{"id":23310,"date":"2014-09-17T15:03:08","date_gmt":"2014-09-17T13:03:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23310"},"modified":"2014-09-24T13:54:19","modified_gmt":"2014-09-24T11:54:19","slug":"gefangener-des-imperiums-ein-neuer-bericht-von-professor-norman-birnbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23310","title":{"rendered":"Gefangener des Imperiums \u2013 ein neuer Bericht von Professor Norman Birnbaum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Norman Birnbaum<\/strong> geht <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140917_birnbaum-the_prisoner_of_empire.pdf\">in diesem Text [PDF &ndash; 78 KB] (Original und deutsche &Uuml;bersetzung)<\/a> vom Kampf gegen ISIS aus. Mit Recht nennt er das eine &bdquo;gro&szlig;e US-Kampagne&ldquo;. Sie dient wohl ganz besonders der innenpolitischen Stabilisierung. Norman Birnbaum beschreibt den Druck und die Befangenheit Obamas; besser spr&auml;che man von der Gefangenheit, und so h&auml;lt es der Autor auch: &bdquo;Obama, der in den Anf&auml;ngen seiner Karriere in Deutschland und Europa so positiv gesehen wurde, ist Gefangener des Imperiums. In gewisser Weise ist er ein widerwilliger (und zunehmend m&uuml;der) Gefangener.&ldquo; &ndash; Normans Mail zum lesenswerten Text und zu seiner Nutzung der Nachdenkseiten: &ldquo;The main point, Albrecht, is that the President is indeed a prisoner of the apparatus .. and of course no Befreiungsschlag from Berlin or Bruxelles&hellip; I look forward to learning from Nachdenkseiten what I cannot learn from the German media, &hellip; regards Norman.&rdquo;<\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Gefangener des Imperiums<\/strong><\/p><p>von <em>Norman Birnbaum<\/em><\/p><p>Hat die ISIS, die dschihadistische Kraft, die im Irak und in Syrien Land besetzt hat, zehntausend K&auml;mpfer, oder zwei- oder dreimal so viele? Die US-Nachrichtendienste wissen es nicht, sie haben in den letzten Tagen widerspr&uuml;chliche Sch&auml;tzungen ver&ouml;ffentlicht. Der Pr&auml;sident hat eine gro&szlig;e US-Kampagne gegen die ISIS angek&uuml;ndigt und den Au&szlig;enminister auf der Suche nach Unterst&uuml;tzung noch einmal in den Mittleren Osten und nach Europa geschickt &ndash; und versichert der Nation gleichzeitig, dass sich die US-Milit&auml;raktionen auf Luftangriffe und Milit&auml;rberatung beschr&auml;nken werden. Die wesentlichen Kr&auml;fte, denen man Ratschl&auml;ge zukommen lassen will, sind die irakische Armee und &ldquo;moderate&rdquo; Syrer. Die irakische Armee ist vor ein paar Wochen vor der ISIS davongerannt und hat ihnen dabei eine ordentliche Menge wertvoller amerikanischer Milit&auml;rausr&uuml;stung &uuml;berlassen. Ihre Wiederaufrichtung muss begleitet werden von der Bewaffnung genau jener syrischen Kr&auml;fte, die der Pr&auml;sident vor gar nicht allzu langer Zeit als unf&auml;hig bezeichnet hat, gegen Assads Armee zu k&auml;mpfen. Die Syrer sollen in Saudi-Arabien ausgebildet werden, w&auml;hrend zugleich einige der reicheren Saudis (zusammen mit anderen Gebern in den Golfstaaten) der ISIS Geld zukommen lassen in Anerkennung ihrer strengen Religiosit&auml;t. Die Saudis selbst werden, wie &uuml;blich, ihre bewaffneten Einheiten Zuhause lassen. Abgesehen von den Kurden in ihrer autonomen Zone im Irak sind die einzigen, die die ISIS im Irak bek&auml;mpfen, eine Einheit aus dem Iran. Au&szlig;enminister Kerry hat erkl&auml;rt, dass eine milit&auml;rische Kooperation mit dem Iran nicht in Betracht komme, genausowenig wie ein Arrangement mit dem Widersacher der ISIS in Syrien, Pr&auml;sident Assad (Der Iran hat wissen lassen, dass es doch Gespr&auml;che mit den USA &uuml;ber eine Zusammenarbeit gegeben hat, aber f&uuml;r den Iran ist die USA kein verl&auml;sslicher Partner). Aus vielerlei Gr&uuml;nden ist die Unterst&uuml;tzung durch Amerikas teuersten und ungehorsamsten Satellitenstaat im Mittleren Osten, Israel, unm&ouml;glich. Premierminister Netanjahu, selten gehemmt, wenn es darum geht, die Intelligenz der Welt&ouml;ffentlichkeit zu untersch&auml;tzen, hat eine lautstarke israelische Propaganda-Kampagne genehmigt, die die ISIS mit der Hamas gleichstellt.