{"id":24085,"date":"2014-11-26T17:11:56","date_gmt":"2014-11-26T16:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24085"},"modified":"2014-11-27T10:08:35","modified_gmt":"2014-11-27T09:08:35","slug":"medien-reagieren-beleidigt-wenn-man-ihr-versagen-beschreibt-und-ihre-glaubwuerdigkeit-in-zweifel-zieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24085","title":{"rendered":"Medien reagieren beleidigt, wenn man ihr Versagen beschreibt und ihre Glaubw\u00fcrdigkeit in Zweifel zieht."},"content":{"rendered":"<p>Unmittelbarer Ansto&szlig; f&uuml;r diesen Text ist ein Gespr&auml;ch mit einer Journalistin, die ich als kritische Begleiterin des Geschehens kenne. Jetzt beklagte sie, dass der in deutscher Sprache neu auftretende Sender Russlands, RT Deutsch, die Glaubw&uuml;rdigkeit der deutschen Medien hinterfragen wolle. Dies sei unerh&ouml;rt. &Auml;hnlich betroffen und aggressiv reagierten die deutschen Medien wohl mehrheitlich. Ein paar Beispiele siehe in der Anlage. Hier interessiert jetzt nicht zuvorderst das spezielle Problem des Auftretens Russlands im Konzert der Meinungsmacher in Deutschland, sondern das Verhaltensmuster deutscher Medien, das in der aggressiven Reaktion auf das russische Projekt sichtbar wird. Eine harte Kritik an Russlands Versuch, eine Informationsl&uuml;cke zu schlie&szlig;en, w&auml;re ja ertr&auml;glich, wenn die Mehrheit der Medien hierzulande nicht so hoffnungslos versagen w&uuml;rde. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Unsere Medienschaffenden produzieren viele interessante, gut recherchierte Beitr&auml;ge. Aber sie versagen nahezu total dabei, die Debatten und Kampagnen zu wichtigen politischen Entscheidungen kritisch zu begleiten und uns vor gravierenden politischen Fehlentscheidungen zu bewahren.<\/strong><\/p><p>Sie sind oft Teil der Kampagnen, manchmal aus &Uuml;berzeugung, manchmal offensichtlich gesto&szlig;en und gezogen.<\/p><p>An zehn Beispielen will ich das belegen. Es k&ouml;nnten auch 20 und mehr sein. Den ersten Beleg, die Einbindung der Mehrheit der Medien in die Propaganda f&uuml;r die Riester-Rente, f&uuml;hre ich etwas ausf&uuml;hrlicher aus. Bei den anderen Belegen beschr&auml;nke ich mich auf wenige Informationen:<\/p><p><strong>Beispiel 1 f&uuml;r das Versagen: Die Propaganda f&uuml;r die Privatvorsorge, die hochgespielten Sorgen um den demographischen Wandel und die Entscheidungen f&uuml;r die Riester-Rente<\/strong><\/p><p>Von Anfang an, zumindest beginnend mit dem Wahlkampf von 1998 und den damals geschalteten Gro&szlig;anzeigen und Fernsehspots der Versicherungs- und Bankenwirtschaft, war aufmerksamen Beobachtern klar, dass die Finanzwirtschaft in der privaten Altersvorsorge ein pr&auml;chtiges neues Gesch&auml;ftsfeld sieht, und dass deshalb zur Verbesserung der Vertriebschancen die Leistungsf&auml;higkeit des Konkurrenzproduktes gesetzliche Rente reduziert werden musste, tats&auml;chlich und propagandistisch. Es war auch von Anfang an klar, dass der demographische Wandel als Hebel benutzt werden konnte und deshalb dramatisiert werden musste. <\/p><p>Jeder einigerma&szlig;en kritische Zeitgenosse konnte im Jahre 2001, als die Riester-Rente beschlossen und zum 1.1.2002 eingef&uuml;hrt wurde, wissen, dass dieses Konstrukt nicht kosteng&uuml;nstig funktionieren kann und es unrentabel sein wird. Es war au&szlig;erhalb des Kreises der von kommerziellen Interessen und ihrer Lobby gepr&auml;gten &Ouml;konomen immer bekannt, dass das Umlageverfahren das effizienteste und zugleich soziale Verfahren zur Organisation der Altersvorsorge ist.