{"id":2303,"date":"2007-05-01T11:11:12","date_gmt":"2007-05-01T09:11:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2303"},"modified":"2016-01-06T15:53:04","modified_gmt":"2016-01-06T14:53:04","slug":"europapolitiker-wie-ochsen-am-nasenring-durch-schuldenabbau-spielraume-fur-den-demografischen-wandel-schaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2303","title":{"rendered":"Europapolitiker wie Ochsen am Nasenring: \u201eDurch Schuldenabbau Spielr\u00e4ume f\u00fcr den demografischen Wandel schaffen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte in Europa ist erforderlich, um den Herausforderungen zu begegnen, die durch den demografischen Wandel auf die europ&auml;ischen Gesellschaften zukommen. Darin waren sich die Teilnehmer der Konferenz der Finanzausschussvorsitzenden der Parlamente der EU-Mitgliedstaaten, des Europ&auml;ischen Parlaments und der Parlamente der EU-Beitrittskandidaten am Montagmittag einig.&ldquo; So lautet der Einf&uuml;hrungssatz einer Mitteilung des Pressedienstes des Deutschen Bundestages. Sparzwang wegen des demografischen Wandels, an dieser Logik ist nun alles falsch, was nur falsch sein kann. Und &uuml;ber derartigen Unsinn, sind sich alle europ&auml;ischen Parlamentarier &bdquo;einig&ldquo;. Armes Europa! Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nDamit Sie sich selbst &uuml;berzeugen k&ouml;nnen, zun&auml;chst die Pressemitteilung im Wortlaut:<\/p><blockquote><p>\n<strong>Durch Schuldenabbau Spielr&auml;ume f&uuml;r den demografischen Wandel schaffen<\/strong><\/p>\n<p>Finanzausschuss<\/p>\n<p>Berlin: (hib\/VOM) Die Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte in Europa ist erforderlich, um den Herausforderungen zu begegnen, die durch den demografischen Wandel auf die europ&auml;ischen Gesellschaften zukommen. Darin waren sich die Teilnehmer der Konferenz der Finanzausschussvorsitzenden der Parlamente der EU-Mitgliedstaaten, des Europ&auml;ischen Parlaments und der Parlamente der EU-Beitrittskandidaten am Montagmittag einig. Zu dieser zweiten Konferenz der Ausschussvorsitzenden konnte der Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Eduard Oswald (CDU\/CSU), Teilnehmer aus 20 L&auml;ndern begr&uuml;&szlig;en. Die erste Konferenz dieser Art hatte im vergangenen Fr&uuml;hjahr in Wien stattgefunden. Das Treffen im Berliner Paul-L&ouml;be-Haus stand ganz im Zeichen des demografischen Wandels in der EU, der damit verbundenen Tragf&auml;higkeit der &ouml;ffentlichen Finanzen sowie der Stabilit&auml;t der Finanzm&auml;rkte. Kanzleramtsminister Thomas de Maizi&egrave;re (CDU) sprach von einem &ldquo;historisch beispiellosen Wandel&rdquo;, der in seinen Auswirkungen etwa mit dem Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg vergleichbar sei. Seit &uuml;ber drei&szlig;ig Jahren seien die Geburtenzahlen in Europa so niedrig, dass sich die Bev&ouml;lkerungszahl verringert. Kommen derzeit in Deutschland auf einen Rentner vier Erwerbst&auml;tige, so seien es im Jahr 2050 nur noch zwei, genauer 1,5 Erwerbst&auml;tige. Das Wort &ldquo;&Uuml;beralterung&rdquo; lehnte der Minister in diesem Zusammenhang ab