{"id":24581,"date":"2015-01-15T09:05:42","date_gmt":"2015-01-15T08:05:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24581"},"modified":"2024-09-24T23:09:40","modified_gmt":"2024-09-24T21:09:40","slug":"wie-antisemitisch-ist-die-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24581","title":{"rendered":"Wie antisemitisch ist die Linke?"},"content":{"rendered":"<p>Eine bisher nicht in G&auml;nze ver&ouml;ffentlichte, in einigen Monaten jedoch wohl unter dem Titel &bdquo;Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. Eine Spurensuche&ldquo; als Buch erscheinende <a href=\"http:\/\/www.regener-online.de\/books\/diskuss_pdf\/73.pdf\">Serie von Studien [PDF &ndash; 795 KB]<\/a> des inzwischen emeritierten Professors f&uuml;r Psychologische Methodenlehre und Friedensforschung an der Universit&auml;t Konstanz <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Kempf_%28Psychologe%29\">Wilhelm Kempf<\/a> ging unter anderem der Frage des &bdquo;linken Antisemitismus&ldquo; nach und f&ouml;rderte hierbei Erstaunliches zutage. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit <strong>Rolf Verleger<\/strong>, der Kempfs von der <a href=\"http:\/\/www.dfg.de\/\">Deutschen Forschungsgemeinschaft<\/a> unterst&uuml;tztes Projekt als Berater wissenschaftlich begleitet hat.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Verleger, Sie haben die bisher nur in Teilen publizierten Kempf-Studien zum Thema Antisemitismus wissenschaftlich begleitet. Was war das Anliegen des Projektes, welches Erkenntnisinteresse leitete Sie?<\/strong><\/p><p>Ende 2008 wurde bekannt, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein Projekt zu &ldquo;Antisemitismus und Israelkritik&rdquo; f&uuml;r drei Jahre f&ouml;rdern w&uuml;rde. Urspr&uuml;nglich hatte ich vermutet, dass dieses Projekt eine Unterf&uuml;tterung der h&auml;ufig zu h&ouml;renden Vorw&uuml;rfe, dass der wahre Grund f&uuml;r Kritik an Israel der &ldquo;ewige Antisemitismus&rdquo; sei, liefern wollte. Also schrieb ich an Kempf, den ich damals noch nicht kannte, um Informationen aus erster Hand zu erhalten. Dies f&uuml;hrte unerwarteterweise dazu, dass er mich zum Berater des Projektes ernannte. So habe ich auf Besprechungen und im schriftlichen Austausch am Fortgang des Projekts teilhaben k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Und was genau hat Kempf untersucht?<\/strong><\/p><p>Kempf untersuchte mit diesem Projekt die Verteilung von Vorbehalten in der deutschen Bev&ouml;lkerung 1. gegen Juden und 2. gegen den Zionismus. Und er untersuchte 3. den Zusammenhang der Verbreitung dieser beiden Vorbehalte miteinander sowie, &ndash; am wichtigsten &ndash; 4. den Zusammenhang dieser Vorbehalte mit einer Reihe damit vielleicht verkn&uuml;pfter Einstellungen und Kenntnisse: Einstellungen zur Judenvernichtung durch Nazideutschland, zur Verteidigung und Durchsetzung von Menschenrechten, zu Pal&auml;stinensern, zu Moslems; au&szlig;erdem pers&ouml;nliche Betroffenheit durch den Pal&auml;stinakonflikt, Faktenkenntnis &uuml;ber Israel, Parteinahme f&uuml;r eine der beiden Seiten und Bef&uuml;rwortung von friedlichen oder gewaltsamen Mitteln bei dieser Parteinahme. Ziel dabei war herauszufinden, in welche Weltbilderkritische Einstellungen gegen Israel eingebettet sind.