<\/p><p>In diesem absurden geopolitischen Theater hat unser normalerweise recht vern&uuml;nftiger Pr&auml;sident offensichtlich seinen gr&ouml;&szlig;ten Vorzug vergessen, seine F&auml;higkeit vorauszudenken. Es ist unwahrscheinlich, dass die ISIS ausgeschaltet werden wird, und sie wird wohl auch von weiterem Vorr&uuml;cken nicht abgehalten werden. Der Pr&auml;sident hat sich festgelegt, nicht wieder Bodentruppen in den Irak zu schicken. Selbst wenn die Zahl uniformierter Berater und S&ouml;ldner steigt, der Pr&auml;sident wird sich irgendwann selbst in die Zwickm&uuml;hle man&ouml;vriert haben, entweder  massiv Truppen zu senden oder die permanente Pr&auml;senz der ISIS im Irak und in Syrien zu akzeptieren. Ein paar Tage nach seinem Aufruf an die Welt, gemeinsam mit den USA den Kampf gegen die ISIS zu f&uuml;hren, haben einige Nachrichtendienstler durchblicken lassen, dass sie seine Beschreibung der Gefahr, die von der ISIS ausgeht, f&uuml;r &uuml;bertrieben halten.<\/p><p>Der Pr&auml;sident hat die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, die zweischneidigen und endlosen Kriege seiner Vorg&auml;nger im Mittleren Osten zu beenden. Er hat die US-Kr&auml;fte aus dem Irak abgezogen, und ein holpriger R&uuml;ckzug aus Afghanistan ist im Gange. Er hat gro&szlig;e Zugest&auml;ndnisse an unseren aufgeblasenen Apparat f&uuml;r nationale Sicherheit gemacht, indem er schwerwiegende Br&uuml;che der US-Verfassung  (und dessen, was es in der Hinsicht an internationalem Recht gibt) zugelassen hat in Sachen Entf&uuml;hrungen, Drohnenangriffe und au&szlig;ergerichtliche T&ouml;tungen durch amerikanische Einheiten &uuml;berall auf der Welt. Manchmal stehen nur noch einige der Bundesgerichte zwischen der B&uuml;rgerschaft und unserer Unterwerfung unter ein Regime, das Carl Schmitt sicher gefallen w&uuml;rde (Ein literarisches Vorgef&uuml;hl daf&uuml;r kann man in Orwells 1984 bekommen). Durch eine permanente Ausrufung des Notstands hat der Pr&auml;sident seine eigene Vergangenheit als Lehrer f&uuml;r Verfassungsrecht beiseite gelegt.<\/p><p>Die furchtbaren Enthauptungen und systematischen Grausamkeiten der ISIS-Dschihadisten haben die amerikanische &Ouml;ffentlichkeit wirklich schockiert. Die &Ouml;ffentlichkeit (genauso wie viele Kongressabgeordnete) ist entsetzlich ignorant was einen Gro&szlig;teil der Welt jenseits unserer Grenzen angeht und speziell hinsichtlich der islamischen Welt, die unsere vorwiegend christliche Nation mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit, Abscheu und Furcht be&auml;ugt. Die lautstarke und einflussreiche Israel unterst&uuml;tzende Lobby hatte ungewohnte Schwierigkeiten, Israels Attacken auf den Gaza-Streifen zu verteidigen. Das Verhalten der ISIS ist ein Geschenk f&uuml;r Israels amerikanische Freunde, die Israel jetzt wieder als einen unverzichtbaren Alliierten gegen &ldquo;Terror&rdquo; darstellen k&ouml;nnen. Vor kaum vierzehn Tagen drehte sich ein betr&auml;chtlicher Teil der Diskussionen in Amerika um unsere eigene Grausamkeit, die Vorliebe wei&szlig;er Polizisten, schwarze, dunkelh&auml;utige (und arme) B&uuml;rger zu ermorden. Jetzt hat die Partei des permanenten Krieges wieder, was sie braucht: eine &Ouml;ffentlichkeit in Panik.<\/p><p>Trotz der vielen Dienste, die er ihnen erwiesen hat, hat die Kriegspartei den Pr&auml;sidenten w&auml;hrend seiner gesamten Amtszeit einer grausamen Kampagne von Verunglimpfungen ausgesetzt. Ihm wurde vorgeworfen, nicht an die amerikanische Einzigartigkeit zu glauben (das hei&szlig;t, unsere einzigartig moralische Art, Gesch&auml;fte zu machen), &uuml;berm&auml;&szlig;ige Sympathien f&uuml;r die dritte Welt und speziell die Muslime zu hegen, ambivalent zu sein hinsichtlich des Rechts der Nation, eine Weltordnung nach amerikanischer Ma&szlig;gabe zu errichten und ihr vorzustehen, unwillig zu sein, milit&auml;rische Mittel einzusetzen. Seine un&uuml;bersehbaren intellektuellen F&auml;higkeiten sind ihm als Beleg f&uuml;r seine fehlende M&auml;nnlichkeit ausgelegt worden, die ein amerikanischer Pr&auml;sident brauche. Das hat mich an die rhetorischen Angriffe auf John Kennedy erinnert kurz vor seinem Tod. Die fr&uuml;here Botschaft des Pr&auml;sidenten, dass eine komplexe Welt komplexe L&ouml;sungen brauche, die Zeit brauchen und niemals ideal sind, ist f&uuml;r sich schon zu komplex f&uuml;r viele unsere B&uuml;rger. Gleichzeitig leugnen dies viele von denen, die wissen, dass es so ist &ndash; aus karrieretaktischen Gr&uuml;nden oder aus politischem Kalk&uuml;l. Was auch immer unsere Kriegspartei (Akademiker, B&uuml;rokraten, Journalisten, Offiziere, Politiker und  gro&szlig;e Bereiche von Wirtschaft und Finanzwesen, die von unserem Imperium profitieren) sonst noch charakterisieren mag &ndash; strikte intellektuelle Redlichkeit ist sicher nicht ihr markantester Wesenszug.