<\/p><p>Wer dies sagte und schrieb, wie zum Beispiel Professor Gerd Bosbach oder ich in einem Buch schon 1997 und dann ab 2004 in den NachDenkSeiten  und in voller Breite im Buch &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1159\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1081\">hier<\/a>), der wurde als N&ouml;rgler, als uneinsichtig oder gar als Verschw&ouml;rungstheoretiker abgetan oder einfach verschwiegen. Unsere s&uuml;&szlig;en Haupt-Medien haben bis zum vergangenen Freitag gebraucht, um die Fakten &uuml;ber den Flop Riester-Rente in einer gro&szlig;en und popul&auml;ren Sendung auszubreiten, in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CWCho54mbgs&amp;feature=youtu.be&amp;list=UUSe1WCAujovQdGx7mPBGEKQ\">Heute Show<\/a> vom 21.11.2014. Siehe dort den ersten Teil. Im zweiten Teil der verlinkten Heute Show wird dann sichtbar, dass die sehenswerte Aufkl&auml;rung &uuml;ber die Riester-Rente leider eine Eintagsfliege gewesen ist. Dann macht sich Welke n&auml;mlich in der &uuml;blich gewordenen dumpfen Art u.a. &uuml;ber RT Deutsch her.<\/p><p>Die gelungene Aufkl&auml;rung zur Riester-Rente nutzt uns &uuml;brigens jetzt nichts mehr. Sie kommt gut zehn Jahre zu sp&auml;t. Die zur Unterst&uuml;tzung der Privatvorsorge getroffenen Entscheidungen, das Leistungsniveau der gesetzlichen Rente abzusenken und die private Altersvorsorge, also private kommerzielle Interessen, mit Steuergeldern zu subventionieren, sind getroffen worden und entfalten ihre verheerende Wirkung.<\/p><p>Da jedem Menschen, der sich nicht in Kampagnen einbinden lie&szlig;, klar war, dass das Entscheidungen zugunsten von Herrn Maschmeyer und der sonstigen Lobby der Finanzwirtschaft waren, die uns Milliarden von Steuergeldern kosteten und kosten und zus&auml;tzlich Millionen Menschen in die Altersarmut schicken, muss man von einem grandiosen Versagen der Medien sprechen. Sie haben nicht nur versagt, diese Entscheidungen zu kritisieren, sie haben auch massiv und in vielf&auml;ltiger Weise bei der Agitation f&uuml;r diese Art von Privatvorsorge mitgemacht &ndash; in tausenden von Artikeln und in hunderten von Sondersendungen, manchmal wochenlanger Berichterstattung &ndash; &bdquo;Themenwochen&ldquo; genannt &ndash; &uuml;ber die Vergreisung und das Altern und den demographischen Wandel und die logische Schlussfolgerung: Kapitaldeckung und Privatvorsorge. Es wurden Foren organisiert, so genannte wissenschaftliche Institute f&uuml;r Untersuchungen bezahlt; nur eine kleine Minderheit von Journalisten war bereit und f&auml;hig zu rufen: Schaut her, der Kaiser ist nackt.<\/p><p>Es gab die bewundernswerten Ausnahmen. Eine will ich hervorheben, weil sie alles offen legte, was man zu einem kritischen Urteil brauchte: der Film &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PL7B051CEEC4D8C33E\">Rentenangst<\/a>&ldquo;, den die beiden Journalisten Ingo Blank und Dietrich Krauss f&uuml;r den Saarl&auml;ndischen Rundfunk ausgedacht und produziert haben. <\/p><p>Das war 2008. Vorher, am 16.3.2006, gab es in &bdquo;Monitor&ldquo; von Kim Otto schon den belegten Hinweis, dass die Allianz AG mit der Bild-Zeitung gemeinsame Sache zugunsten ihrer Riester-Rente, der sogenannten Volksrente macht. In einer Handreichung f&uuml;r die Vertreter des Allianz-Konzerns wurde angek&uuml;ndigt, dass die Bild-Zeitung im redaktionellen Teil Reklame f&uuml;r die Volksrente machen werde.