{"id":23349,"date":"2014-09-22T09:28:22","date_gmt":"2014-09-22T07:28:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23349"},"modified":"2014-09-24T13:54:16","modified_gmt":"2014-09-24T11:54:16","slug":"manipulations-mechanismen-in-den-transatlantischen-beziehungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23349","title":{"rendered":"Manipulations-Mechanismen in den transatlantischen Beziehungen"},"content":{"rendered":"<p>Nach Irref&uuml;hrung der &Ouml;ffentlichkeit durch Bundesregierung und Leitmedien seit &uuml;ber einem Jahr in der NSA\/BND-Aussp&auml;haff&auml;re droht auch bei den im Geheimen laufenden transatlantischen Verhandlungen &uuml;ber ein Handelsabkommen (TTIP) eine Wiederholung von Desinformation und Verschleierung. Die ZEIT warnt bereits vor einer &bdquo;Wahnsinnstat&ldquo;, die S&uuml;ddeutsche Zeitung vor einem &bdquo;heimlichen Staatsstreich&ldquo;.<br>\nDie Instrumentarien wiederholen sich. Insofern kann f&uuml;r eine kritische Gegen&ouml;ffentlichkeit die folgende systematische Aufarbeitung der Kampagnen w&auml;hrend der Aussp&auml;haff&auml;re auch bei der n&auml;chsten transatlantischen Auseinandersetzung n&uuml;tzlich sein. Die folgende kommentierte Dokumentation enth&auml;lt viele n&uuml;tzliche Zitate. Sie wurde von Peter Munkelt verfasst. Er war Leiter des Politischen Archivs der SPD. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nPeter Munkelt<\/p><p><strong>Dominanz statt Partnerschaft:<\/strong><br>\n<strong>Deutschlands transatlantische Beziehungen unter Geheimdienst-Kontrolle<\/strong><\/p><p><em>Kommentierte Dokumentation<\/em><\/p><p><strong>Begrenzte Souver&auml;nit&auml;t?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die transatlantische Partnerschaft ist neben der europ&auml;ischen Integration der wichtigste Pfeiler der deutschen Au&szlig;enpolitik. Die USA sind Deutschlands engster Verb&uuml;ndeter au&szlig;erhalb Europas.&ldquo; So postuliert das Ausw&auml;rtige Amt in Berlin den &bdquo;Grundpfeiler deutscher Au&szlig;enpolitik&ldquo;. Seit den Enth&uuml;llungen des amerikanischen Whistleblowers und ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden ab Juni 2013 aus den innersten Geheimf&auml;chern der USA (und Gro&szlig;britanniens) muss daran gezweifelt werden, ob es sich wirklich um ein partnerschaftliches Verh&auml;ltnis handelt. So ist vom Au&szlig;enministerium als Aktualisierung nachgetragen worden: &bdquo;Die sogenannte &sbquo;NSA-Aff&auml;re&lsquo; hat zu einem Vertrauensverlust vieler Deutscher in die Partnerschaft mit den USA gef&uuml;hrt.&ldquo; (Website des Ausw&auml;rtigen Amtes, angegebener Stand: 9.2.2013)<\/p><p>Inzwischen bezweifeln manche sogar, dass Deutschland mit der Vereinigung beider deutscher Staaten tats&auml;chlich volle Souver&auml;nit&auml;t erreicht hat. Letzte verbliebene Vorbehaltsrechte der Alliierten seien am 3. Oktober 1990 beendet worden, so die offizielle Version und allgemeine Annahme. Spekuliert wird jetzt &uuml;ber restliche Restriktionen: &bdquo;Eingeschr&auml;nkte Souver&auml;nit&auml;t war Preis f&uuml;r die Wiedervereinigung, Die Alliierten haben der deutschen Wiedervereinigung nur zugestimmt, weil sich Deutschland verpflichtete, bestimmte Rechte seiner Souver&auml;nit&auml;t nicht wahrzunehmen. Daher konnten die Geheimdienste der USA und Gro&szlig;britanniens in Deutschland ungehindert und legal weiterspionieren.&ldquo; So z. B. der Geheimdienst-Experte und Buchautor Erich Schmidt-Eenboom. (Gegen&uuml;ber den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, 10.7.2013)<\/p><p>Historiker best&auml;tigen nach Sichtung interner Akten: Seit Kriegsende habe sich an der ungleichen Partnerschaft kaum etwas ver&auml;ndert: &bdquo;&lsquo;Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung&lsquo;, hie&szlig; es in einer Direktive der amerikanischen Milit&auml;rs vom Oktober 1945, &sbquo;sondern als besiegter Feindstaat.&lsquo; Zumindest f&uuml;r die amerikanischen Geheimdienste hat sich daran offenbar in den vergangenen knapp sieben Jahrzehnten wenig ge&auml;ndert.&ldquo; (Gregor Sch&ouml;llgen: Besetzt, besch&uuml;tzt, bevormundet, F&uuml;r die deutsch-amerikanische Freundschaft hat der Kalte Krieg nie aufgeh&ouml;rt, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 29.7.2014; Sch&ouml;llgen ist Professor f&uuml;r Neuere Geschichte an der Universit&auml;t Erlangen und Mitherausgeber der Akten des Ausw&auml;rtigen Amtes.)<\/p><p>Konkret ergaben Recherchen &bdquo;in den Geheimarchiven der Regierung&ldquo;: Die &bdquo;geheimdienstlichen Rechte der drei Westm&auml;chte waren aber l&auml;ngst im Zusatztruppenvertrag zum Nato-Truppenstatut von 1959 dauerhaft gesichert. Die gelten bis heute.&ldquo; (Josef Foschepoth: &bdquo;Die USA d&uuml;rfen Merkel &uuml;berwachen&ldquo;, Die NSA hat deutsche Politiker schon immer ganz legal observiert, Interview mit Zeit Online, aktualisiert am 25.10.2013; Foschepoth ist Professor f&uuml;r Neuere und Neueste Geschichte an der Universit&auml;t Freiburg.)<\/p><p>Zw&ouml;lf Jahre nach der deutschen Vereinigung wurde wenigstens zugestanden: &bdquo;Die NSA hatte im April 2002 in einem sogenannten Memorandum of Agreement schriftlich versichert, sich &sbquo;an die deutschen Gesetze und Bestimmungen zu halten, die die Durchf&uuml;hrung von Fernmelde- und elektronischer Aufkl&auml;rung und Bearbeitung regeln&lsquo;.