{"id":2375,"date":"2007-05-30T14:52:19","date_gmt":"2007-05-30T12:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2375"},"modified":"2016-01-05T11:15:07","modified_gmt":"2016-01-05T10:15:07","slug":"nochmals-verdi-mindestlohn-schafft-450-000-jobs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2375","title":{"rendered":"Nochmals: Ver.di: Mindestlohn schafft 450 000 Jobs"},"content":{"rendered":"<p>Am 29. Mai haben wir unter der <a href=\"?p=2367\">Ziffer 12 unserer Hinweise<\/a> auf eine Studie von Klaus Bartsch hingewiesen, in der dieser durchgerechnet hat, dass die Einf&uuml;hrung des Mindestlohns die Binnennachfrage sp&uuml;rbar anregen und dadurch mehrere Hunderttausend neue Jobs schaffen k&ouml;nnte.<br>\nWir haben angesichts z.B. einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt, zu dem Gutachten im Auftrag von ver.di sicher sehr oberfl&auml;chlich angemerkt, dass wir von solchen Studien generell nicht viel halten. Wir sind mit diesem Urteil Klaus Bartsch vor allem im Vergleich zu anderen Studien zu diesem Thema nicht gerecht geworden. Wir m&ouml;chten deshalb gerne die Stellungnahme von Klaus Bartsch unseren Leserinnen und Lesern zur Kenntnis geben.<br>\n<!--more--><br>\nSehr geehrter Albrecht M&uuml;ller, sehr geehrter Wolfgang Lieb<\/p><p>&ldquo;Wir halten zwar von solchen Berechnungen genauso wenig, wie etwa von Berechnungen des IW, dass der Mindestlohn hundertausende von Arbeitspl&auml;tzen koste.<br>\nDennoch ist es hilfreich, dass mit einer Gegenstudie argumentiert werden kann.&rdquo;<\/p><p>Man darf sich selbstverst&auml;ndlich den Luxus leisten, von &ldquo;solchen Berechnungen&rdquo; grunds&auml;tzlich nicht viel halten, ohne sich mit den doch sehr unterschiedlichen Fundierungen dieser &ldquo;Berechnungen&rdquo; auseinanderzusetzen.<\/p><p>Ragnitz\/Thum (IFO\/IWH, Welt-Online, Studie steht beim IWH im Netz und ist ein sch&ouml;nes Beispiel f&uuml;r das Niveau, welches die Mainstream-&Ouml;konomik in Deutschland mittlerweile &ldquo;erreicht&rdquo; hat)  oder Lesch vom IW  gehen regelm&auml;&szlig;ig von irgendwelchen relativ willk&uuml;rlich gesetzten, hohen und negativen  Lohnelastizit&auml;ten der Besch&auml;ftigung aus, die dann wie gew&uuml;nscht zu den von den Auftraggebern erwarteten negativen Besch&auml;ftigungseffekten f&uuml;hren.<\/p><p>Ich habe mir immerhin die M&uuml;he gemacht, die relevante Empirie aus OECD-Mindestlohnl&auml;ndern auszuwerten und meine Mikroannahmen daraus abgeleitet zu fundieren.  Diese Annahmen wurden dann in mein makro&ouml;konometrisches Modell LAPROSIM   eingespeist, welches im Unterschied zu den wenigen am Markt befindlichen makro&ouml;konometruischen Modellen vor allem auch die Verteilungsabh&auml;ngigkeit des Privaten Konsums ber&uuml;cksichtigt &ndash; that makes the (crucial) difference.        <\/p><p>Bereits Pioniere des &ouml;konometrischen Modellbaus wie L.R. Klein haben in der Fr&uuml;hzeit Anfang der 50er Jahre  mit einfachen verteilungsabh&auml;ngigen Konsumspezifikationen gearbeitet:<\/p><p>C=F (Wages, Profits, Transfers), wobei sich f&uuml;r die Hierarchie der gesch&auml;tzten partiellen marginalen Konsumquoten f&uuml;r die funktionalen Einkommenskategorien  im Regelfall ergibt:<\/p><p>m(T)&gt;m(W)&gt;m(P)<\/p><p>Dies bei &ldquo;marktg&auml;ngigen&rdquo; Modellen schon lange nicht mehr &ldquo;&uuml;blich&rdquo;, dort herrscht der Spezifikationstyp:<\/p><p>C=F (Disposable Income Households) <\/p><p>(Etwa: Gemeinschaftsdiagnosemodell des RWI, NIGEM-Modell des britischen NIESR, PROGNOS-Modell) <\/p><p>Warum wohl? Weil in diesen Modellen etwa die Effekte von Umverteilungen zugunsten von Lohn- und Transfereinkommensbeziehern  &ldquo;verschwinden&rdquo;. Diese Modell unterschlagen den de facto vorhandenen &ldquo;Ersparnistrichter&rdquo;, ein &euro; mehr f&uuml;r den Arbeitslosen hat dort den gleichen Effekt wie  ein &euro;  mehr f&uuml;r Herrn Ackermann.  