<\/p><p><strong>Und wie ist man dabei dann vorgegangen?<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst wurden entsprechende Frageb&ouml;gen f&uuml;r all die genannten einzelnen Themen entworfen und auf ihre Tauglichkeit bewertet. Um m&ouml;glichst ungehemmte Antworten zu erhalten, wurden diese Fragen eingeleitet mit &ldquo;Finden Sie die folgende Aussage sachlich rechtfertigbar oder ein unbegr&uuml;ndetes Vorurteil?&rdquo; Eine Aussage &ldquo;sachlich rechtfertigbar&rdquo; zu finden bedeutet ja nicht unbedingt, dass man auch selbst dieser Meinung ist. Das hei&szlig;t, die Verbreitung von Vorbehalten gegen Juden und Muslimen wird bei dieser Studie eher &uuml;ber- als untersch&auml;tzt. Mit diesen Frageb&ouml;gen wurden dann in S&uuml;dbaden und Th&uuml;ringen ca. 1.700 Personen pers&ouml;nlich befragt. Und aus den Daten wurde dann eine Stichprobe von ca. 1.000 Personen herausgefiltert, die in Alter, Geschlecht und Bildung repr&auml;sentativ f&uuml;r die deutsche erwachsene Bev&ouml;lkerung ist. <\/p><p><strong>Vom Ansatz her also &auml;hnlich wie beim Konzept der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.uni-bielefeld.de\/ikg\/gmf\/einfuehrung.html\">Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit<\/a>&ldquo; ?<\/strong><\/p><p>Das kann ich nicht beurteilen, da kenne ich mich fachlich nicht genug aus.<br>\nWas man aber h&auml;ufiger in der Zeitung lesen kann &ndash; ich wei&szlig; nicht, ob vom Bielefelder Projekt &ndash; sind ja solche Aussagen wie &ldquo;5 Prozent&hellip;&rdquo; oder &ldquo;20 Prozent&hellip;&rdquo; oder &ldquo;12 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind antisemitisch&rdquo;. <\/p><p>In Kempfs Befragung kam auf dieser Ebene beispielsweise heraus, dass 9 Prozent der Befragten die Aussage f&uuml;r sachlich rechtfertigbar hielten, dass man mit Juden keine Gesch&auml;fte machen solle, und 19 Prozent dar&uuml;ber hinaus auch die Aussage, Juden h&auml;tten auf der Welt zu viel Einfluss. Wie zuvor bereits gesagt: &ldquo;Sachlich rechtfertigbar&rdquo; bedeutet nicht unbedingt, diese Meinung zu haben. Vielleicht hatten nur 17 Prozent diese Meinung, und weitere 2 Prozent waren nicht dieser Meinung, hielten sie aber f&uuml;r &ldquo;sachlich rechtfertigbar&rdquo;. Man wei&szlig; es nicht, aber kann annehmen, dass diese Zahlen die Verbreitung solcher Vorbehalte besser wiedergeben als wenn nur nach der eigenen Meinung gefragt worden w&auml;re.<br>\nDas war f&uuml;r uns aber, wie zuvor angedeutet, nur die erste Ebene, die von Interesse war.<\/p><p><strong>Inwiefern die &ldquo;erste Ebene&rdquo;&hellip;?<\/strong><\/p><p>Nun, die Frage ist doch: Was denken Leute, die so etwas sagen, eigentlich noch? Wie kommen sie zu solchen Aussagen? Und daher war die zweite Ebene, die wir &ndash; wie andere Studien auch &ndash; uns angeschaut haben, die, dass wir auch nach der Einstellung zum Zionismus und zu Israel gefragt haben.