{"id":23321,"date":"2014-09-18T10:58:25","date_gmt":"2014-09-18T08:58:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23321"},"modified":"2014-09-22T10:07:28","modified_gmt":"2014-09-22T08:07:28","slug":"schottland-stellt-die-systemfrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23321","title":{"rendered":"Schottland stellt die Systemfrage"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/Fotolia_69419202_XS_copyright.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Heute stimmen die Schotten &uuml;ber ihre Zukunft ab. Dabei geht es um weit mehr als &bdquo;nur&ldquo; die Frage der formellen Unabh&auml;ngigkeit. Schottland vs. Gro&szlig;britannien &ndash; das ist auch die das Duell der sozialen Marktwirtschaft gegen den Neoliberalismus und schlussendlich auch das Duell zwischen einer gerechteren Gesellschaft und einem Turbokapitalismus, in dem die Reichen immer reicher und die Armen immer &auml;rmer werden. Doch selbst wenn die Schotten Gro&szlig;britannien &bdquo;farewell&ldquo; sagen, ist der Erfolg ihres Kampfes f&uuml;r Selbstbestimmung und Gerechtigkeit keinesfalls garantiert. Denn es gibt zahlreiche wichtige Detailfragen, die nach wie vor ungekl&auml;rt sind. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7052\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-23321-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140919_Schottland_Systemfrage_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140919_Schottland_Systemfrage_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140919_Schottland_Systemfrage_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140919_Schottland_Systemfrage_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=23321-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140919_Schottland_Systemfrage_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140919_Schottland_Systemfrage_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es ist ein Kampf mit ungleichen Mitteln. W&auml;hrend die Bef&uuml;rworter einer schottischen Unabh&auml;ngigkeit in kleinen Gr&uuml;ppchen vor Ort ihren Wahlkampf mit bescheidenen Mitteln bestreiten, steht auf der Gegenseiten ein nahezu allm&auml;chtiger Block des britischen Establishments, der von den gro&szlig;en Banken, &uuml;ber die Londoner Denkfabriken bis hin zu den Konzernmedien reicht. Wie <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2014\/sep\/16\/media-shafted-people-scotland-journalists\">George Monbiot anmerkt<\/a> gibt es au&szlig;er dem Sunday Herald keine einzige regionale oder &uuml;berregionale Zeitung, die die schottische Unabh&auml;ngigkeit unterst&uuml;tzt. Im Gegenteil &ndash; in der britischen Presse wird der Kampf f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit mit Hitlers Bedrohung f&uuml;r das britische Empire gleichgesetzt und der Anf&uuml;hrer der Unabh&auml;ngigkeitsbewegung, Alex Salmond, mit Zimbabwes skurrilen Despoten Robert Mugabe verglichen. Die Kampagne der Unionisten, also der Gegner einer schottischen Unabh&auml;ngigkeit, baute von Anfang an eine gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Droh- und Angstkulisse auf. Wenn die Schotten den Verlockungen der &bdquo;naiven Spinner&ldquo; folgen, so die Botschaft, werden sie daf&uuml;r einen sehr hohen Preis bezahlen. Ein Kampf um die Herzen der Schotten sieht wahrlich anders aus.