{"id":23767,"date":"2014-10-30T09:28:28","date_gmt":"2014-10-30T08:28:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23767"},"modified":"2014-10-30T16:40:19","modified_gmt":"2014-10-30T15:40:19","slug":"zur-strategie-der-umorientierung-vom-ende-des-ost-west-konfliktes-hin-zur-neubelebung-meinungsmache-von-karsten-voigt-und-nato-stoltenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23767","title":{"rendered":"Zur Strategie der Umorientierung vom Ende des Ost-West-Konfliktes hin zur Neubelebung: Meinungsmache von Karsten Voigt und Nato-Stoltenberg"},"content":{"rendered":"<p>Karsten Voigt (SPD) war bis 2010 Koordinator der Bundesregierung f&uuml;r die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Er unternimmt und verst&auml;rkt in einem Beitrag f&uuml;r IPG (Internationale Politik und Gesellschaft) vom 28. Oktober den Versuch, die Abkehr der SPD von ihrer fr&uuml;heren friedenspolitischen Linie und hin zur Unterst&uuml;tzung der neuen Konfrontation mit Russland zu begr&uuml;nden. Auf dieses Dokument wird in Abschnitt A. hingewiesen. In Abschnitt B wird eine Wertung des Handelsblatts zu einer Grundsatzrede des neuen Generalsekret&auml;rs der NATO zitiert. In Abschnitt C folgt mein Kommentar und meine Bewertung der Vorg&auml;nge. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol class=\"abc\">\n<li><strong>Ersch&uuml;ttertes Vertrauen<\/strong><br>\n<strong>Wir stehen in einer neuen Phase sozialdemokratischer Ostpolitik.<\/strong>\n<p><em>Von Karsten Voigt<\/em><\/p>\n<p>Das Ziel sozialdemokratischer Ostpolitik bleibt eine gesamteurop&auml;ische Friedensordnung unter Einschluss Russlands. Seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes haben sich Sozialdemokraten daf&uuml;r eingesetzt, dieses Ziel durch Angebote der Kooperation mit Russland voranzutreiben &ndash; &uuml;ber mehr als ein Jahrzehnt hinweg mit gro&szlig;em Erfolg.<br>\nDoch in den vergangenen Jahren haben sich in der russischen Politik negative Entwicklungen verst&auml;rkt. Die Annexion der Krim und die Konflikte in der Ost-Ukraine machen deshalb eine neue Bewertung der russischen Politik erforderlich. Wenn Russland seine Haltung gegen&uuml;ber dem Westen neu definiert, dann hat das Konsequenzen f&uuml;r unsere Politik. Deshalb stehen wir am Beginn einer neuen Phase der sozialdemokratischen Ostpolitik.<br>\n&hellip;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/141029_karsten_voigt_in_ipg_zu_russland_spd.pdf\">IPG [PDF &ndash; 102 KB]<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Nato-Chef versch&auml;rft den Ton Richtung Moskau<\/strong>\n<p>29.10.2014, 08:16 Uhr<\/p>\n<p>Russland torpediere Frieden und Demokratie, kritisiert die Nato. In der Ukraine beansprucht derweil die prowestliche Volksfront die F&uuml;hrung der neuen Koalition, w&auml;hrend die Separatisten planen, eigene Wahlen abzuhalten.<br>\n&hellip;<br>\nBr&uuml;ssel\/Kiew. Der neue Nato-Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg versch&auml;rft im Konflikt mit Russland den Ton. Zwei Tage nach der Parlamentswahl in der Ukraine warf er Russlands Pr&auml;sidenten Wladimir Putin am Dienstag eine Torpedierung von Demokratie und Frieden im Osten Europas vor.<br>\n&bdquo;Russland versucht, die Fortschritte r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen, die wir durch gemeinsame Anstrengung erzielt haben&ldquo;, sagte Stoltenberg in einer Grundsatzrede in Br&uuml;ssel. Er bedauere sehr, dass viele Ukrainer ihr Wahlrecht nicht aus&uuml;ben konnten &ndash; sowohl auf der von Russland annektierten Krim, als auch in der Ostukraine, wo Russland weiter die Separatisten unterst&uuml;tze.<br>\nIn einem ZDF-Interview sagte Stoltenberg zur aktuellen Situation in der Ukraine, er bedauere sehr, dass Russlands Verhalten eine kooperative Beziehung unm&ouml;glich mache.<br>\n&bdquo;Was wir erlebt haben, ist, dass Russland internationales Recht und Absprachen verletzt, dass es Grenzen in Europa mit Gewalt verschoben hat, und dass es die Kooperation, die wir versucht haben in den letzten zwanzig Jahren seit dem Ende des Kalten Krieges aufzubauen, einfach so zunichtemacht&ldquo;, sagte er.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/jens-stoltenberg-nato-chef-verschaerft-den-ton-richtung-moskau-\/v_detail_tab_print\/10903410.html\">Handelsblatt<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Kommentar zu beiden Texten:<\/strong><br>\nDie beiden Texte sind interessant, weil sie die Strategie des Westens im Neuaufbau der Konfrontation mit Russland sichtbar machen. Die neue Konfrontation wird den Russen in die Schuhe geschoben. Alles was vorher war, zum Beispiel die Ausdehnung der NATO und der Bruch vieler Versprechen zum Ende des Konfliktes zwischen Ost und West genauso wie der Staatsstreich in der Ukraine wird weggelassen. Die Schuld an der neuen Konfrontation wird elegant den Russen zugeschoben.