{"id":2325,"date":"2007-05-08T09:10:10","date_gmt":"2007-05-08T07:10:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2325"},"modified":"2016-01-06T15:23:20","modified_gmt":"2016-01-06T14:23:20","slug":"adecco-chairman-clement-meldet-sich-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2325","title":{"rendered":"Adecco-Chairman Clement meldet sich zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Der ehemalige Superminister und heutige <a href=\"?s=Clement+Adecco&amp;Submit.x=38&amp;Submit.y=12\">Multi-Aufsichtsrat<\/a>, Vorstandsmitglied im Verlag Neven DuMont, Mitglied im &bdquo;Konvent f&uuml;r Deutschland&ldquo;, WamS-Kolumnist sowie <a href=\"?s=Clement+Adecco&amp;Submit.x=38&amp;Submit.y=12\">&bdquo;Chairman&ldquo; des Adecco Institute<\/a> in London &ndash; ein vom &bdquo;Weltmarktf&uuml;hrer f&uuml;r Personaldienstleistungen&ldquo; finanziertes Institut &ndash; sagt uns im Zeitgeistmagazin <a href=\"http:\/\/www.cicero.de\/page_print.php?ress_id=6&amp;item=1824\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.cicero.de\/page_print.php?ress_id=6&amp;item=1824\">&bdquo;Cicero&ldquo;<\/a>, wo es in der Gro&szlig;en Koalition lang gehen muss. Ein typisches Beispiel des g&auml;ngigen inhaltsleeren, ja unsinnigen &bdquo;Reformsprechs&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\nClement hat mal wieder einen Beitrag geschrieben, der kaum ein Versatzst&uuml;ck neoliberaler Reform- und Ruck-Rhetorik ausl&auml;sst. <\/p><p>Nehmen wir die Allerweltsformeln der Reihe nach durch:<\/p><blockquote><p>Wir leisten uns mehr strukturelle Hindernisse als im globalen Wettbewerb verkraftbar.<\/p><\/blockquote><p>Was hei&szlig;t eigentlich &bdquo;strukturelle Hindernisse&ldquo;? Immer, wenn man nicht sagen m&ouml;chte, was man wirklich sagen will, n&auml;mlich dass man einen Systemwechsel will, spricht man von &bdquo;Strukturreformen&ldquo;. Dahinter verbirgt sich nicht mehr und nicht weniger als der Abbau von sozialen Rechten, Privatisierung und Abbau des Sozialstaats.<\/p><blockquote><p>Eine konsequente Wachstumsstrategie muss &uuml;ber das hinausgehen, was wir uns bisher abverlangen.<\/p><\/blockquote><p>Was haben &bdquo;wir&ldquo; uns bislang schon alles abverlangt? &bdquo;Wir&ldquo; haben Arbeitslose auf die Sozialhilfe abgedr&auml;ngt und Clement selbst hat sie dar&uuml;ber hinaus als &bdquo;Schmarotzer&ldquo; beschimpft. &bdquo;Wir&ldquo; haben die gesetzliche Rente zum Armutsrisiko gemacht. &bdquo;Wir&ldquo; haben eine historisch einmalige Umverteilung von unten nach oben in Gang gesetzt. &bdquo;Wir&ldquo; sind bei den L&ouml;hnen gegen&uuml;ber nahezu allen Konkurrenten abgeh&auml;ngt. Was will &bdquo;uns&ldquo; Clement eigentlich noch mehr abverlangen?<\/p><blockquote><p>Eine entschiedene Entschlackung der &ouml;ffentlichen Haushalte von allen nicht zwingenden &ouml;ffentlichen Aufgaben und Ausgaben. Nur ein Beispiel: M&uuml;ssen Lehrer oder Hochschullehrer wirklich &bdquo;verbeamtet&ldquo; werden? Das gibt&rsquo;s in keinem europ&auml;ischen Staat mehr.