{"id":24781,"date":"2015-01-28T18:02:11","date_gmt":"2015-01-28T17:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24781"},"modified":"2019-07-05T10:37:47","modified_gmt":"2019-07-05T08:37:47","slug":"die-linke-syriza-und-die-rechten-unabhaengigen-hellenen-ein-taktisches-buendnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24781","title":{"rendered":"Die linke Syriza und die rechten \u201eUnabh\u00e4ngigen Hellenen\u201c, ein taktisches B\u00fcndnis"},"content":{"rendered":"<p>Das Wahlergebnis vom 25. Januar ist klarer ausgefallen, als es die meisten Beobachter erwartet haben. Dieses Votum hat selbst die meisten Syriza-W&auml;hler &uuml;berrascht, und wahrscheinlich auch die Parteif&uuml;hrung. Was es bedeutet &ndash; auch f&uuml;r Europa &ndash; wird sich erst erweisen m&uuml;ssen, wenn die neue Regierung mit den EU-Partnern, der EZB und dem IWF &uuml;ber die Bedingungen &ndash; samt dem Kleingedruckten &ndash; eines neuen Vertrags mit dem Schuldnerland Griechenland verhandelt. Zu den Aussichten einer substantiellen Reduzierung der griechischen Schuldenlast, die die Tsipras-Regierung anstrebt, l&auml;sst sich derzeit noch wenig sagen &ndash; au&szlig;er, dass zu einer Einigung stets zwei Parteien geh&ouml;ren. Die griechische Seite hat gerade in den letzten Wahlkampftagen au&szlig;erordentlich zur&uuml;ckhaltende, ma&szlig;volle und realistische T&ouml;ne angeschlagen. Das gilt auch f&uuml;r die letzte Pressekonferenz von Alexis Tsipras, auf der er einen bemerkenswerten Akzent setzte. Er sprach von der historischen Aufgabe der Syriza, die Zukunft des Landes zu gestalten. Der 25. Januar biete der griechischen Linken diese Chance &bdquo;zum ersten Mal&ldquo; &ndash; um fast beil&auml;ufig hinzuzuf&uuml;gen: &bdquo;oder zum letzten Mal&ldquo;. Tsipras und seine Mannschaft sind sich offensichtlich sehr wohl bewusst, dass die eigentliche Bew&auml;hrungsprobe f&uuml;r die erste linke Regierung noch bevorsteht. Und dass es auch schief gehen kann, mit weitreichenden Folgen nicht nur f&uuml;r die Syriza, sondern f&uuml;r die gesamte Gesellschaft. Von <strong>Niels Kadritzke<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nMaria Maragonis schreibt am Ende ihrer klugen Analyse des griechischen Wahlergebnisses in der linken US-Zeitung &bdquo;The Nation&ldquo; (am 27. Januar auf den NDS unter <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24768#h02\">Hinweise des Tages, Text 2 e<\/a>): &bdquo;&Uuml;ber den m&ouml;glichen Preis eines Scheiterns nachzudenken &ndash; das h&auml;lt man kaum aus. Denn f&uuml;r die Linke k&ouml;nnte dies f&uuml;r lange Zeit die letzte Chance sein, und nicht nur f&uuml;r Griechenland. Am Eingang eines Wahllokals in einem vorwiegend linken Athener Viertel traf ich einen Chrysi Avgi-Anh&auml;nger, der mir erkl&auml;rte: &bdquo;Wir wollen, dass Syriza gewinnt, sodass man sieht, sie sind nackt; und dann werden die Leute zu uns &uuml;berlaufen. Wir wollen drittst&auml;rkste Partei werden, sodass wir im Parlament stark vertreten sind.&ldquo;<\/p><p>Diese Drohung sollte man nicht untersch&auml;tzen. Die griechischen Neonazis sind tats&auml;chlich drittst&auml;rkste Partei geworden. Aber Maria Maragonis geht auch auf ein aktuelle Frage ein, die alle Sympathisanten der Syriza besch&auml;ftigt oder besch&auml;ftigen sollte. Da die Syriza die absolute Mehrheit der Parlamentsmandate knapp verfehlt hat, musste sie eine Koalitionsregierung bilden. Tsipras hat es vorgezogen, sich auf einen h&ouml;chst umstrittenen B&uuml;ndnispartner einzulassen: die Rechtspopulisten um Panos Kammenos, dessen Partei Anel (Anexartiti Ellines oder: Unabh&auml;ngige Hellenen) im Parlament mit 13 Abgeordneten vertreten ist, sodass die Regierung Tsipras\/Kammenos mit 162 Stimmen eine relativ komfortable Mehrheit besitzt. <\/p><p><strong>Die &bdquo;Unabh&auml;ngigen Hellenen&ldquo;, ein Partner oder ein Handicap?