und &uuml;berraschte mit der Wortsch&ouml;pfung &ldquo;Unterverj&uuml;ngung&rdquo;. Die Politik k&ouml;nne auf diese Entwicklung allerdings nur begrenzten Einfluss nehmen. Nach den Worten de Maizi&egrave;res muss die Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte fortgesetzt werden. Die Alterssicherungssysteme m&uuml;ssten strukturell reformiert werden, und f&uuml;r Wachstum und Besch&auml;ftigung sollten die Rahmenbedingungen verbessert werden. <\/p>\n<p>Deutschland setze unter anderem auf eine l&auml;ngere Lebensarbeitzeit und eine zus&auml;tzliche, kapitalgedeckte Altersvorsorge, &uuml;ber die bereits 60 Prozent der Erwerbst&auml;tigen verf&uuml;gten. Zugleich wachse die Bedeutung stabiler Finanzm&auml;rkte. De Maizi&egrave;re ging in diesem Zusammenhang auf die deutsche Initiative f&uuml;r eine h&ouml;here Transparenz bei den Hedge-Fonds ein. Hier strebe man eine freiwillige Selbstverpflichtung der Branche an und werde dies auch zum Thema beim Treffen der f&uuml;hrenden Industrienationen (G 8-Gipfel) im Juni an der Ostseek&uuml;ste machen. Der Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundesrates, der nordrhein-westf&auml;lische Finanzminister Helmut Linssen, sagte, das &ldquo;rasant wachsende&rdquo; Geburtendefizit k&ouml;nne seit 2003 nicht mehr durch Nettozuwanderung ausgeglichen werden. Die Parlamentarische Staatssekret&auml;rin im Bundesfinanzministerium, Barbara Hendricks (SPD), meinte allerdings, diese &ldquo;dr&auml;ngenden Fragen&rdquo; riefen weder nach Verzagtheit noch nach Panikmache. Es gelte Strukturen zu schaffen, um die gesamtwirtschaftliche Effizienz des &ouml;ffentlichen Handelns zu verbessern, etwa effektive Regeln zur Begrenzung der Staatsverschuldung einzuf&uuml;hren oder die Aufteilung von staatlichem und privatwirtschaftlichem Handeln zu optimieren. Die Doppelstrategie aus Wirtschaftspolitik und Konsolidierung der Haushalte sei glaubw&uuml;rdig und habe zu gewachsenem Vertrauen der Investoren in die Zukunft gef&uuml;hrt, sagte Hendricks. &ldquo;Schulden sind verbrauchte Zukunft&rdquo;, unterstrich der Vorsitzende des Finanzausschusses des &ouml;sterreicherischen Nationalrates, G&uuml;nter Stummvoll. Bei der Rentenreform gehe es darum, die richtige Botschaft zu versenden. Den Menschen m&uuml;sse man sagen: &ldquo;Die Politik wird alles tun, damit ihr l&auml;nger arbeiten k&ouml;nnt.&rdquo; Sein italienischer Kollege, Giorgio Benvenuto, setzt auf eine bessere Integration des europ&auml;ischen Finanzmarktes, in dem Kapital bei einem &ldquo;passablen &Uuml;berwachungsniveau&rdquo; frei und kosteng&uuml;nstig zirkulieren kann. Es gehe um eine Politik zum Schutz des Wettbewerbs und der Verbraucher M&aacute;rio Patinha Antao aus Portugal lud die Teilnehmer zur n&auml;chsten und dritten Konferenz dieser Art am 5. und 6. November nach Lissabon ein. Portugal hat die n&auml;chste EU-Ratspr&auml;sidentschaft nach Deutschland inne. Zu dem von einigen seiner Kollegen angesprochenen &ldquo;Problem&rdquo;, dass zahlreiche Nord- und Mitteleurop&auml;er ihr Rentenalter in S&uuml;deuropa verbringen, ihre Renten dort ausgeben, im Krankheitsfall aber