{"id":24167,"date":"2014-12-04T09:50:34","date_gmt":"2014-12-04T08:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24167"},"modified":"2019-04-29T09:58:22","modified_gmt":"2019-04-29T07:58:22","slug":"der-verdraengte-verfassungsbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24167","title":{"rendered":"Der verdr\u00e4ngte Verfassungsbruch"},"content":{"rendered":"<p>Die Ukraine ist ein europ&auml;isches Land. Diese geografische Selbstverst&auml;ndlichkeit beinhaltet f&uuml;r viele westlich orientierte Ukrainer auch ein Bekenntnis zum &bdquo;europ&auml;ischen Wertesystem&ldquo;. Zu diesen Werten geh&ouml;rt nach allgemeiner Auffassung die Rechtsstaatlichkeit.[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24167#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]  Doch dass die Geburt der neuen pro-europ&auml;ischen Ukraine mit einem mehrfachen Verfassungsbruch bei der Absetzung Viktor Janukowitschs begann, wird gerade in diesem rechtsstaatlichen Europa bis heute verdr&auml;ngt. Von <strong>Stefan Korinth<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDiese seit neun Monaten evidente Diagnose best&auml;tigte sich zuletzt bei Anne Will in ihrer Talkshow am Mittwochabend.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Der russische Botschafter Wladimir Grinin erinnerte zu Beginn der Sendung an den &bdquo;Staatsstreich&ldquo; vom 22. Februar. Die Moderatorin wirkte, als habe sie davon noch nie geh&ouml;rt. &bdquo;Was meinen Sie damit? Die Abl&ouml;sung Janukowitschs? Oder was meinen Sie mit &sbquo;Staatsstreich&lsquo;?&ldquo; Nach einem kurzen kaum verst&auml;ndlichen Erkl&auml;rungsversuch des Botschafters wechselte Anne Will dann zur &bdquo;Annexion&ldquo; der Krim.<\/p><p>Bei einem weiteren Einwand Grinins etwas sp&auml;ter in der Sendung antwortete Gr&uuml;nen-Politikerin Marieluise Beck: &bdquo;Janukowitsch ist geflohen. Und das kann man nun wirklich nicht als Staatsstreich bezeichnen. Als der Pr&auml;sident weg war, ist aus dem Parlament heraus ein neuer &Uuml;bergangspr&auml;sident ernannt worden.&ldquo; Es seien &bdquo;Propagandafiguren&ldquo;, die Grinin aufbaue. Damit war das Thema erledigt.<\/p><p>Doch es h&auml;tte sich gelohnt, noch etwas l&auml;nger &uuml;ber das von Will als &bdquo;Abl&ouml;sung&ldquo; bezeichnete Ereignis zu sprechen. Denn ein Blick auf die Ereignisse Ende Februar und in die ukrainische Verfassung ergeben ein eindeutiges Ergebnis: Janukowitschs Absetzung war verfassungswidrig. Dieses Resultat ist bis heute wichtig, weil es die Glaubw&uuml;rdigkeit der Verfechter des &bdquo;europ&auml;ischen Wertesystems&ldquo; in der Ukraine und in der EU stark besch&auml;digt.<\/p><p><strong>Der Rechte Sektor droht mit Angriff, Janukowitsch flieht<\/strong><\/p><p>Am Nachmittag des 21. Februar 2014, einem Freitag, einigten sich der amtierende Pr&auml;sident Viktor Janukowitsch und Oppositionspolitiker auf eine &bdquo;Vereinbarung &uuml;ber die Beilegung der Krise in der Ukraine&ldquo;.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Es sollte eine Regierung der nationalen Einheit und vorgezogene Pr&auml;sidentschaftswahlen geben. Die Polizeitruppen zogen sich in ihre Standorte zur&uuml;ck.<\/p><p>Auf dem Maidan kam die Einigung jedoch schlecht an. Die Oppositionspolitiker Jazenjuk, Klitschko und Tjagnibok wurden daf&uuml;r ausgepfiffen. Direkt im Anschluss drohte Dmitro Jarosch vom Rechten Sektor mit der Erst&uuml;rmung von Regierungsgeb&auml;uden. Janukowitsch musste durchaus um sein Leben f&uuml;rchten und floh noch am selben Tag aus Kiew. In der Nacht besetzten bewaffnete &bdquo;Maidan-Selbstverteidiger&ldquo; dann unter anderem seinen Amtssitz. Maidan-Unterst&uuml;tzerin Marieluise Beck hatte vergessen, das zu erw&auml;hnen.