{"id":24325,"date":"2014-12-17T14:29:09","date_gmt":"2014-12-17T13:29:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24325"},"modified":"2020-02-25T16:58:13","modified_gmt":"2020-02-25T15:58:13","slug":"pegida-ohne-korrektur-der-politik-wird-dieser-oder-ein-aehnlicher-protest-vermutlich-zum-dauerproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24325","title":{"rendered":"PEGIDA &#8211; Ohne Korrektur der Politik wird dieser oder ein \u00e4hnlicher Protest vermutlich zum Dauerproblem"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141217_PEGiDA.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Meines Erachtens macht es Sinn, einen gro&szlig;en Teil der 15.000 Demonstranten vom vergangenen Montag in Dresden zu verstehen, ohne die Sto&szlig;richtung ihrer Kritik und Feindseligkeit gegen&uuml;ber den Fremden zu entschuldigen. Ein solcher Protest gegen Fremde, gegen Asylbewerber und Fl&uuml;chtlinge war zu erwarten; er war von etablierten Politikern und Medien seit Jahren im Hintergrund und offen angeheizt worden; er gr&uuml;ndet auf &Auml;ngsten, deren Grundlage die Politik seit langem gelegt hat. Die &Auml;ngste zu verringern w&auml;re m&ouml;glich, aber dazu fehlt der politische Wille. Im Gegenteil, es wird &ndash; mit wenigen Ausnahmen &ndash; alles getan, um weitere Grundlagen daf&uuml;r zu legen, dass Menschen, die von oben getreten werden, nach unten weitertreten. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorbemerkung zur Entstehung des folgenden Textes und zugleich zur Arbeitsweise des Teams der NachDenkSeiten:<\/strong> Oft entstehen Texte f&uuml;r die NachDenkSeiten im Dialog zwischen jenen, die redaktionell f&uuml;r die NachDenkSeiten arbeiten, hauptberuflich und als Zulieferer von Hinweisen und Mitdiskutanten. Im konkreten Fall kamen Anregungen von Leserinnen und Lesern der NachDenkSeiten; dann gab es einen Mailaustausch zwischen dem engeren Kreis der Ehrenamtlichen, im konkreten Fall von J.K., Jens Wernicke, Wolfgang Lieb, Jens Berger und mir. Die Verantwortung f&uuml;r den Text will ich damit nicht abschieben, sondern unseren Leserinnen und Lesern daran &ndash; einmal wenigstens &ndash; erl&auml;utern, wie der Gedankenaustausch funktioniert und wie wichtig auch Ihre Anregungen und Hinweise auf (Medien)-Ereignisse f&uuml;r uns sind.<\/p><p><strong>Die Protestbewegung war zu erwarten &ndash; genauso wie die Nutzung durch Rechtsradikale<\/strong><\/p><p>Die Wahlbeteiligung ist seit Jahren r&uuml;ckl&auml;ufig. Sie lag bei Wahlen in Th&uuml;ringen und Sachsen um und unter 50 %. Umfragen signalisieren auch schon seit l&auml;ngerem eine gro&szlig;e Unzufriedenheit. Dass Menschen, die von Arbeitslosigkeit gezeichnet oder bedroht sind, dass Menschen, deren Lohneinkommen seit 20 Jahren stagnieren oder sinken, mit der Politik nicht zufrieden sind, ist nicht verwunderlich. Und dass rechtsradikale Kr&auml;fte diese Unsicherheit zu nutzen versuchen, ist genauso leicht vorhersehbar.<\/p><p>Die Beteiligung von Menschen an der politischen Willensbildung in Parteien ist abgesunken. Die Mitgliederzahlen sind geschrumpft. In den Parteien wird nicht mehr viel programmatisch diskutiert. Politik ist so insgesamt weniger attraktiv geworden. Und es gibt st&auml;ndig neue Erfahrungen, die zur Resignation f&uuml;hren m&uuml;ssen. Ein Musterbeispiel daf&uuml;r ist Stuttgart 21. Da sind engagierte Menschen von einer Partei, den Gr&uuml;nen, schlicht und einfach verraten worden. Sie sind von den Medien als Wutb&uuml;rger diffamiert worden. Resignation ist die harmlose Folge. <\/p><p>Also: das Erstaunen der politisch Verantwortlichen und der Beobachter dieser Vorg&auml;nge muss erstaunen.