&ldquo; (Hans Leyendecker, Georg Mascolo: USA-Geheimdienst NSA t&auml;uschte die Bundesregierung, S&uuml;ddeutsche.de, 25.1.2014)<\/p><p>Nicht allein die Souver&auml;nit&auml;t Deutschlands wird angezweifelt. Bei &Uuml;berlegungen, Snowden als Zeugen vor den Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zu laden, gab es Einw&auml;nde, die auch die Souver&auml;nit&auml;t weiterer EU- und NATO-Partner betreffen: &bdquo;In SPD-Kreisen wird das Szenario diskutiert, die USA k&ouml;nnten mit Kampfjets eine Snowden-Maschine, die auf dem Weg nach Deutschland sei, etwa &uuml;ber dem Gebiet Polens zur Landung zwingen.&ldquo; (S&uuml;ddeutsche Zeitung, 17.4.2014)<\/p><p>&Uuml;ber die bilateralen Beziehungen hinaus sind selbst konstitutionell verankerte Grundrechte betroffen. Was ist die deutsche Verfassung noch wert? &bdquo;Das Grundgesetz, auf das so viele Deutsche so stolz sind, ist n&auml;mlich in der Mitte hohl; der US-Geheimdienst NSA hat es ausgeh&ouml;hlt. (&hellip;) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, hei&szlig;t es im Grundgesetz &ndash; die US-Gewalt in und aus Deutschland ganz offensichtlich nicht; sie ist auch nicht an Recht, Gesetz und Verfassung gebunden.&ldquo; (Heribert Prantl: Das hohle Grundgesetz, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 4.4.2014)<\/p><p>Die Mitglieder der Bundesregierung sind auf das Grundgesetz vereidigt. Neuerdings beruft sich die Regierung aber auf das &bdquo;Staatswohl&ldquo;, um die Vernehmung Snowdens in Deutschland zu verhindern, gest&uuml;tzt auf die Argumentation von US-Anw&auml;lten, wonach auch &bdquo;die Mitglieder des Untersuchungsausschusses in den USA strafrechtlich verfolgt werden&ldquo; k&ouml;nnen.<br>\n(Bericht der Bundesregierung zur Ausschussdrucksache 58 des 1. Untersuchungsausschusses der 18. Wahlperiode, VS &ndash; Nur f&uuml;r den Dienstgebrauch, 2. Mai 2014, S. 25; ver&ouml;ffentlicht von Netzpolitik, 5.5.2014)<\/p><p>Eine groteske Verdrehung, denn: &bdquo;Danach gebietet das Staatswohl, die Totalaussp&auml;hung der Bundesb&uuml;rger durch den US-Geheimdienst NSA keinesfalls zu behindern, auf jegliche Aufkl&auml;rung der Aussp&auml;hung zu verzichten und den Schutz betroffener Grundrechte der Bundesb&uuml;rger aufzugeben, entsprechend verbietet das Staatswohl, den US-amerikanischen Freunden diesbez&uuml;glich weiterhin die Freundschaft st&ouml;rende Fragen zu stellen.&ldquo; (Christian Bommarius: Bundesregierung verdreht das &bdquo;Staatswohl&ldquo;, Berliner Zeitung, 2.5.2014)<\/p><p>Wenn Grundrechte missachtet werden, kann der Appell, wenigstens &bdquo;die Ehre&ldquo; Deutschlands zu wahren, nur hilflos wirken: &bdquo;Es ist eine Frage der Ehre f&uuml;r eine Demokratie, das souver&auml;ne Land nicht von der Westentasche bis zum Regierungsgeheimnis von einem fremden Staat durchleuchten zu lassen.&ldquo; (R&uuml;diger Scheidges: Eine Frage der Ehre, Handelsblatt, 21.3.2014)<br>\nIn den Medien wird gespottet: &uuml;ber &bdquo;die beleidigten Deutschen&ldquo; (Welt am Sonntag, 19.1.2014); &bdquo;Die Kolonie jammert&ldquo; (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.1.2014); &bdquo;Transatlantische Untertanen, Im Fall Snowden wandelt sich die Bundesregierung zur politischen Marionette Amerikas&ldquo; (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.5.2014).<\/p><p><strong>Die Bundesregierung &bdquo;beendet&ldquo; die NSA-Abh&ouml;raff&auml;re schon nach zehn Wochen<\/strong><\/p><p>Als nach und nach enth&uuml;llt wurde, wie umfassend und detailliert der amerikanische Geheimdienst National Security Agency (NSA) weltweit Kommunikationsdaten aus Telefongespr&auml;chen, Internetbesuchen, E-Mails einsammelt und auswertet, stand Deutschland im Wahlkampf zur Bundestagswahl am 22. September 2013 sowie zu Landtagswahlen in Hessen und Bayern. Abwechslung in die kaum mobilisierende Kampagne brachten fast ausschlie&szlig;lich unterhaltsame Einlagen des Spitzenkandidaten der gr&ouml;&szlig;ten Oppositionspartei SPD, Peer Steinbr&uuml;ck. Deutsche Medien hatten ihren Spa&szlig;, die W&auml;hler sicherlich andere Sorgen. In diese kuriose Kurzweil eines unfreiwilligen Alleinunterhalters mit immenser Presseresonanz platzten dann Snowdens Pr&auml;sentationen geheimer Dokumente. Hoffnung kam auf im desastr&ouml;sen Wahlkampf der SPD: K&ouml;nnte dieses unerwartete Ereignis nicht die Wende bringen, wie im Bundestagswahlkampf 2002 der Konflikt zwischen Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der und der amerikanischen Administration &uuml;ber den Irak-Krieg. Dank Snowden wei&szlig; man, auch Schr&ouml;der wurde seitdem abgeh&ouml;rt. (S&uuml;ddeutsche Zeitung, 5.2.2014) &bdquo;Die NSA-Aff&auml;re kam f&uuml;r die SPD wie vom Himmel gesandt: Ihr Kanzlerkandidat Peer Steinbr&uuml;ck schien endlich einen Hebel zu haben, Merkel, die Unangreifbare, ins Wanken zu bringen.&ldquo; (Deutsche Presse Agentur, 25.7.2013; hierzu: Lenz Jacobsen: Mischt Snowden den Wahlkampf auf?, Zeit Online, 3.7.2013; Martina Fietz: Sp&auml;haff&auml;re im Wahlkampf 2013, F&uuml;nf Gr&uuml;nde, warum Snowden f&uuml;r Merkel zum Katastrophenfall werden k&ouml;nnte, Focus Online, 19.7.2013)<\/p><p>Doch dieser Versuch lief ins Leere. (Robert Leicht: Warum das Thema NSA im SPD-Wahlkampf floppt, Zeit Online, 19.8.2013) Die Regierungskoalition aus CDU\/CSU und FDP unter Kanzlerin Merkel wiegelte ab. &bdquo;Das Internet ist f&uuml;r uns alle Neuland&ldquo;, tr&ouml;stete Merkel sich und Barack Obama auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am 19. Juni 2013 bei dessen Arbeitsbesuch in Berlin. &bdquo;Die Kanzlerin und ihre Partei lassen den Sp&auml;h-Skandal einfach an sich abperlen.