<\/p><p><strong>Jene vielen Medien, die sich in die Kampagne f&uuml;r die Riester-Rente und die anderen Formen staatlicher F&ouml;rderung privater Interessen haben einspannen lassen, m&uuml;ssen sich fragen lassen, warum sie die schl&uuml;ssige Arbeit ihrer Kollegen missachtet haben, wenn sie schon selbst des Nachdenkens nicht f&auml;hig oder nicht willens waren.<\/strong><\/p><p>Aus aktuellem Anlass anzumerken bleibt, dass man die Verflechtung von Gerhard Schr&ouml;der mit den Interessen des Finanzdienstleisters Maschmeyer und all seiner Kollegen nicht erst, wie es jetzt meist geschieht, an dem Zusammenspiel bei der Reform der Riester-Rente im Jahre 2005 festmachen kann. Sieben Jahre vorher, im nieders&auml;chsischen Landtagswahlkampf, gab es schon ein &ndash; angeblich nicht verabredetes &ndash; Vorspiel: Maschmeyer hat wesentlich dazu beigetragen, dass Gerhard Schr&ouml;der mit einer absoluten Mehrheit die Landtagswahl vom 1. M&auml;rz 1998 und damit die SPD-Kanzlerkandidatenk&uuml;r gegen Oskar Lafontaine gewann. Sarkastisch k&ouml;nnte man anmerken: Nicht die SPD-Gremien und der Parteitag vom April 1998, Carsten Maschmeyer entschied de facto &uuml;ber den Spitzenkandidaten der SPD f&uuml;r die Wahl 1998 und damit &uuml;ber den k&uuml;nftigen Bundeskanzler. <\/p><p>Der &ndash; nat&uuml;rlich nie verabredete &ndash; Dank an Maschmeyer war die Einf&uuml;hrung der Riester-Rente zum 1.1.2002. Maschmeyer bedankte sich sp&auml;ter auf seine Art:  &laquo;Es ist jedoch so, als wenn wir auf einer &Ouml;lquelle sitzen&raquo; &hellip; &laquo;Sie ist angebohrt, sie ist riesig gro&szlig; und sie wird sprudeln.&raquo; (Netzeitung vom 8.6.2005)<\/p><p><strong>Das Beispiel Riester-Rente beleuchtet &uuml;brigens die wiederkehrende Konstellation und ihre Problematik: Wir hatten kritische Medien-Beitr&auml;ge, wir hatten guten Journalismus, aber dieser war irrelevant, weil die Impulse der Medien zur Beeinflussung der Menschen im Sinne der privaten Interessen vermutlich um das Hundertfache zahlreicher und damit wirksamer waren, als jene der kritischen Journalisten.<\/strong><br>\n<strong>Deshalb muss, wer aufkl&auml;ren und schlechte politische Entscheidungen verhindern will, die Glaubw&uuml;rdigkeit der Hauptmedien in Zweifel ziehen.<\/strong><\/p><p><strong>Beispiel 2: Die Austerit&auml;tspolitik, das sogenannte Sparen und die Feier der Schwarzen Null: Wolfgang Sch&auml;uble.<\/strong><\/p><p>Die Medien in Deutschland sind mehrheitlich einer primitiven Sparideologie gefolgt, ohne R&uuml;cksicht auf die dokumentierten Erfahrungen mit dieser prozyklischen Politik in der Weimarer Republik, und ohne R&uuml;cksicht auf die Wirkung dieser Politik auf andere europ&auml;ische Staaten. Die Bundesregierung hat diese politische Linie anderen V&ouml;lkern aufgedr&uuml;ckt, mit der Konsequenz der Versch&auml;rfung extrem hoher Arbeitslosigkeit. Wo sind die kritischen deutschen Medien geblieben? Sie erstarren in Ehrfurcht vor Sch&auml;uble, Merkel und der Sparideologie. Sie bewundern das groteske Konstrukt Schuldenbremse. Nicht einmal der Zusammenhang zwischen Sparideologie und dem schlimmen Zustand unserer Infrastruktur ist den bestimmenden Mehrheitsmedien eine Erkenntnis wert. <\/p><p>Sie sind mitverantwortlich f&uuml;r die gravierenden Fehlentscheidungen in diesem Bereich: <\/p><p>Die meisten Medien sind unsensibel gegen&uuml;ber den menschlichen und gesellschaftlichen Hypotheken, die mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50 % in Griechenland, Portugal und Spanien verbunden sind. Auch hier gibt es Ausnahmen. Es gibt gute und zugewandte Analysen der Folgen der Austerit&auml;tspolitik. Aber diese aufkl&auml;renden Texte und Sendungen sind die Minderheit und haben keinen Einfluss auf die Politik.