{"id":24460,"date":"2015-01-06T10:14:49","date_gmt":"2015-01-06T09:14:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24460"},"modified":"2024-09-24T23:10:24","modified_gmt":"2024-09-24T21:10:24","slug":"pegida-ist-das-symptom-eines-groesseren-problems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24460","title":{"rendered":"PEGIDA ist das Symptom eines gr\u00f6\u00dferen Problems"},"content":{"rendered":"<p>PEGIDA ist in aller Munde und wird dabei in aller Regel entweder vermeintlich &bdquo;verstanden&ldquo; und in Teilen &bdquo;respektiert&ldquo; oder aber als Problem der radikalen Rechten in Deutschland klassifiziert und bek&auml;mpft. <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43745\/1.html\">Umfragen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!62265\/\">Studien<\/a> ergeben jedoch, dass die &bdquo;Angst vor dem Islam&ldquo; seit Langem ein deutsches wie internationales Problem darstellt &ndash; und sich nicht nur in einzelnen politischen Lagern verorten und an diese <a href=\"http:\/\/www.unrast-verlag.de\/gesamtprogramm\/allgemeines-programm\/antirassismus\/orient-und-islambilder-260-detail\">&bdquo;wegdelegieren&ldquo;<\/a> l&auml;sst. Manch einer spricht daher auf der Suche nach Verst&auml;ndnis f&uuml;r die aktuelle gesellschaftliche Situation inzwischen von PEGIDA als dem <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2014\/12\/31\/pegi-d31.html\">&bdquo;Produkt einer (langfristigen) politischen und medialen Inszenierung&rdquo;<\/a> und betont vor allem die Funktion von Rassismus in einer immer ungleicheren Welt. Die seit Jahren gesch&uuml;rte Islamfeindlichkeit diene dabei vor allem dazu, eigene Privilegien zu verteidigen sowie die nationale deutsche Identit&auml;t zu revitalisieren, wie beispielsweise die Professorin f&uuml;r Diversity Studies, Rassismus und Migration Iman Attia <a href=\"http:\/\/www.journal-fuer-psychologie.de\/index.php\/jfp\/article\/view\/258\/297\">betont<\/a>. <strong>Jens Wernicke<\/strong> geht im Gespr&auml;ch mit der Medienkritikerin sowie Sprach- und Islamwissenschaftlerin <strong>Sabine Schiffer<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24460#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] diesen Fragen und Hintergr&uuml;nden weiter nach.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau Schiffer, Sie besch&auml;ftigen sich bereits seit vielen Jahren mit der <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20110602_IMV-Schiffer_Kirchentag-Dresden.pdf\">Darstellung des Islams in den Medien [PDF &ndash; 193 KB]<\/a> und konstatieren hier massive Verzerrungen sowie eine Art &bdquo;Feindbildkonstruktion&ldquo;. Wie kommen Sie zu dieser Einsch&auml;tzung und woran machen Sie diese fest?<\/strong><\/p><p>Das ist nicht nur mein Forschungsergebnis. Wissenschaftler wie Kai Hafez, Irmgard Pinn, Reinhard Schulze, Farid Hafez, Wolfgang Frindte, Iman Attia, Werner Ruf und viele andere mehr kommen zum gleichen Ergebnis: &bdquo;Unser&ldquo; Islambild stammt vor allem aus der Auslandsberichterstattung der letzten 30 Jahre. <\/p><p>Die stereotyp ausgew&auml;hlten Fakten aus der so genannten islamischen Welt haben dabei zun&auml;chst starke Frames, also stereotypisierte Wahrnehmungen, und hierauf aufbauend schlie&szlig;lich ein handfestes Feindbild geformt. Die daraus resultierenden &Auml;ngste wurden dann sp&auml;testens ab dem Mord am niederl&auml;ndischen Filmemacher Theo van Gogh 2004 auch auf die in Deutschland lebenden Muslime projiziert. <\/p><p>Etwa zur gleichen Zeit sind zudem islamophobe Hetzportale im Internet entstanden, die seither unbeanstandet jede m&ouml;gliche Untat eines Muslimen oder auch Nichtmuslimen in den Kontext &bdquo;Islam&ldquo;, &bdquo;S&uuml;dl&auml;nder&ldquo; oder &bdquo;Kulturbereicherer&ldquo; verschieben &ndash; bei letzterem handelt es sich um die Ironisierung des Versuchs Gutmeinender, vor allem die N&uuml;tzlichkeit und Bereicherung durch jene Menschen zu betonen, die tats&auml;chlich oder vermeintlich &bdquo;anders&ldquo; sind. Die Auflistung unterschiedlicher Taten verschiedener Menschen auf <a href=\"http:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007%2F978-3-531-92385-7_23#page-1\">derlei Portalen<\/a> unterstellen dabei st&auml;ndig &bdquo;religi&ouml;se&ldquo; statt etwa soziale oder politische Motive. <\/p><p>Was die Macher solcher Internetseiten dabei in aller Regel  nicht wissen: Ihre vermeintliche Argumentation entstammt dabei vor allem evangelikalen und fundamentalistisch-katholischen Vordenkern wie beispielsweise Adelgunde Mertensacker, die mit dem Kurier der fundamentalistischen Christlichen Mitte in den 1990er Jahren das Setting und die Perspektive f&uuml;r diesen <a href=\"http:\/\/www.schattenblick.de\/infopool\/sozial\/sozio\/ssges241.html\">kulturellen Rassismus<\/a> vorgab. Und diese wiederum entstammt geopolitisch interessierten Denkfabriken, wie etwa dem Middle East Forum eines <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daniel_Pipes\">Daniel Pipes<\/a>, wie inzwischen das Center for Amercian Progress <a href=\"http:\/\/cdn.americanprogress.org\/wp-content\/uploads\/issues\/2011\/08\/pdf\/islamophobia_intro.pdf\">nachgewiesen [PDF &ndash; 437 KB]<\/a> hat. <\/p><p><strong>Das hei&szlig;t?<\/strong><\/p><p>Vor allem, dass die vermeintlichen Besch&uuml;tzer und Bewahrer des Abendlandes das tun, was andere zuvor als <a href=\"http:\/\/www.eikos.ch\/index.php\/spindoctors.html\">Spin<\/a> und Denkmodell &ndash; der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.information-philosophie.de\/?a=1&amp;t=585&amp;n=2&amp;y=1&amp;c=2\">Kampf der Kulturen<\/a>&ldquo; ist da nur ein Schlagwort aus diesem Bereich &ndash; bereits vor Jahren und Jahrzehnten vor- und angedacht haben.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie das bitte belegen und ein wenig ausf&uuml;hren? Sie wissen ja, &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorien&ldquo; sind zurzeit sehr schlecht im Kurs &hellip;<\/strong><\/p><p>Als ich in den 1990er Jahren begann, dieses Thema zu bearbeiten, habe ich noch jede Behauptung von Intentionen hinter dem stereotypen und verzerrten Bild des Islams in unseren Medien und unserer Gesellschaft zur&uuml;ckgewiesen. Ich hielt das alles lange f&uuml;r ein gro&szlig;es Missverst&auml;ndnis, was nicht verharmlosend klingen soll. Inzwischen ist aber gut recherchiert und belegt, dass es Intentionen f&uuml;r ein Feindbild Islam gab und gibt. <\/p><p>Eine Art offiziellen Auftakt zur Nutzung der weltweiten Islamphobie waren dabei 1990 die Rede und der Aufsatz von Berhard Lewis &bdquo;The Muslim Rage&ldquo;, deren Thesen sein Freund und Kollege Samuel Huntington sp&auml;ter noch in Buchform goss. Dies ist kein zuf&auml;lliger Zeitpunkt, denn w&auml;hrend es immer Ressentiments gegen Islam und Muslime gab &ndash; Stichwort &bdquo;Iranische Revolution&ldquo; und historische Ereignisse wie &bdquo;die T&uuml;rken vor Wien&ldquo; -, ersetzte nach dem Wegfall des Ost-West-Konflikts in den 1990er Jahren das Feindbild Islam zunehmend den alten Antagonismus. Und zwar mit geopolitischem Impetus, wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.danieleganser.ch\">Daniele Ganser<\/a> es mit Blick auf Ressourcen und Ressourcenwege beschreibt. <\/p><p>Das Center for American Progress hat Geldstr&ouml;me untersucht und am Beispiel des bereits erw&auml;hnten Middle East Forums nachgewiesen: Das Interesse am Nahen Osten ob seiner geostrategischen Bedeutung auf der einen und Islamismus sowie das Feindbild Islam