{"id":24496,"date":"2015-01-08T10:21:09","date_gmt":"2015-01-08T09:21:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24496"},"modified":"2015-01-08T11:42:44","modified_gmt":"2015-01-08T10:42:44","slug":"zeit-der-strategiewechsel-der-herbst-2014-laeutet-eine-neue-phase-der-transformation-des-stromsektors-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24496","title":{"rendered":"Zeit der Strategiewechsel \u2013 Der Herbst 2014 l\u00e4utet eine neue Phase der Transformation des Stromsektors ein"},"content":{"rendered":"<p>Von Ende Oktober bis kurz vor Weihnachten 2014 jagte in der &Ouml;ffentlichkeit ein Stromsektor-Thema  das andere, jeweils ausgel&ouml;st durch offizielle und inoffizielle Papiere, Berichte nebst Stellungnahmen und Gutachten, und durch Strategie-Ank&uuml;ndigungen  der Gro&szlig;-Erzeuger.   Diese Koinzidenz ist kein Zufall.  Sie ist ein Zeichen daf&uuml;r, dass eine neue Phase begonnen hat mit Anpassungen und Entstehen neuartiger Formen,   die  eigentliche Transformation des deutschen Elektrizit&auml;tssektors. Von <strong>Paul H. Suding<\/strong>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nSeit dem Kernenergie- Ausstiegsbeschluss von 1999 und dem EEG von 2000 ist die Erzeugung aus Wind, Solar und Bioenergie  von unter 10 auf knapp 130 TWh angewachsen. Das kann man als Wende im Stromsystem im Sinne  einer Richtungs&auml;nderung  bezeichnen. Eine Wende im Sinne von &bdquo;Verwandlung&ldquo;  ist das noch nicht. Bisher wurde die Erzeugung aus Kernenergie lediglich partiell ersetzt. Die Kohlestromerzeugung ist resistent hoch geblieben.  Die &bdquo;Transformation&ldquo; zur Verwirklichung der langfristigen Ziele des Energiekonzepts  der Bundesregierung von 2010 steht dem Stromsektor noch bevor.  <\/p><p>In Zahlen: Seit 2011 wird lt. <a href=\"http:\/\/www.ag-energiebilanzen.de\/\">ArGe Energiebilanzen<\/a> in Deutschland j&auml;hrlich mehr Strom  aus Erneuerbaren Energien (EE) gewonnen als aus Kernenergie, zuletzt  jede vierte bzw. weniger als jede sechste kWh.  Jedoch lieferten 2013  fossil gefeuerte Kraftwerke immer noch &uuml;ber  56%. Braunkohleanlagen erzeugen seit Jahren stabil etwa jede vierte kWh, w&auml;hrend der Beitrag der Steinkohlekraftwerke seit 2009 ebenfalls stabil  bei  nahe 20% liegt und der Erdgasbeitrag entgegen der erhofften Steigerung  auf etwa 10% zur&uuml;ckgefallen ist.  Nach vorl&auml;ufigen Zahlen f&uuml;r 2014 sind bei r&uuml;ckl&auml;ufiger Gesamterzeugung die Anteile der EE weiter angestiegen auf Kosten von Steinkohle und Erdgas.  <\/p><p>Bis 2022 soll der Kernenergieausstieg vollzogen sein.   Die Ausbaupfade des EEG 2014 w&uuml;rden rechnerisch, d.h.  bei Ausbau der EE-Kapazit&auml;ten gem&auml;&szlig; Korridor und bei erwarteter Benutzungsdauer  knapp ausreichen, die dann endg&uuml;ltig weggefallene Stromerzeugung aus Kernenergie zu ersetzen.  Zum vollen Ausgleich m&uuml;ssen noch das Dargebot aus (fossil gefeuerter) Kraft-W&auml;rme-Kopplung (KWK) steigen und die Stromnachfrage  sowie der positive Exportsaldo sinken.  