{"id":2386,"date":"2007-06-04T09:15:33","date_gmt":"2007-06-04T07:15:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2386"},"modified":"2016-01-05T11:03:20","modified_gmt":"2016-01-05T10:03:20","slug":"audiatur-et-altera-pars-oder-wer-nur-noch-gewalt-sieht-gibt-die-demonstrationsfreiheit-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2386","title":{"rendered":"Audiatur et altera pars! Oder: Wer nur noch Gewalt sieht, gibt die Demonstrationsfreiheit auf"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die G 8-Schlacht&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/startseite\/nachrichten.html\">titelt BILD<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/06\/03\/g8-schlacht\/proteste-rostock.html\">bietet<\/a> wie auch <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,486256,00.html\">Spiegel Online<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/schlagzeilen\">Focus Online<\/a> Frontberichterstattung per Newsticker. Bei der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/g8\/#JL_blog_55\">&bdquo;jungen Welt&ldquo;<\/a> kommt in einer Chronologie die andere Seite zu Wort.<br>\nGewaltfetischisten und Gewalt polizeilicher Repression und die &bdquo;Kriegsberichterstattung&ldquo; dar&uuml;ber sollen uns mit aller Brutalit&auml;t beweisen: Nur diese Welt ist m&ouml;glich!<br>\nDie Zehntausende, die friedlich daf&uuml;r demonstriert haben, dass auch eine andere Welt m&ouml;glich sein soll, werden in die Rolle von naiven Biederm&auml;nnern abgedr&auml;ngt, die den <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/standards\/kommentar\/2007\/06\/03\/bams-kommentar.html\">Brandstiftern die B&uuml;hne zimmern<\/a>. Die Demonstrationsfreiheit und der friedliche Protest gegen eine falsche Globalisierung werden zwischen Gewalt und Gegengewalt zerrieben. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nSchaut man in die Agenturmeldungen oder ruft man die News der Suchmaschinen auf, dann wird &uuml;ber die friedliche Demonstration von Zehntausenden kaum berichtet, im Mittelpunkt der Berichterstattung steht fast ausschlie&szlig;lich die Randale der angeblich linken, aber h&auml;ufig wohl auch rechten Hooligans, die einen sinn- und aussichtslosen Stra&szlig;enkampf mit der bewaffneten Macht f&uuml;hren wollen. <\/p><p>Wenn man so einseitig &uuml;ber die &uuml;blichen Krawalle bei Fu&szlig;ballspielen berichten w&uuml;rde, dann k&auml;me das Fu&szlig;ballspiel in der Berichterstattung allenfalls noch am Rande vor. Auch das Sommerm&auml;rchen der Fu&szlig;ball-WM h&auml;tte man zu einer Gruselgeschichte umschreiben k&ouml;nnen, wenn die Ausschreitungen etwa in Dortmund, Stuttgart oder Frankfurt in der Berichterstattung derart ein&auml;ugig in den Vordergrund gestellt worden w&auml;ren.<\/p><p>Jetzt macht man die Kritiker des G8-Treffens f&uuml;r das schlechte Bild verantwortlich, das Deutschland in der Welt abliefere (So der <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/standards\/kommentar\/2007\/06\/03\/bams-kommentar.html\">Chefredakteur der BamS<\/a>). Dabei gibt es genug Bilder, die dokumentieren, dass Deutschland (noch) ein Land ist, in dem mit Witz und Geist gegen eine falsche Globalisierung demonstriert werden kann.<\/p><p>Es ist schon denkw&uuml;rdig, dass genau zum 2. Juni, dem vierzigsten Jahrestag, an dem am Rande einer Demonstration in Berlin Benno Ohnesorg durch den Schuss eines Polizisten get&ouml;tet wurde, wieder eine Stimmung angestachelt wird, die den Demonstranten eine Kollektivschuld an den Gewaltausschreitungen zuzuweisen versucht. Damals hetzten vor allem die Springerzeitungen auf. Man muss aus der Berichterstattung der Leitmedien &uuml;ber das zur&uuml;ckliegende Wochenende leider den Eindruck gewinnen, dass die Schwarz-Wei&szlig;-Malerei in den meisten Medien wieder das (damalige) Springer-Niveau erreicht hat.