{"id":23534,"date":"2014-10-10T09:24:47","date_gmt":"2014-10-10T07:24:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23534"},"modified":"2024-09-24T23:22:33","modified_gmt":"2024-09-24T21:22:33","slug":"krieg-auch-an-der-heimatfront","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23534","title":{"rendered":"Krieg auch an der Heimatfront"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141010_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Seit Jahren findet ein Umbau der Bundeswehr zur &bdquo;Armee im Einsatz&ldquo; statt. Damit verbunden sind PR- und Imagekampagnen, die unmittelbar auf die Herzen und K&ouml;pfe der B&uuml;rger im Land zielen. Zunehmend aber auch auf jene von Kindern und Jugendlichen, sind sie doch die Soldaten und W&auml;hler der Zukunft. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit dem Friedensaktivisten und <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Michael-Schulze-von-Gla%C3%9Fer\/e\/B00J1HPMOM\/\">Autor<\/a> <strong>Michael Schulze von Gla&szlig;er<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Schulze von Gla&szlig;er, Sie beobachten und kritisieren seit Langem die Transformation der Bundeswehr hin zur &bdquo;Armee im Einsatz&ldquo; sowie die damit einhergehenden gesellschaftlichen Ver&auml;nderungen. Insbesondere die Nachwuchswerbung der Bundeswehr ist Ihnen dabei ein Dorn im Auge. Warum?<\/strong><\/p><p>Die Nachwuchswerbung und &Ouml;ffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr h&auml;ngen eng mit den Auslandseins&auml;tzen zusammen: Wer kein frisches Personal hat, kann auch keine Interventionen durchf&uuml;hren. W&auml;hrend nach au&szlig;en hin also &bdquo;Werbung&ldquo; f&uuml;r den Arbeitgeber Bundeswehr etwa mittels des Images &bdquo;Mit uns reisen Sie in ferne L&auml;nder&ldquo; gemacht wird, sieht die Realit&auml;t der &bdquo;Arbeit&ldquo; faktisch jedoch ganz anders aus. Da geht es um Kriege, bei denen auch T&ouml;ten und Sterben eingepreist sind. Genau das aber wird den jungen Leuten in aller Regel nicht dargestellt. <\/p><p>Zudem versucht das Verteidigungsministerium schon seit Jahrzehnten, die deutsche Bev&ouml;lkerung ganz allgemein f&uuml;r eine milit&auml;rische Au&szlig;enpolitik zu gewinnen. Die entsprechenden Versuche wurden besonders seit der zunehmenden Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes aufgrund immer mehr get&ouml;teter deutscher Soldaten, immer neuer Skandale wie etwa dem Kunduz-Massaker sowie ausbleibender Erfolge intensiviert. <\/p><p>Egal ob an Schulen, im &ouml;ffentlichen Raum oder in den Medien: Die Bundeswehr zeigt Pr&auml;senz und wirbt f&uuml;r sich. Vor allem im Social-Media-Bereich ist das deutsche Milit&auml;r mittlerweile sehr aktiv und besch&auml;ftigt ein ganzes Team von Soldaten, die etwa den Facebook- und YouTube-Auftritt der Bundeswehr betreuen und gute Stimmung f&uuml;rs Milit&auml;r verbreiten. <\/p><p>Trotz all dieser Ma&szlig;nahmen und einem Werbeetat, der 1998 noch bei knapp 10 Millionen und heute bei rund 30 Millionen Euro liegt, scheint sich die Bev&ouml;lkerung jedoch nicht richtig vom milit&auml;rischen Geist anstecken zu lassen. Laut Umfragen gibt es seit sp&auml;testens 2007 eine stabile Bev&ouml;lkerungsmehrheit in Deutschland, die etwa den Einsatz am Hindukusch ablehnt. Es gibt sogar Umfragen, die eine generelle Ablehnung deutscher Auslandseins&auml;tze festgestellt haben. Und neue Rekruten findet die Bundeswehr auch nicht genug. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, die 15.000 neuen Soldaten, die die Armee j&auml;hrlich ben&ouml;tigt scheinen aktuell aber in weiter Ferne &ndash; obwohl sie auch in diesem Bereich viel tut.<\/p><p>In Bezug auf die Nachwuchswerbung, die zugleich ja auch der &bdquo;Imagepflege an der Heimatfront&ldquo; dient, wurde 2007 etwa beispielsweise extra eine eigene Bundeswehr-Einheit zur Rekrutenwerbung gegr&uuml;ndet &ndash; das so genannte &bdquo;Zentrale Messe- und Event-Marketing&ldquo; der Bundeswehr. Und 2008 wurde erstmals ein Kooperationsvertrag zwischen der Armee und einem Landesschulministerium unterzeichnet, mit dem sich die Bundeswehr einen Zugang an Schulen sichert, wo sie, so die Behauptung, plural &uuml;ber das F&uuml;r und Wider der Ultima Ratio informiert.<\/p><p><strong>Aber die Bundeswehr ist doch zum einen eine dem Frieden verpflichtete Parlamentsarmee und zum anderen nun regul&auml;rer Arbeitgeber. Da ist es doch normal, dass sie Nachwuchs erreichen und rekrutieren muss &ndash; und nat&uuml;rlich auch an Schulen und anderswo &Ouml;ffentlichkeitsarbeit macht, um &uuml;ber ihre Arbeit aufzukl&auml;ren&hellip;<\/strong><\/p><p>Nein, die Bundeswehr ist kein &bdquo;normaler&ldquo; Arbeitgeber. Denn als Soldat kann man nicht einfach k&uuml;ndigen. Und was von einem abverlangt wird, ist keinesfalls mit anderen Berufen vergleichbar.  Wenn die Verteidigungsministerin bei der Bundeswehr oft von einem &bdquo;Unternehmen&ldquo; spricht, ist das vielmehr eine Verharmlosung, die ich sehr bedenklich finde. Und es stimmt zwar, dass die Bundeswehr trotz aller Versuche konservativer Politiker, den Parlamentsvorbehalt zu kippen, zumindest im Augenblick noch eine Parlamentsarmee ist. Dennoch aber verkommt das Parlamentarische dabei mehr und mehr zur Farce.  Diskussionen &uuml;ber das Wirken unseres Milit&auml;rs m&ouml;chte die Bundesregierung n&auml;mlich tunlichst unterbinden und agiert daher zunehmend undemokratisch. Egal, ob es um Auslandseins&auml;tze, die Anschaffung von Drohnen oder um die Beteiligung deutscher Soldaten an NATO-Man&ouml;vern in der Ukraine geht &ndash; Umfragen zeigen, dass die deutsche Bev&ouml;lkerung keine milit&auml;rische Au&szlig;enpolitik m&ouml;chte. Die Regierung ignoriert das aber &ndash; auch zum Leidwesen der Soldaten im Einsatz, die allzu oft die Sinnlosigkeit ihrer gef&auml;hrlichen Eins&auml;tze zu erkennen und artikulieren beginnen.<\/p><p>Und das mit der <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary82478\/Einsatzgebiet%20Klassenzimmer-WEB.pdf\">&Ouml;ffentlichkeitsarbeit an Schulen [PDF]<\/a>: Nun, <em>wenn<\/em>, was ja behauptet wird, die Bundeswehr hier &bdquo;neutral&ldquo; agieren und wirkliche Diskussionen zulassen w&uuml;rde, h&auml;tte Ihr Argument G&uuml;ltigkeit. Eben dies tut die Bundeswehr aber nicht. Sie folgt vielmehr dem Regierungsauftrag, das Regierungshandeln stets in gutem Licht dastehen zu lassen und bem&uuml;ht hierzu allerlei <a href=\"http:\/\/jungdemokraten.de\/relaunch\/uploads\/zeitung%20gegen%20totschlagargumente.pdf\">p&auml;dagogische, didaktische und psychologische Tricks [PDF]<\/a>. <\/p><p><strong>Und wie genau muss ich mir das vorstellen, dieses &bdquo;einseitige&ldquo; Auftreten und Agitieren der Bundeswehr an Schulen etc.?