<\/p><p><strong>Die Rada setzt Janukowitsch ab<\/strong><\/p><p>Am 22. Februar enthob das nationale Parlament (Werchowna Rada) Viktor Janukowitsch mit einer einfachen Abstimmung vom Amt des Pr&auml;sidenten. 328 von 450 Abgeordneten (72,9 Prozent) stimmten f&uuml;r die Absetzung. Die Rada begr&uuml;ndete ihren Schritt damit, dass sich Janukowitsch selbst von seinem Amt zur&uuml;ckgezogen habe. Parlamentsvorsitzender Alexander Turtschinow wurde &Uuml;bergangspr&auml;sident.<\/p><p>In einem TV-Interview aus der Ostukraine am selben Tag weigerte sich Janukowitsch jedoch zur&uuml;ckzutreten und bezeichnete die Vorg&auml;nge als &bdquo;Staatsstreich&ldquo;. Er sei weiter der rechtm&auml;&szlig;ige Pr&auml;sident des Landes. F&uuml;r Marieluise Beck ist das Propaganda. Doch um herauszufinden, wer Recht hat, ist ein Blick in die ukrainische Verfassung hilfreich:<\/p><blockquote><p>\n<em><strong>Artikel 108.<\/strong> &bdquo;Die Befugnisse des Pr&auml;sidenten der Ukraine enden vorzeitig in folgenden F&auml;llen: <\/em><\/p>\n<ol>\n<li><em>R&uuml;cktritt;<\/em><\/li>\n<li><em>Verhinderung der Amtsaus&uuml;bung aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden:<\/em><\/li>\n<li><em>Amtsenthebung in einem Amtsenthebungsverfahren;<\/em><\/li>\n<li><em>Tod.<\/em><\/li>\n<\/ol><\/blockquote><p>Da Janukowitsch seinen R&uuml;cktritt verneinte, blieb der Rada durch diese Verfassungsvorgaben als einzige realistische M&ouml;glichkeit nur das Amtsenthebungsverfahren. Dieses ist in Artikel 111 n&auml;her geregelt.<\/p><blockquote><p>\n<em><strong>Artikel 111.<\/strong> Der Pr&auml;sident der Ukraine kann wegen des Begehens von Hochverrat oder eines anderen Verbrechens vom Parlament der Ukraine in einem Amtsenthebungsverfahren vorzeitig des Amtes enthoben werden. (&hellip;)[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/em><\/p>\n<p><em>Zur Durchf&uuml;hrung der Untersuchung bildet das Parlament der Ukraine eine besondere nichtst&auml;ndige <strong>Untersuchungskommission<\/strong>, der ein <strong>Sonderstaatsanwalt<\/strong> und <strong>Sonderermittler<\/strong> angeh&ouml;ren. (&hellip;)<\/em><\/p>\n<p><em>Der Beschluss &uuml;ber die Amtsenthebung des Pr&auml;sidenten der Ukraine im Amtsenthebungsverfahren wird vom Parlament der Ukraine mit der Mehrheit von <strong>mindestens drei Vierteln<\/strong> der durch die Verfassung bestimmten Anzahl seiner Mitglieder <strong>nach der Pr&uuml;fung der Sache durch das Verfassungsgericht<\/strong> der Ukraine und <strong>nach Erhalt seines Gutachtens<\/strong> bzgl. der Einhaltung des verfassungsm&auml;&szlig;igen Verfahrens der Untersuchung und Behandlung des Amtsenthebungsverfahrens und <strong>des Gutachtens des Obersten Gerichts<\/strong> dar&uuml;ber, dass die Handlungen, deren der Pr&auml;sident der Ukraine angeklagt wird, den Tatbestand des Hochverrats oder eines anderen Verbrechens erf&uuml;llen, gef&auml;llt.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Verfassung beschreibt pr&auml;zise die Vorgehensweise bei einer Amtsenthebung. Die politischen Sieger des Maidan-Aufstandes haben jedoch keine einzige dieser eindeutigen Vorgaben im Falle Janukowitschs eingehalten. Es gab keine Untersuchungskommission, es gab kein gerichtliches Urteil zur Best&auml;tigung des Hochverrats oder eines anderen Verbrechens, es gab keine Pr&uuml;fung durch das Verfassungsgericht und die parlamentarische Drei-Viertel-Mehrheit kam ebenfalls nicht zustande.