{"id":23330,"date":"2014-09-18T16:00:30","date_gmt":"2014-09-18T14:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23330"},"modified":"2014-09-18T16:48:37","modified_gmt":"2014-09-18T14:48:37","slug":"zur-wichtigen-rolle-des-frueheren-cdu-abgeordneten-wimmer-in-der-diskussion-um-den-ost-west-konflikt-die-rolle-der-usa-und-des-neoliberalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23330","title":{"rendered":"Zur wichtigen Rolle des fr\u00fcheren CDU-Abgeordneten Wimmer in der Diskussion um den Ost-West-Konflikt, die Rolle der USA und des Neoliberalismus"},"content":{"rendered":"<p>Am 16. September wiesen wir auf ein <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23293#h08\">Interview von Willy Wimmer mit der &bdquo;jungen Welt&ldquo; hin<\/a>. Der Hinweis war mit einer Anmerkung von Jens Berger verbunden, die von Nachdenkseitenleserinnen\/en sowohl begr&uuml;&szlig;t und als auch kritisiert wurde, und die er selbst nicht gl&uuml;cklich findet. So etwas kann in der Eile der Zusammenstellung der Hinweise des Tages passieren. F&uuml;r mich ist dieser kleine Disput eine gute Gelegenheit zu begr&uuml;nden, warum es ausgesprochen gut ist, dass der fr&uuml;here Parlamentarische Staatssekret&auml;r Willy Wimmer sich in wichtige aktuelle Diskussionen einmischt. Ich kann nicht alles unterschreiben, was er sagt, aber das meiste schon, vor allem aber sehe ich, wie wichtig und segensreich seine Einmischung ist. Nach zw&ouml;lf Anmerkungen dazu folgt ein aktueller Text von Willy Wimmer. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>Zun&auml;chst etwas Banales aus der Kommunikationsforschung: Wenn Kritik an der herrschenden Politik nur aus der fortschrittlichen Ecke kommt, dann ist sie leicht als linke Meckerei abzustempeln und damit weniger glaubw&uuml;rdig, als wenn die kritischen Fragen und Anmerkungen aus verschiedenen politischen Lagern kommen. Diese Erfahrung war ein Motiv daf&uuml;r, dass ich als ehemaliger SPD-Abgeordneter und Herausgeber der kritischen Webseite Nachdenkseiten den vergleichsweise konservativen CDU-Politiker Willy Wimmer zum Pleisweiler Gespr&auml;ch eingeladen habe. Dass dann Willy Wimmer gelegentlich Helmut Kohl und Rita S&uuml;ssmuth mehr lobt, als man dies als kritischer Zeitgenosse f&uuml;r gerechtfertigt h&auml;lt, kann man &bdquo;locker&ldquo; wegstecken.<\/li>\n<li>Mit Willy Wimmer haben die friedenspolitisch interessierten und engagierten Menschen einen Partner aus dem eher konservativen Lager gefunden, der wie sie den Abbau der Konfrontation zwischen Ost und West als Jahrhundertereignis betrachtete und diesen Erfolg nicht dem Wettr&uuml;sten und Nachr&uuml;sten, sondern der Entspannungs- und Vertragspolitik zuschreiben. Solche klugen Leute muss man im konservativen Lager auch heute noch mit der Lupe suchen. Bundespr&auml;sident Gauck zum Beispiel glaubt vermutlich, dass das Ende des Ost-West-Konflikts allein der Nachr&uuml;stung und allenfalls noch der Solidarnosc zu verdanken ist.<\/li>\n<li>Willy Wimmer hat mit Berichten &uuml;ber seine pers&ouml;nliche Arbeit und die Diskussionen in der damaligen Bundesregierung und CDU\/CSU-Fraktion  anschaulich belegt, dass nicht Russland sondern der Westen, konkret die damalige US-Regierung Clinton, ab 1990 das Einverst&auml;ndnis mit Russland und dem damaligen Generalsekret&auml;r der KPdSU Gorbatschow aufgek&uuml;ndigt hat. Willy Wimmer beschreibt diesen Zeitabschnitt und die Wende in der amerikanischen Politik anschaulich mit R&uuml;ckgriff auf Berichte des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl nach Reisen in die USA. Er skizziert dabei ehrlich die verschiedene Reaktion auf die Berichte Kohls. Nicht alle in der CDU\/CSU-Fraktion verfolgten die neuen imperialen und milit&auml;risch bestimmten Strategien der USA mit Sorge. Sch&auml;uble und der damalige Verteidigungsminister R&uuml;he zum Beispiel stimmten der neu beginnenden Konfrontation zu.