<\/p><p>Aus aktuellem Anlass weise ich in diesem Zusammenhang auf plus minus von heute Abend hin: &ldquo;Traumberuf Lokf&uuml;hrer&rdquo; in Plusminus (ARD), 21.45 Uhr. Der Autor und Filmemacher Hermann Abmayr geh&ouml;rt zu der kleinen Gruppe kritischer Journalisten.<\/p><p><strong>Beispiel 3 f&uuml;r das Versagen der Mehrheitsmedien: Die Bewunderung f&uuml;r die Exportweltmeisterschaft wird von der Mehrheit der Medien geteilt<\/strong><\/p><p>Die meisten Medien haben die Notwendigkeit, in einer gemeinsamen W&auml;hrungsgemeinschaft die Wettbewerbsf&auml;higkeit und die Leistungsbilanzen der einzelnen Volkswirtschaften auf mittlere Sicht ins Lot zu bringen, bis heute nicht erkannt. Sie sehen nicht und kreiden der Bundesregierung nicht an, dass fortw&auml;hrende Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse Deutschlands bei anderen V&ouml;lkern zwangsl&auml;ufig Defizite bedeuten, auch bei unseren europ&auml;ischen Partnern und Freunden. Sie sehen nicht, dass Export&uuml;bersch&uuml;sse ein Synonym f&uuml;r den Export von Arbeitslosigkeit sind. Sie sehen auch nicht, dass Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse verschenkte Ressourcen sind. Sie sehen das nicht, weil sie wie manche Volkswirte auch nie gelernt haben, in realen Gr&ouml;&szlig;en, in real terms, zu denken.<\/p><p>Und &ndash; das ist gravierend &ndash; sie sehen nicht, dass die Politik der fortw&auml;hrenden Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse zu aller erst f&uuml;r die Krise der Eurozone und damit auch f&uuml;r die Euro- und Europa-Skepsis vieler Menschen verantwortlich ist.<\/p><p><strong>Beispiel 4: Die Unterst&uuml;tzung der Agenda 2010 und der sogenannten Reformpolitik.<\/strong><\/p><p>Die Mehrheit der Medien hat nahezu alles mitgemacht, was es an Behauptungen zu verbreiten galt: dass die Lohnnebenkosten zu hoch seien und schuld seien an der hohen Arbeitslosigkeit; dass die Reformen gewirkt h&auml;tten; dass es uns allen gut gehe; dass der arme Schr&ouml;der sich und das Ansehen der SPD geopfert habe; dass es keine Alternative zu dieser Reformpolitik gegeben h&auml;tte usw. &ndash; Tina ist verinnerlicht.<\/p><p>Die vielen Flops von Hartz I-III und die Besch&ouml;nigung und Bereinigung der Arbeitslosenstatistik sind kein nachhaltiges Thema unserer Hauptmedien geblieben.<\/p><p><strong>Beispiel 5: Bewunderung f&uuml;r niedrige L&ouml;hne und den Aufbau des sogenannten Niedriglohnsektors<\/strong><\/p><p>Medien haben mehrheitlich offensichtlich eine Sympathie f&uuml;r niedrige L&ouml;hne. Sie haben begr&uuml;&szlig;t, dass die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen auseinandergeht, sie haben hingenommen, dass die einen immer reicher werden und die anderen mit niedrigen Verm&ouml;gen oder Schulden zur&uuml;ckgelassen werden. Und heute bewundern sie Piketty und seine Dokumentation der zu erwartenden und nunmehr eingetretenen ungerechten Verteilung von Verm&ouml;gen.<\/p><p><strong>Beispiel 6: Jede Bank ist systemrelevant &ndash; Deutschlands Medien haben das mehrheitlich geglaubt oder sie sind so eng mit der Finanzlobby verbunden, dass sie ihre Parolen auch ohne &Uuml;berzeugung weitertragen.