{"id":2297,"date":"2007-04-27T14:07:29","date_gmt":"2007-04-27T12:07:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2297"},"modified":"2016-01-06T15:59:19","modified_gmt":"2016-01-06T14:59:19","slug":"nochmals-krake-bertelsmann-auch-bei-verdi-und-der-hans-bockler-stiftung-hat-er-seine-fangarme-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2297","title":{"rendered":"Nochmals Krake Bertelsmann: Auch bei ver.di und der Hans B\u00f6ckler Stiftung hat er seine Fangarme"},"content":{"rendered":"<p>Zur Zusammenarbeit von ver.di, Hans-B&ouml;ckler Stiftung und Bertelsmann Stiftung beim &bdquo;Potsdamer Forum 5. Forum f&uuml;r F&uuml;hrungs- und Leitungskr&auml;fte in Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen&ldquo; hat uns die Bundesfachbereichskonferenz Gemeinden der Gewerkschaft ver.di einen Beschluss zukommen lassen. Dieser Beschluss wurde ohne Gegenstimme gefasst und wird an die Bundeskonferenz, den Bundesvorstand und den Bundesfachbereichsvorstand weitergeleitet. Der Beschluss ist ein Beispiel unter vielen daf&uuml;r, dass wir mit unserer Kritik nicht allein stehen. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Initiativantrag<\/strong> Bundesfachbereichskonferenz 18.\/19.04.2007<\/p><p><strong>Kein Forum f&uuml;r die Bertelsmann Stiftung bei verdi-Veranstaltungen<\/strong><\/p><p>Die Bundesfachbereichskonferenz beschlie&szlig;t:<\/p><p>Anl&auml;sslich der aktuellen Ausschreibung zum sog. Potsdamer Forum, 5. Forum f&uuml;r F&uuml;hrungs- und Leitungskr&auml;fte in Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen, am 5.\/6. Juni 2007, erkl&auml;rt die Bundesfachbereichskonferenz Gemeinden:<br>\nVer.di erkl&auml;rt, dass es keine Grundlage f&uuml;r eine Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung, insbesondere bei gewerkschaftlichen Veranstaltungen gibt. Die Ideologie und die Ziele der Bertelsmann Stiftung stehen im offenen Widerspruch zu gewerkschaftlichen Zielsetzungen und Forderungen.<\/p><p><strong>Begr&uuml;ndung:<\/strong><\/p><p>&bdquo;Das Potsdamer Forum wird gemeinsam von ver.di, der Bertelsmann Stiftung und der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung durchgef&uuml;hrt. Die Veranstaltung richtet sich an F&uuml;hrungskr&auml;fte mit Perso&shy;nalverantwortung&ldquo; hei&szlig;t es im Ausschreibungstext der ver.di-Bundesverwaltung. Im Rahmen der Veranstaltung h&auml;lt Dr. Johannes Meier, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sein Referat &bdquo;Der &ouml;ffentliche Dienst und die Zivilgesellschaft&ldquo;. Den Workshop &bdquo;Erfahrungen mit der Einf&uuml;h&shy;rung der Leistungsbezahlung&ldquo; moderiert Oliver Staubner, Bertelsmann Stiftung, den Work&shy;shop &bdquo;Privatisierung &ouml;ffentlicher Dienste &ndash; n&uuml;tzlich oder sch&auml;dlich?&ldquo; moderiert Dr. Andreas Osner, ebenfalls Bertelsmann Stiftung.<\/p><p>Reinhard Mohn, der Stifter der Bertelsmann Stiftung, propagiert &bdquo;Die gesellschaftliche Ver&shy;antwortung des Unternehmers&ldquo; (Mohn 2003) &bdquo;Die Wirtschaft&ldquo;, so schreibt er dort, sei &bdquo;dem Staat um vieles voraus&ldquo;. Die &bdquo;Kompetenz der F&uuml;hrung&ldquo; sei &bdquo;in allen Lebensbereichen&hellip;der entscheidende Erfolgsfaktor&ldquo;. Der hierarchisch-b&uuml;rokratische F&uuml;hrungsstil sei jedoch veraltet und durch einen neuen, einen partnerschaftlichen zu ersetzen. Zu fordern seien Subsidiari&shy;t&auml;t, Dezentralisierung, Freiheit, Transparenz, Wettbewerb, Leistung, Effizienz, B&uuml;rgerorien&shy;tierung