zur Behandlung in die Heimat reisen m&uuml;ssen, sagte Patinha Antao, hier sollte es Behandlungsangebote an Ort und Stelle geben. Vor allem der luxemburgische Finanzausschussvorsitzende Laurent Mosar hatte darauf verwiesen, dass sein Land viele Renten exportiere, die dann im Ausland ausgegeben w&uuml;rden. Frankreich &ldquo;glaubt an die Zukunft&rdquo;, so Pierre H&eacute;riaud, Abgeordneter der Nationalversammlung. Hier sei die Geburtenrate g&uuml;nstiger als in anderen L&auml;ndern. Zugleich habe Frankreich die k&uuml;rzesten und bezogen auf die Lebensarbeitszeit auch die wenigsten Arbeitswochen. Da k&ouml;nnte es einen Zusammenhang geben, meinte Kanzleramtsminister de Maizi&egrave;re. Frankreich sei ja auch das Land der Liebe, und wo weniger gearbeitet werde, h&auml;tten die Leute mehr Zeit f&uuml;r andere Dinge.<\/p><\/blockquote><p><strong>Dazu meine kritischen Anmerkungen:<\/strong><\/p><p>Zur Klarstellung: Ich rede nicht der &ouml;ffentlichen Verschuldung das Wort. Das schon deshalb nicht, weil die Schulden der &ouml;ffentlichen Hand, ja immer &ndash; und zwar auch &uuml;ber die Generationen hinweg &ndash; die Zinsen f&uuml;r diejenigen bringen, die in der Lage sind, dem Staat das Geld zu leihen.<br>\nIch sage nur, dass Schuldenabbau am besten gelingt, wenn man dem Steuersenkungswahn vor allem bei Verm&ouml;gens- und Kapitaleink&uuml;nften abschw&ouml;rt und wenn man die Wirtschaft in Schwung bringt, damit die Steuereinnahmen wieder sprudeln. Der Beweis, dass Sparma&szlig;nahmen nicht zur Sparerfolgen f&uuml;hren, wurde in den letzten Jahren in einem politischen Feldversuch demonstriert: Eichel sparte und sparte und die Nettoneuverschuldung stieg und stieg. Kaum hat die Gro&szlig;e Koalition mit der Sparwut etwas nachgelassen und &ndash; vor allem &ndash; kaum sprang die Konjunktur ein wenig an und schon nimmt der Fiskus wieder soviel ein, dass der Wirtschaftsminister schon &uuml;ber weitere Steuersenkungen fabuliert.<\/p><p>Wer also die &bdquo;Konsolidierung&ldquo; als Selbstzweck und ausschlie&szlig;lich von der Ausgabenseite betreiben will, d&uuml;rfte kaum Sparerfolge, sondern allenfalls ein weiteres Aushungern (gesch&ouml;nt &bdquo;Verschlankung&ldquo;) des Staates und in der Regel bedeutet das die K&uuml;rzung von Transfer- und Sozialleistungen im Kopf haben. <\/p><p>&bdquo;Schulden sind verbrauchte Zukunft&ldquo; warnt ein &Ouml;si-Finanzer. Das sollte er mal einem H&auml;uslebauer, der eine Hypothek aufnimmt, oder einem Unternehmer, der sich mit einem Kredit eine neue Maschine kauft, erz&auml;hlen. Die w&uuml;rden sich kaputt lachen. Vern&uuml;nftige Schulden, Herr Vorsitzender des Finanzausschusses des &ouml;sterreicherischen Nationalrates, das sind rentierliche Investitionen in die Zukunft! (Wenn ich mir als gschamigster Diener diese Bemerkung erlauben darf.)<br>\nWer aber nur die Senkung der Staatsquote im Kopf hat, f&uuml;r den bleibt nat&uuml;rlich nur der Ausweg einer &bdquo;strukturellen&ldquo; Reform der Alterssicherung und &bdquo;strukturell&ldquo; hei&szlig;t auf gut Deutsch die private kapitalgedeckte Altersvorsorge.