{"id":24160,"date":"2014-12-03T16:22:53","date_gmt":"2014-12-03T15:22:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24160"},"modified":"2014-12-03T17:46:06","modified_gmt":"2014-12-03T16:46:06","slug":"der-weit-ueberschaetzte-welthandel-und-die-daraus-folgende-weltweite-verschwendung-von-ressourcen-statt-staerkerer-regionalisierung-und-verkehrsvermeidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24160","title":{"rendered":"Der weit \u00fcbersch\u00e4tzte Welthandel und die daraus folgende weltweite Verschwendung von Ressourcen statt st\u00e4rkerer Regionalisierung und Verkehrsvermeidung"},"content":{"rendered":"<p>In die g&auml;ngigen Debatten um die Freihandelsabkommen wird von den Bef&uuml;rwortern wie eine feststehende Tatsache einbezogen, dass der Welthandel und seine Ausweitung gut sei und deshalb auch gut sei, was ihn f&ouml;rdert. Oft wird dann damit gearbeitet, eine Ausweitung des Handels f&uuml;hre zu h&ouml;herem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den miteinander in st&auml;rkeren Austausch tretenden Volkswirtschaften. Dabei wird &uuml;bersehen, dass schon heute der Austausch zwischen den L&auml;ndern subventioniert ist und dass unter Gesichtspunkten einer optimalen Allokation von Ressourcen und damit auch unter Beachtung der sogenannten externen Effekte, der external economies, des Welthandels eher eine st&auml;rkere Regionalisierung und damit auch Verkehrsvermeidung &ouml;konomisch sinnvoll w&auml;re. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDamit nicht gleich mit Kanonen geschossen wird: Nat&uuml;rlich wei&szlig; ich auch, dass die Produktion von G&uuml;tern in gr&ouml;&szlig;eren Einheiten mit sinkenden Durchschnittskosten verbunden sein kann und deshalb unter dem Gesichtspunkt kosteng&uuml;nstiger Produktion von G&uuml;tern und Dienstleistungen der Warenaustausch und seine Ausweitung &ouml;konomisch sinnvoll sein kann. Aber ich denke, dass heute bei den meisten Produktionsverfahren der Punkt der in diesem Sinne rationalen Produktion erreicht ist. Also: mehr Welthandel zur Erreichung einer h&ouml;heren Massenproduktion d&uuml;rfte nicht besonders dringlich sein.<\/p><p><strong>Subvention der Exporte, Subvention der Transporte &uuml;ber Meere, Stra&szlig;en und die Luft<\/strong><\/p><p>Nach meiner Erfahrung ist vielen, wahrscheinlich den meisten Debattierenden und f&uuml;r mehr Welthandel streitenden nicht bewusst, dass bei uns schon die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) so angelegt ist, dass Exporte von der angesammelten Mehrwertsteuerbelastung eines Produktes entlastet werden, der Export also subventioniert wird. Das bedeutet: Der Exportanteil der deutschen Autoindustrie zum Beispiel lag 2013 bei 64,9 % (2013). BMW in M&uuml;nchen wurde beim Export von der bis dahin angelaufenen Mehrwertsteuer entlastet. Man kann es auch anders betrachten: die &ouml;ffentlichen Leistungen des Bundes, des Landes Bayern und der Stadt M&uuml;nchen f&uuml;r Schulen, f&uuml;r Verteidigung, f&uuml;r die Gerichtsbarkeit, f&uuml;r die sozialen Leistungen und vieles mehr sind insoweit von der Produktion des Automobilunternehmens nicht mitgetragen worden. Daf&uuml;r haben andere Unternehmen, die auf dem Binnenmarkt t&auml;tig sind, einen ungeb&uuml;hrlich hohen Anteil der &ouml;ffentlichen Leistungen bezahlt und sich dieses bei den Konsumenten geholt.<\/p><p>Export ist mit hohen Verkehrsleistungen verbunden. Die Maschinen zum Beispiel, die nach China oder nach Kanada oder Australien verkauft werden, werden &uuml;ber Stra&szlig;en und Schienen zu den H&auml;fen vornehmlich in Deutschland und Holland transportiert und dort verschifft. Gro&szlig;e Mengen von G&uuml;tern werden innerhalb Europas auf den Stra&szlig;en von LKWs transportiert. Die hohen Importe aus China, aus Indien, aus Bangladesch und sonst wo her werden entweder mit Flugzeugen oder &uuml;ber die erw&auml;hnten H&auml;fen in Deutschland angelandet und dort wiederum mit LKWs und der Bahn verteilt, weniges auch per Schiff.<\/p><p>Die Flugzeuge fliegen ohne Kerosinbesteuerung. Der Bau und die Entwicklung von Flugzeugen ist zudem oft &ouml;ffentlich subventioniert. Die LKWs zahlen auch nicht andeutungsweise die Kosten, die sie durch L&auml;rm, durch Dreck und Verpestung der Luft und durch Fl&auml;chenverbrauch verursachen. Die Transportleistungen wie auch die Sch&auml;digung der Umwelt und wie auch die nachgekarteten Versuche zur Rettung der Umwelt und auch der Stra&szlig;enbau gehen in die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts ein und schlagen sich als Anteil an Wachstum des BIP nieder. Kein sinnvolles Wachstum!<\/p><p>Das ist eine rundum falsche Entwicklung der weltwirtschaftlichen Struktur. Es ist wahrlich nichts dagegen zu sagen, dass wirklich sinnvoll eingesetzte G&uuml;ter und Dienstleistungen exportiert werden und importiert werden. Aber es spricht alles dagegen, dass dieser Wahnsinn auch noch subventioniert wird und durch Geheimverhandlungen gef&ouml;rdert wird.<\/p><p><strong>Verkehrsvermeidung und Regionalisierung &ndash; das w&auml;ren sinnvolle Arbeitsfelder der Europ&auml;ischen Kommission, jedenfalls um vieles sinnvoller als Geheimverhandlungen mit den USA und Kanada &uuml;ber Freihandelsabkommen.<\/strong><\/p><p>Aber die handelnden Personen sind wahrscheinlich so fixiert auf die Vorstellung, die Ausweitung des Handels sei per se etwas Gutes, dass sie gar nicht auf den Gedanken kommen, es k&ouml;nnte sinnvoll sein zu &uuml;berlegen, welche regionalen Schwerpunkte der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wirtschaftsaustauschs man in Europa bilden k&ouml;nnte und welche Steuern und Abgaben auf Transport und &ouml;kologische Belastung aus diesen Gr&uuml;nden sinnvoll w&auml;ren.<\/p><p>Au&szlig;erdem ist die Lobby riesengro&szlig;. Denken Sie nur an die Macht der Exportwirtschaft im Stadtstaat Hamburg oder die Macht der Exportwirtschaft im Freistaat Bayern oder in Baden-W&uuml;rttemberg, in Rheinland-Pfalz, in Hessen und in Nordrhein-Westfalen. Es f&auml;llt einem gar kein Land ein, das sich zum Partner einer Lobby der Regionalisierung breitschlagen lie&szlig;e. Au&szlig;er der Lobby ist auch die Meinungsmache pro Export nahezu unschlagbar. Eine desolate Situation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In die g&auml;ngigen Debatten um die Freihandelsabkommen wird von den Bef&uuml;rwortern wie eine feststehende Tatsache einbezogen, dass der Welthandel und seine Ausweitung gut sei und deshalb auch gut sei, was ihn f&ouml;rdert. 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