{"id":2459,"date":"2007-07-04T08:58:33","date_gmt":"2007-07-04T06:58:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2459"},"modified":"2016-01-01T12:44:48","modified_gmt":"2016-01-01T11:44:48","slug":"die-kapitalbeteiligungsmodelle-von-cducsu-und-spd-ein-teurer-und-wenig-zielfuehrender-umweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2459","title":{"rendered":"Die Kapitalbeteiligungsmodelle von CDU\/CSU und SPD ein teurer und wenig zielf\u00fchrender Umweg"},"content":{"rendered":"<p>So sicher wie das Amen in der Kirche folgt jedem Konjunkturaufschwung seit den 60er Jahren eine Diskussion &uuml;ber einen Investivlohn, also einem Lohnbestandteil, der nicht bar ausgezahlt wird, sondern als Beteiligung am Produktivverm&ouml;gen an die Arbeitnehmer ausgegeben wird. So auch jetzt wieder.<br>\nWenn bei anspringender Konjunktur die Gewinne steigen oder wie in den letzten Jahren gar explodieren und der Arbeitgeberseite bei Tarifverhandlungen die Argumente f&uuml;r &bdquo;moderate&ldquo; Lohnabschl&uuml;sse ausgehen, kann man sicher sein, dass von irgendjemand die Kapitalbeteiligung von Arbeitnehmern in die Debatte geworfen wird. Damit lenkt man die &ouml;ffentliche Debatte von Lohnerh&ouml;hungen ab und liefert den Gewerkschaften einen Nebenkriegsschauplatz, man gewinnt Zeit bis die ersten Krisensignale am Horizont erscheinen, mit denen man &bdquo;&uuml;berzogenen&ldquo; Lohnforderungen wieder die Z&auml;hne ziehen kann. Nach den Tarifrunden verschwanden die Vorschl&auml;ge jeweils wieder in der Schublade zur Wiedervorlage bei passender Gelegenheit. Das war die Dramaturgie seit &uuml;ber vierzig Jahren. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nWenn es wirklich einen politischen Willen zu einer &bdquo;Mitarbeiterbeteiligung&ldquo; gegeben h&auml;tte, so h&auml;tte man solche Ank&uuml;ndigungen l&auml;ngst einl&ouml;sen k&ouml;nnen. Schlie&szlig;lich gab es das erste Modell schon im Jahre 1867 bei der Messingfabrik Borchert in Berlin. Manche Firmen vergeben Belegschaftsaktien zu Vorzugskursen, die sogar steuerrechtlich privilegiert werden. Zahlreiche Dax-Unternehmen, wie etwa die Lufthansa, die Commerzbank, Daimler, Siemens oder Telekom bieten Erfolgsbeteiligungen in Form von Aktien oder Belegschaftsdarlehen an. Meist nur h&ouml;here Angestellte kommen in den Genuss von Aktienoptionen, also die Vergabe von Aktien zu einem vorher festgelegten Preis, die nach einer Sperrfrist bei gestiegenem Aktienkurs versilbert werden k&ouml;nnen. Der Bertelsmann-Konzern bietet seinen 30.000 Mitarbeitern in Deutschland eine Gewinnbeteiligung, die in die Pensionskasse oder auf die Gehaltskonten flie&szlig;t.<\/p><p>In Deutschland sind nach Angaben des Papiers der CDU\/CSU sind derzeit ca. 8 % der Besch&auml;ftigten an den Unternehmen beteiligt, in denen sie arbeiten. Im benachbarten Ausland seien es dagegen bis zu 20 % der Besch&auml;ftigten. Die SPD spricht in ihrem Vorschlag f&uuml;r ein &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo;-Modell davon, dass 19 % aller Betriebe mit &uuml;ber 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diesen eine Erfolgsbeteiligung anb&ouml;ten, in 10 % der entsprechenden Betriebe gebe es eine Kapitalbeteiligung. In Frankreich seien es hingegen 82 % bzw. 20 %, in den Niederlanden 56 % bzw. 22 % und in Gro&szlig;britannien jeweils 30 %.