{"id":23261,"date":"2014-09-12T13:10:43","date_gmt":"2014-09-12T11:10:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23261"},"modified":"2024-09-24T23:28:47","modified_gmt":"2024-09-24T21:28:47","slug":"wider-den-bildungsmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23261","title":{"rendered":"Wider den Bildungsmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Dass Bildung immer mehr <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/leseprobe\/Ware-Bildung-Schule-und-Universitaet-unter-dem-Diktat-der-OEkonomie\/leseprobe_9783720530156.pdf\">zur Ware wird [PDF]<\/a>, ist der interessierten Fach&ouml;ffentlichkeit seit Langem bekannt. Aber auch Sch&uuml;ler, Studierende und Lehrpersonal sp&uuml;ren mehr und mehr den &Ouml;konomisierungsdruck. Da gibt es immer mehr Wettbewerb, immer mehr Druck, immer knappere Ressourcen, immer mehr Konkurrenz; da wurden Studiengeb&uuml;hren eingef&uuml;hrt und da entwickelte die OECD bereits 1996 in einem Papier eine Strategie zur schrittweisen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/111112_wernicke_offene_und_verdeckte_privatisierung_bildung.pdf\">Einf&uuml;hrung fl&auml;chendeckender Schulgelder im Land [PDF]<\/a>. Um auf diese Problemlage hinzuweisen, veranstaltet ein zivilgesellschaftliches B&uuml;ndnis  nun Mitte September eine <a href=\"http:\/\/www2.alternative-wirtschaftspolitik.de\/uploads\/ware_bildung_20.09.2014_infoflyer.pdf\">Tagung [PDF]<\/a> in Berlin. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit <strong>Torsten Bultmann<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23261#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], einem der Veranstalter.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Herr Bultmann, Sie sind einer der Referenten der in K&uuml;rze stattfindenden Tagung <a href=\"http:\/\/www2.alternative-wirtschaftspolitik.de\/uploads\/ware_bildung_20.09.2014_infoflyer.pdf\">&bdquo;Ware Bildung&ldquo; [PDF]<\/a>, die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, dem Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dessen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Sie auch sind, sowie der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik ausgerichtet wird. Was meinen die Veranstalter, wenn sie von Bildung als Ware sprechen?<\/em><\/p><p>Nun, ich kann nicht f&uuml;r die anderen Mitveranstalter sprechen, sondern nur f&uuml;r meinen Verband, den BdWi. Und wir besch&auml;ftigen uns seit Jahren vor allem kritisch mit den desastr&ouml;sen Folgen der brachialen Durchsetzung des neuen Leitbildes der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8139\">&bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo;<\/a>, welche seit etwa der zweiten H&auml;lfte der 90er Jahre zu beobachten ist und die viele negative Konsequenzen f&uuml;r Bildung und Wissenschaft zeitigt.<\/p><p>Gelingende Bildungsprozesse und wissenschaftliche Innovationen bed&uuml;rfen eines freien Austausches von Gedanken sowie der gleichberechtigten Kooperation aller hieran Beteiligten. Es z&auml;hlt nicht der Status einer Person, sondern nur das bessere Argument. In der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; wird dieses Herangehen nun jedoch durch den Gedanken der &ndash; im Kern &ouml;konomischen &ndash; Konkurrenz um finanzielle Ausstattungsvorspr&uuml;nge zunehmend ersetzt. Das jedoch ist eine bildungsfremde und wissenschaftswidrige institutionelle Konstruktion&hellip;<\/p><p><em>Hat es derlei &bdquo;gleichberechtigte Kooperation&ldquo; und den freien Austausch der Gedanken in der deutschen Bildungs- und Hochschullandschaft denn jemals gegeben?