<\/p><p><strong>Es gibt viele Menschen, denen es nicht gut geht, und viele, die Angst um die Zukunft haben. Ihre &Auml;ngste sind bisher von der Politik nicht ernst genommen worden. Die Politik war im Gegenteil so angelegt, die Unsicherheit zu vermehren.<\/strong><\/p><p><strong>Dazu zitiere ich eine Mail von J.K.<\/strong> Er bezieht sich auf die Meldung, dass in Dresden 15.000 Menschen demonstriert haben: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Man muss abwarten, ob sich das &uuml;ber die Weihnachtsfeiertage erledigt, wenn nicht kann man das nicht ignorieren, und es hilft nicht, die Leute pauschal als Dumpfbacken abzuqualifizieren. Eine entsprechende Analyse w&auml;re da zumindest angebracht. Man muss schon benennen, was die Menschen auf die Stra&szlig;e und in die Arme der rechten Agitatoren treibt. Und wenn es so trivial ist, wie mancher meint, und wir das alles schon wissen, dann lasst es uns auch sagen und vermitteln. Immerhin bekommen die Initiatoren damit inzwischen mehr als zehntausend Leute auf die Stra&szlig;e. Wann hat man es das letzte mal mit einem &ldquo;linken&rdquo; Thema geschafft, so viele Menschen zu mobilisieren? Die linken Deutungsmuster ziehen ganz offenbar nicht bei vielen Menschen &ndash; gut, das ist auch nichts Neues. Ich pl&auml;diere nun nicht daf&uuml;r zu &auml;hnlich primitiven Parolen zu greifen wie die Rechte, unser Anspruch ist es aufkl&auml;rerisch zu wirken und die Dinge auch in ihrer Komplexit&auml;t zu erl&auml;utern.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine Diskussion &uuml;ber die gesellschaftlichen Ver&auml;nderungen durch die neoliberale Agenda findet aber faktisch in der breiten &Ouml;ffentlichkeit nicht statt. Einer der wenigen, der sich damit auseinandersetzt, ist Wilhelm Heitmeyer an der Uni Bielefeld, der ja explizit nachgewiesen hat, wie durch die neoliberale Agenda ausgel&ouml;ste soziale Polarisierung es zu einer gesellschaftlichen Verrohung kommt. Eine derartige Diskussion wird aber meines Erachtens bewusst unterdr&uuml;ckt.<\/em><\/p>\n<p><em>Selbstredend bin ich klar der Ansicht, dass man Rechte bek&auml;mpfen muss, aber ich kann verstehen, was die Leute antreibt. Es sind die Folgen der neoliberalen Politik. Nochmals, das muss benannt werden. Gerade in den unteren Lohnsegmenten besteht die Furcht, dass durch Fl&uuml;chtlinge der Konkurrenzdruck versch&auml;rft wird, da das Gros eben nicht aus hochqualifizierten oder akademisch ausgebildeten Fachkr&auml;ften besteht. Das dies bei den betroffenen Menschen deutscher Herkunft &Auml;ngste ausl&ouml;st, ob berechtigt oder nicht, liegt auf der Hand. Die Reaktionen sind ebenso absehbar. Die Menschen, deren Hauptsorge der Erwerb der Ressourcen f&uuml;r ihren unmittelbaren Lebensunterhalt ist, werden kaum dar&uuml;ber reflektieren, was die Menschen zur Flucht nach Deutschland treibt, dass es wom&ouml;glich an der Wirtschaftspolitik der EU liegt, die hochsubventionierte Nahrungsmittel in die M&auml;rkte z.B. in Afrika dr&uuml;ckt und die lokale Landwirtschaft zerst&ouml;rt oder die Gew&auml;sser mit Fangflotten leer fischt und so den lokalen Fischern ihrer Existenzgrundlage beraubt. Von den durch geostrategische Erw&auml;gungen befeuerte Konflikte einmal abgesehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun wird man einwenden, dass etwa die Pegida-Bewegung gerade auch von Angeh&ouml;rigen des sogenannten b&uuml;rgerlichen Mittelstandes getragen wird. Aber auch dort herrscht durch die neoliberale Agenda-Politik Angst vor Statusverlust. Wer heute mit Ende vierzig oder Anfang f&uuml;nfzig arbeitslos wird, hat selbst als hochqualifizierter Akademiker fast keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt. Dann ist nach sp&auml;testens drei