{"id":23564,"date":"2014-10-13T12:50:08","date_gmt":"2014-10-13T10:50:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23564"},"modified":"2024-09-24T23:24:34","modified_gmt":"2024-09-24T21:24:34","slug":"deutschland-wider-die-grossmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23564","title":{"rendered":"Deutschland: Wider die Gro\u00dfmacht!"},"content":{"rendered":"<p>Deutschlands Armee ist l&auml;ngst von einer &bdquo;Verteidigungsarmee&ldquo; zur &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bundeswehr.de\/portal\/a\/bwde\/!ut\/p\/c4\/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9pPKUVL3UzLzixNSSqlS9zNx4MKekKj6tNLUoPiU1Lz6tKDMVSOsXZDsqAgB00vw1\/\">Armee im Einsatz<\/a>&ldquo; mutiert. Hinter allen euphemistischen Begr&uuml;ndungen f&uuml;r derlei Handeln &ndash; mal dient es dem Frieden, dann den Frauenrechten, dann der Versorgung der Armen in der Welt &ndash; dient dies dabei vor allem einem Ziel: Deutschland mit allen Mitteln wieder als <a href=\"http:\/\/www.german-foreign-policy.com\/de\/fulltext\/58720\">Weltmacht<\/a> zu etablieren und im Kampf um Rohstoffe, Marktzug&auml;nge und Handelswege ganz vorne mit dabei zu sein. Manch Linker bem&uuml;ht diesbez&uuml;glich inzwischen das Wort <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0908\/t020908.html\">Neokolonialismus<\/a>, andere sprechen von <a href=\"http:\/\/www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de\/article\/604.empire-oder-neo-imperialismus.html\">Neoimperialismus<\/a>,  meinen jedoch dasselbe. Zum Bestreben deutscher Eliten, wieder Weltmacht zu werden, das inzwischen <a href=\"http:\/\/www.german-foreign-policy.com\/de\/fulltext\/58963\">kampagnenf&ouml;rmig<\/a> daher kommt und sich in fast allen aktuellen <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2014\/10\/09\/expertenbericht-zu-grossprojekten-der-bundeswehr-initialzuendung-fuer-ruestungsinvestitionen\/\">sicherheitspolitischen Debatten<\/a> widerspiegelt, sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>J&uuml;rgen Wagner<\/strong>, gesch&auml;ftsf&uuml;hrendem Vorstandsmitglied der T&uuml;binger <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/\">Informationsstelle Militarisierung<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Wagner, vom 14. auf den 15. November veranstaltet die Informationsstelle Militarisierung einen <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2014\/10\/01\/imi-kongress-2014-deutschland-wieder-die-grossmacht\/\">Kongress<\/a> mit dem Titel &bdquo;Deutschland: Wi(e)der die Gro&szlig;macht!&ldquo;. Worum wird es da gehen?<\/strong><\/p><p>Kurz zusammengefasst wollen wir uns auf dem Kongress mit dem seit Anfang 2014 seitens der deutschen Eliten auch in der &Ouml;ffentlichkeit&ndash; und hier insbesondere nat&uuml;rlich durch Bundespr&auml;sident Joachim Gauck &ndash; hinausposaunten Anspruch auf eine ambitioniertere globale Rolle Deutschlands besch&auml;ftigen.<br>\nDabei geht es uns einmal nat&uuml;rlich darum, herauszuarbeiten, dass dieser Paradigmenwechsel in der deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik von langer Hand geplant war: &Uuml;ber ein Jahr lang trafen sich etwa 50 Vertreter in dem Projekt <a href=\"http:\/\/www.swp-berlin.org\/fileadmin\/contents\/products\/projekt_papiere\/DeutAussenSicherhpol_SWP_GMF_2013.pdf\">&bdquo;Neue Macht, Neue Verantwortung&ldquo; [PDF &ndash; 259 KB]<\/a>, um sich &uuml;ber die Grundlagen einer neuen deutschen Machtpolitik zu verst&auml;ndigen. Herausgekommen