<\/p><p><strong>Nationalismus von links<\/strong><\/p><p>Wer den schottischen Drang nach Unabh&auml;ngigkeit verstehen will, der sollte sich folgenden Umstand vor Augen halten: Von den 59 schottischen Delegierten im britischen Unterhaus ist lediglich ein Einziger Mitglied der in London regierenden Konservativen Partei. Die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit geh&ouml;rt stattdessen der schottischen Labour Partei (sozialdemokratisch), den schottischen Liberaldemokraten (sozialliberal) und der Scottish National Party (sozialdemokratisch) an. Mehr noch als die konservative, ist vor allem die marktliberale Politik Westminsters in Schottland nicht mehrheitsf&auml;hig. Dies ist &uuml;brigens kein aktueller Trend der j&uuml;ngeren Jahre. Was Jahrhunderte gro&szlig;britischer Politik nicht geschafft haben, wurde von Margareth Thatchers neoliberaler Politik eingeleitet und von ihren Nachfolgern gleich welcher Partei vollendet &ndash; die Entfremdung der Schotten vom S&uuml;den der Insel. <\/p><p>Die Schotten haben einen funktionierenden Kompass f&uuml;r gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Traditionell legen sie sehr viel mehr Wert auf Gemeinschaft und Gerechtigkeit als die Engl&auml;nder. W&auml;hrend in England die Studiengeb&uuml;hren in teils absurde H&ouml;hen getrieben wurden, gibt es in Schottland immer noch kostenlosen Zugang zu den Hochschulen. W&auml;hrend England die Gesundheitsversorgung (National Health Service\/NHS) nach Aussagen von David Cameron &bdquo;radikal&ldquo; reformieren, also privatisieren, will, wollen die Schotten ihren NHS unter allen Umst&auml;nden in &ouml;ffentlicher Hand behalten. Anders als England, das seine Zukunft vor allem auf den Finanzkapitalismus der City of London aufbauen will, setzt Schottland auf eine soziale Marktwirtschaft, in der reale G&uuml;ter produziert werden und eine breite Mehrheit sich diese G&uuml;ter auch leisten kann. Zugespitzt k&ouml;nnte man die Unterschiede zwischen England und Schottland durchaus zu einem Kampf der Systeme stilisieren.<\/p><p><strong>Der Kampf von schottischer Realwirtschaft gegen britischen Finanzkapitalismus ist ein Mythos<\/strong><\/p><p>Doch wie in jeder Zuspitzung verlieren sich auch hier die Details. Die goldenen Zeiten, in denen die schottische Schwerindustrie das Wirtschaftssystem dominiert hat, geh&ouml;ren der Vergangenheit an. Auch Schottland steckt mitten im Strukturwandel und hat sich von den Verlockungen der Finanzbranche vereinnahmen lassen. Vor der Finanzkrise war der Finanzplatz Edinburgh hinter London &ndash; gemessen an der Bilanzsumme &ndash; der zweitgr&ouml;&szlig;te Bankenstandort Europas. Die mittlerweile verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) mit Sitz in Edinburgh war das zweitgr&ouml;&szlig;te Finanzunternehmen Gro&szlig;britanniens und das zehntgr&ouml;&szlig;te der Welt. Knapp dahinter lag die mittlerweile teilverstaatlichte Bank of Scotland (BOS), sp&auml;ter HBOS, heute Lloyds TSB. Im schottischen Finanzsektor sind rund 100.000 Menschen besch&auml;ftigt &ndash; rund zweieinhalb mal so viel wie im industriellen Sektor. So traditionell wie es die an Mythen wahrlich nicht armen Schotten gerne h&auml;tten, ist ihre Wirtschaft leider nicht. Und hier lauert auch die Gefahr f&uuml;r die ansonsten sehr w&uuml;nschenswerte Unabh&auml;ngigkeit.<\/p><p>Um es vorwegzunehmen &ndash; das auch in deutschen Medien gerne erz&auml;hlte M&auml;rchen, ein unabh&auml;ngiges Schottland h&auml;tte au&szlig;er &Ouml;l und Whisky nichts zu bieten, ist blanker Unfug. Schottland hat &ndash; was man nicht von allen Industrieregionen Europas sagen kann &ndash; den Strukturwandel bislang nahezu vorbildlich gemeistert. Im &bdquo;Silicon Glen&ldquo; sind zahlreiche moderne Forschungs- und Entwicklungsfirmen im Umfeld der schottischen Hochschulen entstanden. In Schottland wird Software entwickelt, die bestimmenden Branchen im produzierenden Gewerbe sind die Mikroelektronik, die Wehrtechnik der Bau von Flugzeugkomponenten, Schifffahrtstechnologie