Jahren, je nachdem, ob es &Uuml;bergangs- und Abfindungsregelungen von Seiten des fr&uuml;heren Arbeitgebers gibt, auch das Licht aus und man kann seine Ersparnisse verfr&uuml;hst&uuml;cken und sich schon einmal auf eine Armutsrente freuen. Auch diese Angst sucht sich ein Ventil. Intellektuelles Geschw&auml;tz im Oberseminarjargon (postmigrantische Gesellschaft, empirische Pluralit&auml;t) geht an der gesellschaftlichen Realit&auml;t v&ouml;llig vorbei und macht nur deutlich, dass man die &Auml;ngste der Menschen nicht ernst nimmt. Dann soll man sich aber bitte nicht wundern, wenn die Menschen eben jenen hinterherlaufen die suggerieren, dies zu tun. Das beste Beispiel ist Frankreich, alle sind entsetzt &uuml;ber die spektakul&auml;ren erfolge des FN und einer drohenden Pr&auml;sidentin Marie LePen, gleichzeitig fordert explizit Deutschland von Frankreich eine neoliberale Reform &agrave; la Agenda 2010. Mit absehbaren Folgen f&uuml;r die soziale Struktur der Gesellschaft.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Soweit dieser Text von J.K.. Dazu erg&auml;nzend noch einige Anmerkungen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage vieler Menschen und zur Wirkung der &ouml;ffentlichen Propaganda der Regierenden:<\/p><ul>\n<li>Die Standardbehauptung der herrschenden Kreise, es ginge allen Menschen gut, stimmt nicht und wird vermutlich von vielen Menschen als Beleg ihres Versagens gewertet. Immer wenn ich solche T&ouml;ne h&ouml;re, denke ich an Bekannte, die arbeitslos oder weit unter ihrer Ausbildung besch&auml;ftigt und bezahlt sind. Oder ich denke an mir bekannte Einzelh&auml;ndler und Gastwirte, die unter der mangelnden Binnennachfrage und Binnenkonjunktur leiden und von der Anheizung des Exportes nichts versp&uuml;ren.<\/li>\n<li>Au&szlig;erdem erleben die meisten Menschen die sich auseinanderentwickelnde Einkommensverteilung und Verm&ouml;gensverteilung praktisch und im Alltag. Wenn der Reallohn seit 20 Jahren im Durchschnitt de facto stagniert, dann muss es Menschen geben, die das auch pers&ouml;nlich erfahren. Und wenn sie ein bisschen Ahnung haben und das Geschehen verfolgen, dann wissen Sie, dass die Steuerpolitik der Regierungen Kohl und Schr&ouml;der den oberen Einkommen und gro&szlig;en Unternehmen Milliarden zugeschachert hat. Sie haben in ihren Betrieben auch erlebt, wie angeheizt von Steuerverg&uuml;nstigungen f&uuml;r den Verkauf von Unternehmen ein Betrieb nach dem anderen den Besitzer wechselte und jeweils die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei ausgepresst wurden.<\/li>\n<li>Den Menschen wurde die soziale Sicherheit genommen. Durch Zusammenstreichen der Arbeitslosenversicherung mit den Hartz IV-Gesetzen, durch die F&ouml;rderung und Vermehrung von Minil&ouml;hnen und Leiharbeit. Die Agenda 2010 war so gesehen ein wichtiger Katalysator der heutigen Protestbewegung der Rechten.<\/li>\n<li>Die Mehrheit musste erleben, wie die Leistungsf&auml;higkeit ihrer gesetzlichen Rente zusammengestrichen wurde und sie auf Privatvorsorge verwiesen wurden und werden. Und viele haben schon erfahren oder k&ouml;nnen sich vorstellen, dass sie die notwendigen Mittel f&uuml;r die Privatvorsorge nicht aufzubringen verm&ouml;gen und teilweise auch nicht wollen, weil sie die Kosten des privaten Versicherungsgewerbes nicht auch noch l&ouml;hnen wollen. Ihre Perspektive: Altersarmut<\/li>\n<li>Insgesamt, und das ist eine entscheidende Entwicklung und interessant obendrein, ist in den letzten 25 Jahren die Sozialstaatlichkeit der Bundesrepublik Deutschland zusammengestrichen worden. Interessant ist diese Beobachtung deshalb, weil jetzt der Verlust an Sozialstaatlichkeit, also einer fortschrittlichen Errungenschaft, zur St&auml;rkung einer rechten Bewegung beitr&auml;gt.