{"id":24356,"date":"2014-12-19T09:58:39","date_gmt":"2014-12-19T08:58:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24356"},"modified":"2024-09-27T05:02:27","modified_gmt":"2024-09-27T03:02:27","slug":"24-stunden-pflege-in-privathaushalten-ist-ein-massenphaenomen-ein-interview-mit-ingeborg-haffert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24356","title":{"rendered":"&#8220;24-Stunden-Pflege in Privathaushalten ist ein Massenph\u00e4nomen&#8221; \u2013 Ein Interview mit Ingeborg Haffert"},"content":{"rendered":"<p>Man wei&szlig;, dass es sie gibt, liest und h&ouml;rt aber kaum etwas &uuml;ber sie: Menschen aus Osteuropa, die unter fragw&uuml;rdigen Arbeitsbedingungen und f&uuml;r vergleichsweise wenig Geld Seniorinnen und Senioren in Privathaushalten pflegen. Die WDR-Journalistin <strong>Ingeborg Haffert<\/strong> hat dazu j&uuml;ngst unter dem Titel &ldquo;Eine Polin f&uuml;r Oma&rdquo; ein Buch ver&ouml;ffentlicht, das sich mit der Besch&auml;ftigung polnischer Pflegekr&auml;fte in deutschen Familien befasst. Sie hat daf&uuml;r mit Pflegekr&auml;ften, Pflegebed&uuml;rftigen und ihren Familien gesprochen; sie hat einen Blick geworfen auf die jeweilige Misere, in der die handelnden Personen stecken. <strong>Patrick Schreiner<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24356#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] hat sich mit Ingeborg Haffert &uuml;ber ihre Recherchen unterhalten.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>In der Regel handelt es sich bei Pflegekr&auml;ften in deutschen Privathaushalten um Frauen und M&auml;nner aus Osteuropa, die quasi 24 Stunden am Tag pflegerisch t&auml;tig sind. Ist das aus Ihrer Sicht ein Massenph&auml;nomen?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ja, das wird schon deutlich, wenn man sich allein die Zahlen anschaut. Von offizieller Seite und auch von Gewerkschaften wird die Zahl auf etwa 200.000 gesch&auml;tzt. Die Frankfurter Soziologin Helma Lutz, die sich sehr intensiv mit diesem Thema befasst, spricht von einer hohen Dunkelziffer. Sie sch&auml;tzt die Gesamtzahl sogar auf 500.000 Frauen und M&auml;nner, die bei uns, oft hinter verschlossenen T&uuml;ren, alte Menschen pflegen. Man erkennt eine polnische Pflegekraft per se nicht an ihrem &Auml;u&szlig;eren. Wenn sie an der Supermarktkasse vor ihnen steht, w&uuml;rde sie ihnen nicht weiter auffallen. Wenn diese Menschen alle ein rotes F&auml;hnchen in der Hand halten w&uuml;rden, dann w&uuml;rden wir uns wundern, wie viele wir im Stra&szlig;enbild sehen. Das ist ein Massenph&auml;nomen.<\/p><p><strong>Eigentlich m&uuml;sste man angesichts dieser Zahlen meinen, dass dieses Thema in Presse und &Ouml;ffentlichkeit sehr viel breiter aufgegriffen w&uuml;rde. Wie kommt es, dass wir &uuml;ber Pflege in Privathaushalten kaum lesen und kaum reden?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ich glaube, das liegt daran, dass alle Beteiligten aus verschiedenen Gr&uuml;nden nicht dar&uuml;ber reden m&ouml;chten. Da gibt es &Auml;ngste. Die pflegerisch t&auml;tigen Frauen m&ouml;chten nicht dar&uuml;ber reden, weil sie Angst haben, dass das Familieneinkommen auf dem Spiel steht. Es h&auml;ngen oft ganze Familien an diesem einen Einkommen, das die Frauen hier in deutschen Haushalten erwirtschaften. Entsprechend schwer war es bei meinen Recherchen, an sie heranzukommen. Aber auch die Angeh&ouml;rigen der zu Pflegenden wollen ungern dar&uuml;ber reden. Sie haben oft ein schlechtes Gewissen, weil sie sich selbst nicht mehr um ihre Eltern k&uuml;mmern, sprich k&uuml;mmern k&ouml;nnen. Mit einem schlechten Gewissen geht man auch nicht an