<\/em><\/p><p>Nein, in reiner Form gab es das nie. Auch in der Vergangenheit hat es an den Hochschulen Hierarchien und Machtverh&auml;ltnisse gegeben, die nicht aus der Wissenschaft selbst heraus begr&uuml;ndbar waren. Die 68er-Bewegung etwa rebellierte dagegen. Dabei konnte sie allerdings auf den Humboldt&lsquo;schen Gedanken wissenschaftlicher Autonomie zur&uuml;ckgreifen und diesen als Unabh&auml;ngigkeit von gesellschaftlichen Macht- und Partikularinteressen interpretieren und teils sogar durchsetzen. Dieser Gedanke wurde damals im Sinne einer kritischen Funktion von Wissenschaft gegen&uuml;ber der Gesellschaft radikalisiert und mit dem Konzept der demokratischen Selbstverwaltung der Hochschulen verbunden &ndash; wenn auch im politischen Resultat niemals ganz realisiert.<\/p><p><em>Inwiefern?<\/em><\/p><p>Insofern, als das der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; vorausgehende Leitbild der Gruppenhochschule zwar sehr wohl auch ein Machtmodell war, das eine Professorenmehrheit in grundlegenden akademischen Fragen sicherte. Allerdings sorgte allein deren Struktur jedoch auch daf&uuml;r, dass die nicht-professoralen Gruppen &ndash; also etwa Studierende und der so genannter wissenschaftliche Mittelbau &ndash; in den Hochschulgremien  immer wieder ihre Anspr&uuml;che auf Gleichberechtigung, Besserstellung und Hierarchieabbau anmelden konnten. Die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo; birgt nun die Gefahr, dass sogar diese nicht besonders weit reichende Mitwirkung &ndash; und damit zugleich der offene Konflikt um die Demokratisierung der Selbstverwaltung &ndash; auch noch abgeschafft wird.<\/p><p><em>Auf welche Weise denn?<\/em><\/p><p>Indem etwa die &ndash; quasi halb-demokratischen &ndash; Gremien der akademischen Selbstverwaltung in letzter Konsequenz gar nichts mehr zu sagen haben k&ouml;nnten. An ihre Stelle tritt n&auml;mlich zunehmend eine autokratisch-zentralistische Leitungsstruktur nach dem Vorbild gewerblicher Unternehmen, die vor allem mit Marketing &ndash; hochschulpolitisch hei&szlig;t das dann &bdquo;Profilbildung&ldquo; &ndash;, Management und Geldbeschaffung besch&auml;ftigt ist.<\/p><p>Ihr Kongressvortrag tr&auml;gt den Titel &bdquo;Marktsimulation in der &sbquo;unternehmerischen Hochschule&lsquo; und die Folgen f&uuml;r Bildung und Forschung&ldquo;. Worum geht es da genau? <\/p><p>Zun&auml;chst einmal um Verteilungspolitik. Das &bdquo;unternehmerische&ldquo; Modell unterwirft die Handlungsabl&auml;ufe einer Hochschule n&auml;mlich einem strikten Wettbewerbsregime. Dadurch wird Ungleichheit gest&auml;rkt. Ungleichheit vor allem in der finanziellen Ausstattung. Dadurch entsteht eine zunehmende Hierarchisierung zwischen den Hochschulen, aber auch innerhalb derselben. Und die im Wettbewerb unterlegenen Einrichtungen, Fachbereiche oder Studieng&auml;nge haben in der Konsequenz aufgrund ihrer defizit&auml;ren Finanzausstattung dann nicht einmal mehr eine theoretische Chance, jemals zu den &bdquo;Siegern&ldquo; aufzur&uuml;cken. Sie bleiben abgeh&auml;ngt. Und zwar nicht etwa, wie man uns glauben machen will, weil die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dort schlechter w&auml;ren, sondern schlicht weil ihre materiellen Leistungsbedingungen mehr nicht hergeben. <\/p><p>Der Begriff &bdquo;Marktsimulation&ldquo; bedeutet dabei, dass mir folgender Gedanke von besonderem Wert ist: Den &bdquo;Wettbewerben&ldquo;, von denen hier die Rede ist, liegen &uuml;berhaupt keinerlei realen M&auml;rkte zugrunde. Vielmehr handelt es sich um staatlich simulierte Pseudo-Wettbewerbe, deren Etablierung das Ziel verfolgt, finanzielle Zuw&auml;chse &ndash; in einem seit mehr als zwei Jahrzehnten strukturell unterfinanzierten System &ndash; selektiv nur noch an wenigen Standorten zu konzentrieren. Diesen werden dann h&auml;ufig die Pr&auml;dikate &bdquo;Exzellenz&ldquo; und &bdquo;Elite&ldquo; verliehen. Nolens volens wird so auch die Gesch&auml;ftsgrundlage gest&auml;rkt, dass die defizit&auml;re Grundausstattung f&uuml;r