{"id":23993,"date":"2014-11-19T09:54:24","date_gmt":"2014-11-19T08:54:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23993"},"modified":"2024-09-24T23:16:18","modified_gmt":"2024-09-24T21:16:18","slug":"demokratisierung-der-oeffentlich-rechtlichen-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23993","title":{"rendered":"Demokratisierung der \u00d6ffentlich-Rechtlichen jetzt!"},"content":{"rendered":"<p>Medien haben immensen Einfluss auf unser aller Leben und unsere Meinungsbildung: Ob Buch, Fernsehen oder Internet &ndash; sie unterhalten und informieren uns. Sie vermitteln uns Wissen und strukturieren zugleich unsere Vorstellungen von der Welt. Dass diese Medien dabei durch verschiedenste Mechanismen den Interessen der Herrschenden verpflichtet sind, hat nicht zuletzt <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Noam_Chomsky\">Noam Chomsky<\/a> in seinen beiden B&uuml;chern &bdquo;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Manufacturing_Consent\">Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media<\/a>&ldquo; und &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/noam-chomsky\/media-control.html\">Media Control: Wie die Medien uns manipulieren<\/a>&ldquo; hervorragend skizziert. Die einseitige Parteinahme auch und gerade der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien im Kontext der Ukraine-Krise hat neben viel <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42784\/1.html\">Kritik<\/a> daher inzwischen auch die Zivilgesellschaft auf den Plan gerufen, die die diesbez&uuml;glich verbreitete &bdquo;<a href=\"https:\/\/propagandaschau.wordpress.com\/tag\/ukraine\/\">Propaganda<\/a>&ldquo; zum Anlass nimmt, konkrete Ver&auml;nderungen zu fordern. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit <strong>Sabine Schiffer<\/strong> und <strong>Christine Horz<\/strong> von der Initiative &bdquo;<strong><a href=\"http:\/\/www.publikumsrat.de\/\">Publikumsrat<\/a><\/strong>&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau Schiffer, die deutschen Medien, und hierbei insbesondere die ARD, sind in den letzten Wochen und Monaten massiver Kritik seitens ihrer Nutzer ausgesetzt gewesen. Von Einseitigkeit und Kriegspropaganda gegen Russland war da unter anderem die Rede. Und diesbez&uuml;glich haben auch Sie Partei ergriffen. Zum einen mittels der Ver&ouml;ffentlichung eines <a href=\"http:\/\/www.selbrundverlag.de\/#!ukraine-im-visier\/cs2j\">Buches wider die herrschende Propaganda<\/a>. Und zum anderen, indem Sie gemeinsam mit Frau Horz die Idee eines <a href=\"http:\/\/www.publikumsrat.de\/\">Publikumsrates<\/a> forcieren. Was genau soll das sein, dieser Publikumsrat, und welche Intentionen verbinden Sie mit Ihrem entsprechenden Engagement? <\/strong><\/p><p>Schiffer: Also, die Idee zur Notwendigkeit eines Publikumsrates ist schon viel fr&uuml;her entstanden. Sie ist im Grunde genommen eine Antwort auf die &Auml;nderung der Beitragsordnung f&uuml;r den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk im Jahr 2013. Wir wollten dezidiert f&uuml;r den Erhalt des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks k&auml;mpfen und den Kampagnen von Beitragsgegnern eine wissenschaftlich fundierte Stimme entgegen setzen, die sich f&uuml;r angemessen finanzierten und unabh&auml;ngigen Journalismus einsetzt und hierdurch die nachhaltige Informations-Grundversorgung erm&ouml;glichen, die einer demokratischen Willensbildung vorausgehen muss. <\/p><p>Horz: Ja, unser Anliegen im Jahr 2013war, das Publikum &ndash; und zwar dezidiert das gesamte Publikum inklusive der 20 Prozent Menschen mit Einwanderungsgeschichte sowie weitere Minderheiten, die bislang kaum medienpolitisch ber&uuml;cksichtigt werden &ndash; st&auml;rker in den Fokus zu stellen. Schlie&szlig;lich f&uuml;hrte die neue Haushaltsabgabe