die &Ouml;ffentlichkeit. Die alten Menschen wiederum leben oft zur&uuml;ckgezogen und w&uuml;rden solch ein Thema sicherlich auch nicht an die &Ouml;ffentlichkeit bringen. Und die Vermittlungsagenturen, durch die viele osteurop&auml;ische Pflegekr&auml;fte in die Privathaushalte kommen, werden es auf keinen Fall &ouml;ffentlich thematisieren &ndash; sie k&ouml;nnen kein Interesse daran haben, dass jemand ihre Machenschaften aufdeckt. So kann die Politik eigentlich ganz zufrieden sein: Alle machen ihre Arbeit; das Ganze passiert hinter privaten Haust&uuml;ren, hinter die niemand schaut; Kontrollen gibt es so gut wie keine, auch bei Schwarzarbeit nicht. Insofern sage ich mal etwas ironisch, kann sich die Politik zur&uuml;cklehnen und sagen: &ldquo;L&auml;uft doch!&rdquo;<\/p><p><strong>Aber es l&auml;uft nicht wirklich?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Nein, es l&auml;uft &uuml;berhaupt nicht. Das habe ich festgestellt, als ich diese Haust&uuml;ren ge&ouml;ffnet habe. Ich bin ja in verschiedenen Familien gewesen. Ich habe mit den Frauen, also den Pflegekr&auml;ften gesprochen. Ich habe mit den Familien und mit den Senioren Gespr&auml;che gef&uuml;hrt. Es gibt auf allen Seiten gro&szlig;e Probleme. Und diese Probleme werden nirgendwo thematisiert. Es gibt auch keine Beratungsstelle, die diesen drei Parteien irgendwie zusammenhilft. Da gibt es nur eine Art Sorgentelefon, das thematisiere ich auch in meinem Buch. Das ist unter anderem die Beratungsstelle des DGB-Projektes &ldquo;Faire Mobilit&auml;t&rdquo; in Berlin. Sylwia Timm sitzt dort am Telefon und h&ouml;rt sich t&auml;glich die Sorgen und N&ouml;te der Pflegekr&auml;fte an. Sie kann sich so ein Bild machen von dem, was da in den H&auml;usern und in den Familien los ist. Aber tun kann sie eigentlich auch nichts, denn das ist Privatbereich. Das ist keine Firma, in die man einfach mal reingehen kann, um zu kontrollieren. Die T&uuml;r ist zu, und in den meisten F&auml;llen bleibt sie auch zu. <\/p><p><strong>Was bedeutet es f&uuml;r Pflegekr&auml;fte im Ausland t&auml;tig zu sein? Was bedeutet es, m&ouml;glicherweise sogar die eigene Familie &ndash; Kinder, eventuell pflegebed&uuml;rftige Eltern &ndash; im Herkunftsland zu lassen und im Ausland zu arbeiten?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ich habe in meinem Buch die Situation einfach mal umgedreht. Ich finde, das macht es am deutlichsten. Stellen sie sich einfach mal vor, sie w&uuml;rden in einem Bus an die wei&szlig;russische Grenze gekarrt und vor irgendeinem Privathaushalt rausgelassen mit dem Hinweis, hier ist f&uuml;r die n&auml;chsten Monate ihr neues Zuhause. Sie steigen aus, vor ihnen stehen Menschen mit gro&szlig;en Augen und gro&szlig;en Erwartungen. Sie k&ouml;nnen noch nicht einmal &ldquo;Guten Tag&rdquo; sagen, weil sie deren Sprache nicht sprechen. Sie bekommen ihr kleines Zimmerchen im Dachgeschoss gezeigt. Es ist ein ausrangiertes Zimmer, in dem vielleicht fr&uuml;her mal die Kinder geschlafen haben. Und das ist jetzt ihr neues Zuhause. Und sie wissen, sie werden dieses Haus sehr wahrscheinlich in den n&auml;chsten Monaten nicht verlassen, weil sie 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche dort arbeiten. Schon die Vorstellung macht Beklemmung.<\/p><p><strong>Und was bedeutet das f&uuml;r die Herkunftsfamilien?