<\/li>\n<li>Die Ausdehnung der NATO bis an die Grenzen Russlands h&auml;lt Wimmer f&uuml;r eine Zumutung gegen&uuml;ber Russland, und auch noch f&uuml;r eine Dummheit, wenn man das eigene deutsche und europ&auml;ische Interesse am Frieden und an der Zusammenarbeit in Europa im Auge beh&auml;lt.<\/li>\n<li>Offensichtlich, so Willy Wimmer, haben die USA das strategische Interesse, die engere Zusammenarbeit zwischen Russland und dem EU-Europa zu st&ouml;ren. Denn wenn diese Zusammenarbeit reibungslos laufen k&ouml;nnte, dann w&uuml;rde hier eine friedliche und ziemlich autonome Macht entstehen.<\/li>\n<li>Willy Wimmer kritisiert die Leichtfertigkeit, mit der heute Milit&auml;reins&auml;tze als Mittel der Politik betrachtet werden. Er ist einer der wenigen Politiker aus dem konservativen Lager, die den Jugoslawien-Krieg f&uuml;r v&ouml;lkerrechtswidrig und f&uuml;r falsch halten. Wenn man wie ich die damalige Beteiligung der Bundeswehr am Bombenkrieg gegen das Rest-Jugoslawien f&uuml;r den gelungenen Versuch h&auml;lt, Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr einzu&uuml;ben, dann findet man in Wimmer einen engagierten Partner.<\/li>\n<li>Wie kein anderer, weist Willy Wimmer &ndash; zum Beispiel beim Pleisweiler Gespr&auml;ch am 21. Juni dieses Jahres, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22136\">hier die Videos<\/a> &ndash; auf die konkrete Gefahr hin, dass der Parlamentsvorbehalt zu milit&auml;rischen Auslandseins&auml;tzen ausgeh&ouml;hlt wird und k&uuml;nftig der NATO-Oberbefehlshaber &uuml;ber den Einsatz der Bundeswehr ohne wirksame H&uuml;rde entscheiden kann.<\/li>\n<li>Willy Wimmer wei&szlig; und sagt, mit welchen Methoden die NATO, &Ouml;ffentlichkeitsarbeit macht: mit Public Relations, mit Infiltration, w&ouml;rtlich: &bdquo;Es gibt ein NATO-Netzwerk in den deutschen Medien.&ldquo; Dass eine solche Beobachtung auch von einem engen fr&uuml;heren Mitarbeiter des Bundeskanzlers Kohl, noch dazu von einem, der in seiner aktiven Zeit die Akteure auf Seiten der NATO und der Publizistik kannte, &ouml;ffentlich bekannt wird, ist ein ausgesprochenes Gl&uuml;ck. Es wird damit schwieriger, diese Analysen in das Reich der Verschw&ouml;rungstheorien zu verweisen.<\/li>\n<li>Willy Wimmer beschreibt mit seiner eigenen konkreten Erfahrung im Umgang mit neokonservativen Kr&auml;ften aus den USA, dass diese und wie diese Strategien zur Trennung Europas entwickelt haben, in das EU Europa auf der einen Seite und Russland auf der andern Seite. In seinen Berichten von einschl&auml;gigen Gespr&auml;chen wird das, was wir zum Beispiel von den geostrategischen &Uuml;berlegungen des Beraters von US Regierungen, Zbigniew Brzezi&#324;ski wissen, unterf&uuml;ttert und anschaulich sichtbar. Ich verweise auf Wimmers Bericht &uuml;ber ein Treffen westlicher Strategen in Bratislava &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21539\">hier im Anhang<\/a>.<\/li>\n<li>Willy Wimmer war jahrelang f&uuml;r die OSZE t&auml;tig. Er wei&szlig;, wie wichtig die Konstruktion und der Bau von Sicherheitsstrukturen in Europa sind und er pocht darauf, dass solche Strukturen wieder aufgebaut und genutzt werden.<\/li>\n<li>Das Freihandelsabkommen TTIP h&auml;lt Wimmer f&uuml;r einen Anschlag auf die parlamentarische Demokratie. W&ouml;rtlich: &bdquo;Wenn wir Schiedsgerichte bekommen, mit denen Differenzen &uuml;ber Investitionen entschieden werden sollen, brauchen wir uns keine Gedanken mehr dar&uuml;ber zu machen, was von Parlamenten und unseren Regierungen noch &uuml;brig bleibt.