{"id":24735,"date":"2015-01-23T16:17:25","date_gmt":"2015-01-23T15:17:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24735"},"modified":"2019-10-28T16:01:51","modified_gmt":"2019-10-28T15:01:51","slug":"post-will-tausende-von-jobs-mit-niedrigeren-loehnen-schaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24735","title":{"rendered":"Post will Tausende von Jobs mit niedrigeren L\u00f6hnen schaffen"},"content":{"rendered":"<p>So verk&uuml;ndet die Post ihre &bdquo;frohe Botschaft&ldquo; in der Hoffnung von ihrer skandal&ouml;sen  Vorgehensweise abzulenken: &bdquo;Die Deutsche Post DHL wird in den kommenden Jahren mehrere tausend neue Arbeitspl&auml;tze in Deutschland schaffen. Bis 2020 rechnet der Konzern aufgrund des nachhaltig anhaltenden Wachstums im Paketgesch&auml;ft mit einem Mehrbedarf an Arbeitskr&auml;ften im Umfang von bis zu 10.000 neuen Stellen im Bereich der Paketzustellung. Bis 2025 k&ouml;nnten es sogar 20.000 neue Arbeitspl&auml;tze sein.&ldquo; Hinter die Kulissen schaut <strong>Hermann Zoller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDas Gesch&auml;ft boomt: bei der Post &bdquo;geht gewisserma&szlig;en die Post ab&ldquo;. Der Konzern trotz vor Kraft, verbucht Milliarden-Gewinne &ndash; und geb&auml;rdet sich wie ein knallharter Kapitalist. Das muss nicht verwundern; so ist das nun mal im Kapitalismus. Von sozialer Marktwirtschaft ist da nichts zu sp&uuml;ren. Auch wenn man seine Schandtaten als Wohltaten zu verpacken sucht.<\/p><p>&bdquo;Wir rechnen im Paketgesch&auml;ft mit 10.000 neuen Stellen bis 2020 und wahrscheinlich 20.000 in Summe bis 2025&ldquo;, so der f&uuml;r das Brief- und Paketgesch&auml;ft zust&auml;ndige Vorstand der Deutschen Post J&uuml;rgen Gerdes am 22. Januar. Allerdings: die neuen Mitarbeiter sollen niedriger bezahlt werden als die Stammbelegschaft. Was die Post vorhat, das ist nichts anderes als eine gro&szlig;e Unversch&auml;mtheit. ver.di bezeichnet dies als &bdquo;sozialpolitischen Skandal ersten Ranges&ldquo;. Gerdes spricht von der Notwendigkeit eines &bdquo;modernen Tarifgef&uuml;ges&ldquo;.<\/p><p>Die Post hat bereits vorgesorgt und schon 49 neue Gesellschaften gegr&uuml;ndet, die die neuen Mitarbeiter einstellen sollen. So will man nicht nur die L&ouml;hne dr&uuml;cken, sondern auch bei den Arbeitszeiten flexibler werden. Also: kurzfristige Anordnung von &Uuml;berstunden, Rufbereitschaften und so manches andere mehr. &bdquo;Die Ank&uuml;ndigung der Post &hellip; ist ein klarer Fall von Tarif- und Mitbestimmungsflucht und eine Aush&ouml;hlung bestehender Vertr&auml;ge&ldquo;, so die Bewertung von Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende.<\/p><p><strong>Post und ver.di vor einer harten Auseinandersetzung<\/strong><\/p><p>Ganz offensichtlich wolle die Post mit diesem Man&ouml;ver die Arbeitsbedingungen von mehr als 10.000 Besch&auml;ftigten radikal verschlechtern. &bdquo;Das ist der Einstieg in den Ausstieg aus der Sozialpartnerschaft&ldquo;, so Kocsis. Nach Berechnungen von ver.di drohen den Besch&auml;ftigten allein mit Blick auf den Stundenlohn Absenkungen von bis zu 20 Prozent. Gerdes klagt zwar &bdquo;Die Paketzustellung ist auf Dauer nicht innerhalb der existierenden Tarifvertr&auml;ge machbar, der Wettbewerbsnachteil ist nicht tragbar&ldquo;, aber es werden dennoch beachtliche Gewinne eingefahren. Die Post will ihre Lohnkosten n&auml;her an die der Wettbewerber TNT und UPS heranbringen. Doch diese Art von Konkurrenzkampf wird nur dazu f&uuml;hren, dass auch dort Druck auf die L&ouml;hne und Arbeitsbedingungen gemacht wird. Das ist der falscheste Weg im Konkurrenzkampf. Dieser sollte &uuml;ber Qualit&auml;t und nicht &uuml;ber die L&ouml;hne gef&uuml;hrt werden. <\/p><p>&bdquo;Der Paketdienst GLS arbeitet ausschlie&szlig;lich mit Subunternehmern. G&uuml;nther Wallraff hat herausgefunden, dass diese in der Regel zwischen 1,20 und 1,40 Euro pro Paket bekommen. Da kommen f&uuml;r die Fahrer Stundenl&ouml;hne von rund 4 Euro heraus. Bei den anderen Paketdiensten ist das im wesentlichen genauso. &ndash; Wo soll das enden, wenn die Unternehmen in diesem irrsinnigen Wettbewerb die Spirale immer weiter nach unten drehen?