<br>\nOffenbar schien es in Deutschland also bisher keinen allzu gro&szlig;en Run auf solche Modelle gegeben zu haben.<\/p><p>Auch jetzt ist wieder einmal &uuml;berall vom Aufschwung die Rede und weil dieser ja von der Politik den zur&uuml;ckliegenden &bdquo;Reformen&ldquo; zugeschrieben wird, muss er nat&uuml;rlich als &bdquo;stabil&ldquo; und als &bdquo;kr&auml;ftig&ldquo; hochgelobt werden &ndash; denn, wenn dem Aufschwung gleich wieder der Abschwung drohte, ginge ja das Eigenlob ins Leere.<br>\nAlso kann man derzeit die Gewerkschaften bei ihren Berechnungen &uuml;ber die Gr&ouml;&szlig;e des &bdquo;Schlucks aus der Pulle&ldquo; nicht so ohne weiteres mit Hinweis auf eine unsichere Zukunft zur R&auml;son bringen.<br>\nDie Arbeitnehmervertreter k&ouml;nnen also derzeit ziemlich unwidersprochen vorrechnen, dass der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am gesamtwirtschaftlichen Einkommen im Jahr 2006 noch bei 66,2 % lag und bereits seit dem Jahr 2000 r&uuml;ckl&auml;ufig ist (wie die CDU in ihrem Papier eingesteht) oder dass in den Jahren von 2001 bis 2006 die Unternehmens- und Verm&ouml;genseinkommen um 32,5 Prozent gestiegen sind, w&auml;hrend die Arbeitnehmereinkommen nur einen Zuwachs von 2,1 Prozent verzeichneten (wie es im SPD-Vorschlag hei&szlig;t).<br>\nDie Arbeitgeberseite ist also in den Tarifverhandlungen mit ihren Argumenten gegen deutliche Lohnerh&ouml;hungen ziemlich in der Defensive.<\/p><p>Um da ein Ventil zu schaffen ist eine &ouml;ffentliche Debatte ausgel&ouml;st worden, statt Lohnerh&ouml;hungen bar auszuzahlen, diese als Beteiligung am Produktivverm&ouml;gen auszugeben.<br>\nDiesmal kam der Ansto&szlig; gar von h&ouml;chster staatlicher Stelle und auf dem offenen Boulevard der <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/aktuell\/2006\/07\/05\/koehler-interview-stolz-deutschland\/koehler-interview-teil_202.html\">BILD-Zeitung <\/a>, n&auml;mlich vom Bundespr&auml;sidenten:  &bdquo;Es gibt eine Schere zwischen Lohn- und Gewinneinkommen. Deshalb habe ich vorgeschlagen, die Arbeitnehmer st&auml;rker am Ertrag oder am Produktivverm&ouml;gen der Unternehmen zu beteiligen. Das st&auml;rkt die Stabilit&auml;t der Gesellschaft.&ldquo;  Auch die Bundeskanzlerin ist daf&uuml;r, die CDU, die CSU, die SPD, die FDP ja sogar <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/?em_cnt=1164592\">Die Linke ist nicht grunds&auml;tzliche ablehnend<\/a>. Auch die Unternehmerseite und die Gewerkschaften k&ouml;nnen nicht einfach nein sagen. Soviel Einigkeit war selten.<\/p><p>Es begann ein Windhundrennen um den ersten konkreten Vorschlag. Dieses Rennen hat die SPD um wenige Tage gewonnen. Offenbar mussten CDU\/CSU, nachdem der SPD Vorsitzende Kurt Beck im <a href=\"?p=2441\">Magazin stern<\/a> mit dem Vorsto&szlig; eines <a href=\"upload\/pdf\/Hinw12_20070628.pdf%20\">&bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; [PDF &ndash; 408 KB]<\/a> vorpreschte, rasch mit einem eigenen Vorschlag f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.cdu.de\/doc\/pdfc\/070629-eckpunktepapier-kapitalpartnerschaften-cdu-csu.pdf\">&bdquo;Soziale Kapitalpartnerschaften&ldquo; [PDF &ndash; 136 KB]<\/a> nachsto&szlig;en. (Man merkt im die Eile auch an.)