auf der anderen Seite m&uuml;ssen zusammengeh&ouml;rig verstanden und analysiert werden. Der Vater von Daniel Pipes, <a href=\"http:\/\/alphahistory.com\/russianrevolution\/historian-richard-pipes\/\">Richard<\/a>, war einst als Direktor des Zentrums f&uuml;r Russische Studien noch f&uuml;r den US-amerikanischen Antikommunismus sowie das Feindbild Russland zust&auml;ndig, der Sohn ist dies nun offenbar f&uuml;r das Feindbild Islam. Die Bilder wechseln also, die Strategien hingegen bleiben gleich. <\/p><p><strong>Und hat all das Ihrer Einsch&auml;tzung nach auch etwas mit der Dresdner &bdquo;PEGIDA-Bewegung&ldquo; und artverwandten Entwicklungen im Lande zu tun? Wie erkl&auml;ren Sie dieses &bdquo;Ph&auml;nomen&ldquo;, das ja von einigen als rechtsextremistische Zusammenrottung interpretiert wird?<\/strong><\/p><p>Ja, auch wenn der Weg bis hin zu PEGIDA auf den ersten Blick wom&ouml;glich gewunden erscheint, so gibt es dennoch eine logische Abfolge der Ereignisse: Nach den Pogromen Anfang der 1990er Jahre bekamen die Rassisten durch das neue Zuwanderungsgesetz recht, denn Einwanderung wurde erschwert. Und muslimfeindliche Straftaten werden nach wie vor gar nicht erst systematisch erfasst und dokumentiert. Auf den <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/20091215_Medien-MordAnMarwa.pdf\">islamfeindlichen Mord in Dresden 2009 [PDF &ndash; 239 KB]<\/a> hin reagierte man beispielsweise mit Abwiegelung, so als g&auml;be es nicht l&auml;ngst ein allgemeines Problem. <\/p><p>Und leider findet nun genau das statt, was ich immer bef&uuml;rchtet habe &ndash; und was in meiner Doktorarbeit im vergleichenden Exkurs zum antisemitischen Diskurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts bereits steht: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Ohnmacht gegen&uuml;ber globalen Wirtschaftsstrukturen werden die &Auml;ngste der Menschen auf die bereits seit Langem hierf&uuml;r offen dargebotene Minderheit projiziert. Das waren zuzeiten der Wirtschaftskrise um 1873 die Juden, und das sind heute vor allem die Muslime. Das schafft den Antisemitismus zwar nicht ab, als Projektionsfl&auml;che f&uuml;r alles &Uuml;ble sowie die diffusen &Auml;ngste der Menschen dienen nun jedoch <em>beide<\/em> Gruppen zugleich: Juden als die vermeintlichen Drahtzieher der Welt &ndash; und Muslime als die angeblich Verantwortlichen f&uuml;r deren Niedergang. Was leider nicht einmal ausschlie&szlig;t, dass die eine diskriminierte Minderheit, bef&ouml;rdert durch eine unsolidarische, die Gruppen gegeneinander ausspielende Politik, der jeweils anderen auch noch die Schuld f&uuml;r diese Entwicklung zuschreibt.<\/p><p><strong>Aber die Demonstranten behaupten doch, nicht gegen Muslime, sondern nur Islamisten zu sein&hellip;<\/strong><\/p><p>Ob sie das selber glauben, wei&szlig; ich nicht. Die publizierten &Auml;u&szlig;erungen verraten jedenfalls eine gro&szlig;e Verallgemeinerungstendenz. Aber in der Tat dienen Islam und Muslime vor allem zur Projektion. Um sie geht es faktisch &uuml;berhaupt nicht. Und da das viele Muslime noch nicht begriffen haben, lenken sie mit der gut gemeinten Aufkl&auml;rung &uuml;ber ihre Sicht auf den Islam nur noch mehr Aufmerksamkeit auf ihre Religion und sich, die dann f&uuml;r Ressentiments jedweder Couleur &bdquo;verantwortlich&ldquo; gemacht wird. <\/p><p>Allerdings glauben auch viele Politiker und Journalisten, die die Diskursentwicklung nicht genau verfolgt haben, dass es sich bei diesen Demonstrationen um Reaktionen auf eine Radikalisierung von Muslimen handele, was jedoch nicht der Fall ist &ndash; denn die Muslimfeindlichkeit hier ist deutlich &auml;lter als beispielsweise der so genannte &bdquo;Islamische Staat&ldquo;. <\/p><p>Sehr wohl machen aber machen neue