{"id":24080,"date":"2014-11-26T12:43:53","date_gmt":"2014-11-26T11:43:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24080"},"modified":"2024-09-24T23:14:54","modified_gmt":"2024-09-24T21:14:54","slug":"die-freiheit-die-sie-meinen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24080","title":{"rendered":"Die Freiheit, die sie meinen"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundeskabinett hat gr&uuml;nes Licht f&uuml;r den weiteren <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/kabinett-105.html\">Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan<\/a> gegeben und ein deutscher Dreisterne-General wird in den Medien mit &ldquo;Ich bin froh, dass ich in Afghanistan bleiben kann&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/ich-bin-froh-dass-ich-in-afghanistan-bleiben-kann-aid-1.4681281\">zitiert<\/a>. Froh, im Krieg zu sein? Froh, unser aller &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=86ELBWLNdmg\">Freiheit<\/a>&ldquo; am Hindukusch zu verteidigen? Was genau meint er damit &ndash; und was geschieht wirklich vor Ort; jenseits dessen, was uns Politik und Medien glauben machen wollen? Zu diesen Fragen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem Auslandsjournalisten und Tr&auml;ger des <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-preis.de\/dokumentation\/2009\/preistraeger\/1-preis-marc-thoerner.html\">Otto-Brenner-Preises<\/a> f&uuml;r kritischen Journalismus <strong>Marc Th&ouml;rner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Th&ouml;rner, wir h&ouml;ren immer wieder, unser aller Freiheit w&uuml;rde auch am <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hindukusch\">Hindukusch<\/a> verteidigt. Deutschland m&uuml;sse um der Menschenrechte willen dort &bdquo;Verantwortung&ldquo; &uuml;bernehmen und demokratisierend wirken. Die Friedensbewegung im Land h&auml;lt dem vor allem entgegen, dass mittels deutscher Auslandseins&auml;tzen vor allem die vermeintlichen Segnungen des Marktes in andere L&auml;nder exportiert w&uuml;rden &ndash; und dass es um Menschen und deren Rechte dabei am allerwenigsten ginge. Sie waren vor Ort und haben zum Thema inzwischen mehrere B&uuml;cher geschrieben. Wie beurteilen Sie die Situation? <\/strong><\/p><p>Meine Beobachtungen habe ich in Afghanistan angestellt, in Masar-e-Sharif, vor allem aber in Kundus, und zwar auf beiden Seiten: Bei der Bundeswehr und der afghanischen Zivilbev&ouml;lkerung. Ob es bei Auslandseins&auml;tzen um gro&szlig;angelegte ideologische Zielsetzungen wie etwa die Ausweitung oder den Schutz eigener M&auml;rkte geht, f&auml;llt mir insofern schwer zu beurteilen. <\/p><p>Das offizielle Mandat der ISAF besteht darin, die Zivilbev&ouml;lkerung zu sch&uuml;tzen und ihr beim Aufbau des Landes zu helfen. Deutschland f&uuml;hrt dabei das ISAF-Regionalkommando Nord. Die Bundeswehr ist aber, wie auch die anderen ISAF-Partner, diesem offiziellen Auftrag eigentlich niemals nachgekommen. <\/p><p>Das liegt zum einen wohl an der schwerf&auml;lligen B&uuml;rokratie der Provinzwiederaufbauzentren (PRT&rsquo;s), der Verwirrung um Zust&auml;ndigkeiten zwischen Hilfsprojekten der Bundeswehr selbst (CIMIC), des Ausw&auml;rtigen Amtes und des Entwicklungshilfeministeriums; und aber auch daran, dass die Genehmigungsprozesse f&uuml;r die Aufbauprojekte zu lange Zeit in Anspruch nehmen. F&uuml;r die