und B&uuml;rgerbeteiligung. Mohn w&uuml;nscht &bdquo;so wenig Staat wie m&ouml;glich&ldquo;. Allenfalls dort, wo das &bdquo;freie Spiel der Kr&auml;fte&ldquo; die Menschen &uuml;berfordere, sei staatliches Handeln ange&shy;bracht&hellip;<br>\nMohns gesamtes, aus der Betriebswirtschaftslehre entlehntes und ideologisch vom Neolibe&shy;ralismus unterf&uuml;ttertes Denken &uuml;ber Zukunftsf&auml;higkeit, B&uuml;rgerkommune und B&uuml;rgergesell&shy;schaft m&uuml;ndet ein in das Credo von Kennziffern, Erfolgsrechnung und Nutzwertanalyse, Budgetierung und Effizienz, Leistungsvergleichen, Wettbewerben und Rankings, zuweilen gest&uuml;tzt auf die Ergebnisse methodisch dubioser Umfragen und Ratings.<br>\nDie hier genannten Zielvorgaben (B&uuml;rger- und Zivilgesellschaft usw.) sind Worth&uuml;lsen eines &bdquo;Projektdesigns&ldquo;, das auf den ersten Blick relativ hohe gesellschaftliche Anerkennung findet. Bei der Umsetzung der Zielvorgaben werden jedoch &uuml;berwiegend technokratische Kontroll&shy;verfahren aus der Betriebswirtschaftslehre angeboten und installiert.<br>\nHarald Schumann sprach im Tagesspiegel vom 24.9.06 mit Blick auf die Bertelsmann Stif&shy;tung von einer &bdquo;Verkl&auml;rung betriebswirtschaftlicher Methoden zum gesellschaftspolitischen Leitbild&ldquo;.<br>\nB&uuml;rgerorientierung hat in diesem Sinne das hervorstechende Merkmal wirtschafts- und un&shy;ternehmerfreundlich zu sein.<\/p><p>Ein beliebter Weg der Bertelsmann Stiftung ist es, die ideologischen Inhalte &uuml;ber Kongresse und Foren, die Bildung von Netzwerken, im Rahmen von Wettbewerben, Kampagnen und Initiativen und durch aktive &Ouml;ffentlichkeitsarbeit zu transportieren. Zielgruppe sind hierbei besonders die kommunalpolitischen Meinungsf&uuml;hrer und Entscheidungstr&auml;ger. Kongresse und Foren werden dabei von der Bertelsmann Stiftung als Orte von symbolischen Schulter&shy;schl&uuml;ssen und nicht der Austragung von Kontroversen angesehen. Sie dienen der Selbstin&shy;szenierung und dazu, in der Au&szlig;enwirkung den `gro&szlig;en Konsens&acute; zu demonstrieren.<br>\nHeribert Meffert, von 2002 bis 2005 Leiter der Bertelsmann Stiftung erkl&auml;rte in einem Inter&shy;view mit der S&uuml;ddeutschen Zeitung am 29.4.05: &bdquo;Die Politik braucht Unterst&uuml;tzung. Wir d&uuml;r&shy;fen uns deshalb nicht nur als Think Tank, als Denkfabrik, bet&auml;tigen, sondern m&uuml;ssen auch kampagnenf&auml;hig werden und konkrete L&ouml;sungsans&auml;tze bieten. Damit steigt nat&uuml;rlich der Einfluss.&ldquo;<\/p><p>Auf dem Hintergrund der Macht eines den Medienmarkt beherrschenden Bertelsmann Kon&shy;zerns werden im Rahmen der PR-Arbeit der Stiftung abweichende oder kontroverse Positio&shy;nen entweder ignoriert oder totgeschwiegen&hellip; Das Ergebnis ist eine von oben gesteuerte, in demokratischer Hinsicht mehr als fragw&uuml;rdige Einheitspropaganda unter dem verbindenden Label einer gesellschaftlich angesehenen und von der Politik hofierten Stiftung. Die Stiftung legt &bdquo;einen Schutzschild der Gemeinn&uuml;tzigkeit um den Konzern und entzieht ihn damit der &ouml;ffentlichen Kritik&hellip;Die Stiftung macht den Konzern unantastbar.