ist dann im September 2013 ein gleichnamiges Papier, das im Wesentlichen alle Elemente enth&auml;lt, die Joachim Gauck in seiner Rede Anfang 2014 dann auch einer breiteren &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sentiert hat. <\/p><p>Den Entstehungsprozess dieses Elitenkonsenses herauszuarbeiten ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen geht es uns nat&uuml;rlich auch darum, zu schauen, ob und wenn ja, inwieweit sich dieser neue Kurs bereits in der praktischen Politik niederschl&auml;gt. Wenn auch wesentliche Trends schon l&auml;nger beobachtbar sind, so l&auml;sst sich unserer Auffassung nach doch aufzeigen, dass Deutschland in j&uuml;ngster Zeit in einer ganzen Reihe von Konflikten noch vehementer als bisher bestrebt ist, mehr, wie es uns als &Ouml;ffentlichkeit dann verkauft wird, so genannte &bdquo;Verantwortung&ldquo; zu &uuml;bernehmen und weltweit aktiver mitzumischen. <\/p><p><strong>Aber was soll falsch daran sein, als Land &bdquo;mehr Verantwortung&ldquo; in der und f&uuml;r die Welt zu &uuml;bernehmen?<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst einmal ist der Begriff ja total schwammig. Klar, Deutschland k&ouml;nnte &ndash; und sollte &ndash; Verantwortung f&uuml;r eine ganze Menge Dinge &uuml;bernehmen, Ans&auml;tze daf&uuml;r g&auml;be es wahrlich genug: Das Land bleibt seit fast 45 Jahren etwa weit unter der damaligen Zusage, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens f&uuml;r Entwicklungshilfe auszugeben zur&uuml;ck. 2013 waren es gerade einmal 0,38 Prozent.  Zusammen mit der neoliberalen Au&szlig;enwirtschaftspolitik und der Rolle als drittgr&ouml;&szlig;ter Waffenexporteur der Welt ist Deutschland damit f&uuml;r Armut und Chaos in vielen Teilen der Welt ma&szlig;geblich mitverantwortlich. <\/p><p>Doch anstatt dieser Verantwortung tats&auml;chlich gerecht zu werden und an den hierzulande liegenden Ursachen f&uuml;r dieses Leid anzusetzen, hat man stets aufs Neue nur zwei vermeintliche &bdquo;L&ouml;sungen&ldquo; zur Hand. Da wird zum einen die Festung Europa immer besser abgeschottet, um den Preis, dass seit dem Jahr 2000 laut der dieses Jahr von Amnesty International ver&ouml;ffentlichten Studie <a href=\"http:\/\/www.amnesty.org\/en\/library\/asset\/EUR05\/001\/2014\/en\/48cb6136-cefc-4fd0-96cd-cd43b46eb5a8\/eur050012014en.pdf\">&ldquo;The Human Cost of Fortress Europe&rdquo; [PDF &ndash; 1.9 MB]<\/a> bereits mindestens 23.000 Menschen beim Versuch, nach Europa zu fl&uuml;chten, ihr Leben verloren. Und da wird zum anderen mit stiererem Tunnelblick immer wieder behauptet und &ndash; vergeblich &ndash; zu beweisen versucht, dass f&uuml;r die &bdquo;L&ouml;sung&ldquo; von Konflikten sowie generell f&uuml;r die &Uuml;bernahme internationaler Verantwortung milit&auml;rische Mittel unverzichtbar seien. Und zwar obwohl die Bilanz internationaler Milit&auml;reins&auml;tze klar und deutlich aufzeigt, dass sie ein gro&szlig;er Teil des Problems und nicht der L&ouml;sung von vielen Konflikten sind.