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die meisten griechischen Linken sind die &bdquo;Unabh&auml;ngigen Hellenen&ldquo; im Grunde ein v&ouml;llig undiskutabler Partner, schreibt Maria Maragonis: &bdquo;Einmal abgesehen von ihren zutiefst absto&szlig;enden Meinungen, k&ouml;nnten sie die Syriza in einer ganzen Reihe von Fragen blockieren, etwa was die Rechte der Frauen und der Homosexuellen betrifft, aber auch das Problem der Immigration und die ma&szlig;lose Macht der Orthodoxen Kirche.&ldquo;<\/p><p>Diese Bedenken sind meines Erachtens berechtigt. Und ich muss an dieser Stelle gestehen, dass die Koalitionsentscheidung der Syriza mich nicht nur &uuml;berrascht, sondern auch schockiert hat. In meinen Einsch&auml;tzungen war ich letztlich davon ausgegangen, dass Tsipras und die Linkspartei sich niemals mit einem solchen politischen Bettgenossen einlassen werden. Zum mindesten h&auml;tte ich im Fall eines Versuches mit heftigen Protesten von der Parteibasis gerechnet. <\/p><p>Dass auch dies (noch) nicht geschieht, zwingt mich nat&uuml;rlich, &uuml;ber die Grenzen meiner Kompetenz als &bdquo;Griechenland-Versteher&ldquo; zu reflektieren. Offensichtlich h&auml;lt die politische Kultur dieses Landes auch f&uuml;r jemanden, der vieles gelernt und durchschaut zu haben glaubt, immer wieder heftige &Uuml;berraschungen bereit. Die ist in diesem Fall umso bitterer, als mich die FAZ bzw. deren (in Istanbul ans&auml;ssiger) Griechenland-Korrespondent Michael Martens dar&uuml;ber belehrt, dass die Syriza in der Anel schon immer den &bdquo;bevorzugten Koalitionspartner&ldquo; sah. Mit dem Einzug der Anel ins Parlament, schrieb Martens am 26. Januar, sei f&uuml;r Tsipras das B&uuml;ndnis mit Kammenos automatisch besiegelt gewesen.<\/p><p>Das erkl&auml;rt zumindest die optische T&auml;uschung, der ich offenbar erlegen bin: Da die Anel bis kurz vor den Wahlen laut Umfragen an der 3-Prozent-H&uuml;rde zu scheitern schien, wurde in der Syriza &uuml;ber diese Koalitionsvariante praktisch nicht mehr diskutiert. Das war der Parteif&uuml;hrung durchaus recht. Denn der war die innerparteiliche Brisanz dieser Frage nat&uuml;rlich stets klar, und sie beschwor die Wahrscheinlichkeit einer absoluten Mehrheit auch deshalb so heftig, weil damit die K-Frage von der Tagesordnung abgesetzt war.<\/p><p>So viel zu subjektiven Fehleinsch&auml;tzungen und optischen T&auml;uschungen. Viel wichtiger sind nat&uuml;rlich zwei substantielle Fragen: <\/p><ol>\n<li>Wer ist Panos Kammenos und wie sieht das politische Profil des rechten &bdquo;Mehrheitsbeschaffers&ldquo; der ersten griechischen Linksregierung aus?<\/li>\n<li>Wie ist die Entscheidung von Tsipras f&uuml;r eine derart &bdquo;unorthodoxe&ldquo; Allianz zu erkl&auml;ren?<\/li>\n<\/ol><p>Die erste Frage ist leichter zu beantworten als die zweite. Wer Kammenos ist (also die Anel, die nicht viel mehr als Kammenos ist) l&auml;sst sich anhand seiner politischen Karriere, seiner Ansichten und vor allem seinen Ambitionen zeigen. Was die Motive von Tsipras und seiner Umgebung betrifft, m&ouml;chte ich dar&uuml;ber aus der Ferne nicht spekulieren. Ich habe deshalb einige meiner vertrauten und erfahrenen &bdquo;Gew&auml;hrsleute&ldquo; in Griechenland befragt und eine Reihe unterschiedlicher Interpretationen erhalten, die ich im zweiten Teil darstellen, aber nicht weiter kommentieren werde.