<\/p><p>Die Ank&uuml;ndigung des Pr&auml;sidenten einer R&uuml;ckkehr in den Irak entspricht genau der unverhohlenen und verstohlenen Rolle seiner Regierung im j&uuml;ngsten Staatsstreich in Kiew. Der Pr&auml;sident sucht sicher nicht nach einer milit&auml;rischen Konfrontation mit der Atommacht Russland &ndash; aber er hat fast nichts unternommen, um die manische Aggressivit&auml;t seiner Regierung in der Ukrainekrise zu drosseln. Mir ist klar, dass Merkel und Steinmeier eifrig nach Wegen und Kompromissen in der Ukraine gesucht haben. Vielleicht haben sie auf Kissinger, Brzezinski und Scocroft, die als Elder Statesmen ihre j&uuml;ngeren Nachfolger im Weissen Haus gewarnt haben, die Legitimit&auml;t der russischen Beschwerden &uuml;ber die EU, die NATO und deren Aktivit&auml;ten an den russischen Grenzen zu beachten. Die amerikanischen Medien, unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig bev&ouml;lkert von provinziellen Strebern, verhalten sich erwartungsgem&auml;&szlig;, wenn sie die Ansichten der deutschen Regierung, des Parlaments und des Volks ignorieren. Das sollte f&uuml;r die Regierung (und einen weiteren Kreis deutscher Stimmen) ein Anreiz sein, gr&ouml;&szlig;ere Anstrengungen zu unternehmen, um in den USA geh&ouml;rt zu werden. Obama, der in den Anf&auml;ngen seiner Karriere in Deutschland und Europa so positiv gesehen wurde, ist Gefangener des Imperiums. In gewisser Weise ist er ein widerwilliger (und zunehmend m&uuml;der) Gefangener. Vielleicht will er sich zu befreien versuchen, vielleicht nicht. Die Frage ist unbeantwortet, aber es ist klar, dass die Europ&auml;er (und allen voran die Deutschen) ihm genau dabei helfen k&ouml;nnten, indem sie gegen seinen R&uuml;ckzug in imperialistische Abenteuer opponieren. Es gibt, selbst in Washington, einen erheblichen Anteil Amerikaner, die eine Demonstration europ&auml;ischer Unabh&auml;ngigkeit begr&uuml;&szlig;en w&uuml;rden.<\/p><p>Die Pariser Konferenz vom 15. September hat v&ouml;llig vorhersehbare Erkl&auml;rungen hervorgebracht zur Notwendigkeit, die ISIS zu bek&auml;mpfen, und eine Anzahl schwammiger milit&auml;rischer Interventionsangebote. Die USA haben das Gebiet ausgeweitet, auf dem sie Luftangriffe fliegen. Eine sehr lange Reihe von Taten muslimischer Eliten, europ&auml;ischer Imperialisten und deren amerikanischer Nachfolger hat zu immer mehr Chaos in der Region gef&uuml;hrt. Vielleicht w&auml;re es der wirkungsvollste erste Schritt zu einer humanit&auml;ren Pause, wenn die UNO das Kommando &uuml;bern&auml;hme. Das jedoch w&uuml;rde von den Europ&auml;ern erfordern, genau jene Kombination von Autonomie und europ&auml;ischer Solidarit&auml;t zu entwickeln, mit der sie sich so schwer tun, im Gro&szlig;en wie im Kleinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Norman Birnbaum<\/strong> geht <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140917_birnbaum-the_prisoner_of_empire.pdf\">in diesem Text [PDF &ndash; 78 KB] (Original und deutsche &Uuml;bersetzung)<\/a> vom Kampf gegen ISIS aus. Mit Recht nennt er das eine &bdquo;gro&szlig;e US-Kampagne&ldquo;. Sie dient wohl ganz besonders der innenpolitischen Stabilisierung. Norman Birnbaum beschreibt den Druck und die Befangenheit Obamas; besser spr&auml;che man von der Gefangenheit, und so h&auml;lt es<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23310\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,171,166,174],"tags":[1008,641,1202,366,1553],"class_list":["post-23310","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-militaereinsaetzekriege","category-terrorismus","category-usa","tag-birnbaum-norman","tag-irak","tag-isis","tag-obama-barack","tag-syrien"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23310"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23313,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23310\/revisions\/23313"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}