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Es ist eigentlich unvorstellbar, was diese Familien aushalten. Die Mutter geht von heute auf morgen. Der Ehemann und Vater bleibt alleine mit den Kindern zuhause &ndash; wobei das ja schon ein Gl&uuml;cksfall ist, wenn es den Vater noch gibt. Das kann auf Dauer keine gesunde Beziehung bleiben. Diese Frauen verlieren auf eine sehr schleichende Art und Weise ihre Familien; ich w&uuml;rde fast sagen: alle diese Frauen. Sie f&uuml;hlen sich letztendlich nirgendwo mehr zuhause. Wenn sie nach Hause kommen, merken sie das auch. Da werden nat&uuml;rlich ganz gro&szlig;e Erwartungen an sie gerichtet. Da sind Kinder, die sauer sind, dass die Mutter nie da ist, wenn sie Schulprobleme oder Liebeskummer haben. Die Mutter ist einfach nicht da. Sie wird da nicht mit offenen Armen empfangen, sondern sie muss sich sehr bem&uuml;hen, zu kompensieren, dass sie so lange nicht da war.<\/p><p><strong>Sie schreiben auch von Schuldgef&uuml;hlen der Frauen&hellip;<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ja, diese Frauen haben alle Schuldgef&uuml;hle, ihren Partnern und vor allem ihren Kindern und Enkelkindern gegen&uuml;ber. Das sind Schuldgef&uuml;hle, weil sie einfach nicht da sein k&ouml;nnen. In Polen ist Familie vielleicht sogar noch wichtiger als bei uns. Das ist der Bereich, in dem man sich zur&uuml;ckziehen kann, in dem man auf Verl&auml;sslichkeit und Verbindlichkeit trifft. Diese zu verlassen, ist ein gro&szlig;er und schmerzhafter Schritt.<\/p><p><strong>Wie sind die Arbeitsbedingungen in den Privathaushalten? Sie haben schon Arbeitszeiten von 24 Stunden an 7 Tagen pro Woche erw&auml;hnt &ndash; das Arbeitszeitgesetz wird bei solchen exzessiven Arbeitszeiten also schon einmal nicht eingehalten.<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ich finde es verbl&uuml;ffend, dass deutsche Familien diese Frauen zu Bedingungen besch&auml;ftigen, zu denen sie selbst niemals arbeiten w&uuml;rden. Es wird fast noch so getan, als mache man diesen Frauen einen gro&szlig;en Gefallen, wenn man ihnen ein Fahrrad zur Verf&uuml;gung stellt und ihnen zwei Stunden am Tag frei gibt, vielleicht sogar noch den Sonntag dazu. Das Bewusstsein, dass es nicht in Ordnung ist, was da passiert &ndash; das war gar nicht da. Manche hatten sogar noch das Gef&uuml;hl, man tut den Polinnen einen Gefallen, da sie hier dreimal mehr verdienen als zuhause. Ich finde dieses Denken falsch. Ich kann zwar nicht sagen, dass per se alle Frauen hier unterdr&uuml;ckt und versklavt werden. Das w&auml;re weit &uuml;bertrieben. Aber die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, sind in sehr vielen F&auml;llen nicht in Ordnung. Auch, weil die Angeh&ouml;rigen ihre Eltern und Schwiegereltern zu sehr bei den Pflegekr&auml;ften abgeben. Sie sagen: &ldquo;Jetzt haben wir hier die Olga, die k&uuml;mmert sich, und wir k&ouml;nnen uns zur&uuml;ckziehen.&rdquo; Das ist nicht fair. Die Pflegekr&auml;fte brauchen unbedingt die Unterst&uuml;tzung der T&ouml;chter und S&ouml;hne der Angeh&ouml;rigen. Diese m&uuml;ssten eigentlich regelm&auml;&szlig;ig vorbeikommen und nachfragen, was sie tun k&ouml;nnen, um die Pflegekr&auml;fte zu entlasten. Und nat&uuml;rlich m&uuml;ssten sie einen fairen Lohn zahlen. Ich will allerdings auch betonen, dass alle drei Parteien &ndash; Pflegekr&auml;fte, zu pflegende Senioren und Angeh&ouml;rige &ndash; schlicht aus einer Notsituation heraus handeln. Diese Personen tun das, was sie tun, nicht, weil sie faul sind oder ihnen alles egal ist. Den polnischen Pflegekr&auml;ften ist es auch nicht egal, was aus ihren Familien wird. Alle drei Parteien stecken in einer Notsituation. Deswegen liegt es mir sehr fern, irgendjemandem einen Vorwurf daraus zu machen.<\/p><p><strong>Sind diese Arbeitsverh&auml;ltnisse legal?