Afghanen war das Prozedere zu undurchsichtig. Zudem wurden die Verantwortlichen in den PRT&rsquo;s nach wenigen Monaten wieder ausgetauscht. Eine Kontinuit&auml;t lie&szlig; sich so nicht erreichen. Und zum anderen bestand das erste Ziel der Bundeswehr nie im Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung, sondern vor allem im Schutz der eigenen Truppe. <\/p><p>Die gewohnten Rollen des Zivilisten und des Soldaten sind dabei mehr und mehr abhanden gekommen. Der Afghanistan-Einsatz hat einen Paradigmenwechsel evoziert. Was wir noch immer verinnerlicht haben, was sich in Europa nach dem 30-j&auml;hrigen Krieg herauskristallisiert hat und was sich durch die Ikonographie der Uniform und der Zivilkleidung ausdr&uuml;ckt, das gilt heute nicht mehr. Heute haftet oft der Zivilist &ndash; zugegeben: der in der Regel nichtwestliche Zivilist &ndash; mit seinem Hab und Gut sowie Leib und Leben f&uuml;r das Wohlergehen des auch deutschen Soldaten.<\/p><p>Man kann es auch so ausdr&uuml;cken wie der Politologieprofessor und Autor Herfried M&uuml;nkler. Er ist zurzeit bei Politikern und Think Tanks einer der gefragtesten Ratgeber. M&uuml;nkler konstatiert zun&auml;chst, dass die Menschen in unserer Gesellschaft nicht mehr bereit sind, ihre Soldaten f&uuml;r au&szlig;enpolitische Ziele sterben zu lassen.<br>\nDieses Ph&auml;nomen beurteilt er als zivilisatorischen Schritt nach vorn, n&auml;mlich als Kennzeichen einer entwickelten, eine &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/afghanistan-eigene-opfer-riskieren-um-vertrauen-zu-gewinnen-1.74144-2\">postheroischen Gesellschaft<\/a>&ldquo;. Um ihre Interessen dennoch wahrzunehmen, muss die postheroische Gesellschaft auf milit&auml;rische Mittel zur&uuml;ckgreifen, bei denen f&uuml;r sie nur noch wenige oder keine Risiken mehr entstehen. <\/p><p>Auf der anderen, sozusagen auf der gegnerischen Seite verortet M&uuml;nkler die heroische Gesellschaft. Also eine Hemisph&auml;re, in der die Menschen noch bereit sind, f&uuml;r ihren Glauben und ihre Ideale mit dem Leben einzustehen. Stichwort: Dschihad. Selbstmordattent&auml;ter. Das Problem ist nur: Kinder, Halbw&uuml;chsige, &uuml;berhaupt alle Bewohner der heroischen Hemisph&auml;re, die zuf&auml;llig in die Schusslinie der ihre Interessen verfolgenden Nichthelden geraten, m&uuml;ssen selbstverst&auml;ndlich damit rechnen, dass sie zu Opfern werden. <\/p><p>Diese Bestandsaufnahme soll offensichtlich neu, tabulos und abgebr&uuml;ht realpolitisch klingen. Eigentlich greift M&uuml;nkler damit aber tief in die Mottenkiste, n&auml;mlich zu Erkl&auml;rungsmodellen aus dem Umfeld des 1. Weltkriegs. In seinem Buch &bdquo;H&auml;ndler und Helden&ldquo; von 1915 stellt der konservative Soziologe Werner Sombart den dekadenten materialistischen Westen &ndash; damals repr&auml;sentiert von Deutschlands Gegnern unter F&uuml;hrung der &bdquo;H&auml;ndlernation&ldquo; England &ndash; den kampfwilligen, idealistischen Deutschen gegen&uuml;ber, die in seinen Augen noch bereit sind, f&uuml;r das zu sterben, woran sie glauben. Anders als Sombart, verortet M&uuml;nkler nun aber offensichtlich den Erfolg nicht bei den Heroen, sondern bei den Postheroen. <\/p><p>Die Art, die Menschheit anhand solcher Begriffe einzuteilen, passt allerdings sehr gut zu einer Milit&auml;r- und Au&szlig;enpolitik, die sich ebenfalls wieder der Werkzeuge des fr&uuml;hen 20. Jahrhunderts bedient. <\/p><p><strong>An welche denken Sie da?