{"id":24527,"date":"2015-01-12T09:49:29","date_gmt":"2015-01-12T08:49:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24527"},"modified":"2019-04-29T09:57:47","modified_gmt":"2019-04-29T07:57:47","slug":"die-geschichtsklitterung-des-arsenij-jazenjuk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24527","title":{"rendered":"Die Geschichtsklitterung des Arsenij Jazenjuk"},"content":{"rendered":"<p>Am 7. und 8. Januar besuchte der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk Berlin. Am Mittwochabend war er bei den ARD-Tagesthemen zugeschaltet. Im <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ukraine-jazenjuk-101.html\">Interview mit Moderatorin Pinar Atalay<\/a> vermittelte Jazenjuk dabei eine Interpretation des Zweiten Weltkriegs, die man nur als rechtsradikale Geschichtsklitterung bezeichnen kann. Der Maidansieger selbst best&auml;tigt damit einmal mehr Zweifel an den derzeitigen ukrainischen Machthabern. Von <strong>Stefan Korinth<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir k&ouml;nnen uns alle sehr gut an die sowjetische Invasion der Ukraine und Deutschlands erinnern. So etwas muss man vermeiden. Und niemand hat das Recht, die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs erneut  zu schreiben&ldquo;, sagte der Premierminister, korrekt &uuml;bersetzt.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Damit meinte er tats&auml;chlich das Vordringen der Roten Armee gegen die Wehrmacht und deren Verb&uuml;ndete bis zum Sieg &uuml;ber Nazideutschland 1945. Dass es Wehrmacht und SS waren, die im &bdquo;Unternehmen Barbarossa&ldquo; zuvor die Sowjetunion angegriffen, Millionen Menschen ermordet und gro&szlig;e Teile Osteuropas &ndash; vor allem der Ukraine &ndash; verheert hatten, verschwieg Jazenjuk.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Moderatorin Atalay widersprach ihm nicht. Auch andere deutsche Leitmedien ignorierten Jazenjuks Geschichtsf&auml;lschung. Ganz anders in Russland, dort erzeugte die historische Verdrehung gro&szlig;e Aufmerksamkeit.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Die anti-russische Geschichtsinterpretation Jazenjuks, die selbst im sowjetischen, und damit zum Teil auch ukrainischen, Kampf gegen Hitler noch eine russische Aggression sieht, sollte jedoch nicht verbl&uuml;ffen. Dies ist das Geschichtsbild vor allem westukrainischer Nationalisten, das seit der Unabh&auml;ngigkeit des Landes 1991 im Rahmen einer nachholenden Nationenbildung (&bdquo;Ukrainisierung&ldquo;) immer salonf&auml;higer wurde.<\/p><p><strong>Westukrainische Nazis als Freiheitsk&auml;mpfer<\/strong><\/p><p>So gab es etwa im April 2009 in der galizischen Gro&szlig;stadt Lwiw (Lemberg) eine &bdquo;k&uuml;nstlerisch-erzieherische&ldquo; Werbekampagne der Partei Swoboda zur ukrainischen Waffen-SS-Division &bdquo;Galizien&ldquo;.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Zum 66. Gr&uuml;ndungsjubil&auml;um der Kampftruppe hatte Parteif&uuml;hrer Oleg Tjagnibok das Projekt angesto&szlig;en. &bdquo;Sie haben die Ukraine verteidigt&ldquo;, war auf den Werbeplakaten zu Ehren der westukrainischen Nazi-Soldaten unter <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/14._Waffen-Grenadier-Division_der_SS_%28galizische_Nr._1%29\">dem Logo ihrer SS-Division<\/a> zu lesen. Die Freiwilligen-Einheit hatte im Zweiten Weltkrieg mehrere Massaker an der polnischen und j&uuml;dischen Zivilbev&ouml;lkerung ver&uuml;bt und k&auml;mpfte bis Kriegsende gegen die Rote Armee.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Erst nach Protesten in polnischen und russischen Medien, wurde die Werbekampagne <a href=\"http:\/\/korrespondent.net\/ukraine\/events\/814533-s-ulic-lvova-ubrali-reklamu-divizii-ss-galichina\">nach gut zwei Wochen beendet<\/a>.