<\/p><p><strong>Warum wurde die L&ouml;sung Kammeno vorgezogen?<\/strong><\/p><p>Vorweg allerdings einige Informationen &uuml;ber den Ablauf der Entscheidung, die f&uuml;r die Bewertung der Koalitionsfrage nicht unwichtig sind:<\/p><ul>\n<li>Nach einer sehr zuverl&auml;ssigen Quelle hat die engere Syriza-F&uuml;hrung die &bdquo;Option Kammenos&ldquo; stets als bevorzugte L&ouml;sung der Koalitionsfrage gesehen, auch wenn man dar&uuml;ber nie offen gesprochen hat. Sobald feststand, dass die absolute Parlamentsmehrheit nicht erreicht war, trat diese Option in Kraft. So konnte ein privater TV-Sender schon knapp nach Mitternacht des Wahltags melden, dass es eine Koalition Syrza-Anel geben wird.<\/li>\n<li>Tsipras durfte sich sicher sein, dass die blitzschnelle Entscheidung f&uuml;r eine Koalition mit den Rechtspopulisten keine offene Kontroverse ausl&ouml;sen w&uuml;rde. Die Begeisterung der Parteibasis und der Syriza-Anh&auml;nger &uuml;ber das unerwartet gute Wahlergebnis (36, 5 Prozent der W&auml;hlerstimmen, 8,5 Prozent Vorsprung vor der ND, 4 Prozent mehr als ND und Pasok zusammen) war so gro&szlig;, dass man sich die Stimmung nicht durch Streitereien vermiesen lassen wollte.<\/li>\n<li>Tsipras konnte es sich leisten, Sondierungsverhandlungen mit anderen potentiellen Koalitionspartnern gar nicht erst aufzunehmen. Der Termin mit Kammenos am Montag Vormittag war der einzige, der vor Tsipras&lsquo; Aufwartung bei Staatspr&auml;sident Papoulias angesetzt war, also vor dem offiziellen Auftrag zur Regierungsbildung. Die Parteif&uuml;hrung hat damit auf ein Prozedere verzichtet, das in L&auml;ndern, in denen Koalitionsregierungen zur politischen Kultur dazu geh&ouml;ren, v&ouml;llig selbstverst&auml;ndlich ist: Die st&auml;rkste Partei f&uuml;hrt Sondierungsgespr&auml;che mit allen denkbaren Partnern und entscheidet danach, welcher Koalition sie den Vorzug gibt.<\/li>\n<li>Kammenos hat schon vor seinem morgendlichen Gespr&auml;ch mit Tsipras im Parlaments-Caf&eacute; verk&uuml;ndet, eine Koalition mit der Syriza  sei bereits im Sack. Als ganz ungew&ouml;hnlich &ndash; und befremdlich &ndash; wurde in Athen verzeichnet, dass es Tsipras seinem Juniorpartner Kammenos &uuml;berlie&szlig;, den Vollzug zu melden. Denn der Anel-Chef durfte am  Ende seines Gespr&auml;chs mit Tsipras im Syriza-Hauptquartier triumphierend verk&uuml;nden, &bdquo;dass es von diesem Augenblick an eine Regierung gibt&ldquo;. Der Syriza-Vorsitzende trat dagegen nicht vor die wartenden Journalisten, was darauf hindeutet, dass er sich in Situation nicht ganz behaglich vorkam.<\/li>\n<li>Offenbar hat die Syriza  es Kammenos &uuml;berlassen, sich f&uuml;r ein Regierungsamt seiner Wahl zu entscheiden. Der Anel-Vorsitzende hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich das Verteidigungsressort w&uuml;nscht und zutraut (mehr dazu weiter unten). Aber Tsipras h&auml;tte Kammenos diesen Wunschposten durchaus verwehren k&ouml;nnen. Damit h&auml;tte er sowohl die Ambitionen des Rechtspopulisten in die Schranken gewiesen, als auch einen m&ouml;glichen Konfliktherd einged&auml;mmt. Denn ein gestandener Nationalist wie Kammenos wird der Versuchung kaum widerstehen k&ouml;nnen, als Verteidigungsminister eine Art Neben-Au&szlig;enpolitik zu betreiben.