<\/p><\/blockquote><p>Wie das? Beamte &ndash; ob man sie nun mag oder nicht &ndash; hat es in anderen L&auml;ndern Europas noch nie gegeben.  Sollen also Lehrer und Hochschullehrer nicht mehr als &ouml;ffentliche Ausgaben den &ouml;ffentlichen Haushalten zur Last fallen? Wer w&uuml;rde sie bezahlen, wenn sie Angestellte w&auml;ren? Sollen sie sich von ihren Sch&uuml;lern oder Hochsch&uuml;lern bezahlen lassen? Oder sollen Schulen und Hochschulen gleich ganz in private Profit-Centers umgewandelt werden?<br>\nHat Clement nicht von seinem fr&uuml;heren Kabinettkollegen Finanzminister Schleu&szlig;er vorgerechnet bekommen, dass Angestellte aktuell dem Fiskus viel teurer k&auml;men als Beamte?<br>\nDas hat doch inzwischen jeder bemerkt  und deshalb ist diese Diskussion abgestanden, nur Clement geht damit immer noch on Tour. <\/p><blockquote><p>Ein B&uuml;rokratieabbau, der in einem ersten Schritt nachweisbar zu einer Minderbelastung von Unternehmen in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung von 25 Prozent f&uuml;hrt.<\/p><\/blockquote><p>Wer hat das nachgewiesen? Was meint Clement mit B&uuml;rokratieabbau: K&uuml;ndigungsschutz? Tarifvertr&auml;ge? Arbeitsschutz? <\/p><blockquote><p>\nEine Steigerung der staatlichen Effizienz durch eine Neugliederung der Bundesl&auml;nder.<\/p><\/blockquote><p>Ein ziemlich abgefackelter Dauerbrenner. Wer gliedert die Bundesl&auml;nder neu? Ein Mufti oder die B&uuml;rgerinnen oder B&uuml;rger?<\/p><blockquote><p>Nur so kann gew&auml;hrleistet werden, was den f&ouml;deralen Staat dem Zentralstaat &uuml;berlegen macht: Wettbewerb?&ldquo;<br>\nMal wieder &bdquo;Wettbewerb &uuml;ber alles.<\/p><\/blockquote><p>Nicht der Wettbewerb unter den L&auml;ndern, sondern der kooperative F&ouml;deralismus hat die Bundesrepublik erfolgreich gemacht. Der Wettbewerbsf&ouml;deralismus f&uuml;hrt, wie wir schon kurze Zeit nach der F&ouml;deralismusreform jetzt schon erkennen zu einem Flickenteppich-F&ouml;deralismus, etwa im Bildungsbereich und zu einem &bdquo;race to the bottom&ldquo; bei allen Umwelt-, Sozial-, Steuer- und Arbeitsrechtsstandards.<\/p><blockquote><p>Eine Arbeitsmarktpolitik, die auf Flexibilit&auml;t und Qualifikation setzt, auf individuelle &bdquo;Flexicurity&ldquo;, und nicht Arbeitspl&auml;tze sch&uuml;tzt, sondern Menschen f&ouml;rdert und fordert. Statt mit gesetzlichen Mindestl&ouml;hnen und anderen Defensivinstrumenten zu hantieren, sollte die Politik ein Mindesteinkommen in Form eines marktkompatiblen Kombilohns anbieten.<\/p><\/blockquote><p>Aha, Arbeitsmarkpolitik soll also nicht mehr Arbeitspl&auml;tze sch&uuml;tzen? Das haben wir hinter Clements Arbeitsmarktpolitik schon immer vermutet.<br>\nHat Clement jemals zur Kenntnis genommen, was das aus D&auml;nemark stammende Modell von &bdquo;Flexicurity&ldquo; hei&szlig;t, n&auml;mlich zwar keinen K&uuml;ndigungsschutz aber 80 Prozent des Gehalts ohne zeitliche Grenze?