{"id":23659,"date":"2014-10-21T10:25:40","date_gmt":"2014-10-21T08:25:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23659"},"modified":"2016-05-11T10:16:07","modified_gmt":"2016-05-11T08:16:07","slug":"verbarrikadierte-demokratie-schafft-sich-die-politik-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23659","title":{"rendered":"Verbarrikadierte Demokratie \u2013 Schafft sich die Politik ab?"},"content":{"rendered":"<p>Referat von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong> auf der Herbstkonferenz 2014 der Evangelischen Akademie Bad Boll unter dem Titel &bdquo;Kirche in der Demokratie, Demokratie in der Kirche&ldquo; am 21. Oktober 2014. <\/p><p>Nach einer Zustandsbeschreibung der Demokratie aus der Sicht der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, wird am Beispiel der Einf&uuml;hrung der sog. &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; dargestellt, wie die neoliberale Wirtschaftslehre auf Verfassungsrang erhoben wurde. Danach werden weitere Beispiele angesprochen, wie sich die Politik in zentralen Fragen sich hinter Vorfestlegungen verbarrikadiert und sich selbst abschafft.<br>\n<!--more--><br>\nAls Pfarrer Michalak Ende M&auml;rz dieses Jahres bei mir anfragte, ob ich auf Ihrer Herbstkonferenz unter dem Titel &bdquo;Kirche und Demokratie&ldquo; ein Referat halten k&ouml;nne, hat er mir als Thema, das von dem britischen Politikwissenschaftler Colin Crouch beschriebene Ph&auml;nomen der &bdquo;Postdemokratie&ldquo; vorgeschlagen. <\/p><p>Ich habe ihm damals leichtsinnigerweise zugesagt, nicht ahnend wie viel Arbeit da auf mich zu kommen w&uuml;rde, ich habe aber darum gebeten, nicht die &Uuml;berschrift &bdquo;Postdemokratie&ldquo; zu w&auml;hlen.<\/p><p>Obwohl ich die Beschreibungen von Colin Crouch &uuml;ber den Niedergang der westlichen Demokratien sehr sch&auml;tze und vieles teile, mag ich den Begriff Post-Demokratie nicht so sehr, weil &bdquo;Post&ldquo; f&uuml;r alles oder nichts steht, z.B. &bdquo;Postmoderne&ldquo;, Postfordimus oder &bdquo;postfordistischer&ldquo; Kapitalismus etc. also f&uuml;r danach oder nicht mehr, aber f&uuml;r was dann? Immer wenn man ein gesellschaftliche Epoche nicht so richtig kategorisieren kann, spricht man gerne von &bdquo;post-&hellip; <\/p><p>Ich spreche lieber konkreter von verbarrikadierter Demokratie, weil der Begriff Barrikade aus meiner Sicht anschaulicher auszudr&uuml;cken vermag, wie sich in den letzten Jahrzehnten Politik immer mehr selbst eingemauert und sich alternative Entscheidungsm&ouml;glichkeiten genommen hat und das Verb &bdquo;m&uuml;ssen&ldquo; und das Adjektiv &bdquo;alternativlos&ldquo; die politischen Reden beherrschen.<\/p><p>Dennoch will ich  mich wunschgem&auml;&szlig; an den Thesen von Colin Crouch abarbeiten, und versuchen, sie am Beispiel konkreter politischer Entscheidungen zu belegen. <\/p><p>Ich will zun&auml;chst eine Zustandsbeschreibung unserer Demokratie aus der Sicht der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger versuchen. Danach will ich an Hand der Einf&uuml;hrung der sog. &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; exemplarisch eine postdemokratische Entwicklung darstellen und Ihnen zum Schluss einige Beispiele geben, bei denen ich die Gefahr sehe, dass sich die Politik in zentralen Fragen selbst abschafft.<\/p><ol>\n<li>Wie sehen also die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger unsere Demokratie?\n<p>Seit Jahren ergeben s&auml;mtliche Meinungsumfragen mit geringen Abweichungen das bedenkliche Ergebnis, dass etwa die H&auml;lfte, im Osten sind es sogar &uuml;ber 60 % der Befragten mit dem &bdquo;Funktionieren der Demokratie&ldquo; in Deutschland weniger zufrieden bzw. <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/752\/umfrage\/zufriedenheit-mit-dem-funktionieren-der-demokratie-in-deutschland\/\">unzufrieden sind<\/a>.<\/p>\n<p>Noch negativer sind die <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/153857\/umfrage\/zufriedenheit-mit-der-demokratie-in-der-eu\/\">Urteile &uuml;ber das Funktionieren der Demokratie in Europa<\/a>.<\/p>\n<p>Geradezu erschreckend sind die Umfragewerte unter Jugendlichen, sie sind mit der Demokratie &bdquo;so wie sie in Deutschland besteht&ldquo; <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/177106\/umfrage\/zufriedenheit-von-jugendlichen-mit-der-demokratie-in-deutschland\/\">zu 52,2% eher unzufrieden und zu 6,9% sehr unzufrieden<\/a>. Besonders unzufrieden sind naheliegenderweise arme Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund oder mit niederem Bildungsabschluss.<\/p>\n<p>Gleichzeitig &ndash; und das ist auf den ersten Blick widerspr&uuml;chlich &ndash;  h&auml;lt wiederum durchg&auml;ngig in allen Umfragen die ganz &uuml;berwiegende Mehrheit der Befragten die Demokratie f&uuml;r eine gute Regierungsform  (<a href=\"http:\/\/www.infratest-dimap.de\/infratest-dimap\/kooperationen\/konferenz-buerger-und-parlamente-buerger-gegen-parlamente\/buerger-fordern-mehr-beteiligung\/\">Infratest dimap  2013<\/a>). Nach einer Allensbach-Umfrage halten &uuml;ber 80% unser Grundgesetz f&uuml;r gut und verteidigenswert.<\/p>\n<p>Das Grundvertrauen der Deutschen in die Demokratie als Regierungsform ist <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xchg\/bst\/hs.xsl\/431.htm\">demnach ungebrochen<\/a>.<\/p>\n<p>Die Skepsis gegen&uuml;ber der Demokratie basiert auf mangelndem Vertrauen in die Politiker. Nach einer Umfrage des IfD Allensbach &bdquo;Vor welchem Beruf haben Sie besonders viel Achtung&ldquo; nennen gerade 6% die Politiker, das ist der <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/102\/umfrage\/persoenliche-berufsachtung\/\">zweitschlechteste Wert aller Berufsgruppen<\/a>.<\/p>\n<p>Den Aussagen der Bundesregierung misstrauen 60 Prozent der repr&auml;sentativ befragten B&uuml;rger. Den Oppositionsparteien vertrauen sogar 70 Prozent nicht mehr. Auch die Glaubw&uuml;rdigkeit der Wirtschaftsvertreter sinkt weiter. Den Aussagen von Unternehmen glauben 60 Prozent der Menschen nicht mehr. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13819#h02\">Der Finanzbranche misstrauen 78 Prozent<\/a>. <\/p>\n<p>Noch weit kritischer stehen die B&uuml;rger den Parteien gegen&uuml;ber: Nur 22 Prozent haben Vertrauen in sie als Vermittlungsinstanz zwischen B&uuml;rgerinteressen und Politik. Immer mehr Menschen sagen &bdquo;alle Parteien sind gleich. Es ist egal, wen man w&auml;hlt&ldquo;. Auch die Medien als informelle Kontrollinstanz werden mehrheitlich kritisch bewertet: Zwei von drei B&uuml;rgern (63 Prozent) haben in deren W&auml;chterrolle wenig oder gar kein Vertrauen. Weit h&ouml;her im Ansehen stehen dagegen Nicht-Regierungsinstitutionen (58 Prozent) und B&uuml;rgerinitiativen (53 Prozent). )<\/p>\n<p>Die genauen Prozentwerte k&ouml;nnen bei unterschiedlichen Fragestellungen ein wenig voneinander abweichen, aber in der Tendenz stimmen die Umfrageergebnisse &uuml;berein.<\/p>\n<p>Der Widerspruch zwischen der Skepsis gegen&uuml;ber der demokratischen Praxis und der Zustimmung zur Demokratie als Regierungsform zeigt, dass die ganz gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung weder demokratiekritisch oder gar demokratiefeindlich ist, wir haben es eher (noch) mit einer Politik-, Politiker- und Parteienverdrossenheit als mit einer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3746\">Demokratieverdrossenheit zu tun<\/a>.