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Eine bezeichnende Episode<\/strong><\/p><p>Ehe ich versuche, ein politisches Portr&auml;t von Kammenos zu zeichnen, muss eine Episode geschildert werden, die exemplarisch aufzeigt, welches Konfliktpotential die neue Athener Koalition enth&auml;lt. Die gestrige Vereidigung des Kabinetts verz&ouml;gerte sich um &uuml;ber eine Stunde, weil im letzten Moment eine Personalfrage &bdquo;entsch&auml;rft&ldquo; werden musste. In der Fraktionssitzung der Anel hatte Kammenos verk&uuml;ndet, welche Repr&auml;sentanten der Partei welche Regierungsposten bekommen w&uuml;rden. Unter den Namen war der von Nikos Nikopoulos (dem unbest&auml;tigten Berichten zufolge die Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r religi&ouml;se Angelegenheiten zufallen sollten). Nikopoulos ist ein christlicher Eiferer, der sich unter anderem den Kampf gegen die Einf&uuml;hrung der &bdquo;Schwulenehe&ldquo; auf die Fahne geschrieben hat. Ber&uuml;hmt wurde er mit einem Twitter-Eintrag, als er das Foto des schwulen luxemburgischen Ministerpr&auml;sidenten mit der Unterzeile versah: &bdquo;Vom Europa der Vaterl&auml;nder zum Europa der Schwuchteln!&ldquo; Der Name des homophoben Kandidaten, den Kammenos vorzeitig ver&ouml;ffentlicht hatte, f&uuml;hrte blitzschnell zu einem Proteststurm in den &bdquo;sozialen Medien&ldquo;. Als die Berater von Tsipras ihren Chef dar&uuml;ber informierten, musste der die Rei&szlig;leine ziehen. Tsipras forderte Kammenos auf, einen anderen Kandidaten zu benennen, was dann auch geschah.<\/p><p>Diese Episode zeigt zum einen, wie leichtfertig &ndash; aber auch dumm &ndash; Kammenos die &Ouml;ffentlichkeit &uuml;ber angebliche Erfolge informiert, bevor die Br&ouml;tchen gebacken sind. Sie zeigt aber auch, dass die Syriza-F&uuml;hrung die Wachsamkeit ihrer Gefolgschaft untersch&auml;tzt hat, die &uuml;ber die &bdquo;unkeusche&ldquo; Koalition mit den Nationalisten von der Anel h&ouml;chst beunruhigt ist. Und ich glaube zurecht, wenn man sich die Partei und die Person des Panos Kammenos genauer ansieht. Im folgenden stelle ich eine Reihe von Informationen zusammen, die in Griechenland allgemein bekannt sind (Kammenos kam auch in meinen Berichten h&auml;ufiger vor, man findet diese Hinweise, wenn man im Suchkasten der NDS den Namen eingibt).<\/p><p><strong>Panos Kammenos und seine &ldquo;Unabh&auml;ngigen Hellenen&rdquo;<\/strong><\/p><p>Der Verteidigungsminister der Syriza-Regierung ist in Griechenland seit jeher eine kontroverse Figur. Seine politische Karriere begann auf dem rechten christlich-patriotischen Fl&uuml;gel der Nea Dimokratia. 1993 wurde er, nur 28 Jahre alt, ins Parlament gew&auml;hlt, dem er seitdem angeh&ouml;rt. Danach gab er lange nur das enfant terrible, profilierte sich gar als Politclown und Krawallmacher. 2007 wurde er von Kostas Karamanlis erstmals in die Regierung berufen: zum Junior-Minister im Schifffahrtsministerium. Der Bruch mit der ND, der ihm einen gewissen Respekt einbrachte, kam mit dem Einschwenken seiner Partei auf die Troika-Politik. Im Fr&uuml;hjahr 2012 gr&uuml;ndete Kammenos &ndash; zusammen mit zehn ND-Dissidenten der Fraktion &ndash; seine eigene Partei. Das politische start-up-Unternehmen namens Anel erreichte bei den Doppelwahlen im Mai und Juni 2012 auf Anhieb 10, 6 bzw. 7,5 der W&auml;hlerstimmen, womit sie mit 33, dann 20 Sitzen im Parlament vertreten war. <\/p><p>Programmatisch zielten die Unabh&auml;ngigen Hellenen auf die W&auml;hler, denen die Neonazis des Chrysi Avgi zu militant, zu ordin&auml;r und mit ihrem Nazi-Kult zu unpatriotisch sind, die aber &ndash; terminologisch