Das Ziel  von 35% EE-Anteil am Bruttostromverbrauch w&uuml;rde voraussichtlich erreicht. Jedoch wird  Stromerzeugung aus fossiler Energie weiter &uuml;berwiegen und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass die Erdgaspreise  sich so stark &auml;ndern, dass die Gaskraftwerke  wieder mehr auf Kosten von Kohlekraftwerken zum Einsatz kommen. <\/p><p>Diese Entwicklung w&auml;re aus Sicht des Klimaschutzes ein Problem, da die Treibhausgas (THG)- Emissionen der Strom-Umwandlung nur noch wenig sinken und die sektor&uuml;bergreifenden Emissionsziele 2020 kaum erreicht w&uuml;rden. Im <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/DE\/Themen\/Energie\/Energiewende\/fortschrittsbericht.html\">Fortschrittsbericht zur Energiewende<\/a> weist BMWi selbst darauf hin. Um die Emissionssenkung zu erzwingen, hat die Bundesregierung noch im November 2014 spezielle Ma&szlig;nahmen zur Senkung der THG-Emissionen des Stromsektors angek&uuml;ndigt und diese in das <a href=\"http:\/\/www.bmub.bund.de\/fileadmin\/Daten_BMU\/Download_PDF\/Aktionsprogramm_Klimaschutz\/aktionsprogramm_klimaschutz_2020_broschuere.pdf\">Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 [PDF &ndash; 1.4 MB]<\/a> aufgenommen, das sie noch vor der Konferenz in Lima verabschiedet hat. Diese Ma&szlig;nahmen sollen den Beginn des Kohleausstiegs vorziehen, der andernfalls erst nach 2020 wirklich beginnen w&uuml;rde. Die <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Redaktion\/PDF\/M-O\/monitoringbericht-energie-der-zukunft-stellungnahme-2013,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf\">Stellungnahme [PDF &ndash; 2 MB]<\/a> der Expertenkommission  zum Fortschrittsbericht mahnt Konkretisierung an, da  diese Ma&szlig;nahmen noch zu  wenig spezifiziert sind, um sie bewerten zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Auch ohne diese zus&auml;tzlichen Ma&szlig;nahmen stellt das Szenario den Stromsektor vor gro&szlig;e Anpassungsaufgaben, um die  langfristigen Ziele des Energiekonzepts von 2010 zu erreichen, n&auml;mlich mindestens  50% EE Anteil am Bruttostromverbrauch bis 2030 und mindestens 80% bis 2050, bei  Gew&auml;hrleistung einer sicheren, wirtschaftlichen und auch in Nicht-Klimaaspekten  umweltvertr&auml;glichen Versorgung.  <\/p><p>Wie diese Herausforderungen bew&auml;ltigt werden sollen, dazu pr&auml;sentierte das BMWi im Gr&uuml;nbuch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/DE\/Themen\/Energie\/Strommarkt-der-Zukunft\/gruenbuch.html\">Ein Strommarkt f&uuml;r die Energiewende<\/a>&ldquo; von Ende Oktober 2014 die Ma&szlig;nahmen und Vorschl&auml;ge  f&uuml;r die Neu-Regelungen im Stromsektor,  also die detaillierte Strategie der Bundesregierung.  Den im Gr&uuml;nbuch fehlenden Statusbericht lieferte BMWi ein paar Wochen sp&auml;ter im Rahmen des schon erw&auml;hnten ausf&uuml;hrlichen und detaillierten  Fortschrittsberichts zur Energiewende. Am gleichen 03. Dezember  2014 wurde die Stellungnahme der Expertenkommission ver&ouml;ffentlicht, die den Fortschritt zur Energiewende  im R&uuml;ckstand sieht, allerdings wesentlich kritischer als im Stromsektor  bei den anderen Sektoren und in Bezug auf die Energieeffizienz. <\/p><p>Wenige Wochen nach dem Gr&uuml;nbuch pr&auml;sentierten die Gro&szlig;-Stromerzeuger ihre Strategien. Gro&szlig;es Aufsehen erregte vor allen Dingen E.ON mit der Ank&uuml;ndigung , sich von herk&ouml;mmlichen Stromerzeugungs- Gesch&auml;ft trennen zu wollen, fast gleichzeitig mit der Ver&ouml;ffentlichung des Fortschrittsberichts der Bunderegierung .  <\/p><p><strong>Die Koinzidenz ist kein Zufall<\/strong><\/p><p>Die zeitliche Koinzidenz der Strategie-Pr&auml;sentationen ist kein Zufall.  W&auml;hrend das Gr&uuml;nbuch keine Abkehr sondern eine Ausweitung  der bisherigen Ans&auml;tze vorschl&auml;gt,    stellen die  Gro&szlig;- Erzeuger mehr  (E.ON) oder weniger (RWE) radikale &Auml;nderungen ihrer Strategien vor.  <\/p><p>Die Anpassungs- Herausforderungen im Stromsektor entstehen haupts&auml;chlich  aus dem zunehmenden &ouml;rtlichen und zeitlichen Auseinanderfallen von Strom-Dargebot und Nachfrage. Die  Hauptmasse der EE-Stromerzeugung, n&auml;mlich der ressourcenbedingt  fluktuierenden Erzeugung aus Wind-, Solar- und Laufwasser,  ist &ouml;rtlich und zeitlich gebunden und  soll  eine zeitlich hochverf&uuml;gbare Stromerzeugung ersetzen, die zwar ortsgebunden und technisch unflexibel ist, aber im bestehenden System (Netzkonfiguration,  Zusammenspiel mit flexiblen Anlagen und Pumpspeichern) darauf ausgerichtet ist, die ihrerseits orts- und zeitgebundene Stromnachfrage zu decken. <\/p><p>Mit dem EEG 2014 hat die Bundesregierung die Korridore und Regeln f&uuml;r den Ausbau des EE Stromerzeugung f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre gelegt.  Zur Umsetzung  sind die Sonderregelungen f&uuml;r EE  im Prinzip erhalten geblieben, aber  es sind bereits einige Vorkehrungen zur Integration in das Stromsystem  unter anderem in der Form dadurch, dass die Direktvermarktung von EE-Strom an der B&ouml;rse &ndash; mit einer Pr&auml;mie &ndash; und  der Abwurf im  Fall zu hoher Einspeisung  &ndash; mit Entsch&auml;digung  &ndash; vorgesehen sind. Den Hauptteil der Anpassungen muss jedoch nach wie vor der herk&ouml;mmliche Stromsektor leisten. Im BMWi-Gr&uuml;nbuch ist die Vielzahl der diesbez&uuml;glichen Ma&szlig;nahmen dargelegt. <\/p><p><strong>Das Gr&uuml;nbuch stellt die Strategie der Anpassungen des Stromsektors vor<\/strong><\/p><p>Um das &ouml;rtliche Auseinanderfallen von Dargebot und Nachfrage zu &uuml;berbr&uuml;cken, hat bereits ein massiver Ausbau der  Drehstromnetze und der Grenz-&Uuml;bergabestellen begonnen. Der Wegfall gro&szlig;er Kapazit&auml;ten im S&uuml;den bei  Zubau im Norden soll zus&auml;tzlich  durch Gleichstrom- &Uuml;bertragungsleitungen ausgeglichen werden.  Die Bundesregierung will so auch vermeiden, dass sich unterschiedliche Erzeugerpreiszonen im Bundesgebiet herausbilden.  <\/p><p>Als Konzept zur Bew&auml;ltigung des zeitlichen Auseinanderfallens von Dargebot und Nachfrage wird eine allgegenw&auml;rtige Flexibilisierung vorgeschlagen. Die <em>Synchronisierung des Einsatzes<\/em> bestehender Anlagen, die im  Gr&uuml;nbuch als eine der Hauptaufgaben des Stromsystems bezeichnet wird, soll durch Flexibilisierung  in der Erzeugung und der Nachfrage, durch den Ausbau der Speicherung und den schon genannten Netzausbau erreicht werden, der somit sowohl das &ouml;rtliche als auch zeitliche Auseinanderfallen &uuml;berbr&uuml;cken hilft.  <\/p><p>Laut Gr&uuml;nbuch Teil II soll dazu ein wahres  Feuerwerk von Verlagerungen abgebrannt werden, bei denen auch  kleineren Strommengen durch Verschiebung der Erzeugung oder  der Nachfrage und durch Speicherung von Strom und Wiederverkauf aber auch W&auml;rme aus Kraft-W&auml;rme-Kopplung verlagert an die M&auml;rkte kommen, und so  die kurzfristige Synchronisierung herbeif&uuml;hren.  Diese &bdquo;Flexibilisierungsoptionen&ldquo; sollen sogar zueinander  in Wettbewerb treten, d.h.  viele neuartige  Marktakteure sollen auf den Plan treten, die an Spotm&auml;rkten oder auch an Regelenergie-M&auml;rkten aktiv sind.   Die Frage stellt sich, ob neue Sonderregeln wie die Einspeiseregelung des EEG erforderlich sein  werden, um die  Markteinf&uuml;hrung dieser Flexibilisierungsoption zum Beispiel von Speichern  zu sichern.  Das w&uuml;rde sich dann in weiteren Sonderposten m Strompreis niederschlagen.<\/p><p>Neben der Synchronisierung des Einsatzes bestehender Optionen ist die <em>Synchronisierung der Vorhaltung<\/em> das andere gro&szlig;e Thema des Gr&uuml;nbuchs. Die erste betrifft die kurzfristige Versorgungssicherheit, die Vorhaltung aber die langfristig im Verh&auml;ltnis zur Nachfragelast ausreichende Kapazit&auml;t der Erzeugung. Dazu werden im Gr&uuml;nbuch in Teil III die verschiedenen Optionen mit oder ohne Kapazit&auml;tsmarkt vorgestellt, noch ohne ausdr&uuml;ckliche Pr&auml;ferenz. Allerdings kommt in den Kommentaren des Ministers in der &Ouml;ffentlichkeit (&bdquo;kein Hartz IV f&uuml;r Kraftwerke&ldquo;) eine gewisse Pr&auml;ferenz f&uuml;r den Verzicht auf Kapazit&auml;tsm&auml;rkte und das Vertrauen in den derzeit aktiven <em>Energy Only Market<\/em> (EOM) (Zahlung nur f&uuml;r gelieferten Strom und nicht f&uuml;r vorgehaltene Erzeugungskapazit&auml;ten) zum Ausdruck.   In jedem Fall soll eine Kapazit&auml;tsreserve  vorgehalten werden, deren Kosten von der Bundesnetzagentur umgelegt werden sollen. <\/p><p>Offenbar bewertet das BMWi  die  Erfahrungen mit dem Strommarkt oder &ndash; genauer gesagt- mit den verschiedenen Stromm&auml;rkten und Regelungen als so gut,   dass es vorschl&auml;gt, die  marktliche Orientierung zu vertiefen, wie gesehen Flexibilisierungsoptionen f&uuml;r die Einsatzoptimierung hinzuzuf&uuml;gen und den Stromm&auml;rkten dar&uuml;ber hinaus sogar die Anreize f&uuml;r eine Gew&auml;hrleistung der langfristig ausreichenden Kapazit&auml;ten  zuzutrauen. Tats&auml;chlich haben sich die  Stromm&auml;rkte auch unter Bedingungen hoher EE-Stromeinspeisung als widerstandsf&auml;hig  erwiesen und gemeinsam mit den  Regelungsinstitutionen die Sicherheit der Versorgung gew&auml;hrleistet.  <\/p><p>Das Vertrauen in die Marktkr&auml;fte ist aufgrund der Erfahrungen gro&szlig;, wird aber auch aus einer Reihe von Gutachten gen&auml;hrt, die mit Modellen neoklassischer Pr&auml;gung basierend  den Gr&uuml;nbuch- Vorschl&auml;gen zugrunde liegen. <strong>Es ist interessant zu sehen, wie  sich ein SPD-gef&uuml;hrtes Wirtschafts- und Energieministerium mit einem als gr&uuml;n bekannten zust&auml;ndigen Staatssekret&auml;r im Verbund mit einem ebenfalls SPD-gef&uuml;hrten Umweltministerium in einer schwarz-roten Koalition bewegen auf der Grundlage eines  liberal gepr&auml;gten Energiewirtschaftsgesetz  und in einem nicht widerspruchsfreien Rahmen von spezifischen marktwirtschaftlichen nationalen und europ&auml;ischen Instrumenten zur F&ouml;rderung der Erneuerbaren,  zum Klimaschutz  etc. und wie diese Koalition diese heterodoxe Stromsektorpolitik weiterentwickelt und dabei allenthalben marktwirtschaftliche Instrumente nutzt.<\/strong><\/p><p>Man kann die Bef&uuml;rchtung haben, dass die erwarteten Wirkungen nicht ohne weiteres eintreten. Allerdings ist das Risiko mangelnder Vorhaltung  mittelfristig nicht hoch, da die Erzeugungs- Kapazit&auml;ten trotz Kernenergieausstieg bei gegebenem  Zubau  ausreichend sind. <\/p><p><strong>Die Gro&szlig;-Erzeuger &auml;ndern ihre Strategien<\/strong><\/p><p>Anscheinend sind die Pl&auml;ne der Bundesregierung  nicht dazu angetan,  den Gro&szlig;-Erzeuger die Option des  &bdquo;Weiter-So&ldquo;  zu er&ouml;ffnen und damit aus der Krise zu kommen.   Daher &auml;ndern diese ihre Strategien, allen voran und grundlegend E.ON .  <\/p><p>Ihre bisherigen Strategien im deutschen Strommarkt sind gescheitert, was sich im Verfall ihrer Aktienkurse deutlich zeigt.  Die Erzeuger haben bereits in den letzten Jahren unter Ertragsschw&auml;che im deutschen Stromgesch&auml;ft gelitten  und sehen offenbar voraus, dass sich dies nicht &auml;ndert, sondern m&ouml;glicherweise versch&auml;rft, da auch noch die &ndash; durch die Brennstoffsteuer verringerten &ndash; Deckungsbeitr&auml;ge aus dem Kernenergiestrom auch noch zunehmend fehlen . <\/p><p>Die Stromerzeuger durchlaufen damit innerhalb von 20 Jahren die zweite grundlegende Ver&auml;nderung.  Nach der  &ldquo;Liberalisierung&ldquo;, d.h. der  Novellierungen des Energiewirtschaftsgesetzes  1997 und da sie nach der Novellierung  des EWG  auch die &Uuml;bertragungsnetze abgeben mussten,   waren aus den einst eher korporativ-paternalistisch und versorgungsorientierten Organisationen  ganz andere Unternehmen geworden  In diesem Ver&auml;nderungsprozess entstanden durch  Zusammenschl&uuml;sse nur noch 4 Gro&szlig;-Erzeuger mit  Einbeziehung des  gr&ouml;&szlig;ten Gashandelshauses &ndash; dem auch das Gesch&auml;ftsmodell verloren gegangen war.  Ironischerweise f&uuml;hrte die von der Energiewirtschaft bek&auml;mpfte Intensivierung des Wettbewerbs dazu, dass die Unternehmen dem kapitalistischen  Label  &auml;hnlicher wurden, das ihnen in der Atomkraftauseinandersetzung angeh&auml;ngt worden war:   Internationalisierung des Engagements, h&ouml;here Renditevorgaben  und die Bestellung eines neuen Typs von Management.  <\/p><p>Diese Stromerzeuger hatten nach der  Einf&uuml;hrung von Stromm&auml;rkten im Zuge der &ldquo;Liberalisierung&ldquo;  erkannt,  dass sie ihre Kraftwerke auf niedrige variable Kosten trimmen m&uuml;ssen, um am Spotmarkt und am Vertragsmarkt zum Zuge zu kommen. &Uuml;ber  die Mengen konnten sie bei  ausreichenden Preisen  Deckungs-  und eventuell auch Gewinn-Beitr&auml;ge zu erzielen, was in den ersten Jahren des Jahrhunderts auch gut gelang und  was  wiederum die Kartellw&auml;chter des Kartellamts und der Monopolkommission auf den Plan rief, die Preisabsprachen vermuteten.  <\/p><p>Die Stromerzeuger haben dann Ende der Nullerjahre ihren fossilen Kraftwerkspark weiter auf niedrige Brennstoffkosten ausgerichtet, neben dem Versuch die Restlaufzeiten von Kernkraftwerken zu verl&auml;ngern.  RWE und auch Vattenfall haben ihre Braunkohle-KW-Kapazit&auml;ten erneuert und erweitert, unter Steigerung der Effizienz. Auch an Steinkohle-KW-Standorten haben die  gro&szlig;en Erzeuger und auch das spezialisierte Unternehmen Steag alte Kapazit&auml;ten rehabilitiert  oder partiell ersetzt, aber auch an ganz neuen Standorten wie Moorburg\/Hamburg neue Importkohlekraftwerke errichtet. Zur Absicherung deckten sich die Erzeuger mit Emissionsrechten nach dem Europ&auml;ischen Emissions-Handelssystem sowie nach den Mechanismen des Kyoto Protokolls ein. Bedenken &uuml;ber die Zukunftsf&auml;higkeit angesichts der l&auml;ngerfristigen Emissionsreduktionsziele begegneten sie mit der Zusicherung, die Anlagen w&uuml;rden auf <em>Carbon Capture and Storage<\/em> (CCS) vorbereitet, das Abscheiden von CO2 und die Lagerung im gro&szlig;en Stil.  Das Energiekonzept der Bundesregierung  von 2010 und 2011 setzte im gleichen Sinne noch gro&szlig;e Erwartungen in  CCS, wie auch die von der Bundeskanzlerin einberufenen Ethik-Kommission 2011. Gro&szlig;technische CCS hat sich mittlerweile aber als impraktikabel erwiesen. <\/p><p>Diese Strategie der Erzeuger hat im Hinblick auf die Mengen funktioniert. Wie oben bereits gesagt sind Braunkohle- und Steinkohlestrom-Absatz  auf Kosten der Gaskraftwerke seit Jahren stabil geblieben  bei  nach 2011 geplanten R&uuml;ckgang der Kernenergie und trotz des Anstiegs der EE-Erzeugung. <\/p><p>Die Strategie hat aber nicht mit Blick auf die Erl&ouml;se funktioniert, da die Preise an der B&ouml;rse  seit Mitte der Nullerjahre mit schw&auml;cherer Nachfrage zur&uuml;ckgingen und sich nach 2011 nicht wieder erholt haben.  <\/p><p>Die partielle Integration der EE Stromerzeugung in den Strommarkt in Form der Vermarktung an der B&ouml;rse, die mit der Umstellung des EEG-Ausgleichsmechanismus  2010 erfolgte, hat den Preisverfall dann noch pointiert.   Da die Gro&szlig;-Erzeuger es aus wirtschaftlichen Gr&uuml;nden vorzogen, ihre inflexiblen Kraftwerke auch bei starken aber kurzen R&uuml;ckg&auml;ngen der Residuallast durchgehend laufen zu lassen, entstand  zeitweise ein Angebots&uuml;berhang, der die B&ouml;rsenpreise weiter sinken lie&szlig; und kurzzeitig zu negativen Preisen f&uuml;hrte.  d.h. die Verk&auml;ufer mussten Geld drauflegen, damit der Strom abflie&szlig;en konnte.  Ein steigender Export&uuml;berschuss bildet ein  Ventil, um &Uuml;berschussstrom abzusetzen, ist aber nicht der  Ramschplatz, wie  der  Energie-Staatssekret&auml;r j&uuml;ngst in einem <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/DE\/Presse\/reden,did=675244.html\">Gastbeitrag<\/a> in der &bdquo;Zeit&ldquo; dargelegt hat.