&ldquo;<\/li>\n<li>Willy Wimmer kennt und betont den Zusammenhang zwischen imperialer Sicherheitspolitik der westlichen F&uuml;hrungsmacht USA zum einen und der gesellschaftspolitischen Ideologie, dem grassierenden Neoliberalismus, zum anderen. Er h&auml;lt nicht besonders viel von der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in den USA und Gro&szlig;britannien. Wenn das ein vermeintlich Konservativer sagt und schreibt, regt das mehr zum Nachdenken an, als wenn diese kritische Botschaft von der anderen Ecke kommt.<\/li>\n<\/ol><p>Insgesamt ist die aktive Intervention des fr&uuml;heren CDU-Abgeordneten eine Bereicherung f&uuml;r den demokratischen Disput. &Uuml;ber einzelne Formulierungen kann man streiten, auch &uuml;ber manche Sicht und Interpretation geschichtlicher Abl&auml;ufe. Aber das sind insgesamt vernachl&auml;ssigungswerte Meinungsunterschiede.<\/p><p><strong>Anlage 1 &ndash; ein aktueller Text von Willy Wimmer:<\/strong><\/p><p><strong>EU-Br&uuml;ssel ist au&szlig;er Rand und Band.<\/strong><br>\nWir sind gut beraten, die Ereignisse in Europa gemeinsam zu betrachten. Da legt die EU gleichsam den &bdquo;roten Teppich&ldquo; f&uuml;r engere Beziehungen zwischen der EU und der Ukraine aus. Dieses Land ist allem Anschein nach nicht nur bankrott, sondern bedient sich in der Regierung jener braunen Elemente, die anderorts schon l&auml;ngst einen Boykott hervorgerufen haben w&uuml;rden. Auf die Spitze hat das die deutsche Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel, am Sonntag, den 14. September 2014 vor dem Brandenburger Tor in Berlin deutlich gemacht. Wie ist es m&ouml;glich, gegen den anti-semitischen Ungeist zu wettern und zum ersten Male in der Geschichte des freien Europa diesen Kr&auml;ften in der Ukraine die Hand zu reichen? <\/p><p>Dabei reicht es f&uuml;r den &bdquo;gew&ouml;hnlichen Westeurop&auml;er&ldquo; schon, den ukrainischen Ministerpr&auml;sidenten Jasenjuk im Fernsehen erleben zu m&uuml;ssen. Die demokratischen Verh&auml;ltnisse in den Staaten der Europ&auml;ischen Union sind zwar schon seit l&auml;ngerem in einer verh&auml;ngnisvollen Schieflage. Wenn man sich allerdings hier umschaut, dann ist eines gewiss. Dieser Herr mag zwar der Personalauswahl der amerikanischen Staatssekret&auml;rin, Frau Nuland, gen&uuml;gen. In einem deutschen Gemeinderat wollte man derartiges Personal nicht sehen wollen. <\/p><p>Was denken eigentlich die T&uuml;rken dar&uuml;ber, dass sich die EU gleichsam &uuml;berschl&auml;gt, wenn es um die Ukraine geht? Einem Land wohlgemerkt, das Lichtjahre von dem &ouml;konomischen Erfolg und der wirtschaftlichen Dauerleistung der T&uuml;rkei entfernt ist. Bei dem man, Hand in Hand mit Washington, sogar einen Krieg mit des Russischen F&ouml;deration riskieren will. Soll man nach Napoleon und Hitler jetzt mit Obama und Hermann von Rompoy gen Osten reiten?<\/p><p>Nachdem die Woge des &bdquo;shareholder value&ldquo; seit gut 20 Jahren &uuml;ber den Kontinent fegte und endlich die ber&uuml;hmte &bdquo;Deutschland AG&ldquo; geknackt werden konnte , regt sich am n&ouml;rdlichen Rand der EU erstaunliches.  Schweden hat Mitte-links gew&auml;hlt und gibt damit Signale. Soll es etwa ein Ende damit haben, dass Europa &uuml;ber eine sonst auf der Welt nirgendwo vorkommende &bdquo;freie Marktwirtschaft&ldquo; von protektionistischen Gro&szlig;systemen wie den USA, China und Indien gepl&uuml;ndert werden kann? Rettet &uuml;ber eine Mitte-links-Regierung Schweden seine auf starke Familienunternehmen angewiesene Wirtschaftsstruktur und was hei&szlig;t das f&uuml;r Deutschland? Es war wohl nur der Zusammenbruch von Lehmann-brothers, der dem deutschen Mittelstand eine Atempause verschaffen konnte. Die Pl&auml;ne waren l&auml;ngst aus den Schubl&auml;den rausgezogen, nach dem Pl&uuml;ndern der &bdquo;Deutschland AG&ldquo; sich auch &uuml;ber den deutschen Mittelstand mit seinen Weltmarktf&uuml;hrern herzumachen. Sind die Nordlichter gar unsere Rettung, nachdem die EU gerade im Partnerschaftsabkommen mit der Ukraine das Hohelied der &bdquo;freien (und nicht sozialen) Marktwirtschadt gesungen hat?