<\/p><p>Beispielsweise nannten 20 Prozent der Stichprobe die Aussage sachlich rechtfertigbar, das Ziel des Zionismus sei es schon immer gewesen, die Pal&auml;stinenser zu vertreiben. Nun ist die naheliegende Frage &ndash; als dritte Ebene -, ob die 9 Prozent der Stichprobe, die es f&uuml;r rechtfertigbar erachten, mit Juden keine Gesch&auml;fte zu machen, in diesen 20 Prozent enthalten sind oder ob das eher andere Leute sind. Ein Teil der Befragten wird beispielsweise gar nicht gewusst haben, was &ldquo;Zionismus&rdquo; eigentlich ist. <\/p><p>F&uuml;r Kempf &ndash; und das war nun wirklich das Neue an diesem Projekt &ndash; war daher auch die Frage nach einem Zusammenhang von Einstellungen gegen Juden und gegen Zionismus noch nicht weit- und tiefgehend genug. Daher fragte das Projekt nach all den oben genannten Themen zugleich. Und dank dieser Gesamtheit aller Antworten konnten dann Einstellungsmuster beschrieben und unterschieden werden &ndash; in Form komplexer Zusammenh&auml;nge, die ein realistisches Bild davon zeichnen, wie die Leute denken. <\/p><p><strong>Ich muss zum Verst&auml;ndnis nachfragen: Bereits das Ergebnis, dass 9 Prozent antisemitische, aber 20 Prozent antizionistische Antworten gaben, w&uuml;rde ja die Vermutung nahelegen, dass &ndash; jenseits der Frage, ob die 9 Prozent in den 20 &uuml;berhaupt enthalten sind -, mindestens die 11 Prozent, die keinesfalls mit antisemitischen Aussagen in Verbindung gebracht werden k&ouml;nnen, vor allem antizionistisch, nicht jedoch antisemitisch denken?<\/strong><\/p><p>Das k&ouml;nnte so sein, muss aber nicht. Es k&ouml;nnte ja sein, dass beides Teil einer gemeinsamen Einstellung ist, die mit der zweiten Frage besser ausgelotet wird. Zum&nbsp;Beispiel die oben erw&auml;hnten Unterschiede: 9 Prozent finden Gesch&auml;fte mit Juden problematisch und 19 Prozent finden j&uuml;dischen Einfluss auf der Welt problematisch. Haben diese zus&auml;tzlichen zehn Prozent &ndash; 19 minus  9 &ndash; grunds&auml;tzlich auch Vorbehalte gegen Juden, nur eben ein bisschen weniger, sodass sie bei den Gesch&auml;ften mit Juden nicht so rigoros antworteten &ndash;  oder stimmen sie dieser Aussage &uuml;ber den Einfluss auf der Welt aus anderen Gr&uuml;nden zu? Die gleiche Frage stellt sich auch f&uuml;r den Unterschied von zum Beispiel den 9 Prozent, die keine Gesch&auml;fte mit Juden machen wollen, und den 20 Prozent, die sagen, der Zionismus diene der Vertreibung der Pal&auml;stinenser: Haben diese zus&auml;tzlichen elf Prozent &ndash; 20 minus 9 &ndash; wom&ouml;glich nur ein bisschen weniger Vorbehalte gegen Juden, sodass sie bei den Gesch&auml;ften mit Juden nicht so rigoros antworteten &ndash; oder stimmen sie dieser Aussage aus anderen Gr&uuml;nden zu?<\/p><p><strong>Ah, okay. Und welche komplexen Ergebnisse f&ouml;rderten die Untersuchungen am Ende zutage; welches Bild zeichnete sie?<\/strong><\/p><p>Aus den vielen Antworten wurden anhand eines mathematischen Verfahrens diejenigen Personen zusammengestellt, die &auml;hnliche Muster von Antworten auf all die abgefragten Themenbereiche gaben. Daraus ergaben sich drei Hauptgruppen von Personen, n&auml;mlich 1. &ldquo;Rechte&rdquo;  2. &ldquo;Israelfreunde&rdquo; und 3.