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p><strong>Rechtsexperten best&auml;tigen Verfassungswidrigkeit<\/strong><\/p><p>Rechtswissenschaftler best&auml;tigen diesen Befund[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]: In der <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.heidelberger-voelkerrechtler-zur-ukraine-in-beiden-faellen-ein-klarer-rechtsbruch.201ff5f4-8baf-493f-843e-4a1249f76729.html\">Stuttgarter Zeitung<\/a> bezeichnet Matthias Hartwig vom Heidelberger Max-Planck-Institut f&uuml;r V&ouml;lkerrecht die Macht&uuml;bernahme der Opposition als &bdquo;Staatsstreich&ldquo;. Der Bonner Rechtsprofessor Stefan Talmon spricht bei <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/krim218.html\">tagesschau.de<\/a> von einer &bdquo;rechtswidrigen Regierung&ldquo;, die nach Janukowitschs Flucht Ansprechpartner der internationalen Gemeinschaft geworden sei. Selbst <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/ukraine-faktencheck-putin-und-der-legitime-praesident-a-957238.html\">Spiegel-Online<\/a> best&auml;tigt den zumindest &bdquo;rein juristisch&ldquo; unrechtm&auml;&szlig;igen Pr&auml;sidentschaftswechsel.<\/p><p>Die deutschen Rechtsexperten legitimieren den Machtwechsel aber h&auml;ufig mit der &bdquo;revolution&auml;ren Situation&ldquo; dieser Februartage. Auch hiesige Leitmedien schwenken in ihren wenigen Artikeln zum Thema auf diese Argumentationslinie. Allerdings gibt es hierbei mehrere Probleme: Zum einen lie&szlig;en sich so auch gewaltt&auml;tige Macht&uuml;bernahmen wie in Donezk oder Lugansk rechtfertigen.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Zum anderen werden Verfassungen bei dieser Rechtfertigung ihrer grunds&auml;tzlichen G&uuml;ltigkeit beraubt.<\/p><p><strong>Revolution&auml;re Lage?<\/strong><\/p><p>Und schlie&szlig;lich bleibt es sogar bei Annahme dieser Argumentation sehr fraglich, ob damals in Kiew tats&auml;chlich eine &bdquo;revolution&auml;re Lage&ldquo; herrschte. Im Wortsinn stehen Revolutionen f&uuml;r grundlegende Umw&auml;lzungen. Aber allein die ern&uuml;chternden Erfahrungen nach der letzten &bdquo;Revolution&ldquo; &ndash; der wiederholten Pr&auml;sidentschaftswahl 2004 (&bdquo;Orange Revolution&ldquo;) &ndash; machten auch im Februar 2014 skeptisch.<\/p><p>Aber vor allem wegen des siegreichen Oligarchen- und Politpersonals waren auch diesmal keine tiefgreifenden innergesellschaftlichen oder gar weltgeschichtlichen Umbr&uuml;che zu erwarten. Bis heute hat lediglich der erwartbare Elitenwechsel stattgefunden. Die Praktiken in der ukrainischen Politik sind hingegen dieselben geblieben wie unter Janukowitsch.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p><strong>Staatsstreich?<\/strong><\/p><p>Bis heute spricht wenig f&uuml;r eine Revolution und viel f&uuml;r einen Staatsstreich. Die <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/politiklexikon\/18284\/staatsstreich\">Bundeszentrale f&uuml;r Politische Bildung<\/a> versteht unter &bdquo;Staatsstreich&ldquo; einen &bdquo;verfassungswidrigen (gewaltsamen) Umsturz, mit dem es bereits an der Macht Beteiligten (z. B. Milit&auml;rs) gelingt, die gesamte Staatsgewalt zu &uuml;bernehmen&ldquo;. Im ukrainischen Falle &uuml;bernahmen zwar keine Offiziere die Macht, aber durchaus auch davor schon etablierte &bdquo;pro-westliche&ldquo; Politeliten und milliardenschwere m&auml;chtige Wirtschaftsbarone. Letztlich liegt Wladimir Grinin also deutlich n&auml;her an der Wahrheit als Marieluise Beck.