ganz &auml;hnlich wie die extreme Rechte &ndash; der ND und Samaras vorwerfen,  mit ihrer &bdquo;Memorandums-Politik das Vaterland verraten und an die quasi-Besatzungsmacht der Troika ausgeliefert zu haben. Dar&uuml;ber hinaus repr&auml;sentieren Kammenos und die Anel einige klassische Positionen und Ziele der Rechtsextremisten, wenn auch in weniger w&uuml;ster Sprache und vor allem ohne physische Gewalt. Wobei Kammenos verbal manchmal ziemlich weit geht. So hat er etwa &ouml;ffentlich dazu aufgefordert, jenen nordgriechischen B&uuml;rgermeister zu &bdquo;lynchen&ldquo;, der einem kanadischen Konzern die Lizenz f&uuml;r umweltzerst&ouml;rende Goldf&ouml;rderung erteilt hatte. <\/p><p>Hier nun einige der programmatischen Forderungen der Anel, die politisch an entsprechende Positionen rechtspopulistischer Parteien (wie AfD oder den Front National) erinnern, zugleich aber ein sehr eigenes &ndash; sozusagen griechisch-orthodoxes &ndash; Aroma haben, das ohne die Geschichte des Rechtsradikalismus der Nachkriegszeit (einschlie&szlig;lich der Junta-Periode) nicht zu erfassen ist.<\/p><ul>\n<li>Eine rigorose Abschiebungspolitik gegen Migranten und Fl&uuml;chtlinge;<\/li>\n<li>Entschiedenen Widerstand gegen die Trennung von Kirche und Staat, um die &bdquo;orthodoxe&ldquo; Identit&auml;t der griechischen Nation zu wahren;<\/li>\n<li>Misstrauen gegen Angeh&ouml;rige anderer Religionen, insbesondere gegen die muslimisch-t&uuml;rkische Minderheit in Thrazien, aber auch gegen die griechischen Juden, verbunden mit demagogischen Spr&uuml;chen: Noch k&uuml;rzlich behauptete Kammenos im Fernsehen, &bdquo;die Juden&ldquo; m&uuml;ssten in Griechenland keine Steuern zahlen (wobei typisch ist, dass der Anel-Chef solche widerlegbaren Behauptungen niemals korrigiert!)<\/li>\n<li>Heftige Abwehrreflexe gegen andere Minderheiten und homophobe Tendenzen, die Kammenos pers&ouml;nlich mit dummdreisten Spr&uuml;chen &uuml;ber den fr&uuml;heren deutschen Au&szlig;enminister dokumentierte.<\/li>\n<li>eine patriotisch-orthodoxe Au&szlig;enpolitik, die auf B&uuml;ndnisse mit V&ouml;lkern gemeinsamen Glaubens wie Serbien und vor allem Russland setzt.<\/li>\n<\/ul><p>Was diese &bdquo;christlich-orthodoxe Au&szlig;enpolitik&ldquo; betrifft, so macht Kammenos allerdings eine Ausnahme, die f&uuml;r alle griechischen Chauvinisten typisch ist: Gegen&uuml;ber den ebenfalls orthodoxen Slawomazedonieren vertritt er eine v&ouml;llig unnachgiebige Position, indem er dem Nachbarstaat jegliches Recht auf einen Staatsnamen bestreitet, der das Wort &bdquo;Mazedonien&ldquo; enth&auml;lt. Mit einer solchen Position w&uuml;rde sich Griechenland in der EU wie in der ganzen Welt vollends total isolieren. Auf der anderen Seite entwickelt Kammenos weit ausgreifende weltpolitische Phantasien, die Griechenland seinen verdienten Platz im globalen Machtgef&uuml;ge verschaffen sollen. Zum Beispiel fordert er, dass China die &bdquo;neue Seidenstra&szlig;e&ldquo; bis Griechenland ausbauen soll (was immer das hei&szlig;t). <\/p><p>Und auch f&uuml;r das griechische Schuldenproblem sieht er die L&ouml;sung eher auf weltpolitischer Ebene. Im griechischen Parlament enth&uuml;llte er im Dezember 2014 folgende Idee: &bdquo;Statt unser &Ouml;l und unser Erdgas durch unsere Gl&auml;ubiger beschlagnahmen zu lassen, wie sie das vor haben, m&uuml;ssen wir heute mit Russland und den USA verhandeln, damit uns erlaubt ist, Staatspapiere aufzulegen, die gegen k&uuml;nftige Profite aus unseren Bodensch&auml;tzen verrechnet werden. Damit werden wir zu einer vollst&auml;ndigen Tilgung unserer Schuldenlast voranschreiten.