<\/strong><\/p><p>Man stabilisiert im &bdquo;Einsatzland&ldquo; Anachronismen, weil sie angeblich kulturell und religi&ouml;s bedingt und daher unab&auml;nderlich seien. Man stellt Stammeschefs, Kriegsherren religi&ouml;se Autorit&auml;ten in den Dienst der eigenen Sache, l&auml;sst sie Landstriche kontrollieren und Hilfstruppen ausheben, die man dann bezahlt, damit die eigenen Soldaten weniger Risiken eingehen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Erstaunlicherweise wird &uuml;ber diesen Anachronismus aber kaum debattiert&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, stattdessen aber umso mehr &uuml;ber milit&auml;risches Ger&auml;t und Posttraumatische Belastungsst&ouml;rungen von Milit&auml;rs, die aus Afghanistan zur&uuml;ckkommen. Dabei handelt es sich zwar sehr wohl um wirklich ernst zu nehmende Probleme und Beschwerden. Die Situation dieser im Vergleich sehr wenigen Soldaten steht jedoch in keinem Verh&auml;ltnis zu dem Schaden, den dieser Bundeswehreinsatz bei einer zahlenm&auml;&szlig;ig ungleich gr&ouml;&szlig;eren Menge afghanischer Zivilisten anrichtet, nach M&uuml;nkler&lsquo;scher Definition, eben den Bewohner der heroischen Weltgegend, die ja nicht minder traumatisiert oder gar get&ouml;tet werden. <\/p><p><strong>Welche Sch&auml;den meinen Sie da konkret?<\/strong><\/p><p>Insbesondere seitdem ab ca. 2008\/ 2009 in Afghanistan unter F&uuml;hrung der US-Armee die Doktrin der Aufstandsbek&auml;mpfung umgesetzt wird, hilft auch die Bundeswehr nicht mehr beim Nation Building. Vielmehr geht es um kurzfristig angelegte Stabilit&auml;t und geordneten R&uuml;ckzug. Um dieses neue Ziel ohne eigene Verluste zu erreichen, sourcen die NATO- und ISAF-Truppen Sicherheitsaufgaben zunehmend aus und f&ouml;rdern die Aufstellung irregul&auml;rer Verb&auml;nde &ndash; gef&uuml;hrt oft von Haudegen aus dem 30-j&auml;hrigen afghanischen Krieg, im Klartext also: Verbrechern, Killern und Pl&uuml;nderern. <\/p><p>Versch&auml;rfend kommt auch noch das ethnische Element hinzu. Die Taliban sind in der Regel Paschtunen; zum Kampf gegen sie melden sich daher &uuml;berwiegend Tadschiken und Usbeken. Aus Nation Building ist daher inzwischen vor allem ein grausames Teile und Herrsche geworden, das mit dem gezielten Einsatz ethnischer und religi&ouml;ser Differenzen einhergeht, mit anderen Worten also ein Nation Unbuilding. <\/p><p><strong>Wie muss ich mir derlei Handeln durch deutsche Soldaten konkret vorstellen? <\/strong><\/p><p>Als eklatanten Widerspruch zwischen dem, was der Bundeswehr politisch durch Regierung und Parlament vorgegeben wird, n&auml;mlich beim Aufbau von Demokratie und Rechtsstaat zu helfen, und dem, was sie vor Ort tats&auml;chlich tut. <\/p><p>Im Oktober und November 2010 fand beispielsweise im Raum Kundus die Operation &bdquo;Halmazag&ldquo; statt, &uuml;bersetzt: &bdquo;Blitz&ldquo;. Es war die erste deutsch gef&uuml;hrte Offensivoperation nach dem 2. Weltkrieg statt, ebenfalls erstmals nach 1945 mit massivem Einsatz schwerer deutscher Artillerie. Die Taliban sollten verdr&auml;ngt werden, damit &ndash; lehrbuchm&auml;&szlig;ig &ndash; die drei Phasen der Aufstandsbek&auml;mpfung h&auml;tten durchgef&uuml;hrt werden sollen: Clear, Hold und Build. Das hei&szlig;t, nach der gewaltt&auml;tigen Sicherung