{"id":2416,"date":"2007-06-19T08:59:31","date_gmt":"2007-06-19T06:59:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2416"},"modified":"2016-01-03T12:54:40","modified_gmt":"2016-01-03T11:54:40","slug":"bundesbank-die-deutschen-sind-im-durchschnitt-reicher-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2416","title":{"rendered":"Bundesbank: Die Deutschen sind im Durchschnitt reicher geworden"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Der wirtschaftliche Aufschwung hat den Deutschen im letzten Jahr ordentlich Geld in die Kassen gesp&uuml;lt. Ihr Geldverm&ouml;gen legte um 225 Milliarden oder 5 Prozent auf gut 4,5 Billionen Euro zu. Es hat sich damit &ndash; statistisch gesehen &ndash; seit 1991 pro Haushalt fast verdoppelt&ldquo;, so <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/geld\/artikel\/0,2828,489181,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.manager-magazin.de\/geld\/artikel\/0,2828,489181,00.html\">berichtet das manager-magazin<\/a> ohne jede kritische Anmerkung &uuml;ber den neuesten Monatsbericht der Bundesbank.<br>\nDie statistische Logik unserer Bundesbanker lautet also etwa so: Wenn ich 20.000 Euro Geldverm&ouml;gen habe und mein Nachbar hat 10.000 Euro Schulden, dann haben wir beide im Durchschnitt 5.000 Euro Geldverm&ouml;gen. Dar&uuml;ber kann sich mein Nachbar aber richtig freuen!<br>\n<!--more--><br>\nEigentlich m&uuml;sste ein homerisches Gel&auml;chter &uuml;ber diese in die Welt gesetzten statistischen Zahlen durch den Bl&auml;tterwald schallen. Aber die Angabe, wonach sich das durchschnittlich Geldverm&ouml;gen je Haushalt von knapp 60.000 Euro im Jahr 1991 auf 115.000 Euro nahezu verdoppelt habe, d&uuml;rfte wieder von den meisten Bl&auml;ttern wie auch vom manager-magazin einfach nachgeplappert werden. <\/p><p>Dass diese Durchschnittszahl ohne jeden realen Aussagewert &uuml;ber die tats&auml;chliche Verteilung des Geldverm&ouml;gens ist, interessiert offenbar nicht.<br>\nSo schlicht ist eben die Wirklichkeit unserer Bundesbanker. Ihr etwas abgewandelte Motto lautet offenbar: &Uuml;ber die Frage, wer das Geld hat, spricht man nicht, Geld hat man.<\/p><p>Dass nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahre 2003 durchschnittlich alle, die bis zu 3.000 Euro verdienen, weit unter der Durchschnittssparquote von 10,7 Prozent bleiben, dass alle, die ein Monatseinkommen von rund 1.000 Euro haben, im Durchschnitt verschuldet sind, dass alle, die &uuml;ber 4.000 Euro Monatseinkommen verf&uuml;gen, aber eine Sparquote von 14 Prozent und alle, die an die 7.000 Euro monatlich haben, sogar &uuml;ber 22 Prozent ihres Monatseinkommens sparen k&ouml;nnen, interessiert im Durchschnitt ja nicht.<\/p><p>Dass die unteren 50 Prozent der Haushalte laut Armutsbericht der Bundesregierung gerade mal 4 Prozent des deutschen Verm&ouml;gens besitzen und die oberen 10 Prozent <a href=\"?p=230\">&uuml;ber 47 Prozent davon haben<\/a>, das geht nat&uuml;rlich in den Monatsbericht unserer Bundesbanker nicht ein. Wozu auch, im Durchschnitt z&auml;hlt eben nur das Geld und eben nicht, wer es hat. Hauptsache man geh&ouml;rt zu denen, die Geld haben.<\/p><p>Dass privater Reichtum etwas mit einem armen Staat zu tun haben k&ouml;nnte, d&uuml;rfen die Banker, die st&auml;ndig Steuersenkungen und staatliches Sparen anmahnen, selbstredend in diesem Zusammenhang nicht ansprechen.<br>\nWenn der Staat in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Steuern gerade auch f&uuml;r diejenigen gesenkt hat, die ohnehin am Monats- oder Jahresende genug &uuml;brig haben, um zu sparen, dann kann diese Einkommensgruppe das, was sie an Steuern gespart haben, eben zus&auml;tzlich privat sparen.<br>\nDiese Reicheren k&ouml;nnen sogar dann das zus&auml;tzlich Gesparte dem defizit&auml;ren Staat wieder leihen und so f&uuml;r das durch die Steuersenkungen Gesparte nochmals Zinsen vom Staat kassieren. Zinsen und Anleihen, die dann von unser aller Enkel an die erbenden Enkel als k&uuml;nftige Geldverm&ouml;gensbesitzer zur&uuml;ckgezahlt werden m&uuml;ssen.<br>\nKein Wunder also, dass das Nettogeldverm&ouml;gen st&auml;ndig w&auml;chst.<br>\nAuf diese Weise werden die deutschen Haushalte am Ende des laufenden Jahres ihr Geldverm&ouml;gen von im Durchschnitt  115.000 Euro vielleicht sogar auf  im Durchschnitt 120.000 Euro steigern k&ouml;nnen. Es wird also noch ungleicher verteilt sein als in den zur&uuml;ckliegenden Jahren.<\/p><p>Vielleicht verstehen wir jetzt auch besser, warum die Zentralbanker schon bei einer moderaten Inflationsrate von 1,9 Prozent auf die &bdquo;Zinsbremse&ldquo; treten und den Leitzins weiter anheben und damit sogar riskieren, den zaghaften Aufschwung abzuw&uuml;rgen. Die Gr&uuml;nde sind ziemlich nahe liegend: Die Geldverm&ouml;gensbesitzer m&uuml;ssen vor Inflationsverlusten gesch&uuml;tzt werden und die Zinss&auml;tze f&uuml;r ihre Geldanlagen m&uuml;ssen steigen. Sonst blieben ja solche Erfolgsmeldungen, dass &bdquo;die Deutschen&ldquo; mehr Geldverm&ouml;gen besitzen, k&uuml;nftig aus.<br>\nUnd &ndash; wohlgemerkt &ndash; Geldverm&ouml;gensbesitzer sind ja im Durchschnitt  wir alle. <\/p><p>F&uuml;r wie dumm d&uuml;rfen die Bundesbanker im Durchschnitt die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit der unterdurchschnittlichen Geldverm&ouml;gensbesitzer eigentlich halten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Der wirtschaftliche Aufschwung hat den Deutschen im letzten Jahr ordentlich Geld in die Kassen gesp&uuml;lt. Ihr Geldverm&ouml;gen legte um 225 Milliarden oder 5 Prozent auf gut 4,5 Billionen Euro zu. 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