<\/strong><\/p><p>Nun, man erkennt es etwa an Schriftz&uuml;gen wie &bdquo;Deutschland hilft Afghanistan&ldquo;, die oft &uuml;ber den Werbest&auml;nden der Armee prangen. Dabei nimmt die Bundeswehr, die eigentlich nur ein ausf&uuml;hrendes Mittel der Politik ist, eindeutig eine <em>politische<\/em> Position ein und vertritt diese auch. Sie versucht sozusagen, selbst ihre Eins&auml;tze zu legitimieren. <\/p><p>Und eben diese Methode wird dann auch an Schulen praktiziert: Die Jugendoffiziere der Bundeswehr haben allein 2013 knapp 120.000 Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler erreicht und diese &bdquo;&uuml;ber Sicherheitspolitik&ldquo; informiert &ndash; einseitig allerdings. Denn  die jungen Menschen sollen ja von der Armee und der Notwendigkeit ihrer Eins&auml;tze &uuml;berzeugt werden. Es ist den rhetorisch mit hohem Aufwand geschulten Jugendoffizieren dabei sogar vom Verteidigungsministerium explizit untersagt, bei derlei &bdquo;Auftritten&ldquo; eine andere Position als jene des Ministeriums zu vertreten. <\/p><p>Diese Indoktrination von Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler st&ouml;&szlig;t nun seit 2008 zunehmend auf Kritik. Damals wurde die erste von mittlerweile acht <a href=\"http:\/\/www.gew-hessen.de\/uploads\/media\/2010_10_06_Bundeswehr_Schule__1_.pdf\">Kooperationsvereinbarungen zwischen der Bundeswehr und einem Landesschulministerium [PDF]<\/a> unterzeichnet, mit der sich die Bundeswehr den Zugang zu den Sch&uuml;lern sichert. Kritik an dieser Entwicklung kommt dabei nicht nur aus der Friedensbewegung, sondern auch von P&auml;dagogen, die aufgrund der Einseitigkeit des Bundeswehr-Unterrichts einen Versto&szlig; gegen die Minimalbedingungen f&uuml;r die politische Bildung in Deutschland &ndash; den so genannten &bdquo;Beutelsbacher Konsens&ldquo; &ndash; sehen, und von <a href=\"http:\/\/www.tdh.de\/was-wir-tun\/themen-a-z\/bundeswehr-an-schulen.html\">Kinderrechtlern<\/a>, die sich damit auch schon an den &bdquo;UN-Ausschuss f&uuml;r die Rechte des Kindes&ldquo; gewandt haben. Und dieser UN-Ausschuss hat Deutschland im Fr&uuml;hjahr diesen Jahres schlie&szlig;lich dazu <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/michael-schulze-von-glasser\/willst-du-mit-uns-spielen\">aufgefordert<\/a>, die Bundeswehr-Werbung unter Minderj&auml;hrigen nicht nur, aber insbesondere an Schulen sofort zu unterlassen und auch keine Minderj&auml;hrigen mehr an der Waffe auszubilden. Letzteres, weil die Bundesrepublik eines von weltweit weniger als einem dutzend L&auml;ndern ist, in dem man bereits im Alter von unter 18 Jahren in die Armee eintreten kann. Die Bundeswehr argumentiert, dass ihr, t&auml;te sie dies nicht, Sch&uuml;ler mit &bdquo;Mittlerer Reife&ldquo; entgingen, weil dann nur Vollj&auml;hrige in den Armee-Dienst treten w&uuml;rden. Sie ist, was ihre Rekrutierungs- und Image-Strategie angeht, hier schlicht extrem skrupellos. <\/p><p>Aber auch die &ouml;ffentliche Moral und die Medienrealit&auml;t bilden hier oftmals eine Melange der Scheinheiligkeit ab: Da wird Kinderarmut und -arbeit und werden Kindersoldaten &bdquo;in der Dritten Welt&ldquo; kritisiert &ndash; und vor der eigenen T&uuml;r leben immer mehr Kinder und Jugendliche in Armut, die dann bereits als Minderj&auml;hrige in der Bundeswehr den imaginierten Traumarbeitgeber finden sollen, der f&uuml;r Gerechtigkeit k&auml;mpft etc. Und all das vor allem, damit die Jugendlichen &bdquo;etwas Sinnvolleres&ldquo; zu tun haben als 1-Euro-Job, Hartz IV etc.