des Gel&auml;ndes sollten dort Herzen und K&ouml;pfe der Bev&ouml;lkerung durch Infrastrukturma&szlig;nahmen gewonnen werden. Das Gegenteil wurde jedoch erreicht. Und zwar aus zwei Gr&uuml;nden&hellip;<\/p><p>Erstens, weil in der Clear-Phase schwere Waffen, insbesondere schwerer Artillerie in einem Gel&auml;nde eingesetzt wurden, in dem sich zahlreiche Zivilisten aufhielten. Der Grund war: Einige Hundert deutsche, US-amerikanische, belgische und afghanische Soldaten sollten vor Taliban-Beschuss gesch&uuml;tzt werden. Die Bundeswehr trug aber nicht ausreichend daf&uuml;r Sorge, die afghanische Zivilbev&ouml;lkerung zu warnen. Au&szlig;erdem w&auml;re es dieser zu gro&szlig;en Teilen auch gar nicht m&ouml;glich gewesen, die H&auml;user zu verlassen. Angeh&ouml;rige und Dorf&auml;lteste haben eine Liste von mindestens 18 zivilen Toten zusammengestellt, zu denen die  Bundesregierung bis heute Ermittlungen und Recherchen verweigert. Aus den Dorfversammlungen sei, so die Begr&uuml;ndung, damals von solchen F&auml;llen schlie&szlig;lich nichts zu h&ouml;ren gewesen. Die afghanischen Beteiligten stellen das jedoch ganz anders dar. Worauf das Verteidigungsministerium dann erwidert, von den entsprechenden Schura-Versammlungen seien leider keine Protokolle angefertigt worden.   <\/p><p>Zweitens gibt es seit Anfang 2010 eine klare <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/028\/1702878.pdf\">Weisung [PDF &ndash; 978 KB]<\/a> des Verteidigungsministeriums, auf keinen Fall mit solchen Milizen zusammenzuarbeiten, die ohne Auftrag des afghanischen Innenministeriums agieren. <\/p><p>Keine Kooperation also mit selbst ernannten Hilfs-Sheriffs, die ihr Geld bei der Bev&ouml;lkerung eintreiben &ndash; das war und ist auch Konsens bei den zust&auml;ndigen Ministern der Bundesregierung, bei den politischen Parteien und im Parlament. Der Kommandeur der Task Force Kundus tat jedoch genau das, was ihm untersagt war und bezog fortan gerade solche Milizen als ein entscheidendes Element in seine Planungen mit ein  &ndash; und der Oberkommandeur des deutsch gef&uuml;hrten Regionalkommandos Nord segnete diese Planung schlie&szlig;lich ab. <\/p><p><strong>H&auml;tten Sie auch hierzu bitte ein Beispiel parat?<\/strong><\/p><p>Beispielsweise haben mir Bundeswehroffiziere vor Ort beschrieben, wie sie bei der Rekrutierung und Bezahlung der CIP halfen, einer nicht uniformierten Hilfspolizei, die wegen ihrer &Uuml;bergriffe gegen die Zivilbev&ouml;lkerung ber&uuml;chtigt war. Nach 2013 wurden die CIP-Verb&auml;nde deshalb auch wieder aufgel&ouml;st. Es gibt Fotos: Ein deutscher Offizier sitzt an einem Schreibtisch und erfasst Rekruten der CIP. Andere schilderten mir, wie sie f&uuml;r die irregul&auml;re Afghan Local Police (ALP) Stellungen ausbauten. Auf <a href=\"http:\/\/www.bundeswehr-monitoring.de\/fileadmin\/user_upload\/media\/BT1708039.pdf\">parlamentarische Anfragen [PDF &ndash; 492 KB]<\/a> zu diesem Thema hin antwortete die Bundesregierung jedoch stets: Deutsche Stellen beteiligten sich nicht an Aufstellung und Ausr&uuml;stung der CIP und der ALP.