und Optoelektronik. Fast jeder dritte europ&auml;ische Computer wird in Schottland produziert &ndash; weltweit ist es fast jeder zehnte. <\/p><p>Zugegeben &ndash; verglichen mit einem industriellen Giganten wie Deutschland m&ouml;gen diese Zahlen nicht sonderlich beeindruckend sein. Schottland hat jedoch gerade einmal 5,3 Millionen Einwohner und spielt daher eher in einer Liga mit D&auml;nemark und Finnland. Und es gibt keinen ernst zu nehmenden Grund, warum ein unabh&auml;ngiges Schottland f&uuml;r seine Bewohner nicht auch den Lebensstandard dieser beiden skandinavischen L&auml;nder verwirklichen k&ouml;nnte. Zus&auml;tzlich verf&uuml;gt Schottland auch noch &uuml;ber die &ndash; jedoch schrumpfenden &ndash; Erd&ouml;l- und Erdgasvorkommen in der Nordsee und &uuml;ber weltweit wohl einmalig geeignete Bedingungen f&uuml;r regenerative Energien (Windenergie und Gezeitenkraftwerke). Wirtschaftlich steht einer schottischen Unabh&auml;ngigkeit somit wenig bis nichts im Weg. Zumindest wenn es um die traditionelle Wirtschaft geht.<\/p><p><strong>Die City of London duldet kein Gegenmodell<\/strong><\/p><p>Einer der gr&ouml;&szlig;ten Gegner einer schottischen Unabh&auml;ngigkeit sind jedoch &ndash; wie kaum anders zu erwarten &ndash; die Finanzgiganten der City of London. Die rettungsmilliardengeschw&auml;ngerten Gro&szlig;banken haben nat&uuml;rlich kein Interesse daran, einen Gegenentwurf zu ihrem System gleich n&ouml;rdlich des Hadrianswalls entstehen zu lassen. Die Milliardenrenditen durch die fest eingeplante Privatisierung der letzten Reste des &ouml;ffentlichen Eigentums sind in der City of London schlie&szlig;lich schon einkalkuliert und sicher z&auml;hlt man auch schon auf die schottischen Steuergelder und die Einnahmen aus der &Ouml;l- und Gasf&ouml;rderung f&uuml;r die n&auml;chste Runde der Bankenrettungen. <\/p><p>Daher ist es auch nur all zu verst&auml;ndlich, dass die gro&szlig;en Banken am Finanzstandort Edinburgh bereits jetzt eine maximale Drohkulisse aufbauen und offen mit der Verlagerung ihrer Hauptquartiere und zehntausender Arbeitspl&auml;tze ins ferne London drohen. Da diese Banken zum Teil dem britischen Staat geh&ouml;ren, von den Rettungsmilliarden des britischen Schatzkanzlers abh&auml;ngen und ein Gesch&auml;ftsmodell haben, das von den laxen britischen Gesetzen abh&auml;ngt, wird ein unabh&auml;ngiges Schottland wohl in R&ouml;hre gucken und der Abwanderung nichts entgegensetzen k&ouml;nnen. Den Gro&szlig;banken wird man zwar keine Tr&auml;ne nachweinen, aber zehntausende Besch&auml;ftigte samt Familien sind schon ein herber Schlag f&uuml;r Edinburgh &ndash; vor allem wenn man die abwandernde Kaufkraft der nicht eben schlecht verdienenden Banker mit einkalkuliert.<\/p><p>Andererseits w&auml;re eine Fortsetzung des radikalen Privatisierungskurs Londons ebenfalls ein herber Schlag f&uuml;r die schottische Binnenwirtschaft. Mit mehr als 550.000 Mitarbeitern (vor allem im Gesundheits- und Bildungssektor) ist der &ouml;ffentliche Sektor weit vor dem Finanzsektor der Arbeitgeber Nummer Eins. Sollte Schottland in der Union bleiben, sind hier herbe Einschnitte zu erwarten, die &nbsp;die Binnenwirtschaft schwer sch&auml;digen w&uuml;rden. Die wirtschaftlichen Chancen und Risiken einer Unabh&auml;ngigkeit sind somit in etwa gleich verteilt &ndash; es geht nicht unbedingt darum, ob und wie viel die Schotten gewinnen, sondern vielmehr darum, wie viel oder wie wenig sie verlieren.<\/p><p><strong>Die schottische Gretchenfrage: Wie h&auml;ltst Du&acute;s mit der W&auml;hrung?