<\/p><p>Nachdem die Post unter Ausnutzung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes mehr als 24.000 befristet Besch&auml;ftigte in &bdquo;Geiselhaft genommen&ldquo; habe, so ver.di, solle jetzt aus bestehenden Vertr&auml;gen ausgestiegen werden. &bdquo;Wir haben mit der Post Ende 2011 vereinbart, im Falle des &sbquo;signifikanten Absinkens der wirtschaftlichen Ergebnisse&lsquo; Gespr&auml;che aufzunehmen. Dieser Fall ist bislang nicht eingetreten. Umso unertr&auml;glicher ist f&uuml;r uns, dass die Post mit diesem Man&ouml;ver offensichtlich unseren Vertrag zum Ausschluss der Fremdvergabe und den Entgelttarifvertrag unterlaufen will&ldquo;, vermutet Kocsis. Der Entgelt-Tarifvertrag ist zum 31. Mai 2015 k&uuml;ndbar. &bdquo;Wir fordern den Vorstand der Deutschen Post AG auf, strittige Fragen im Rahmen der geltenden Vertr&auml;ge am Verhandlungstisch zu l&ouml;sen. Eine Tarif- und Mitbestimmungsflucht werden wir nicht hinnehmen&ldquo;, sagte Kocsis. <\/p><p>Angesichts der Vorgehensweise der Post und den bereits geschaffenen Fakten wird es zwischen Post und ver.di wohl zu einer harten Auseinandersetzung kommen. Das b&ouml;se Spiel, das die Post da vorf&uuml;hrt, betreiben zwar andere auch. Der Angriff der Post auf die Einkommen von Tausenden von Arbeitnehmern hebt sich aber aus der Masse heraus und zeigt damit, dass es in Deutschland bei weitem nicht diese von interessierter Seite oft verk&uuml;ndeten rosigen Zust&auml;nde auf dem Arbeits-&bdquo;Markt&ldquo; in der Realit&auml;t nicht gibt. Deshalb wird die Auseinandersetzung von Post und ver.di von gro&szlig;er Bedeutung sein.<\/p><p><strong>Die Folgen der Privatisierung<\/strong><\/p><p>Die Post mit all ihren Sparten ist f&uuml;r die Logistik eines Landes &ndash; f&uuml;r die Wirtschaft wie f&uuml;r die Kommunikation der Menschen &ndash; von nicht zu &uuml;bersch&auml;tzender Bedeutung. Daraus ergibt sich, dass ihre Dienste auch der Bandbreite der Bed&uuml;rfnisse angepasst sein sollten. Das kostet Geld &ndash; das darf aber nicht auf den Knochen der Besch&auml;ftigten beschafft werden. Und das Ziel muss schon gar nicht sein, Gewinne zu erzielen, die Aktienbesitzer erfreuen. Der gesellschaftlich ausgerichtete Auftrag der Post wurde aber mit der Privatisierung der Post aufgegeben. 1998 verk&uuml;ndete Klaus Zumwinkel, damaliger Postchef: &bdquo;Die Sanierung der Deutschen Post ist geschafft.&ldquo; Zwei Jahre sp&auml;ter betrug die Eigenkapitalrendite (vor Steuern) immerhin bei 36 Prozent. Die Vorst&auml;nde lassen sich diese Entwicklung vergolden: ihre Bez&uuml;ge betrugen 2012 zwischen 1,5 und 3,5 Millionen Euro.<\/p><p>F&uuml;r Arbeitnehmer und Kunden l&auml;uft es nicht so rosig. Allein zwischen 1989 und 2006 hat die Post 173.000 Stellen gestrichen, hat &bdquo;Die Zeit&ldquo; herausgefunden. Die Konkurrenz hat in dieser Zeit nur 46.000 Arbeitspl&auml;tze geschaffen &ndash; unterm Strich bleibt also ein dickes Minus und die Feststellung: dieser Wettbewerb hat nicht Arbeitspl&auml;tze geschaffen, sondern vernichtet. Und au&szlig;erdem wurden und werden mehr Arbeitspl&auml;tze prek&auml;r. F&uuml;r die Kunden gab es auch keine Verbesserung: Gab es 1983 noch 29.000 Postfilialen, so sind es heute noch rund 13.000 private Postagenturen. <\/p><p>Was wir heute beklagen ist die logische Folge der Privatisierung: deshalb ist die Post heute ein knallharter kapitalistischer Globalplayer, der auf das Personal m&auml;chtig druckt macht, damit die Aktienkurse das geneigte Publikum freundlich stimmen. Wohin das l&auml;uft, das war eigentlich jedem klar. Einen Hinweis hat sogar Christian Schwarz-Schilling, der von 1982 bis 1992 unter Helmut Kohl Bundesminister f&uuml;r Post und Telekommunikation war,  gegeben. In einem Interview mit der &bdquo;Wirtschaftswoche&ldquo; (26.07.1991) erkl&auml;rte er, mit der Privatisierung der Bundespost verfolge er das Ziel, &bdquo;die Fesseln des &ouml;ffentlichen Dienstrechts (zu) sprengen&ldquo;. Nun: dieser Sprengsatz hat gez&uuml;ndet und verursacht bis heute erhebliche Sch&auml;den. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So verk&uuml;ndet die Post ihre &bdquo;frohe Botschaft&ldquo; in der Hoffnung von ihrer skandal&ouml;sen Vorgehensweise abzulenken: &bdquo;Die Deutsche Post DHL wird in den kommenden Jahren mehrere tausend neue Arbeitspl&auml;tze in Deutschland schaffen. 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