<\/p><p>Weil man den Abbau des Soziastaats und die zus&auml;tzliche Belastung des B&uuml;rgers f&uuml;r die private Altersvorsorge nat&uuml;rlich &bdquo;vermitteln&ldquo; muss, braucht man eine Drohkulisse. Diese Kulisse ist der demografische Wandel. Und da die Argumente schwach sind, muss diese Drohkulisse umso erschreckender wirken:<br>\nKanzleramtsminister Thomas de Maizi&egrave;re (CDU) bem&uuml;ht f&uuml;r den &ldquo;historisch beispiellosen Wandel&ldquo; gar den Vergleich mit dem &bdquo;Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg&ldquo; &ndash;  ein im kollektiven Ged&auml;chtnis haftendes (wenn man die beiden Weltkriege schon nicht heranziehen will) wirklich furchtbares historisches Ereignis.<\/p><p>Schon bei diesem historischen Vergleich kann man die Absicht, den Leuten einen tiefen Schrecken einzujagen, mit H&auml;nden greifen:  Denn nach den <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2006\/p4640022.htm\">&uuml;blichen Modellrechnungen<\/a> &ndash; wohlgemerkt es sind nicht etwa Prognosen &ndash; &bdquo;schrumpft&ldquo; die Einwohnerzahl Deutschlands bei gegebener Geburtenrate im Jahre 2050 von 82 auf &ndash; je nach Modellannahme &ndash;  69 bis 74 Millionen. Dieses Ausbluten der Deutschen findet zwar nicht durch Mord und Totschlag, sondern einfach deshalb, weil weniger Kinder zur Welt gebracht werden. Ein verglichen mit dem Schreckbild des Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieges, vielleicht bedauerlicher, aber doch ziemlich harmloser Vorgang. Meinen Sie nicht auch Herr Staatsminister?<\/p><p>Aber lassen wir uns dennoch weiter auf Ihre Zahlenspielerei mit der &Uuml;beralterung  oder -&uuml;bernehmen wir Ihre &auml;u&szlig;erst kreative Wortsch&ouml;pfung &ndash; mit der &bdquo;Unterverj&uuml;ngung&ldquo; einmal ein: Statt heute vier Erwerbst&auml;tige m&uuml;ssten in dieser f&uuml;r kaum jemand absehbaren Zukunft von &uuml;ber vierzig Jahren k&uuml;nftig nur noch eineinhalb Erwerbst&auml;tige einen (wahrscheinlich nach Abbau des Sozialstaates immerhin ziemlich abgemagerten) Rentner auf ihren Schultern tragen.<br>\nMan sieht die bedauernswerten Erwerbst&auml;tigen des Jahrs 2050 regelrecht unter ihrer Last &auml;chzen. <\/p><p>Um diesem Bild nicht seine Dramatik zu nehmen, lassen wir einmal au&szlig;er Betracht, dass in den letzten 45 Jahren die Alterung und die Verringerung des Jugendanteils fast genauso waren, wie heute f&uuml;r die Zukunft bis 2050 vorausberechnet. Dass wir diese &Uuml;beralterung, pardon &bdquo;Unterverj&uuml;ngung&ldquo; ganz gut &uuml;berstanden haben, w&uuml;rde ja sonst die ganze Drohkulisse zusammenbrechen lassen.<\/p><p>Nein, bleiben wir beim unter seiner Rentnerlast &auml;chzenden Erwerbst&auml;tigen des Jahres 2050. Die Politik k&ouml;nne ihm seine Last nicht abnehmen, denn sie k&ouml;nne &bdquo;auf diese Entwicklung &hellip;nur begrenzten Einfluss nehmen&ldquo;, meinen Sie, Herr Kanzleramtsminister.<br>\nUnd der zum Demografieexperten mutierte Finanzminister aus Nordrhein-Westfalen sekundiert Ihnen, &bdquo;das &acute;rasant wachsende` Geburtendefizit k&ouml;nne seit 2003 nicht mehr durch Nettozuwanderung ausgeglichen werden.