<\/p><p>Lohnanteile in Kapital umzuwandeln das liegt ganz auf der Linie der absolut vorherrschenden wirtschaftspolitischen Lehre, wonach nicht die L&ouml;hne als kaufkr&auml;ftige Nachfrage wirtschaftliches Wachstum stimulieren, sondern der Aufbau des Kapitalstocks. Investiertes Kapital schaffe die Erh&ouml;hung der Produktion und die so mehr geschaffenen Produkte schafften ihre Nachfrage. (Nach dem &bdquo;sayschen Theorem&ldquo;, einem Grundbaustein der angebotsorientierten neoklassischen Lehre, schafft sich ja jedes Angebot seine Nachfrage, oder kurz: Autos kaufen Autos.) Kein Wunder also, dass der Zeitgeist daf&uuml;r steht, die Kapitalbasis der Unternehmen zu st&auml;rken &ndash; und sei es auch mit Kapital in Arbeitnehmerhand.<\/p><p>Kapitalbeteiligungsmodelle passen auch deshalb in die &bdquo;Reform&ldquo;-landschaft, weil sowohl CDU\/CSU als auch SPD darauf abheben, dass diese zur zus&auml;tzlichen privaten Altersvorsorge genutzt werden sollen. Die Vorschl&auml;ge liegen also voll im Trend der Privatisierung der pers&ouml;nlichen Risiken und sollen etwa den Abbau der umlagefinanzierten Rente ein St&uuml;ck weit kompensieren.<br>\nWas in diesem Zusammenhang allerdings nicht au&szlig;er Acht gelassen werden darf, ist die Tatsache, dass solche Kapitalumwandlungen von Arbeitnehmereinkommen nicht sozialversicherungspflichtig sein sollen. Das hei&szlig;t im Klartext, dass sie bei der Rentenformel nicht zu Buche schlagen und so die gesetzliche Rente weiter schm&auml;lern k&ouml;nnen. Au&szlig;erdem wird dieses &bdquo;Kapital&ldquo; der Rentenkasse vorenthalten, so dass sie die Beitragssumme und damit letztlich die H&ouml;he der Rente negativ tangieren. Ber&uuml;cksichtigt man ferner dass die Kapitalanlage &bdquo;nachgelagert&ldquo; besteuert wird, m&uuml;sste man schon mit spitzem Bleistift rechnen, ob diese Variante der privaten Altersvorsorge tats&auml;chlich einen Zusatzgewinn br&auml;chte.<br>\nIn beiden vorstellten Modellen wird jedenfalls von Mindereinnahmen bei den Sozialversicherungen ausgegangen. Die CDU rechnet mit Mindereinnahmen gegen&uuml;ber der heutigen Regelung von rund 370 Mio. Euro. Im Einzelnen w&uuml;rden Mindereinnahmen von 182 Mio. Euro bei der Rentenversicherung, 133 Mio. Euro bei der Krankenversicherung, 39 Mio. Euro bei der Arbeitslosenversicherung und 16 Mio. Euro bei der Pflegeversicherung anfallen.<br>\nDie SPD kommt auf geringere Betr&auml;ge.<\/p><p>Selbstredend verursachen jenseits einer steuerlichen Subvention solche Kapitaleinkommen auch Steuermindereinnahmen, einmal weil sie nicht der Lohnsteuer unterliegen und zum anderen weil die Unternehmen solche &bdquo;Sonderleistungen&ldquo; nat&uuml;rlich steuerlich am Betriebsergebnis absetzen k&ouml;nnen. Im Gegensatz zu den Arbeitnehmern unterliegen die Unternehmen auch keiner &bdquo;nachgelagerten&ldquo; Besteuerung.