<\/li>\n<\/ul><p>Wenn es einem schlecht geht, oder jedenfalls schlechter geht als den Bessergestellten, wenn man Angst hat um die Zukunft und nicht besonders m&auml;chtig und mutig ist, dann wehrt man sich nicht mit der notwendigen und berechtigten Aggressivit&auml;t nach oben, sondern man tritt nach unten. Das soll damit keinesfalls gerechtfertigt werden. Wenn man Verst&auml;ndnis f&uuml;r die sozialen Ursachen des Protestes aufbringt, dann hei&szlig;t das nicht, dass man die Parolen rechtfertigt, denen die Demonstranten nun folgen.<\/p><p>Beim Nachdenken &uuml;ber die Bedeutung der Sozialstaatlichkeit f&uuml;r Demokratie muss ich an einen &ldquo;wegweisenden&rdquo; Kommentar in einer angesehenen &uuml;berregionalen Zeitung denken, der anl&auml;sslich des Berichtes der sogenannten S&uuml;ssmuth Kommission oder im Vorfeld des Berichtes erschien. Es muss etwa 2001 gewesen sein. In der S&uuml;ssmuth Kommission ging es ja um die demographische Entwicklung und vor allem um Zuwanderung. Die Hauptbotschaft des Kommentars lautete &ndash; in meinen Worten: Tausche Soziales gegen Zuwanderung. <\/p><p>Das war als Empfehlung an Rot-Gr&uuml;n gedacht. SPD und Gr&uuml;ne haben die Empfehlung beflissen befolgt. Und das war genau der falsche Weg. Man h&auml;tte die Bundesrepublik st&auml;rker f&uuml;r die Zuwanderung von Fl&uuml;chtlingen, Asylbewerbern und anderen Bedr&auml;ngten unserer Welt &ouml;ffnen k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, ohne die Sozialstaatlichkeit der Bundesrepublik Deutschland zusammen zu streichen. Oder, um es polemisch zu sagen, die Schr&ouml;ders und die Merkels, die Steinmeyers und Joschka Fischers h&auml;tten ihre politischen Untaten wenigstens mit der Empfehlung an das gemeine Volk versehen m&uuml;ssen: Wehrt euch gegen die da oben! Und lauft nicht rechten Rattenf&auml;ngern hinterher! &ndash; Das haben sie nicht getan und stattdessen ihre Parteien so ver&auml;ndert, dass diese als Orientierungspunkte f&uuml;r verunsicherte und ungerecht behandelte Menschen ausfallen.<\/p><p><strong>Das fortschrittliche Auffangbecken f&uuml;r Proteste und f&uuml;r von Unsicherheit und &Auml;ngsten bedr&uuml;ckten Menschen fehlt.<\/strong><\/p><p>In Sachsen hat die SPD bei der letzten und bei der vorletzten Wahl gerade mal um die 10 % der abgegebenen Stimmen erreicht. Dieses miserable Ergebnis f&uuml;r die Partei mit dem Namen sozial und demokratisch sagt eigentlich schon alles. Ihre potentiellen Anh&auml;nger laufen in der Demonstration vom vergangenen Montag mit. &Auml;hnlich ist es mit den Gr&uuml;nen. Die f&uuml;r linke Proteste pr&auml;destinierten Parteien haben ihre Anziehungskraft f&uuml;r den Protest selbst ruiniert. Die daf&uuml;r auch geeignete Partei Die Linke wird von au&szlig;en und innen madig gemacht. Immerhin nimmt sie im Osten Deutschlands noch einen beachtlichen Teil des Protestpotenzials auf, aber lange nicht ausreichend, was man ihr angesichts der &uuml;blichen Agitation gegen sie nicht zurechnen und &uuml;bel nehmen kann.<br>\nWo ist die fortschrittliche, humanistische Protestbewegung? Sie h&auml;tte einen Teil des Protestes auffangen k&ouml;nnen und in politische Taten umsetzen k&ouml;nnen. Aber sie ist kaputt gemacht worden und wird immer wieder neu kaputt gemacht, wie man am Umgang mit Friedensdemonstrationen und an der Stigmatisierung zum Beispiel des Protestes in Stuttgart als Wut-B&uuml;rger sieht. Der gleiche Begriff tauchte jetzt bei Spiegel online wieder auf.<\/p><p><strong>Fremdenfeindlichkeit wird seit Jahren angeheizt, auch insbesondere von Politikern der Union, meist der CSU und von Medien. Auch die Feindseligkeiten gegen&uuml;ber dem Islam sind doch nicht vom Himmel gefallen, sondern werden betrieben. Hochoffiziell.