<\/p><p>Das massive Absinken der Erzeugerpreise,  von dem die Gro&szlig;-Verbraucher profitieren, nicht aber Haushalte und anderen Nicht-privilegierte Verbraucher, die   eine entsprechend h&ouml;here EEG-Umlage zahlen m&uuml;ssen, verdirbt den Erzeugern die Erl&ouml;ssituation.  Da sich die  Erl&ouml;sschw&auml;che im deutschen Strommarkt in Anbetracht des neuen EEG und der  im Grundbuch manifestierten Pl&auml;ne der Bundesregierung nicht entscheidend verbessern wird, sind die Gro&szlig; Erzeuger zum Strategiewechsel  gezwungen. <\/p><p>Wie auch andere Erzeuger verf&uuml;gen die Gro&szlig; Erzeuger auch &uuml;ber Gaskraftwerke &ndash; und andere fossil gefeuerte Kapazit&auml;ten, die wegen hoher Brennstoffkosten sehr wenig Auslastung genie&szlig;en, die aber in Betriebsbereitschaft oder in Kaltreserve gehalten werden, und dabei  Kosten verursachen. Die Bundesnetzagentur ist sehr zur&uuml;ckhaltend mit Genehmigungen zur Stilllegung. Die Erzeuger h&auml;tten daf&uuml;r gern ein Entgelt, sind daher an der Schaffung eines Kapazit&auml;tsmarktes interessiert, der ihnen auch f&uuml;r solche Anlagen eine Kapazit&auml;tsvorhaltungs-Pr&auml;mie zuleiten w&uuml;rde.   Die  Neigung  des BMWi, darauf zu verzichten, verringert die Chancen f&uuml;r zus&auml;tzliche Erl&ouml;se und erh&ouml;ht die N&ouml;te der Erzeuger.<\/p><p>Die anhaltende Erl&ouml;sschw&auml;che und die schlechten Aussichten haben daher alle vier Gro&szlig;-Erzeuger zu grundlegenden Strategie&auml;nderungen veranlasst, wie ein &Uuml;berblick in der <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/energie\/e-on-rwe-enbw-konzerne-tappen-im-dunkeln\/9062794-2.html\">Wirtschaftswoche<\/a> zeigt, und sich den erneuerbaren Energien und Zukunftstechnologien sowie Dienstleistungen zuzuwenden. E.On hat dann Ende November den radikalsten Schwenk verk&uuml;ndet, n&auml;mlich die inl&auml;ndische fossile  Erzeugung sowie den globalen Energiehandel in eine separates Unternehmen einzubringen, das dann verkauft werden soll.  E.ON  st&uuml;tzt sich nicht in gleichem  Masse wie RWE und Vattenfall auf Braunkohlekraftwerke und hat keine F&ouml;rderung.  Die RWE AG will zwar nicht ausgliedern, aber nur noch in Erneuerbare Energien investieren. Vattenfall steht zus&auml;tzlich zu den Anpassungs-erfordernissen in Deutschland noch  ein politisch motivierter  Strategiewechsel  nach Vorgaben der neuen Schwedischen Regierung als Eigent&uuml;mer ins Haus.   Bei EnBW  gibt es  ebenso wie bei den anderen massive Sparprogramme. Eine Neuorientierung zu Erneuerbaren Energien und zum Dienstleistungsgesch&auml;ft wird  auch hier diskutiert.  <\/p><p><strong>Was nicht im Gr&uuml;nbuch steht aber rasch zu sichern ist&ndash; die Finanzierung des Dicken Endes der Kernenergie<\/strong><\/p><p>Der radikale Strategiewechsel bei E.ON und die wirtschaftlichen Probleme aller Kernkraftbetreiber lassen die Alarmglocken bei einem anderen Themen l&auml;uten, von dem im Gr&uuml;nbuch gar nicht die Rede ist, n&auml;mlich der Finanzierung des R&uuml;ckbaues von Kernkraftwerken und der Einlagerung radioaktiven Abfalls, auch aus diesen  stillgelegten Anlagen. Das Thema war im Mai 2014 schon einmal in der &Ouml;ffentlichkeit, als es offenbar Vorschl&auml;ge gab, die zu diesem Zweck gebildeten R&uuml;ckstellungen