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Da bin ich in meinem Buch eindeutig: Ich denke, die einzige Form der Besch&auml;ftigung muss ein Vertrag nach deutschem Arbeitsrecht sein. Die so genannte Entsendung, so wie sie von den Vermittlungsagenturen betrieben wird, ist eine Besch&auml;ftigungsform in der rechtlichen Grauzone. Sie ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung. Es gibt viele ganz findige Juristen, die sich mit den Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen polnischer Pflegekr&auml;fte besch&auml;ftigen. Das sind kluge Menschen, die genau wissen, wie sie das deutsche Recht so umgehen, dass es gerade noch legal ist und man dagegen gerade nicht klagen kann. Und so ist es eben m&ouml;glich, dass viele Frauen per Entsendung durch polnische Unternehmen nach polnischem Arbeitsrecht hierhergeschickt werden. Sie arbeiten dann hier f&uuml;r eine polnische Firma, die formell weisungsbefugt ist. Das ist jenseits aller Praxis, denn nat&uuml;rlich kann ein Arbeitgeber, der in Polen sitzt, dieser Frau in Deutschland nicht sagen, was sie zu tun und zu lassen hat. Der bekommt doch gar nicht mit, was hier los ist. Letztlich ist immer die Familie der Arbeitgeber. Deswegen finde ich, muss der Vertrag auch entsprechend zwischen Familie und Pflegekraft geschlossen werden &ndash; mit allen Rechten, die f&uuml;r Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland gelten.<\/p><p><strong>Sie sprechen meist von Polen als Herkunftsland und von weiblichen Pflegekr&auml;ften. Wie ist es mit anderen L&auml;ndern, und gibt es auch m&auml;nnliche Pflegekr&auml;fte?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Es sind in der Mehrzahl polnische Pflegekr&auml;fte, deswegen auch der Titel des Buches &ldquo;Eine Polin f&uuml;r Oma&rdquo;. Das hei&szlig;t aber nicht, dass es nicht auch Rum&auml;ninnen oder Ukrainerinnen gibt. Was den Anteil der M&auml;nner angeht: Je h&ouml;her die Arbeitslosigkeit in Polen ist, umso mehr M&auml;nner kommen auch hierher, um zu pflegen. Ich war ganz erstaunt. Anfangs dachte ich, das sind absolute Ausnahmen. Dem ist aber nicht so. Man kann mittlerweile von 20 bis 30 Prozent M&auml;nnern in der h&auml;uslichen Pflege in Deutschland ausgehen. Die meisten M&auml;nner halten das allerdings geheim. Sie sagen: &ldquo;Ich arbeite in Deutschland, habe dort einen Job&rdquo; &ndash; aber sie erz&auml;hlen zuhause nicht, was sie hier machen. Das ist mit Scham verbunden. Die meisten polnischen M&auml;nner, die in Deutschland arbeiten, sind etwa auf dem Bau oder als Saisonarbeiter t&auml;tig. Hingegen ist es in Polen wohl noch sehr fremd, dass M&auml;nner pflegerisch t&auml;tig sind. Deswegen verschweigen sie es meist.<\/p><p><strong>Nun haben wir viel &uuml;ber die Pflegekr&auml;fte gesprochen. Was bedeutet es denn f&uuml;r die Pflegenden, wenn pl&ouml;tzlich fremde Menschen, die oft kein Deutsch sprechen, in den pers&ouml;nlichen Intimbereich eindringen?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ja, das tun sie im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie waschen die alten Menschen ja auch. Das sind h&ouml;chst intime Momente. Eine alte Dame, die von einem polnischen Ehepaar gepflegt wurde, hat mir gesagt, sie h&auml;tte es ausgesprochen r&uuml;cksichtsvoll gefunden, dass sie ausschlie&szlig;lich von der Frau gewaschen wurde. Also nicht von dem Mann. Viele zu Pflegende finden es erstmal nicht sch&ouml;n, wenn pl&ouml;tzlich ein &ndash; wie sie es nennen &ndash; &ldquo;Ausl&auml;nder&rdquo; in gro&szlig;er N&auml;he zur Familie mit im Haus lebt. Wenn die Angeh&ouml;rigen das Gespr&auml;ch mit den Eltern oder Schwiegereltern &uuml;ber die M&ouml;glichkeit einer polnischen Pflegekraft begonnen haben, war da zun&auml;chst fast immer eine gro&szlig;e