Ph&auml;nomene wie dieses &ndash; gerade in Verbindung mit der Behauptung, hier handele es sich um einzig &bdquo;religi&ouml;se&ldquo; und nicht etwa soziale oder politische K&auml;mpfe &ndash; die Menschen aktuell noch anf&auml;lliger f&uuml;r die einfachen Parolen zur vermeintlichen L&ouml;sung all ihrer Probleme&hellip;Der hierbei praktizierte Chauvinismus tr&auml;gt dabei faschistische Kernelemente in sich und k&ouml;nnte sich noch weiter auswachsen, wenn unsere Medien und die Politik derlei Stimmungen weiterhin Raum und damit Recht geben &ndash; anstatt beispielweise eben all die auf Muslime projizierten und wohl vor allem sozio&ouml;konomischen &Auml;ngste und N&ouml;te der Menschen endlich einmal ernst zu nehmen und anzugehen sowie zugleich der D&auml;monisierung einer ganzen Menschengruppe entschieden entgegenzutreten. Da in aller Regel jedoch <em>beides<\/em> nicht geschieht, st&auml;rkt das Handeln unserer Eliten und Meinungsmacher aktuell ganz massiv den rechten Rand, wie dies beispielsweise der Extremismusforscher Cas Mudde immer wieder <a href=\"http:\/\/www.eurozine.com\/articles\/2010-08-31-mudde-en.html\">dargestellt<\/a> hat. <\/p><p>Das bedeutet aber auch, dass der antimuslimische Rassismus immer schon Teil der so genannten &bdquo;Mitte der Gesellschaft&ldquo; war und nicht erst in diese eindringen musste. Hier ist es vor allem die Mittelschicht, die &uuml;ber einen elit&auml;ren Diskurs der angeblich eigenen kulturellen &Uuml;berlegenheit &ndash; Stichwort: Aufkl&auml;rung &ndash; in einer chauvinistischen und eurozentristischen Haltung weiter erstarkt, wie unsere Medienanalysen dies auch deutlich machen: Sp&auml;testens seit den 1990er Jahren haben die so genannten seri&ouml;sen Medien &ndash; allen voran <a href=\"http:\/\/www.palmyra-verlag.de\/PS-SL.html\">Peter Scholl-Latour<\/a> &ndash; das antiislamische Ressentiment bedient und dieses &uuml;berhaupt erst gro&szlig; und salonf&auml;hig gemacht. <\/p><p><strong>Das antiislamische Ressentiment ist also bereits seit Langem sowie vor allem in der Mittelschicht verankert?<\/strong><\/p><p>Genau. Und paradoxerweise hat gerade die Sarrazindebatte das Thema Islamophobie dann noch weiter aufgewertet &ndash; zugleich allerdings auch erstmalig zu einer kritischen Auseinandersetzung mit derselben gef&uuml;hrt. Dass seine inzwischen zwei B&uuml;cher mit massiver finanzieller und medialer Unterst&uuml;tzung &uuml;berhaupt erst bekannt und &bdquo;zum Thema&ldquo; gemacht wurden, spricht dabei B&auml;nde.<\/p><p>Leider helfen uns die Heitmeyer Studien &bdquo;Deutsche Zust&auml;nde&ldquo; nicht viel weiter, herauszubekommen, wann und wie antiislamische Vorurteile gest&auml;rkt wurden und Verbreitung fanden, weil sie erst 2002 mit der systematischen Erfassung von Ressentiments begannen. Eine Studie der Uni Jena zeigt allerdings exemplarisch auf, dass ein Zusammenhang zwischen &ouml;ffentlichen Diskursen und dem Anstieg von &Auml;ngsten und Ressentiments festzustellen ist. Wolfgang Frindte und Nicole Hau&szlig;ecker weisen in der sehr aufw&auml;ndigen Untersuchung &bdquo;Inszenierter Terrorismus&ldquo; genau nach, wie die Ver&ouml;ffentlichungen von Terrorwarnungen nicht etwa die Angst vor Terror, sondern jene vor Muslimen gesch&uuml;rt haben. <\/p><p><strong>Und &uuml;ber derlei &bdquo;Medieneinseitigkeit&ldquo; gibt es innerhalb der Medien keine Debatte und kritische Reflexion?<\/strong><\/p><p>Nein, die Antwort-Reflexe der Medien, sich auf berechtigte Kritik dieser Art hin &ndash; etwa von Noam Chomsky oder <a href=\"http:\/\/medienwoche.ch\/2012\/11\/19\/die-medien-sind-geiseln-von-ausnahmefaellen\/\">Reinhard Schulz<\/a> &ndash; schlicht von jeder eigenen Verantwortung freizusprechen und so zu tun, als w&auml;ren sie nur Beobachter, halten leider ungebrochen an.