<\/strong><\/p><p>Eine gro&szlig;e Unbekannte ist bei allen Prognosemodellen die Frage nach der k&uuml;nftigen W&auml;hrung Schottlands. Hier machen es sich die Separatisten sehr einfach. Sie wollen das Pfund behalten, egal ob London dies guthei&szlig;t oder nicht. London schlie&szlig;t derweil eine W&auml;hrungsgemeinschaft mit Schottland bislang kategorisch aus. Doch eine Beibehaltung des Sterlings in Schottland ist nat&uuml;rlich m&ouml;glich, schlie&szlig;lich verwendet beispielsweise auch Panama den US-Dollar als offizielle W&auml;hrung, ohne dass es dazu einen Vertrag mit den USA g&auml;be. Der Verlust der eigenen W&auml;hrung ist jedoch viel mehr als &bdquo;nur&ldquo; ein Sch&ouml;nheitsfehler. Als Mitbenutzer des britischen Pfunds w&auml;ren die Schotten auf Ewigkeit ein Abh&auml;ngiger der britischen Notenbank. Eine eigene Zinspolitik w&auml;re so unm&ouml;glich. Die britische Notenbank schert sich freilich kein Jota um die schottische Wirtschaft, sondern verfolgt stringent die Interessen der Finanzinstitute in der City of London. Ohne eigene Notenbank wird Schottland dann auch keine M&ouml;glichkeit haben, auf externe Schocks, wie beispielsweise eine k&uuml;nftige Finanzkrise, zu reagieren. Was w&uuml;rde ein unabh&auml;ngige schottische Regierung denn bitte tun, wenn die Zinsen f&uuml;r ihre Staatsanleihen pl&ouml;tzlich durch die Decke gehen und man keinen Zugriff auf eine eigene Zentralbank hat? <\/p><p>Eine Mitgliedschaft im Euro ist unter diesen Gesichtspunkten ebenfalls suboptimal und es ist vollkommen offen, ob die EU oder gar die Eurozone Schottland &uuml;berhaupt aufnehmen w&uuml;rden. Vor allem Spanien hat kein Interesse, dass Schottland als positives Beispiel f&uuml;r Separatismus in die Geschichte eingeht &ndash; die Katalanen und die Basken planen schlie&szlig;lich ebenfalls ihre Unabh&auml;ngigkeit von der Zentralregierung. Schlussendlich w&auml;re es f&uuml;r Schottland wohl die beste L&ouml;sung, eine eigene W&auml;hrung herauszugeben und diese an das britische Pfund zu koppeln &ndash; dies ist jedoch ein kostspieliges Unternehmen, schlie&szlig;lich ben&ouml;tigt die neue Notenbank erst einmal die W&auml;hrungsreserven, mit denen sie man&ouml;vrieren kann. <\/p><p><strong>Scheidung ohne rechtlichen Rahmen<\/strong><\/p><p>Dies sind jedoch nicht die einzigen potentiellen Probleme im Falle der Unabh&auml;ngigkeit. Viel wird davon abh&auml;ngen, wie die schottische Unabh&auml;ngigkeit, wenn sie denn gewollt ist, v&ouml;lkerrechtlich bewertet wird. Vereinfacht ist hier von einer Abspaltung und einer Trennung zu unterscheiden. In Falle einer Abspaltung w&auml;re &bdquo;Rest-Gro&szlig;britannien&ldquo; der einzige und v&ouml;lkerrechtlich legitime Nachfolger des heutigen Gro&szlig;britanniens. Es w&uuml;rde alle v&ouml;lkerrechtlichen Vertr&auml;ge &uuml;bernehmen, w&auml;hrend Schottland ein unbeschriebenes Blatt w&auml;re und s&auml;mtliche Vertr&auml;ge neu aushandeln m&uuml;sste. Und dies ist kein Pappenstiel, es geht hier um 14.000 internationale Vertr&auml;ge, angefangen bei der UNO-, EU- und NATO-Mitgliedschaft, &uuml;ber Handels-, Verkehrs- und Patentabkommen, bis hin zu Zoll-, Fischerei- und Postabkommen. Bis diese Abkommen unterzeichnet und ratifiziert sind, w&uuml;rde sich die komplette schottische Wirtschaft in einem juristischen Niemandsland bewegen &ndash; f&uuml;r internationale Konzerne ein wahrer Albtraum. Dieses Abspaltungsmodell entspricht der britischen Sichtweise und wird auch von der EU geteilt. Ob die EU diese Position auch noch vertritt, wenn die Schotten sich wirklich f&uuml;r unabh&auml;ngig erkl&auml;ren, ist eine andere Frage &ndash; schlie&szlig;lich w&auml;re ein solcher rechtsfreier Raum auch f&uuml;r die EU-Staaten und EU-Konzerne ein echtes Risiko.