<\/p><p>Man schaue sich nur die heutige Situation in Libyen an, um nur ein Beispiel zu nennen. Trotzdem scheint hierzulande weiter die Vorstellung vorzuherrschen, die politische Klasse w&uuml;sste, was sie da tut, was mir angesichts der katastrophalen Bilanz der deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik v&ouml;llig unverst&auml;ndlich ist. Peter B&uuml;rger hat diesbez&uuml;glich k&uuml;rzlich auf <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42869\/1.html\">Telepolis<\/a> eine wie ich finde sehr treffende &bdquo;pazifistische Polemik&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, in der er fordert, den Eliten diesen Vertrauensvorschuss endlich zu entziehen. Er schreibt: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Waffenlieferungen, Luftbombardements oder Bodentruppen k&ouml;nnen die Gewaltexplosionen, die der Milit&auml;rkomplex zuvor selbst entz&uuml;ndet hat, nicht beenden. Waffenlieferungen oder eigene Milit&auml;rschl&auml;ge, das sind die Verzweiflungsparolen der Ratlosen. Jeder halbwegs nachdenkliche Mensch kann heute sehen, dass die Krieger mit ihrem Latein wieder einmal am Ende sind. Sie geben noch immer vor, &sbquo;L&ouml;sungen&lsquo; parat zu haben und die von ihnen neu &sbquo;geordnete&lsquo; Welt irgendwie in den Griff zu bekommen. Doch es bleibt dabei: &sbquo;Sie k&ouml;nnen es nicht!&lsquo;&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nat&uuml;rlich orientiert sich diese Kritik dabei grunds&auml;tzlich an dem, was offiziell vorgeblich erreicht werden soll &ndash; dem Schutz von <a href=\"http:\/\/www.exit-online.org\/textanz1.php?tabelle=autoren&amp;index=13&amp;posnr=120&amp;backtext1=text1.php\">Menschenrechten<\/a> also etwa, der ja nahezu &uuml;berall als Legitimation f&uuml;r Milit&auml;reins&auml;tze herhalten muss. Es ist richtig, die Regierung an der Erreichung beziehungsweise Nichterreichung ihrer vorgeschobenen Argumente zu messen: Dies &ouml;ffnet den Blick daf&uuml;r, dass es bei der ganzen &Uuml;bung ohnehin nicht um hehre humanistische Ziele geht, sondern um blanke Gro&szlig;machtpolitik, f&uuml;r die aber einer Milit&auml;reins&auml;tzen skeptisch gegen&uuml;berstehenden Bev&ouml;lkerung andere Gr&uuml;nde untergejubelt werden m&uuml;ssen. Will sagen: Die Propaganda der Eliten als L&uuml;ge zu entlarven ist die notwendige Voraussetzung f&uuml;r eine dringend erforderliche fundamentale Grundsatzkritik der hiesigen Kriegspolitik.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie dies bitte ein wenig ausf&uuml;hren?<\/strong><\/p><p>Nun, schaut man sich das Papier &bdquo;Neue Macht, Neue Verantwortung&ldquo;, das ich bereits erw&auml;hnt habe und das gewisserma&szlig;en als Verst&auml;ndigungsgrundlage und Elitenkonsens f&uuml;r die k&uuml;nftige deutsche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik fungiert, einmal genauer an, so springt einem daraus ein recht nassforsch formulierter &ndash; milit&auml;risch unterf&uuml;tterter &ndash; Weltmachtanspruch auf nahezu jeder Seite entgegen. <\/p><p>Da wird etwa kritisiert, Deutschland sei derzeit nur &bdquo;Weltmacht im Wartestand&ldquo;, werde k&uuml;nftig jedoch mehr &bdquo;f&uuml;hren m&uuml;ssen&ldquo;. Genauso werde Deutschland &bdquo;eigene Interessen und Werte deutlich(er) artikulieren m&uuml;ssen&rdquo;, dies erfordere jedoch zwingend &bdquo;mehr milit&auml;rischen Einsatz und mehr politische F&uuml;hrung.&ldquo;<\/p><p>Im Prinzip ist die &Uuml;berlegung recht simpel &ndash; und auch nicht einmal neu: Schon in den <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/themen\/Bundeswehr\/VPR1992.pdf\">&bdquo;Verteidigungspolitischen Richtlinien&ldquo; [PDF &ndash; 76,9 KB]<\/a> aus dem Jahr 1992 hie&szlig; es, die &ldquo;Einflussnahme auf die internationalen Institutionen und Prozesse im Sinne unserer Interessen [sei] gegr&uuml;ndet auf unsere Wirtschaftskraft, unseren milit&auml;rischen Beitrag&rdquo;. Im Klartext: Wer nicht in erheblichem Ausma&szlig; mitk&auml;mpft, hat auf dem internationalen Parkett auch nichts mitzureden. Und aber auch: Die Interessen der Eliten werden immer als &bdquo;unsere&ldquo;, also unser aller Interessen ausgegeben, kodiert und propagandistisch kommuniziert. Was aktuell neu ist, sind vor allem die Vehemenz und Aggressivit&auml;t, mit welchen derlei Interessen zurzeit angegangen und umgesetzt werden, um &ndash; die Eliten w&uuml;rden sagen: endlich! &ndash;  Deutschlands weltpolitischen Aufstieg zu erm&ouml;glichen.