<\/p><p>Der Norden hat es in diesen Tagen ohnehin in sich. Das verdanken wir den Schotten, deren Missvergn&uuml;gen mit der Herrschaft Londons &uuml;ber Schottland sie in das Unabh&auml;ngigkeits-Votum getrieben hat.  Wenn man den &Auml;u&szlig;erungen aus Schottland genau zuh&ouml;rt, verbindet die Schotten mit den D&auml;nen, Schweden, Isl&auml;ndern und Norwegern mehr als mit London. Man ist sozialer und gegen gesellschaftliche Ungleichbehandlung. Das ZDF bringt zwar keine in sich geschlossene Sendung zu bester Sendezeit &uuml;ber die komplizierte Lage um und in der Ukraine zustande. Prinz Harry und sein Geburtstag sind es aber wert, prominent &uuml;ber den Bildschirm zu flimmern. Was sehen wir und das schon seit Jahren? Bilder des britischen Militarismus und des Obrigkeitsdenkens. Nur derjenige, der eine Uniform tr&auml;gt, ist wer. Harry macht&acute;s m&ouml;glich. Wer verdenkt es den Schotten, wenn sie das anders sehen. J&uuml;ngst war auf France 24 ein Schotte zu h&ouml;ren, der mit seinen Sonderrechten f&uuml;r das britische Parlament f&uuml;r die City of London das britische Parlament in einem Atemzug mit der Knesset und dem Parlament in Riad genannt hat. Und dann das &Ouml;l und  nicht zuletzt das schottische Gesundheitssystem, das &uuml;ber das aus London favorisierte Transatlantische Freihandelsabkommen mit den USA vom Leben zum Tode bef&ouml;rdert werden soll. Die Art und Weise, wie die Schotten, tapfer wie sie sind, sich f&uuml;r das soziale Europa schlagen, m&uuml;sste dem politischen Berlin die Schamesr&ouml;te ins Gesicht treiben. Diesen Leuten will Br&uuml;ssel den Stuhl vor die T&uuml;re setzen, wenn die Abstimmung nicht im Interesse Londons ist? Da es &uuml;berall in Europa g&auml;rt, wie die Massendemonstrationen in Barcelona deutlich machen und an anderen Orten noch kommen werden, sollte Br&uuml;ssel den Schotten klar sagen, dass sie nichts zu bef&uuml;rchten haben. Sie waren und sind Europas &bdquo;Beste&ldquo; und warum sollten sie erst neue Antr&auml;ge auf Mitgliedschaft im Club stellen m&uuml;ssen? Bei der Aufnahme Gro&szlig;britanniens zur Europ&auml;ischen Gemeinschaft z&auml;hlten sie dazu und daran hat sich nichts ge&auml;ndert. Es &auml;ndert sich durch das Votum in Schottland nichts an der demokratischen Gesinnung und dem demokratischen Staatsaufbau Schottlands und die Au&szlig;engrenzen der bisherigen EU werden auch nicht ver&auml;ndert. Die Probleme liegen in Br&uuml;ssel. Man m&uuml;sste sich doch in Br&uuml;ssel fragen, warum bei aller Einheit in Europa sich V&ouml;lker, die den Charakter von Nationen haben, in ein Korsett gezw&auml;ngt f&uuml;hlen. Im Stile von Apparatschiks kann man die Probleme nicht l&ouml;sen und Br&uuml;ssel sollte schleunigst vom menschenfernen &bdquo;hohen Ross&ldquo; heruntersteigen oder Frontbegradigung betreiben oder beides.<\/p><p><strong>Anlage 2: Die bibliografischen Angaben eines thematisch einschl&auml;gigen Buches von Willy Wimmer und Wolfgang Effenberger<\/strong><\/p><p>Wolfgang Effenberger\/Willy Wimmer: Wiederkehr der Hasardeure. Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille Profiteure 1914 und heute. Verlag zeitgeist Print &amp; Online, H&ouml;hr-Grenzhausen 2014, 640 Seiten, 29,90 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16. September wiesen wir auf ein <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23293#h08\">Interview von Willy Wimmer mit der &bdquo;jungen Welt&ldquo; hin<\/a>. 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