<\/strong><\/p><p>Sie haben die Bankenrettung ohne Differenzierung mitgetragen; es gab dort kein Aufschrei, als mit einem Finanzrahmen von 480 Milliarden &euro; Banken gerettet wurden; es gab kein Protest gegen die Rettung der M&uuml;nchner HRE, obwohl diese Rettung mit &uuml;ber 100 Milliarden zu Buche schl&auml;gt und dort Spekulanten gerettet wurden, die eine Rettung nicht verdienten; die Medien haben sich von der Bundeskanzlerin und dem damaligen Bundesfinanzminister Steinbr&uuml;ck einbinden lassen; im Oktober 2008 waren die Chefredakteure von der Bundeskanzlerin und dem Bundesfinanzminister zum Gespr&auml;ch geladen. Das dort verbreitete Ansinnen, beruhigend auf die Finanzm&auml;rkte einzuwirken, kritisiere ich nicht. Zu kritisieren ist, dass daraus ein Stillhalten gegen&uuml;ber nahezu allen Sauereien der Abwicklung der Finanzkrise gemacht wurde. Die Medien haben sich nicht einmal gewundert dar&uuml;ber, dass Angela Merkel den Berater von Goldman Sachs zum Vorsitzenden einer Kommission zur Regelung der internationalen Finanzm&auml;rkte gemacht hat. Die Mehrheitsmedien haben den Parolen der Lobby stets den passenden Resonanzboden bereitgestellt &ndash; so zum Beispiel, als gestreut wurde, die schlimmsten Spekulanten seien die &ouml;ffentlichen Banken gewesen.<\/p><p>Die Mehrheitsmedien beteiligen sich bis heute an der F&ouml;rderung der Spekulation und an der Bewunderung f&uuml;r Finanzanlagen. Noch immer kommt zur besten Sendezeit in der ARD der B&ouml;rsenbericht und noch immer wird unter uns verbreitet, es sei f&uuml;r uns gut, wenn die Aktienkurse steigen, und es sei schlecht, wenn sie sinken. Dass diese Bewegungen f&uuml;r unser Wohlergehen ziemlich irrelevant sind, ist bei den Machern der Mehrheitsmedien nicht angekommen.<\/p><p>Auch bei diesem Thema gab es leuchtende Beispiele guten, kritischen Journalismus. So erschien im Berliner Tagesspiegel ein Beitrag von Harald Schumann &uuml;ber &bdquo;Die Geretteten&ldquo;. Die Lekt&uuml;re konnte einem die Augen &ouml;ffnen, wenn man wollte. Die Kollegen des Autors in den einschl&auml;gig t&auml;tigen Redaktionsstuben und vor allem die Medien-Konzernchefs wollten es nicht.<\/p><p>Die Medienmehrheit ist offenbar eng mit der Finanzwirtschaft verbunden und geht deshalb sehr unkritisch mit den Vorg&auml;ngen in diesem Bereich um. Dazu noch ein paar Hinweise und Fragen, die wir uns in diesem Zusammenhang stellen sollten:<\/p><ul>\n<li>Haben Sie irgendwo einen kritischen Bericht oder &uuml;berhaupt nur einen aufkl&auml;renden Bericht zur &Uuml;bernahme der Postbank durch die Deutsche Bank gelesen?<\/li>\n<li>Haben Sie emp&ouml;rende Berichte dar&uuml;ber gelesen, dass die ostdeutschen Banken f&uuml;r einen Appel und ein Ei an die westdeutschen Banken &bdquo;verkloppt&ldquo; worden sind? Der Chefredakteur des Tagesspiegel hatte davon berichtet &ndash; au&szlig;er der Resonanz auf den NachDenkSeiten fast keine sonstige Resonanz.<\/li>\n<li>Haben Sie irgendwo eine kritische Auseinandersetzung mit der Deregulierungspolitik von Rot-Gr&uuml;n und von Schwarz-Rot auf den Finanzm&auml;rkten in der Zeit vor Ausbruch der Finanzkrise gelesen?<\/li>\n<li>Wurde von den Medien kritisch gefragt und nachgehakt, als die gro&szlig;e Koalition 2005 in ihrer Koalitionsvereinbarung den laschen Umgang der Finanzaufsicht mit den Finanzinstitutionen empfahl?<\/li>\n<li>Haben Sie irgendwo etwas gelesen dar&uuml;ber, warum der Bund &uuml;ber die KfW (Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau) ein Aktienpaket von 34 % der Allianz AG an der maroden Industriekreditbank (IKB) &uuml;bernahm? Und dann auch noch von der M&uuml;nchner R&uuml;ck? Was waren die Hintergr&uuml;nde dieser Deals?