<\/p><p>Da wird ein Zitat aus einer Rede des Soziologieprofessors Walden Bello, den Irak-Krieg &bdquo;right into this meeting&ldquo; zu bringen, zur Nachrichtenagentur-Schlagzeile &ldquo;Wir m&uuml;ssen den Krieg in diese Demo tragen&rdquo;, und in vielen Medien wird das ungepr&uuml;ft zitiert.<br>\n(Bei aller Kritik an der Berichterstattung von Spiegel Online soll nicht unerw&auml;hnt bleiben, dass die Redaktion bedauert, die fehlerhafte &Uuml;bersetzung von dpa &uuml;bernommen zu haben. Attac zitiert Bello folgenderma&szlig;en: &ldquo;Today, we do not marginalize the issue of war [&hellip;], but make it central to our demands. We say, the US and Britain must withdraw from Iraq immediately.&rdquo;)<\/p><p>Da werden Bilderserien verbreitet, die Rostock im B&uuml;rgerkrieg zeigen, aber kaum eine Zeile wird &uuml;ber die Inhalte der Reden auf den verschiedenen Veranstaltungen oder &uuml;ber die Ziele der vielf&auml;ltigen Gruppen von Demonstrationsteilnehmern verloren.<\/p><p>Die eindeutige Distanzierung von den Gewaltausschreitungen durch die Demonstrationsleiter wird in vielen Zeitungsberichten &ndash; mindestens unterschwellig &ndash; ins L&auml;cherliche gezogen (&bdquo;T`schuldigung&ldquo; titelt sogar die <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/top_news\/?sid=4ebf2ae4358a8f4dc531887047d4cb81&amp;em_cnt=1148221\">Frankfurter Rundschau<\/a>). Der bayerische Innenminister Beckstein verlangt von Attac, dass die Organisatoren die Gewaltt&auml;ter anzeigten: &bdquo;Wer das nicht tut tr&auml;gt moralische Mitschuld an den Gewalttaten&ldquo;. Der k&uuml;nftige bayerische Ministerpr&auml;sident will also die friedlichen Demonstranten zu Hilfspolizisten machen, als ob diese eher in der Lage w&auml;ren, Gewaltt&auml;ter dingfest zu machen, als tausende Polizisten, die das selbst mit ihrer geballten Macht offenbar nicht schaffen.<\/p><p>Damit kein Missverst&auml;ndnis aufkommen kann: Wir halten die Steine- und Molotowcocktailwerfer f&uuml;r Schwachsinnige. Wenn sie &uuml;berhaupt eine politische Absicht haben, dann die, dass sich die Sicherheitsparanoia weiter ausbreitet. Sie sind Handlanger derjenigen Politiker, die den &Uuml;berwachungs- und Polizeistaat noch weiter zu Lasten der Freiheitsrechte vorantreiben wollen. Die Gewalt der Schwachsinnigen schafft nur noch mehr Staatsgewalt. Und die Gewaltt&auml;ter tun alles daf&uuml;r, dass &uuml;ber die Ziele der Demonstration nicht mehr geredet wird.<\/p><p>Wir halten jedoch die Verengung der medialen Wahrnehmung der Protestbewegung auf die gewaltt&auml;tigen Auseinandersetzungen und die damit verbundene Schuldzuweisung &ndash; nach der Art &bdquo;Da k&ouml;nnt ihr sehen, wo solche Demonstrationen enden&ldquo; &ndash; f&uuml;r eine Bedrohung der Demonstrationsfreiheit insgesamt.<br>\nJournalisten sollten doch wissen, dass, wo die Demonstrationsfreiheit, also die kollektive Meinungs&auml;u&szlig;erungsfreiheit der B&uuml;rger, bedroht ist, die Bedrohung der Pressefreiheit nicht weit entfernt ist. <\/p><p>Ich sp&uuml;re doch selbst beim Schreiben dieses Beitrags, wie schwer es mir f&auml;llt, meine Kritik an dem Sicherheitswahn, der sich an Heiligendamm geradezu symbolisch festmachen l&auml;sst, und meine Verteidigung des Demonstrationsrechts gegen das G 8-Treffen angesichts der Gewaltbilder von Rostock noch offensiv zu vertreten.