&ldquo; Na klar, wenn man die Grenzen dicht macht und m&ouml;glichst viele Ausl&auml;nder rausschmei&szlig;t, geht das nat&uuml;rlich nicht!<\/p><p>Auf die Idee des Abgeordneter der franz&ouml;sischen Nationalversammlung, Pierre H&eacute;riaud, dass Deutschland seinem Nachbarn nacheifern k&ouml;nnte  und ein &bdquo;Land der Liebe&ldquo; werde, &bdquo;wo weniger gearbeitet werde&ldquo; und &bdquo;die Leute mehr Zeit f&uuml;r andere Dinge&ldquo; haben und dass man zum Beispiel damit zu viel h&ouml;heren franz&ouml;sischen Geburtenraten kommen k&ouml;nnte, kann ein deutscher Politiker nat&uuml;rlich nicht kommen. Nein, &bdquo;Deutschland, Land der Liebe&ldquo;, das ist v&ouml;llig unvorstellbar, da behalten wir doch lieber unsere sexuelle Neigung zum Masochismus bei und zeigen uns weiter die Folterinstrumente auf.<\/p><p>Aber m&uuml;ssen wir, die wir ohne diese spezielle Neigung zum Masochismus sind, diese Folterinstrumente &uuml;berhaupt ernst nehmen?<\/p><p>Schon die erste Daumenschraube, n&auml;mlich dass wir eine h&ouml;here Lebenserwartung von vielleicht 7 bis 9 Jahren haben, l&auml;sst sich ja noch nicht so unverhohlen als schreckenerregend darstellen. Wir h&auml;ngen schlie&szlig;lich alle am Leben und dass wir l&auml;nger leben k&ouml;nnten, das  kann man uns schlecht als schlecht f&uuml;r die Rente verkaufen. Au&szlig;erdem k&ouml;nnten wir ja auf die Idee kommen und nachhalten und dabei feststellen, dass die Lebenserwartung im letzten Jahrhundert viel mehr angestiegen ist, n&auml;mlich um mehr als 30 Jahre und  selbst unter Einbeziehung der Erfolge bei der Verringerung der Kindersterblichkeit immerhin noch um 20 Jahre. Wen k&ouml;nnten da noch die Steigerung der Lebenserwartung von ein paar J&auml;hrchen f&uuml;r die n&auml;chsten f&uuml;nfzig Jahre schrecken &ndash; zumal man h&ouml;rt, dass in unserem Nachbarland Schweiz oder in den USA die Lebenserwartung gerade <a href=\"http:\/\/ernst-gerontologie.ch\/texte\/Trendwende_Lebenserwartung%20sinkt,%2011.6.06.pdf\">wieder zu sinken anf&auml;ngt [PDF &ndash; 64 KB]<\/a>.<br>\nNa ja, setzen wir also &ndash; wie Adenauer zu seinem neunzigste Geburtstag gesagt haben soll &ndash; &bdquo;Gottes Barmherzigkeit nicht so enge Grenzen&ldquo; und lassen uns noch ein bisschen &auml;lter werden, aber muss man deshalb gleich von &Uuml;beralterung reden.<\/p><p>Was unsere Drohkulissenschieber beim Bild des unter der Rentnerlast &auml;chzenden Erwerbst&auml;tigen zum Beispiel vergessen haben, das ist, dass dem ach so Beklagenswerten beim k&uuml;nftigen Tragen der Last des Rentners, ja auch nicht mehr so viele Kinder an den Rocksch&ouml;&szlig;en h&auml;ngen als heute. Der Erwerbst&auml;tige des Jahres 2050 muss vielleicht mehr f&uuml;r Altersheime oder f&uuml;r die Pflege der Alten zahlen, daf&uuml;r braucht er weniger f&uuml;r Kinderkrippen (wenn es denn die bis dahin geben sollte), f&uuml;r Kinderg&auml;rten, Schulen oder Hochschulen berappen. Denn er hat ja keine Kinder mehr, die er dort hinschicken m&uuml;sste.