&ldquo; (Deutsche Presse Agentur, 25.7.2013)<\/p><p>Knapp zwei Monate sp&auml;ter erkl&auml;rte das Kanzleramt die Aff&auml;re dann f&uuml;r beendet, so Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU). (handelsblatt.com, 12.8.2013; Zeit Online, 12.8.2013)  Der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrichs (CSU) schloss sich an: &bdquo;Alle Verd&auml;chtigungen, die erhoben wurden, sind ausger&auml;umt. Fest steht: Es gab keine &sbquo;massenhaften Grundrechtsverletzungen&lsquo; amerikanischer Geheimdienste auf deutschem Boden, wie behauptet wurde.&ldquo; (Interview, Rheinische Post online, Mitteilung des Bundesministeriums des Innern, 16.8.2013)<\/p><p>Die deutsche Regierung k&uuml;ndigte an, bald ein &bdquo;No-Spy-Abkommen&ldquo; zum bilateralen Verzicht auf Spionage mit den USA abzuschlie&szlig;en. Erst nach der Bundestagswahl und nach Bildung der Regierung der Gro&szlig;en Koalition aus CDU\/CSU und SPD wurde klar, dass die USA &uuml;ber ein solches Abkommen nicht verhandeln werden. &bdquo;&lsquo;Das No-Spy-Abkommen mit den USA ist auf gutem Weg&lsquo;, sagte der damalige Kanzleramtsminister Pofalla noch im November. Das war falsch (&hellip;) so falsch wie Pofallas Beteuerung vom August, der Vorwurf der &sbquo;Totalaussp&auml;hung&lsquo; sei &sbquo;vom Tisch&lsquo;. Nichts ist vom Tisch: Dort liegt vielmehr die Frage, ob die schwarz-gelbe Regierung wom&ouml;glich im Wahlkampf 2013 das Volk &uuml;ber den Ernst der Abh&ouml;rlage get&auml;uscht hat.&ldquo; (Heribert Prantl: Der Ernst der Abh&ouml;rlage, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 14.1.2014)<\/p><p><strong>Die Bundesregierung wird vom NSA-Skandal wieder eingeholt<\/strong><\/p><p>Ende Oktober 2013 wurde bekannt, dass die NSA sogar das Handy der Bundeskanzlerin observiert hat. Merkels Reaktion: &bdquo;Aussp&auml;hen unter Freunden &ndash; das geht gar nicht.&ldquo; (Spiegel Online, 24.10.2013)<br>\nErst zwei Monate nach der Bundestagswahl, erst im November 2013, wurde die Kanzlerin endlich deutlich: &ldquo;Das transatlantische Verh&auml;ltnis und damit auch die Verhandlungen &uuml;ber ein transatlantisches Freihandelsabkommen werden gegenw&auml;rtig ganz ohne Zweifel durch die im Raum stehenden Vorw&uuml;rfe gegen die USA um millionenfache Erfassung von Daten auf eine Probe gestellt. Die Vorw&uuml;rfe sind gravierend; sie m&uuml;ssen aufgekl&auml;rt werden.&rdquo; (Im Bundestag, Stenografischer Bericht, 18.11.2013, S. 24)<br>\nIm Januar versch&auml;rfte sie ihren Ton: &bdquo;Vertrauen ist die Grundlage f&uuml;r Frieden und Freundschaft zwischen den V&ouml;lkern (&hellip;) erst recht die Grundlage f&uuml;r die Zusammenarbeit verb&uuml;ndeter Staaten. Ein Vorgehen, bei dem der Zweck die Mittel heiligt, bei dem alles, was technisch machbar ist, auch gemacht wird, verletzt Vertrauen, s&auml;t Misstrauen. Am Ende gibt es nicht mehr, sondern weniger Sicherheit.&ldquo; (Im Bundestag, Stenografischer Bericht, 29.1.2014, S. 569\/570)<br>\nDer US-Geheimdienst behandelte Merkel also nicht privilegierter als die Bundesb&uuml;rger sonst: &bdquo;Entlarvend ist nur, dass Merkel erst jetzt, wo sie selber mutma&szlig;lich betroffen ist, energisch reagiert und sich bei US-Pr&auml;sident Barack Obama beschwert. Das w&auml;re schon ihre Pflicht gewesen, als es um die millionenfachen Eingriffe der NSA in die Privatsph&auml;re deutscher B&uuml;rger ging. Denn deren Grundrechte sind genauso viel wert wie die der Kanzlerin.&ldquo; (Ludwig Greven: Merkels Emp&ouml;rung kommt zu sp&auml;t, Zeit Online, 24.10.2013) Inzwischen hat der amerikanische Pr&auml;sident zugesagt, dass wenigstens die Kanzlerin k&uuml;nftig nicht weiter belauscht wird.<\/p><p>Der Koordinator f&uuml;r transatlantische Beziehungen der Bundesregierung, Philipp Mi&szlig;felder (CDU) bilanzierte zum Amtsantritt: &bdquo;Durch die NSA-Sp&auml;haff&auml;re (&hellip;) seien die beiderseitigen Beziehungen derzeit aber an einem Tiefpunkt angelangt. Das Vertrauen der Deutschen in die USA sei geringer als zu Beginn des Irak-Kriegs im Jahr 2003. Die Debatte um die NSA &sbquo;besch&auml;ftigt die Menschen l&auml;nger und intensiver als die Invasion im Irak&lsquo; (&hellip;) Sein Eindruck: Die USA begegneten Deutschland offenbar mit &sbquo;gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichem Misstrauen&lsquo;, Berlin werde nicht als &sbquo;loyaler Freund&lsquo; gesehen&rdquo; (Spiegel Online, 16.1.2014; am 3. April 2014 meldete DIE WELT seinen R&uuml;cktritt: &bdquo;Merkel verliert &uuml;berraschend Amerika-Beauftragten&ldquo;, weil er &bdquo;sich auf Aufgaben in der CDU konzentrieren&ldquo; will.)<\/p><p>Der neue Innenminister Thomas de Maizi&egrave;re schimpfte nun, lange nach dem Wahltag: &bdquo;Wenn zwei Drittel dessen, was Edward Snowden vortr&auml;gt oder was unter Berufung auf ihn als Quelle vorgetragen wird, stimmen, dann komme ich zu dem Schluss: Die USA handeln ohne Ma&szlig;.