<\/p>\n<p>Zur kritischen Haltung gegen&uuml;ber unserer repr&auml;sentativen Demokratie tr&auml;gt der Eindruck vieler bei, dass die Parlamente immer weniger Entscheidungsspielr&auml;ume haben. Zwei von drei Bundesb&uuml;rger sind der Meinung, dass die Wirtschaft heute mehr Einfluss auf wichtige politische Entscheidungen hat als die Parlamente und die gew&auml;hlten Mandatstr&auml;ger, und knapp jeder Zweite (46 Prozent) beklagt eine zunehmende Entmachtung der nationalen Parlamente durch die Verlagerung von Entscheidungen auf die europ&auml;ische Ebene. Die M&ouml;glichkeiten der B&uuml;rger, auf die Politik Einfluss zu nehmen, werden zudem als sehr gering erachtet.<\/p>\n<p>Eine plausible Erkl&auml;rung f&uuml;r die skeptische Einstellung gegen&uuml;ber  dem Funktionieren unserer Demokratie mag in dem Auseinanderdriften von Mehrheitsmeinung und politischen Entscheidungen liegen. In vielen zentralen politischen Fragen gehen die Meinungen der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zu den getroffenen politischen Entscheidungen oder Positionen diametral auseinander.<\/p>\n<p>So sind etwa 64 % der Meinung, dass die Rente mit 67 <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/12996\/umfrage\/beibehaltung-oder-ruecknahme-der-rente-ab-67\/\">ausgesetzt werden sollte<\/a> Kaum jemand war der Meinung, dass mit der Lockerung des K&uuml;ndigungsschutzes neue Arbeitspl&auml;tze geschaffen w&uuml;rden. Und schon immer waren drei Viertel der Bev&ouml;lkerung f&uuml;r den gesetzlichen Mindestlohn.<\/p>\n<p>Fast vier F&uuml;nftel der Bundesb&uuml;rger <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/vorabmeldung\/deutsche-gegen-militaer-einsaetze-im-ausland\">lehnen ein st&auml;rkeres milit&auml;risches Engagement Deutschlands ab<\/a>. Die Agenda 2010 wurde gegen die <a href=\"http:\/\/www.forschungsgruppe.de\/Umfragen\/Politbarometer\/Archiv\/Politbarometer_2014\/April_2014\/\">Zustimmung von zwei Drittel der Deutschen durchgesetzt<\/a> noch heute leidet die SPD bei Wahlen unter Gerhard Schr&ouml;ders sog. &bdquo;Reformpaket&ldquo;. <\/p>\n<p>60% der Bev&ouml;lkerung sind der Meinung das die allseits gelobten wirtschaftlichen Erfolge nicht bei ihnen ankommen.  69 Prozent der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger sind davon &uuml;berzeugt, dass Einkommen und Verm&ouml;gen nicht gerecht verteilt sind.<br>\nKnapp zwei Drittel der Bev&ouml;lkerung meinen, dass soziale Gerechtigkeit eher auf dem R&uuml;ckzug ist und in den letzten drei, vier Jahren abgenommen hat. Eine immer gr&ouml;&szlig;er werdende Mehrheit ist der Meinung ist, dass es in Deutschland nicht gerecht zugeht und zwei Drittel der Menschen machen daf&uuml;r die (derzeitige) Politik verantwortlich. <\/p>\n<p>&Uuml;ber alle Schichten hinweg h&auml;lt es eine deutliche Mehrheit (insgesamt 57 Prozent) f&uuml;r ein gro&szlig;es Problem, wenn der Unterschied zwischen Arm und Reich immer gr&ouml;&szlig;er wird (<a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Presse\/Pressemeldungen\/Umfrage--Chancen-wichtiger-als-Verteilungsgerechtigkeit.html\">Allensbach-Umfrage im Auftrag der INSM<\/a>).<\/p>\n<p>Wenn die Politik in zentralen Fragen, also etwa der sozialen Sicherheit dauerhaft gegen den Mehrheitswillen regiert, ist die Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie nicht weiter verwunderlich.<\/p>\n<p>Je mehr die Menschen das Gef&uuml;hl bekommen, dass sich die Politik von den Interessen und der Betroffenheit einer Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung entfernt, je mehr sich der Staat aus der F&uuml;rsorge f&uuml;r das Leben der normalen Menschen zur&uuml;ckzieht, um so mehr Menschen versinken in politische Apathie und desto leichter k&ouml;nnen m&auml;chtige Interessengruppen und finanzstarke Wirtschaftsinteressen den Staat zu ihrem Selbstbedienungsladen machen.<\/p>\n<p>Der Verdruss &uuml;ber die Politik spiegelt sich wider in den abst&uuml;rzenden Mitgliederzahlen der gro&szlig;en immer &auml;lter werdenden Parteien &ndash; die SPD hat fast die H&auml;lfte ihrer Mitglieder verloren. Es sinkt die Bindekraft der Volksparteien, und es steigen die Wahlerfolge von Protestparteien.<br>\nDie politische Apathie zeigt sich in historisch niedrigen Wahlbeteiligungen. Im September dieses Jahres gingen z.B. in Sachsen weniger als die H&auml;lfte der Wahlberechtigten an die Wahlurne.<\/p>\n<p>Der Anteil der Nichtw&auml;hler wird immer gr&ouml;&szlig;er. Es ist zu bef&uuml;rchten, dass sich aus dieser Gruppe destruktive Energien entwickeln k&ouml;nnten &ndash; weil n&auml;mlich Demokratie nicht mehr gut funktionieren kann, wenn ein immer gr&ouml;&szlig;erer Teil der Gesellschaft nicht mehr dabei mitmacht. Eine Zwei-Drittel Demokratie ist eine Gefahr f&uuml;r den inneren Frieden. <\/p>\n<p>Verdruss &uuml;ber das Funktionieren der Demokratie ist dar&uuml;berhinaus ein N&auml;hrboden f&uuml;r rechtspopulistische oder sogar rechtsextreme Str&ouml;mungen. Das kann man &uuml;berall in Europa beobachten.<\/p>\n<p>Was sich als Stimmung innerhalb der Gesellschaft niederschl&auml;gt, ist nat&uuml;rlich auch schon l&auml;ngst Gegenstand der Wissenschaft.<\/p>\n<p>So sprechen Politologen von einem Wandel vom &bdquo;partizipatorischen&ldquo;, &bdquo;inputorientierten&ldquo; Ideal der &bdquo;responsiven Demokratie&ldquo; hin zu einer output-orientierten Beteiligung der B&uuml;rger. Will sagen von einer Entmachtung der B&uuml;rger auf der Input-Seite des politischen Prozesses  und einer Beschr&auml;nkung ihrer Rolle auf die Bewertung des politischen Outputs. Man spricht vom &Uuml;bergang vom Staats- zum Marktb&uuml;rger, von &bdquo;democracy without demos&ldquo; oder von &bdquo;leader democracy&ldquo;. Man analysiert eine Gewichtsverschiebung zwischen Exekutive und Legislative zugunsten der Regierungen.<\/p>\n<p>Ich kann die verschiedenen politikwissenschaftlichen hier nicht weiter ausf&uuml;hren und verweise auf einen Aufsatz von Claudia Ritzi, Gary S. Schaal, in Aus Politik und Zeitgeschichte aus dem  Jahr 2009. Dort finden Sie eine <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/33022\/politische-fuehrung-in-der-postdemokratie?p=all#footnodeid_1-1\">recht gute Zusammenstellung der verschiedenen politikwissenschaftlichen Ans&auml;tze, APUZ 2-3\/2010<\/a>.<\/p>\n<p>Die am h&auml;ufgsten diskutierte Beschreibung des Niedergangs der Demokratie hin zu einer &bdquo;Postdemokratie&ldquo; stammt von  Colin Crouch (Postdemokratie, Franfurt a.M. 2008).<\/p>\n<p>Mit &bdquo;Postdemokratie&ldquo; will er einen Zustand beschreiben, bei dem die demokratischen Institutionen formal weiterhin vollkommen intakt sind, indem sich politische Verfahren und die Regierungen aber zunehmend in eine Richtung zur&uuml;ck entwickeln, die typisch war f&uuml;r vordemokratische Zeiten: <\/p>\n<p>Der Einfluss privilegierter Eliten nimmt zu, wohingegen der Enthusiasmus der gro&szlig;en Mehrheit f&uuml;r die Demokratie, die Beteiligung der normalen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger an der Gestaltung der politischen Agenda, die wirklich ihren Interessen entspricht, abnimmt. Es gibt zwar noch eine formale Fortexistenz demokratischer Institutionen, hinter deren Fassade aber eine weitreichende Selbstaufgabe der Politik stattgefunden hat. <\/p>\n<p>Postdemokratisch bezeichnet Crouch  (Zitat) &bdquo;ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, Wahlen, die sogar dazu f&uuml;hren, dass Regierungen ihren Abschied nehmen m&uuml;ssen, in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die &ouml;ffentliche Debatte w&auml;hrend der Wahlk&auml;mpfe so stark kontrollieren, dass sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur &uuml;ber eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgew&auml;hlt haben. Die Mehrheit der B&uuml;rger spielt dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf die Signale, die man ihnen gibt. Im Schatten dieser politischen Inszenierung wird die reale Politik hinter verschlossenen T&uuml;ren gemacht: von gew&auml;hlten Regierungen und Eliten, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten.&ldquo; (Zitat Ende) (Colin Crouch, a.a.O., S. 10) <\/p>\n<p>Es gebe, so Crouch, nur noch einen negativen Aktivismus des Tadelns und sich Beschwerens, bei dem das Hauptziel der politischen Kontroverse darin bestehe, zu sehen, wie Politiker zur Verantwortung gezogen w&uuml;rden, wie ihre K&ouml;pfe auf den Richtblock gelegt und ihre &ouml;ffentliche und private Integrit&auml;t peinlich genau &uuml;berpr&uuml;ft werde.<\/p>\n<p>Musterbeispiele f&uuml;r einen solchen negativen Aktivismus, wo der Sturz von Politikern nicht wegen ihres politischen Handelns, sondern wegen ihrer privaten Verfehlungen herbeigef&uuml;hrt wurde, sind die R&uuml;cktritte des Freiherrn zu Guttenberg vom Amt des Verteidigungsministers oder von Annette Schavan als Bildungsministerin. Sie mussten nicht etwa deshalb zur&uuml;cktreten, weil die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung gegen den Milit&auml;reinsatz in Afghanistan gewesen ist oder weil die Bildungspolitik gescheitert war, nein, sie mussten ihre Posten r&auml;umen, weil Plagiate in ihren lange  zur&uuml;ckliegenden Doktorarbeiten nachgewiesen wurden. <\/p>\n<p>Das Prinzip einer aktiven, partizipatorischen Demokratie ist zumindest insofern in eine Krise geraten, als es sowohl f&uuml;r den B&uuml;rger, ja sogar auch f&uuml;r den gew&auml;hlten Abgeordneten immer weniger M&ouml;glichkeiten gibt, auf die politischen Prozesse steuernd einzuwirken. <\/p>\n<p>Wenn Sie sich ein wenig zur&uuml;ckbesinnen, dann wird ihnen sicher wieder einfallen, dass keine der zentralen sog. Reformen der letzten Dekade, also weder die Hartz-Gesetze, die Teil-Privatisierung der Rente, die Gesundheitsreformen noch etwa die F&ouml;deralismusreform jemals Wahlkampfthemen gewesen sind. Sie wurden in der Hartz-Kommission oder in der R&uuml;rup-Kommission und wie die Expertenrunden alle hie&szlig;en oder oft sogar von privaten Wirtschaftsberatungsgesellschaften oder gleich an den Schreibtischen von Konzernen oder Wirtschaftsverb&auml;nden ausgearbeitet. Die Gesetzentw&uuml;rfe waren schon weitgehend fertig bevor ein Abgeordneter oder eine Abgeordnete &uuml;berhaupt ein Wort dazu sagen konnte. Bekannt gewordene Beispiele sind der Entwurf zum Kreditwesengesetz durch eine britische Gro&szlig;kanzlei oder das sog. Sparpaket f&uuml;r die Pharmaindustrie das von Vertretern des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen formuliert wurde.<\/p>\n<p>Es wird das Ger&uuml;cht kolportiert, dass der damalige Kanzler Gerhard Schr&ouml;der drei Tage vor Verk&uuml;ndung der Agenda 2010 jedenfalls nicht im Detail gewusst habe, was er am 14. M&auml;rz 2003 vor dem Parlament erkl&auml;ren w&uuml;rde. <\/p>\n<p>Aber diese Expertengremien sind ja nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. In den Medien allenfalls mit Kurznachrichten bedachte Dutzende von R&auml;te oder Groups auf europ&auml;ischer Ebene sprechen Empfehlungen aus, setzen Standards und Grenzwerte fest, drohen Sanktionen an &ndash; alles ohne Diskussion im nationalen Parlament und schon gar nicht in der &Ouml;ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Beispiele gef&auml;llig? <\/p>\n<p>Da gibt es etwa den EU-Aktionsplan &bdquo;CARS 2020&ldquo; dort werden z.B. die Grenzwerte f&uuml;r den CO2-Aussto&szlig; von europ&auml;ischen Autos definiert.<\/p>\n<p>F&uuml;r die IT-Branche gibt es eine Independent Regulators Group (2008) und einen Body of European Regulators for Electronic Communications (BEREC, 2009). F&uuml;r den Energiebereich etwa die Regulierungsbeh&ouml;rden CEER (Council of European Energy Regulators, 2003), die ERGEG (European Regulators Group for Electricity and Gas, 2003) und die ACER (Agency for the Cooperation of Energy Regulators, 2007). <\/p>\n<p>Man kann ein T&auml;tigkeitsfeld der Europ&auml;ischen Kommission nach dem anderen durchgehen, vor allem auch den Bereich der Finanzdienstleistungen &ndash; &uuml;berall werden Entscheidungen getroffen oder Normen festgezurrt, die die Abgeordneten bestenfalls noch pauschal abnicken k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Da sie auf europ&auml;ischer Ebene abgestimmt sind, gibt es in den seltensten F&auml;llen eine Chance sie zu ver&auml;ndern, abzulehnen traut man sich solche Vorgaben ohnehin nicht mehr, haben doch viele andere Staaten schon zugestimmt.<\/p><\/li>\n<li>Ich m&ouml;chte nun am Beispiel der Einf&uuml;hrung der sog. &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; versuchen, die Thesen einer postdemokratischen Entwicklung bzw. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/120122_die_schuldenbremse_als_fallbeispiel_postdemokratischer_entwicklung.pdf\">einer Selbstverbarrikadierung der Politik zu &uuml;berpr&uuml;fen [PDF &ndash; 4,8 MB]<\/a>.\n<p>Das &auml;lteste und grundlegendste Recht des Parlaments, n&auml;mlich das Budgetrecht, haben die Parlamente selbst, wenn nicht ausgehebelt, so doch zumindest halbiert, n&auml;mlich durch die Verankerung der sog. &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; im Grundgesetz und teileweise auch in den Landesverfassungen. <\/p>\n<p>Die Schuldenbremse hei&szlig;t ganz praktisch, ein weitgehendes Verbot der Kreditfinanzierung von &ouml;ffentlichen Staatsaufgaben. <\/p>\n<p>Ich will nicht missverstanden werden, ich verteidige keineswegs hohe &ouml;ffentliche Schulden, aber mit der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; wurde ja kein Konzept zum Schuldenabbau vorgelegt, sondern eine bestimmte &ouml;konomische Lehre, n&auml;mlich die &bdquo;angebotsorientierte&ldquo; Wirtschaftstheorie quasi mit Verfassungsrang ausgestattet und eine verfassungsrechtliche Barrikade gegen eine alternative nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik errichtet. Das Parlament, der Souver&auml;n beschnitt sich seiner finanzpolitischen Souver&auml;nit&auml;t selbst. Von da an, wurde die &bdquo;Alternativlosigkeit&ldquo; zum un&uuml;berwindbaren politischen Argument.<\/p>\n<p>Konjunktursteuerende finanzpolitische Ma&szlig;nahmen wurden damit weitgehend unm&ouml;glich gemacht. D.h. eine keynesianische Wirtschaftspolitik (antizyklische Fiskalpolitik), also eine Erh&ouml;hung des realen Sozialprodukts durch Staatsausgabensteigerungen in einer Rezessionsphase wurde auf ein Minimum begrenzt.<\/p>\n<p>An der Einf&uuml;hrung und Verankerung der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; in der Verfassung lassen sich die allgemeinen Beschreibungen von Colin Crouch wie durch ein Brennglas betrachten. N&auml;mlich<\/p>\n<ul>\n<li>wie nationalstaatliche Gesellschaften unter den Einfluss der global agierenden Konzerne geraten,<\/li>\n<li>wie m&auml;chtige wirtschaftliche Akteure und ihre Lobbyisten die wichtigsten politischen Entscheidungen monopolisieren,<\/li>\n<li>es zu einer asymmetrischen Beg&uuml;nstigung der Interessen der Kapitalanleger kommt,<\/li>\n<li>wie demokratische Institutionen einen Deckmantel f&uuml;r eine undemokratische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung abgeben<\/li>\n<li>und vor allem wie m&auml;chtige Interessengruppen, das politische System f&uuml;r die eigenen Ziele einspannen in dem sie die das Denken der Menschen lenken und manipulieren. (Crouch, a.a.O.,S.30)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Grund daf&uuml;r, dass das gelingen kann, ist, dass die politisch relevanten Themen in den Medien von einer sehr &bdquo;kleine(n) Zahl au&szlig;erordentlich reicher Individuen&ldquo; (Crouch, a.a.O., S.68) kontrolliert wird, schreibt Crouch.