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141010_04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><br>\n<em>Die Bundeswehr auf der Gamescom-Computerspielemesse in K&ouml;ln<\/em><\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie bitte etwas konkreter skizzieren, wie solche Aktionen der Bundeswehr im Rahmen des Schulunterrichts aussehen? Was tun die so genannten &bdquo;Jugendoffiziere&ldquo; denn da?<\/strong><\/p><p>Also, es gibt bundesweit rund 90 hauptamtliche und 300 nebenamtliche Jugendoffiziere, die nur dazu da sind, junge Leute anzusprechen und zu &bdquo;umgarnen&ldquo;. Diese jungen Offiziere, die von der Bundeswehr extra danach ausgew&auml;hlt werden, ob sie &bdquo;cool&ldquo; genug r&uuml;berkommen um mit den Jugendlichen auch auf Augenh&ouml;he reden zu k&ouml;nnen, schreiben zu jeden Schul-Halbjahr Lehrkr&auml;fte in ihrer Region an und verabreden dann Vortr&auml;ge an den Schulen. <\/p><p>Da die Bundeswehr-Besuche w&auml;hrend des normalen Schulunterrichts stattfinden, gilt zudem Anwesenheitspflicht &ndash; oft wissen die Sch&uuml;ler zuvor nicht einmal, dass ein Bundeswehr-Soldat in die Klasse kommt. Dieser erz&auml;hlt dann zwei Stunden etwas &uuml;ber die NATO oder die Eins&auml;tze der Bundeswehr, beispielsweise in Afghanistan. Zudem wird mit den Sch&uuml;lern diskutiert. Dabei sind die Jugendoffiziere nat&uuml;rlich professionell geschult, haben neben der normalen Soldaten-Ausbildung &ndash; wozu auch das Schie&szlig;en geh&ouml;rt &ndash; ein abgeschlossenes Hochschulstudium und sind rhetorisch-didaktisch sowie inhaltlich perfekt f&uuml;r ihre &bdquo;Mission&ldquo; vorbereitet.<\/p><p>Auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen &ndash; und ich bin seit Jahren professionell mit der Argumentation gegen Krieg und Militarisierung betraut &ndash;, dass es nicht einfach ist, in Debatten gegen einen Jugendoffizier anzukommen. Allein das Auftreten derselben kann schon immens Eindruck schinden. <\/p><p><strong>&hellip;und das ist es dann?<\/strong><\/p><p>Nein, denn neben den Vortr&auml;gen f&uuml;hren die Jugendoffiziere mit Schulklassen dann auch noch das mehrt&auml;gige Simulationsspiel POL&amp;IS durch, was f&uuml;r &bdquo;Politik und internationale Sicherheit&ldquo; steht. Darin schl&uuml;pfen die Sch&uuml;ler in die Rollen von Politikern, Diplomaten und anderen, um Weltpolitik nachzuspielen. Der Knackpunkt daran ist: Die Jugendoffiziere leiten das Spiel und k&ouml;nnen so gezielt Konflikte streuen und Milit&auml;reins&auml;tze provozieren &ndash; w&auml;hrend die Handlungsoptionen der Kinder und Jugendlichen aufgrund der &bdquo;Regeln&ldquo; des Spiels, welche die Regeln der internationalen Politik abbilden sollen, immens eingeschr&auml;nkt sind. F&uuml;r &bdquo;kreative&ldquo; und in diesem Sinne oftmals &bdquo;wirkliche&ldquo; L&ouml;sungen gibt das