{"id":23934,"date":"2014-11-13T15:41:14","date_gmt":"2014-11-13T14:41:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23934"},"modified":"2024-09-24T23:17:04","modified_gmt":"2024-09-24T21:17:04","slug":"inklu-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23934","title":{"rendered":"Inklu&#8230;was?"},"content":{"rendered":"<p>Inklusion &ndash; was ist das eigentlich? Viele Menschen haben den Begriff schon geh&ouml;rt. Immer &ouml;fter findet man ihn in Zeitungen und Diskussionen um notwendige Reformen im Bildungssystem &ndash; das meist im Kontext sich verschlechternder Bedingungen. Aber was genau steckt dahinter? Und was bedeutet Inklusion f&uuml;r jeden von uns pers&ouml;nlich? <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit <strong>Brigitte Schumann<\/strong>, die als ehemalige NRW-Landtagsabgeordnete inzwischen als Bildungsjournalistin mit Schwerpunkt Inklusion t&auml;tig ist.<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>J.W.:<\/strong> Frau Schumann, Sie sind seit L&auml;ngerem als Journalistin mit Spezialgebiet Inklusion unterwegs. Inklusion, das bedeutet f&uuml;r viele: Noch mehr Stress und &Auml;rger um und in Schule; bedeutet, dass der Anteil schwieriger Kinder &bdquo;im Normalbetrieb&ldquo; steigt und Lernen in aller Regel noch anstrengender wird. Meint das Inklusion: Bildungsabbau und Vereinheitlichung?<\/em><\/p><p><strong>B.Sch.:<\/strong> Nein, genau das meint Inklusion nicht. Inklusion ist ein Menschenrecht, das <em>allen<\/em> Kindern, auch jenen mit Behinderungen, gleiche Teilhabe und qualitativ hochwertige Bildung in einem System ohne Diskriminierung, Selektion und Aussonderung zusichert. <\/p><p>Daf&uuml;r muss das System sich allerdings dem Lernprozess des einzelnen Kindes anpassen. Also flexibel werden, sich von starren normativen Vorgaben l&ouml;sen und f&uuml;r &bdquo;angemessene Vorkehrungen&ldquo; im Einzelfall sorgen. Das gibt die UN-<a href=\"http:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/user_upload\/PDF-Dateien\/Pakte_Konventionen\/CRPD_behindertenrechtskonvention\/crpd_b_de.pdf\">Behindertenrechtskonvention [PDF &ndash; 126 KB]<\/a> als Menschenrechtskonvention vor, die seit dem 26. M&auml;rz 2009 auch in Deutschland g&uuml;ltig ist. Dieses Verst&auml;ndnis von Inklusion kann man aber auch schon in der <a href=\"http:\/\/www.unesco.at\/bildung\/basisdokumente\/salamanca_erklaerung.pdf\">Salamanca-Erkl&auml;rung [PDF &ndash; 66,1 KB]<\/a> der UNESCO von 1994 nachlesen.<\/p><p>Die deutsche Politik str&auml;ubt sich jedoch sehr gegen die nun notwendigen Ver&auml;nderungen, weil etwa durch den Verzicht auf Selektion und Konkurrenz unser bestehendes Schulsystem sowie dessen Selbstverst&auml;ndnis grunds&auml;tzlich in Frage gestellt w&uuml;rden. Um sich dem Reformdruck der Menschenrechtskonvention zu entziehen, werden daher politische Tricks angewandt. Und der einfachste besteht schlicht darin, einfach zu behaupten, man verwirkliche Inklusion, auch wenn de facto das Gegenteil der Fall ist. <\/p><p><em><strong>J.W.:<\/strong> Wie meinen Sie das?