&ldquo; (Interview, Der Spiegel, Nr. 15, 7.4.2014)<\/p><p>Wiederholt, im Juni, August und im Oktober 2013, hatte das Bundesinnenministerium die US-Botschaft  &bdquo;um Auskunft zu dem Sachverhalt&ldquo; gebeten, ohne Erfolg. Auch die Briten antworteten nicht. Die Bundesjustizministerin wollte vom amerikanischen Amtskollegen im Juni 2013 Aufkl&auml;rung. Auch ihre Erinnerung im Oktober 2013 blieb unbeantwortet. Das alles gab die Bundesregierung ebenfalls erst nach der Bundestagswahl bekannt. (welt.de, 9.4.2014; Die Welt, 25.3.2014)<\/p><p><strong>Putin als Retter der transatlantischen Beziehungen<\/strong><\/p><p>Worauf die SPD im Bundestagswahlkampf vergeblich gehofft hatte, n&auml;mlich auf Auftrieb durch unerwartete Ereignisse au&szlig;erhalb innenpolitischer Arenen, entlastet unverhofft die gest&ouml;rten Beziehungen zu den USA: die Krise in der Ukraine. &bdquo;Dunkle Wolken schoben sich &uuml;ber das deutsch-amerikanische Verh&auml;ltnis; schon wurde gemutma&szlig;t, der massive Vertrauensbruch werde nicht leicht zu reparieren sein. Ist ausgerechnet Wladimir Putin bei der Reparatur behilflich?&ldquo;<br>\n(Klaus-Dieter Frankenberger: Putins Werk, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.3.2014)<br>\n&bdquo;&lsquo;Es gibt jetzt wirklich Wichtigeres als die NSA-Geschichten&lsquo;, hei&szlig;t es in Regierungskreisen.&ldquo; (War da was?, Der Spiegel, Nr. 18, 28. 4.2014 welt.de, 9.4.2014; Die Welt, 25.3.2014)<\/p><p>Absichernd sorgte sich die BILD-Zeitung noch zum Besuch Merkels bei Obama Anfang Mai 2014: &bdquo;Treibt Putin einen Keil zwischen Deutschland und Amerika?&ldquo; (Bild.de, 2.5.2014)<\/p><p>St&ouml;rend dabei ist allerdings, dass die B&uuml;rger in Deutschland skeptisch bleiben: &bdquo;Deutsche Distanz zu den USA beunruhigt die Politik, 49 Prozent der B&uuml;rger favorisieren inzwischen eine &sbquo;mittlere Position zwischen dem Westen und Russland&lsquo;. Dieser Wandel beunruhigt die Politik, die die Ursachen daf&uuml;r auch in der NSA-Aff&auml;re sieht.&ldquo; (welt.de, 5.4.2014)<br>\nMit den Ergebnissen einer Umfrage des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) im Januar 2014 zu den verschlechterten deutsch-amerikanischen Beziehungen war die BILD-Zeitung so unzufrieden, dass sie selbst demoskopisch aktiv wurde: &bdquo;Umfrage, Finden wir die Amis auch so toll wie die uns? Stimmen Sie ab!&ldquo; (Bild.de, 31.1.2014)<\/p><p><strong>Deutsche Leitmedien im Reparaturbetrieb der transatlantischen Beziehungen<\/strong><\/p><p>Bei dieser Stimmungslage tut &bdquo;Aufkl&auml;rung&ldquo; not. Da ist auf dominierende Medien Verlass. Deren Interessen-Verquickung im Widerspruch zum journalistischen Ethos ist inzwischen durchleuchtet und analysiert worden.<br>\nBei Journalisten f&uuml;r Au&szlig;enpolitik wurden &bdquo;dichte Netzwerke im US- und NATO-affinen Elitenmilieu&ldquo; nachgewiesen. (Uwe Kr&uuml;ger: Meinungsmacht, Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalismus &ndash; eine kritische Netzwerkanalyse, K&ouml;ln, 2013, 378 S.; Ders.: Die N&auml;he zur Macht, in: Message, I\/2013, S. 22-28)<\/p><p>Besonders aktiv als Netzwerk zur Abgleichung von Meinungen ist der Verein Atlantik-Br&uuml;cke, &bdquo;eine Br&uuml;cke zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten (&hellip;) Zielgruppe sind deutsche und amerikanische Entscheidungstr&auml;ger aus Wirtschaft, Politik, den Streitkr&auml;ften, der Wissenschaft, den Medien und der Kultur, die bei der Atlantik-Br&uuml;cke einen Rahmen f&uuml;r vertrauliche Gespr&auml;che finden&ldquo;. (Website der Atlantik-Br&uuml;cke) Nach Auswertung ihrer Jahresberichte von 2006 bis 2013 hat der Blog Spiegelkabinett rund 100 Namen von teilnehmenden Journalisten ver&ouml;ffentlicht, vertreten sind alle gro&szlig;en Medien. (Spiegelkabinett, 19.3.2013 und 23.1.2014)<\/p><p>Hier einige, leicht zu vermehrende Belege aus Leitmedien in Deutschland f&uuml;r Aktionen zur Hebung der Stimmung im transatlantischen Verh&auml;ltnis:<\/p><ul>\n<li><strong>Kampagne: Die &bdquo;Putin-Versteher&ldquo;<\/strong>\n<p>Wer zur Interessenlage Russlands im Ukraine-Konflikt differenziert Stellung nimmt, wird als &bdquo;Putin-Versteher&ldquo; vorgef&uuml;hrt. &bdquo;Putin-Versteher zeichnen sich dadurch aus, dass sie Verst&auml;ndnis f&uuml;r Putin haben, nicht von Putin. Ihre These lautet: Putin f&uuml;hlt sich eingeengt und wird wieder zur Vernunft kommen, wenn man ihm genug Luft zum Atmen l&auml;sst (&hellip;) Dieses Denken ist naiv und gef&auml;hrlich (&hellip;) Wer daf&uuml;r Verst&auml;ndnis zeigt, verr&auml;t, wof&uuml;r der Westen steht.&ldquo; (Bild.de, 30.4.2014)<br>\nDIE WELT diagnostiziert mit dem Historiker und Publizisten Gerd Koenen sogar einen &bdquo;deutschen Russland-Komplex&ldquo;, seit Ende des 17. Jahrhunderts, von Leibnitz, Nietzsche, Rilke, Thomas Mann, Oswald Spengler, Ernst Bloch, bis zu M&auml;nnerfreundschaften der Kanzler Kohl mit Jelzin und Schr&ouml;der mit Putin. (J&ouml;rg Himmelreich: Der verh&auml;ngnisvolle deutsche Russland-Komplex, welt.de, 22.4.2014; Gerd Koenen: Der Russland-Komplex, Die Deutschen und der Osten 1900&ndash;1945, M&uuml;nchen, 2005, 528 S.)<\/p>\n<p>Der fr&uuml;here Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der, als &bdquo;Russland-Versteher&ldquo; abqualifiziert, erwiderte: &bdquo;Verstehen hei&szlig;t, sich in die Gedanken des anderen zu versetzen, herauszufinden, was ihn bewegt. Wer das nicht tut, ist nicht zu einer rationalen Politik f&auml;hig, zu einer rationalen Au&szlig;enpolitik schon gar nicht.