&ldquo; (B&ouml;ckelmann\/Fischer 2004)<br>\nDabei ist es so, dass 76,9 % eines der weltgr&ouml;&szlig;ten Medienkonzerne, die Bertelsmann AG, der Bertelsmann Stiftung geh&ouml;ren. Die Stiftung ist auf internationaler Ebene operativ t&auml;tig und bereitet dem Bertelsmann Konzern in vielf&auml;ltigen wirtschaftlichen Bereichen das Feld. Sie beschr&auml;nkt sich hierbei nicht auf den globalen Medienmarkt, sondern sieht ihre Produkt&shy;palette auch in Bereichen der Kommunal-, der Innen- und Justiz-, Steuer- und Sozial-, Um&shy;welt und Bildungspolitik.<br>\nIm September 2006 profilierte sich die Stiftung im Bereich der Milit&auml;rpolitik mit dem Gedan&shy;ken der Bildung einer europ&auml;ischen Streitmacht auf Augenh&ouml;he mit den USA im Rahmen des &bdquo;International Bertelsmann Forum&ldquo; (IBF).<\/p><p>Der kommunale Bereich wird schon seit vielen Jahren durch Bertelsmann-Projekte durch&shy;drungen. Die Stiftung engagierte sich f&uuml;r schlanke Verwaltungen, Public Private Partnership und die Privatisierung staatlicher Aufgaben. Mit der Gr&uuml;ndung der Konzerntochter &bdquo;Arvato&ldquo; zielt der Bertelsmann Konzern einen neuen Produktbereich an: die Government Services. In England &uuml;bernahm Arvato im Sommer 2005 die Bezirksverwaltung des Distrikts East Riding of Yorkshire, eines Kreises von etwa der Gr&ouml;&szlig;e des Saarlandes. Arvato erhebt dort im &ouml;f&shy;fentlichen Auftrag Geb&uuml;hren, zieht Steuern ein, zahlt Wohngeld aus und betreibt B&uuml;rger&shy;b&uuml;ros. Das Vorhaben gilt als Projekt von strategischer Bedeutung. Europaweit beabsichtigt Bertelsmann im Rahmen von Public Private Partnership in die derzeit noch unter national&shy;staatlicher Kontrolle stehenden Bereiche vorzudringen und Aufgaben des &ouml;ffentlichen Ge&shy;meinwesens zu &uuml;bernehmen &ndash; auch in Deutschland.<\/p><p>Die Bertelsmann Stiftung und der Bertelsmann Konzern haben inzwischen gro&szlig;e Teile von Politik und Gesellschaft &bdquo;unterwandert&ldquo;. Es kann nicht in gewerkschaftlichem Interesse lie&shy;gen, hierf&uuml;r auch noch ein &ouml;ffentliches Forum zu schaffen.<br>\nAuch die gewerkschaftliche Hans-B&ouml;ckler-Stiftung sollte sich kritisch damit auseinander&shy;setzen, ob die Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung tats&auml;chlich zu einer Verbes&shy;serung des wissenschaftlichen Diskurses f&uuml;hrt oder ob dies letztendlich zu einer Funktionali&shy;sierung und ideologischen Durchdringung mit arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindlichem Gedankengut f&uuml;hrt.<\/p><p>(Die Antragsberatungskommission wird gebeten, diesen Antrag in Zusammenhang mit dem Antrag E 004 zu stellen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Zusammenarbeit von ver.di, Hans-B&ouml;ckler Stiftung und Bertelsmann Stiftung beim &bdquo;Potsdamer Forum 5. Forum f&uuml;r F&uuml;hrungs- und Leitungskr&auml;fte in Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen&ldquo; hat uns die Bundesfachbereichskonferenz Gemeinden der Gewerkschaft ver.di einen Beschluss zukommen lassen. Dieser Beschluss wurde ohne Gegenstimme gefasst und wird an die Bundeskonferenz, den Bundesvorstand und den Bundesfachbereichsvorstand weitergeleitet. Der Beschluss ist<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2297\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,129],"tags":[232,453,281],"class_list":["post-2297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-bertelsmann","tag-hans-boeckler-stiftung","tag-verdi"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2297"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29987,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2297\/revisions\/29987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}