{"id":23373,"date":"2014-09-24T09:32:01","date_gmt":"2014-09-24T07:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23373"},"modified":"2024-09-24T23:25:19","modified_gmt":"2024-09-24T21:25:19","slug":"wir-befinden-uns-mitten-im-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23373","title":{"rendered":"\u201eWir befinden uns mitten im Krieg\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Au&szlig;enpolitik militarisiert sich <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22292\">zunehmend<\/a>. Das st&ouml;&szlig;t bei vielen Menschen <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/news\/Neue-Friedensbewegung-oder-Querfront-2230553.html\">auf Unwillen<\/a>, breite Gegenwehr und eine radikalpazifistische Position wird den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22721\">Entwicklungen im Land<\/a> dennoch nur selten entgegen gesetzt. Die &bdquo;<a href=\"http:\/\/antikriegskonferenz.de\/\">Antikriegskonferenz 2014<\/a>&ldquo; vom 3. bis 5. Oktober in Berlin nimmt dies nun <a href=\"http:\/\/antikriegskonferenz.de\/?page_id=17\">zum Anlass<\/a>, &bdquo;der Bev&ouml;lkerungsmehrheit Argumente an die Hand (zu) geben, ihr ein Gesicht und eine Stimme (zu) verleihen &ndash; jener Mehrheit, die jede Art von Krieg, Waffengewalt, R&uuml;stung und Milit&auml;reins&auml;tzen im In- und Ausland ablehnt und ihr ein &sbquo;Nein&lsquo; entgegen setzt.&ldquo; <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit dem Politikwissenschaftler <strong>Rudolph Bauer<\/strong>, Mitglied der &ldquo;Initiative Antikriegskonferenz Berlin 2014&ldquo; und Autor der Brosch&uuml;re <a href=\"http:\/\/www.bremerfriedensforum.de\/pdf\/Militarisierung-im-Digitalen-Zeitalter.pdf\">&ldquo;Wir befinden uns mitten im Krieg. Militarisierung im Digitalen Zeitalter&rdquo; [PDF &ndash; 7 MB]<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Bauer, in wenigen Tagen findet in Berlin die Antikriegskonferenz 2014 statt, die Sie mitorganisieren. Zu ihren Zielen erkl&auml;ren die Veranstalter auf ihrer Homepage, der gro&szlig;en Bev&ouml;lkerungsmehrheit, die gegen Kriege eingestellt ist, Argumente und &bdquo;intellektuelle Waffen&ldquo; gegen die zunehmende Militarisierung an die Hand geben zu wollen. Ein hehres Ziel. Aber wie soll das gehen?<\/strong><\/p><p>Wir beobachten seit Langem, dass die Meinung der am Frieden interessierten Gro&szlig;zahl der Menschen in der Bundesrepublik von den allermeisten Medien &uuml;bergangen, von der Wissenschaft ignoriert, von der Regierung nicht ernst genommen, von den Parteien klein geredet und vom Bundespr&auml;sidenten als &sbquo;gl&uuml;ckss&uuml;chtig&lsquo; bezeichnet wird. <\/p><p>Das neomilitaristische Schwadronieren <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2014-08\/gauck-bundeswehr-militaereinsaetze-afghanistan-theologen\">von weltweiter deutscher Verantwortung<\/a> greift um sich und ruft kaum noch Widerspruch hervor. Kriege werden Bestandteil der Normalit&auml;t; sie werden zum Politik- und Diplomatie-Ersatz. Dieser Entwicklung wollen, ja m&uuml;ssen wir die Stirn bieten.<\/p><p><strong>&bdquo;Die Stirn bieten&ldquo; &ndash; ist das denn wirklich notwendig? Zurzeit sind die Medien ja voll von Erinnerungen an den Beginn des Ersten Weltkriegs. Ist das denn kein Zeichen f&uuml;r eine vermehrte Empfindlichkeit, was die Gefahr von Kriegen anbelangt?<\/strong><\/p><p>Nun, das Erinnern an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren verstellt uns den Blick auf die Besonderheiten und neuen Erscheinungsformen der Militarisierung, der Propaganda und der Kriegf&uuml;hrung heute. <\/p><p>Unsere Kinder tragen keine Matrosenanz&uuml;ge und Holzschwerter mehr, sondern sie werden mit Kriegs-Videospielen besch&auml;ftigt. Die Soldaten sitzen nicht mehr in schmutzigen Sch&uuml;tzengr&auml;ber, sondern sie befehligen von klimatisierten Einsatzzentren aus t&ouml;dliche Killerdrohnen in das sogenannte Zielgebiet. Es werden Cyber-Kriege gef&uuml;hrt, Wirtschaftskriege und die geheimen Kriege der Abh&ouml;rdienste. Private Firmen sind im Kriegseinsatz, und es wird gefoltert. All das ist neu, und wir sind daf&uuml;r nicht hinreichend sensibilisiert. <\/p><p><strong>Das werden also auch die Themen der Antikriegskonferenz sein?