&ldquo; (Interview, Welt am Sonntag, 11.5.2014)<\/p><\/li>\n<li><strong>Kampagne: Die gr&ouml;&szlig;te Gefahr lauert immer noch im Osten<\/strong>\n<ul>\n<li>Dabei seien die Russen nach wie vor schlimmer als die Amerikaner: &bdquo;Totale &Uuml;berwachung bei Olympia, So spionieren die Russen in Sotschi&ldquo;. (Bild.de, 7.2.2014)<\/li>\n<li>&bdquo;Die deutschen Geheimdienste halten denn auch die Folgen der Aussp&auml;hung durch die Amerikaner f&uuml;r &uuml;bersch&auml;tzt, so ein Nachrichtendienstler. &sbquo;Trotz der Enth&uuml;llungen &uuml;ber die NSA hat sich an der Einsch&auml;tzung, dass von den Russen die gr&ouml;&szlig;te Gefahr im Spionagebereich ausgeht, nichts ge&auml;ndert.&lsquo;&ldquo; (Dirk Banse, Florian Flade, Per Hinrichs, Julia Smimova: Russen spionieren Deutsche bei Eisernen Treffs aus, welt.de, 21.4.2014)<\/li>\n<li>&bdquo;Spionage im Internet, China gef&auml;hrlicher als die NSA?&ldquo; (Bild.de, 1.2.2014)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Kampagne: &bdquo;Antiamerikanismus&ldquo;<\/strong>\n<ul>\n<li>So fasst die ZEIT in ihrem Vorspann den Inhalt eines Gastbeitrags zusammen: &bdquo;Die NSA-Aff&auml;re und ihre Folgen: Die USA werden hierzulande immer verhasster. Hinter der vermeintlichen Kritik verbergen sich jedoch oft muffigste Ressentiments.&ldquo; Ein Ausschnitt aus diesem Beitrag: &bdquo;Das alte dualistische Bild: Ein degeneriertes, materialistisches und bigottes Amerika auf der einen Seite &ndash; und das kulturvolle, zivilisierte Europa auf der anderen. Transformiert ins 21. Jahrhundert &ndash; der NSA-Skandal macht&rsquo;s m&ouml;glich. Das ist der neue Antiamerikanismus: Die moralische Supermacht Europa erhebt sich gegen den Koloss USA. Dieser Antiamerikanismus ist brandgef&auml;hrlich&ldquo;.(Tobias Jaecker: Der neue alte Antiamerikanismus, Zeit Online, 24.2.2014)<\/li>\n<li>Der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zur NSA-Abh&ouml;raff&auml;re &bdquo;droht zu einer einzigen Peinlichkeit zu werden (&hellip;) die L&auml;cherlichkeit der Berliner Hysterie liegt auch daran, dass sich eine ganze Schar deutscher Politiker von den M&auml;chten, die sie t&auml;glich ausspionieren, ausgerechnet die vorkn&ouml;pft, deren Interessen sie teilen sollte.&ldquo; (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.4.2014)<\/li>\n<li>&bdquo;Und so quillt nach Obamas Erh&ouml;hung zum Weltenretter wieder viel Antiamerikanismus durch die Ritzen der deutschen &Ouml;ffentlichkeit. Was zuletzt angesichts der Ukraine-Krise gegen Amerika absch&auml;tzig ge&auml;u&szlig;ert wurde, spottet jeder Beschreibung und gibt zu besorgten Fragen Anlass, wo die Deutschen eigentlich ihren Platz in der Welt sehen.&ldquo; (Klaus-Dieter Frankenberger: Freunde und Freunde, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.5.2014)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Kampagne: N&uuml;tzliche NSA<\/strong>\n<p>Hierzu eine nur kleine Auswahl von Schlagzeilen der BILD-Zeitung (Bild.de):<\/p>\n<ul>\n<li>&bdquo;Aussp&auml;hen ist notwendig! Sieben Thesen zum NSA-Skandal &hellip; &uuml;ber die sich jetzt viele aufregen werden&ldquo; (3.11.2013)<\/li>\n<li>&bdquo;Schn&uuml;ffeln verhindert Terror, &Uuml;berraschendes Lob f&uuml;r die NSA!&ldquo; (27.3.2014)<\/li>\n<li>&bdquo;Unsterblich im Netz? NSA warnt vor Cyber-Bin-Laden, Er k&ouml;nnte noch in hundert Jahren zu Terror aufrufen&ldquo; (12.1.2014)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Kampagne: NSA nicht allein unter den Daten-Giganten<\/strong>\n<p>Auch hier sind Medien des Springer-Konzerns federf&uuml;hrend:<\/p>\n<ul>\n<li>&bdquo;NSA-Abh&ouml;rskandal, Wo bin ich im Internet noch sicher? Facebook, Google, Mails, Handy-Telefonate: Die Geheimdienste schn&uuml;ffeln uns hinterher, wo sie nur k&ouml;nnen&ldquo; (Bild.de, 31.10.2013)<\/li>\n<li>&bdquo;Irrer Schaden, Cyber-Attacken kosten Firmen Milliarden&ldquo; (Bild.de, 2.11.2013)<\/li>\n<li>&bdquo;Geheimdienste und Cyber-Angriffe, So tobt der Daten-Krieg im Internet, BILD erkl&auml;rt den Krieg im Netz und wer die Hauptakteure auf dem digitalen Schlachtfeld sind&ldquo; (Bild.de, 13.11.2013)<\/li>\n<li>&bdquo;Google ist &uuml;berall, Von Smartphone und Tablet &uuml;ber Brille und Uhr bis hin zu Auto, K&uuml;hlschrank, Rauchmelder und Thermostat: Wie sich der Suchmaschinen-Konzern in unserem Leben breitmacht&ldquo; (Welt am Sonntag, 19.1.2014)<\/li>\n<li>&bdquo;Die beunruhigende Vision von der totalen Vernetzung der eigenen vier W&auml;nde hat das orwellsche Stadium l&auml;ngst hinter sich gelassen. Der virtuelle Raum des Internets bem&auml;chtigt sich nun ganz real der Gegenst&auml;nde im Alltag. F&uuml;r paranoide Geister brechen unruhige Zeiten an.&ldquo; (Beat Balzli, stellvertretender Chefredakteur, Welt am Sonntag, 19.1.2014)<\/li>\n<li>&bdquo;N&uuml;chtern betrachtet ist das Netz also ein riesiges Ausforschungswerkzeug und die NSA nur eine nachgeordnete Auswertungsabteilung. Eine von vielen, die meisten sind kommerzieller Natur.