dazu, das nun jeder B&uuml;rger an der Finanzierung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks beteiligt ist, gleichwohl jedoch nicht jeder wirklich gleichberechtigt zu partizipieren vermag. Mit der rein finanziellen Ausstattung der Sender kann es, das war uns von Beginn an klar, jedoch nicht getan sein. In einer Beteiligungsdemokratie sehen sich die Beitragszahlenden vielmehr als Stakeholder der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen &ndash; sie wollen nicht nur informiert werden, sondern beanspruchen zunehmend nachhaltige Kommunikationsplattformen, Mitbestimmungs-, Gestaltungs- und Kontrollm&ouml;glichkeiten des &Ouml;RR. Hier genau setzt die Initiative f&uuml;r einen Publikumsrat an.<\/p><p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p><p>Horz: Nun, die Krisenberichterstattung der letzten Wochen und Monate hat &ndash; neben einer auch in Teilen &uuml;beraktiven Debatte &ndash; eines besonders deutlich gemacht: Zuschauer und Zuschauerinnen haben gro&szlig;es Interesse an einer qualitativ hochwertigen und ausgewogenen Berichterstattung der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen. Das Publikum nimmt es, zumindest in Teilen, inzwischen sehr genau wahr, wenn die Medien einseitig berichten. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"270\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/o5fk37mlhI0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><div style=\"text-align:center\">\n<p><strong>Sabine Schiffer: Im Osten nichts Neues: Alte Feindbilder und neue Propaganda<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Schiffer: Die Probleme in der Qualit&auml;t der Berichterstattung &ndash; siehe aktuell die Kritik des ARD-Programmbeirats an der Ukraineberichterstattung &ndash; unterstreichen unser Anliegen. Wir brauchen jenseits kommerzieller Medien eben finanziell gut ausgestattete &ouml;ffentlich-rechtlich Medien, die dem Publikum gegen&uuml;ber mehr Verantwortung an den Tag legen m&uuml;ssen. Im Moment werden diese ihrer staatsvertraglich geregelten Aufgabe n&auml;mlich schlicht nicht mehr gerecht und erweisen sich die Kontrollgremien wie die ARD-Rundfunkr&auml;te und der ZDF-Fernsehrat als <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/chefredakteur-in-der-kritik-eklat-im-zdf-fernsehrat-wegen-ukraine-bericht\/10755886.html\">nicht effektiv<\/a>. Das muss sich &auml;ndern. Wenn der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk &uuml;berleben will, muss er zeigen, was ihn von den kommerziellen Anbietern unterscheidet. <\/p><p>Horz: Ja, aber das darf nicht in weiteren Auflagen m&uuml;nden. Es gibt ja bereits den Drei-Stufen-Test. Hier sollen die &ouml;ffentlich-rechtlichen Anstalten anhand dreier Aspekte erl&auml;utern, was der publizistische Mehrwert ihrer  Telemedienangebote im Vergleich zu kommerziellen Angeboten darstellt. Allerdings wird dieser Test innerhalb der Sender unter intransparenten Kriterien erstellt. Hier erscheinen uns unabh&auml;ngige Institutionen wie Universit&auml;ten oder auch Publikumsr&auml;te geeignet, anhand transparenter Kriterien zu eruieren wo der Public Value der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen tats&auml;chlich liegt. Und: nicht nur die Sender, sondern auch das Publikum sollte langfristig mehr Verantwortung f&uuml;r den &Ouml;RR &uuml;bernehmen. Otfried Jarren hat das als &bdquo;gemeinsame Verantwortungskultur&ldquo; bezeichnet. Das ist aber nur m&ouml;glich, wenn man das Publikum auch &bdquo;mitspielen&ldquo; l&auml;sst.