{"id":2374,"date":"2007-05-30T11:41:56","date_gmt":"2007-05-30T09:41:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2374"},"modified":"2016-01-05T11:16:20","modified_gmt":"2016-01-05T10:16:20","slug":"buergerkrieg-oder-krieg-gegen-die-buerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2374","title":{"rendered":"B\u00fcrgerkrieg oder Krieg gegen die B\u00fcrger?"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Steine, Rauchbomben und Randale bei Hamburger Demo!&ldquo; titelte BILD den Bericht &uuml;ber Demonstration anl&auml;sslich des Treffens europ&auml;ischer und asiatischer Au&szlig;enminister im Hamburger Rathaus. Die Bilder mit Rauchbomben, vermummten Steinewerfern, ein Polizisten, der &bdquo;in h&ouml;chster Bedr&auml;ngnis&ldquo; seine Pistole zieht, vermitteln den Eindruck von Chaos und B&uuml;rgerkrieg. Blickt man in die Presseschauen und auf die spektakul&auml;r gew&auml;hlten Fernsehbilder, so bekommt man aus der Ferne den Eindruck, als h&auml;tte es in Hamburg vor allem gewaltt&auml;tige Krawalle gegeben. Aus der Sicht von Demonstranten und zivilen Demonstrationsbeobachtern, die im &bdquo;Wanderkessel&ldquo; eingekesselt waren, ergibt sich ein anderes Bild von Gewaltaus&uuml;bung. Damit Sie das martialische Bild &uuml;ber diese Demonstration auch vom Blickwinkel aus dem Inneren des &bdquo;Kessels&ldquo; beurteilen k&ouml;nnen, wollen wir Ihnen die Demonstrationsbeobachtung des Komitees f&uuml;r Grundrechte und Demokratie nicht vorenthalten. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Komitee f&uuml;r Grundrechte und Demokratie e.V.<\/strong><\/p><p><strong>Bericht &uuml;ber die Demonstrationsbeobachtung am 28. Mai 2007 in Hamburg anl&auml;sslich der Proteste gegen den ASEM-Gipfel<\/strong><\/p><p>Das Komitee f&uuml;r Grundrechte und Demokratie hat die Demonstration aus Anlass des Protestes gegen den ASEM-Gipfel am 28. Mai 2007 in Hamburg mit 11 neutralen BeobachterInnen begleitet. Der folgende Kurzbericht bezieht sich ausschlie&szlig;lich auf die Ereignisse w&auml;hrend der Demonstration bis zu deren Aufl&ouml;sung am R&ouml;dingsmarkt. Er sollte urspr&uuml;nglich auf der gestrigen Pressekonferenz vorgestellt werden. Dies scheiterte jedoch an einem Polizeibeamten, der die VertreterInnen des Komitees daran hinderte, zur Pressekonferenz zu gelangen.<\/p><p><strong>Ergebnisse der Demonstrationsbeobachtung<\/strong><\/p><ol>\n<li>Diese Demonstration wurde bereits in den vergangenen Wochen politisch und polizeilich unter erheblichen Druck gesetzt. Es wurde der Eindruck erweckt, als erwarte man in Hamburg Gewaltt&auml;ter und &ldquo;Terroristen&rdquo;.<br>\nDer gr&ouml;&szlig;te Polizeieinsatz und eine Null-Toleranz-Linie in Hamburg wurden angek&uuml;ndigt. Die gewollte Demonstrationsroute, die so dicht als m&ouml;glich an den Ort der Konferenz heranf&uuml;hren sollte, wurde verboten.<\/li>\n<li>Die massive Polizeipr&auml;senz, insbesondere das mitunter dreireihige, extrem enge Spalier hat das Demonstrationsrecht massiv eingeschr&auml;nkt. Das Anliegen einer Demonstration kann so in keiner Weise angemessen vermittelt werden. Vermittelt wird der &Ouml;ffentlichkeit vielmehr &ndash; bis in die Un-Sichtbarkeit der Demonstration &ndash; eine dicht gestaffelte Polizeipr&auml;senz, durch die das Anliegen der Demonstration selbst wie etwas Verbotenes, Unziemliches erscheint. Die deutlich sichtbaren Beschr&auml;nkungen durch die Polizei, wie zum Beispiel der &ldquo;Wanderkessel&rdquo;, vermittelt der beobachtenden &Ouml;ffentlichkeit den Eindruck, Demonstrieren an sich sei illegitim; keinesfalls jedoch taugt diese Polizeitaktik dazu, das Demonstrieren als ein legitimes und sch&uuml;tzenswertes Handeln zu kommunizieren. Auf diese Weise wird das Grundrecht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung massiv beschnitten.