<br>\nEs ist eben wie beim Krieg: Wo erst einmal Gewalt herrscht, haben die kritische Vernunft, der rationale Diskurs und die n&uuml;chterne Abw&auml;gung der Argumente verloren.<\/p><p>Die NachDenkSeiten wollen trotzdem versuchen dieser Niederlage zu entgehen. Wir waren zwar nicht in Rostock; um Ihnen aber dennoch ein umfassenderes Bild von der dortigen Demonstration zu geben, m&ouml;chten wir einige Berichte von NachDenkSeiten-Leserinnen und Lesern wiedergeben, die uns seit langem mit ihren Hinweisen und Informationen begleiten: <\/p><blockquote><p>Wie Ihnen nicht unbekannt ist, sind Darstellungen in den so genannten b&uuml;rgerlichen Medien mit Vorsicht zu genie&szlig;en.<\/p>\n<p>Gestern nahm ich an der Demonstration in der Geisterstadt Rostock teil. Au&szlig;er Teilnehmern und Polizisten waren nur vereinzelte Anwohner in Fenstern sichtbar, wenige s&auml;umten den Weg. Allein der Demonstrationszug, der vom Bahnhof aus zum Hafen ging, wurde von mehr als 30.000 Teilnehmern gebildet. So viel zum SPON-Artikel: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,486258,00.html\">Stell Dir vor, es ist Demo &ndash; und kaum einer geht hin.<\/a> Am Bahnhof fanden &uuml;brigens keine der sonst bei jeder Kleinstdemo &uuml;blichen Kontrollen von Rucks&auml;cken usw. statt. Sp&auml;ter zeigte sich auch, dass dies mit zur Strategie geh&ouml;rte. Entweder ist die Demo-Leitung naiv oder berechnend, denn die Aufstellung des Zuges funktionierte nach dem, wie ich es nennen w&uuml;rde, Aschenputtel-Prinzip: vorne die `Guten`, nach Zugeh&ouml;rigkeit geordnet, hinten die `B&ouml;sen?, so dass Die Gr&uuml;nen, attac, DiDF, Die Linke, FAU, DKP etc. h&uuml;bsch voneinander zu unterscheiden waren, auch f&uuml;r die Polizisten, die den Zug von Br&uuml;cken und Erh&ouml;hungen und aus den zwei Hubschraubern heraus beobachteten.<\/p>\n<p>Der Marsch verlief friedlich, obwohl die Polizei sich an markanten Stellen dekorativ stark und kampfbereit zeigte.<br>\nAm Kundgebungsort, dem Hafen angekommen, &ndash; die\/ Guten \/waren schon auf dem Platz vor der B&uuml;hne, also in Sicherheit &ndash; kam es zum Zwischenfall, den ich aus meiner Perspektive schildern m&ouml;chte.<\/p>\n<p>Ein Demo-Truck, der uns entgegenkam, wollte auf der parallel zum Platz verlaufenden Zugangsstra&szlig;e, auf der wir uns befanden, das Gel&auml;nde verlassen, und ihm kam ein mit uns ankommender Lastwagen entgegen. Da die Stra&szlig;e zu eng war, sollte dieser von einem Ordner gesichert zur&uuml;cksetzen. Um nicht im Weg zu stehen, gingen mein Begleiter und ich am linken Stra&szlig;enrand weiter und der LKW setzte sich r&uuml;ckw&auml;rts in Bewegung; der zweite LKW wartete vor einer abbiegenden Stra&szlig;e, die wir nicht einsehen konnten.<\/p>\n<p>Neben uns befand sich ein Gr&uuml;nstreifen, der mit mittelhohen B&auml;umen und Str&auml;uchern bewachsen ist. Pl&ouml;tzlich sah ich neben dem wartenden Truck Menschen in unsere Richtung rennen. Auf uns kam ein Paar mit Kinderwagen zugerannt; der Mann hatte das Baby im Arm. Es flogen Steine und Werfer und Polizei st&uuml;rmten heran. Wir halfen der Familie, den Kinderwagen vor die B&uuml;sche zu quetschen; das Baby wurde hingelegt, und wir stellten uns mit dem Gesicht dem Geschehen zugewandt eingehakt um den Wagen, um das Kind zu sch&uuml;tzen. Ein Laternenpfahl half uns notd&uuml;rftig dabei. Die Hundertschaft verschwand hinter dem Gr&uuml;nstreifen, die Steinewerfer blieben auf der Strasse. In einer Feuerpause fl&uuml;chtete das Paar mit ihrem Kinderwagen entlang