<\/p><p>Dabei sollte man sich von der ganzen Verantwortungsrhetorik, die uns als B&uuml;rgern entgegen kommt, auf keinen Fall Sand in die Augen streuen lassen &ndash; sie ist lediglich dazu da, den machtpolitischen Kern des eigentlichen Handelns zu verdecken, die wahren Interessen also zu verschleiern. Der Politikprofessor Gunther Hellmann hat dies schon vor einiger Zeit einmal wie ich finde treffend <a href=\"http:\/\/is.cuni.cz\/studium\/predmety\/index.php?do=download&amp;did=30229&amp;kod=JMM353\">auf den Punkt gebracht<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Deutschland, so hei&szlig;t es, hat &sbquo;F&uuml;hrungsverantwortung&lsquo; zu &uuml;bernehmen. Eine &sbquo;Kultur der Zur&uuml;ckhaltung&lsquo;, wie sie in Bonner Zeiten verstanden wurde, ist mit einer derart gewachsenen au&szlig;enpolitischen &sbquo;Verantwortung&lsquo; nicht mehr vereinbar. [&hellip;] Berlin sagt &sbquo;Verantwortung &uuml;bernehmen&lsquo;, meint aber &sbquo;Macht aus&uuml;ben&lsquo;.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Das ist mir alles doch noch ein wenig zu abstrakt&hellip; Wie &uuml;bersetzen sich solche Ambitionen denn konkret in praktische Politik? Nehmen wir einmal das Beispiel <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/download\/2014_02c_jwagner_web.pdf\">Ukraine [PDF &ndash; 543 KB]<\/a>: Inwiefern realisieren sich hier ganz konkret die deutschen &bdquo;Gro&szlig;machtall&uuml;ren&ldquo;? <\/strong><\/p><p>Also zun&auml;chst l&auml;sst die deutsche Au&szlig;enpolitik keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass Deutschland sich als eine, wenn nicht gar die F&uuml;hrungsmacht der Europ&auml;ischen Union versteht. Sie war von Beginn an etwa ma&szlig;geblich daran beteiligt, die sogenannte &bdquo;Europ&auml;ische Nachbarschaftspolitik&ldquo; auf den Weg zu bringen, &uuml;ber die die angrenzenden L&auml;nder fest in eine gro&szlig;europ&auml;ische Wirtschafts- und Einflusszone integriert werden sollen. Dies geschieht dabei vor allem &uuml;ber so genannte Assoziationsabkommen, mit denen Nachbarl&auml;nder faktisch bei Unterzeichnung der EU angegliedert werden &ndash; allerdings nicht als voll mitspracheberechtigte Mitglieder, sondern als untergeordnete Investitions- und Absatzm&auml;rkte, als Niedrigsteuerl&auml;nder und verl&auml;ngerte Werkb&auml;nke.<\/p><p>Solch ein Abkommen wurde auch mit der Ukraine ausverhandelt. Es lag bereits 2012 unterschriftsreif vor. In der damaligen Regierung von Wiktor Janukowitsch setzte sich dann aber &ndash; vollkommen zu Recht &ndash; die Auffassung durch, das Abkommen werde sich wirtschaftlich extrem nachteilig auswirken. Dies f&uuml;hrte dann zur Entscheidung im November 2013, den Vertrag auf Eis zu legen. Was danach kam, ist ja bekannt: Unmittelbar darauf setzten die vom Westen und auch von Deutschland massiv unterst&uuml;tzten Maidan-Proteste ein. Die F&uuml;hrung dieser Proteste &uuml;bernahm ein Dreierb&uuml;ndnis, an dem unter anderem die Partei &bdquo;Udar&ldquo; des ehemaligen Box-Weltmeisters Witali Klitschko beteiligt war. Klitschko kann hier eindeutig als deutscher Interessensvertreter identifiziert werden: Seine Partei wurde &uuml;berhaupt erst von der Konrad-Adenauer-Stiftung ins Leben gerufen und ma&szlig;geblich von der konservativen &bdquo;Europ&auml;ischen Volkspartei&ldquo; (EVP) finanziert.