<\/strong><\/p><p>Ja, das sind die zentralen Themen der Konferenz. Aber nicht nur. Selbstverst&auml;ndlich zeigen wir auch geschichtliche Parallelen auf zu 1914 und zu 1939. Auch die aktuelle, an den Kalten Krieg erinnernde Politik an der ukrainisch-russischen Grenze wird thematisiert. <\/p><p>Ferner die Rolle der Medien, der Parteien, der zivilgesellschaftlichen Organisationen, der Friedensbewegung. Weitere wichtige Themen sind die mediale Gew&ouml;hnung an das Grauen der Kriege, das Sch&uuml;ren von Angst und die sprachlichen Verdrehungen, wenn Kriege zu Friedensmissionen umgedeutet werden.   <\/p><p><strong>Die vielen, die mit den aktuellen Entwicklungen nicht einverstanden sind, werden ja leider allzu oft mit Totschlagargumenten, mit geschickter Rhetorik, mittels gro&szlig; angelegter PR und anderem mehr und mehr mundtot zu machen versucht&hellip;<\/strong><\/p><p>In der Tat. Dagegen kann sich kaum noch jemand vereinzelt und ohne die Solidarit&auml;t und Zuarbeit &ndash; vor allem auch aus Kunst, Publizistik und Wissenschaft &ndash; zur Wehr setzen. Diese Zuarbeit und Solidarit&auml;t zu leisten, in einem allerersten und hoffentlich erfolgreichen Schritt, ist unser Ziel.<\/p><p><strong>Und wie genau soll das gehen; was planen und erhoffen Sie?<\/strong><\/p><p>Unser Anliegen ist es zun&auml;chst einmal, die genannten Themen &uuml;berhaupt erst einmal zur Sprache zu bringen, sie ins Bewusstsein zu heben. Wir wollen Menschen aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum ansprechen: Gewerkschafter, Journalisten, &Auml;rzte, Juristen, Lehrer, Wissenschaftler und Studierende. In einer Wissensgesellschaft kommt es nicht zuletzt auch auf diese Berufsgruppen an. <\/p><p>Au&szlig;erdem soll bei der Konferenz nat&uuml;rlich auch zur Sprache kommen, was alles bereits an antimilitaristischen Aktionen geschieht: der Protest der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler gegen das Auftreten von Bundeswehroffizieren an den Schulen, der Kampf f&uuml;r die Zivilklausel an den Hochschulen und Universit&auml;ten, das Engagement von &Auml;rzten gegen den Atom- und jeden anderen Krieg, Projekte wie eines zur Steuerverweigerung, Friedeninitiativen unter Journalisten und bei anderen Berufen, antimilitaristische Kampagnen usw.<\/p><p><strong>Und was ist Ihr pers&ouml;nliches Motiv f&uuml;r Ihr Engagement, Herr Bauer?<\/strong><\/p><p>Mein Motiv? Ich bin Jahrgang 1939, geboren am Beginn des Zweiten Weltkriegs. Meine Generation hat den Krieg erlebt und sein Ende mit Schrecken. Meine Generation hat Wolfgang Borchert gelesen, sein Diktum gegen den Krieg: &bdquo;Dann gibt es nur eins: Sag Nein!&ldquo; Meine Generation war entsetzt &uuml;ber die Millionen Toten &ndash; in den KZs, auf den so genannten Schlachtfeldern, bei Bombenangriffen, auf der Flucht. Meine Generation hat noch in den Ohren den Schwur: &bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo; Wir sind den Toten und Opfern der Weltkriege gegen&uuml;ber zum Antimilitarismus verpflichtet. Wir tragen eine besondere Verantwortung, gerade auch den j&uuml;ngeren Generationen gegen&uuml;ber. Aber auch der Menschheit gegen&uuml;ber, selbst wenn das gro&szlig;spurig sich anh&ouml;rt. Ich hoffe, dass von der Antikriegskonferenz Berlin 2014 ein tragender antimilitaristischer Impuls ausgeht. 2015 sollen im ganzen Land regionale Antikriegskonferenzen stattfinden.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/l8WapAIVhzY\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center;\"><strong>Wolfgang Borchert: Dann gibt es nur eins<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong><a href=\"http:\/\/www.rudolph-bauer.de\/\">Rudolph Bauer<\/a><\/strong> war bis 2002 Professor f&uuml;r Sozialp&auml;dagogik \/ Sozialarbeitswissenschaft an der Universit&auml;t Bremen. Er ist wissenschaftlicher und literarischer Autor, Essayist, Publizist und Bildender K&uuml;nstler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Au&szlig;enpolitik militarisiert sich <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22292\">zunehmend<\/a>. Das st&ouml;&szlig;t bei vielen Menschen <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/news\/Neue-Friedensbewegung-oder-Querfront-2230553.html\">auf Unwillen<\/a>, breite Gegenwehr und eine radikalpazifistische Position wird den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22721\">Entwicklungen im Land<\/a> dennoch nur selten entgegen gesetzt. Die &bdquo;<a href=\"http:\/\/antikriegskonferenz.de\/\">Antikriegskonferenz 2014<\/a>&ldquo; vom 3. bis 5. 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