Spiel daher gar keinen Raum. Zwar geht es inhaltlich nicht darum, die Welt zu erobern oder &auml;hnliches, aber die Bundeswehr-Doktrin, zumindest im Kleinen immer wieder einmal &bdquo;Weltpolizei&ldquo; zu sein und hier und da mal im Ausland intervenieren und somit die Welt retten zu m&uuml;ssen, wird ideal inszeniert und den Kindern und Jugendlichen hierdurch auch wunderbar als &bdquo;vern&uuml;nftig&ldquo; verkauft. <\/p><p>Sowohl  bei den Vortr&auml;gen in Schulen als auch bei den POL&amp;IS-Simulationen haben die Bundeswehr-Soldaten dabei nat&uuml;rlich Werbematerial im Gep&auml;ck. Zudem kommen auch &bdquo;Karriereberater&ldquo; der Bundeswehr, wie die einstigen Wehrdienstberater im Bundeswehr-Sprech heute besch&ouml;nigend hei&szlig;en, inzwischen direkt in Schulen um dort Nachwuchs f&uuml;r Milit&auml;reins&auml;tze zu gewinnen. <\/p><p>Alles in allem vollzieht sich in Deutschland gerade mehr und mehr eine &bdquo;Normalisierung&ldquo; des Krieges &ndash; durch eine Militarisierung auch des Zivilen. Womit ich eine Militarisierung auch des zivilen Denkens und Alltagslebens ebenso wie eine der Kleidung, bei den Computerspielen etc. meine. Die Kulturwissenschaft fasst diese Entwicklung inzwischen in einem Theorem namens <a href=\"http:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-89942-356-3\/banal-militarism\">&bdquo;Banal Militarism&ldquo;<\/a> zusammen; und diese &bdquo;Flanke&ldquo; der zunehmenden &bdquo;Barbarisierung&ldquo; unserer Lebensrealit&auml;ten ist leider gef&auml;hrlich und kaum je dort, wo sie dringend hingeh&ouml;rt: im Fokus &ouml;ffentlicher Kritik. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141010_03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><br>\n<em>Die Bundeswehr bei ihrer &bdquo;kinderfreundlichen&ldquo; &Ouml;ffentlichkeitsarbeit<\/em><\/p><p><strong>Wie meinen Sie das? <\/strong><\/p><p>Nun, es soll eine gewisse Gew&ouml;hnung ans Milit&auml;r stattfinden und findet auch statt. Dazu muss man im Hinterkopf haben, dass der Einsatz der Bundeswehr im Innern immer noch Ziel vieler konservativer Politiker ist; w&auml;hrend die auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich die sozialen Spannungen zwischen Bev&ouml;lkerungsschichten vergr&ouml;&szlig;ert etc. <\/p><p>Man merkt diese schleichende Gew&ouml;hnung ans Milit&auml;r genauso wie die tats&auml;chliche Militarisierung ja nicht nur an der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Armee. Auch ihr Selbstbild wandelt sich. Soldaten sind auf einmal wieder Veteranen und tragen dies offensiv &ndash; und f&uuml;r das Milit&auml;r positiv &ndash; nach au&szlig;en. Tapferkeitsorden werden wieder vergeben, &ouml;ffentliche Zapfenstreiche und Gel&ouml;bnisse zelebriert, Trauerfeiern f&uuml;r &bdquo;gefallene&ldquo; Soldaten werden live im Fernsehen &uuml;bertragen und in Berlin wurde 2009 das Ehrenmal der Bundeswehr eingeweiht. Es soll sich sozusagen seelisch-moralisch und allgemein wieder &bdquo;lohnen&ldquo;, f&uuml;r Deutschland zu sterben &ndash; welche Interesse auch immer genau dahinter stecken. <\/p><p>Ich halte diese Entwicklung f&uuml;r gef&auml;hrlich, sehe aber auch zugleich hoffnungsvoll, dass sich die Bev&ouml;lkerung von diesem Militarismus aktuell nur sehr gering anstecken l&auml;sst. Das