{"id":2332,"date":"2007-05-10T09:05:42","date_gmt":"2007-05-10T07:05:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2332"},"modified":"2016-01-06T15:13:37","modified_gmt":"2016-01-06T14:13:37","slug":"der-neu-entdeckte-fachkraeftemangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2332","title":{"rendered":"Der neu entdeckte Fachkr\u00e4ftemangel"},"content":{"rendered":"<p>Die Klagen der Arbeitgeber &uuml;ber den Fachkr&auml;ftemangel sind alarmierend, das Wirtschaftswachstum werde gebremst. Doch dieser Notstand ist nicht &uuml;ber Nacht aufgetreten. Er war mit gro&szlig;er Treffsicherheit vorhersehbar.<br>\nInsbesondere die Arbeitgeber wissen aus Erfahrung, dass die Nachfrage nach Fachkr&auml;ften  bei einer Konjunkturbelebung regelm&auml;&szlig;ig steigt. Eine Besonderheit ist diesmal allenfalls darin zu sehen, dass der Mangel an Fachkr&auml;ften schon bei relativ bescheidenen Wachstumsraten einsetzt. D.h. die Unternehmen haben ihren Personalbestand in den letzten Jahren radikal ausged&uuml;nnt.<br>\nLesen Sie mehr in einem Beitrag, der uns von einem Arbeitsmarktexperten zur Verf&uuml;gung gestellt wurde, der namentlich nicht genannt werden m&ouml;chte.<br>\n<!--more--><br>\nOffensichtlich schlagen R&uuml;ckg&auml;nge bei den Auftr&auml;gen oder andere Schwierigkeiten  eines Unternehmens unmittelbar auf das Arbeitsvolumen durch. Im Gegensatz zu dem Vorwurf, der Arbeitsmarkt sei nicht flexibel genug, sind die Besch&auml;ftigten in zunehmendem Ma&szlig;e die Puffer der Unternehmen geworden.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus gilt die alte Regel, wer &uuml;ber Fachkr&auml;ftemangel klagt, hat nicht genug ausgebildet. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungs-Vertr&auml;ge ging von 1999 bis 2005 nahezu kontinuierlich zur&uuml;ck. 2005 waren es noch 559 061. Das ist der schlechteste Wert seit der Wiedervereinigung. Die Unternehmen haben die Chancen nicht genutzt, die ihnen mit der wachsenden Zahl der Schulabg&auml;nger geboten wurden.<\/p><p>2006 sind gegen&uuml;ber dem Vorjahr 22 250 Ausbildungsvertr&auml;ge mehr geschlossen worden. Dieser Zuwachs ist vor allem konjunkturbedingt. Er signalisiert noch keine Trendwende, zumal gleichzeitig mit 49 500 unversorgten Jugendlichen der Negativrekord von 1997 &uuml;bertroffen wurde. Damals sind 47 500 Bewerber leer ausgegangen. Und die Negativzahl von 49 500 unversorgten Jugendlichen ist nur die halbe Wahrheit. Jugendliche, die nach erfolglosen Bewerbungen auf Alternativen ausweichen, werden dabei nicht als Nachfrager gez&auml;hlt, auch dann nicht, wenn sie ihren Wunsch nach einer Lehre aufrecht erhalten.<\/p><p> Nach Erhebungen des Instituts f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ( IAB) war etwa die H&auml;lfte der Bewerber (390 000) um eine Ausbildungsstelle erfolglos. Diese Jugendlichen sind in eine schulische Nach- oder Weiterqualifizierung bzw. in eine berufsvorbereitende Ma&szlig;nahme eingem&uuml;ndet, haben sich ohne Berufsausbildung am Arbeitsmarkt orientiert oder waren &bdquo;anderweitig verblieben&ldquo;. Rechnet man die erfolglosen Bewerber heraus, bei denen der alternative Verbleib nicht  eine zweitbeste L&ouml;sung darstellt (z.B. Berufsfachschule), ist nach Berechnungen des IAB  von einer unbefriedigten Arbeitsplatznachfrage von etwa 160 000 Jugendlichen auszugehen. <\/p><p>Bei diesen Ergebnissen von einem Erfolg des Ausbildungspaktes 2004 &ndash; 2006 zu sprechen- wie das der Bundeswirtschaftsminister und die Wirtschaftsverb&auml;nde tun- ist geradezu verwegen und allenfalls mit den zu bescheidenen Zielvorgaben der Paktpartner zu erkl&auml;ren.