<\/p><p>Diverse deutsche Politiker reisten dabei auf den Maidan und forderten relativ offen den Sturz des gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten Janukowitsch und dr&auml;ngten darauf, Klitschko als neuen Machthaber in Kiew zu installieren. So besuchte etwa <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elmar_Brok\">Elmar Brok<\/a> (CDU\/EOP), der einflussreiche Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Europ&auml;ischen Parlaments Ende 2013 die Ukraine, um seine Solidarit&auml;t mit den Maidan-Protesten zu bekunden. Danach <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2014\/02\/10\/ukraineringen-um-die-machtgeometrie\/\">&auml;u&szlig;erte<\/a> er sich unverbl&uuml;mt, wie seine Wunschvorstellung aussehen w&uuml;rde: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir erleben Demonstrationen der Opposition, wie es sie auch schon bei der orangenen Revolution 2004 gegeben hat. Die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger protestieren gegen Manipulationen der Regierung Janukowitsch und wollen verhindern, dass das Angebot der Europ&auml;ischen Union eines Assoziierungs- und Freihandelsabkommens gegen ihren Willen ausgeschlagen wird. [&hellip;] Die Ukraine braucht Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Wettbewerbsf&auml;higkeit. Dem Pr&auml;sidenten fehlt dazu der Mut, er scheut davor zur&uuml;ck, Russland entgegenzutreten. [&hellip;] Den besten Dienst w&uuml;rde er seinem Land erweisen, wenn er jetzt den Weg f&uuml;r Neuwahlen freimachen w&uuml;rde. [&hellip;] Vitali Klitschko hat das Zeug, bei der n&auml;chsten Wahl sp&auml;testens 2015 Staatspr&auml;sident der Ukraine zu werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Janukowitsch wurde dann im Februar 2014 unter Gewaltandrohung aus dem Land gejagt und es kam unter ma&szlig;geblicher Beteiligung faschistischer Kr&auml;fte zur Bildung einer illegalen &Uuml;bergangsregierung, die von Deutschland auch unmittelbar anerkannt wurde. Allerdings setzten sich zun&auml;chst die USA durch, indem sie Klitschko aus der Regierung heraus hielten und die wesentlichen Posten mit Vertretern der ihnen nahestehenden Vaterlands-Partei von Julia Timoschenko besetzten. Dies f&uuml;hrte zeitweise zu heftigen Streitereien zwischen Berlin und Washington, die ber&uuml;hmt gewordene &bdquo;Fuck-the-EU&ldquo;-Aussage der hochrangigen US-Diplomatin Victoria Nuland war etwa in diesem Zusammenhang entstanden. Bei den vorgezogenen Neuwahlen am 25. Mai 2014 gelang dann aber eine Art &bdquo;Comeback&ldquo;: Der chancenlose Klitschko warf seinen Hut hinter den sp&auml;teren Gewinner Petro Poroschenko, ist jetzt B&uuml;rgermeister von Kiew und bereitet sich auf einen erneuten Anlauf auf h&ouml;here &Auml;mter und W&uuml;rden vor.<\/p><p>Parallel dazu wurde die milit&auml;rische Offensive gegen separatistische Kr&auml;fte im Osten der Ukraine auch und insbesondere aus Deutschland unterst&uuml;tzt und von Politik und Medien auf einen russlandfeindlichen Kurs eingeschwenkt, der seit Ende des Kalten Krieges seinesgleichen sucht. Dies gipfelte jetzt buchst&auml;blich vorl&auml;ufig beim NATO-Treffen Anfang September 2014 in Wales, wo eine umfangreiche milit&auml;rische Mobilmachung gegen Russland auf den Weg gebracht wurde.