&nbsp;&ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo;. <\/p><p>&ldquo;Rechtsstehende&rdquo; &ndash; 26 Prozent unserer Stichprobe &ndash; weisen konsequente und durchg&auml;ngige Vorbehalte gegen Zionismus und Juden, mindestens genauso stark aber auch gegen Pal&auml;stinenser und den Islam, auf. Sie halten relativ wenig von Menschenrechten, haben m&auml;&szlig;ig bis wenig Kenntnis des Konflikts &ndash; nur 28 Prozent der Gruppe hatten beispielsweise &uuml;berhaupt je Kontakt zu Israelis und nur 22 Prozent zu Pal&auml;stinensern &ndash; und ergreifen in diesem ihnen nicht sehr wichtigen Konflikt tendenziell Partei f&uuml;r Pal&auml;stina anstatt f&uuml;r Israel.<\/p><p>&ldquo;Israelfreunde&rdquo; &ndash; 31 Prozent unserer Stichprobe &ndash; ergreifen Partei f&uuml;r Israel, haben jedoch relativ wenige Kenntnisse vom Nahost-Konflikt. Beispielsweise hatten nur 20 Prozent der Gruppe jemals pers&ouml;nlichen Kontakt zu Israelis und nur 13 Prozent zu Pal&auml;stinensern. Zudem bevorzugen sie &uuml;berwiegend eine gewaltsame Behandlung des Konflikts. Diese Personen liegen sowohl bei den Fragen zu Antizionismus als auch bei der Einstellung gegen Pal&auml;stinenser im Mittelbereich, bei Antisemitismus hingegen im unteren Bereich, verbl&uuml;ffenderweise jedoch mit h&ouml;heren Werten als die &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo;.<\/p><p>Und diese schlie&szlig;lich, die &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo; &ndash; 44 Prozent unserer Stichprobe &ndash; ergreifen &uuml;berwiegend Partei f&uuml;r Pal&auml;stina, sind teils f&uuml;r friedliche, teils f&uuml;r gewaltsame Konfliktl&ouml;sung, schwanken zu einem gro&szlig;en Teil zwischen diesen beiden Polen, haben weder Vorbehalte gegen Juden noch gegen Pal&auml;stinenser, halten die Menschenrechte hoch, sind m&auml;&szlig;ig bis stark antizionistisch und haben die gr&ouml;&szlig;te Kenntnis des Konflikts. Beispielsweise haben 50 Prozent der Gruppe bereits einmal mit Israelis Kontakt gehabt und 38 Prozent mit Pal&auml;stinensern.<\/p><p>Generell kann man diese drei Gruppen anhand zweier Eigenschaften sinnvoll auseinanderhalten: Leute mit vielen Vorbehalten gegen andere und wenig Interesse am Nahostkonflikt bilden die Gruppe der &ldquo;Rechten&rdquo;, Leute mit wenigen Vorbehalten gegen andere und viel Interesse am Nahostkonflikt bilden die Gruppe der &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo; &ndash; und Leute schlie&szlig;lich mit einem mittleren Ma&szlig; an Vorbehalten gegen andere und an Interesse am Nahostkonflikt bilden die Gruppe der &ldquo;Israelfreunde&rdquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"266\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/ka6GIZrWujc\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><div style=\"text-align:center;\">\n<p><strong>Rebellunion: Der Friedenswinter und Die Linke<\/strong><\/p>\n<p><\/p><\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Habe ich Sie richtig verstanden: Die, wie Sie sie nennen, &bdquo;Israelfreunde&ldquo; sind laut den Befragungen antisemitischer als die &bdquo;Pal&auml;stinafreunde&ldquo;? <\/strong><\/p><p>Ja, so kam es heraus: Die &ldquo;Israelfreunde&rdquo; in der deutschen Bev&ouml;lkerung liegen in der Mitte zwischen den &ldquo;Rechten&rdquo;, die relativ viele Vorbehalte gegen Juden haben, und den &ldquo;Pal&auml;stinafreunden&rdquo;, die wenige