<\/p><p>Diese freiheitliche Interpretation nationalsozialistischer Waffenbruderschaft war vor kurzem auch im ZDF zu besichtigen: Im Heute-Journal wurde ein fr&uuml;herer K&auml;mpfer der galizischen SS-Division ausschlie&szlig;lich als KGB-Opfer dargestellt. ZDF-Korrespondent Armin Coerper fragte den heute 90-J&auml;hrigen dann, ob er glaubt, die Freiheit noch erleben zu d&uuml;rfen. &bdquo;Aber klar. Ich glaube, die Welt wird uns helfen, Europa, Amerika &ndash; dieses Mal helfen sie uns.&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>], sagte der Veteran in Hoffnung auf westliche Milit&auml;rhilfe gegen Russland. Im Zweiten Weltkrieg mussten die ukrainischen Nationalisten ja noch allein mit Nazi-Deutschland f&uuml;r ihre Freiheit gegen die Russen k&auml;mpfen, so der Tenor. <\/p><p>Vor allem in der westukrainischen Region Galizien sind nationalsozialistische Gedenkveranstaltungen und <a href=\"http:\/\/www.unn.com.ua\/de\/news\/1209130-lvovom-proyshov-marsh-do-richnitsi-diviziyi-galichina-dopovneno-foto\">Ehrenm&auml;rsche<\/a> gern auch mit <a href=\"http:\/\/anton-shekhovtsov.blogspot.de\/2013\/08\/svobodas-mp-and-reenectors-dressed-as.html\">SS-Insignien<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article119276549\/Wenn-ukrainische-SS-Veteranen-ihre-Division-feiern.html\">Wehrmachtsuniformen<\/a> schon l&auml;nger zu beobachten.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Doch inzwischen haben selbst offizielle ukrainische Stellen kein Problem mehr mit der moralischen Reinwaschung militanter Nationalisten und Nazi-Verb&uuml;ndeter wie Stjepan Bandera[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]. Nach Kritik des tschechischen Pr&auml;sidenten Milo&scaron; Zeman <a href=\"http:\/\/www.pragerzeitung.cz\/index.php\/home\/politik\/18829-praesident-provoziert-ukraine\">erkl&auml;rte<\/a> die ukrainische Botschaft in Prag unl&auml;ngst:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die ukrainische Botschaft m&ouml;chte betonen, dass Stepan Bandera trotz m&ouml;glicher Meinungsunterschiede f&uuml;r die Mehrheit der Ukrainer ein Symbol des Kampfes f&uuml;r die Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit unseres Landes ist.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Heldenmythen statt Aufarbeitung<\/strong><\/p><p>Dies sind nur wenige von zahlreichen Beispielen f&uuml;r den verherrlichenden Umgang mit dem eigenen Nazi-Erbe in der heutigen Ukraine. <a href=\"http:\/\/de.euronews.com\/2015\/01\/01\/nationalisten-in-kiew-fackelmarsch-zu-ehren-von-bandera\/\">Fackelm&auml;rsche zu Ehren Banderas<\/a>, <a href=\"https:\/\/propagandaschau.wordpress.com\/2014\/09\/10\/ukraine-zdf-heute-hakenkreuze-und-ss-runen-als-folklore\/\">Nazi-Symbolik bei Soldaten<\/a>, sowie historisch belastete Parolen (&bdquo;Slawa Ukraini&ldquo;) sind heute v&ouml;llig unproblematisch und geh&ouml;ren geradezu zum guten patriotischen Ton im Lande. Ukrainische Geschichtsaufarbeitung funktioniert als identit&auml;tsbildend notwendige Konstruktion nationaler Heldenmythen eben nur in eine positive Richtung: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die T&auml;terperspektive wird bis in unsere Zeit von Teilen der ukrainischen Gesellschaft nur z&ouml;gerlich oder gar nicht reflektiert&ldquo;, schreibt die Hamburger Osteuropahistorikerin Kerstin S. Jobst in ihrem Standardwerk &bdquo;Geschichte der Ukraine&ldquo; (2010, Seite 188). Pogrome und Mordaktionen an Juden wie etwa 1941 in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Babyn_Jar#Das_Massaker_von_Babyn_Jar_1941\">Babij Jar<\/a> spielen in der Erinnerungskultur keine Rolle. &bdquo;In nationalukrainischen Kreisen dominiert immer noch die Auffassung, dass die ukrainische Geschichte im Zweiten Weltkrieg vor allem die eines nationalen Befreiungskampfes gewesen sei.