<\/p><p>Im Kern geht es dabei darum, dass man Russland als Ordnungsmacht in der Ukraine und der ganzen Region abl&ouml;sen will &ndash; ein Umstand, der im &Uuml;brigen auch recht offen bereits im Papier &bdquo;Neue Macht, Neue Verantwortung&ldquo; angesprochen wurde &ndash; und damit lange vor all den vermeintlichen &bdquo;Gr&uuml;nden&ldquo;, die nun vorgeschoben werden, um mehr deutsche &bdquo;Verantwortung&ldquo; zu rechtfertigen: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;In Europas s&uuml;dlicher und &ouml;stlicher Nachbarschaft muss die EU als regionale Ordnungsmacht Stabilit&auml;t und gute Regierungsf&uuml;hrung anstreben &ndash; und dabei nicht nur auf Regierungen zielen, sondern auf Zivilgesellschaften. [&hellip;] Deutsche Au&szlig;enpolitik wird sich weiterhin der gesamten Palette der au&szlig;enpolitischen Instrumente bedienen, von der Diplomatie &uuml;ber die Entwicklungs- und Kulturpolitik bis hin zum Einsatz milit&auml;rischer Gewalt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Gerade eben &ndash; und sicher <em>nicht<\/em> zuf&auml;llig im Kontext <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2014\/10\/09\/expertenbericht-zu-grossprojekten-der-bundeswehr-initialzuendung-fuer-ruestungsinvestitionen\/\">breiter medialer Diskussionen &uuml;ber die schlechte Ausr&uuml;stung der Bundeswehr<\/a> &ndash; hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine <a href=\"http:\/\/bmwi.de\/DE\/Presse\/reden,did=661856.html\">Grundsatzrede<\/a> zur <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2014\/10\/09\/gabriels-strategie-zur-staerkung-der-ruestungsindustrie\/\">vermeintlich notwendigen St&auml;rkung der deutschen R&uuml;stungsindustrie<\/a> gehalten. Ordnen Sie auch Gabriels Auftreten und Positionierung in ihre Perspektive, dass es um Gro&szlig;machtbestrebungen gehe, ein? Und wenn ja: Wie und wieso? <\/strong><\/p><p>Ja, das tue ich. Auf jeden Fall. Zuerst muss zu Gabriels Rede vom 8. Oktober 2014 allerdings gesagt werden, dass sie zwar durchaus Ma&szlig;nahmen zur Beschr&auml;nkung deutscher R&uuml;stungsexporte vorsieht, aber leider in, sagen wir einmal, &bdquo;&uuml;berschaubarem&ldquo; Ausma&szlig;. Der Wirtschaftsminister sprach sich konkret lediglich daf&uuml;r aus, auf einen a) Teil der b) problematischsten Lieferungen in c) die brandgef&auml;hrlichsten Krisenregionen zu verzichten. Gleichzeitig k&uuml;ndigte er allerdings umfassende Kompensationsleistungen in Richtung R&uuml;stungsindustrie in Form einer &bdquo;exportpolitischen Flankierung f&uuml;r die Verteidigungsindustrie&ldquo; an. Hier&uuml;ber sollen dann Exporte in &bdquo;befreundete&ldquo; L&auml;nder, nicht mehr nur aus NATO und EU, sondern &uuml;berall in der Welt angekurbelt werden. Genannt wurden beispielsweise Brasilien und Indien.<\/p><p>Hierf&uuml;r und generell f&uuml;r die St&auml;rkung der deutschen R&uuml;stungsindustrie dr&auml;ngt Gabriel dann auf eine Konsolidierung der Branche &ndash; zuerst einmal national und danach dann europaweit sollen Fusionen und &Uuml;bernahmen gef&ouml;rdert werden, aus denen einige wenige R&uuml;stungssuperkonzerne, so genannte Eurochampions hervorgehen w&uuml;rden. Dies soll zu einer schlagkr&auml;ftigen und exportf&auml;higen R&uuml;stungsindustrie beitragen, welche von ihm &ndash; und nat&uuml;rlich den deutschen Eliten, als deren