des Gr&uuml;nstreifens Richtung Innenstadt. Mein Begleiter und ich standen zwischen Werfern und Polizei; wir wollten sobald als m&ouml;glich die Strasse &uuml;berqueren, um zu unseren Freunden zu kommen. Ich versuchte durch Rufen die Werfer zum Aufh&ouml;ren zu bewegen. <\/p>\n<p>Die Polizisten, das konnte ich erst jetzt wahrnehmen, nachdem die Familie au&szlig;er Gefahr war, stand in drei Reihen vor den sich hinter dem Gr&uuml;nstreifen befindlichen H&auml;usern und r&uuml;hrte sich nicht! Die Steine flogen im hohen Bogen &uuml;ber unsere K&ouml;pfe hinweg und ich musste &uuml;ber unsere Lage pl&ouml;tzlich f&uuml;rchterlich lachen, aber auch meine Verletzlichkeit, so ganz ohne Helm und Schutz wurde mir bewusst. Als die Werfer nachladen wollten, versuchte ich einen handgreiflich daran zu hindern. Dabei war etwas sehr seltsam: der junge Mann war so jung nicht, er grinste, sch&uuml;ttelte mich locker ab und es fehlte jedes Anzeichen auf eine Adrenalinaussch&uuml;ttung, also Aggression. In dem Moment h&ouml;rte ich das Rufen anderer Augenzeugen: &bdquo;Haut doch ab! Ihr geh&ouml;rt doch zu denen. Habt ihr wenigstens die Preisschilder aus euren neuen Klamotten gemacht.&ldquo; usw., und ein paar j&uuml;ngere M&auml;nner wurden beschimpft, dass sie sich zum Mitwerfen hatten verleiten lassen. Interessanterweise war kein einziger Polizist in der N&auml;he und die geschulten Werfer tummelten sich in aller Gem&uuml;tsruhe in Richtung abbiegender Strasse.<br>\nIch musste an einen anderen Bericht denken, der aber seltsamerweise im Netz nicht mehr zu finden ist. Er behandelte das Thema &ldquo;Steinewerfer in Uniform&rdquo; und das Training der Polizei in Alt Spenrath. <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/public\/article\/regional\/niederrheinsued\/korschenbroich\/nachrichten\/korschenbroich\/437025\">Hier ist das Training ebenfalls beschrieben.<\/a><\/p><\/blockquote><blockquote><p>Hier mein Leserbrief an SpiegelOnline, weil ich als Mitdemonstrant und sozusagen &bdquo;Augenzeuge&ldquo; doch eine ganz andere Sicht auf die Gewalteskalation hatte:<\/p>\n<p>&ldquo;&Uuml;ber allem schwebt der Geist des Guten, w&auml;hrend drunten die V&ouml;lker h&auml;sslich aufeinander schlagen&rdquo;<\/p>\n<p>Ein Aufh&auml;nger macht noch keinen gelungenen Kommentar &ndash; erst recht nicht, wenn er so falsch wie populistisch ist (um nicht zu sagen: unterstes BILD-Niveau).<br>\nIn Rostock (waren Sie eigentlich da?) versammelten sich zig-tausende Menschen &ndash; &ldquo;die V&ouml;lker&rdquo;, wie Sie sie nennen &ndash; friedlich vereint, um ihren Protest gegen menschenverachtende, Partikularinteressen bedienende Politik an die &Ouml;ffentlichkeit zu tragen.<br>\nDie &ldquo;V&ouml;lker&rdquo; lie&szlig;en sich durch Razzien, Stigmatisierungen, massivstem Polizeiaufgebot nicht einsch&uuml;chtern, obwohl gerade letzteres extrem einsch&uuml;chternd war und die Stimmung geradezu vergiftete.<br>\nDie Eskalation war von beiden Seiten gewollt &ndash; von den Autonomen wie von den Einsatz-\/Sicherheitskr&auml;ften. Letztere sind f&uuml;r den Schutz ALLER B&uuml;rger da; es war aber nur zu offensichtlich, dass die Besch&uuml;tzung friedlicher Demonstranten und des Protests in den Pl&auml;nen der Polizei eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat.<br>\nIch konnte mit eigenen Augen beobachten: Polizeipr&auml;senz &uuml;berall von Anfang an! Man wurde nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen; pl&ouml;tzlich waren inmitten des Protestzuges mehrere vermummte, offensichtlich Gewalt aus&uuml;bende (nicht nur -bereite!) Steinewerfer &ndash; aber minutenlang war weit und breit kein Polizist zu sehen. Die Eskalation war gewollt und sie wurde zugelassen &ndash; um sie dann umso h&auml;rter niederzuschlagen!