<\/p><p>Ich will klarstellen, dass ich &uuml;berhaupt nichts dagegen habe, wenn Arbeitnehmer &uuml;ber ihren Lohn hinaus mit ihrer Arbeit auch Verm&ouml;gen bilden, ob durch Sparen, ob durch Verm&ouml;gensbildungsmodelle, ob durch Staatsanleihen oder ob durch (das relativ risikobehaftete) Aktienkapital. Das sollte jeder, der das kann, selbst entscheiden.<\/p><p>Die gro&szlig;e Gefahr einer Kapitalbeteiligung besteht darin, dass sie teilweise oder sogar komplett an die Stelle von Lohnerh&ouml;hungen treten k&ouml;nnte, wenn n&auml;mlich statt drei Prozent mehr Lohn ein oder zwei Prozent als Kapital verrechnet  und abgef&uuml;hrt w&uuml;rden. &ldquo;Ein Trojanisches Pferd zulasten der Tarifpolitik werden wir nicht akzeptieren&rdquo;, <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/0,2828,451154,00.html\">warnt deshalb Dietmar Hexel vom DGB Bundesvorstand<\/a>.<br>\nOb diese Position auf Dauer durchzuhalten ist?<\/p><p>Damit die Kapitalbeteiligung ausschlie&szlig;lich <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/06-29\/005.php?print=1\">als Zugabe zum Tariflohn (Rudolf Hickel)  und nicht in die Tarifformel eingebaut werden kann<\/a>, m&uuml;sste eine solche Regelung zun&auml;chst von laufenden Tarifverhandlungen getrennt eingef&uuml;hrt werden. &bdquo;Wenn die Mitarbeiterbeteiligung von den &bdquo;Beg&uuml;nstigten&ldquo; als verkappte Lohn- und Gehaltsk&uuml;rzung verstanden werden m&uuml;sste, kann die Mitarbeiterbeteiligung keine Attraktivit&auml;t entwickeln&ldquo;, warnt das SPD-Papier zu Recht.<br>\nVon  Sonderzuweisungen durch die Unternehmen &uuml;ber den Tariflohn hinaus hat man allerdings in der aktuellen Debatte kaum etwas geh&ouml;rt.<\/p><p>Das zweite Kernproblem einer Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer, jenseits des Lohnes, besteht darin, dass bei allen Beteiligungen am Kapital, die Arbeitnehmer ein doppeltes Risiko eingehen: Im Falle der Insolvenz ihres Unternehmens verl&ouml;ren sie nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch noch ihre Beteiligungskapital.<\/p><p>Dieses doppelte Risiko nimmt der CDU-Vorschlag &bdquo;soziale Kapitalpartnerschaften&ldquo; in Kauf. Als sozial gilt f&uuml;r diesen Fall, dass zur Risikoabsicherung ja Versicherungen abgeschlossen werden k&ouml;nnten. Eine solche Insolvenzsicherung ist jedoch sehr teuer und sie schm&auml;lert das zus&auml;tzlich gewonnene Kapitel erheblich. Sie kommt deshalb auch relativ selten vor. Sollte eine solche Versicherung aber abgeschlossen werden, so w&auml;re die Versicherungswirtschaft die Hauptgewinnerin an der Kapitalbeteiligung in Arbeitnehmerhand. <\/p><p>Das Risiko des Kapitalverlusts bei Konkurs des Unternehmens will die SPD reduzieren, indem sie &ndash;  wie bei einem bank&uuml;blichen Fonds &ndash; die Risiken auf die am neu zu schaffenden &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; beteiligten Unternehmen streut. <\/p><p>Dort hei&szlig;t es im sch&ouml;nsten Bankerdeutsch: <\/p><blockquote><p>Das Management des Deutschlandfonds agiert als Sachwalter und Interessenvertretung der einzahlenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Grunds&auml;tzliche Aufgaben des Fondsmanagements sind es, die teilnehmenden Unternehmen zu bewerten (raten) und auf Basis des Ratings das Pricing des Mezzanine- bzw. Beteiligungskapitals festzulegen sowie das Servicing der Mezzaninedarlehen bzw. der Beteiligungen zu &uuml;bernehmen und die R&uuml;ckzahlungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchzuf&uuml;hren.