<\/p><p>So hat man sich beispielsweise im Schock &uuml;ber das Breivik-Massaker auch auf die Ausw&uuml;chse des Hasses gegen&uuml;ber Muslimen und den Islam im Internet gest&uuml;rzt, anstatt etwa die eigene Rolle im Fernseh- und Printmedienbereich einmal kritisch zu reflektieren. Und diese Nichtreflexion der eigenen Rolle als Medien l&auml;sst sich auch ganz aktuell wieder beobachten, wenn man &uuml;berrascht auf die PEGIDA starrt und so tut, als h&auml;tte diese Entwicklung nichts mit eigenen Fehlleistungen zu tun. <\/p><p>Dass die entsprechend verblendeten Menschen nun auf die Stra&szlig;e gehen, ist f&uuml;r mich darum keine &Uuml;berraschung. Und dass sie sich zurecht als anschlussf&auml;hig einsch&auml;tzen, so dass ihre Demonstrationen eine breite Berichterstattung erhalten, d&uuml;rfte sie eher ermutigen, weiter zu machen. <\/p><p>Vergleicht man <a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=21102\">den Umgang mit den aktuellen Demonstrationen f&uuml;r den Frieden<\/a>, so sieht man sehr deutlich, wie es aussieht, wenn Medien die eine Bewegung eher mittels &bdquo;Verst&auml;ndnis&ldquo; ermutigen, die andere hingegen im Keim zu ersticken versuchen. <\/p><p><strong>Das klingt jetzt alles nicht sehr ermutigend. Was ist Ihrer Meinung nach zu tun?<\/strong><\/p><p>Wir brauchen vor allem eine kritische Auseinandersetzung mit der Funktion von Rassismus in unserer Gesellschaft. Und wir brauchen mehr Berichterstattung &uuml;ber die &ouml;konomischen und geopolitischen Zusammenh&auml;nge hinter Entwicklungen wie Terrorismus, so genannten Auslandseins&auml;tzen etc. Und auch eine kritischere Begleitung von NATO, WTO oder IWF w&auml;re vonn&ouml;ten, um komplexere Zusammenh&auml;nge so zu erfassen, dass sie alsdann nicht mehr auf &bdquo;die Juden&hellip;&ldquo; oder &bdquo;die Muslime&hellip;&ldquo; abgelenkt werden k&ouml;nnten. <\/p><p>Eine ungerechte Weltwirtschaftsstruktur und Kriege bilden aktuell ein ungl&uuml;ckliches Zwillingsp&auml;rchen. Aber an dieser Stelle bin ich nicht sicher, ob eine zunehmend ohnm&auml;chtige Politik ihre eingeschr&auml;nkten Handlungsm&ouml;glichkeiten zuzugeben bereit ist, oder ob die Politik der regelrechten <em>Einladung zur Projektion von Missst&auml;nden auf Minderheiten<\/em> nicht vielmehr erliegen wird. Hier ist die  Zivilgesellschaft gefordert &ndash; auch und entgegen medialer Verst&auml;rker bzw. Niedermacher. <\/p><p>Und vielleicht wollen wir kein s&auml;kularer Staat mehr sein, der Religion umschlie&szlig;t, unterordnet und sch&uuml;tzt. Vielleicht ist es stattdessen an der Zeit, &uuml;ber ein laizistisches Modell zu diskutieren, f&uuml;r alle Religionen gleich. Gleiche Rechte und Pflichten also f&uuml;r alle oder keinen. <\/p><p>Noch zentraler scheint mir aber der Bildungsbereich zu sein, der zunehmend ausgeh&ouml;hlt statt gest&auml;rkt wird. Wir m&uuml;ssen uns in Bildungsfragen breiter aufstellen statt Bildung zu reduzieren. Zum Geschichtsunterricht geh&ouml;rt dabei eben auch das Wissen unserer arabo-islamischen Wurzeln neben den griechischen, r&ouml;mischen usw. usf. Das mag vielleicht unrealistisch klingen, ist es aber nicht. Ich denke vielmehr: Wenn wir es nur wollen, ist alles m&ouml;glich. Die jetzigen Entwicklungen sind schlie&szlig;lich ja auch keine Naturgewalt, sondern wurden von Menschen gemacht. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><p><strong>Weiterlesen: <\/strong><\/p><ul>\n<li>Sabine Schiffer: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/29060\/der-islam-in-deutschen-medien?p=all\"><strong>Der Islam in deutschen Medien<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Sabine Schiffer: <a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=21102\"><strong>&ldquo;Unsere Medien&rdquo; in Zeiten innerukrainischer und antirussischer Kriegshetze: Wer Hass s&auml;ht, wird PEGIDA ernten<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Wilhelm Heitmeyer: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/islamfeindlichkeit-menschen-islamischen-glaubens-werden.694.de.html?dram:article_id=302039\"><strong>&ldquo;Menschen islamischen Glaubens werden homogenisiert&rdquo;<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Wilhelm Heitmeyer: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2010-12\/studie-deutsche-zustaende\"><strong>Mehr Islamfeindlichkeit bei Reichen<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.informationclearinghouse.info\/article27419.htm\"><strong>It&rsquo;s Not Radical Islam That Worries The US &ndash; It&rsquo;s Independence<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.chomsky.info\/interviews\/200704--.htm\"><strong>On Religion and Politics<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.jihadwatch.org\/2010\/07\/noam-chomsky-us-more-fundamentalist-than-saudi-arabia-or-the-taliban\"><strong>U.S. more &ldquo;fundamentalist&rdquo; than Saudi Arabia or the Taliban<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Iman Attia: <a href=\"http:\/\/www.journal-fuer-psychologie.de\/index.php\/jfp\/article\/view\/258\/297\"><strong>Privilegien sichern, nationale Identit&auml;t revitalisieren: Gesellschafts- und handlungstheoretische Dimensionen der Theorie des antimuslimischen Rassismus im Unterschied zu Modellen von Islamophobie und Islamfeindlichkeit<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Etienne Balibar und Immanuel Wallerstein: <a href=\"http:\/\/www.kommunismus.narod.ru\/knigi\/pdf\/Balibar_Wallerstein_-_Rasse_Klasse_Nation_Teil_1.pdf\"><strong>Rasse, Klasse, Nation: Ambivalente Identit&auml;ten [PDF &ndash; 4.7 MB]<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Christoph Dreier: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2014\/12\/31\/pegi-d31.html\"><strong>Pegida und der Rechtsruck der Politik<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Sabine Schiffer<\/strong> (Dr.) hat zum Islambild in den Medien promoviert. 2005 gr&uuml;ndete sie das unabh&auml;ngige <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/\">Institut f&uuml;r Medienverantwortung<\/a> und leitet es seither. Medienanalysen und Medienbildung stellen den Schwerpunkt der Arbeit des Institutes zu Themenschwerpunkten dar.<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/c0961a3d093f4103a523b43d8898d0f4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PEGIDA ist in aller Munde und wird dabei in aller Regel entweder vermeintlich &bdquo;verstanden&ldquo; und in Teilen &bdquo;respektiert&ldquo; oder aber als Problem der radikalen Rechten in Deutschland klassifiziert und bek&auml;mpft. <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43745\/1.html\">Umfragen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!62265\/\">Studien<\/a> ergeben jedoch, dass die &bdquo;Angst vor dem Islam&ldquo; seit Langem ein deutsches wie internationales Problem darstellt &ndash; und sich nicht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24460\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[207,209,11],"tags":[282,339,1433,1462,340],"class_list":["post-24460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anti-islamismus","category-interviews","category-strategien-der-meinungsmache","tag-buergerproteste","tag-chauvinismus","tag-pegida","tag-schiffer-sabine","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24460"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121883,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24460\/revisions\/121883"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}