Vorbehalte gegen Juden haben. <\/p><p>&Auml;hnlich verh&auml;lt es sich bez&uuml;glich der Kenntnisse und der emotionalen Betroffenheit durch den Konflikt: Die &ldquo;Israelfreunde&rdquo; liegen in der Mitte zwischen &ldquo;Rechten&rdquo;, die der Konflikt wenig interessiert, und den &ldquo;Pal&auml;stinafreunden&rdquo;, denen der Konflikt pers&ouml;nlich nahe geht. Mit einem Wort: Die &ldquo;Israelfreunde&rdquo; sind die laue Mitte. <\/p><p><strong>Und wie erkl&auml;ren Sie sich das? Dass die Verteidiger und Besch&uuml;tzer Israels &bdquo;antisemischer&ldquo; als ausgerechnet die &bdquo;Pal&auml;stinafreunde&ldquo;, denen ja tagt&auml;glich Antisemitismus testiert wird, sind? <\/strong><\/p><p>Die &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo; vertreten tats&auml;chlich am deutlichsten die Auffassung, dass alle Menschen gleich sind. &ldquo;Israelfreund&rdquo; zu sein kann dagegen mit der Einstellung einhergehen, dass Juden anders sind als andere Menschen. Wer diese Einstellung extrem hat, w&uuml;rde in dieser Studie als &ldquo;Rechter&rdquo; eingruppiert werden. Aber in milderer Form denken auch &ldquo;Nicht-Rechte&rdquo; solche Dinge, beispielsweise also, dass man Israel unterst&uuml;tzen muss, weil &ldquo;wir&rdquo; &ldquo;den Juden&rdquo; noch etwas schuldig sind. In einem solchen Gedanken &ndash; &ldquo;wir&rdquo; und &ldquo;die Juden&rdquo; &ndash; steckt ja eine gro&szlig;e Verallgemeinerung, die genauso von Leuten gemacht w&uuml;rde, die ausdr&uuml;ckliche Vorbehalte gegen &ldquo;die Juden&rdquo; haben. Solch Philosemitismus ist manchmal die Kehrseite von Antisemitismus.<\/p><p><strong>Und was bedeutet ihr Ergebnis mit der &bdquo;Gewaltbereitschaft&ldquo;? Welches Bild zeichnete sich da im Detail?<\/strong><\/p><p>Bei den &ldquo;Pal&auml;stinafreunden&rdquo; dominiert hier eine Einstellung, die weder bei &ldquo;Rechten&rdquo; noch bei &ldquo;Israelfreunden&rdquo; eine Rolle spielt: Ihre Ansicht dar&uuml;ber, ob der Nahostkonflikt friedlich oder gewaltsam l&ouml;sbar ist, ist nicht eindeutig. Vielmehr liegt sie mehrheitlich auf der Kippe, nach dem Motto: Eigentlich sind wir gegen Gewalt, aber was bleibt den Pal&auml;stinensern denn bei diesen andauernden israelischen Rechtsbr&uuml;chen und dem Mitl&auml;ufertum unserer Politiker noch &uuml;brig als Gewalt? Dagegen ist die mehrheitliche Einstellung bei &ldquo;Israelfreunden&rdquo;, dass der Konflikt durch Israel mit Gewalt gel&ouml;st werden muss. &ldquo;Israelfreunde&rdquo; haben dabei weniger Skrupel gegen Gewalt als &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo;.  <\/p><p><strong>Und wie verteilen sich diese drei Gruppen innerhalb der deutschen Parteienlandschaft?<\/strong><\/p><p>Dazu kann die Studie tats&auml;chlich auch etwas sagen, denn die Befragten sollten auch angeben, welche Partei sie als n&auml;chstes w&auml;hlen w&uuml;rden. <\/p><p>Von den wenigen NPD-Anh&auml;ngern waren 85 Prozent unserer Gruppe der &ldquo;Rechten&rdquo; zuzuordnen &ndash; was zeigt, dass diese Klassifizierung auch passend ist&ndash;, 15 Prozent den &ldquo;Israelfreunden&rdquo; und kein einziger den &ldquo;Pal&auml;stinafreunden&rdquo;.