<\/p><p>Und nach der beschriebenen Operation Halmazag &uuml;bergaben Bundeswehrsoldaten schlie&szlig;lich die von ihnen gesicherten Ortschaften an die Banden zweier Verbrecher: Nawid und Sayed Hossein. Nawid war zu diesem Zeitpunkt bereits ein von der afghanischen Polizei per Haftbefehl gesuchter Auftragsm&ouml;rder, der sich daf&uuml;r bezahlen lie&szlig;, Blutrache zu vollziehen oder unliebsame Konkurrenten seiner Geldgeber aus der Welt zu schaffen. Und auch Sayed Hossein ist als ein notorischer Killer bekannt. Nach Angaben des Dorf&auml;ltesten und von Einwohnern der betroffenen D&ouml;rfer, pl&uuml;nderten die beiden dann tagelang die Gegend und misshandelten die Einwohner. Der damalige Verteidigungsminister zu Guttenberg wurde noch w&auml;hrend der laufenden Offensive in alle Einzelheiten eingef&uuml;hrt. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schilderte man sp&auml;ter bei einem Besuch vor Ort die ganze Operation als Erfolgsmodell. Von beiden verlautete jedoch keinerlei Kritik. Und Nawid und Sayed Hossein kontrollieren bis heute noch Teile der Provinz Kundus. Der Provinzgouverneur r&auml;umt zwar ein, dass es sich um Verbrecher handele, sieht aber derzeit keine Alternative, zu diesen erfahrenen Kriegern, um den Taliban wirkungsvoll Widerstand entgegenzusetzen.  <\/p><p>Die Langzeitfolgen dieser Entwicklungen sind dabei bereits offenkundig fatal: Gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung haben sich bereits von der Regierung abgewandt und die 2010 milit&auml;risch &bdquo;gesicherten&ldquo; Gebiete sind inzwischen wieder an die Taliban verloren gegangen. <\/p><p>Bei meinem letzten Aufenthalt in Kundus im Sommer 2014 bin ich durch einige D&ouml;rfer gefahren. Der Tenor bei Gespr&auml;chen dort war stets: Wir sind zwischen zwei M&uuml;hlsteinen, den Taliban und den Milizen-Banden. Beide sind schlimm, aber die Taliban haben wenigstens ein Weltbild und halten sich an ein, zwei Regeln. Die &bdquo;regierungsfreundlichen&ldquo; Milizen hingegen sind nur Verbrecher, die f&uuml;r Geld alles tun.   <\/p><p><strong>Von &bdquo;Sympathiegewinnen&ldquo; f&uuml;r die vermeintlichen Befreier kann also keine Rede sein?<\/strong><\/p><p>Nein, ganz im Gegenteil. Und au&szlig;erdem ver&auml;ndert sich zunehmend das Verst&auml;ndnis von Krieg &ndash; und zwar ebenfalls zum Schlimmeren, wo Soldaten &ndash; also die bezahlten und gut ausgebildeten Profis der Sicherheit &ndash; die Risiken von Eins&auml;tzen mehr und mehr Zivilisten &uuml;berlassen. Hier entsteht gerade eine Art Kaste der Privilegierten, an denen nur noch die Kleidung, die Uniform, romantische Reminiszenzen an Gefahr, Aufopferung und Todesbereitschaft weckt. De facto handelt es sich aber mehr und mehr um beamtete Logistikexperten im Auslandseinsatz, die von unausgebildeten lokalen K&auml;mpfern kosteng&uuml;nstig gesch&uuml;tzt werden, denen sie wiederum daf&uuml;r die Mittel liefern, wodurch Befriedung mehr verhindert denn m&ouml;glich gemacht wird.<br>\nZwar kann nat&uuml;rlich immer noch &bdquo;Unf&auml;lle&ldquo; geben und einzelne Soldaten k&ouml;nnen sterben. Gerechnet wird damit aber nicht mehr. Diejenigen, die heute vor allem im Interesse deutscher Au&szlig;enpolitik sterben, stammen inzwischen vielmehr aus rasch zusammengew&uuml;rfelten Banden arbeitsloser junger M&auml;nner, deren Anf&uuml;hren man Geld gibt oder durch das Versprechen von Infrastruktur k&ouml;dert. <\/p><p>Und nat&uuml;rlich sind es immer wieder auch Zivilisten. Oft werden gerade sie zu Opfern eben solcher Banden, die schlie&szlig;lich keinem Parlament Rechenschaft schulden. So etwas brutalisiert und verheert Gesellschaften und nimmt ihnen auf absehbare Zeit die Chance, sich zu Zivilgesellschaften zu entwickeln. Um mit Herfried M&uuml;nkler und in seiner Syntax zu sprechen: l&auml;sst sie eben &bdquo;heroisch&ldquo; bleiben bzw. zwingt sie sogar hierzu. Das jedoch kann und darf nicht Weg der deutschen Au&szlig;enpolitik bleiben und sein.   <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/t-AUQVWqV7Q\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><div style=\"text-align:center\">\n<p><strong>Marc Th&ouml;rner: Bundeswehr kooperiert mit Warlords und Arbaki-Milizen<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Marc Th&ouml;rner<\/strong>, Jahrgang 1964, war von 1995 bis 2007 Auslandsreporter f&uuml;r die ARD und ist aktuell als freier Journalist mit Arbeitsschwerpunkten Maghreb, Golfstaaten, Irak, Pakistan und Afghanistan t&auml;tig. Buchver&ouml;ffentlichungen unter anderem: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.edition-nautilus.de\/programm\/politik\/buch-978-3-89401-557-2.html\">Der falsche Bart. Reportagen aus dem Krieg gegen den Terror<\/a>&ldquo;, &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.edition-nautilus.de\/programm\/politik\/buch-978-3-89401-607-4.html\">Afghanistan-Code. Reportagen &uuml;ber Krieg, Fundamentalismus und Demokratie<\/a>&ldquo; und &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.edition-nautilus.de\/programm\/Flugschriften\/buch-978-3-89401-792-7.html\">Ein sanfter Putsch. Wie Milit&auml;rs Politik machen<\/a>&ldquo;. 2009 erhielt Marc Th&ouml;rner den <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-preis.de\/dokumentation\/2009\/preistraeger\/1-preis-marc-thoerner.html\">Otto-Brenner-Preis f&uuml;r kritischen Journalismus<\/a>.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/2c730e17e91d4344a435a050cd55fb15\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundeskabinett hat gr&uuml;nes Licht f&uuml;r den weiteren <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/kabinett-105.html\">Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan<\/a> gegeben und ein deutscher Dreisterne-General wird in den Medien mit &ldquo;Ich bin froh, dass ich in Afghanistan bleiben kann&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/ich-bin-froh-dass-ich-in-afghanistan-bleiben-kann-aid-1.4681281\">zitiert<\/a>. Froh, im Krieg zu sein? Froh, unser aller &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=86ELBWLNdmg\">Freiheit<\/a>&ldquo; am Hindukusch zu verteidigen? Was genau meint er damit &ndash;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24080\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,209,171],"tags":[351,358,304],"class_list":["post-24080","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-interviews","category-militaereinsaetzekriege","tag-afghanistan","tag-bundeswehr","tag-kriegsverbrechen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24080","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24080"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24080\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121888,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24080\/revisions\/121888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24080"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24080"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24080"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}