die eigentlichen gesetzlichen Aufgaben der Hochschulen nicht erh&ouml;ht zu werden braucht. Als Begr&uuml;ndung l&auml;sst sich dann n&auml;mlich bequem anf&uuml;hren, dass die unterfinanzierten Bereiche ja weniger leisteten; schlie&szlig;lich seien sie in den einschl&auml;gigen Wettbewerben nicht erfolgreich gewesen. <\/p><p><em>In Summe also: Ein simulierter Markt, um die Akteure in einem massiv unterfinanzierten System zum einen gegeneinander auszuspielen und zum anderen mittels metaphorisch vorgehaltener M&ouml;hre und des Mantras &bdquo;Wenn ihr Euch anstrengt, bekommt ihr auch was!&ldquo; von der eigentlichen Problematik, der systemischen n&auml;mlich, abzulenken&hellip; Verstehe ich recht?<\/em><\/p><p>Ja, so k&ouml;nnte man das sagen. <\/p><p><em>L&auml;sst sich dieses &bdquo;systemische Problem&ldquo; denn in etwa beziffern?<\/em><\/p><p>Ja! Doch zun&auml;chst einmal: In der berechtigten Klage dar&uuml;ber, dass die Grundfinanzierung der Hochschulen seit mehr als zwei Jahrzehnten defizit&auml;r ist und deutlich erh&ouml;ht werden muss, stimmen alle einschl&auml;gigen Wissenschaftsverb&auml;nde &uuml;berein. Egal, ob Hochschulrektorenkonferenz, Wissenschaftsrat oder Fakult&auml;tentage. Praktische politische Konsequenzen hat das jedoch nie gehabt &ndash; und kann es auch gar nicht, solange die gleichen Verb&auml;nde n&auml;mlich zugleich sowohl das &bdquo;unternehmerische&ldquo; Modell als auch die Wettbewerbsorientierung in der Finanzverteilung bejubeln. <\/p><p>F&uuml;r die ungef&auml;hre Bezifferung, nach der Sie fragen, reicht dabei bereits ein Blick in das Forschungsf&ouml;rderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um zu erahnen, was da im Argen liegt. Hier werden wir n&auml;mlich informiert, dass in den zur&uuml;ckliegenden zehn Jahren das Drittmittelaufkommen der Hochschulen um 100 Prozent gestiegen ist und mittlerweile mehr als ein Viertel ihrer Gesamtbudgets ausmacht. Das sind Mittel, die f&uuml;r <em>befristete<\/em> Forschungsprojekte wettbewerblich vergeben werden. Das macht allerdings nichts besser. Eher im Gegenteil, bedeutet es doch, dass Hochschulen immer weniger &uuml;ber feste, sichere und grundst&auml;ndige Finanzen jenseits von Markt, Befristung und Wettbewerb verf&uuml;gen.<\/p><p>Und: Es bedeutet zudem eben nicht, dass &ndash; was notwendig w&auml;re &ndash; alle mehr Geld bek&auml;men! Denn 60 Prozent dieser Drittmittel konzentrieren sich an den 20 top-gerankten Universit&auml;ten, von denen es insgesamt &uuml;ber 100 gibt. Diese 20 wiederum teilen sich auch 80 Prozent der Zusatzfinanzen aus der Exzellenzinitiative &ndash; einem der weiteren staatlich konstruierten Wettbewerbe aus Steuergeldern &ndash; unter sich auf. Dass sich diese Verteilung nach dem Matth&auml;us-Prinzip dabei gegen eine faire und unvoreingenommen Bewertung wissenschaftlicher Ideen und Vorhaben zu verselbst&auml;ndigen droht, d&uuml;rfte offenkundig sein. Denn wer in diesem Wettbewerbsregime sehr viel Geld erwirtschaftet, gilt allein deswegen schon als &bdquo;&uuml;berlegen&ldquo; und &bdquo;gut&ldquo;. <\/p><p>Was hier einigen zugeschanzt wird und hiernach wiederum zur Begr&uuml;ndung weiterer &bdquo;leistungsorientierter&ldquo; Zuwendungen herhalten muss, ist &ndash; und damit bin ich bei der Antwort auf Ihre Frage &ndash; was eigentlich alle Hochschulen br&auml;uchten, um wirklich gute Arbeit &ndash; und damit meine ich eben solche jenseits der aktuellen &bdquo;Wettbewerbskriterien&ldquo; &ndash; leisten zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Konkrete Daten und Analysen zum Thema sind einer entsprechenden <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary84589\/Bildungsfinanzierung%2021%20Jahrh.pdf\">GEW-Studie [PDF]<\/a> von Henrik Piltz zu entnehmen. In Summe geht es da um einen &bdquo;Investitionsstau&ldquo; im Bildungssystem im zweistelligen Milliardenbereich. <\/p><p><em>Mit Ihrem Titel sprechen Sie ja auch die Folgen auf Studium und Lehre an. Welche konkreten Ver&auml;nderungen zeitigten und zeitigen die geschilderten Prozesse denn f&uuml;r Lehrende, Mitarbeiter und Studierende?