<\/strong><\/p><p>Anfang der Neunzigerjahre war ich Bundestagsabgeordneter und engagierte mich f&uuml;r die Erhaltung eines humanen Asylrechtes. Eines samstags um die Mittagszeit rief eine mir unbekannte Frau an und beschimpfte mich &ldquo;wegen meiner Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Asylanten&rdquo;. Diese k&auml;men nun alle in gro&szlig;en Scharen nach Deutschland und sie seien nicht mehr aufzuhalten. Ich habe damals meinen Mitarbeiter in Bonn gefragt, ob er sich diese pl&ouml;tzliche Telefon-Attacke erkl&auml;ren k&ouml;nne. Na klar, meinte er diese Frau habe eine gerade in der ARD ausgestrahlte Sendung des Bayerischen Rundfunks gesehen, wo bildlich dargestellt wurde, wie eine Horde von Menschen auf einen Schlagbaum zustr&ouml;mt. So ging es im Fernsehen und in den einschl&auml;gigen Bl&auml;ttern laufend zu. Auch der bayerische Ministerpr&auml;sident Streibl &auml;u&szlig;erte sich so aggressiv, dass ich ihn damals wegen Volksverhetzung anzeigte. Ohne Erfolg, weil die bayerische Staatsanwaltschaft die Anzeige nicht aufgriff.<\/p><p>Ich erz&auml;hle diese Geschichten, weil daran sichtbar wird, dass die Aggression gegen das Fremde nichts Neues ist und dass sie von als etabliert geltenden Politikern und Medien schon vor langem angeheizt worden ist. Das geschah laufend, zum Beispiel auch zur Begleitung der Hilfsaktionen f&uuml;r Griechenland. Da wurden die V&ouml;lker des S&uuml;dens ohne R&uuml;cksicht auf Verluste angegriffen. Von der Politik und von den Medien, namentlich der Bild-Zeitung. Siehe die Parole und Abbildung zu Anfang des Textes: &ldquo;Ihr Pleitegriechen!&rdquo; &ndash; das ist ja nun wahrlich nicht harmloser als viele der in Dresden proklamierten Spr&uuml;che<\/p><p>Auch die Debatte um den demographischen Wandel und die Geburtenrate hatte als Unterton immer etwas Fremdenfeindliches an sich. Die Deutschen sterben aus, wir werden immer weniger, die Muslime haben eine viel h&ouml;here Geburtenrate usw. Das waren ja die g&auml;ngigen Spr&uuml;che und Feststellungen. Nimmt es da Wunder, dass eine Bewegung gegen die Islamisierung Deutschlands demonstrierende Anh&auml;nger findet?<\/p><p>Und noch eine Frage: Glauben die Offiziellen in den USA wie bei uns wirklich, dass ihre milit&auml;rische Mobilisierung gegen den islamischen Staat keine Kolateralsch&auml;den nach sich zieht? Wie soll die Mehrheit der Menschen unterscheiden zwischen der kriegerischen Attacke auf Islamisten im Irak und in Syrien und dem Islam bei uns? Wir haben es mit einem Gebr&auml;u von antiislamischen Aktivit&auml;ten zu tun. Vom Krieg in Libyen &uuml;ber die Unterst&uuml;tzung der Rebellen in Syrien, vom Krieg im Irak bis zum Embargo gegen den Iran &ndash; wie soll da ein anderer als negativer Eindruck von den Muslimen entstehen?<\/p><p>Hinzu kommt, dass anders als bei der fr&uuml;heren Ostpolitik und ihrem Versuch, mit dem Feind, den Kommunisten, den Sowjets zusammenzuarbeiten, um friedlich zusammen zu leben und den Partner sogar ein bisschen zu ver&auml;ndern, jetzt kein Versuch gemacht wird, mit dem Islam ins Gespr&auml;ch zu kommen. Wandel durch Ann&auml;herung w&auml;re auch hier angebracht, auch wenn das ein ungemein schwieriger Versuch ist. Aber wenn man auf die Gem&uuml;ter der Demonstrierenden einwirken will, dann muss man auch die Atmosph&auml;re insgesamt ver&auml;ndern, dann muss man daf&uuml;r sorgen, dass nicht weiter Feindbilder gro&szlig;en Ausma&szlig;es gemalt werden.<br>\nIch wei&szlig;, dass dies alles nur langfristig wirken kann. Aber wenn man nicht anf&auml;ngt, wie soll dann der Keim f&uuml;r eine Ver&auml;nderung des Verh&auml;ltnisses gelegt werden?