{"id":24336,"date":"2014-12-18T09:10:56","date_gmt":"2014-12-18T08:10:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24336"},"modified":"2020-02-25T16:57:34","modified_gmt":"2020-02-25T15:57:34","slug":"auslaender-hass-und-die-grenzen-der-aufklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24336","title":{"rendered":"Ausl\u00e4nder-Hass und die Grenzen der Aufkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"<p>4,7 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner in der s&auml;chsischen Landeshauptstadt Dresden sind Ausl&auml;nderinnen und Ausl&auml;nder. Den Anteil der Muslime an der Bev&ouml;lkerung Dresdens betr&auml;gt 0,4 Prozent. Warum sind dort die anti-islamischen, ausl&auml;nderfeindlichen und rechtsextremen Demonstrationen am st&auml;rksten? Diesen Montag sollen 15 000 Leute durch Dresden gezogen sein. Die Antwort lautet: Der Ausl&auml;nderfeind braucht keine Ausl&auml;nder, um sie zu hassen &ndash; wie der Antisemit keinen Juden braucht, um &uuml;ber die Juden Bescheid zu wissen und gegen sie zu sein. In einem Filmbeitrag f&uuml;r die <em>Heute<\/em>-Show h&ouml;rt man Teilnehmer einer PEGIDA-Demonstration richtigen Wahnsinn in die Mikrofone blubbern: &ldquo;Der IS kommt zu uns r&uuml;ber und schneidet uns die K&ouml;pfe ab&rdquo;; &ldquo;Es dauert nicht mehr lang und unsere Kinder m&uuml;ssen in der Schule eine Burka tragen&rdquo; und &Auml;hnliches mehr. Imre Kert&eacute;sz spricht in diesem Zusammenhang von &bdquo;platonischem Judenhass&ldquo;, der auch dort existiert, wo es praktisch keine Juden mehr gibt. Juden, Zigeuner, Muslime, Kanaken, Homosexuelle und so weiter sind die &auml;u&szlig;eren Repr&auml;sentanten des verfemten Teils der eigenen Person. Sie liefern einem diffusen Hass ein imagin&auml;res Objekt. Es ist das Fremde &ndash; oder fremd Gewordene &ndash; in der eigenen Person, das im Fremden gehasst und verfolgt wird. Von <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Das Vorurteil&ldquo;, hei&szlig;t es bei Max Horkheimer, &bdquo;ist ein Mittel, um eingepresste Bosheit loszulassen&ldquo;. Erst ist der Antisemit da, dann erfindet er &bdquo;den Juden&ldquo;. In seinem <em>Galeerentagebuch<\/em> schreibt Kert&eacute;sz: &bdquo;Zum letzten Mal &uuml;ber meine sogenannte &sbquo;Identit&auml;t&lsquo;: Ich bin einer, den man als Juden verfolgt, aber ich bin kein Jude.&ldquo; <\/p><p>Kennzeichen rechtsextremer Bewegungen ist, dass sich die Verfolger aufspielen, als w&auml;ren sie die Verfolgten. Dem kann man nur sehr begrenzt mit aufkl&auml;rerischen Lobreden auf &bdquo;unsere ausl&auml;ndischen Mitb&uuml;rger&ldquo; begegnen und auch der vielfach geforderte &bdquo;Dialog mit den B&uuml;rgern&ldquo; scheint nicht sonderlich erfolgsversprechend. <\/p><p>Wann w&auml;re je ein Wahn einer vern&uuml;nftigen Argumentation gewichen? Der Verweis auf die Steuern, die die ausl&auml;ndischen Mitb&uuml;rger zahlen, auf ihren Beitrag zur Sicherung &bdquo;unseres Rentensystems&ldquo;, auf den &bdquo;Fachkr&auml;ftemangel&ldquo;, den Zuwanderung beheben k&ouml;nnte, alle diese Argumente gehen ins Leere, weil sie den Ausl&auml;nderfeind nicht wirklich erreicht oder weil er sie mit einem l&auml;ssigen &bdquo;Papperlapapp&ldquo; vom Tisch wischt. Au&szlig;erdem ist der st&auml;ndige Verweis auf den hart arbeitenden Ausl&auml;nder im Sinne Adornos eine &bdquo;Rancune-Argumentation&ldquo;: Indem man so spreche, sagte er in seinem Vortrag <em>Zur Bek&auml;mpfung des Antisemitismus heute<\/em> aus dem Jahr 1962, begebe man sich selber auf die Ebene des Gegners, auf der man stets im Nachteil sei. Weil man selbst glaube, hart arbeiten zu m&uuml;ssen oder es wirklich muss, und weil man im tiefsten wisse, dass harte physische Arbeit heute eigentlich bereits &uuml;berfl&uuml;ssig ist, denunziere man diejenigen, von denen zu Recht oder Unrecht behauptet werde, sie h&auml;tten es leichter.  Man d&uuml;rfe nicht so tun, als w&auml;re &bdquo;der Schwei&szlig; an sich etwas Verdienstliches und etwas Positives&ldquo;. Was w&auml;re denn, wenn &bdquo;Ausl&auml;nder&ldquo; im Sinne eines &ouml;konomischen Effizienz-Begriffs nutzlos w&auml;ren? D&uuml;rfte man sie dann umbringen? <\/p><p>Noch eine kurze Anmerkung zu den Emp&ouml;rungsbekundungen gerade der Politiker, die durch ihr fortw&auml;hrendes Gerede von &bdquo;Zuwanderungsbegrenzung&ldquo; und &bdquo;Wirtschaftsfl&uuml;chtlingen&ldquo; den Boden bereitet haben, auf dem nun unter anderem Ph&auml;nomene wie PEGIDA und die Brandanschl&auml;ge von Vorra gedeihen, bei denen diesmal noch keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Es gilt immer noch, was Bodo Morsh&auml;user Anfang der 1990er Jahre anl&auml;sslich der damaligen Pogrome geschrieben hat: &bdquo;Wenn der Schlips vor Scheinwerfern &sbquo;Ausl&auml;nderbegrenzung&lsquo; fordert, l&ouml;st der Stiefel sie in der Dunkelheit ein. Dass aus W&ouml;rtern Taten geworden sind, will der Schlips danach nicht mit sich selbst in Zusammenhang gebracht wissen.&ldquo;<\/p><p>Die Aufm&auml;rsche sind zum F&uuml;rchten und unsere, der Demokraten und Linken Lage ist schwierig. Im Sinne Horkheimers wird es nur eine langfristige L&ouml;sung f&uuml;r das Problem des Rassismus und des Ausl&auml;nderhasses geben. Solange den Menschen mehr Verzichtsleistungen und Triebeinschr&auml;nkungen auferlegt werden, als sie ohne Besch&auml;digung ertragen k&ouml;nnen, werden ihnen im sozialen Vorurteil auch gleich jene Ersatzobjekte markiert, auf die sie ihre akkumulierte Feindseligkeit verschieben und an denen sie sich f&uuml;r Entt&auml;uschungen r&auml;chen k&ouml;nnen. Wir m&uuml;ssten die gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse so einrichten, dass den Menschen in der Erziehung und durch ihre Lebensumst&auml;nde weniger Bosheit eingepresst wird. Dann w&uuml;rden sie keine S&uuml;ndenb&ouml;cke mehr ben&ouml;tigen, auf die sie ihre Misere verschieben k&ouml;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4,7 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner in der s&auml;chsischen Landeshauptstadt Dresden sind Ausl&auml;nderinnen und Ausl&auml;nder. 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