<\/em><\/p><p><strong>B.Sch.:<\/strong> Nun, nehmen wir Hessen als Beispiel. Da hat die Zivilgesellschaft unl&auml;ngst ein <a href=\"http:\/\/gib-hessen.de\/veranstaltungen_aktuelles\/pga_schwarzbuch_inklusion_web.pdf\">&bdquo;Schwarzbuch Inklusion&ldquo; [PDF &ndash; 984 KB]<\/a> ver&ouml;ffentlicht. Das skizziert sehr klar, was Inklusion meint und wie solidarische Bildung funktionieren w&uuml;rde; es macht aber auch deutlich, dass die Politik in Hessen alles in ihrer Macht Stehende tut, um den erforderlichen Ver&auml;nderungen einen Riegel vorzuschieben und diese sogar &ouml;ffentlich zu diskreditieren. Konkret geschieht das insbesondere dadurch, dass im Namen der Inklusion, die ja bessere Bedingungen f&uuml;r alle Kinder und Jugendlichen will, <a href=\"http:\/\/gib-hessen.de\/veranstaltungen_aktuelles\/va_aktuelles_pdf\/stellungnahme_pga_gib.pdf\">K&uuml;rzungen und Verschlechterungen [PDF &ndash; 26,3 KB]<\/a> durchgesetzt werden. Und dann denken die Leute halt &ndash; und sollen dies wohl auch -: Oh Gott, das ist Inklusion &ndash; blo&szlig; wieder weg damit!<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/COJyb3D_JjA\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><div style=\"text-align:center\">\n<p><strong>Aktion Mensch: Inklusion in 80 Sekunden erkl&auml;rt<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>J.W.:<\/strong> Wenn das, was wir bildungspolitisch aktuell beobachten, aber in der Regel nicht Inklusion ist &ndash; was ist sie dann; ganz konkret?<\/em><\/p><p><strong>B.Sch.:<\/strong> Nun, Inklusion meint einen sorgf&auml;ltig und verantwortungsvoll organisierten Transformationsprozess weg von einem gegliederten selektiven Schulsystem und einem ausdifferenzierten Sonderschulsystem hin zu einer guten Schule f&uuml;r wirklich alle Kinder. Das Sonderschulsystem l&auml;uft w&auml;hrend dieses Prozesses  planvoll  aus, weil auch Kinder mit Behinderungen und Beeintr&auml;chtigungen von Anfang an in der Regelschule unterrichtet und gef&ouml;rdert werden. Eine &bdquo;Schule f&uuml;r alle&ldquo; bis zum Ende der Vollzeitschulpflicht ersetzt die bisherigen &bdquo;weiterf&uuml;hrenden&ldquo;  Schulformen, also auch das Gymnasium, w&auml;hrend die Grundschule sich zur Grundstufe der inklusiven Schule von 1-10 weiterentwickelt. <\/p><p><em><strong>J.W.:<\/strong> Das verstehe ich, hatte ich aber nicht gemeint. Ich meinte: Was ist Inklusion inhaltlich, was zeichnet ihre Praxis aus? Die Kinder aller Schulformen in nur noch einer Schule zu &bdquo;vereinen&ldquo;, ist gemeinhin ja &ndash; und sicher nicht nur zu Unrecht &ndash; mit Assoziationen von L&auml;rm, Krach, St&ouml;rungen und anderem verbunden. Ein Hauptsch&uuml;ler schafft eben nicht einfach so den Stoff der vermeintlich &bdquo;h&ouml;heren&ldquo; Schulformen. Und ein F&ouml;rdersch&uuml;ler d&uuml;rfte, das versichere ich Ihnen, gro&szlig;e Probleme mit Integralrechnung unter Notendruck haben. Wie also &hellip; kann und soll das gehen?<\/em><\/p><p><strong>B.Sch.:<\/strong> Wor&uuml;ber wir hier sprechen, das ist vor allem die grunds&auml;tzliche Frage: Was ist der Mensch? Gibt es mehr oder weniger &bdquo;kluge&ldquo; Menschen und Schule bildet diese biologischen &bdquo;Begabungsunterschiede&ldquo; dann einfach nur noch ab? Oder ist es nicht eher so, dass die Schule seit jeher das Oben und Unten in unserer Gesellschaft als &bdquo;naturgegeben&ldquo; biologisiert und somit sozial und kaum je hinterfragt reproduziert hat? <\/p><p>Kinder aus privilegierten Verh&auml;ltnissen verf&uuml;gen eben &uuml;ber entsprechende famili&auml;re Ressourcen &ndash; und nicht etwa angeborene &bdquo;F&auml;higkeiten&ldquo; &ndash; f&uuml;r eine erfolgreiche Bildungsbiografie. Dieses Ergebnis wird dann jedoch allein der Leistungs- und Bildungsf&auml;higkeit der Betreffenden selbst zugeschrieben. Sie gelten als besonders klug. Kindern aus sozial benachteiligten Verh&auml;ltnissen hingegen, die auch im Bildungserwerb benachteiligt sind, wird die