<br>\nMathematisch ausgedr&uuml;ckt: Selbst wenn also  der Quotient &Auml;ltere zu Erwerbsf&auml;higen bis 2050 um dramatisch wirkende 77 Prozent steigt, klettert der realistischere Gesamtquotient der insgesamt zu versorgenden Personen (Kinder plus Alte zu  Erwerbsf&auml;higen) nur um 37 Prozent.<br>\nAber um solche platten statistischen Wahrheiten k&uuml;mmern sich wohl unsere demografischen Dramatisierer nicht, das k&ouml;nnte ihren Argumenten ja die Dramatik nehmen.<\/p><p>Das Entscheidende, was unsere wie Ochsen am Nasenring des Sparzwangs und der Demografie im ehrenwerten Paul-L&ouml;be-Haus herumgef&uuml;hrten Europapolitiker nicht mehr sehen wollen oder, weil sie wirtschaftspolitisch &bdquo;kastriert&ldquo; sind, nicht mehr sehen k&ouml;nnen, das hat ihnen z.B. <a href=\"http:\/\/www.linksnet.de\/drucksicht.php?id=2520\">Gerd Bosbach<\/a> schon vor l&auml;ngerer Zeit vor ihre Nase gerieben:<\/p><blockquote><p>Die Wirkung der Arbeitslosigkeit ist wesentlich st&auml;rker als die der demographischen Entwicklung der n&auml;chsten 20 Jahre. Eine grobe Rechnung zeigt die Problematik. Heute stehen etwa 45 Millionen Erwerbsf&auml;hige (Menschen zwischen 20 und 60 Jahren) 20 Millionen &Auml;lteren (ab 60 Jahre) gegen&uuml;ber. Die vermeintliche Demographie-Dramatik besteht darin, dass sich dieses Verh&auml;ltnis in Zukunft zuungunsten der Erwerbsf&auml;higen verschiebt. Aber das passiert schon heute; der Ausl&ouml;ser ist allerdings die Arbeitslosigkeit! Denn die offiziell f&uuml;nf Millionen Arbeitslosen sollte man nicht zu der Gruppe der Versorger rechnen; m&uuml;ssen den zu Versorgenden zugeschlagen werden. Kommen ohne Ber&uuml;cksichtigung der auf einen &Auml;lteren 2,25 Erwerbsf&auml;hige, so ist das Verh&auml;ltnis bei Ber&uuml;cksichtigung der Arbeitslosigkeit 1 : 1,6. Das ist eine dramatischere Verschiebung der Relation, als f&uuml;r die nat&uuml;rliche Bev&ouml;lkerungsentwicklung in den n&auml;chsten 20 Jahren vorausberechnet!<br>\nOffensichtlich w&uuml;rde ein Abbau der Arbeitslosigkeit heute die produzierte G&uuml;ter- und Dienstleistungsmenge erh&ouml;hen, also zum Wohlstand beitragen. Ein Zusatzeffekt w&auml;re, neben der Senkung der Beitr&auml;ge f&uuml;r die Arbeitslosenversicherung, ein Absinken des Rentenversicherungsbeitrages, da es mehr Einzahler g&auml;be.<br>\nWer die Senkung der Arbeitslosigkeit f&uuml;r eine Illusion h&auml;lt, sollte nicht von zu wenigen Versorgern reden. Statt der fehlenden Kinder k&ouml;nnten ja die Arbeitslosen zur Versorgung beitragen. Das Thema Demographie ist also maximal zweitrangig.<\/p><\/blockquote><p>Aber na ja, auf das N&auml;chstliegende, n&auml;mlich dass man die Erwerbsf&auml;higen erst mal in Erwerbst&auml;tigkeit bringen muss, damit sie die Versorgungslasten f&uuml;r Kinder und Alte schultern k&ouml;nnen, k&ouml;nnen wohl unsere in Berlin versammelten Europapolitiker nicht mehr kommen, wenn sie am Nasenring der Ideologen des  Sparzwangs (sprich dem Abbau des Sozialstaates) gezogen und unter der Peitsche des demografischen Wandels getrieben ihr ziemlich leeres Stroh dreschen.