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Warnung vor russischem Gro&szlig;angriff auf Resteuropa<\/strong><\/p><p>Jazenjuks rechter Revisionismus im Tagesthemen-Interview f&uuml;gt sich aber nicht nur gut in ein selbstverherrlichendes nationalistisches Geschichtsbild. Die Interpretation hat noch eine weitere Funktion: Jazenjuk stellt Russland als heute wieder erwachte Bedrohung f&uuml;r andere europ&auml;ische Staaten dar.  Die Sicherheit in der Ukraine sei eine Garantie f&uuml;r die Sicherheit der Europ&auml;ischen Union und Deutschlands, so der ukrainische Regierungschef weiter im Tagesthemen-Interview.<\/p><p>Dies deckt sich mit Behauptungen von Nato-Apologeten, die immer wieder einen bevorstehenden russischen Einmarsch in das Baltikum behaupten und anschlie&szlig;end f&uuml;r die weitere Aufr&uuml;stung des westlichen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses eintreten. Jazenjuk selbst setzt sich auch f&uuml;r  eine rasche Nato-Eingliederung seines Landes ein. Sp&auml;testens seit dem ber&uuml;hmten Nuland-Telefonat ist er zudem offen bekannt als Washingtons Mann in Kiew. Seine Stiftung die &bdquo;<a href=\"http:\/\/openukraine.org\/en\/about\/partners\">Open Ukraine Foundation<\/a>&ldquo; wird u.a. vom US-State Department und von der Nato finanziert. In deutschen Leitmedien gilt er hingegen als &bdquo;Pro-Europ&auml;er&ldquo;.<\/p><p><strong>Westbindung ohne &bdquo;westliche Werte&ldquo;<\/strong><\/p><p>&bdquo;Pro-Europ&auml;isch&ldquo; zu sein und fortschrittliche europ&auml;ische Werte des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu teilen, ist aber offensichtlich nicht dasselbe. Die gesellschaftliche Realit&auml;t in der heutigen Ukraine deutet eher darauf hin, dass es Jazenjuk und anderen politischen Maidansiegern bei der &bdquo;Eurointegration&ldquo; mehr um eine machtsrategische Instrumentalisierung der EU als um die Realisierung sogenannter westlicher Werte wie Presse- und Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit oder Toleranz geht. Auch hierf&uuml;r einige Beispiele:<\/p><p>Nachdem der Fernsehsender &bdquo;Inter&ldquo; zu Sylvester eine Show mit russischen Schlagers&auml;ngern zeigte wurde er von Vermummten angegriffen. Anstatt das europ&auml;ische Gut der Pressefreiheit zu verteidigen forderte Jazenjuks Parteifreund und Ex-Pr&auml;sident Alexander Turtschinow jedoch die <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/kultur\/ukraine-ukrainischen-sender-ueberfallen,1472786,29477620.html\">Abschaltung des Senders<\/a>. Der neue Informationsminister und vorherige PR-Chef der Nationalgarde Juri Stez sprach sich ebenfalls f&uuml;r einen Lizenzentzug des TV-Kanals aus.<\/p><p>Im Juli wollten sexuelle Minderheiten die &bdquo;Kyiv-Pride&ldquo;-Woche mit einer Abschlussparade feiern. Wie immer gab es dazu Drohungen von Rechtsradikalen. Anstatt das europ&auml;ische Gut der Gleichberechtigung und Toleranz gegen&uuml;ber Minderheiten zu verteidigen, verweigerte B&uuml;rgermeister und Maidan-Sieger Vitali Klitschko den Polizeischutz &ndash; die Parade <a href=\"http:\/\/www.mopo.de\/politik\/csd-absage-in-kiew-spd-mann-kahrs-geht-auf-klitschko-los,5067150,27774640.html\">wurde abgesagt<\/a>. Angesichts des Krieges im Osten, sei nun nicht die Zeit zu feiern, schob Klitschko noch nach. Dabei hatte der M&uuml;nchner Homosexuellen-Aktivist Conrad Breyer <a href=\"http:\/\/www.ovb-online.de\/bayern\/mit-buergermeister-klitschko-wird-kiew-offener-werden-3644776.html\">kurz zuvor noch gehofft<\/a>, dass die Stadt mit dem neuen B&uuml;rgermeister Klitschko offener wird.