<\/li>\n<li>Usw. und sofort. Die Fragen lie&szlig;en sich in der Tat mehren. Die Antworten fehlen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Beispiel 7: Die Missachtung des gelungenen Versuchs, den Konflikt zwischen West und Ost mit dem Erfolg der Vers&ouml;hnungspolitik der sechziger, siebziger und achtziger Jahre zu beenden. <\/strong><\/p><p>Die Medien haben nicht auf den Genuss der &bdquo;Friedensdividende&ldquo; gepocht. Sie sind den geopolitischen Spielereien US-amerikanischer Regierungsberater hinterher gelaufen und mehrheitlich dem &uuml;blich gewordenen Russland-Bashing gefolgt.<\/p><p><strong>Beispiel 8: Der R&uuml;ckfall in die Grabenk&auml;mpfe des kalten Krieges der F&uuml;nfzigerjahre einschlie&szlig;lich des Aufbaus von Feindbildern, oft in Analogie zur Agitation der Nazis und der Rechtskonservativen in der Weimarer Zeit.<\/strong><\/p><p><strong>Beispiel 9: Bomben auf Restjugoslawien wegen des Kosovo-Konflikts<\/strong><\/p><p>Die Beteiligung der Bundeswehr an den Bombenangriffen auf Restjugoslawien, insbesondere auf Serbien ist von den Medien &auml;u&szlig;erst oberfl&auml;chlich und ganz im Sinne der &ouml;ffentlich ausgegebenen Parolen begleitet worden. Die Medien hingen an den Lippen des NATO Sprechers Shea und des deutschen Verteidigungsministers Rudolf Scharping.<\/p><p>Die Entwicklung des Konfliktes wurde auch nicht ann&auml;hernd kritisch analysiert. Die Mehrheits-Medien haben nicht mitbekommen wollen, dass die Verhandlungen in Rambouillet nicht ernsthaft gef&uuml;hrt worden sind, dass schon vorher fest lag, dass die Beteiligung Deutschlands an einem Milit&auml;reinsatz au&szlig;erhalb des NATO-Bereichs bei dieser Gelegenheit durchgesetzt und einge&uuml;bt werden sollte. Sie haben ein bisschen aber nicht ausf&uuml;hrlich genug ans Licht geholt, dass der deutsche Bundeskanzler und sein Au&szlig;enminister noch vor ihrer Ernennung in den USA auf diesen Krieg festgelegt worden waren. Die Medien haben die enge Verkn&uuml;pfung zwischen dem deutschen Au&szlig;enminister Joschka Fischer und seiner amerikanischen Kollegin Albright nicht hinterfragt.<\/p><p><strong>Beispiel 10: Das Schweigen dar&uuml;ber, wie unser Land in die Kriege der USA von Anfang an einbezogen war und ist.<\/strong><\/p><p>Von deutschem Boden aus werden Luftangriffe geflogen &ndash; auch bei Kriegen wie den beiden Irakkriegen, an denen Deutschland angeblich nicht beteiligt war; von Ramstein aus werden Drohneneins&auml;tze in weiten Teilen Europas, Asiens und Afrikas gesteuert: in Deutschland wird das gr&ouml;&szlig;te Milit&auml;rhospital der USA au&szlig;erhalb ihres Landes gebaut &ndash; Fertigstellung im Jahr 2022. Die Beschr&auml;nkung unserer Souver&auml;nit&auml;t bei der Entscheidung &uuml;ber Krieg und Frieden ist kein gro&szlig;es Thema der deutschen Medien.<\/p><p>Das waren einige Beispiele von sehr vielen m&ouml;glichen anderen Belegen f&uuml;r das Versagen der Mehrheitsmedien. Diese sollten sich angesichts dieser Bilanz nicht dar&uuml;ber wundern, dass vermutlich, wie oft registriert wird, ein wachsender Teil der Menschen unseren Medien nicht mehr traut.<\/p><p><strong>Die Glaubw&uuml;rdigkeit der Mehrheitsmedien ist nicht gro&szlig;. Angesichts ihres Versagens bei wichtigen unsere Gesellschaft betreffenden Fragen bleibt jenen, die an einer demokratischen, aufgekl&auml;rten Debatte und an guten politischen Entscheidungen interessiert sind, gar nichts anderes &uuml;brig, als die Glaubw&uuml;rdigkeit weiter zu ersch&uuml;ttern. Wie sonst sollte man sich gegen die Herrschaft des gro&szlig;en Stroms der Meinungsmacher wehren?