<\/p><p>Wer sich als Politiker so zum Ochsen machen l&auml;sst, muss auch komplett die Steigerung der Produktivit&auml;t der Erwerbst&auml;tigen f&uuml;r die n&auml;chsten 50 Jahre &uuml;bersehen. Die f&uuml;r die Vergr&ouml;&szlig;erung des allgemeinen Wohlstands in der Vergangenheit entscheidende Ursache, der Produktivit&auml;tsfortschritt, kann da f&uuml;r die Zukunft offenbar keine Rolle mehr spielen.<br>\nDabei w&uuml;rde selbst eine geringf&uuml;gige Steigerung von 1,25 Prozent pro Jahr (so die konservative Prognose der Herzog-Kommission) in 50 Jahren die Leistung jedes Erwerbst&auml;tigen um 86 Prozent steigen lassen. Der Kuchen wird also fast doppelt so gro&szlig; sein.<\/p><p>Nur wenn die Erwerbst&auml;tigen von diesem Zuwachs im Laufe der n&auml;chsten 50 Jahre nichts profitieren k&ouml;nnten, dann w&uuml;rden ihnen die Alten wirklich zur Last fallen, denn dann k&ouml;nnten sie wirklich kaum noch etwas abgeben und dann w&uuml;rden die Alten zur schweren B&uuml;rde. Sehen unsere europ&auml;ischen Finanzpolitiker die Verteilung zwischen Arbeitnehmern und ihren Arbeitgebern wirklich in so d&uuml;steren Farben?<\/p><p>Einspruch, k&ouml;nnte der Kanzleramtsminister jetzt sagen, diese Probleml&ouml;sungen unterstellen ja mehr Besch&auml;ftigung, technischen Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum. Das ist doch ungewiss, w&auml;hrend die schlechte Geburtenrate der letzten Jahre ein Faktum ist.<br>\nJa das stimmt, w&uuml;rde ich dann eingestehen und die Gegenfrage stellen:<br>\nW&uuml;rde der Schuldenabbau und die gesicherte Altersvorsorge durch eine kapitalgedeckte Rente nicht gleichfalls Erwerbst&auml;tige voraussetzen, die Steuern zahlen und dazu noch Kapital ansparen k&ouml;nnten? Und w&uuml;rde deren angespartes Kapital rentierlich, wenn es in den n&auml;chsten 50 Jahren keinen technischen Fortschritt und kein wirtschaftliches Wachstum g&auml;be?<\/p><p>Vermutlich w&uuml;rde sich Thomas de Maizi&egrave;re auf diese Gegenfrage an einen ber&uuml;hmten Satz Erich Honeckers erinnern und &ndash; diesen Spruch abwandelnd &ndash; antworten: &bdquo;Den Kapitalismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf.&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte in Europa ist erforderlich, um den Herausforderungen zu begegnen, die durch den demografischen Wandel auf die europ&auml;ischen Gesellschaften zukommen. Darin waren sich die Teilnehmer der Konferenz der Finanzausschussvorsitzenden der Parlamente der EU-Mitgliedstaaten, des Europ&auml;ischen Parlaments und der Parlamente der EU-Beitrittskandidaten am Montagmittag einig.&ldquo; So lautet der Einf&uuml;hrungssatz einer Mitteilung des<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2303\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,22,135,123],"tags":[1040,273,413,325],"class_list":["post-2303","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-europaische-union","category-finanzpolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-de-maiziere-thomas","tag-privatvorsorge","tag-schlanker-staat","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2303"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29984,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2303\/revisions\/29984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}