Erfolglosigkeit im unfairen Wettbewerb schlie&szlig;lich als Unf&auml;higkeit oder sogar als pers&ouml;nliches Versagen angelastet. <\/p><p>Das Schlimme ist, dass die Betreffenden das auch meistens selbst so sehen. F&uuml;r alle Kinder, auch f&uuml;r jene mit einer so genannten <a href=\"http:\/\/www.gew-hessen.de\/index.php?id=296&amp;tx_ttnews[tt_news]=5304&amp;cHash=980337de7bae6f696b0ad4336c5f9115\">geistigen Behinderung<\/a> muss jedoch gelten, dass ihnen <em>kein<\/em> Bildungsinhalt oder Lerngegenstand als f&uuml;r sie per se &bdquo;ungeeignet&ldquo; vorenthalten werden darf. Stattdessen kommt es darauf an, jedem Kind angemessene p&auml;dagogisch-didaktische Zug&auml;nge zu verschaffen und anzuerkennen, dass jedes Kind auf seiner Stufe des Lernens kompetent ist und sich weiterentwickeln kann und auch will. Die allt&auml;glichen sozial-vergleichenden Leistungsbewertungen mit Ziffernnoten in unserem sozial selektiven Schulsystem erzeugen insofern untaugliche und sch&auml;dliche Hierarchisierungen. Nicht umsonst wird Schule auch besonders von den Kindern als feindselig erlebt, die sich durch den Vergleich abgewertet wissen und die Rolle des Versagers zugeschrieben bekommen.   <\/p><p>Kurzum: Die  Probleme unserer  Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler sind zu einem gro&szlig;en Teil das <em>Resultat<\/em> der Selektionsfunktion unserer Schule. Eine Vielzahl von Studien belegt hier entsprechend klar und eindeutig, dass die fr&uuml;he Aufteilung nach Leistung bereits Grundschulkinder &auml;ngstigt und krank macht. Sp&auml;testens mit Klasse 3 steigt der Leistungsdruck dann noch enorm an, weil der &Uuml;bergang zum Gymnasium f&uuml;r Kinder und deren Eltern ein Muss geworden ist. Schule rangiert daher inzwischen noch vor der Familie als <a href=\"http:\/\/www.kinderschutzbund-nrw.de\/aktuelles\/2002-2\">Stressfaktor Nr. 1 im Leben von Kindern und Jugendlichen<\/a>. <\/p><p>Und <em>die<\/em> Kinder, die es nicht aufs Gymnasium schaffen und dann im wahrsten Sinne auf Haupt- und Sonderschulen &bdquo;zur&uuml;ckgelassen&ldquo; werden, sind v&ouml;llig demotiviert und entwickeln auch ein entsprechend pessimistisches <a href=\"http:\/\/www.unibielefeld.de\/gesundhw\/ag4\/downloads\/worldvision.pdf\">Selbstbild [PDF &ndash; 78,1 KB]<\/a>. Bei ihnen handelt es sich in aller Regel um Kinder aus den benachteiligten sozialen Schichten, die auf diese Art schulisch abgetrennt werden von den Kindern der oberen sozialen Schichten. Diese soziale Apartheid im Bildungssystem f&ouml;rdert bei Jugendlichen aus den privilegierten Milieus dann die oftmals ohnehin vorhandene Tendenz, sich von Jugendlichen aus den unteren Schichten abzugrenzen bzw. diese <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/presse\/125753\/jugendliche-aus-prekaeren-verhaeltnissen-werden-ausgegrenzt\">auszugrenzen<\/a>. <\/p><p>Die UNESCO hat daher &bdquo;learning to live with others&ldquo; zu einer der  wichtigsten Dimensionen des Lernens f&uuml;r das 21. Jahrhundert <a href=\"http:\/\/unesdoc.unesco.org\/images\/0010\/001095\/109590eo.pdf\">erkl&auml;rt [PDF &ndash; 2,5 MB]<\/a>. Und zwar vollkommen zu recht, wie ich finde. Denn welches gesellschaftliche Konfliktpotential da aufgebaut wird, wenn Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Herk&uuml;nften nicht einmal in der Schule mehr lernen k&ouml;nnen, miteinander zu leben, wird ja zunehmend evident.    <\/p><p>Der vorhandene Zwang zu Selektion und Homogenisierung hat jedenfalls negative Folgen f&uuml;r Lernende <em>und<\/em> Lehrende. Er beg&uuml;nstigt beispielsweise den gleichschrittigen Unterrichtsstil, der in unseren Klassenzimmern leider immer noch vorherrscht. Kinder werden so unter- oder &uuml;berfordert. Kein Kind bekommt das, was es eigentlich braucht. Gef&ouml;rdert wird dadurch auch eine eher negativ gepr&auml;gte, defizitorientierte Einstellung der P&auml;dagogen zu ihren Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern. Dieser  &bdquo;Haltungsschaden&ldquo; bei unseren Lehrerinnen und Lehrern  h&auml;ngt eng damit zusammen, dass an den vermeintlichen Defiziten des einzelnen Sch&uuml;lers jeweils die Frage entschieden wird, ob er oder sie noch in die Lerngruppe passt oder eine Klasse  wiederholen muss, ob er oder sie an der Schule richtig ist oder die Schule und damit die Schulart wechseln muss, ob er oder sie den E- oder den G-Kurs an der Gesamtschule besuchen darf und so weiter und sofort. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/PWF37F2fbak\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><div style=\"text-align:center\">\n<p><strong>Blind Foundation: Inklusion<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>J.W.:<\/strong> Und wie s&auml;he bzw. sieht inklusive &bdquo;Praxis&ldquo; denn dann konkret aus? <\/em><\/p><p><strong>B.Sch.:<\/strong> Also, inklusive Unterrichtspraxis ist keine Wundert&uuml;te oder etwas,  das man erst noch erfinden m&uuml;sste. Innere Differenzierung und Individualisierung sind neben der Pflege von Gemeinsamkeiten und der positiven Haltung zu Heterogenit&auml;t und Diversit&auml;t der Schl&uuml;ssel f&uuml;r guten inklusiven Unterricht. <\/p><p>Die Bausteine daf&uuml;r sind l&auml;ngst p&auml;dagogisch erprobt, aber viele Lehrerinnen und Lehrer haben sich in ihrem Schulalltag damit noch nicht vertraut gemacht, weil sie sich am gleichschrittigen Unterrichtsmodell im Klassenzimmer orientieren.<\/p><p>Freiarbeit mit Hilfe von Tages- und Wochenpl&auml;nen f&uuml;r frei gew&auml;hlte oder vorgegebene fachliche Aufgaben, f&auml;cher&uuml;bergreifendes Lernen in Projekten sowie kooperative Lernformen erm&ouml;glichen aktives, selbstgesteuertes Lernen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und auf unterschiedlichen Niveaus. Das kann alleine, mit einem Partner oder in der Gruppe stattfinden. Dass Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler sich dabei gegenseitig helfen, kann besonders wirksam werden in altersgemischten  Gruppen. W&auml;hrend die Lernenden arbeiten, haben die Lehrerinnen und Lehrer Zeit f&uuml;r individuelle Lernbeobachtung, Lernberatung und Lernunterst&uuml;tzung.<\/p><p>Allerdings ist die Vorbereitung dieser Lernarrangements mit entsprechenden Materialien und Aufgabenformaten &auml;u&szlig;erst aufwendig und kann deshalb nicht von einem Lehrer oder einer Lehrerin alleine dauerhaft geleistet werden. Deshalb ist die Entwicklung einer solchen Unterrichtskultur auch eine Gemeinschaftsaufgabe, die in kooperativer Zusammenarbeit  in Jahrgangsgruppen, Fachteams und Fachkonferenzen entwickelt werden muss. <\/p><p>An Schulen mit einer solch entwickelten Unterrichts- und Schulkultur werden Sonderp&auml;dagogen dann nicht mehr gebraucht, um den hilflosen &bdquo;allgemeinen&ldquo; P&auml;dagogen die schwierige Arbeit mit den &bdquo;besonderen&ldquo; Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern abzunehmen und sie im Nebenraum zum Klassenzimmer zu f&ouml;rdern. Sie sind Teamkollegen, die die Lernprozesse aller Kinder zusammen mit den Lehrerinnen und Lehrern der allgemeinen Schulen wirksam unterst&uuml;tzen und dabei ihr Spezialwissen einbringen. Multiprofessionelle Teamarbeit dient dazu, den Unterricht so zu gestalten, dass die Kinder viel mehr als bisher ihre eigenen Bed&uuml;rfnisse, Interessen und F&auml;higkeiten in ihr Lernen einbringen, die Schule also endlich &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22932\">kindgerecht<\/a>&ldquo; wird.