<br>\nWie sich Clement das &bdquo;F&ouml;rdern&ldquo; und &bdquo;Fordern&ldquo; vorstellt, davon k&ouml;nnen die Leute, die mit den von ihm eingef&uuml;hrten &bdquo;Arbeitsgelegenheiten&ldquo; (1-Eur-Jobs) begl&uuml;ckt wurden, ein Lied singen.<\/p><p>Was ist ein &bdquo;marktkompatibler&ldquo; Kombilohn? Kann uns Clement sagen, was der Marktwert eines einzelnen Arbeitnehmers ist?<br>\nEin &bdquo;marktkompatibler&ldquo; Kombilohn ist vermutlich dann erreicht, wenn die Gewerkschaften ihre Tarifmacht v&ouml;llig verloren haben und die Wirtschaft ein Maximum an staatlichen Lohnzusch&uuml;ssen erreicht hat.<br>\nWarum ist eigentlich ein gesetzlicher Mindestlohn ein &bdquo;Defensivinstrument&ldquo; und nicht ein Offensivinstrument?  <\/p><blockquote><p>Wir selbst und die, die derzeit f&uuml;r uns politische Verantwortung tragen, machen uns noch immer etwas vor. Unser Problem sind nicht omin&ouml;se Heuschrecken. Unsere Herausforderer sind rund eineinhalb Milliarden Menschen. Sie leben in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China und Indien, und sie melden sich mit gro&szlig;em Selbstbewusstsein im globalen Arbeitsmarkt zur&uuml;ck.<\/p><\/blockquote><p>Na ja, Clement hat offenbar Steingarts Bedrohungsszenarium vom globalen Arbeitsmarkt auch schon mal in seine Phrasendreschmaschine &uuml;bernommen.<br>\nAber warum melden sich die Chinesen und Inder eigentlich &bdquo;zur&uuml;ck&ldquo;? Waren sie schon mal da?<br>\nClement ist ja schon mit seiner &uuml;berschaubaren nationalen Arbeitsmarktpolitik ziemlich gescheitert. Ob ihn das als globalen Arbeitsmarktpolitiker auszeichnet? <\/p><p>Zu guter letzt die Preisfrage: Was hei&szlig;t eigentlich &bdquo;aktivierende Wirkung des Wachstums&ldquo;?<br>\nWenn Sie es auch nicht wissen, seien Sie nicht beunruhigt.<br>\nEs ist eben reines Geschw&auml;tz, bei dem &ndash; sogar noch ziemlich unverdaut &ndash; irgendwelche Einfl&uuml;sterungen des neoliberalen Umfelds aufgeschnappt wurden.<\/p><p>Aber f&uuml;r solches Geschw&auml;tz ist das Zeitgeistmagazin Cicero ja da: Was eben gerade als Geschw&auml;tz in der Zeit ist, das gilt als Geist. Wenn auch nur noch Geisterfahrer unterwegs sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ehemalige Superminister und heutige <a href=\"?s=Clement+Adecco&amp;Submit.x=38&amp;Submit.y=12\">Multi-Aufsichtsrat<\/a>, Vorstandsmitglied im Verlag Neven DuMont, Mitglied im &bdquo;Konvent f&uuml;r Deutschland&ldquo;, WamS-Kolumnist sowie <a href=\"?s=Clement+Adecco&amp;Submit.x=38&amp;Submit.y=12\">&bdquo;Chairman&ldquo; des Adecco Institute<\/a> in London &ndash; ein vom &bdquo;Weltmarktf&uuml;hrer f&uuml;r Personaldienstleistungen&ldquo; finanziertes Institut &ndash; sagt uns im Zeitgeistmagazin <a href=\"http:\/\/www.cicero.de\/page_print.php?ress_id=6&amp;item=1824\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.cicero.de\/page_print.php?ress_id=6&amp;item=1824\">&bdquo;Cicero&ldquo;<\/a>, wo es in der Gro&szlig;en Koalition lang gehen muss. 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