&ldquo; Dass die sagenhaften griechischen Gas- und &Ouml;lvorkommen noch ihrer Entdeckung harren &ndash; von einer profitablen Ausbeutung ganz zu schweigen &ndash; ist f&uuml;r Kammenos Zukunftspl&auml;ne eher unerheblich. Von  Details und m&ouml;glichen praktischen Hindernissen, die seinen grandiosen Ideen entgegen stehen, l&auml;sst sich ein patriotischer Generalist wie Kammenos nicht irritieren.<\/p><p>Was die europ&auml;ische Politik betrifft, so bekennt sich Kammenos zum &bdquo;Europa der Vaterl&auml;nder&ldquo;, das er als Gegenmodell zum Europa der Bankenherrschaft und des deutschen Neokolonialismus sieht. Nur in einem solchen Europa kann Griechenland seine Souver&auml;nit&auml;t wahren und sich gegen alle realen und imagin&auml;ren Feinde zur Wehr setzen. Deshalb sitzt der einzige &bdquo;Unabh&auml;ngige Hellene&ldquo;, der die Anel im Europa-Parlament vertritt, auch in der Fraktion der EU-kritischen Europ&auml;ischen Konservativen und Reformisten (EKR), zusammen mit der polnischen PiS und der deutschen AfD. Wobei die Anel innerhalb der ERK auf dem &auml;u&szlig;ersten rechten Fl&uuml;gel steht und deshalb beste Kontakte zu der EU-feindlichen britischen UKIP-Partei unterh&auml;lt. Mit UKIP-Chef Farage sich Kammenos noch Anfang November letzten Jahres in London zu dem gemeinsamen Bekenntnis: &ldquo;Europa muss seine Kultur und sein christliche Erbe sch&uuml;tzen.&ldquo;<\/p><p>Wie allerdings dieses Europa der Vaterl&auml;nder mit der Solidarit&auml;t vereinbar sein soll, die der &auml;rmere S&uuml;den gegen&uuml;ber dem reicheren Norden einfordert &ndash; zum Beispiel in Form eines Schuldenschnitts &ndash; verr&auml;t Kammenos den Griechen nicht. Und die Frage, wie weit es mit der Souver&auml;nit&auml;t eines &uuml;berschuldeten Landes her ist, das ohne europ&auml;ische Solidarit&auml;t den internationalen Finanzm&auml;rkten schutzlos ausgeliefert sein wird, eine solche stellt sich Kammenos gar nicht. Als Gegner jeder weiteren europ&auml;ischen Integration stellt er sich automatisch gegen alle Entwicklungen in Richtung einer Union, die zum Beispiel eine einheitliche Steuerpolitik oder gemeinsame Eurobonds bringen k&ouml;nnte.<\/p><p>F&uuml;r eine gemeinsame &bdquo;europ&auml;ische&ldquo; Steuerpolitik hat der Unternehmer-Spross Kammenos schon deshalb nichts &uuml;brig, weil er in wirtschaftspolitischer Hinsicht ein harter Neoliberaler ist. Er fordert, im Einklang mit der Nea Dimokratia eine massive Senkung der Unternehmens- und Gewinnsteuern, womit er Investoren auch aus dem Ausland anziehen will. Zum Beispiel ist er ein ausgesprochener Bef&uuml;rworter des chinesischen Engagements im Hafen von Pir&auml;us, das von der Syriza wegen der harten Lohnpolitik der Chinesen h&ouml;chst umstritten ist.<\/p><p><strong>Kammenos und seine Verschw&ouml;rungen<\/strong><\/p><p>Jenseits seiner ideologischen Positionen, die mit dem Ausdruck &bdquo;Rechtspopulist&ldquo; eher verharmlost werden, hat Kammenos eine Schw&auml;che, die ihn prinzipiell zu einem schwierigen Partner macht. Er setzt zu viele neue Ideen in die Welt, um deren Realit&auml;tsgehalt er sich anschlie&szlig;end nicht mehr viel k&uuml;mmert. In England w&uuml;rde man ihn eine &bdquo;loose canon&ldquo; nennen, also eine unberechenbare Figur. Auf ganz besondere Weise sich Kammenos auch als &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; profiliert, f&uuml;r den das Wort &bdquo;Theoretiker&ldquo; allerdings zu hoch gegriffen ist, weil er sich schlicht zu h&auml;ufig verspekuliert.