<\/p><p><strong>Klitschko gegen &bdquo;Schwulenrechte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nachdem Rechtsradikale Ende Oktober das alternative Kino &bdquo;Oktober&ldquo; in Kiew niedergebrannt hatten, sprach die gr&uuml;ne M&uuml;nchener Stadtr&auml;tin Lydia Dietrich mit Klitschko &uuml;ber dessen Reaktion darauf. <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article134280586\/Rechtsradikaler-wird-Polizeichef-in-Kiew.html\">Die Welt<\/a> fasst die Antwort des Boxweltmeisters zusammen: &bdquo;Menschenrechte finde er immer gut. Aber f&uuml;r Lesben- und Schwulenrechte werde er sich nicht einsetzen.&ldquo;[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Von den sonst eifrigen gr&uuml;nen Bundespolitikern ist keine Kritik an Klitschkos wiederholter Homophobie &uuml;berliefert.<\/p><p>Auch die im Westen so bedeutsame Rechtsstaatlichkeit bleibt in der Nach-Maidan-Ukraine verbesserungsw&uuml;rdig: Davon abgesehen, dass die Macht&uuml;bernahme der Maidanpolitiker nicht durch demokratische Wahlen, sondern durch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24167\">mehrfachen Verfassungsbruch<\/a> zustande kam &ndash; werden weiterhin klar politisch intendierte Verbrechen wie die Massenmorde von Kiew (20. Februar)und Odessa (2.Mai) nicht aufgekl&auml;rt. Wissenschaftler, die dies versuchen, werden wie etwa <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43649\/1.html\">Ivan Katchanovski<\/a> durch Gerichte enteignet. Und das neue Lustrationsgesetz ist nach Ansicht von Andreas Stein, Ukraine-Experte der B&ouml;ll-Stiftung, inhaltlich <a href=\"http:\/\/www.boell.de\/de\/2014\/10\/21\/ukrainische-lustration\">verfassungswidrig und gesetzwidrig<\/a> zustande gekommen.<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wer glaubte, dass mit dem Ende der Janukowytsch-Administration und der Wiedereinsetzung der Verfassung von 2004, Demokratie und Parlamentarismus gest&auml;rkt w&uuml;rden, ist mit diesem Gesetz zum wiederholten Male eines Besseren belehrt worden&ldquo;<\/em>, schreibt der Journalist resignierend.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Personal steht nicht f&uuml;r moderne europ&auml;ische Werte<\/strong><\/p><p>Auch das Personal der neuen Ukraine spricht f&uuml;r sich: Bildungsminister Sergej Kwit vom Block Poroschenko ist f&uuml;r seine Verbindungen zu rechtsradikalen Gruppen bekannt. 2012 lie&szlig; er als Uni-Rektor eine Ausstellung zu visueller Kultur an der Mohyla-Akademie wegen &bdquo;Entartung&ldquo; schlie&szlig;en.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Innenminister Arsen Awakow (Volksfront) hatte vor kurzem kein Problem damit, den rechtsradikalen Bataillonskommandeur Wadim Trojan zum Kiewer Polizeichef zu machen. Und der heutige SBU-Chef Valentin Naliwaitschenko von Klitschkos Partei &bdquo;Udar&ldquo; pflegt enge Kontakte zum F&uuml;hrer des Rechten Sektors Dmitro Jarosch. Bis zum Euromaidan besch&auml;ftigte er ihn sogar als <a href=\"http:\/\/news.bigmir.net\/ukraine\/805881-Jarosh-i-Nalivajchenko--chto-obcshego-u-SBU-i-Pravogo-sektora\">pers&ouml;nlichen Assistenten<\/a> und Berater.