<\/strong><\/p><p>Wir Macher der NachDenkSeiten verweisen t&auml;glich auf deutsche Medien, wir loben sie, wenn es angebracht ist. Und wir kritisieren sie, was leider des &Ouml;fteren der Fall sein muss. Wir erleben seit nunmehr elf Jahren, wie schnell deutsche Medien beleidigt sind, wenn man sie kritisiert. Dass wir bewusst und offen mit der Ank&uuml;ndigung angetreten sind, eine Gegen&ouml;ffentlichkeit aufbauen zu wollen, irritiert viele Medienschaffende und ihre Arbeitgeber &uuml;ber die Ma&szlig;en. RT Deutsch erlebt jetzt &Auml;hnliches. Man kann &uuml;ber die Qualit&auml;t dieses neuen, von Russland finanzierten Senders streiten. Aber dass Russland versucht, angesichts der Feindseligkeit vieler deutscher Medien eine L&uuml;cke zu schlie&szlig;en und dazu eine Art Gegen&ouml;ffentlichkeit aufbauen will, ist verst&auml;ndlich. Darauf gleich und ohne ein bisschen abzuwarten und dann zu pr&uuml;fen mit der gro&szlig;en Keule drauf zu schlagen, zeugt von der Bunkermentalit&auml;t der herrschenden Medien in Deutschland. Sie sind eine verschworene Gemeinschaft, wenn sie mit Kritik konfrontiert werden. <\/p><p><strong>Was bleibt uns Machern der NachDenkSeiten, wenn wir eine Gegen&ouml;ffentlichkeit aufbauen wollen, eigentlich anderes &uuml;brig, als die Glaubw&uuml;rdigkeit der dominanten Medien zu hinterfragen? Wir haben nicht die Macht, das Geld und die Auflage der Bild-Zeitung und des gesamten Springerkonzerns, oder der FAZ, oder der Zeit oder von Spiegel und Spiegel Online; wir haben nicht die Einschaltquoten von ZDF, ARD und den kommerziellen Sendern, die uns t&auml;glich mit Fehlinformationen und bewussten Manipulationen erschlagen.<\/strong><\/p><p>Gegen 1000 Impulse von Manipulation und Fehlinformation kommt man nur dann an, wenn man die Glaubw&uuml;rdigkeit der Absender der Unwahrheit fundiert infrage stellt. Das tun wir nunmehr seit elf Jahren, seit dem 30.11.2003; wir haben in dieser Zeit viele Sympathisanten gewonnen, viele, die uns daf&uuml;r dankbar sind, dass wir hinter die Kulissen leuchten. <\/p><p>Gelegentlich hatte ich bei dieser Arbeit gedacht, es m&uuml;sste doch auch im Interesse von Medienschaffenden der Hauptmedien liegen, wenn es ein solch kritisches Portal gibt, sie w&uuml;rden uns deshalb mit einer Grundsympathie begegnen und &uuml;ber den politischen Blog NachDenkSeiten berichten oder Features schreiben oder senden. Nichts davon. Wir werden als l&auml;stige Konkurrenz betrachtet und berichtet wird nahezu nichts &uuml;ber diesen auch f&uuml;r Zeitungsleser oder Fernsehzuschauer interessanten Blog.<\/p><p><strong>Die sehr weitgehende mediale Blockade ist nicht schlimm. Damit k&ouml;nnen wir leben, wenn Sie, als unsere Leserinnen und Leser helfen, die Information &uuml;ber die Existenz der NachDenkSeiten und den t&auml;glichen Service f&uuml;r unsere Leserinnen und Leser weiter zu tragen.<\/strong><\/p><p><strong>Anlage <\/strong><br>\n<strong>Beispiele f&uuml;r die Reaktion unserer Medien auf das Erscheinen von RT Deutsch:<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Kreml startet Propaganda-Offensive in Deutschland vom 22.08.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article131499923\/Kreml-startet-Propaganda-Offensive-in-Deutschland.html\">Die Welt<\/a><\/li>\n<li><strong>Gegenl&auml;ufig &ndash; Kreml-Sender auf Deutsch vom 11.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Gegenlaeufig-Kreml-Sender-auf-Deutsch,rtdeutsch100.html\">NDR.de<\/a><\/li>\n<li><strong>Sie ist Putins sch&ouml;nes Gesicht f&uuml;r Deutschland vom 14.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tz.de\/politik\/jasmin-kosubek-russia-today-rt-deutsch-putins-schoenes-gesicht-deutschland-4448287.html\">tz<\/a><\/li>\n<li><strong>Sie ist Putins sch&ouml;nes Gesicht f&uuml;r Deutschland vom 14.