<\/p><p><strong>V&ouml;lkerrechtlich unerheblich<\/strong><\/p><p>Juristisch gesehen hat Janukowitschs Absetzung allerdings nur staatsrechtliche Relevanz. Aus v&ouml;lkerrechtlicher Sicht spielt der ukrainische Verfassungsbruch keine Rolle. Am deutlichsten f&uuml;hrt dies der Rechtswissenschaftler Jasper Finke am 5. M&auml;rz im Interview mit <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/voelkerrecht-ukraine100.html\">tagesschau.de<\/a> aus:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Es ist v&ouml;llig unerheblich, ob Janukowitsch noch rechtm&auml;&szlig;iger Pr&auml;sident der Ukraine ist nach dem ukrainischen Verfassungsrecht. Denn hier greift der sogenannte Effektivit&auml;tsgrundsatz &ndash; das hei&szlig;t, v&ouml;lkerrechtlich kommt es darauf an, ob die neue Regierung effektiv Herrschaftsgewalt in der Ukraine aus&uuml;bt. Das hei&szlig;t, selbst wenn der Umsturz verfassungswidrig war, dann sind wir doch zumindest jetzt an einem Punkt, an dem die neue Regierung eindeutig die Ukraine nach au&szlig;en vertritt.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Europ&auml;isches Wertesystem<\/strong><\/p><p>&Uuml;bernimmt also eine Bewegung verfassungswidrig die Macht in einem Land und verhindert dadurch auch ihre rechtm&auml;&szlig;ige Bestrafung durch nationale Rechtsinstitutionen &ndash; folgt dem eben keine ersatzweise Sanktionierung durch das internationale Rechtssystem, sondern im Gegenteil die juristische Anerkennung der neuen Machthaber. Von dieser praktizierten Rechtsstaatlichkeit, d&uuml;rfe man sich als Jurist nie frustrieren lassen, erl&auml;utert der schon erw&auml;hnte Matthias Hartwig im Interview.<\/p><p>Dementsprechend erkannte die Europ&auml;ische Union die Absetzung Janukowitschs umgehend an. Statt auf die G&uuml;ltigkeit der Verfassung zu beharren, bezeichnete EU-Kommissionssprecher Olivier Bailly die Rada am Montag nach der Absetzung als &bdquo;Garant von Demokratie und Gesetzlichkeit&ldquo;. Ihre Entscheidung m&uuml;sse respektiert werden.<\/p><p>Die Ukraine scheint im Europ&auml;ischen Wertesystem angekommen zu sein.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] So steht etwa in einem <a href=\"http:\/\/www.cdu.de\/sites\/default\/files\/media\/dokumente\/beschluss-ukraine-cdu-bundesvorstand.pdf\">Beschluss der CDU vom 8. Februar 2014 [PDF &ndash; 40,9 KB]<\/a> mit dem Titel &bdquo;F&uuml;r Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine&ldquo;: &bdquo;Deutschland und die Europ&auml;ische Union wollen, dass die Ukraine wieder einen Platz im Europa der gemeinsamen Werte einnehmen kann. Durch das ausgehandelte Assoziierungsabkommen im Rahmen der &Ouml;stlichen Partnerschaft hat die Ukraine eine klare europ&auml;ische Perspektive. Voraussetzung f&uuml;r dessen Unterzeichnung ist ein glaubw&uuml;rdiges Bekenntnis der ukrainischen F&uuml;hrung zu Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.&ldquo; Wichtig bleibt hier noch zu erw&auml;hnen, dass dieses &bdquo;Europa der gemeinsamen Werte&ldquo; i.d.R. als Abgrenzung zu Russland formuliert wird &ndash; obwohl auch Russland sowohl geografisch als auch ideengeschichtlich ein europ&auml;isches Land ist.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Anne-Will\/Alles-dreht-sich-um-Putin-Bleibt-die-U\/Das-Erste\/Video?documentId=24963774&amp;bcastId=328454\">Anne Will, Sendung vom 26. November 2014<\/a>: &bdquo;Alles dreht sich um Putin &ndash; Bleibt die Ukraine auf der Strecke?&ldquo;  Der Titel klingt erstmal wie Selbstkritik. Will die ARD nun weniger auf Putin-Personalisierung setzen und sich daf&uuml;r mehr mit der Ukraine besch&auml;ftigen? Immerhin war sogar ein Gesandter der ukrainischen Botschaft eingeladen. Doch die tats&auml;chliche Lage zwischen Karpaten und Donbass spielte auch in dieser Sendung kaum eine Rolle.