<\/p><p>Kammenos begann seine politische Karriere mit einem Buch, das nachweisen sollte, dass die linksradikale Terrororganisation &bdquo;17. November&ldquo; aus Kreisen der Pasok gesteuert wurde. Das Buch enthielt haarstr&auml;ubenden Unsinn, der sich sp&auml;testens mit dem Prozess gegen Mitglieder des 17. November als solcher erwiesen hat. Eine Entschuldigung von Kammenos f&uuml;r die falschen Anschuldigungen erfolgte nie. Vielmehr hat er f&auml;lschlicherweise behauptet, er habe lediglich &bdquo;Material&rdquo; zusammengestellt &ndash; ohne allerdings zu sagen, woher ihm das Material zugespielt wurde. Kenner der Materie haben keine Zweifel, dass Kammenos sein Buch in enger Kooperation mit den griechischen Geheimdienstkreisen verfasst hat, die auf die Pasok und vor allem auf die Familie Papandreou angesetzt waren. <\/p><p>Auch nach dieser Jugends&uuml;nde (das Buch erschien 1993) blieb die Papandreou-Familie f&uuml;r Kammenos das bevorzugte Objekt  seiner politischen Obsessionen. 2011 setzte er die &bdquo;Theorie&ldquo; in die Welt, Andreas Papandreou, der j&uuml;ngere Bruder Andres des damaligen Pasok-Regierungschefs, habe pers&ouml;nlich von einem staatlichen &bdquo;Creditswap&ldquo;-Gesch&auml;ft profitiert und die Gewinne auf einem Schweizer Konto gebunkert. Andreas Papandreou klagte gegen diese Diffamierung, die sich als v&ouml;llig haltlos erwies. Das Gericht verurteilte Kammenos zur Zahlung von 30 000 Euro.<\/p><p>Der Ertappte zahlte, reagierte aber auf eine Weise, die f&uuml;r versierte Verschw&ouml;rungsspekulanten typisch ist: Statt sich f&uuml;r seinen Irrtum zu entschuldigen, setzte er die n&auml;chste Verschw&ouml;rungsvariante in die Welt: Regierungschef Giorgos Papandreou habe ihm die falschen Informationen bewusst zugespielt, um ihm eine Falle zu stellen. Selbst wenn diese ebenso so abenteuerliche wie unbeweisbare Behauptung stimmen sollte, m&uuml;sste er sich nat&uuml;rlich fragen, woran es liegt, dass er in diese Falle tappen konnte. Aber solche Fragen sind einem Mann wie Kammenos wesensfremd.<\/p><p>Eine feindliche Falle behauptete der Verteidigungsminister der Regierung Tsipras auch in einem f&uuml;r Kammenos sehr peinlichen Vorfall, der aus heutiger Sicht weitaus gravierender ist. Es handelt sich um einen nicht unterzeichneten Brief (in der griechischen Presse damals non-paper&ldquo; genannt), den Kammenos an Staatspr&auml;sident Papoulias geschrieben haben soll. Der Brief enthielt den Vorschlag, die Anel k&ouml;nne der kurz zuvor gebildeten Regierung Samaras beitreten, wenn man Kammenos den Posten des Verteidigungsministers anbieten w&uuml;rde. <\/p><p>In der Anel-Fraktion f&uuml;hrte dieses &bdquo;non-paper&ldquo; zu einem kleinen Aufstand gegen Kammenos, weil die Partei ihren Wahlkampf mit der Parole bestritten hatte, man werde niemals in eine &bdquo;Regierung der Troika&ldquo; eintreten. Kammenos wusste sich nicht anders zu helfen, als zu behaupten, das non-paper sei eine F&auml;lschung. Das war nicht nur eine dreiste Ausrede, sondern ein unerh&ouml;rter indirekter Angriff auf Pr&auml;sident Papoulias, dem er damit die Mitwirkung an einer &bdquo;Verschw&ouml;rung&ldquo; unterstellte. Papoulias reagierte mit der Erkl&auml;rung, das Papier sei authentisch. Als daraufhin ein Anel-Abgeordneter den R&uuml;cktritt von Kammenos forderte, wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Die Klage auf Verleumdung, die der Anel-Vorsitzende damals gegen den Dissidenten ank&uuml;ndigte, ist bis heute bei keinem griechischen Gericht eingetroffen. Deshalb zweifelt kaum jemand daran, dass Kammenos damals bereit war, die Grundpositionen seiner Partei f&uuml;r den Posten des Verteidigungsministers in einer &bdquo;Regierung der Verr&auml;ter&ldquo; einzutauschen.