Da die methodische Grundlegung der Entstehung der Ergebnisse solcher Modelle oft nicht hinterfragt wird (&ldquo;Black-Box&rdquo;, nur wenige Spezialisten dr&ouml;seln solche Modelle auf), eignen sie sich daher gut zur Untermauerung der Mainstream-Propaganda.<br>\nAuch ich w&auml;re jederzeit, und sei es zu Demonstrationszwecken, in der Lage, mein auf der Basis von empirischen Daten f&uuml;r einen St&uuml;tzzeitraum von mehr als 30 Jahren gesch&auml;tztes Modell auf ein &ldquo;mainstreamkompatibles&rdquo; und damit einerseits &ldquo;realit&auml;tsferneres&rdquo;,  andererseits f&uuml;r mich zu gewissen Zeiten m&ouml;glicherweise finanziell lukrativeres Niveau zur&uuml;ckzubauen. Aber zum Teufel nochmal!<\/p><p>Halten Sie von makro&ouml;konomischen Berechnungen gerne weiterhin wenig, in den meisten F&auml;llen werden Sie mit dieser Haltung auch nicht fehlgehen.<br>\nAber pr&uuml;fen Sie doch, ob es wirklich gerechtfertigt ist, mich qualitativ in einen Topf mit Thum\/Ragnitz und Co. zu stecken, wie es ansonsten nur der FAZ-Ableger &ldquo;M&auml;rkische Allgemeine&rdquo; getan hat  &ndash; weder dieses noch das, was Ragnitz\/Thum vermutlich f&uuml;r ihre &ldquo;Studie&rdquo; erhalten habe, habe ich verdient.<\/p><p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nKlaus Bartsch<\/p><p><strong>Anmerkung:<\/strong> Wir leisten bei Klaus Bartsch ausdr&uuml;cklich Abbitte. Es war falsch seine Studie in einen Topf mit den von uns kritisierten Studien zu stecken.<br>\nDass wir diese Studie f&uuml;r die wirtschaftspolitische Auseinandersetzung &auml;u&szlig;erst wichtig halten, haben wir schon angemerkt und unterstreichen dies noch einmal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 29. Mai haben wir unter der <a href=\"?p=2367\">Ziffer 12 unserer Hinweise<\/a> auf eine Studie von Klaus Bartsch hingewiesen, in der dieser durchgerechnet hat, dass die Einf&uuml;hrung des Mindestlohns die Binnennachfrage sp&uuml;rbar anregen und dadurch mehrere Hunderttausend neue Jobs schaffen k&ouml;nnte.<br \/> Wir haben angesichts z.B. einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft, die zu einem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2375\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,13,30],"tags":[290,550,317],"class_list":["post-2375","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-binnennachfrage","tag-iw","tag-mindestlohn"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2375","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2375"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2375\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29923,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2375\/revisions\/29923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2375"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2375"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2375"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}