<\/p><p>Anders s&auml;hen die Vorzeichen bei einer Trennung aus. Dann w&auml;ren sowohl &bdquo;Rest-Gro&szlig;britannien&ldquo; als auch Schottland Rechtsnachfolger von Gro&szlig;britannien und s&auml;mtliche v&ouml;lkerrechtlichen Vertr&auml;ge Gro&szlig;britanniens w&uuml;rden automatisch auch f&uuml;r Schottland gelten, das dann auch Mitglied der UNO, der EU und der NATO w&auml;re. Dies ist die schottische Sichtweise, die jedoch (noch) von keinem anderen Land geteilt wird und bei der EU (Stichwort: Separationsbestrebungen in Spanien, Belgien, Italien und Frankreich) auf keine Gegenliebe st&ouml;&szlig;t. Sollten die Schotten mit &bdquo;ja&ldquo; stimmen, wird die Rechnung nicht eben gering ausfallen. Das ist dann wohl der Preis f&uuml;r Unabh&auml;ngigkeit und Gerechtigkeit.<\/p><p><strong>Gl&uuml;ckliches Alba &hellip; oder ist auch das nur ein Mythos?<\/strong><\/p><p>Sollten die Schotten f&uuml;r ihre Unabh&auml;ngigkeit votieren und sowohl die Londoner Regierung als auch die EU ihnen keine all zu gro&szlig;en Steine in den Weg legen, k&ouml;nnte der schottische Traum von einem gerechteren Staat in Erf&uuml;llung gehen. Doch auch hier sind leider Zweifel angebracht. In einem unabh&auml;ngigen Schottland w&auml;re die Scottish National Party (SNP) auf absehbare Zeit die dominierende Kraft. Die SNP ist zwar sozialdemokratisch, jedoch nicht wirklich links. Bislang &uuml;bert&uuml;nchte die Forderung nach einer Unabh&auml;ngigkeit die meisten wichtigen politischen Richtungsfestlegungen der SNP. Wohin der Weg nach einer Unabh&auml;ngigkeit gehen w&uuml;rde, ist dabei vollkommen offen. Innerhalb der SNP gibt es bereits <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/the-guardian\/was-waere-wirklich-gewonnen\">Stimmen<\/a>, die zur Ankurbelung der Wirtschaft und Neuansiedelung britischer Unternehmen eine Senkung der Unternehmensbesteuerung fordern. Vor allem in den entscheidenden Fragen, welche W&auml;hrung ein unabh&auml;ngiges Schottland haben und ob es Mitglied der EU werden soll, macht es sich die SNP sehr einfach und verfolgt eine zweckoptimistische Vogel-Strau&szlig;-Linie. Einen Plan B hat sie nicht in der Tasche. Welche Politik ein unabh&auml;ngiges Schottland wirklich einschlagen wird, ist daher von zig verschiedenen Entwicklungen abh&auml;ngig und vollkommen offen. <\/p><p>Vielleicht ist der Wunsch nach einem gerechteren Staat auch nur ein Mythos, der den Realit&auml;ten geopfert wird, sobald dies opportun scheint. Eine echte Wahl haben die Schotten aber ohnehin nicht. Wenn sie sich f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit entscheiden, werden sie zumindest die Garantie haben, nie wieder von den Torries aus Westminster regiert zu werden &ndash; und das allein scheint schon eine lohnenswerte Perspektive zu sein. Und wer wei&szlig; schon, wie die Welt in zehn Jahren aussieht? Vielleicht haben wir 2024 ein ultranationalistisches England unter einer UKIP-Regierung, das aus der EU ausgetreten ist und ein sozialdemokratisches EU-Land Schottland, das die besten Werte aus dem Erbe Gro&szlig;britanniens in eine neue Zukunft mitnimmt? Dann w&auml;re Schottland auch als Einwanderungsland f&uuml;r entt&auml;uschte Deutsche erste Wahl. Doch diese Entscheidung m&uuml;ssen die Schotten und niemand sonst f&auml;llen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/0b59d99fdb1c4a958c62b7da48623d28\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/Fotolia_69419202_XS_copyright.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Heute stimmen die Schotten &uuml;ber ihre Zukunft ab. Dabei geht es um weit mehr als &bdquo;nur&ldquo; die Frage der formellen Unabh&auml;ngigkeit. 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