<\/p>\n<p>Doch der Reihe nach:<\/p>\n<p>Die Hypothese einer postdemokratischen Entwicklung kann nur verstanden werden, wenn die wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Ver&auml;nderungen der letzten Jahrzehnte in den Denk-Kontext genommen werden. Deswegen erlauben Sie mir einen knappen und zugespitzten R&uuml;ckblick: <\/p>\n<p>Mit den beiden &Ouml;lpreis-Krisen 1973 und 1979 ging in Kontinentaleuropa und vor allem in Deutschland ein Leitbildwechsel der Wirtschafts- und Finanzpolitik einher. <\/p>\n<p>Der Keynesianismus, eine in der Nachkriegsphase herrschende und auch praktizierte &ouml;konomische Lehre, wonach &ndash; verk&uuml;rzt gesagt &ndash;  die Nachfrage der entscheidende Einflussfaktor f&uuml;r die Produktion und die Besch&auml;ftigung ist und &ndash; unter der Annahme eines grunds&auml;tzlich instabilen Marktes &ndash; dem Staat bei der Steuerung der Nachfrage eine aktive Rolle in der Konjunkturpolitik zukommt, verlor seine Strahlkraft und seine wirtschaftspolitische Dominanz in Kontinental-Europa. <\/p>\n<p>Mit dem Schlagwort &bdquo;Globalisierung&ldquo; als politischem Hebel setzte sich eine &bdquo;angebotsorientierte&ldquo; &ouml;konomische Lehre durch, wonach im internationalen &bdquo;Standortwettbewerb&ldquo; vor allem die Kosten der Angebotsseite der Wirtschaft &uuml;ber Wachstum und Besch&auml;ftigung entscheiden. Crouch nennt den Begriff Globalisierung ein &bdquo;weitgehend unhinterfragtes Klischee&ldquo; (a.a.O., S.46)  und sieht darin eher eine Verschleierung der Tatsache, dass die globalen Unternehmen und Finanzstrukturen den nationalstaatlich organisierten Demokratien ihre Interessen aufzwingen wollen.<\/p>\n<p>Hinter der &bdquo;Globalisierung&ldquo; steckte etwa konkret die Drohung mit Kapitalflucht und Standortverlagerung von Unternehmen ins Ausland, sofern nicht die Lohnkosten, die Steuern und die Abgaben im Inland gesenkt w&uuml;rden. Wie sagte doch der Chef von Volvo in den 80-er Jahre: Schweden braucht Volvo, aber Volvo braucht Schweden nicht. Jetzt wo Deutschland mit seinen riesigen Export&uuml;bersch&uuml;ssen in der Kritik steht, h&ouml;rt man von der Verlagerung von Arbeitspl&auml;tzen nicht mehr so viel. Im Gegenteil, wir haben vor allem unseren europ&auml;ischen Nachbarn durch deren Leistungsbilanzdefizite Arbeitspl&auml;tze genommen.<\/p>\n<p>Auf finanzpolitische staatliche Interventionen in den Wirtschaftsprozess soll nach dieser Auffassung weitestgehend verzichtet werden. &bdquo;Starve the Beast&ldquo; oder &bdquo;hungert den Staat aus&ldquo; war der Schlachtruf des Thatcherismus und der Reaganomics. Bei uns pl&auml;dierte etwa der &bdquo;Vater der Wirtschaftsweisen&ldquo; Herbert Giersch f&uuml;r eine bewusste Schaffung von Sachzw&auml;ngen durch das &bdquo;Abmagern des Staates&ldquo;.  Der Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn jubelte 1996 in einem Stern-Interview: &ldquo;Es ist ein Segen, dass uns das Geld ausgeht. Anders kriegen wir das notwendige Umdenken nicht in Gang.&rdquo;<\/p>\n<p>Mit dem sog. Lambsdorff-Papier, dem &bdquo;Scheidebrief&ldquo; f&uuml;r die sozial-liberale Koalition im Jahre 1982 wurde der Grundkonsens einer Sozialen Marktwirtschaft als Errungenschaft eines europ&auml;ischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodells &ndash; in Deutschland auch &bdquo;rheinischer Kapitalismus&ldquo; genannt &ndash; aufgek&uuml;ndigt. An dessen Stelle trat das Credo: Der Markt kann alles besser als der Staat, der freie, m&ouml;glichst unregulierte Wettbewerb ist das beste  und effizienteste Steuerinstrument auf allen Politikfeldern, Privatisierung, Deregulierung, Flexibilisierung wurden zu leitenden politischen Parolen. Um die Angebotsseite, also die Unternehmensseite zu st&auml;rken, sollen die L&ouml;hne, die Sozialabgaben und die Unternehmenssteuern gesenkt werden.<br>\nDarunter muss notwendiger Weise auch der Sozialstaat, der den gr&ouml;&szlig;ten Anteil im &ouml;ffentlichen Haushalt ausmacht, leiden.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich gibt es wissenschaftliche Differenzierungen innerhalb dieser Glaubenslehre, in ihrer Grundrichtung wird sie auch unter dem Begriff &bdquo;Neoliberalismus&ldquo; zusammengefasst. <\/p>\n<p>Der einzelwirtschaftlich Betrachtungshorizont drang auf alle Politikfelder vor, in die Sozialpolitik (z.B. die Abgaben f&uuml;r die sozialen Sicherungssysteme wurden zu sog. Lohnnebenkosten), in die Wissenschaftspolitik (Stichwort: &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo;), das New Public Management hielt auch in der Kulturpolitik, ja sogar in die Kirchen Einzug. <\/p>\n<p>Mit der &bdquo;&Ouml;kumenische Sozialinitiative&ldquo; unter dem Titel &bdquo;Gemeinsame Verantwortung f&uuml;r eine gerechte Gesellschaft&ldquo; vom Fr&uuml;hjahr dieses Jahres haben auch die beiden Kirchenleitungen ihren Frieden mit den neoliberalen Reformen geschlossen. Wirtschaftliches Handeln und soziales Leben w&uuml;rden von den &bdquo;Triebkr&auml;ften der Globalisierung&ldquo; bestimmt (S. 7). Ein &bdquo;dramatischer demografischer Wandel&ldquo; stelle &bdquo;unsere sozialen Sicherungssysteme auf eine gro&szlig;e Belastungsprobe&ldquo; (S. 9). Die &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo; w&uuml;rde in Zukunft eine wichtige Dringlichkeit bekommen (S. 21). Es wird die Standortdebatte und die Wettbewerbsideologie nachgebetet, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20918\">wonach &bdquo;die Nationalstaaten im internationalen Wettbewerb&ldquo; st&uuml;nden (S. 7). Usw. usf.<\/a><\/p>\n<p>Heribert Prantl von der S&uuml;ddeutschen Zeitung nannte diesen Prozess in seinem B&uuml;chlein &bdquo;Kein sch&ouml;ner Land&ldquo; eine &bdquo;Verbetriebswirtschaftlichung&ldquo; der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Es ist nur logisch, dass eine Lehre, die den Staat als aktiven Akteur in der Wirtschaft zur&uuml;ckdr&auml;ngen will, nicht nur auf Steuersenkungen &ndash; nat&uuml;rlich vor allem f&uuml;r die Unternehmen &ndash; dr&auml;ngt, sondern dar&uuml;berhinaus dem Staat finanzpolitische Fesseln anlegen will. Eine &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; ist dabei ein effektives Mittel. Die Eindimensionalit&auml;t der &ouml;konomischen Denkwelt der sprichw&ouml;rtlichen &bdquo;schw&auml;bischen Hausfrau&ldquo; ist zum herrschenden Weltbild der gesellschaftlichen Eliten geworden. <\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses Leitbildwechsels im Verlauf der letzten drei Dekaden kennen Sie alle: Shareholder Value, der Finanzmarkt als Casino, Schw&auml;chung der Gewerkschaften, Stagnation der Reall&ouml;hne seit den 90-iger Jahren, Teilprivatisierung der Altersvorsorge, Selbstbeteiligung an den Gesundheitskosten, Zerst&ouml;rung der Arbeitslosenversicherung durch den Absturz in die Sozialf&uuml;rsorge von Hartz IV in der Regel nach einem Jahr Arbeitslosigkeit , 43 Prozent atypische Besch&auml;ftigung mit Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs, Ausbreitung des Niedriglohnsektors, zunehmende Spaltung der Gesellschaft in arm und reich.