<br>\nZur Reduzierung der Risiken bedarf es eines professionellen Fondsmanagements, das eine aktive Portfoliosteuerung, beispielsweise nach Branchen, Regionen und Unternehmensgr&ouml;&szlig;enklassen, durchf&uuml;hrt. Der Auftrag f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung des professionellen Fondsmanagements w&auml;re &ouml;ffentlich auszuschreiben (gegebenenfalls unter Beteiligung der KfW).<br>\nWeil der Deutschlandfonds vielen Unternehmen Kapital zur Verf&uuml;gung stellt und sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vieler Unternehmen an ihm beteiligen, sind die Einlagen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die breite Risikostreuung auch im Konkurs des eigenen Unternehmens nicht von einem Totalverlust bedroht. Insoweit ist Insolvenzsicherheit gew&auml;hrleistet.<\/p><\/blockquote><p>Es bleibt aber eine offene Frage, ob sich eine ausreichend gro&szlig;e Zahl von Unternehmen an diesem &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; beteiligt, um wirklich von einer Risikostreuung sprechen zu k&ouml;nnen.<br>\nAber selbst wenn das der Fall w&auml;re, dann bleibt doch die noch zentralere Frage, warum daf&uuml;r eigens ein neuer Fonds aufgelegt werden muss und warum man den Arbeitnehmer nicht einfach etwa einen relativ breit und sicher gestreuten kommerziellen Fonds &ndash; etwa einen DEKA-Fonds oder &auml;hnliches anbietet? Dort d&uuml;rfte die Risikostreuung jedenfalls am Anfang und aller Voraussicht nach auch auf Dauer h&ouml;her sein als beim SPD-Fonds.<br>\nDieses Argument z&auml;hlt umso mehr, als auch der Deutschlandfonds &bdquo;professionell&ldquo; gemanagt werden soll. D.h. die Overhead-Kosten d&uuml;rften nicht geringer sein als bei einem &uuml;blichen Fonds &ndash; schon gar nicht, wenn dieser Fonds wie es das Modell der SPD vorsieht von einem ganz normalen privaten Finanzinvestor gemanagt w&uuml;rde.<br>\nUnd au&szlig;erdem, wo flie&szlig;en die Gewinne aus dem Fondsmanagement hin, an die Arbeitnehmer oder an das professionelle Fondsmanagement?<\/p><p>Die Begr&uuml;ndung f&uuml;r einen eigenen Fonds scheint mir sehr d&uuml;rftig zu sein: Bei nicht b&ouml;rsennotierten Unternehmen sei eine Kapitalbeteiligung nicht ohne weiteres handelbar und deswegen seien Ver- und R&uuml;ckkauf der Anteile bei einem Ausscheiden des Arbeitnehmers aus dem Betrieb, an dem er beteiligt ist, schwierig. Auch die Wertermittlung und die Verzinsung seien aufw&auml;ndig.