{"id":2308,"date":"2007-05-03T13:44:43","date_gmt":"2007-05-03T11:44:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2308"},"modified":"2019-10-28T16:25:20","modified_gmt":"2019-10-28T15:25:20","slug":"studie-zur-zukunft-der-pflege-in-deutschland-wieder-ein-beleg-des-niedergangs-der-wirtschaftswissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2308","title":{"rendered":"\u201eStudie zur Zukunft der Pflege in Deutschland\u201c &#8211; wieder ein Beleg des Niedergangs der Wirtschaftswissenschaft."},"content":{"rendered":"<p>Unter der Schlagzeile <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Presse\/Pressemeldungen\/Pressemeldungen\/Studie_zur_Zukunft_der_Pflege_in_Deutschland.html;jsessionid=A8A0AE9D2A173D50AD3D3994A6E1D759\">&bdquo;Eine Reform der Pflegeversicherung ist dringend n&ouml;tig&ldquo;<\/a> ver&ouml;ffentlichte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am 2.5. eine Pressemitteilung zu einer so genannten Studie des Duisburger &Ouml;konomen Reinhold Schnabel. Hermann Zoller hat dies freundlicherweise kommentiert. Vorweg der Link zur Pressemitteilung, einige Hinweise eines unserer aufmerksamen Beobachter und am Schluss eine Anmerkung von mir. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nRechts auf der angeklickten INSM-Seite gibt es eine Download-Box, wo die komplette Studie heruntergeladen werden kann.<\/p><p>Einen weiteren Bericht dazu gibt es hier im <a href=\"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/studien\/bericht-83596.html\">Innovationsreport<\/a>. Das &ldquo;Forum f&uuml;r Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft&rdquo; wird u.A. von der ALLIANZ, Deutscher Bank, Dresdner Bank, Postbank und Bertelsmann Media Worldwide gesponsort. <\/p><p>Reinhold Schnabel, der Urheber der Studie, war schon f&uuml;r das <a href=\"http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/downloads\/BVG_020314.pdf\">Deutsche Institut f&uuml;r Altersvorsorge [PDF &ndash; 80 KB]<\/a> t&auml;tig. <\/p><p>Wir wissen ja: <a href=\"http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/institut.htm\">Ziel dieses Instituts<\/a> ist es, Chancen und Risiken der staatlichen Altersversorgung bewusst zu machen und die private Initiative zu f&ouml;rdern. Gesellschafter des Instituts sind die Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Bauspar AG, DWS Investment GmbH und Deutscher Herold AG, Kooperationspartner ist die Deutsche Bank Privat- und Gesch&auml;ftskunden AG. <\/p><p>Derzeit schreibt Schnabel gemeinsam mit Axel B&ouml;rsch-Supan ein <a href=\"http:\/\/www.weltbild.ch\/artikel.php?WEA=2220694&amp;artikelnummer=1252751&amp;mode=art&amp;PUBLICAID=fa84aff76d52826faaff38578296a0b9\">Buch<\/a>.<\/p><p><strong>Kommentar von Hermann Zoller<\/strong><\/p><p><strong>Neues Opfer der INSM-Panikmacher: Die Pflegeversicherung<\/strong><\/p><p>Jetzt wird die Zukunft der Pflegeversicherung dramatisiert. Professor Reinhold Schnabel von der Universit&auml;t Duisburg-Essen will in einem Gutachten &uuml;ber &ldquo;Die Situation der Pflege bis zum Jahr 2050&rdquo; f&uuml;r die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) herausgefunden haben: &ldquo;Die Zahl der Pflegebed&uuml;rftigen w&auml;chst bis 2020 um 50 Prozent auf 2,7 Millionen (2050: 4,7 Millionen) Das bedeutet wachsende finanzielle Lasten f&uuml;r den Faktor Arbeit: Kamen im Jahr 2005 auf 100 Erwerbsf&auml;hige im Alter von 20 bis 64 Jahren vier Pflegef&auml;lle, werden es in 2020 bereits 5,8 sein und 2050 sogar 12&rdquo;, so in einer Pressemitteilung der INSM. <\/p><p>Solche Behauptungen aufzustellen bedarf es wahrlich scharfen Weitblicks. Denn wie sich die Gesundheit der Menschen entwickelt, das ist mehr als ungewiss, nicht zuletzt, weil sich der medizinische Fortschritt weiterentwickeln wird. Unbekannt ist freilich, wer ihn sich in welchem Ma&szlig;e wird leisten k&ouml;nnen. Sarkastisch angemerkt: im negativen Falle k&ouml;nnte sich dann das Pflegeproblem auch wieder anders darstellen. <\/p><p>Schnabel geht einfach davon aus, dass &ldquo;k&uuml;nftig immer weniger Menschen ihre Angeh&ouml;rigen zu Haus pflegen&rdquo; werden. Auch nur so eine aus der Luft gegriffene Behauptung. Dem Herrn Professor ist noch nicht aufgefallen, dass es schon seit einiger Zeit wieder einen sich verst&auml;rkenden Trend zur Pflege in den eigenen vier W&auml;nden gibt. Sollte sich dieser &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; fortsetzen, dann brechen die Konstruktionen seines Gutachtens ein weiteres Mal zusammen. Au&szlig;erdem k&ouml;nnte es sein, dass vielen Familien schlicht das Geld daf&uuml;r fehlt, ihre Angeh&ouml;rigen in einem Heim unterbringen zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Die Kinderlosigkeit ist Schnabel als Argument willkommen, um seine Behauptung zu st&uuml;tzen, dass auf jeden Pflegebed&uuml;rftigen immer weniger Angeh&ouml;rige kommen. Die andere Seite der Medaille, dass sinkende Kinderzahlen auch zu Einsparungen in Kinderg&auml;rten und Schulen f&uuml;hren, also Mittel frei werden, die an anderer Stelle, zum Beispiel f&uuml;r Pflegeeinrichtungen, eingesetzt werden k&ouml;nnen, wird von Schnabel ignoriert &ndash; soweit dies aus der INSM-Pressemitteilung hervor geht.