&ldquo; (Urich Clauss: Netz-Junkies auf Entzug, Die Welt, 3.2.2014)<\/li>\n<li>&bdquo;Ist Google gef&auml;hrlicher als der US-Super-Geheimdienst NSA, der seit Monaten wegen Datensammel-Wut unter Beschuss steht? BILD nennt 7 brisante Fakten &uuml;ber die gr&ouml;&szlig;te Suchmaschine der Welt. (&hellip;) Google-Chef Schmidt: &sbquo;Wir sind &uuml;berzeugt, dass Portale wie Google, Facebook, Amazon und Apple weitaus m&auml;chtiger sind, als die meisten Menschen ahnen. (&hellip;) und dies verleiht auch ihren Machern, Eigent&uuml;mern und Nutzern neue Macht.&lsquo;&ldquo; (Bild.de, 4.4.2014)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dabei wei&szlig; die NSA l&auml;ngst die Datenberge dieser Konzerne zu sch&auml;tzen und f&uuml;r eigene Zwecke zu nutzen: &bdquo;Dass die Trennung zwischen staatlichen und privaten Datenbanken durchl&auml;ssig ist, zeigte die Zusammenarbeit von Google, Apple, Yahoo und Microsoft mit der NSA.&ldquo; (Katharina Nocun: Die neue soziale Frage, Gastbeitrag, Frankfurter Rundschau, 26.6.2014; Nocun leitet beim Netzwerk Campact die Aktion gegen Vorratsdatenspeicherung.)<\/p><\/li>\n<li><strong>Kampagne: Die Zukunft geh&ouml;rt dem transatlantischen Freihandelsabkommen<\/strong>\n<p>Die NSA-Aff&auml;re schien auch die Verhandlungen &uuml;ber ein Freihandelsabkommen (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP) zwischen der EU und den USA zu belasten, die Kanzlerin sah diese &bdquo;auf eine Probe gestellt&ldquo;.22 Wenige Monate sp&auml;ter waren solche Vorbehalte vergessen: &bdquo;Es ist ein gro&szlig;artiges Projekt, f&uuml;r das es sich zu k&auml;mpfen lohnt&ldquo;, so Merkel im Mai 2014. (Auf der Jahrestagung der amerikanischen Handelskammer AmCham Germany in D&uuml;sseldorf, dpa-AFX, 23.5.2014)<\/p>\n<p>Auch in den Leitmedien dominieren wieder die Bef&uuml;rworter dieses Projekts.<\/p>\n<p>Kritische Stimmen dagegen sehen mit dem Abkommen weiteren Abbau von Grundrechten voraus, ja sogar einen &bdquo;der gef&auml;hrlichsten Angriffe auf die demokratischen Rechts- und Sozialstaaten, die es je gegeben hat&ldquo;.<br>\nAusl&auml;ndische Investoren sollen Sonder- und Schutzrechte erhalten: &bdquo;Ein Grundrecht auf ungest&ouml;rte Investitionsaus&uuml;bung.&ldquo; (Heribert Prantl: Ein heimlicher Staatsstreich, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 10.5.2014) Wenn sich Konzerne bei ihren Gewinnplanungen durch staatlich gesetzte Normen behindert sehen, etwa bei Umweltschutzauflagen, bei Gesundheitsschutz, Verbraucherrechten, der Sozial- und Wirtschaftspolitik eines Landes insgesamt, sollen sie Klagerecht mit Anspr&uuml;chen auf Schadensersatz erhalten &ndash;  &bdquo;sch&auml;dlich f&uuml;r unseren demokratischen Rechtsstaat, weil es den Investoren durch Schutzklauseln unerh&ouml;rte Sonderrechte einr&auml;umen soll&ldquo;. (Daniel Haufler: Die Grenzen des Freihandels, Berliner Zeitung, 6.5.2014) Streitf&auml;lle werden dann nicht von der regul&auml;ren Rechtsprechung entschieden, sondern von Schiedsgerichten mit internationalen Anw&auml;lten (&bdquo;in den letzten Jahren ein kleiner Zirkel von 15 Anw&auml;lten weltweit&ldquo;; S&uuml;ddeutsche Zeitung, 2.5.2014), zudem ohne Revisionsm&ouml;glichkeit. Staaten dagegen k&ouml;nnen Konzerne bei Verst&ouml;&szlig;en z. B. gegen Umweltgesetze oder bei Menschenrechtsverletzungen nicht bei den Schiedsgerichten verklagen. F&uuml;r sie &bdquo;gilt weiter der regul&auml;re, langwierige Klageweg&ldquo;. (Daniel Haufler)<br>\nDieses Abkommen laufe &bdquo;auf eine fast diktatorische Beschr&auml;nkung demokratischer Selbstbestimmung&ldquo; hinaus. &bdquo;Es handelt sich um keinen Vertrag, den die USA zulasten Europas durchdr&uuml;cken wollen. Es handelt sich um einen Vertrag, den das internationale Kapital zulasten der nationalen Demokratien abschlie&szlig;en will.&ldquo; (Jens Jessen: Eine Wahnsinnstat, Der Skandal verbirgt sich in einem unhandlichen K&uuml;rzel: Mit TTIP, dem geplanten Transatlantischen Handelsabkommen zwischen der EU und den USA, werden Demokratie und Rechtsstaat ausgehebelt. Man sollte es verhindern!, Die Zeit, 5.6.2014)<\/p>\n<p>Bereits vor Abschluss eines Freihandelsabkommens gibt es Beispiele daf&uuml;r, wie Investoren ihr Sonderrecht einklagen und ausnutzen wollen. So verklagt der Energiekonzern Vattenfall seit 2012 die Bundesregierung auf mehrere Milliarden Euro Entsch&auml;digung f&uuml;r die Abschaltung von Atomkraftwerken im Rahmen des deutschen Atomausstiegs nach der Reaktorkatastrophe in Japan. Ein Tabakkonzern klagt gegen Uruguay und Australien wegen Auflagen auf Zigarettenverpackungen. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele. (Pia Eberhardt: Investitionsschutz am Scheideweg, TTIP und die Zukunft des globalen Investitionsrechts, Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, Mai 2014, Dokumentation, S. 7; Spiegel Online, 28.7.2014)<\/p>\n<p>Belastend f&uuml;r die transatlantischen Handelsbeziehungen ist nicht zuletzt, &bdquo;dass staatliche Geheimdienste auch Wirtschaftsspionage betreiben&ldquo;. &bdquo;Jeder f&uuml;nfte Spionageangriff auf deutsche Unternehmen kommt aus Nordamerika.&ldquo; Der deutschen Wirtschaft entst&uuml;nde dadurch ein Schaden von fast 12 Mrd Euro, bei einem j&auml;hrlichen Schaden von rund 50 Mrd Euro durch Wirtschaftsspionage insgesamt. (Jens Koenen, Ina Karabasz: Der unfreundliche Freund, Handelsblatt, 21.7.2014)<br>\nProtest gegen die Auswirkungen des TTIP und auch dagegen, dass die laufenden Verhandlungen im Geheimen stattfinden, wird vor allem im Netz organisiert, so ma&szlig;geblich von den Initiativen Campact, ATTAC und Avaaz, mit inzwischen mehreren hunderttausend Unterschriften von Unterst&uuml;tzern.