<\/p><p>Die Vereinbarungen des Ausbildungspaktes 2007 &ndash; 2010 lassen keine grundlegende Besserung erwarten. Die Wirtschaft setzt sich das &bdquo;verbindliche Ziel&ldquo;, w&auml;hrend der Dauer dieses Paktes im Durchschnitt pro Jahr 60 000 neue Ausbildungspl&auml;tze einzuwerben. Das ist nur auf den ersten Blick vielversprechend, weil es sich um neue, nicht aber um zus&auml;tzliche Ausbildungspl&auml;tze handelt. Das hei&szlig;t, die Wirtschaft erreicht ihr Ziel auch dann, wenn den  60 000 neuen  38 000 weggefallene Arbeitspl&auml;tze gegen&uuml;berstehen und zus&auml;tzlich nur 22 000 Pl&auml;tze angeboten werden (so im &bdquo;Erfolgsjahr&ldquo; 2006). Das sieht auch die BDA so, wenn sie mitteilt: &bdquo;Die Einwerbung neuer Ausbildungspl&auml;tze ist besonders wichtig, um die aus wirtschaftlichen oder anderen Gr&uuml;nden entfallenden Ausbildungspl&auml;tze weitestgehend zu kompensieren bzw. die Zahl der Ausbildungspl&auml;tze m&ouml;glichst zu erh&ouml;hen.&ldquo;<\/p><p>Offensichtlich sehen sich die Wirtschaftsvertreter nicht in der Lage, den Mangel an Ausbildungspl&auml;tzen z&uuml;gig zu beheben. Dabei unterstreichen die Verb&auml;nde selber den hohen Stellenwert qualifizierter Belegschaften f&uuml;r die Wettbewerbsf&auml;higkeit der Unternehmen und des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Unabh&auml;ngig davon entscheiden die einzelnen Unternehmen jedoch autonom dar&uuml;ber, ob und in welchem Umfange sie ausbilden. <\/p><p>Tats&auml;chlich ist der Anteil der Unternehmen, die Ausbildungspl&auml;tze schaffen, zur&uuml;ckgegangen. Rund 500 000 Unternehmen sind ausbildungsf&auml;hig, bieten aber keine Pl&auml;tze an. Dabei ist der Anteil der Auszubildenden an den Besch&auml;ftigtenzahlen in den Gro&szlig;unternehmen mit 5% kleiner als im Landesdurchschnitt (6,8  %).<\/p><p>Das Potential f&uuml;r ein ausreichendes Ausbildungsplatzangebot ist also vorhanden. Es muss mobilisiert werden. Das gelingt nicht, wenn sich die Partner des Ausbildungspaktes mit bescheidenen Zielvorgaben zufrieden geben und schlechte Ergebnisse als Erfolge verkaufen. Es gen&uuml;gt nicht, grundlegende Reformen im Bereich der Schulen und Hochschulen zu verlangen. Das hat den Beigeschmack eines Ablenkungsman&ouml;vers, solange die Wirtschaft ihren eigenen Beitrag nicht leistet, das Potential von 160 000 Jugendlichen, die ausbildungsf&auml;hig und ausbildungswillig sind, brach liegen l&auml;sst und ohne Ausbildung gebliebene Arbeitnehmer oft den Weg in den  Niedriglohnsektor antreten m&uuml;ssen. Das dient dem Wirtschaftstandort Deutschland nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Klagen der Arbeitgeber &uuml;ber den Fachkr&auml;ftemangel sind alarmierend, das Wirtschaftswachstum werde gebremst. Doch dieser Notstand ist nicht &uuml;ber Nacht aufgetreten. Er war mit gro&szlig;er Treffsicherheit vorhersehbar.<br \/> Insbesondere die Arbeitgeber wissen aus Erfahrung, dass die Nachfrage nach Fachkr&auml;ften bei einer Konjunkturbelebung regelm&auml;&szlig;ig steigt. 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