<\/em><\/p><p>Also, da sich das &bdquo;Plus&ldquo;, das nur wenige erhalten, jedoch alle ben&ouml;tigen w&uuml;rden, vorrangig auf das Feld der so genannten Spitzenforschung konzentriert, sind die Konsequenzen f&uuml;r den hochschulischen Regelbetrieb leider eindeutig negativ. <\/p><p>W&auml;hrend n&auml;mlich die Drittmittel um 100 Prozent gestiegen sind, wuchsen die Grundausstattungsmittel nominell im gleichen Zeitraum um nur 23 Prozent. Dieser geringf&uuml;gige Zuwachs jedoch konnte mit der deutlichen Steigerung der Studierendenzahlen nicht ann&auml;hernd mithalten, was sich allein an der st&auml;ndigen Verschlechterung der Betreuungsverh&auml;ltnisse &ndash; das meint: Studierende im Verh&auml;ltnis zum wissenschaftlichen Personal &ndash; ablesen l&auml;sst. Die Folge hiervon ist eine zunehmende Verschlechterung der Studienbedingungen sowie der nicht-professoralen wissenschaftlichen Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse bis &uuml;ber die Grenze der Prekarit&auml;t hinaus. Zu deutsch: Von der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; profitieren bestenfalls die Hochschulleitungen und einige Spitzenprofessuren. Die &uuml;berwiegende Mehrheit der Hochschulmitglieder hat hingegen gute politische und vor allem sachliche Gr&uuml;nde, dieses Leitbild abzulehnen und so schnell wie m&ouml;glich zu &uuml;berwinden. <\/p><p><em>Zu den Folgen: Werden Sie bitte konkreter &ndash; bez&uuml;glich der Lebensrealit&auml;ten der Hochschulmitglieder&hellip; Was ver&auml;ndert die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo; ganz praktisch?<\/em> <\/p><p>Nun, fangen wir mit der Bildung an: In den dominierenden Erfolgskriterien der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo;, welche sich, wie schon gesagt, nahezu ausschlie&szlig;lich auf Forschung beziehen, ist die Qualit&auml;t des wissenschaftliche Studiums v&ouml;llig egal. Ebenso gleichg&uuml;ltig sind die materiellen Studienbedingungen. Es gibt keinerlei Handlungsanreize, hier wirklich etwas zu verbessern, obwohl dies &uuml;berf&auml;llig w&auml;re. Aus der Perspektive der Hochschulleitungen gibt es allerdings ein reales Interesse an einer Verk&uuml;rzung und Verbilligung des Studiums. Weil sich auf diese Weise Finanzen erwirtschaften lassen, mit denen die Infrastruktur der f&uuml;r &bdquo;forschungsstark&ldquo; gehaltenen Bereich verbessert werden kann, um wiederum deren Wettbewerbschancen zu erh&ouml;hen usw. usf. <\/p><p>Das ist dann aus meiner Sicht der eigentliche Grund daf&uuml;r, dass der Bologna Prozess nie im Sinne einer wirklichen Studienreform funktioniert hat &ndash; und zwangsl&auml;ufig immer wieder scheitern muss, selbst wenn die Politik die x-te Nachreparatur verk&uuml;ndet. &Uuml;ber die Qualit&auml;t des Studiums wird kaum mehr nachgedacht, weil sich demgegen&uuml;ber immer wieder das Motiv einer formalen Studienzeitverk&uuml;rzung &ndash; aus den genannten Gr&uuml;nden &ndash; durchzusetzen vermag. Das hat dann wiederum die &Uuml;berreglementierung und Pr&uuml;fungsdichte des Studiums beg&uuml;nstigt. <\/p><p>Im Resultat: Studieren und arbeiten an deutschen Hochschulen erfolgen unter schlechteren Bedingungen als zuvor. Au&szlig;erdem werden nat&uuml;rlich auch alle Hochschulmitglieder durch die Wettbewerbslogik mehr und mehr in Konkurrenz zueinander gezwungen. Und man muss kein P&auml;dagoge sein, um zu ahnen, welche Auswirkungen schwindendes Vertrauen und geringer werdende Kooperationsbereitschaft auf Motivation, Interesse und nicht zuletzt Bildung aus&uuml;ben. <\/p><p><em>Selbst wenn man solche Verh&auml;ltnisse zu Recht kritisiert, k&ouml;nnte man ja aber doch immer noch &ndash; wenn auch etwas boshaft und zynisch &ndash; feststellen, dass unter diesen Bedingungen immerhin die Forschung gest&auml;rkt worden ist?