<\/li>\n<li>Dass es trotz dieser massiven Pr&auml;senz der Polizei zu nur wenigen Zwischenf&auml;llen kam, ist vor allem der Disziplin der Demonstrierenden zu verdanken. Sie lie&szlig;en sich  durch die be&auml;ngstigende Repr&auml;sentation des staatlichen Gewaltmonopols und die r&auml;umliche und k&ouml;rperliche Bedr&auml;ngnis durch die Polizei nicht provozieren. Andererseits hat ganz offenkundig die Einsatzleitung der Polizei ebenfalls dazu beigetragen, dass es in einzelnen Situationen, die bei unbedachtem (oder bewusst eskalierendem) Vorgehen h&auml;tten eskalieren k&ouml;nnen, nicht zu einer Zuspitzung und gewaltf&ouml;rmigen Eskalation kam. Die im Vorfeld in der Presse angek&uuml;ndigte &ldquo;niedrigschwellige&rdquo; Polizeitaktik (gemeint war damit von Seiten der Polizeif&uuml;hrung wohl eine niedrige Schwelle bei der Anwendung polizeilicher Gewalt) kam nach der offiziellen Aufl&ouml;sung der Demonstration um so deutlicher zum Einsatz.<\/li>\n<li>Die relativ wenigen Zwischenf&auml;lle w&auml;hrend der Demonstration, in denen wir unangemessenes oder &uuml;berhartes Verhalten der Polizei beobachtet haben, scheinen Einzelf&auml;lle zu sein, denen nachgegangen werden sollte, die aber den beschriebenen Charakter des Ganzen nicht beeintr&auml;chtigen.<\/li>\n<li>Direkt nach der Beendigung der Demonstration durch die Demonstrationsleitung trug die Polizei durch ein der Situation nicht angemessenes Verhalten (nahezu Einkesselung, vermehrtes sehr ruppiges bis vereinzelt auch brutales Vorgehen gegen abziehende Demonstrierende) dazu bei, dass der Abzug der Demonstrierenden nicht z&uuml;gig vonstatten gehen konnte.<\/li>\n<\/ol><p>Zusammengefasst wird deutlich, dass die Einschr&auml;nkung des Demonstrationsrechtes, die wir insbesondere in dem Verbot der beantragten Route, der massiven Polizeipr&auml;senz und den restriktiven Auflagen sehen, offenkundig politischem Kalk&uuml;l entspringt. Dass dieses Kalk&uuml;l nicht gefruchtet hat &ndash; als Beleg daf&uuml;r sehen wir die hohe Teilnehmerzahl und den entschlossenen und disziplinierten Ablauf der Demonstration -, ist ein sch&ouml;ner Erfolg im Kampf zur Verteidigung des Demonstrationsrechts, gerade auch im Hinblick auf die anstehenden Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm. Der Verlauf der Demonstration straft das politische und polizeiliche Vorgehen im Vorfeld L&uuml;gen.<\/p><p>Das macht auch im Nachhinein deutlich, dass beispielsweise das Verbot der beantragten Route sowie die teilweise sehr restriktiven Demonstrationsauflagen das Demonstrations-recht ungerechtfertigt eingeschr&auml;nkt haben.<\/p><p><em>F&uuml;r das Komitee f&uuml;r Grundrechte und Demokratie: Theo Christiansen \/ 29. Mai 2008<\/em><\/p><p><strong>Anmerkung:<\/strong> Mehrere uns vertraute und glaubw&uuml;rdige Beobachter\/innen best&auml;tigen uns, dass dieser Bericht zutrifft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Steine, Rauchbomben und Randale bei Hamburger Demo!&ldquo; titelte BILD den Bericht &uuml;ber Demonstration anl&auml;sslich des Treffens europ&auml;ischer und asiatischer Au&szlig;enminister im Hamburger Rathaus. Die Bilder mit Rauchbomben, vermummten Steinewerfern, ein Polizisten, der &bdquo;in h&ouml;chster Bedr&auml;ngnis&ldquo; seine Pistole zieht, vermitteln den Eindruck von Chaos und B&uuml;rgerkrieg. Blickt man in die Presseschauen und auf die spektakul&auml;r gew&auml;hlten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2374\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[60,41],"tags":[282,1112,421],"class_list":["post-2374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-innere-sicherheit","category-medienanalyse","tag-buergerproteste","tag-buergerrechte","tag-polizei"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2374"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29924,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2374\/revisions\/29924"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}