<\/p><p>Vor allem Arsenij Jazenjuks Volksfront &ndash; laut deutschen Leitmedien eine &bdquo;pro-europ&auml;ische&ldquo; Partei &ndash; stach zu den Parlamentswahlen durch zahlreiche Rechtsradikale auf ihrer Kandidatenliste hervor. Viele Kommandeure der sogenannten Freiwilligenbataillone wie Andrij Teteruk, Juri Beresa, Konstantin Mateischenko oder Jevgen Deidei waren auf vorderen Listenpl&auml;tzen zu finden und zogen ins Parlament ein. Hinter Jazenjuk selbst stand ganz prominent auf Platz 2 der Liste mit Tatjana Tschornowol eine Aktivistin, die bereits mit 17 Jahren den rechtsradikalen Paramilit&auml;rs der UNA-UNSO beigetreten war. &Uuml;ber ihre Beteiligung an den ersten Tagen des Euromaidan steht in der Online-Enzyklop&auml;die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tetjana_Tschornowol\">Wikipedia<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Am 25. November 2013 griffen Tschornowol und andere Unterst&uuml;tzer der Opposition einen Van an, den sie f&uuml;r ein &Uuml;berwachungsfahrzeug hielten. Tschornowol kletterte auf das Auto und zertr&uuml;mmerte das Dachfenster. Im Fahrzeug befanden sich Mitarbeiter des SBU, die den Van f&uuml;r &bdquo;standardm&auml;&szlig;ige Antiterrorvorsichtsma&szlig;nahmen&ldquo; verwendeten. Am 1. Dezember wurde Tschornowol festgenommen nachdem sie und andere Demonstranten versuchten die Fenster des Amtssitzes des B&uuml;rgermeisters einzuschlagen und in das Geb&auml;ude einzubrechen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Rein machtstrategische Westbindung<\/strong><\/p><p>Dies alles legt nahe: Die Westorientierung Jazenjuks und anderer Maidansieger basiert nicht auf modernen innergesellschaftlichen Prinzipien des Zusammenlebens, sondern ist vor allem machtstrategisch begr&uuml;ndet. <\/p><p>Der ukrainische Schriftsteller Mykola Rjabtschuk warnte bereits 2005 vor einer rein instrumentellen Westintegration ohne auch fortschrittliche europ&auml;ische Ideen zu &uuml;bernehmen: Die europ&auml;ische Orientierung k&ouml;nne doppeldeutig sein, schrieb Rjabtschuk,<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;wenn sie nicht von dem inneren Bekenntnis zu den europ&auml;ischen Werten getragen wird, sondern sich haupts&auml;chlich aus der Feindschaft gegen&uuml;ber Russland speist und den Zweck verfolgt, eine reale oder zumindest eine symbolische Unterst&uuml;tzung in Europa zu finden, ganz egal, ob dieses Europa demokratisch oder totalit&auml;r verfasst ist.&ldquo;[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Noch zur&uuml;ckhaltend formuliert: Arsenij Jazenjuk ist es offenbar v&ouml;llig egal, ob die deutsche Gesellschaft nun tolerant-freiheitlich oder totalit&auml;r-faschistisch verfasst ist. Dies w&uuml;rde erkl&auml;ren, warum er meint, mit solcher Art Geschichtsklitterung wie in den Tagesthemen das Publikum in Deutschland &uuml;berzeugen zu k&ouml;nnen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Bei den Tagesthemen bekamen die Zuschauer beim entscheidenden Satz folgende schiefe &Uuml;bersetzung geliefert:  <em>&bdquo;Wir k&ouml;nnen uns alle sehr gut auf den sowjetischen Anmarsch auf die Ukraine und nach Deutschland erinnern.&ldquo;<\/em> &Uuml;ber Facebook teilte die Tagesschau-Redaktion mit, das Jazenjuk mitten im Satz von Ukrainisch auf Englisch wechselte (<a href=\"http:\/\/forum.publikumskonferenz.de\/viewtopic.php?f=30&amp;t=351&amp;sid=1cde5a9f33bd5b366931faf81ad81d0f\">hier bei der St&auml;ndigen Publikumskonferenz nachzulesen<\/a>). Dabei benutzte er den Begriff &bdquo;Invasion&ldquo;. Die Dolmetscherin &uuml;bersetzte den Begriff mit &bdquo;Anmarsch&ldquo;. Sie meinte wahrscheinlich &bdquo;Einmarsch&ldquo;, was ebenso wie die falschen Pr&auml;positionen &bdquo;auf&ldquo; anstelle von &bdquo;an&ldquo; bzw. &bdquo;in&ldquo;, auf eine nicht-deutschen Muttersprachlerin hinweist. Warum die Tagesthemen-Redaktion die &Uuml;bersetzung zur Sendung sprachlich nicht richtigstellte, bleibt unklar. Immerhin handelt es sich dabei um ein zuvor aufgezeichnetes Gespr&auml;ch. Zudem ben&ouml;tigt die Redaktion f&uuml;r das englische Wort &bdquo;Invasion&ldquo; sicherlich keine Dolmetscherin. Auch ukrainische Pro-Maidan-Medien wie <a href=\"http:\/\/www.radiosvoboda.org\/content\/article\/26785621.html\">Radio Swoboda<\/a> zitierten Jazenjuk mit dem ukrainischen Wort f&uuml;r Invasion bzw. Einmarsch (&bdquo;&#1074;&#1090;&#1086;&#1088;&#1075;&#1085;&#1077;&#1085;&#1085;&#1103;&ldquo;\/Wtorgnenja).