k&ouml;nnte sich aber schnell &auml;ndern &ndash; etwa wenn es einen islamistischen Terroranschlag in Deutschland g&auml;be oder &auml;hnliches&hellip;<\/p><p>Man kann dies gut an den USA und ihren im eigenen Land wenig hinterfragten, fortw&auml;hrenden, gegen jedes internationale Recht versto&szlig;enden Milit&auml;reins&auml;tzen sehen. Dort ist es seit Jahrzehnten normal, dass das Milit&auml;r in Unterhaltungsmedien thematisiert wird und die Produktionen aller Sparten oft sogar beeinflusst und unterst&uuml;tzt. So betreibt die US-Army in Hollywood sogar ein eigenes B&uuml;ro zur Film-Unterst&uuml;tzung &ndash; und unterst&uuml;tzt nat&uuml;rlich nur Filme, die dem Milit&auml;r und der vorherrschenden Geschichtsschreibung und Ideologie gewogen sind. Sie schreibt dabei &ndash; und gegen Geld &ndash; sogar an Drehb&uuml;chern mit. <\/p><p>In Deutschland kam diese Entwicklung erst in den letzten Jahren auf. Zunehmend erteilt auch die Bundeswehr nun Drehgenehmigungen f&uuml;r Filmprojekte, stellt Berater oder sogar Panzer und Hubschrauber f&uuml;r Filme zur Verf&uuml;gung. Dabei unterst&uuml;tzt sie aber eben auch nur Projekte, die ihr wohlgesonnen und n&uuml;tzlich sind. Die Dokumentation <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/guide\/de\/041977-000\/der-tag-des-spatzen\">&bdquo;Der Tag des Spatzen&ldquo;<\/a>, die sich kritisch mit dem Afghanistan-Einsatz auseinandersetzt, bekam beispielsweise keine Drehgenehmigungen f&uuml;r Bundeswehr-Standorte. Daher kann man auch bei von der Bundeswehr unterst&uuml;tzen Filmprojekten schon von Propaganda sprechen. <\/p><p>Dennoch steckt das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Militainment\">Militainment<\/a> der Bundeswehr als solches wohl noch in den Kinderschuhen. Es wurde bisher etwa nur ein Videospiel, ein Flugsimulator, unterst&uuml;tzt. Dabei sind nat&uuml;rlich gerade Videospiele als Werbemedium f&uuml;r das Milit&auml;r interessant. Die US-Army hat beispielsweise ein eigenes Videospiel, welches zugleich ihr effektivstes Rekrutierungsmittel sein soll.<\/p><p><strong>Und wie ist dieser Entwicklung Ihrer Meinung nach am besten zu begegnen? Nein, ich frage anders: Was also tun&hellip;?<\/strong><\/p><p>Gegen Milit&auml;rwerbung gibt es in Deutschland schon viel Protest &ndash; auch wenn dies nat&uuml;rlich nur kleine Nadelstiche gegen den Militarismus sind. Auch Aufkl&auml;rung ist sehr wichtig. Damit aber gro&szlig;e Bev&ouml;lkerungsteile zu erreichen ist sehr schwer. <\/p><p>Dass sich die deutsche Bev&ouml;lkerung noch nicht vom Militarismus hat anstecken lassen, r&uuml;hrt heute wohl leider vor allem an Desinteresse. Den meisten Menschen geht es noch einigerma&szlig;en gut und sie interessieren sich schlicht nicht daf&uuml;r, was die Bundeswehr in Afghanistan macht. Das hei&szlig;t einerseits, dass die herrschende Politik und die Bundeswehr keine Zustimmung f&uuml;r ihr Handeln bekommen, andererseits aber auch, dass sich gegen die Politik kaum jemand wehrt. Und so gibt es die Ablehnung von Milit&auml;reins&auml;tzen bei Umfragen zwar auf dem Papier, auf die Stra&szlig;e bekommt man die Menschen aber nicht gegen die Bundeswehr-Eins&auml;tze. Der ehemalige Bundespr&auml;sident Horst K&ouml;hler sprach bereits 2005 von einem &bdquo;freundlichen