<\/p><p><strong>Was w&auml;re zu tun &ndash; im Innern?<\/strong><\/p><p>Das Programm ist einfach: wirksame Mindestl&ouml;hne, mehr Besch&auml;ftigung durch gro&szlig;e Investitionsprogramme (Oder will man es den Rechten &uuml;berlassen, dies analog zum Autobahnbau von Hitler jetzt noch einmal zu besorgen? Das ist doch fahrl&auml;ssig); Erh&ouml;hung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente, Konzentration aller Mittel auf diese Altersvorsorge; Einkommensumverteilung durch Abbau des Niedriglohnsektors und steuerliche Ma&szlig;nahmen zur Korrektur der ungerechten Steuerverteilung zu Zeiten von Kohl und Schr&ouml;der und Merkel; Schluss mit der Duldung von Steueroasen usw. Nicht fehlen d&uuml;rfte die Stabilisierung der Krisenl&auml;nder in Europa durch Angleichung der Wettbewerbsf&auml;higkeiten, also durch Lohnsteigerungen bei uns.<\/p><p><strong>Was w&auml;re zu tun in der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik?<\/strong><\/p><p>Die erkennbare Konzentration der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik auf milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen muss aufgegeben werden. Wir d&uuml;rfen die geopolitischen Ambitionen der USA nicht weiter unterst&uuml;tzen.<br>\nEs macht doch keinen Sinn, an vielen Pl&auml;tzen der Welt mit milit&auml;rischen Operationen Volker reihenweise ins Elend zu st&uuml;rzen. Dann folgen die Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me. Statt zu destabilisieren m&uuml;ssten wir in unserem eigenen Interesse stabilisieren. Libyen, Syrien und der Irak sind die klassischen F&auml;lle. &Uuml;berall haben die milit&auml;rischen Operationen dazu gef&uuml;hrt, dass Menschen ihr Land verlassen m&uuml;ssen. Es ist also keine graue Theorie, wenn das Ende der Destabilisierung gefordert wird. Das gilt im &uuml;brigens auch f&uuml;r Osteuropa, wo m&ouml;glicherweise die gr&ouml;&szlig;ten Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me noch auf uns warten, wenn die Politik der Konfrontation mit Russland so weiter betrieben wird wie zur Zeit.<\/p><p><strong>Es geschieht nichts, jedenfalls nicht das wichtige und richtige &ndash; mit wenigen Ausnahmen. Die Probleme werden versch&auml;rft.<\/strong><\/p><p>Es wird aufger&uuml;stet. Mit TTIP wird die Deregulierung und Privatisierung weiter gef&ouml;rdert und der soziale Zusammenhalt und die soziale Gerechtigkeit weiter ins Abseits geschoben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/141217_PEGiDA.png\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/p>\n<p>Meines Erachtens macht es Sinn, einen gro&szlig;en Teil der 15.000 Demonstranten vom vergangenen Montag in Dresden zu verstehen, ohne die Sto&szlig;richtung ihrer Kritik und Feindseligkeit gegen&uuml;ber den Fremden zu entschuldigen. Ein solcher Protest gegen Fremde, gegen Asylbewerber und Fl&uuml;chtlinge war zu erwarten; er war von etablierten Politikern und Medien seit Jahren<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24325\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[207,159,205,132],"tags":[1171,282,1544,1433,1221,312,291],"class_list":["post-24325","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anti-islamismus","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-asyl","tag-buergerproteste","tag-kampagnenjournalismus","tag-pegida","tag-perspektivlosigkeit","tag-reformpolitik","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24325"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24325\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24327,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24325\/revisions\/24327"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}