<br>\nAllerdings bleibt der Vorschlag der SPD auch ziemlich zur&uuml;ckhaltend, wie dieses Problem mit dem Deutschlandfonds einfacher gehandhabt werden kann. Wann k&ouml;nnen etwa die Anleger ihre Einlagen aus dem Fonds nehmen? Wer ermittelt jeweils den Wert? Es bleibt also die Frage, ob man mit einem speziellen Kapitalfonds gerade auch f&uuml;r mittelst&auml;ndische Unternehmen, bei denen die Mehrzahl der Arbeitnehmer besch&auml;ftigt ist, nicht weitaus einfacherer L&ouml;sungen finden k&ouml;nnte, um deren Eigenkapitalbeschaffung zu erleichtern. Es w&auml;re vern&uuml;nftiger sich zuerst in Frankreich, Gro&szlig;britannien oder den Niederlanden gr&uuml;ndlich umzusehen, wo solche Modelle offenbar erheblich erfolgreicher sind. <\/p><p>Die Sorgen um das doppelte Risiko macht man sich bei der CDU\/CSU nicht. Die &bdquo;soziale Kapitalpartnerschaft&ldquo; ist in Wahrheit ein Programm zur Kapitalbeschaffung. Gerade im Mittelstand seien Engp&auml;sse bei der Kapitalausstattung zu beseitigen, indem alternative Formen der Kapitalbeschaffung z. B. durch soziale Kapitalpartnerschaften st&auml;rkere Geltung verschafft wird, hei&szlig;t es dort ausdr&uuml;cklich. <\/p><p>Alle vertraglichen Grundlagen sollen in Form von &bdquo;betrieblichen B&uuml;ndnissen&ldquo; zwischen Unternehmensf&uuml;hrung und Mitarbeitern ausgehandelt werden, bis hin zu den Bestimmungen &uuml;ber Verkauf\/ Mitnahme bei K&uuml;ndigung.<br>\nMan kann sich also leicht vorstellen, wer in diesem &bdquo;betrieblichen B&uuml;ndnis&ldquo; die gr&ouml;&szlig;ere Verhandlungskompetenz und Verhandlungsmacht hat. Die Arbeitgeberseite ist ja nicht gezwungen ein solches Kapitalbeteiligungsmodell abzuschlie&szlig;en, es handelt sich um &bdquo;freiwillige Leistungen&ldquo;. Die Unternehmen sind also in der Rolle der Gew&auml;hrenden und sie k&ouml;nnen ohne die geringste  Sanktionsmacht der Arbeitnehmerseite (also im Zweifel  ein Streik) ihre Interessen durchsetzen. Die CDU\/CSU nennt diese Asymetrie &bdquo;Entscheidungsfreiheit f&uuml;r Arbeitnehmer und Betriebe&ldquo;.<br>\nEs ist schon an der &Uuml;berschrift erkennbar, dass es letztlich um die Einf&uuml;hrung &bdquo;betrieblicher B&uuml;ndnisse&ldquo; durch die Hintert&uuml;r geht und um die Schw&auml;chung der Mitbestimmung und der Tariff&auml;higkeit der Gewerkschaften.<\/p><p>Und noch ein ziemlich faules Ei steckt in dem Vorschlag: Die CDU\/CSU will auch nicht ausschlie&szlig;en, dass die Kapitalpartnerschaft an Stelle einer (bei einer Insolvenz) weitaus sicheren Betriebsrente tritt. <\/p><p>In beiden Modellen ist &uuml;brigens nichts zu lesen, was mit dem &bdquo;Kapitalverm&ouml;gen&ldquo; passiert, wenn z.B. eine betriebsbedingte Entlassung ansteht. Muss dann der betroffene Arbeitnehmer dieses Verm&ouml;gen zun&auml;chst aufzehren, um in die Bed&uuml;rftigkeit zu fallen, die ja Voraussetzung f&uuml;r den Bezug des Arbeitslosengeld II ist?<\/p><p>Die CDU\/CSU streicht in Ihrem Vorschlag der Kapitalpartnerschaft die Identifikation mit dem Betrieb heraus: &bdquo;Unternehmen sind mehr denn je darauf angewiesen, dass sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Unternehmenszielen identifizieren und eigenst&auml;ndig zur Zielerreichung beitragen&ldquo;. Die SPD sieht sogar noch im Deutschlandfonds eine indirekte Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen.<\/p><p>Es ist schon erstaunlich, seit Jahren h&ouml;ren wir eigentlich st&auml;ndig nur Appelle an die Arbeitnehmer, sie m&uuml;ssten flexibler sein, es gebe eben nur noch gebrochene Erwerbsbiografien, der K&uuml;ndigungsschutz m&uuml;sse beseitigt  werden oder &Auml;hnliches und pl&ouml;tzlich &uuml;ber Nacht gilt das Umgekehrte. Die Arbeitnehmer sollen an die Betriebe langfristig gebunden werden, sie sollen sich mit ihnen identifizieren. War das mit den Forderungen nach Flexibilit&auml;t und Mobilit&auml;t also alles nur eine vorgeschobene Argumentation?<br>\nUnd hei&szlig;t Identifikation dem den &bdquo;Unternehmenszielen&ldquo;, dann vielleicht auch Identifikation mit der heute als erstes und wichtigstes Ziel genannten Senkung der Kostenstruktur, will sagen: Arbeitszeitverl&auml;ngerung ohne Lohnausgleich, Lohnsenkungen oder gar Entlassungen?<\/p><p>Das eigentlich entscheidende an beiden Modellen ist der staatliche &bdquo;Anreiz&ldquo;. Wo sonst gegen&uuml;ber Arbeitnehmern &uuml;berwiegend das Fordern herrscht, wird ganz im Sinne der &uuml;blichen Kapitallogik wohl davon ausgegangen, dass Kapital (auch wenn es Arbeitnehmerkapital sein soll)  nur akkumuliert wird, wenn man Anreize schafft.<br>\nHier gibt es zwischen den Parteien einen richtigen Bieterwettbewerb:<\/p><p>CDU\/CSU: <\/p><blockquote><p>Das verbesserte Anreizsystem sieht vor, dass Besch&auml;ftigte insgesamt 1.000 Euro j&auml;hrlich steuerbeg&uuml;nstigt als Kapitalbeteiligung an ihrem Unternehmen erhalten bzw. erwerben k&ouml;nnen. Die staatliche F&ouml;rderung setzt sich zusammen aus einer Freibetragsregelung und der Bruttolohnumwandlung.<br>\nDer &sect; 19a Einkommensteuergesetz stellt in Zukunft Mitarbeiterbeteiligungen, die dem Arbeitnehmer einger&auml;umt werden, bis zu 500 Euro j&auml;hrlich steuer- und sozialabgabenfrei. Das H&auml;lftigkeitsprinzip wird abgeschafft.<br>\nDiese F&ouml;rderung k&ouml;nnen Besch&auml;ftigte in Anspruch nehmen, die ein Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze der Krankenkasse (in 2007 47.700 Euro j&auml;hrlich) erhalten.<\/p><\/blockquote><p>Die Mindereinnahmen aus Lohnsteuer und Solidarit&auml;tszuschlag sollen sich gegen&uuml;ber der heutigen Regelung insgesamt auf rund 555 Mio. Euro belaufen, wenn der Anteil von Kapitalbeteiligungen von Mitarbeitern nur von heutigen 8 auf 12 Prozent ansteigt. Auf die erheblichen Mindereinnahmen bei den Sozialversicherungen wurde oben schon hingewiesen.<\/p><p>Die SPD m&ouml;chte neben dem &bdquo;Deutschlandfonds&ldquo; auch die F&ouml;rderung anderer Verm&ouml;gensbeteiligungsformen verbessern, also etwa die F&ouml;rderung nach dem Verm&ouml;gensbildungsgesetz, oder nach &sect; 19 a Einkommensteuergesetz. Die staatlichen Subventionen &ndash; und es sind Subventionen &auml;hnlich wie bei der Riesterrente &ndash; werden f&uuml;r den Fonds summenm&auml;&szlig;ig nicht ausgewiesen. Den gesamten Ausfall bei Steuern und Sozialversicherungen beziffert die SPD mit 210 Millionen Euro.<\/p><p>Der Chef des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michal H&uuml;ther, und der sog. Wirtschaftsweise, Wolfgang Franz, halten solche staatlichen F&ouml;rderungen f&uuml;r verkehrt, sie wollen in H&ouml;he der Subventionsgelder lieber die Steuern senken. (Die Frage ist allerdings f&uuml;r wen, bisher setzten sich beide vor allem f&uuml;r die Senkung von Unternehmenssteuern ein.)