Abwehr. Das haben mir fast alle Angeh&ouml;rigen erz&auml;hlt. Und die Senioren haben mir auch berichtet, dass sie eine gro&szlig;e Sehnsucht nach ihren Kindern haben. Sie w&uuml;nschen sich eigentlich schon, dass die eigenen Kinder n&auml;her heranr&uuml;cken und die Pflege mit &uuml;bernehmen. Das sagen sie aber nicht laut, denn sie wollen ihre Kinder nicht unter Druck setzen. Sie erkl&auml;ren sich letztendlich einverstanden mit der L&ouml;sung einer polnischen Pflegekraft, weil sie Angst haben, sonst ins Pflegeheim zu m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Was w&auml;re aus ihrer Sicht politisch zu tun, um die Situation zu verbessern &ndash; sowohl die Situation der zu Pflegenden als auch die Situation der Pflegekr&auml;fte?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ich habe in meinem Buch das Beispiel &Ouml;sterreich erw&auml;hnt. In &Ouml;sterreich unterst&uuml;tzt der Staat die Anstellung einer Pflegekraft nicht nur finanziell, sondern er verlangt ganz klar auch, dass diese Pflegekr&auml;fte bestimmte Qualifikationen mitbringen. Das sind sprachliche und pflegerische Qualifikationen. Der Staat mischt sich ein, kontrolliert und legt Standards fest. Die gibt es ja bei uns gar nicht, hier kann jeder sich Pflegekraft nennen. Das w&auml;re eine erste Ma&szlig;nahme. Was die Politik ansonsten tun m&uuml;sste, w&auml;re, dieses Thema mehr in die &Ouml;ffentlichkeit zu tragen. Man darf es nicht einfach an die Privatfamilien abschieben und sie damit alleine zu lassen. Wir haben hier ein gesellschaftliches Problem. Wir haben viele alte Menschen, die versorgt werden m&uuml;ssen, und zu wenige, die sich k&uuml;mmern k&ouml;nnen. Wir brauchen eine &ouml;ffentliche Debatte dar&uuml;ber. Dieses Thema aber kommt allenfalls mal am Rande vor, etwa wenn Familienministerin Manuela Schwesig vorschl&auml;gt, f&uuml;r Angeh&ouml;rige Pflegezeiten einzur&auml;umen. Aber eine &ouml;ffentliche Debatte &uuml;ber das Thema Pflege gibt es nicht. <\/p><p><strong>Kontrollieren die Beh&ouml;rden in &Ouml;sterreich auch die Arbeitsbedingungen der Pflegekr&auml;fte?<\/strong><\/p><p>Ingeborg Haffert: Ja, das wird kontrolliert. Es wird daf&uuml;r gesorgt, dass die Vertr&auml;ge stimmen. Und damit wird auch daf&uuml;r gesorgt, dass das Geld stimmt, das die Pflegekr&auml;fte verdienen. Das ist standardm&auml;&szlig;ig festgesetzt. Und diese Standards brauchen wir hier auch. Jenseits der arbeitsrechtlichen Standards, die wir brauchen, ist es aber vor allem wichtig, dass die deutschen Familien und die osteurop&auml;ischen Pflegekr&auml;fte Hilfen an die Hand bekommen, damit die h&auml;usliche Pflege besser gelingt. Es reicht aus meiner Sicht nicht aus, nur Missst&auml;nde zu beschreiben. Deshalb gebe ich den Pflegekr&auml;ften, den Senioren und den Angeh&ouml;rigen in meinem Buch alltagsnahe Hilfestellungen, die den Pflegealltag wesentlich verbessern und erleichtern k&ouml;nnen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Patrick Schreiner lebt und arbeitet als hauptamtlicher Gewerkschafter in Hannover. Er schreibt regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r die NachDenkSeiten zu wirtschafts-, sozial- und verteilungspolitischen Themen.<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/adccdf9571654583a13905d2a8a8f5cb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man wei&szlig;, dass es sie gibt, liest und h&ouml;rt aber kaum etwas &uuml;ber sie: Menschen aus Osteuropa, die unter fragw&uuml;rdigen Arbeitsbedingungen und f&uuml;r vergleichsweise wenig Geld Seniorinnen und Senioren in Privathaushalten pflegen. 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