<\/p><p>Schiffer: So etwas, wie im Zusammenhang mit der Ukraineberichterstattung, wo sich der Verantwortliche f&uuml;r die Nachrichtenformate darauf beruft, dass die Nachrichtenagenturen und die gro&szlig;en Zeitungen die gleiche Sprachregelung verwendeten, die zurecht vom Publikum angegriffen wurde &ndash; Stichwort: OSZE-Beobachter -, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23436\">darf einfach nicht passieren<\/a>. Die dpa ist eine gewinnorientierte GmbH und die Zeitungen sind in privater Hand und unterliegen keinem Rundfunkstaatsvertrag. Mit dieser Argumentation erkl&auml;rt man eine Qualit&auml;tsberichterstattung mit &ouml;ffentlich-rechtlichen Ma&szlig;st&auml;ben f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201407143167\/hintergrund\/medien\/alles-richtig-gemacht.html\">obsolet<\/a>.  <\/p><p><strong>Was genau st&ouml;rt Sie denn an der Medienberichterstattung im Land? Geht es da nur um die &bdquo;Einseitigkeit&ldquo; bez&uuml;glich der deutschen Au&szlig;enpolitik? <\/strong><\/p><p>Schiffer: Nein, die deutsche Au&szlig;enpolitik ist da nur ein Beispiel von vielen. Von den Mythen zur <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14101\">Energiewende<\/a>, &uuml;ber jene zur Gesundheitsreform, zu Bildungsabbau &ndash; beides &uuml;brigens Bertelsmann-Konzepte zur Privatisierung in diesen Bereichen -, &uuml;ber den angeblichen Fachkr&auml;ftemangel bis hin zum so genannten <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23626\">demografischen Wandel<\/a> &ndash; von der Wahrnehmung ihrer eigentlichen Aufgabe als Vierte Gewalt im Staate sind unsere Medien weit entfernt. Und all das haben die bisherigen Kontrollgremien eben nicht zu verhindern gewusst. <\/p><p>Horz: Ja, die Medienberichterstattung als Ergebnis eines langen institutionellen Prozesses ist ja sozusagen nur die Spitze des Eisbergs. Viel wichtiger ist, dass die Gremien, die wichtige Aufsichts- und Kontrollfunktionen in den Sendern wahrzunehmen haben, offenbar ebenfalls eine <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/2239626\/Pressekonferenz-Sitzung-ZDF-Fernsehrat#\/beitrag\/video\/2239626\/Pressekonferenz-Sitzung-ZDF-Fernsehrat\">zu gro&szlig;e N&auml;he zu den Sendern<\/a> haben. Au&szlig;erdem sollten die Vertreter\/innen mit mehr Zeit ausgestattet werden, sich in komplexe medienpolitische oder programmrelevante Zusammenh&auml;nge einzuarbeiten. Bei der ARD wurde die Selbstkritik des ARD-Programmbeirats hinsichtlich der Ukraine-Berichterstattung des eigenen Senders &ndash; eigentlich ebenfalls ein Geheimpapier &ndash; an die &Ouml;ffentlichkeit <a href=\"http:\/\/www.publikumsrat.de\/2014\/09\/kritik-an-zdf-ukraine-berichterstattung-waechst\/\">durchgestochen<\/a>. Das Bewusstsein &uuml;ber die Bedeutung einer transparenten Kommunikation mit dem Publikum ist in den Sendern nicht weit verbreitet.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/RO51ahW9JlE\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><div style=\"text-align:center\">\n<p><strong>Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Schiffer: Daneben wirft aber auch das Gebaren der Politik wichtige Fragen auf. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem ZDF-Urteil vom 25. M&auml;rz 2014 zu Recht moniert, dass die Gremien zu staatsnah und insofern interessen-verquickt sind. Aktuell beraten nur vier, f&uuml;nf &bdquo;Staatskanzlisten&ldquo; hinter verschlossenen T&uuml;ren dar&uuml;ber, wie die Gremien zuk&uuml;nftig zu besetzen sind. Wir meinen: Zur Transparenzforderung des Bundesverfassungsgerichtsurteils geh&ouml;rt auch, dass die Politik eine &ouml;ffentliche Debatte dar&uuml;ber ansto&szlig;en muss, wer in die Gremien geh&ouml;rt. Es kann nicht sein, dass eine Handvoll Staatssekret&auml;re dar&uuml;ber urteilen, wer &bdquo;gesellschaftlich relevant&ldquo; ist und wer eben nicht. Daf&uuml;r ist der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk gesellschafts-, sozial- und kulturpolitisch einfach zu bedeutsam.