<\/p>\n<p>Wer einer gro&szlig;en Zahl, ja sogar der Mehrheit der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger solche Opfer abverlangt, muss, um Loyalit&auml;t zu gew&auml;hrleisten, die &ouml;ffentliche Meinung in seinem Sinne pr&auml;gen. <\/p>\n<p>Wie diese Demokratie &bdquo;von oben&ldquo; funktioniert l&auml;sst sich gleichfalls an der Einf&uuml;hrung der Schuldenbremse gut demonstrieren.<\/p>\n<p>Die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; wurde 2009 sowohl im Bundesrat als auch im Bundestag mit der verfassungs&auml;ndernden Zweidrittelmehrheit beschlossen. Art. 109 und Art. 115 GG wurden ge&auml;ndert und traten mit dem Haushaltsjahr 2011 in Kraft. Durch Neuregelung wird das Ziel angestrebt, die Nettokreditaufnahme des Bundes auf maximal 0,35% des BIP  zu begrenzen und ab dem Jahr 2016 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. (L&auml;nder 2020)<\/p>\n<p>Das Vorhaben war zu Beginn der Debatte heftig umstritten, doch dann kam die Finanzkrise. Die staatliche Verschuldung stieg 2009  auf 74,5% gemessen am Bruttoinlandprodukt.<\/p>\n<p>Damit wurde die politische Barriere von 60%, die schon der Vertrag von Maastricht aufstellte, klar gerissen. In ihrer Neujahrsansprache f&uuml;r das Jaher 2009 mahnte die Kanzlerin, dass &bdquo;wir &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse&ldquo; lebten. Die Arbeitgeberlobby, die schon immer den Staat zur&uuml;ckschneiden wollte, startete eine regelrechte Kampagne f&uuml;r eine &bdquo;Schuldenbremse&ldquo;. &bdquo;Wer Staatsausgaben k&uuml;rzt, wird mit Wachstum und Arbeitspl&auml;tzen belohnt&ldquo;. Angeblich w&uuml;rden die Finanzierungskosten f&uuml;r die Unternehmen steigen, weil sich der Staat immer mehr Geld auf dem Kapitalmarkt leihe. Staatsschulden f&uuml;hrten  zu einem Vertrauensverlust der Anleger.  So oder so &auml;hnlich lauteten die Parolen.<\/p>\n<p>Einer der lautstarksten Protagonisten f&uuml;r die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; war die vom Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie mit j&auml;hrlich mit bis zu 10 Millionen Euro ausgestattete PR-Agentur &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM). In kaum einer Talk-Show fehlte einer ihrer Botschafter oder Kuratoren[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], die dort nat&uuml;rlich nicht als Lobbyisten, sondern als &bdquo;Experten&ldquo; vorgestellt wurden. Von der Bild-Zeitung, &uuml;ber die marktliberalen Wirtschaftsredaktionen von FAZ, S&uuml;ddeutsche Zeitung und schon gar von den konservativen Bl&auml;ttern des Springer-Konzerns haben schlie&szlig;lich nahezu alle Leitmedien f&uuml;r die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; Stimmung gemacht. <\/p>\n<p>Kritische Stimmen, wie etwa das Mitglied des Sachverst&auml;ndigenrats Peter Bofinger wurden in den Medien allenfalls am Rande erw&auml;hnt. Bofingers Warnung, &bdquo;Die Schuldenbremse gef&auml;hrdet die gesamtwirtschaftliche Stabilit&auml;t und die Zukunft unserer Kinder&ldquo;, wurde nicht mehr geh&ouml;rt. Man kann so weit gehen und sagen, dass im gesamten politischen Entscheidungsprozess keine Auseinandersetzung oder keine Debatte &uuml;ber Positionen stattfand, die dem neoliberalen Standpunkt widersprachen. Crouch spricht von einem &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12002\">Verfall der Kommunikationsm&ouml;glichkeiten<\/a>&ldquo;.<\/p>\n<p>Kaum jemand fragte noch danach, wie es zu diesem Schuldenanstieg tats&auml;chlich gekommen ist. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank vom April 2010 waren bis Ende 2009 f&uuml;r die Rettung der Banken (IKB, Commerzbank, HRE, etc.) in den Jahren 2008 und 2009 schon St&uuml;tzungskosten <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6722\">in H&ouml;he von 98 Milliarden Euro angefallen<\/a>. Die Ausgaben des Bundes f&uuml;r die im Kampf gegen die Finanzkrise geschn&uuml;rten Konjunkturpakete hatten ein Volumen von 62 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Es ist ein schlagendes Beispiel f&uuml;r eine gelungene Gehirnw&auml;sche, dass nahezu in der gesamten ver&ouml;ffentlichten Meinung, die &bdquo;Finanzkrise&ldquo; und deren Belastungen f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Haushalte in eine &bdquo;Staatsschuldenkrise&ldquo; umgedeutet werden konnte. <\/p>\n<p>Das ist geradezu absurd.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus w&auml;re doch vor die Wand gefahren &ndash; wenn ihn die Staaten nicht gerettet h&auml;tten. Als w&auml;re ein kompletter Ged&auml;chtnisverlust eingetreten, waren pl&ouml;tzlich nicht mehr die Banker oder das Finanzkasino in der Kritik, sondern der Staat und die Politik wurden als die B&ouml;sen abgestempelt und nicht zuletzt &bdquo;Wir&ldquo;, weil &bdquo;wir&ldquo; angeblich &bdquo;&uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse gelebt&ldquo; h&auml;tten. Statt dass die Politik die Spekulanten abstrafte, straften die Finanzm&auml;rkte die Regierungen ab, weil sie &bdquo;schlecht gewirtschaftet&ldquo; h&auml;tten.<\/p>\n<p>Aus einer Bankenkrise wurde eine Staatsschuldenkrise. Weil die Staaten den Banken ihre Schulden abgenommen haben. Weil der konjunkturelle Einbruch Milliarden an Steuerausf&auml;llen nach sich zog. Und weil die Rezession mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen bek&auml;mpft werden musste.<\/p>\n<p>Die Umdeutung der Finanzkrise in eine Staatsschuldenkrise, war einer der wichtigsten Hebel, die Schuldenbremse in den Verfassungsrang zu heben.<\/p>\n<p>Mit der Schuldenbremse zahlen letztlich die Steuerzahler die staatliche Verschuldung durch die Finanzkrise ab, sei es durch ihre Steuern, sei es durch Einsparungen bei den Sozialleistungen.<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt, der Umgang mit der Finanzkrise zeigt, wie unersch&uuml;tterlich der Glaube an die heilbringende Funktion der M&auml;rkte ist:<\/p>\n<p>Da hat die Finanzkrise ein eklatantes Versagen &bdquo;der M&auml;rkte&ldquo; mit katastrophalen Folgen erwiesen, aber der Politik ging es bei der Krisenbew&auml;ltigung nur um ein Ziel, n&auml;mlich das &bdquo;Vertrauen der M&auml;rkte&ldquo; zur&uuml;ckzugewinnen.<br>\nDie anonymen, angeblich objektiven, effizienten oder alternativlosen &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; wurden sofort wieder zur h&ouml;chsten Instanz erhoben worden: Was kein Parlament schafft, die &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; schafften es: Sie trieben Regierungschefs aus ihren &Auml;mtern, und setzen ihnen genehme Regierungen ein, sie zwingen Parlamenten drastische Sparbeschl&uuml;sse auf, die nicht nur die &uuml;berwiegende Mehrheit der Bev&ouml;lkerung verarmen, sondern &ndash; noch viel schlimmer &ndash; ganze Volkswirtschaften gegen die Wand fahren lassen. <\/p>\n<p>Angela Merkel spricht ganz offen von &bdquo;marktkonformer Demokratie&ldquo; und meint damit nichts anderes, als dass die Politik das zu exekutieren hat, was die &bdquo;Finanzm&auml;rkte&ldquo; angeblich verlangen. <\/p>\n<p>Die politische Durchsetzung der &bdquo;Schuldengrenze&ldquo; ist ein Paradebeispiel, wie m&auml;chtige wirtschaftliche Interessengruppen, die Politik f&uuml;r ihre instrumentalisieren und die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger beeinflussen, ja man muss es sogar manipulieren nennen. Die Logik dieser Politik beruht auf Lobbyarbeit, die