Desinteresse&ldquo; der Bev&ouml;lkerung am Milit&auml;r. <\/p><p>Dieser &bdquo;Status Quo&ldquo; sollte jedoch kein Grund sein, sich als milit&auml;rkritischer Mensch zur&uuml;ck zu lehnen. Viele kennen die Grauen des Krieges zwar noch von ihren V&auml;tern und Gro&szlig;v&auml;tern, doch diese Generation stirbt langsam aus. Und so liegt schon heute viel am und im Bereich der Bildung&hellip; Ich wei&szlig; noch, wie alle &ndash; mich eingeschlossen &ndash; im Geschichtsunterreicht genervt waren weil es extrem viel um den Zweiten Weltkrieg ging. Doch dadurch wurde einem schon als junger Mensch aufgezeigt, wozu Militarismus f&uuml;hrt und was Milit&auml;r anrichtet. In diesem Zusammenhang wundert es mich fast schon, dass die Regierenden die Schulen nicht anweisen, ein milit&auml;rfreundlicheres Bild zu zeichnen &ndash; das w&auml;re aber nat&uuml;rlich &uuml;belste Geschichtsleugnung. Wie dem aber auch sei: Der Bildungsbereich sollte meiner Einsch&auml;tzung nach jener sein, auf den wir uns als Friedensbewegte am meisten konzentrieren sollten. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><p><em>&copy; Alle Bilder: Michael Schulze von Gla&szlig;er<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.bundeswehr-karriere.de\/portal\/a\/bwkarriere\">Bundeswehr: &bdquo;Karriere mit Zukunft&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/s445925490.e-shop.info\/shop\/article_492-0\/Schulze-von-Gla%C3%9Fer%2C-Michael%3A-%3CBR%3ESoldaten-im-Klassenzimmer.html?sessid=hLgU96Q2CEJbiFGHQ4XXudhqlI9xNXLGmo6xWT738j3fZoZS14r4vww4yu04IQYT&amp;shop_param=cid%3D1%26aid%3D492-0%26\">Michael Schulze von Gla&szlig;er: Soldaten im Klassenzimmer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/s445925490.e-shop.info\/shop\/article_442-5\/Schulze-von-Gla%C3%9Fer%2C-Michael%3A-%3CBR%3EAn-der-Heimatfront.html?sessid=hLgU96Q2CEJbiFGHQ4XXudhqlI9xNXLGmo6xWT738j3fZoZS14r4vww4yu04IQYT&amp;shop_param=cid%3D1%26aid%3D442-5%26\">Michael Schulze von Gla&szlig;er: An der Heimatfront<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.wdr5.de\/sendungen\/neugiergenuegt\/schulze134.html\">WDR: Redezeit mit Michael Schulze von Gla&szlig;er: Das virtuelle Schlachtfeld<\/a><\/li>\n<\/ul><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/36989e11d4e34bcb97a6b1dceb689e1d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141010_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Seit Jahren findet ein Umbau der Bundeswehr zur &bdquo;Armee im Einsatz&ldquo; statt. Damit verbunden sind PR- und Imagekampagnen, die unmittelbar auf die Herzen und K&ouml;pfe der B&uuml;rger im Land zielen. Zunehmend aber auch auf jene von Kindern und Jugendlichen, sind sie doch die Soldaten und W&auml;hler<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23534\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[172,209,123,85],"tags":[358],"class_list":["post-23534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufruestung","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-pr","tag-bundeswehr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23534"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121894,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23534\/revisions\/121894"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}