Sprachrohr und Interessenvertreter er hier agiert &ndash; als unerl&auml;sslich erachtet wird, um eine &bdquo;effektive&ldquo; Gro&szlig;machtpolitik &uuml;berhaupt betreiben zu k&ouml;nnen. Und auch die Blaupause hierf&uuml;r findet sich leider bereits im Papier &bdquo;Neue Macht, Neue Verantwortung&ldquo;. Dort hei&szlig;t es: &bdquo;Eine international wettbewerbsf&auml;hige europ&auml;ische R&uuml;stungsindustrie ist auf Dauer nur durch eine weitgehende Konsolidierung nationaler Industrien im europ&auml;ischen Rahmen zu erhalten; diese ist deshalb im deutschen Interesse.&ldquo;<\/p><p>Aus der ehemaligen &bdquo;Arbeiterpartei&ldquo;, die die Interessen der kleinen Leute zu vertreten meint, ist inzwischen offenbar unverhohlen eine Kriegspartei geworden, weil sie grunds&auml;tzliche Fragen von Kapitalismus und Moral mehr und mehr komplett ausblendet. Mindestens ebenso bitter ist es, dass ausgerechnet der ehemalige Vorsitzende der SPD, Oskar Lafontaine, nach neuerlichen Versuchen des &bdquo;Reformfl&uuml;gels&ldquo; der Linkspartei, das Nein zu Milit&auml;reins&auml;tzen aufzuweichen, am Freitag im <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/die-linke-und-der-krieg-gegen-den-globalen-interventionismus-von-usa-und-nato\/10822178.html\">Tagesspiegel<\/a> in die B&uuml;tt gehen musste: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Linke hat ihre Parteizentrale im Karl Liebknecht Haus. Ihre &nbsp;Mitglieder f&uuml;hlen sich dem Erbe Karl Liebknechts verpflichtet: &sbquo;Nieder mit dem Krieg!&rsquo; In dieser Tradition sieht sich die Linke, wenn sie in ihrem Grundsatzprogramm schreibt: &sbquo;Die Linke ist eine internationalistische Friedenspartei, die f&uuml;r Gewaltfreiheit eintritt.&rsquo; Nun versuchen seit Jahren Gregor Gysi und einige von den Medien als &sbquo;Reformer&rsquo; gew&uuml;rdigte Politiker der Linken, das Verm&auml;chtnis Karl Liebknechts aus der Programmatik der Linken zu entsorgen. Dabei schielen sie auf eine Regierungsbeteiligung in einer rot-rot-gr&uuml;nen Koalition. SPD und Gr&uuml;ne haben ja die Bildung einer gemeinsamen Bundesregierung an die Bedingung gekn&uuml;pft, dass die Linke ihre friedenspolitischen Grunds&auml;tze aufgibt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Angesichts solcher Debatten, vor allem aber im Lichte der neuen deutschen Gro&szlig;machtambitionen ist es heute notwendiger denn je, nicht auf diese Kriegspropaganda hereinzufallen und sich ebenfalls unter Berufung auf Karl Liebknecht zu vergegenw&auml;rtigen: &bdquo;Der Hauptfeind steht im eigenen Land!&ldquo;<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><p><em>J&uuml;rgen Wagner ist Politikwissenschafter, gesch&auml;ftsf&uuml;hrendes Vorstandsmitglied der T&uuml;binger <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\">Informationsstelle Militarisierung<\/a> und Redaktionsmitglied der Zeitschrift <a href=\"http:\/\/wissenschaft-und-frieden.de\/\">Wissenschaft und Frieden<\/a>.<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/84fc497a5a5340e5a45d22a58f5fdc92\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlands Armee ist l&auml;ngst von einer &bdquo;Verteidigungsarmee&ldquo; zur &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bundeswehr.de\/portal\/a\/bwde\/!ut\/p\/c4\/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9pPKUVL3UzLzixNSSqlS9zNx4MKekKj6tNLUoPiU1Lz6tKDMVSOsXZDsqAgB00vw1\/\">Armee im Einsatz<\/a>&ldquo; mutiert. 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