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Auch das Ukraine Crisis Media Center, ein nationales PR-Netzwerk der Maidan-Parteien mit US-Unterst&uuml;tzung, verbreitete bereits eine eigenwillige Geschichtsdeutung zum Zweiten Weltkrieg. Sieben Monate nach dem Anschluss der Krim an die Russische F&ouml;deration ver&ouml;ffentlichte das Zentrum dieses &bdquo;<a href=\"http:\/\/uacrisis.org\/crimea-life-occupation\/\">Info-Bild<\/a>&ldquo;, auf dem die R&uuml;ckeroberung der bis dahin von der Wehrmacht besetzten Halbinsel 1944 ebenfalls als sowjetische Okkupation dargestellt wird. Erst 1954 schenkte Nikita Chruschtschow die Krim der Ukraine.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Der Duma-Abgeordnete Alexej Puschkow etwa sagte, dass Jazenjuk das Andenken von Millionen Menschen beleidige, die f&uuml;r die Befreiung der Sowjetunion und Europas gestorben sind. Jazenjuk k&ouml;nne nicht mehr ernst genommen werden. Das russische Au&szlig;enministerium fordert in einer <a href=\"http:\/\/tass.ru\/politika\/1688848\">Protestnote<\/a> eine offizielle Stellungnahme der Bundesrepublik zu den extremistischen Aussagen Jazenjuks. Bei deutschen Leitmedien findet sich zum Vorgang lediglich eine kurze <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spam\/satire-spiegel-online-jazenjuk-sowjetischer-einmarsch-a-1011915.html\">Satire bei Spiegel-Online<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Hier ein Beitrag dazu aus einer <a href=\"http:\/\/www.1tv.ru\/news\/world\/7225\">russischen Nachrichtensendung<\/a>. Die Aktion lief unter dem Titel &bdquo;Sch&auml;tze der Nation&ldquo;. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Verherrlichung der SS f&uuml;r die rechtsradikale Swoboda als Auftraggeber kostenlos war, da ihr von offiziellen Stellen der Stadt der Status der Gemeinn&uuml;tzigkeit (&bdquo;soziale Werbung&ldquo;) zuerkannt wurde. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU fand an der Kampagne nichts Rechtswidriges: &bdquo;<a href=\"http:\/\/ru.tsn.ua\/ukrayina\/sbu-diviziyu-ss-galichina-vo-lvove-reklamirovali-zakonno.html\">Die Ukraine hat ihre internationalen Verpflichtungen damit nicht verletzt<\/a>&ldquo;, sagte der damalige und heute wieder aktuelle Geheimdienstchef Valentin Naliwaitschenko.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] In ihrem Buch &bdquo;Geschichte der Ukraine&ldquo; von 2010 schreibt die Historikern Kerstin S. Jobst &uuml;ber die SS-Division Galizien: &bdquo;Unter dem Vorwand der Partisanenbek&auml;mpfung taten sie [die Soldaten der Division] sich bei der Judenvernichtung sogar besonders hervor.&ldquo; (Seiten 195\/196)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Der Verein &bdquo;St&auml;ndige Publikumskonferenz&ldquo; hat den Fall vom 21. Oktober 2014 <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=30&amp;t=258\">recherchiert<\/a> und Programmbeschwerde bei ZDF-Intendant Bellut eingelegt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] An diesem Nazi-Spuk beteiligen sich auch regelm&auml;&szlig;ig katholische Priester und rechte Parlamentsabgeordnete.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Banderas militanter Fl&uuml;gel der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN-B) k&auml;mpfte seit 1939 an der Seite von SS und Wehrmacht gegen Polen, Juden und Kommunisten. Banderas Verhaftung nach der Ausrufung eines ukrainischen Staates in Lwiw 1941 und sein drei Jahre w&auml;hrende Haftzeit im KZ Sachsenhausen bezeichnet die Historikerin Kerstin S. Jobst als &bdquo;eine Art Gl&uuml;cksfall&ldquo; f&uuml;r die westukrainischen Nationalisten im Nachhinein. &bdquo;Die Verstrickung Banderas und seiner Anh&auml;nger in die von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen konnte mit dem Hinweis auf die Verhaftung verwischt werden (&hellip;).