n&ouml;tigen Ressourcen und Macht und nicht auf der kl&uuml;geren Argumentation (so <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=ku&amp;dig=2012%2F06%2F23%2Fa0041&amp;cHash=d51611fcc0\">Crouch in der taz<\/a> &ndash; Nur die Reichen k&ouml;nnen es sich leisten, Politik auf diese Weise zu &bdquo;kaufen&ldquo; meint <a href=\"http:\/\/www.gegenblende.de\/12-2011\/++co++3231b978-15cc-11e1-6a89-001ec9b03e44\">Colin Crouch<\/a>)<\/p>\n<p>Der Neoliberalismus setzt bei weitem nicht so sehr auf freie Marktwirtschaft setzt, wie es seine Theorie behauptet. Stattdessen beruht er auf dem politischen Einfluss von Gro&szlig;konzernen und Banken (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11169#h10\">Colin Crouch in Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik<\/a>). <\/p>\n<p>&bdquo;Der Neoliberalismus ist ein Ph&auml;nomen der gro&szlig;en internationalen Konzerne. Die List ist, dass sie den freien Markt propagieren, aber gleichzeitig diesen Markt beherrschen, so dass es keinen freien Markt gibt. Die gro&szlig;en Konzerne haben eine starke Verbindung zu der Politik, was ja ganz marktwidrig ist. <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/kultur\/colin-crouch-zur-finanzkrise-es-muss-noch-schlimmer-werden,1472786,11452072.html\">Das ist die L&uuml;ge<\/a>.&ldquo;)<\/p>\n<p>Die mediale Inszenierung spielte mit der Urangst der Menschen vor Verschuldung, man baute die Drohkulisse der &bdquo;Globalisierung&ldquo; auf und man f&uuml;hrte mit geradezu populistischer Rhetorik die moralische Kategorie der &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo;  ein. <\/p>\n<p>Jeder Mensch hat Angst vor Verschuldung. Schon das Wort sagt, wer Schulden hat,  hat auch Schuld. Von daher war beim normalen, volkswirtschaftlich nicht geschulten Menschen eine Grundsympathie f&uuml;r einen Schuldenabbau und f&uuml;r das Denken im Horizont der &bdquo;schw&auml;bischen Hausfrau&ldquo; vorhanden, an die die Kampagne f&uuml;r die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; ankn&uuml;pfen konnte. <\/p>\n<p>Auf den Stimmzetteln der Volksabstimmung zur &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; in Hessen stand fett gedruckt: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/120122_die_schuldenbremse_als_fallbeispiel_postdemokratischer_entwicklung.pdf\">&bdquo;Gesetz zur &Auml;nderung der Verfassung&hellip;in Verantwortung f&uuml;r kommende Generationen&ldquo; [PDF &ndash; 4.8 MB]<\/a>.<\/p>\n<p>Klar, durch die Verschuldung heute vererbt die heutige Generation die Schulden an die kommende. Aber was ist eigentlich mit den Forderungen der Kreditgeber gegen den Staat?<\/p>\n<p>Was n&auml;mlich mit diesem moralischen Appell an die Verantwortung f&uuml;r unsere Kinder und Kindeskinder unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass jetzt und in allen Zeiten den Staatsschulden Gl&auml;ubigerpositionen in gleicher H&ouml;he gegen&uuml;ber stehen. Nehmen diejenigen, bei denen der Staat sich verschuldet, ihre Forderungen (und die Zinsen) mit ins Grab? Sicher nicht, denn dann w&auml;ren ja auch die Schulden weg. Wahr ist: Auch die Forderungen werden vererbt. Die Frage der Staatsverschuldung kann schon logisch keine Frage der Generationengerechtigkeit sein, da immer Forderungen und Schulden zugleich vererbt werden. Schulden sind also kein Problem zwischen Alt und Jung, sondern zu jedem Zeitpunkt zwischen Arm und Reich. <\/p>\n<p>Es ist eine ziemlich banale Erkenntnis, dass Wenigverdiener weniger sparen und weitaus seltener Staatsanleihen kaufen k&ouml;nnen als Besserverdiener. 30 % aller Haushalte haben gar kein Erspartes und 10 % sind sogar verschuldet. Die Mittelschicht spart bis zur Schmerzgrenze f&uuml;r das Abtragen ihrer H&auml;uslekredite. Sparen und damit auch Geld  in Staatsanleihen anlegen verm&ouml;gen vor allem die einkommensstarken oberen Perzentile der Haushalte. (Jens Berger, Wem geh&ouml;rt Deutschland? S. 137)<\/p>\n<p>Wenn ein Wohlfahrtsstaat demontiert wird, seine Transferleistungen f&uuml;r Bed&uuml;rftige gesenkt und die g&uuml;ltigen Anspruchsvoraussetzungen versch&auml;rft werden, obwohl der Kuchen gr&ouml;&szlig;er und der gesellschaftliche Reichtum zunimmt, kann doch schon aus Gr&uuml;nden einfacher Logik weder von sozialer noch von Generationengerechtigkeit die Rede sein. Denn offenbar findet einfach nur eine Umverteilung statt und diese wird in die Zukunft fortgeschrieben.<\/p>\n<p>Vor dem Eingang des Geb&auml;udes des sog. &bdquo;Bundes der Steuerzahler&ldquo; in Berlin l&auml;uft eine Schuldenuhr, als ich am letzten Mittwoch im Internet nachgeschaut habe, <a href=\"http:\/\/www.haushaltssteuerung.de\/schuldenuhr-deutschland.html\">beliefen sich die Staatsschulden auf &uuml;ber 2,1 Billionen<\/a>. <\/p>\n<p>Die Gewerkschaft ver.di kam vor einiger Zeit auf die Idee, <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/themen\/wirtschaft-finanzen\/reichtumsuhr\">der Schuldenuhr eine Reichtumsuhr entgegenzustellen<\/a>. Danach betrug am selben Abend das Nettoprivatverm&ouml;gen in Deutschland knapp 7,9 Billionen und das reichste Zehntel der Bev&ouml;lkerung besitzt davon &uuml;ber 5 Billionen. Jens Berger hat in seinem Buch &bdquo;Wem geh&ouml;rt Deutschland?&ldquo; ausgerechnet: W&uuml;rde man ausschlie&szlig;lich mit dem Verm&ouml;genszuwachs der deutschen Million&auml;re die Staatsschulden zur&uuml;ckzahlen, w&auml;re der Bund nach sechs Jahren und zweieinhalb Monaten schuldenfrei &ndash; und die Million&auml;re w&auml;ren immer noch Million&auml;re. <\/p>\n<p>Mit dem moralischen Appell an die Verantwortung gegen&uuml;ber den k&uuml;nftigen Generationen, ist es gelungen, von der Ungleichheit der Verm&ouml;gensverteilung innerhalb der heutigen und zugleich auch der k&uuml;nftigen Generationen abzulenken.<br>\n(Wir haben es aber mit einer intragenerativen Belastung (also der zwischen Arm und Reich) und nicht mit einer intergenerativen Belastung durch die Staatsverschuldung zu tun.)<\/p>\n<p>Und so lange der Staat das Geld nicht von denen zur&uuml;ckholen darf, auf das er durch den jahrelangen &bdquo;Steuersenkungswahn&ldquo; (Rudolf Hickel) verzichtet hat, bleibt nat&uuml;rlich nur die L&ouml;sung, die kleinen Leute via K&uuml;rzung des Sozialhaushalts daf&uuml;r sorgen zu lassen, dass der Staat Schulden abbauen kann.<\/p>\n<p>Wenn denn ein Schuldenabbau durch einen weitgehenden Verzicht auf eine aktive Konjunkturpolitik, r&uuml;ckl&auml;ufige staatliche Investitionen bei gleichzeitigen Einsparungen bei den Transferleistungen &uuml;berhaupt erfolgreich sein kann.<\/p>\n<p>Wir k&ouml;nnen es aktuell vielfach in vielen L&auml;ndern beobachten, es stimmt eben gerade nicht, dass der Sparwille der &bdquo;schw&auml;bischen Hausfrau&ldquo; zum Sparerfolg f&uuml;hren muss und gleichzeitig dem Land und seinen Menschen gut tut. Hans Eichel wurde als Bundesfinanzminister &bdquo;Sparkommissar&ldquo; genannt. Der &bdquo;Eiserne Hans&ldquo; nahm sich vor, eisern zu sparen. Die Verschuldungsquote stieg jedoch von 2000 bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahre 2005 von 60 auf 68%.<\/p>\n<p>Wenn die Konjunktur kaputt gespart wird, dann wird trotz ehrenwertem Sparwillen am Ende weniger gespart als wenn die Konjunktur und damit Steuereinnahmen bef&ouml;rdert worden w&auml;ren.<\/p>\n<p>Bei uns ist &uuml;brigens durch die Regierungen Kohl und Schr&ouml;der und ihre st&auml;ndigen Steuersenkungen zu Gunsten der Wirtschaft und der Bessergestellten bewiesen worden, dass Staatsschulden auch durch Steuersenkungen entstehen. Nicht allein, aber auch damit.