<\/em><\/p><p>Auch daran gibt es erhebliche Zweifel. Tats&auml;chlich gibt es sogar eher Anzeichen daf&uuml;r, dass vor allem der wissenschaftliche Mainstream gest&auml;rkt wird. Wer sich nur ein wenig in der Wissenschaftsgeschichte auskennt, wei&szlig; aber, dass durchgreifende Innovationen, gar wissenschaftliche Revolutionen, vor allem abseits des Mainstreams gedeihen. <\/p><p>Das &bdquo;unternehmerische&ldquo; Modell hingegen unterdr&uuml;ckt eher kreative Motive, innovative Ideen und riskante Theorien. Es reicht schon ein Blick in die Verteilung der Forschungsgelder, konkret: auf die Konzentration der Drittmittel, um zu sehen: Es sind eher die Akteure auf der sicheren Seite, die sich an dem orientieren, was in der j&uuml;ngeren Vergangenheit bereits erfolgreich war.<\/p><p>Die besten Chancen haben folglich diejenigen, die mehr vom Gleichen &ndash; oder &Auml;hnlichem &ndash; produzieren, statt die etablierten Abl&auml;ufe infrage zu stellen oder gar zu irritieren und auf Neuland vorzusto&szlig;en. <\/p><p>Der Bamberger Wissenschaftssoziologen Richard M&uuml;nch kommt  zum Ergebnis, dass durch das Wettbewerbsregime sozusagen die Innovationsrate des &ouml;ffentlichen Wissenschaftssystems unterhalb seiner M&ouml;glichkeiten geschw&auml;cht wird. Es ist derzeit sogar eine Diskussion dar&uuml;ber entbrannt, ob durch solche Verh&auml;ltnisse eventuell der erhebliche wissenschaftliche Innovationsbedarf der Wirtschaft im High-Tech-Kapitalismus verfehlt werden wird. Diese Debatte ist noch nicht abgeschlossen. Vielleicht ist dies der Grund daf&uuml;r, dass auch Teile der etablierten Politik &ndash; in Baden W&uuml;rttemberg und Nordrhein-Westfalen etwa &ndash; mittlerweile explizit das Leitbild der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; infrage stellen &ndash; allerdings ohne bisher befriedigende Hochschulgesetze mit einem im klaren Bruch mit dem Leitbild der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; vorzulegen. Nordrhein-Westfalen ist leider aufgrund des erbitterten Widerstandes  der Hochschulleitungen und der Wirtschaft mit seiner Novelle auf halbem Wege stehen geblieben.<\/p><p><em>Ihr Fazit also?<\/em><\/p><p>Es hat keinen Sinn, auf politische Reformen &bdquo;von oben&ldquo; oder auf eine Implosion der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; zu warten. Man muss deren Ende durch politischen Druck bef&ouml;rdern. Dazu wollen auch wir mit unserer Tagung einen Beitrag leisten.<\/p><p><em>Dann viel Erfolg dabei. Und: Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Torsten Bultmann, Jahrgang 1954, studierte Geschichte, Germanistik und P&auml;dagogik, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Bund demokratischer Wissenschaftler_innen (BdWi)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div style=\"text-align: center\">\n<p><a rel=\"license\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\"><img decoding=\"async\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" style=\"border-width:0\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\"><\/a><br>Dieses Werk ist lizenziert unter einer <a rel=\"license\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\">Creative Commons Namensnennung &ndash; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Bildung immer mehr <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/leseprobe\/Ware-Bildung-Schule-und-Universitaet-unter-dem-Diktat-der-OEkonomie\/leseprobe_9783720530156.pdf\">zur Ware wird [PDF]<\/a>, ist der interessierten Fach&ouml;ffentlichkeit seit Langem bekannt. 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