der Betreiber E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW in einen Fonds einzubringen, der dann die Aufgaben &uuml;bernehmen sollte. Angesichts der Ungewissheiten &uuml;ber das wahre Ausma&szlig; der Kosten stie&szlig; das Ansinnen auf breite Ablehnung. Die Ausgliederung der Kraftwerkssparte bei E.ON k&ouml;nnte jetzt als der Versuch angesehen werden, die E.ON betreffenden Verpflichtungen und die dazu aufgebauten R&uuml;ckstellungen bei diesem neuen ertragsschwachen Unternehmen anzusiedeln, wo den R&uuml;ckstellungen kein nachhaltiges Verm&ouml;gen gegen&uuml;berstehen w&uuml;rde. <\/p><p>Das hat lt. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/entsorgung-von-kraftwerken-atomkonzerne-sollen-milliarden-in-fonds-einzahlen-1.2269647\">S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a> das  BMWi und BMUB alarmiert, die umgehend ein Papier entwickelt haben, das die Verf&uuml;gbarkeit der R&uuml;ckstellungen sichern soll.  <\/p><p>Man denkt angesichts der Bewegungen der Stromkonzerne  unwillk&uuml;rlich an G&ouml;tterd&auml;mmerung. Allerdings passt der Vergleich schon deshalb  nicht, da die  Konzerne sich anders als die G&ouml;tter  in Wagners Werk  kampflos  anpassen.  Das kann ein Vorteil sein in der Bew&auml;ltigung der gro&szlig;en Anpassungsaufgaben  der kommenden Jahre. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>PauL H. Suding<\/strong> ist  ein externer Beobachter der deutschen Energiewirtschaft und -politik. F&uuml;r NDS hat er unter dem Pseudonym Ernst E. Neuer gelegentlich schon Artikel zur Energiepolitik verfasst. Seit kurzem ist er im Ruhestand nach 15 Jahren in der deutschen und europ&auml;ischen Energiewirtschaft und nach 25 Jahren T&auml;tigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit. Er unterh&auml;lt einen Blog zu Energie und Entwicklung auf seiner website <a href=\"http:\/\/www.elsud.net\">elsud.net<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ende Oktober bis kurz vor Weihnachten 2014 jagte in der &Ouml;ffentlichkeit ein Stromsektor-Thema das andere, jeweils ausgel&ouml;st durch offizielle und inoffizielle Papiere, Berichte nebst Stellungnahmen und Gutachten, und durch Strategie-Ank&uuml;ndigungen der Gro&szlig;-Erzeuger. Diese Koinzidenz ist kein Zufall. Sie ist ein Zeichen daf&uuml;r, dass eine neue Phase begonnen hat mit Anpassungen und Entstehen neuartiger Formen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24496\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[162,164,176],"tags":[700,1275,492,651],"class_list":["post-24496","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energiepolitik","category-energiewende","category-umweltpolitik","tag-atomausstieg","tag-e-on","tag-eeg","tag-energiewirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24496","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24496"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24496\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24498,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24496\/revisions\/24498"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24496"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}