<\/p><p>Aber auch hier muss wieder auf die Paradoxie von Inklusion in einem selektiven Schulsystem hingewiesen werden. Inklusive Unterrichtspraxis und soziale Leistungsvergleiche durch Ziffernnoten mit den negativen Folgen von Klassenwiederholungen und Abschulungen vertragen sich n&auml;mlich nicht.   <\/p><p><em><strong>J.W.:<\/strong> Welche konkreten politischen Schritte und Ma&szlig;nahmen sind zur Realisierung sozusagen &bdquo;wirklicher Inklusion&ldquo; denn notwendig?<\/em><\/p><p><strong>B.Sch.:<\/strong> Alles f&auml;ngt an mit der politischen Botschaft, dass die Selektionsfunktion von Schule &uuml;berwunden und die Selektionsinstrumente zur Herstellung scheinbar homogener Lerngruppen abgebaut werden m&uuml;ssen, damit Inklusion in den Schulen wirklich gelebt und Unterschiedlichkeit wertgesch&auml;tzt wird. F&uuml;r die Abschaffung der &auml;u&szlig;eren Systemdifferenzierung und die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems braucht es zus&auml;tzlich einen klaren Fahrplan.<br>\nDie Monitoringstelle am Deutschen Institut f&uuml;r Menschenrechte hat einen Fahrplan f&uuml;r ein inklusives Schulsystem <a href=\"http:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/uploads\/tx_commerce\/stellungnahme_der_monitoring_stelle_eckpunkte_z_verwirklichung_eines_inklusiven_bildungssystems_31_03_2011.pdf\">vorgelegt [PDF &ndash; 122 KB]<\/a>, der leider noch zu kurz greift. Sie fordert zwar den Verzicht auf das Sonderschulsystem, aber nicht den Umbau des allgemeinen selektiven Schulsystems zu einer &bdquo;Schule f&uuml;r alle&ldquo;. Damit wird  die Forderung der UN-Menschrechtskonvention nach einem inklusiven Schulsystem nicht eingel&ouml;st. Ich bin aber sicher, dass bei der &Uuml;berpr&uuml;fung des <a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/staatenbericht-2011.pdf;jsessionid=D9324864C7F6A062670D9210D255D2E6?__blob=publicationFile\">Ersten Staatenberichts der Bundesregierung zur Umsetzung der Konvention in Deutschland [PDF &ndash; 934 KB]<\/a> durch den UN-Fachausschuss in Genf im n&auml;chsten Jahr die menschenrechtlichen Verst&ouml;&szlig;e gegen Inklusion in unserem Schulsystem aufgedeckt und als solche auch international &ouml;ffentlich gemacht werden. Diese &Ouml;ffentlichkeit wirkt dann hoffentlich wie ein Pranger.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/z90oW9AAGaU\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><div style=\"text-align:center\">\n<p><strong>Kongress &ldquo;Inklusion (er)leben&rdquo;: Impulsreferat von Brigitte Schumann<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>J.W.:<\/strong> Noch ein letztes Wort?