<\/p><p>Die CDU-Anh&auml;nger teilten sich zu je einem Drittel in &ldquo;Rechte&rdquo;, &ldquo;Israelfreunde&rdquo; und &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo;. Und bei den vier anderen hier vertretenen Parteien &ndash; SPD, FDP, Gr&uuml;ne, Linke &ndash;waren die &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo; in der Mehrheit, am deutlichsten bei den Gr&uuml;nen mit 57 Prozent, gefolgt von der Linken mit 51 Prozent und dann der SPD und FDP mit je 45 Prozent. <\/p><p>&ldquo;Rechte&rdquo; gab es &uuml;berdies mit 13 Prozent am wenigsten bei den Gr&uuml;nen-W&auml;hlern und mit 36 Prozent am meisten bei der CDU, bei den anderen jeweils um 20 Prozent. &ldquo;Israelfreunde&rdquo; gibt es bei allen Parteien um die 30 Prozent.<\/p><p>Insgesamt ist also die Anh&auml;ngerschaft aller Parteien in dieser Frage tief gespalten.<\/p><p><strong>Wenn ich das jetzt richtig verstehe, bedeutet das auch, dass bei den W&auml;hlern der Gr&uuml;nen und der Linken anteilig die <em>wenigsten<\/em> Antisemiten vorfindbar sind? <\/strong><\/p><p>Ja, offenbar. Im Einzelnen: Der Anteil der &ldquo;Rechten&rdquo; bei W&auml;hlern der Gr&uuml;nen 13 Prozent, der FDP 19 Prozent, der Linken 21 Prozent, der SPD 25 Prozent, der CDU 32 Prozent, der NPD 85 Prozent. Das war 2010, und ich sehe keinen Grund, warum sich das dramatisch ge&auml;ndert haben sollte.<\/p><p><strong>Das widerspricht aber recht deutlich dem, was medial verbreitet wird&hellip;<\/strong><\/p><p>So ist es. Denn die vermeintlich antisemitischen &bdquo;Pal&auml;stinafreunde&ldquo; sind in aller Regel jene, deren Denken am geringsten von antisemitischen Vorurteilen bestimmt ist. <\/p><p>Die Kluft zwischen Realit&auml;t und dem, was Politik und die gro&szlig;en Medien propagieren, zeigt sich dar&uuml;ber hinaus darin, dass die offizielle Position, die behauptet, Israel w&uuml;rde zum Schutz der Menschenrechte und zur Erm&ouml;glichung einer friedlichen L&ouml;sung des Konfliktes unterst&uuml;tzt, in der realen Meinungswelt der Bev&ouml;lkerung gar nicht vorhanden ist. Denn die jetzige Politik der israelischen Regierung verst&ouml;&szlig;t in vielerlei Hinsicht gegen die Menschenrechte und l&auml;sst sich &ndash; und das wissen auch die Unterst&uuml;tzer Israels, wie unsere Ergebnisse zeigen &ndash; nur mit Gewalt durchsetzen. Die ver&ouml;ffentlichte Meinung ist in dieser Frage hohl und unglaubw&uuml;rdig und agiert zudem gegen die Mehrheit der tats&auml;chlichen Einstellungen in der Bev&ouml;lkerung.<\/p><p><strong>Und wie bewerten Sie es, dass trotz dieser Sachlage medial der &ldquo;linke Antisemitismus&rdquo; als gro&szlig;es gesellschaftliches Problem thematisiert wird?<\/strong><\/p><p>Nun, das ist wohl im Wesentlichen ein Propagandam&auml;rchen. Denn Meinungsverschiedenheiten zwischen der Minderheit der &ldquo;Israelfreunde&rdquo; und der Mehrheit der &ldquo;Pal&auml;stinafreunde&rdquo; gibt es in der Anh&auml;ngerschaft aller Parteien. <\/p><p>Die Linke diskutiert diese Fragen dank des Engagements einiger Menschenrechtsaktivisten jedoch am offensten. Und diesen Spiegel wollen sich die F&uuml;hrungen der anderen Parteien offenbar nicht vorhalten lassen und stellen ihrerseits die Linke als S&uuml;ndenbock hin und sich selbst damit als &ldquo;au&szlig;enpolitisch reif&rdquo; dar; soll hei&szlig;en, sie unterst&uuml;tzen Israel in seiner Missachtung elementarer Rechte der Pal&auml;stinenser. Die Anh&auml;ngerschaft von SPD und Gr&uuml;nen &ndash; und weniger ausgepr&auml;gt auch der CDU &ndash; unterst&uuml;tzt Israel aber in Wirklichkeit genauso wenig wie die der Linken &ndash; im Gegensatz zu ihren Parteif&uuml;hrungen. <\/p><p>Indem die gro&szlig;en Medien diesen angeblichen Antisemitismus, der sich bei &ldquo;&uuml;berzogener&rdquo; Kritik gegen Israel zeige, der Linken zuschreiben, stellen sie die Linke in die B&ouml;se-Buben-Ecke &ndash; Schlagwort &ldquo;au&szlig;enpolitisch unreif&rdquo; &ndash; und signalisieren gleichzeitig der Anh&auml;ngerschaft der anderen Parteien, die dasselbe denken, &ldquo;so zu denken geh&ouml;rt sich nicht&rdquo;. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Rolf Verleger<\/strong> (Prof. Dr.) ist Psychologe an der Universit&auml;t L&uuml;beck. W&auml;hrend seiner Mitgliedschaft im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland 2005-2009, als Delegierter Schleswig-Holsteins, setzte er sich von der unkritischen Unterst&uuml;tzung Israels durch die deutsche j&uuml;dische Gemeinschaft ab. Er schrieb unter anderem das Buch &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.watzal.com\/Rolf_Verleger_Israels_Irrweg.pdf\">Israels Irrweg. Eine J&uuml;dische Sicht<\/a>&ldquo;. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel von Prof. Wilhelm Kempf: <a href=\"http:\/\/www.wissenschaft-und-frieden.de\/seite.php?artikelID=1887\">Antisemitismus und Israelkritik: Mythos und Wirklichkeit eines spannungsreichen Verh&auml;ltnisses<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CB8QFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.steinbergrecherche.com%2F20080513gysifriedenstaatsraeson.doc&amp;ei=0B2IVKPENuLV7gbRuICgBQ&amp;usg=AFQjCNGf6s1dRbyr7TmOIQraYD3utYsyAQ&amp;sig2=58BmYPG8bvpcVbjv4g5PrA&amp;bvm=bv.81456516,d.ZGU\">Stellungnahme<\/a> von Prof. Werner Ruf zur Rede von Gregor Gysi &bdquo;Die Haltung der deutschen Linken zum Staat Israel&ldquo; am 14. April 2008 in der Rosa-Luxemburg-Stiftung <\/li>\n<li>Artikel von Prof. Werner Ruf: <a href=\"http:\/\/www.bdwi.de\/3774034.html\">&ldquo;Staatsr&auml;son&rdquo;: F&uuml;r Linke ein kl&auml;renswerter Begriff<\/a><\/li>\n<li>Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/rotefahne.eu\/2012\/11\/die-antideutschen-als-neoliberale-erfuellungsgehilfen-teil-1\/\">Die Antideutschen als neoliberale Erf&uuml;llungsgehilfen. Zu politischen Hintergr&uuml;nden und der Strategie der Spaltung<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Eine automatische E-Mail-Benachrichtigung &uuml;ber <strong>neue Texte von Jens Wernicke<\/strong> k&ouml;nnen Sie <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">hier<\/a> bestellen.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/fad507e06386426eb50067aff0c70b76\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine bisher nicht in G&auml;nze ver&ouml;ffentlichte, in einigen Monaten jedoch wohl unter dem Titel &bdquo;Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. 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