<\/p><p><strong>Ich denke, wenn wir &uuml;ber Fehlleistungen in der Medienberichterstattung reden, sollte man das anhand konkreter Beispiele deutlich machen. Haben Sie hierzu vielleicht ein, zwei Beispiele parat? Ich meine, wo und wie Medien, auch andere, Dinge interessengeleitet und damit unseri&ouml;s darstellen?<\/strong><\/p><p>Horz: Also, die Glaubw&uuml;rdigkeit der Sender wurde in letzter Zeit nicht nur durch die Informations- und Nachrichtenformate <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/medien\/falsche-bilder-bei-der-ard-zum-ukraine-konflikt-propagandatricks-oder-pannen-in-serie\/10637680.html\">ersch&uuml;ttert<\/a>. Auch im Unterhaltungssektor mussten wir von Ranking-Show-Manipulationen in ZDF, NDR und anderen Sendern <a href=\"http:\/\/www.publikumsrat.de\/2014\/09\/zdf-fernsehrat-erteilt-ruege-wegen-manipulationen-bei-rankingshow\/\">erfahren<\/a>. Das ist insofern keine Kleinigkeit, weil diese scheinbar einzelnen Fehlleistungen das Misstrauen gegen&uuml;ber Medien allgemein und den  &Ouml;ffentlich-Rechtlichen im Besonderen anwachsen lassen. Auch wenn die Sender dies verneinen und mit der anhaltend hohen Quote ihrer Nachrichtenformate argumentieren &ndash; Einschaltquoten sind eben nicht gleichzusetzen mit Akzeptanz. <\/p><p>Schiffer: Bei vielen Themen ist die Irref&uuml;hrung der Bev&ouml;lkerung erst einmal gelungen, wie etwa das Hochjubeln der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=40\">Riesterrente<\/a> bzw. das Verkaufen von Privatisierung im Bildungsbereich als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.socialnet.de\/rezensionen\/5285.php\">Hochschulreform<\/a>&ldquo;. Die <a href=\"http:\/\/www.cicero.de\/berliner-republik\/ukraine-fehler-der-ard-nur-eine-halbe-entschuldigung\/58302\">Einw&auml;nde des Publikums gegen die aktuelle Ukraineberichterstattung<\/a> und auch die <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42430\/1.html\">Kriegsbeteiligung der Bundeswehr<\/a> zeigt, dass nicht alle Kampagnen erfolgreich sind &ndash; auch und gerade, wenn die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen sie mittragen. Und da ist der Vertrauensverlust in die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen f&uuml;r unsere Demokratie nat&uuml;rlich gewichtiger, als bei den kommerziellen Medien.<\/p><p>Horz: Ein Glaubw&uuml;rdigkeitsverlust ist problematisch, weil die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen ihre Legitimation aus der staatsvertraglich definierten Grundversorgung der Bev&ouml;lkerung beziehen. Verlieren sie also mit dem Vertrauen der Bev&ouml;lkerung ihre Glaubw&uuml;rdigkeit, versto&szlig;en sie nicht nur gegen ihren verfassungsm&auml;&szlig;igen Auftrag, sondern steht &uuml;ber kurz oder lang der gesamte &Ouml;RR zur Disposition. <\/p><p><strong>Und wie kommt es zu dieser Entwicklung; ich meine, dass so viele &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=23\">Reforml&uuml;gen<\/a>&ldquo;, wie Albrecht M&uuml;ller es nennen w&uuml;rde, so gern und weit verbreitet werden auch und insbesondere in den &Ouml;ffentlich-Rechtlichen? Ich hoffe doch nicht, Sie haben hier eine Verschw&ouml;rung in deutschen Redaktionsstuben ausgemacht&hellip;<\/strong><\/p><p>Schiffer: Nein, es ist viel komplizierter. Einen Drahtzieher oder eine kleine Verschw&ouml;rergruppe w&auml;re schon eine gro&szlig;e Erleichterung. Die Mechanismen der Konformit&auml;t laufen aber subtiler ab. Wir sprechen inzwischen von einem Kr&auml;ftemessen zwischen idealtypischer Vierter und einer F&uuml;nften Gewalt, also dem Lobbyismus und den Public Relations, die erfolgreich und finanziell gut ausgestattet <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LF__pl5Sl5g\">auf die Medien Einfluss nehmen<\/a>. Das ZAPP-Medienmagazin des NDR leistet in diesem Bereich immer wieder gute Aufkl&auml;rung. Aber ein Bewusstsein daf&uuml;r, dass man von PR-Agenturen bereits als Vehikel eingeplant ist, gewissen &bdquo;Wahrheiten&ldquo; zu verbreiten, scheint in den Redaktionsstuben noch nicht wirklich angekommen zu sein. <\/p><p>Horz: Was dabei sicher auch eine Rolle spielt, ist der gef&uuml;hlte finanzielle Druck auf die Journalisten und Redakteure in den Sendern, obwohl aus Rundfunkbeitr&auml;gen j&auml;hrlich etwa 8 Milliarden Euro zur Verf&uuml;gung stehen. F&uuml;r einen Redakteur unter diesem Spardiktat wird es als Person immer schwieriger, umstrittene Themen anzupacken sowie die Ausgaben seines Senders laut zu hinterfragen &ndash; muss etwa ein neues Studio in dieser Dimension wirklich sein, sind die hohen Ausgaben f&uuml;r Sportrechte notwendig usw. usf.? Und aber auch: Macht es Sinn, auf der einen Seite Mitarbeiter fr&uuml;hzeitig in den Ruhestand zu schicken und auf der anderen Seite deren bisherige T&auml;tigkeit dann auszulagern, wodurch doppelte Kosten entstehen? Es w&auml;re sicher einfacher, wenn die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen sich weniger der Quote als dem Publikum und insofern auch der Qualit&auml;t der eigenen Berichterstattung verpflichten w&uuml;rden. Deshalb sehen wir &uuml;ber blo&szlig;en Dialog hinaus eine Allianz mit dem Publikum als einzige Chance an, wie der &Ouml;RR mittel- bis l&auml;ngerfristig an Akzeptanz beim Publikum  gewinnen kann. <\/p><p>Schiffer: Mit unserer Forderung nach Publikumsr&auml;ten verfolgen wir aber noch ein weiteres Ziel, das ganz grunds&auml;tzlich ist. Es geht n&auml;mlich um die Demokratisierung unserer Medien, ohne die keine Demokratie zu haben ist. Wenn alle Beitragszahlenden die Mitglieder der Kontrollgremien &ndash; und da sehen wir Publikumsr&auml;te als Erg&auml;nzung zu den bestehenden Gremien an &ndash; w&auml;hlen d&uuml;rften, dann m&uuml;ssten sich diese mit einem Programm zur Wahl stellen. Wof&uuml;r stehen sie genau? Und was wollen sie in ihrer Funktion erreichen? Damit w&auml;re endlich eine breite und notwendige Auseinandersetzung &uuml;ber medienrelevante Fragen m&ouml;glich und w&uuml;rde Transparenz schlie&szlig;lich, so hoffen wir, den aktuellen Blackbox-Charakter der Strukturen ersetzen.  <\/p><p>Horz: Ja, und diese breite Auseinandersetzung mit medienrelevanten Fragen w&uuml;rde wiederum die dringend erforderliche gesamtgesellschaftliche Medienkompetenz st&auml;rken. Und da zur Transparenz auch Nachvollziehbarkeit geh&ouml;rt, m&uuml;ssten zudem auch die vom Publikum finanzierten Programminhalte diesem vollumf&auml;nglich zug&auml;nglich gemacht werden, indem die Archive ge&ouml;ffnet werden und die Webpr&auml;senzen nicht weiter ausged&uuml;nnt werden.  <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Christine Horz<\/strong> (Dr. phil.) ist Mitherausgeberin des <a href=\"http:\/\/www.globalmediajournal.de\">Global Media Journal<\/a> und lehrt an verschiedenen Universit&auml;ten und Hochschulen u.a. zum Themenbereich Migration und Medien.<\/p><p><strong>Sabine Schiffer<\/strong> (Dr. phil.) gr&uuml;ndete und leitet das <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\">Institut f&uuml;r Medienverantwortung<\/a>. Sie publiziert und referiert zu den Themenfeldern Medienanalyse, Medienbildung, sowie zum Spannungsfeld zwischen Vierter und F&uuml;nfter Gewalt.<\/p><p>Gemeinsam gr&uuml;ndeten die beiden Wissenschaftlerinnen die Initiative f&uuml;r einen <a href=\"http:\/\/www.publikumsrat.de\">Publikumsrat<\/a>.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/259601f5b0474240917ad9e4f2a09621\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medien haben immensen Einfluss auf unser aller Leben und unsere Meinungsbildung: Ob Buch, Fernsehen oder Internet &ndash; sie unterhalten und informieren uns. Sie vermitteln uns Wissen und strukturieren zugleich unsere Vorstellungen von der Welt. 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