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.merkur-online.de\/aktuelles\/politik\/jasmin-kosubek-russia-today-rt-deutsch-putins-schoenes-gesicht-deutschland-4448287.html\">merkur-online.de<\/a><\/li>\n<li><strong>&ldquo;Dahinter steht ja der Kreml&rdquo; vom 15.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/rt-deutsch-dahinter-steht-ja-der-kreml.761.de.html?dram%3Aarticle_id=303297\">Deutschlandfunk<\/a><\/li>\n<li><strong>Russlands deutschsprachiger Propaganda-Sender vom 18.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ovb-online.de\/politik\/russlands-deutschsprachiger-propaganda-sender-4459094.html\">OBV online<\/a><\/li>\n<li><strong>Mit dem kunterbunten Holzhammer vom 18.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/rt-deutsch-sendet-propaganda-im-sinne-wladimir-putins-13271220.html\">Frankfurter Allgemeine<\/a><\/li>\n<li><strong>Das hat uns gerade noch gefehlt vom 19.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2014-11\/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen\">Zeit Online<\/a><\/li>\n<li><strong>Die L&uuml;gen von Russlands neuem deutschen Propagandasender RT vom 19.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/2014\/11\/19\/rt-deutsch-luegen_n_6185900.html\">The Huffington Post<\/a><\/li>\n<li><strong>Wladimir Putins zweifelhafte Zeugen vom 20.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.propaganda-portal-wladimir-putins-zweifelhafte-zeugen.a6a50681-9b9d-4f19-9964-78526f4fd618.html\">Stuttgarter-Zeitung.de<\/a><\/li>\n<li><strong>Mein Auftritt bei Putins Propagandasender vom 20.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/rt-deutsch-auftritt-bei-putins-propagandasender-13277111.html\">Frankfurter Allgemeine<\/a><\/li>\n<li><strong>Der Propaganda-Sender des Kremls in Deutschland vom 21.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/russia-today-der-propaganda-sender-des-kremls-in-deutschland\/11016084.html\">Handelsblatt<\/a><\/li>\n<li><strong>Das neue Wettr&uuml;sten vom 21.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/russia-today-in-deutschland-das-neue-wettruesten-1.2229378\">S&uuml;ddeutsche.de<\/a><\/li>\n<li><strong>RT Deutsch vom 22.11.2014<\/strong><br>\n&bdquo;Wer zum Putin-Versteher werden will, sollte sich unbedingt RT Deutsch anschauen. Der Zweck des neuen Senders ist es, die Politik des russischen Staatspr&auml;sidenten zu verteidigen.&ldquo;, so lauten die ersten S&auml;tze unter der &Uuml;berschrift<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/kultur\/medien\/mediator\/4602197\/-RT-Deutsch?_vl_backlink=\/home\/kultur\/medien\/index.do\">Die Presse.com<\/a><\/li>\n<li><strong>Audio: Topic: Der russische Sender RT deutsch vom 22.11.2014<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/radio\/Breitband-Deutschlandradio-Kultur\/Topic-Der-russische-Sender-RT-deutsch\/Deutschlandradio-Kultur\/Audio-Podcast?documentId=24879080&amp;bcastId=21602134\">ARD Mediathek<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unmittelbarer Ansto&szlig; f&uuml;r diesen Text ist ein Gespr&auml;ch mit einer Journalistin, die ich als kritische Begleiterin des Geschehens kenne. Jetzt beklagte sie, dass der in deutscher Sprache neu auftretende Sender Russlands, RT Deutsch, die Glaubw&uuml;rdigkeit der deutschen Medien hinterfragen wolle. Dies sei unerh&ouml;rt. &Auml;hnlich betroffen und aggressiv reagierten die deutschen Medien wohl mehrheitlich. 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