&ldquo; (Geschichte der Ukraine, Stuttgart 2010, Seite 197)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Bei den <a href=\"http:\/\/ukraine-nachrichten.de\/vitali-klitschko-setze-mich-nicht-lesben-schwule-vitali-klitschko-ver%C3%A4rgert-eurocities-konferenz-m%C3%BCnchen-lgbt-aktivist-innen-m%C3%BCnchen-kiew_4114_pressemitteilungen\">Ukraine-Nachrichten<\/a> wird dazu der Kiewer Aktivist Taras Karasiichuk zitiert: &bdquo;Ich bin sehr entt&auml;uscht. Worum ging es w&auml;hrend der Revolution der W&uuml;rde auf dem Maidan? Darum, allen Ukrainern und B&uuml;rgern von Kiew gleiche Rechte zu gew&auml;hren &ndash; ganz unabh&auml;ngig von deren sexueller Orientierung. Unser B&uuml;rgermeister sollte, als einer der aktivsten Politiker auf dem Maidan, ein Aush&auml;ngeschild f&uuml;r den Wandel in der Ukraine sein. Sein Statement ist ein Widerspruch: Er stehe ein f&uuml;r Menschen-, aber nicht f&uuml;r LGBT-Rechte. Das ist unm&ouml;glich. (&hellip;) Menschenrechte sind Menschenrechte!&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Der <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1329870496526\/Ende-eines-Kulturzentrums-Kiew-Kein-Raum-fuer-den-ukrainischen-Koerper\">&ouml;sterreichische Standard<\/a> berichtete dar&uuml;ber. Der deutsche Politikwissenschaftler Andreas Umland, sp&auml;testens durch seinen Gegenaufruf &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/the-interested-german-public-friedenssicherung-statt-expansionsbelohnung-aufruf-von-%C3%BCber-100-deutschsprachigen-osteuropaexpertinnen-zu-einer-realit%C3%A4tsbasierten-statt-illusionsgeleiteten-russlandpolitik\">Friedenssicherung statt Expansionsbelohnung<\/a>&ldquo; bekannt geworden, lehrte ebenfalls an Kwits Uni und verteidigte den Rektor f&uuml;r die Schlie&szlig;ung. Dieser habe in einer &bdquo;ausweglosen Situation&ldquo; gesteckt, so Umland.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Mykola Rjabtschuk: Die reale und die imaginierte Ukraine. Frankfurt am Main, 2005, Seite 43. Rjabtschuk stammt aus dem westukrainischen Luzk und ist Mitbegr&uuml;nder der Kiewer Monatszeitschrift Kritika.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. und 8. Januar besuchte der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk Berlin. Am Mittwochabend war er bei den ARD-Tagesthemen zugeschaltet. Im <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ukraine-jazenjuk-101.html\">Interview mit Moderatorin Pinar Atalay<\/a> vermittelte Jazenjuk dabei eine Interpretation des Zweiten Weltkriegs, die man nur als rechtsradikale Geschichtsklitterung bezeichnen kann. Der Maidansieger selbst best&auml;tigt damit einmal mehr Zweifel an den derzeitigen ukrainischen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24527\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,198,125],"tags":[1277,1278,416,259,260,966],"class_list":["post-24527","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-rechte-gefahr","tag-jazenjuk-arsenij","tag-klitschko-vitali","tag-nationalsozialismus","tag-russland","tag-ukraine","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24527","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24527"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24527\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51274,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24527\/revisions\/51274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}