<\/p><\/li>\n<\/ul><p><strong>Diskurs: &bdquo;Big Data&ldquo; steht erst am Anfang<\/strong><\/p><p>Die NSA-Sp&auml;haff&auml;re gab den Ansto&szlig; zu einer grunds&auml;tzlichen Diskussion, vor allem durch eine Serie im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Die Digital-Debatte, FAZ.NET), &uuml;ber die immer umfassendere Erfassung und Vernetzung von Daten, inzwischen ohne technische Schranken. Der &bdquo;gl&auml;serne Mensch&ldquo;, samt Umgebung nahezu komplett gescannt und abgeh&ouml;rt, wird rasant realisiert, perfekter als in k&uuml;hnsten Science-Fiction-Phantasien vorausgeahnt. Cui bono, wem zum Nutzen? Gelingt es den Wirtschaftsgiganten, den Menschen komplett als Konsumenten zu berechnen, zu interpretieren und somit auch zu steuern? Oder kann durch Organisieren von Widerstand noch erreicht werden, verbindliche nationale und internationale Regeln zu vereinbaren, um Grundrechte gegen die neuen Bedrohungen abzusichern? <\/p><p><strong>Res&uuml;mee: Schleichend in eine neue Weltordnung<\/strong><\/p><p>&bdquo;Was hat das Abkommen zum Investitionsschutz zwischen den USA und Europa mit der Amputation der Ukraine zu tun? Oder mit der &Uuml;berwachung der NSA?&ldquo;, &uuml;berschreibt die S&uuml;ddeutsche Zeitung ihre bemerkenswerte Analyse dieser unterschiedlichsten, scheinbar kaum miteinander verbundenen Ereignisse und kommt zu dem Ergebnis: Gewachsene historische und v&ouml;lkerrechtliche Bindungen, rechtsstaatliche Prinzipien, der Vorrang &ouml;ffentlicher Interessen werden zunehmend &bdquo;als ineffizient, unflexibel und der Komplexit&auml;t heutiger Problemlagen nicht mehr angemessen&ldquo; abgewertet. &bdquo;Also wird das Recht als das idealtypische gesellschaftliche Regulativ einer folgenreichen Transformation ausgesetzt, die gerne mit der Formel erfasst wird: &sbquo;from government to governance&lsquo;. Das soll hei&szlig;en, dass sich die rechtsstaatlich und demokratisch gebundene Regierungsverantwortung wandelt zur pragmatischen Lenkungsform, wie man sie vor allem in der Wirtschaftswelt entwickelt hat. (&hellip;) Die Legitimit&auml;t ergibt sich aus der Effizienz, nicht aus der Korrektheit. Datenschutzeinw&auml;nde gegen die NSA-&Uuml;berwachung werden mit derselben Logik zur Seite gewischt. (&hellip;) In der effektvollen Ausdehnung der russischen Einflusszone auf die Ukraine begegnet der Westen dem rechtsneutralen Governance-Denken in h&auml;sslicher Gestalt.&ldquo; &bdquo;Die neue Weltordnung entstellt das Recht und hebelt die Demokratie aus.&ldquo;( Andreas Zielcke: Sieg &uuml;ber das Gesetz, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 2.5.2014)<\/p><p><strong>Ausblick: Zukunft der transatlantischen Beziehungen<\/strong><\/p><p>Deutschlands Politik gegen&uuml;ber Russland im Ukraine-Konflikt ist deutlich zur&uuml;ckhaltend, trotz versch&auml;rfter Forderungen der US-Regierung. &bdquo;Berlin aber will so lange wie m&ouml;glich im Gespr&auml;ch mit Moskau bleiben.&ldquo; (Neue Z&uuml;rcher Zeitung, 30.4.2014)<br>\nNicht zuletzt dank intensiver wirtschaftlicher Beziehungen und Verflechtungen w&auml;re ein R&uuml;ckfall in die Konfrontation des Kalten Krieges mit massiveren Sanktionen ein Bumerang. Nachhaltig wirkt sich auch der Erfolg der Entspannungspolitik von Willy Brandt und Egon Bahr aus, ohne die es nicht zur Vereinigung beider deutscher Staaten gekommen w&auml;re. So ermahnen heute auch Politiker der CDU\/CSU, die damals als sch&auml;rfste Gegnerin der Ostpolitik agitierte, zu M&auml;&szlig;igung und kluger Besonnenheit gegen&uuml;ber Russland.<br>\nSchlie&szlig;lich ist vom amerikanischen Pr&auml;sidenten als Schwerpunkt seiner Au&szlig;enpolitik der Pazifikraum &bdquo;zur Priorit&auml;t Nummer Eins&ldquo; deklariert worden. &bdquo;Der Westen alter Ordnung ist nur noch zweite Wahl.&ldquo;( Zeit Online, 17.11.2011)  &bdquo;Gleichzeitig verliert Washington das Interesse an dem alten Kontinent.&ldquo; (Jacques Schuster: Vier bittere Wahrheiten, Die Welt, 6.5.2014)<\/p><p>Notwendig sind also erneut konstruktive Ideen, diesmal nicht vorrangig f&uuml;r Deutschland, heute f&uuml;r die Selbstbehauptung Europas, das sich inzwischen zum gr&ouml;&szlig;ten Teil in der Europ&auml;ischen Union konstituiert hat. Nach dem ersten, unerwarteten Erfolg, damals zumindest anfangs gegen erhebliche Vorbehalte der USA, k&ouml;nnte eine wiederbelebte Politik &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; als Drehbuch f&uuml;r ein gesamteurop&auml;isches Konzept reaktiviert werden. NSA-Aussp&auml;haff&auml;re sowie russische &Uuml;bergriffe auf vertraglich abgesicherte L&auml;ndergrenzen haben demonstriert, dass die &uuml;berwunden geglaubte Dominanz der Superm&auml;chte offensichtlich eine Renaissance erleben will. Mit alten, historisch diskreditierten und &uuml;berholten Methoden zu neuer St&auml;rke? Bundeskanzlerin Merkel hat immerhin erkannt: &bdquo;Das Recht des St&auml;rkeren wird gegen die St&auml;rke des Rechts gestellt, einseitige geopolitische Interessen &uuml;ber Verst&auml;ndigung und Kooperation.