<\/p>\n<p>Wir habe gerade letzte Woche zum Abschluss der Jahrestagung des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) wieder einmal diesen Streit aufflammen sehen. W&auml;hrend die praktisch die gesamte Welt um uns herum zunehmend auf Deutschland Druck macht, dass unsere Regierung angesichts des inzwischen auch bei uns schwachen Wachstums investiert, klammert sich unser Finanzminister an die &bdquo;Schwarze Null&ldquo; im n&auml;chsten Jahr.<\/p>\n<p>Wehe wenn die Konjunktur noch weiter einbricht, dann hat der Staat n&auml;mlich weniger Steuereinnahmen und Mehrausgaben etwa wegen mehr Arbeitslosen und wom&ouml;glich ger&auml;t die Wirtschaft gar in eine Deflation.<\/p>\n<p>Ich habe nun am Beispiel der Einf&uuml;hrung der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; &ndash; vielleicht bis zu Ihrem &Uuml;berdruss &ndash; zu zeigen versucht, wie einerseits &bdquo;Demokratie von Oben&ldquo; funktioniert und anderseits Demokratie oder politische Entscheidungsfreiheit verbarrikadiert wird.<\/p><\/li>\n<li>Ich k&ouml;nnte an zahllosen weiteren Barrikaden zeigen, wie sich die Politik hinter unumst&ouml;&szlig;lichen Prinzipien, unbeeinflussbare Verfahren oder zwingend umzusetzende Gesetze verbarrikadiert. Man erhofft sich mit solchen Festlegungen die Begr&uuml;ndung f&uuml;r unliebsame Entscheidungen zu ersparen und sich vor einer politischen Auseinandersetzung und einer breiten &ouml;ffentlichen Debatte sch&uuml;tzen zu k&ouml;nnen.\n<p>Das Vorgehen beim Aufbau solcher Barrikaden ist immer das Gleiche. Man gibt ein paar allgemeine, oftmals als hehre Ziele verpackte und vor allem populistisch eing&auml;ngige Parolen vor, schafft damit ein unver&auml;nderbar erscheinendes Prinzip und wenn dann konkrete politische Entscheidungen anstehen, argumentiert man, dass man dabei sich den unumst&ouml;&szlig;lichen Vorgaben oder Zw&auml;ngen unterordnen m&uuml;sse.<br>\nDie Politik schafft sich damit auf zentralen Feldern selber ab. Die Demokratie wird hinter die von der Politik aufgebauten Barrikaden eingesperrt.<\/p>\n<p>Die als gewichtiges Argument f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; schon genannte Barriere, der Euro-Stabilit&auml;tspakt, wurde mit dem Ziel begr&uuml;ndet, f&uuml;r einen &bdquo;stabilen Euro&ldquo; zu sorgen. Wer k&ouml;nnte sich schon gegen eine stabile W&auml;hrung aussprechen.<\/p>\n<p>Dass damit eine souver&auml;ne und vor allem aktive Finanzpolitik der europ&auml;ischen Staaten zur &Uuml;berwindung gesamtwirtschaftlicher Ungleichgewichte eingeschr&auml;nkt, ja sogar unm&ouml;glich wird, wurde nicht gesagt. Man hat schlicht geleugnet, dass mit dem Maastricht-Vertrag ganz Europa ein Verzicht auf makro&ouml;konomische Politikinstrumente auferlegt und auf eine &bdquo;Sparpolitik&ldquo; festgelegt wurde, mit der dann nachfolgend Einschnitte in den Wohlfahrtsstaat &ndash; genannt &bdquo;Strukturreformen&ldquo; &ndash; als unumg&auml;nglich erkl&auml;rt werden konnten. In nahezu jeder Haushaltsdebatte seit 1992 wurde die Einhaltung des Maastricht-Vertrages als nicht mehr in Frage zu stellende Begr&uuml;ndung f&uuml;r die K&uuml;rzung von staatlichen Leistungen (vor allem im Sozialbereich) herangezogen.<\/p>\n<p>Zum Gl&uuml;ck &ndash; k&ouml;nnte man sagen &ndash; ist der Stabilit&auml;tspakt von den meisten europ&auml;ischen L&auml;ndern nicht eingehalten worden. W&auml;re er in der Finanz- und Wirtschaftskrise eingehalten worden, h&auml;tten keine defizitfinanzierten Konjunkturprogramme aufgestellt, keine Kurzarbeiterzusch&uuml;sse bezahlt werden k&ouml;nnen oder es h&auml;tten keine Schulden f&uuml;r Rettungsschirme aufgenommen werden k&ouml;nnen und wir w&auml;ren mit dieser Prinzipientreue vermutlich in einer Katastrophe gelandet.<\/p>\n<p>Man muss aber nicht auf die europ&auml;ische Ebene zu gehen, um den R&uuml;ckzug der Politik festzustellen. Nehmen wir die Wissenschaftspolitik. In fast allen L&auml;nderhochschulgesetzen wurde die &bdquo;entfesselte&ldquo; oder &bdquo;unternehmerische&ldquo; Hochschule festgeschrieben. Unter dem Banner der Freiheit bzw. der Autonomie wurden die Hochschulen statt den &bdquo;Gesetzen&ldquo; des demokratisch legitimierten Gesetzgebers, den anonymen &bdquo;Gesetzen&ldquo; des Wettbewerbs auf dem Wissenschaftsmarkt (Stichwort: Drittmitteleinwerbung) und des Wettbewerbs auf dem Ausbildungsmarkt (Stichwort: ehemals Einwerbung von Studiengeb&uuml;hren) unterstellt. Das Parlament ist allenfalls noch der Zahlmeister, der &bdquo;Zusch&uuml;sse&ldquo;(!) an die Hochschulen.<\/p>\n<p>Auch die im europ&auml;ischen Vertragsrecht festgeschriebene Niederlassungsfreiheit und die Dienstleistungsfreiheit wurde mit der Freiheit von Unternehmen und gewerblich Selbst&auml;ndigen und mit der Freiz&uuml;gigkeit der Arbeitnehmer begr&uuml;ndet. Wer wollte diesem Pathos der Freiheit schon etwas entgegensetzen. Freiheit ist ja immer gut. <\/p>\n<p>Es ging aber eigentlich nur um die Einf&uuml;hrung der Dominanz liberaler Wirtschafts(freiheits)rechte, mit denen nach ihrer vertraglichen Verankerung auch mit Hilfe des Europ&auml;ischen Gerichtshofs die nationale Politik aus &uuml;bergeordnetem Recht gezwungen war, nationale Standards am Arbeitsort etwa bei Arbeits-, Qualifikations- und Sozialvorschriften, bei Sicherheitsstandards, Gesundheits- und Umweltschutzbestimmungen abzubauen. Von einem Ausbau der sozialen Rechte hat man wenig bemerkt.<\/p>\n<p>Mit der gesetzlich und europarechtlichen Verankerung der Unabh&auml;ngigkeit der deutschen Bundes- und der Europ&auml;ischen Zentralbank kommt &ndash; man mag das f&uuml;r richtig oder falsch halten &ndash; das Misstrauen gegen die Politik geradezu institutionell zum Ausdruck. Hier wurde eine finanzpolitische vierte Gewalt eingef&uuml;hrt. <\/p>\n<p>Oder nehmen Sie das Regime der Troika, also von EU-Kommission, IWF und EZB:<br>\nOhne auch nur den geringsten Gedanken dar&uuml;ber zu verschwenden, was das noch mit Demokratie zu tun hat, wurde verlangt, dass Griechenland und Italien eine &bdquo;Techniker-Regierung&ldquo; (so etwa das Handelsblatt und Bloomberg) mit einem nichtpolitischen Finanzexperten als Regierungschefs brauchten. Und dann wurde eben Loukas Papademos &ndash; 8 Jahre lang EZB-Vize &ndash; griechischer Ministerpr&auml;sident und in Italien wurde der Technokrat und ehemalige EU-Kommissar, Mario Monti, eingesetzt. Gerade so als g&auml;be es in der &Ouml;konomie nur eine einzige L&ouml;sung, die von einem Techniker wie ein Modul in die Politik einzuf&uuml;gen w&auml;re.<\/p>\n<p>Man muss sich nur einmal das Schreiben der EU-Kommission an den italienischen Ministerpr&auml;sidenten &uuml;ber die Sparauflagen durchlesen, das in der <a href=\"http:\/\/download.repubblica.it\/pdf\/2011\/economia\/CAB10_1104184608_001.pdf?ref=HRER2-1\">Zeitung La Republica abgedruckt wurde [PDF &ndash; 388 KB]<\/a>:<br>\nWie ein Befehlsempf&auml;nger von einer Besatzungsmacht soll danach die italienische Regierung berichten, ob, wann und wie sie weitere Sparma&szlig;nahmen ergreift und in den Regionen umsetzt, die Privatisierung vorantreibt, das Renteneintrittsalter auf 67 anhebt, die Schuldenbremse in die Verfassung aufnimmt, die Mehrwertsteuer und die Grundsteuer erh&ouml;ht, die Schulen reformiert, mehr Wettbewerb unter den Universit&auml;ten und Studiengeb&uuml;hren einf&uuml;hrt, den K&uuml;ndigungsschutz lockert, die Arbeitslosenversicherung k&uuml;rzt, den &ouml;ffentlichen Dienst privatisiert und dort Arbeitspl&auml;tze abbaut usw. usf. und leistungsbezogene Besoldung einf&uuml;hrt, die Wasserversorgung reformiert, die Kapitalisierung der Unternehmen st&auml;rkt (Zulassung von &bdquo;Heuschrecken&ldquo;), die Justiz reformiert, die Zahl der Parlamentarier verkleinert und die Regierung effizienter macht.