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Teil der Abmachung war auch die Wiedereinf&uuml;hrung der Verfassung von 2004. Noch am selben Tag realisierte die Rada die R&uuml;ckkehr zu dieser Version. Die Verfassung von 2004 &uuml;bertr&auml;gt etwa dem Parlament das Recht auf die Wahl des Regierungschefs und schw&auml;cht damit die Position des Pr&auml;sidenten. Au&szlig;erdem bestimmt diese Version bei einer Amtsenthebung des Pr&auml;sidenten den Vorsitzenden des Parlaments zum &Uuml;bergangspr&auml;sidenten. In der Version von 2010 war hierf&uuml;r noch der Regierungschef vorgesehen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Die ausgesparten Passagen und alle restlichen Verfassungsartikel lassen sich <a href=\"http:\/\/www.verfassungen.net\/ua\/verf96-i.htm\">hier<\/a> auf Ukrainisch, Englisch und Deutsch nachlesen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Und selbst die einfache Abstimmung am 22. Februar war unrechtm&auml;&szlig;ig. Zahlreiche Bewaffnete waren im Parlament und schufen die notwenige Drohkulisse f&uuml;r das &bdquo;richtige&ldquo; Abstimmungsverhalten. Die Regierungskoalition hatte ja schlie&szlig;lich immer noch die Mehrheit im Parlament. Weitere Parlamentarier wurden vor der Rada verpr&uuml;gelt und erreichten die Abstimmung gar nicht erst.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Bezeichnend f&uuml;r diese Interviews ist, dass sie allesamt die &bdquo;Annexion&ldquo; der Krim zum Thema hatten. Den verfassungswidrigen Machtwechsel in Kiew best&auml;tigten die Experten nur am Rande. Gesondert wurde dazu in den Leitmedien kein Experte befragt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Auch der Verweis der Maidan-Sieger auf die verfassungswidrige Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung der Krim wirkt unglaubw&uuml;rdig.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.boell.de\/de\/2014\/10\/21\/ukrainische-lustration\">So schreibt etwa Andreas Stein<\/a>, freier wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung in Kiew und Herausgeber des Internetmagazins Ukraine-Nachrichten, zur Durchsetzung des Lustrationsgesetzes im September: &bdquo;Die gesetzeswidrige Verabschiedung und der offensichtlich verfassungswidrige Inhalt des Gesetzes zeugen zum wiederholten Male davon, dass auch die neuen Machthaber f&uuml;r den Machterhalt gewillt sind, sich &uuml;ber jegliche Regeln hinwegzusetzen. Auch nach den Opfern des Maidans und des Krieges im Osten hat somit kein generelles Umdenken in der politischen Klasse der Ukraine stattgefunden.&ldquo; <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ukraine ist ein europ&auml;isches Land. Diese geografische Selbstverst&auml;ndlichkeit beinhaltet f&uuml;r viele westlich orientierte Ukrainer auch ein Bekenntnis zum &bdquo;europ&auml;ischen Wertesystem&ldquo;. Zu diesen Werten geh&ouml;rt nach allgemeiner Auffassung die Rechtsstaatlichkeit.[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24167#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Doch dass die Geburt der neuen pro-europ&auml;ischen Ukraine mit einem mehrfachen Verfassungsbruch bei der Absetzung Viktor Janukowitschs begann, wird gerade in diesem rechtsstaatlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24167\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,126,20,190],"tags":[282,603,260],"class_list":["post-24167","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-wahlen","tag-buergerproteste","tag-ruecktritt","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24167"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24167\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51275,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24167\/revisions\/51275"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}