&ldquo; (Im Bundestag, Stenografischer Bericht, 13.3.2014, S. 1519) Allerdings richtete sie dabei ihren Blick allein in Richtung Osten, der Satz fiel in ihrer Regierungserkl&auml;rung zur Lage in der Ukraine. Nicht zu erwarten ist, dass sie diesen Ma&szlig;stab transatlantisch transformiert. Zur Aufkl&auml;rung der NSA-Aussp&auml;haff&auml;re sind zumindest die CDU\/CSU-Mitglieder der Bundesregierung nur bereit, &bdquo;soweit das nicht die Arbeit der Nachrichtendienste im Kern oder das transatlantische Verh&auml;ltnis massiv besch&auml;digt&ldquo;, so Bundesinnenminister Thomas de Maizi&egrave;re. (Interview, Handelsblatt, 16.5.2014)<\/p><p>Unter F&uuml;hrung von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ebenfalls nicht zu erwarten, dass in ihrer Regierungszeit Fortschritte zur politischen Emanzipation Deutschlands in den transatlantischen Beziehungen gewagt, geschweige denn realisiert werden k&ouml;nnten. Prognose eines Historikers: &bdquo;Solange die Deutschen in der Rolle des M&uuml;ndels  verharren, haben die Amerikaner keine Veranlassung, ihre Besatzermentalit&auml;t abzulegen. Umgekehrt spricht einiges daf&uuml;r, dass ein mit angemessenem Selbstbewusstsein auftretender deutscher Partner auch f&uuml;r die USA die attraktivere Alternative ist. F&uuml;r die Nachbarn, die laut &uuml;ber eine europ&auml;ische F&uuml;hrungsrolle Deutschlands nachdenken, gilt das ohnehin.&ldquo;( Gregor Sch&ouml;llgen: Besetzt, besch&uuml;tzt, bevormundet, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 29.7.2014)<\/p><p>Nach ersten Schritten in Richtung Selbstbehauptung &ndash; den Repr&auml;sentanten der US-Nachrichtendienste an der US-Botschaft in Berlin forderte die Bundesregierung im Juli 2014 zur Ausreise auf; das Ausw&auml;rtige Amt bat Anfang August 2014 in einer Verbalnote alle Botschaften &bdquo;um Benennung des in der Bundesrepublik eingesetzten Personals von Nachrichtendiensten (Name, Vorname, Geburtsdatum, Standort, Dienstzugeh&ouml;rigkeit und Funktion)&ldquo; &ndash; revanchierten sich die Amerikaner mit Enth&uuml;llungen aus den Unterlagen eines ehemaligen Mitarbeiters des deutschen Nachrichtendienstes und mutma&szlig;lichen CIA-Spions: Der Bundesnachrichtendienst (BND) betreibe selbst seit Jahren operative Aufkl&auml;rung gegen&uuml;ber Partnerl&auml;ndern in der Nato, gegen die T&uuml;rkei, gegen Albanien. (Spiegel Online, 23.8.2014)<br>\nWenn &bdquo;der BND seit Jahren und zielgerichtet den Nato-Partner T&uuml;rkei abgeh&ouml;rt und ausspioniert haben sollte, dann gef&auml;hrdet das die Zusammenarbeit ausgerechnet in einem Moment, in dem die Bundesregierung erstmals dar&uuml;ber nachdenkt, auch mit Waffenlieferungen Einfluss auf die Entwicklungen im Irak zu nehmen&ldquo; (.Stefan Braun: Peinlicher Beifang, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 18.8.2014) Sogar Telefongespr&auml;che von US-Au&szlig;enminister John Kerry und seiner Vorg&auml;ngerin Hillary Clinton verfingen sich in den Aussp&auml;haktionen des BND, nicht gezielt, zuf&auml;llig als &bdquo;Beifang&ldquo;.<\/p><p>Merkel: &bdquo;Aussp&auml;hen unter Freunden &ndash;  das geht gar nicht&ldquo;? Offensichtlich doch, blo&szlig; nicht beim Handy der Bundeskanzlerin. Glaubw&uuml;rdigkeit sieht anders, konsequenter aus. &bdquo;Was eigentlich unterscheidet das US-Gebaren vom deutschen Verhalten?&ldquo;, bilanziert z.B. das Handelsblatt am 18.8.2011.<br>\nEtwas mehr als ein Jahr nach den ersten Enth&uuml;llungen Edward Snowdens &bdquo;steckt die Bundesregierung erkennbar in der Defensive&ldquo;. (Florian Gathmann, Matthias Gebauer, Philipp Wittrock: Angela Merkel und die BND-Aff&auml;re: Verheddert Im Netz der Dienste, Spiegel Online, 18.8.2014) Eine mutige eigenst&auml;ndige Position r&uuml;ckt in weite Ferne, wie schon bei der Aufkl&auml;rung der Aussp&auml;h-Aff&auml;re: &bdquo;So wie Gerhard Schr&ouml;der 2002 &sbquo;Nein&lsquo; zum Irakkrieg sagte, so k&ouml;nnte Merkel jetzt mit einer Aufnahme Snowdens ein &auml;hnlich deutliches Signal setzten: Ein transatlantischer Treueschwur hei&szlig;t nicht, dass sich Deutschland alles bieten l&auml;sst.&ldquo; (Petra Sorge: Das perfide Doppelspiel der Bundesregierung, Cicero.de, Magazin f&uuml;r politische Kultur, 11.7.2014) Wenn jetzt nicht so viel vor der eigenen T&uuml;r zu kehren w&auml;re. <\/p><p>In der Europapolitik ist die Perspektive fiskalisch und &ouml;konomisch verengt. Auf politischen Gestaltungsanspruch wird verzichtet, wenn die Kanzlerin als ihre Richtlinie ausgibt: &bdquo;F&auml;llt der Euro, f&auml;llt Europa.&ldquo; (S&uuml;ddeutsche.de, 22.7.2011)<\/p><p>Der Verfasser leitete das Politische Archiv des SPD-Parteivorstandes in Bonn und Berlin von 1973 bis 2010.<\/p><p>Erscheint in &ldquo;Krakowskie Studia Miedzynarodowe\/Krakow International Studies&rdquo;, 2014, Ver&ouml;ffentlichung vom Verlag genehmigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Irref&uuml;hrung der &Ouml;ffentlichkeit durch Bundesregierung und Leitmedien seit &uuml;ber einem Jahr in der NSA\/BND-Aussp&auml;haff&auml;re droht auch bei den im Geheimen laufenden transatlantischen Verhandlungen &uuml;ber ein Handelsabkommen (TTIP) eine Wiederholung von Desinformation und Verschleierung. Die ZEIT warnt bereits vor einer &bdquo;Wahnsinnstat&ldquo;, die S&uuml;ddeutsche Zeitung vor einem &bdquo;heimlichen Staatsstreich&ldquo;.<br \/> Die Instrumentarien wiederholen sich. 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