<\/em><\/p><p><strong>B.Sch.:<\/strong> Ja. Mit der zunehmenden &Ouml;konomisierung der Lebensverh&auml;ltnisse haben gesellschaftliche Prozesse der Ausgrenzung, Desintegration, Exklusion und Extinktion von Menschen und bestimmten Gruppen inzwischen dramatische Ausma&szlig;e angenommen. Das Institut f&uuml;r Interdisziplin&auml;re Konflikt- und Gewaltforschung an der Universit&auml;t Bielefeld stellt diesbez&uuml;glich auch bezogen auf Deutschland die Zunahme &bdquo;gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit&ldquo; gegen&uuml;ber solchen Gruppen fest, die als &bdquo;schwach&ldquo; stigmatisiert sind. Diese Tendenz l&auml;sst sich &ndash; wohlgemerkt &ndash;  in allen sozialen Milieus nachweisen. Deshalb ist die UN-Konvention &uuml;ber die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein Gl&uuml;cksfall f&uuml;r uns. Sie setzt gegen Unmenschlichkeit das Menschenrecht auf soziale Inklusion und Teilhabe als Gesellschaftsmodell. Sie ist daher eine Aufforderung an uns alle, unser aller Menschenbild einmal grundlegend zu &uuml;berdenken. Das ist aktuell so dringend notwendig <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wann-ist-Mensch-ein-Abwegen\/dp\/3446175601\/\">wie seit Langem nicht mehr<\/a>.<\/p><p><em><strong>J.W.:<\/strong> Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/em><\/p><p><strong>Brigitte Schumann<\/strong> (Dr. phil.) war 16 Jahre Lehrerin an einem Gymnasium, zehn Jahre Bildungspolitikerin und Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Der Titel ihrer Dissertation lautete: &bdquo;&sbquo; Ich sch&auml;me mich ja so!&lsquo; &ndash; Die Sonderschule f&uuml;r Lernbehinderte als &sbquo;Schonraumfalle&lsquo;&ldquo;. Derzeit ist Brigitte Schumann als Bildungsjournalistin t&auml;tig.<\/p><p><strong>Weiterlesen: <\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.aktion-mensch.de\/themen-informieren-und-diskutieren\/was-ist-inklusion.html\">Aktion Mensch: Was ist Inklusion?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/gib-hessen.de\/veranstaltungen_aktuelles\/va_aktuelles_pdf\/ratgeber_inklusion_web.pdf\">Gruppe InklusionsBeobachtung (GIB) Hessen: Inklusion: Ratgeber f&uuml;r Eltern [PDF &ndash; 990 KB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/gib-hessen.de\/veranstaltungen_aktuelles\/pga_schwarzbuch_inklusion_web.pdf\">Gruppe InklusionsBeobachtung (GIB) Hessen: Schwarzbuch Inklusion Hessen [PDF &ndash; 984 KB]<\/a><\/li>\n<\/ul><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ac1f611dfc69459a8902c947b9fb0222\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inklusion &ndash; was ist das eigentlich? Viele Menschen haben den Begriff schon geh&ouml;rt. Immer &ouml;fter findet man ihn in Zeitungen und Diskussionen um notwendige Reformen im Bildungssystem &ndash; das meist im Kontext sich verschlechternder Bedingungen. Aber was genau steckt dahinter? Und was bedeutet Inklusion f&uuml;r jeden von uns pers&ouml;nlich? <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit <strong>Brigitte<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23934\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[34,151,206,209,152],"tags":[409,1183,2460,408],"class_list":["post-23934","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-bildungspolitik","category-chancengerechtigkeit","category-interviews","category-schulsystem","tag-bildungschancen","tag-exklusion","tag-gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit","tag-soziale-herkunft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23934","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23934"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23934\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121890,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23934\/revisions\/121890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23934"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23934"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23934"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}