<\/p>\n<p>Egal wie sich das Parlament zusammensetzt und egal wer Regierungschef ist, es gibt ausschlie&szlig;lich noch die Aufgabe, umzusetzen, was die Exekutivkomitees der Finanzm&auml;rkte, n&auml;mlich die EU-Kommission und der IWF befehlen, durchs Parlament zu peitschen und den Sparbeschl&uuml;ssen dadurch noch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11313\">ein demokratisches M&auml;ntelchen zu verpassen<\/a>.<\/p>\n<p>Oder nehmen wir ein ganz aktuelles Beispiel f&uuml;r eine m&ouml;gliche Selbstabschaffung der Politik oder von demokratischen Entscheidungen: Das transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP.<br>\nIn diesem Abkommen sind angeblich mit privaten Anw&auml;lten besetzte Schiedsgerichte vorgesehen, vor denen Firmen Staaten verklagen k&ouml;nnen, auch dann, wenn sie durch demokratisch beschlossene Regeln Profite einb&uuml;&szlig;en k&ouml;nnten.<br>\nEs soll ein Investitionsschutz festgeschrieben, also &bdquo;eine Art Grundrecht auf ungest&ouml;rte Investitionsaus&uuml;bung etabliert werden&ldquo; schreibt Heribert Prantl und f&uuml;gt hinzu &bdquo;ich bef&uuml;rchte, dass hier Rechtsstandards, wom&ouml;glich auch Grundrechtsstandards geschleift werden.&ldquo; <\/p>\n<p>Und er gibt <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42456\/2.html\">ein Beispiel<\/a>:<br>\n&bdquo;Eine Firma aus dem Ausland will viel Geld investieren und findet bestimmte Rechtszust&auml;nde vor. Sollte nun etwa der Bundestag auf die Idee kommen, die Umweltschutzvorschriften zu versch&auml;rfen oder bestimmte Arbeitsschutzrechte arbeitnehmerfreundlicher zu gestalten, kann der Investor argumentieren, dass dies seine Investitionen in einem unvorhergesehenem Ma&szlig;e beeintr&auml;chtigt. Und dann soll er, so ist es vorgesehen, gegen die neuen Gesetze Klage erheben k&ouml;nnen. Und &uuml;ber diese Klagen soll dann ein privates Schiedsgericht entscheiden &ndash; und den Staat gegebenenfalls zu Milliardenzahlungen verurteilen k&ouml;nnen.<br>\nDas ist ein Eingriff in die Gesetzgebungshoheit, ein Eingriff in die Souver&auml;nit&auml;t, ein Anschlag auf die parlamentarische Demokratie.&ldquo;<\/p>\n<p>Einen Vorgeschmack, wie das k&uuml;nftig laufen k&ouml;nnte, bieten die Klagen der AKW-Betreiber auf insgesamt 15 Milliarden Schadenersatz, weil die Regierung und Bundestag den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen haben und damit die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/klagen-wegen-atomausstieg-kettenreaktion-vor-gericht-1.2155833\">Gewinne aus der Stromproduktion ihrer Reaktoren weggebrochen sind<\/a>.<\/p>\n<p>Dabei sind die meisten AKWs schon l&auml;ngst abgeschrieben und waren reine Gelddruck-Maschinen und im &Uuml;brigen ist v&ouml;llig offen, wer die Kosten f&uuml;r den R&uuml;ckbau der AKWs oder f&uuml;r die sichere Endlagerung tr&auml;gt. <\/p>\n<p>Ich will hier mit den Beispielen abbrechen. Ich denke auch Sie k&ouml;nnten aus Ihrem Erfahrungsbereich noch eine Vielzahl von Beispielen anf&uuml;hren, wie und wo sich die demokratisch legitimierte Politik aus ihrer Verantwortung zur&uuml;ckgezogen hat.<\/p>\n<p>Auch wenn Sie vielleicht einen solchen Eindruck gewonnen haben: Mit meinem Referat, wollte ich nicht etwa ein Klagelied &uuml;ber den Niedergang der Demokratie anstimmen, sondern ich wollt Sie anstacheln, dar&uuml;ber ins Gespr&auml;ch zu kommen, wie und womit wir unsere Demokratie wieder mit mehr Leben erf&uuml;llen k&ouml;nnten.<\/p>\n<p>Zu viele Menschen vertrauen immer noch darauf, dass die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Medien nicht manipulativ mit ihnen umgehen. Sie glauben, dass in der Regel stimmt, was man ihnen sagt. Sie k&ouml;nnen sich nicht vorstellen, dass sie systematisch in die Irre gef&uuml;hrt werden. <\/p>\n<p>Ich habe in meinem Referat beispielhaft aufzuzeigen versucht, dass das leider ein Irrtum ist.<\/p>\n<p>Folglich sollten wir uns nicht die Schlafm&uuml;tze des &bdquo;deutschen Michels&ldquo; &uuml;ber Augen und Ohren ziehen, nein, wir sollten wachsam sein und schon gar nicht sollten wir alles glauben, was man uns glauben machen will.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, skeptisch zu sein. Wieder zweifeln zu lernen m&uuml;sste zu einer Tugend werden.<\/p>\n<p>Wenn es Menschen gel&auml;nge, hinter die Kulissen zu schauen, dann merkten sie: Was die Meinungsf&uuml;hrer sagen, stimmt oft nicht oder widerspricht der eigenen Wahrnehmung. Was die Meinungsf&uuml;hrer empfehlen, ist oft erfolglos, und was sie an egoistischer Ideologie f&ouml;rdern, widerspricht der Lebenserfahrung.<\/p>\n<p>Skeptiker, Zweifler, Kritiker in dieser Gesellschaft sind auf gleichgesinnte Partner angewiesen. Zweifeln lernen kann man zwar alleine. Aber ohne Partner und Mitstreiter ist es ausgesprochen m&uuml;hsam. So wie sich die Propagandisten der herrschenden Meinung in einem informellen Netzwerk gegenseitig st&uuml;tzen, so brauchen auch die Skeptiker ein Netz gegenseitiger Informationen und Hinweise.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Partner f&uuml;r die Zweifelnden und f&uuml;r das Gespr&auml;ch &uuml;ber Alternativen k&ouml;nnten dabei die Kirchen sein.<\/p>\n<p>Sie k&ouml;nnen sich dabei gewiss sein, dass sie zumindest die latente Sympathie der Mehrheit demokratisch und sozial gesinnter Menschen hinter sich haben&hellip;<\/p><\/li>\n<\/ol><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Kuratoren und Botschafter u.a.: Hans Tietmeyer, Paul Kirchhof, Oswald Metzger, Silvana Koch-Mehrin etc. Hans Barbier, Florian Gerster, Michael H&uuml;ther, Otmar Issing, J&uuml;rgen Stark, Roland Berger, Arnulf Baring, Bernd Raffelh&uuml;schen, thomas Straubhaar Dagmar Schipanski, Lothar Sp&auml;th. Am Anfang Wolfgang Clement und jetzt wieder als Kuratoriumsvorsitzender.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Referat von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong> auf der Herbstkonferenz 2014 der Evangelischen Akademie Bad Boll unter dem Titel &bdquo;Kirche in der Demokratie, Demokratie in der Kirche&ldquo; am 21. Oktober 2014. <\/p>\n<p>Nach einer Zustandsbeschreibung der Demokratie aus der Sicht der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, wird am Beispiel der Einf&uuml;hrung der sog. &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; dargestellt, wie die neoliberale Wirtschaftslehre auf Verfassungsrang<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23659\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[122,126,205,203],"tags":[1226,374,1151,233,633,413,392,325],"class_list":["post-23659","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demoskopieumfragen","category-erosion-der-demokratie","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-postdemokratie","tag-crouch-colin","tag-eliten","tag-konjunkturpolitik","tag-marktliberalismus","tag-politikerverdrossenheit","tag-schlanker-staat","tag-schuldenbremse","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23659"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23679,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23659\/revisions\/23679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}