\n<p>Kein Wort zu der Destabilisierungspolitik der USA, kein Wort zu der Problematik der uni-polaren Welt unter F&uuml;hrung der USA. Kein Wort zu Brzezinskis weltpolitischen Gedankenspielen. Kein Wort zur Minderung der Wertsch&auml;tzung f&uuml;r die UNO und zu ihrer Missachtung bei milit&auml;rischen Eins&auml;tzen der westlichen Staaten. Kein Wort zur &bdquo;Erfolglosigkeit&ldquo; der vielen milit&auml;rischen Interventionen und zu den zerst&ouml;rerischen Folgen.<\/p>\n<p>Karsten Voigt versucht, &auml;hnlich wie sein Parteifreund Gernot Erler, die Abwendung der Sozialdemokratie vom Konzept der gemeinsamen Sicherheit den Ver&auml;nderungen in Russland in die Schuhe zu schieben. Es ist vor allem Putin, mit dem man anders als mit Jelzin gemeinsame Werte nicht teilen kann. Die Zeit von Jelzin muss gro&szlig;artig gewesen sein f&uuml;r den Westen, so gewinnt man den Eindruck, und Sozialdemokraten machen sich damit zu den B&uuml;tteln der Ausbeutung Russlands, die Jelzin leicht gemacht hatte.<\/p>\n<p>Dem Norweger Stoltenberg wurde einige Zeit vor seiner Installierung in manchen deutschen Medien das Image eines unabh&auml;ngigen und f&uuml;r die Partnerschaft mit Russland offenen Generalsekret&auml;rs der NATO verordnet. Ich war damals schon skeptisch. Nachtigall, ik h&ouml;r Dir trapsen, dachte ich. Jetzt muss man erkennen, dass dies eine beabsichtigte Pr&auml;gung des Images von Stoltenberg war, um seine Angriffe gegen eine Partnerschaft zwischen Ost und West umso glaubw&uuml;rdiger erscheinen zu lassen. <\/p>\n<p>Clever sind diese Leute und sie denken auch in langfristig angelegten Strategien der Meinungsmache.<\/p>\n<p>Karsten Voigt habe ich schon in Zeiten der gemeinsamen Zugeh&ouml;rigkeit zur SPD-Bundestagsfraktion in entscheidenden Phasen der Politik, als es n&auml;mlich 1990 ff. um ein bisschen mehr Souver&auml;nit&auml;t unseres Landes und vor allem um weniger Belastung durch die Anwesenheit und die &Uuml;bungen fremder Streitkr&auml;fte ging, als Einflussagent der USA erlebt. Das ist er wohl geblieben. Daf&uuml;r spricht auch die Tatsache, dass er von 1999&ndash;2010 Koordinator der Bundesregierung f&uuml;r deutsch-amerikanische Zusammenarbeit war &ndash; f&uuml;r einen ehemals linken Juso-Vorsitzenden ist dies eine ungew&ouml;hnliche Position [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]. N&auml;heres auch zu den Verflechtungen dieser Person mit den einschl&auml;gigen Einrichtungen siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karsten_Voigt_(Politiker)\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Damit keine Missverst&auml;ndnisse entstehen: mit Einflussagenten-T&auml;tigkeit meine ich die Tatsache, dass man bei der entsprechenden Person davon ausgehen kann, dass sie im Zweifel immer die Interessen anderer vertritt, im konkreten Fall der USA, der NATO und des Westens.<\/p>\n<p>Karsten Voigt hat &uuml;brigens die typische Karriere auffallend vieler &bdquo;erfolgreichen&ldquo; Sozialdemokraten gemacht: von links unten nach rechts oben. Im Dezember 1969 wurde er zum ersten linken Juso Vorsitzenden gew&auml;hlt. Ich erinnere mich noch gut an diesen Kongress in M&uuml;nchen und die dort beschlossenen Papiere, weil ich diese dann im Auftrag von Willy Brandt und Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Hans-J&uuml;rgen Wischnewski f&uuml;r den Parteivorstand der SPD zu kommentieren hatte. Das klang alles ganz links und war im typischen von Marx entlehnten Jargon gehalten. Das ist alles weit her und solche Leute kann man sehr gut gebrauchen, wenn man die SPD jetzt auf eine neue Ostpolitik festlegen will. Die &Uuml;berschrift des Textes von Karsten VoIgt &bdquo;Ersch&uuml;ttertes Vertrauen. Wir stehen in einer neuen Phase sozialdemokratischer Ostpolitik&ldquo; ist dann die passende Wegmarke. &ndash; Wendeh&auml;lse &uuml;berall.<\/p><\/li>\n<\/ol><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] In einer vorherigen Version dieses Textes hie&szlig; es, Voigt sei in einer Zeit Koordinator der Bundesregierung f&uuml;r deutsch-amerikanische Zusammenarbeit gewesen, in der die SPD nicht in der Regierung beteiligt war. Dies ist nat&uuml;rlich ein Fehler, den wir zu entschuldigen haben.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karsten Voigt (SPD) war bis 2010 Koordinator der Bundesregierung f&uuml;r die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Er unternimmt und verst&auml;rkt in einem Beitrag f&uuml;r IPG (Internationale Politik und Gesellschaft) vom 28. 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Auf dieses Dokument wird<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23767\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,181,11],"tags":[466,397,259,1213,1231],"class_list":["post-23767","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-europapolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-nato","tag-ostpolitik","tag-russland","tag-stoltenberg-jens","tag-voigt-karsten"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23767"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23767\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23781,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23767\/revisions\/23781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}