<\/p><p>Eine berechtigte Frage bleibt allerdings, ob diese Subventionsmittel statt zur Kapitalbildung (selbst wenn es sich um Kapitalbildung in Arbeitnehmerhand handelt) nicht vern&uuml;nftiger in Investitions- oder Arbeitsbeschaffungsprogramme eingesetzt w&auml;ren. Denn die gr&ouml;&szlig;te Not und den gr&ouml;&szlig;ten Subventionsbedarf haben ja nicht diejenigen Arbeitnehmer, die sich eine Kapitalbeteiligung leisten k&ouml;nnen, sondern diejenigen, die &uuml;berhaupt keinen Arbeitsplatz haben oder im Billiglohnbereich zurecht kommen m&uuml;ssen.<br>\nSo wirkt der SPD-Vorschlag eher wie eine Ablenkung von der Niederlage in der Gro&szlig;en Koalition beim Mindestlohn und als eine Ausflucht  vor den Einschnitten in der Rentenpolitik und vor dem Scheitern ihrer Hartz-Politik.<\/p><p><strong>Mein Fazit:<\/strong><\/p><p>Das beste und einfachste Konzept einer Kapitalanlage <strong>durch<\/strong> Arbeitnehmerhand ist nicht die Kapitalbeteiligung <strong>in<\/strong> Arbeitnehmerhand, sondern es ist und bleibt die Anhebung der L&ouml;hne. Wenn die Arbeitnehmer dann Geld sparen wollen, dann k&ouml;nnen sie es frei anlegen, wie sie das f&uuml;r richtig halten.<\/p><p>Eine Bessere F&ouml;rderung bestehender Modelle der Verm&ouml;gensbildung  und Beteiligungsformen f&uuml;r Arbeitnehmer, w&auml;re ein einfacherer und zielf&uuml;hrenderer Weg.<\/p><p>Kapitalbeteiligungsmodelle f&uuml;r Arbeitnehmer, zumal in einer Zeit, in der alles andere als eine Kapitalknappheit herrscht, scheinen mir ein komplizierter und dazu hin noch teurer Umweg, um nicht zu sagen eine Ablenkung von wirtschaftlich und konjunkturell &uuml;berf&auml;lligen deutlichen Lohnerh&ouml;hungen zu sein. <\/p><p>F&uuml;r eine Kompensation des Sozialabbaus etwa bei der Rente eignen sie sich jedenfalls nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So sicher wie das Amen in der Kirche folgt jedem Konjunkturaufschwung seit den 60er Jahren eine Diskussion &uuml;ber einen Investivlohn, also einem Lohnbestandteil, der nicht bar ausgezahlt wird, sondern als Beteiligung am Produktivverm&ouml;gen an die Arbeitnehmer ausgegeben wird. So auch jetzt wieder.<br \/> Wenn bei anspringender Konjunktur die Gewinne steigen oder wie in den letzten Jahren<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2459\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,132,30],"tags":[721,319,552,324],"class_list":["post-2459","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-aufschwung","tag-lohnentwicklung","tag-lohnquote","tag-tarifvertraege"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2459","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2459"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2459\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29838,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2459\/revisions\/29838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2459"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}