k&uuml;ndigte Pr&auml;sident Poroschenko nun an, das umstrittene Assoziierungsabkommen <a href=\"http:\/\/de.ria.ru\/politics\/20140820\/269348470.html\">im September zu ratifizieren<\/a>  &ndash; einen Monat vor den angek&uuml;ndigten Neuwahlen, die unter Umst&auml;nden neue Mehrheiten in der Rada schaffen. Und auch in Br&uuml;ssel wurden Merkels Worte geh&ouml;rt. Einige EU-Diplomanten werten die Aussagen, <a href=\"http:\/\/euobserver.com\/foreign\/125331\">so der EU-Observer<\/a>, gar als Zeichen daf&uuml;r, dass Berlin nun &uuml;ber die K&ouml;pfe von Br&uuml;ssel und Kiew hinweg, einen Kompromiss mit Russland sucht und schon bald aus der gemeinsamen EU-Linie ausschert. Und das w&auml;re wei&szlig; Gott eine gute Nachricht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/fed89bcfd14142d2b6685c5864d8b217\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge, &uuml;ber die erf&auml;hrt man in den Medien wenn &uuml;berhaupt nur am Rande etwas. Erstaunlicherweise z&auml;hlt auch die offizielle Position der Kanzlerin zum Ukraine-Konflikt dazu. 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