<\/p><p>Der INSM geht es mit dem Gutachten auch gar nicht darum, m&ouml;glichst solide Annahmen f&uuml;r eine zukunftsorientierte Politik zu liefern. Ein weiteres Mal wird Panikmache betrieben &ndash; um die Menschen in die private Versicherungswirtschaft zu treiben und die Unternehmen zu entlasten. Die INSM meint es gut mit den Menschen: &ldquo;Private Haushalte m&uuml;ssen rechtzeitig wissen, was sie von der gesetzlichen Pflegeversicherung erwarten k&ouml;nnen, um im Alter abgesichert zu sein und ihr Vorsorgeverhalten rechtzeitig darauf einzurichten&rdquo;, meint Max A. H&ouml;fer, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der INSM. Und nach der Propaganda dieser &ldquo;&uuml;berparteilichen Reformbewegung&rdquo; bedeutet dies eben, ins eigene Portemonnaie zu greifen. Verhindert werden soll, dass der Beitragssatz f&uuml;r die Pflegeversicherung auf 3 bis 5,5 Prozent &ndash; so die Schnabel-Prognose &ndash; steigt. Die Begr&uuml;ndung ist bestens bekannt: &ldquo;H&ouml;here Beitr&auml;ge zur Pflegeversicherung sind allerdings kein Ausweg aus der Versorgungsl&uuml;cke. Denn steigende Beitr&auml;ge erh&ouml;hen die Lohnnebenkosten und versch&auml;rfen &uuml;ber eine wachsende Arbeitslosigkeit das Finanzproblem.&rdquo; Abgesehen davon, dass diese Argumentation stark abgegriffen ist: Selbstverst&auml;ndlich ignoriert Schnabel, dass auch in den n&auml;chsten 40 Jahren unsere Wirtschaft wachsen wird &ndash; und von dem gr&ouml;&szlig;eren Kuchen, dann auch mehr f&uuml;r die Pflegeversicherung heruntergeschnitten werden k&ouml;nnte. <\/p><p>Wieder einmal versucht die INSM ein Schreckgespenst durch die Lande laufen zu lassen, um die Menschen in die F&auml;nge der Privatversicherung zu treiben. Mal sehen, welche Medien sich diesmal zu einem willigen Gefolge versammeln werden.<\/p><p><strong>P.S. AM:<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte noch eine Anmerkung zum Verst&auml;ndnis der Denkfehler bzw. der Interessenabh&auml;ngigkeit von Wissenschaftlern vom Typ Schnabel und B&ouml;rsch-Supan machen und Sie dazu zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen: Vergessen Sie einfach mal die Finanzstr&ouml;me, also Renten- und Pflegeversicherungszahlungen, Beitragszahlungen und Zusch&uuml;sse. Denken Sie statt dessen in realen &ouml;konomischen Gr&ouml;&szlig;en, also: es gibt heute X Pflegebed&uuml;rftige und in 30 Jahren vermutlich Y. Und es gibt heute A Beitragszahler und drei Jahrzehnte sp&auml;ter B. &ndash; Und jetzt fragen Sie bei sich: &Auml;ndert die Reform, &auml;ndert die Umstellung des Finanzierungssystems vom jetzigen Verfahren auf eine Privatvorsorge irgend etwas an der realen Relation? Doch wohl nicht. Daran k&ouml;nnen Sie schon sehen, dass die Pl&auml;doyers f&uuml;r Privatvorsorge aus ganz anderen Motiven gespeist sind.<br>\nDer Autor der Studie Schnabel ist in Diensten des Deutschen Instituts f&uuml;r Altersvorsorge (DIA), einer Tochter der Deutschen Bank Gruppe, und f&uuml;r die Lobbyorganisation der Arbeitgeber Metall, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, t&auml;tig.<br>\nDer erw&auml;hnte B&ouml;rsch-Supan leitet ein von der Versicherungswirtschaft ma&szlig;geblich bezahltes Institut in Mannheim, das MEA. &Uuml;ber seine Interessenverflechtung habe ich schon in &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; berichtet. <a href=\"?p=247\">Siehe dazu auch in den NachDenkSeiten.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der Schlagzeile <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Presse\/Pressemeldungen\/Pressemeldungen\/Studie_zur_Zukunft_der_Pflege_in_Deutschland.html;jsessionid=A8A0AE9D2A173D50AD3D3994A6E1D759\">&bdquo;Eine Reform der Pflegeversicherung ist dringend n&ouml;tig&ldquo;<\/a> ver&ouml;ffentlichte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am 2.5. eine Pressemitteilung zu einer so genannten Studie des Duisburger &Ouml;konomen Reinhold Schnabel. Hermann Zoller hat dies freundlicherweise kommentiert. Vorweg der Link zur Pressemitteilung, einige Hinweise eines unserer aufmerksamen Beobachter und am Schluss eine Anmerkung von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2308\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[128,123,148],"tags":[343,273],"class_list":["post-2308","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-insm","category-kampagnentarnworteneusprech","category-pflegeversicherung","tag-luegen-mit-zahlen","tag-privatvorsorge"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2308","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2308"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55961,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2308\/revisions\/55961"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}