<br>\nDas Alles soll aber vor allem vergessen machen, dass trotz allem zig-tausende Menschen friedlich protestierten.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Hier ein Bericht, wie ich die Situation wahrgenommen habe.<\/p>\n<p>Mit einer Gruppe aus Niedersachen hatten wir uns am Samstag aufgemacht, an der Demonstration in Rostock teilzunehmen. Die Hinfahrt verlief ohne Probleme. Vor Rostock h&auml;uften sich die Busse der anreisenden Demonstranten und die der Polizeifahrzeuge. Auf einem Parkplatz vor Rostock, wo sowohl Polizei und Demonstranten rasteten gab es keine Probleme.<br>\nGegen Mittag erreichten wir Rostock. Ohne Staus und ohne gro&szlig;es Warten erreichte unser Bus die Hamburger Strasse. Anhand der Busnummern, die vergeben wurden, waren es dort ca. 200 Busse, mit denen die Demonstranten angereist waren. <\/p>\n<p>Zwei Auftaktkundgebungen fanden statt. Eine an der Hamburger Stra&szlig;e, eine am Bahnhof. Die Abschlusskundgebung sollte am Stadthafen stattfinden. Von der Auftaktkundgebung machten wir uns gegen 14:00 auf in Richtung Stadthafen, wo die Abschlusskundgebung abgehalten werden sollte. <\/p>\n<p>Beim Start der Demo waren ca. 35 Polizisten, davon etwa 6 vom Konfliktteam am Rande der ersten Linie des Demonstrationszuges aufgestellt. Etwa 15 weitere hatten auf der benachbarten Wiese Position bezogen. Also eine absolut entspannte Situation. <\/p>\n<p>Der Abmarsch des Demonstrationszuges von der Hamburger Strasse verlief friedlich und ohne Probleme. Die Polizei hielt sich im Hintergrund und die Stimmung war ausgelassen und fr&ouml;hlich. Bunt verkleidete Demonstranten, viele Transparente, Trommler, Musik und Infos von den Protestwagen schienen die besten Vorraussetzungen zu sein, eine friedliche, aber dennoch Aufmerksamkeit erregende Kundgebung durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Ohne Zwischenf&auml;lle erreichte die Demonstration das Warnowufer, als aus einer Seitenstra&szlig;e von rechts eine Gruppe von 50 Polizisten anr&uuml;ckte. W&auml;hrend die Spitze unseres Zuges anscheinend bereits den Ort der Abschlusskundgebung am Stadthafen erreicht hatte, gab es auf der anderen Seite zwischen dem zweiten Demonstrationszug vom Hauptbahnhof und der Polizei Probleme. Als wir den Platz der Abschlusskundgebung erreicht hatten, war die Polizei schon im Einsatz. W&auml;hrend der Raum vor der B&uuml;hne ruhig war, gab es auf der anderen Seite am Aufgang zu Innenstadt Krawalle (konnte man nur von weitem vermuten).<\/p>\n<p>Von unserer Seite aus konnte man nur den Ab- und Anmarsch der Polizeieinheiten beobachten und dass zwei oder drei Demonstranten abgef&uuml;hrt wurden.<br>\nDa allem Anschein nach der Demonstrationszug vom Bahnhof auf der gegen&uuml;berliegenden Seite steckengeblieben war und es dort Krawalle gab, wurde von der B&uuml;hne her angesagt, dass sich Polizei und Demoorganisation bem&uuml;hen w&uuml;rden, die Lage zu deeskalieren &ndash; vorerst anscheinend mit leichtem Erfolg.<\/p>\n<p>Gegen 16:00 Uhr ging es dann wieder los. Zusammenst&ouml;&szlig;e gab es wieder am Zugang zur Innenstadt. Ein kleiner Brand (wahrscheinlich ein Auto), Tr&auml;nengas und Steine sorgten f&uuml;r Aufregung. Fotografen, Fernsehteams, Schaulustige und weitere anscheinend krawallbereite Demonstranten eilten in Richtung der Auseinandersetzung. <\/p>\n<p>Ab jetzt wiederholte sich das Schauspiel in einer Tour. Friedliche Demonstranten in der Innenstadt und vor der B&uuml;hne am Stadthafen, die Polizei am Eingang zur Innenstadt, am Wanowufer eine gr&ouml;&szlig;ere Gruppe von randalierenden Demonstranten. Aus der Innenstadt heraus st&uuml;rmte die Polizei mehrere Male in Richtung Krawallmacher, zuletzt unterst&uuml;tzt von einem Wasserwerfer und einem Panzerwagen (ich denke es war ein Panzerwagen). <\/p>\n<p>Bis etwa 17:00 Uhr konnte ich mir dieses Theater anschauen. Einen verletzten Polizisten habe ich nicht gesehen. Ich war allerdings nicht inmitten der Schl&auml;gereien. Aber ich habe auch nicht gesehen, wie ein Polizist abtransportiert wurde. Ich habe eine am Kopf verletzte Demonstrantin gesehen, die h&ouml;chstwahrscheinlich von den Randalierern verletzt wurde oder einen Unfall hatte (jedenfalls nicht durch die direkte Schuld der Polizei). Au&szlig;erdem sah ich einige Demonstranten, die behandelt wurden, weil Tr&auml;nengas eingesetzt worden war.<\/p>\n<p>Insgesamt w&uuml;rde ich zur Demonstration sagen, dass dort eine gro&szlig;e Anzahl Demonstranten (vielleicht 80.000) friedlich demonstrierte, w&auml;hrend Randalierer und Polizei wie im Rahmen einer Theaterauff&uuml;hrung oder mehr wie in einer Gladiatorenschlacht (in der die Polizei bei weitem besser ausger&uuml;stet war) sich Schl&auml;gereien lieferten.<br>\nDie Zahl der Demonstranten ist schwer zu sch&auml;tzen. 30.000, wie von der Polizei gesch&auml;tzt, scheint mir eindeutig zu wenig zu sein. Auf dem sehr gro&szlig;en Areal am Warnowufer verteilten sich die Teilnehmer an der Demo so sehr, dass es kaum m&ouml;glich war, einen &Uuml;berblick zu gewinnen. Au&szlig;erdem war es ein st&auml;ndiges Kommen und Gehen, so dass immer wieder andere Gruppen auf dem Platz erschienen.<br>\nOb die Polizei hier besonders den &Uuml;berblick hatte, bleibt dahingestellt. Auch die Demoorganisation hatte die Lage nicht unbedingt im Griff.  Viele friedliche Demonstranten nahmen die Situation ruhig, aber mit Unverst&auml;ndnis auf. Die Protagonisten waren zuletzt leider pr&uuml;gelnde Polizisten und Demonstranten.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die G 8-Schlacht&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/startseite\/nachrichten.html\">titelt BILD<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/06\/03\/g8-schlacht\/proteste-rostock.html\">bietet<\/a> wie auch <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,486256,00.html\">Spiegel Online<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/schlagzeilen\">Focus Online<\/a> Frontberichterstattung per Newsticker. Bei der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/g8\/#JL_blog_55\">&bdquo;jungen Welt&ldquo;<\/a> kommt in einer Chronologie die andere Seite zu Wort.<br \/> Gewaltfetischisten und Gewalt polizeilicher Repression und die &bdquo;Kriegsberichterstattung&ldquo; dar&uuml;ber sollen uns mit aller Brutalit&auml;t beweisen: Nur diese Welt ist m&ouml;glich!<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2386\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[60,123],"tags":[282,1112,593,421],"class_list":["post-2386","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-innere-sicherheit","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-buergerproteste","tag-buergerrechte","tag-g7820","tag-polizei"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2386"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29916,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2386\/revisions\/29916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}