<\/p><p>Diese Episode zeigt nicht nur, dass Kammenos nicht geneigt ist, Fehler einzugestehen und auf ehrliche Weise zu korrigieren. Sie zeigt vor allem, auf welchen Regierungsbereich der Ehrgeiz des &bdquo;patriotischen&ldquo; Anel-Vorsitzenden schon immer gerichtet war. K&ouml;nnte dies damit zu tun haben, dass Kammenos in fr&uuml;heren Jahren f&uuml;r die franz&ouml;sische R&uuml;stungslobby t&auml;tig war. Das ist pure Spekulation, auf dem Niveau von Kammenos eigenen Verschw&ouml;rungsphantasien. Mit Sicherheit wird der neue Minister sein Amt im griechischen &bdquo;Pentagon&ldquo; mit &bdquo;sauberen H&auml;nden&ldquo; praktizieren; und um jedes Ger&uuml;cht im Keim zu ersticken, hat Tsipras darauf bestanden, dass f&uuml;r den Bereich der &bdquo;R&uuml;stungsbeschaffung&ldquo; ein eigener Unterminister zust&auml;ndig ist, den die Syriza nominiert hat. <\/p><p>Dennoch stellt sich die Frage, warum die Syriza bereit war, einem ausgewiesenen Rechtsnationalisten wie Kammenos das &uuml;beraus wichtige Amt des Verteidigungsministers zu &uuml;berlassen. Die schlichteste Antwort w&uuml;rde lauten: Wenn man sich mit der Anel einl&auml;sst, muss man dem Koalitionspartner zugestehen, sich den einzigen Ministerposten, den man ihm anbietet, auch selbst auszusuchen. Aber diese Antwort kann nicht ganz &uuml;berzeugen. Auf keinen Fall h&auml;tte die Syriza etwa den Posten des Finanz- oder des Wirtschaftsministers einem &bdquo;Unabh&auml;ngigen Griechen&ldquo; &uuml;berlassen. Und der eingangs geschilderte Fall des Anel-Kandidaten Nikolopoulos zeigt, dass die Syriza es sich leisten kann, die Anel auch in Personalfragen in die Schranken zu weisen.  <\/p><p><strong>Unterschiedliche Anworten auf eine wichtige Frage<\/strong><\/p><p>Ich habe die Frage, warum die Syriza mit der Anel und nicht mit der Partei &bdquo;To Potami&ldquo; koaliert, mehreren Freunden und Kollegen vorgelegt. Dabei fragte ich nach der plausibelsten rationalen und der besten irrationalen Erkl&auml;rung. Die Antworten sind unterschiedlich, erg&auml;nzen sich aber in gewisser Weise. In der Regel spiegeln sie eine ironische bis resignierte Distanz, versuchen aber doch eine realistische Erkl&auml;rung zu bieten. Sie enthalten auch einen Gutteil begr&uuml;ndeter Spekulation, aber mehr ist im Moment nicht zu kriegen. <\/p><p>Es gibt allerdings ein hartes Faktum, das den Antworten zugrunde liegt: Es gibt offenbar eine Art &bdquo;Koalitionsvertrag&ldquo; zwischen Tsipras und Kammenos, &uuml;ber den die Kathimerini vom 26. Januar unter Berufung auf &bdquo;Quellen der Unabh&auml;ngigen Griechen&ldquo; berichtet hat. Demnach habe die Anel zugestimmt, das Wirtschaftsprogramm der Syriza mitzutragen, das Tsipras im September 2014 in Thessaloniki verk&uuml;ndet hatte. Daf&uuml;r habe der neue Regierungschef zugesagt, &bdquo;nicht mit &Auml;nderungen auf Gebieten vorzupreschen, bei denen die Kammenos-Partei Einw&auml;nde hat&ldquo;. Diese Zusage beziehe sich vor allem auf au&szlig;enpolitische Themen wie einem Abkommen mit Mazedonien (also der FYROM, wie sie offiziell hei&szlig;t) &uuml;ber einen zusammengesetzten Namen, mit dem Kammenos nicht einverstanden ist (in Gespr&auml;ch ist ein Name wie Ober-Mazedonien, der f&uuml;r griechische Nationalisten schon einen Verrat darstellt). Zudem habe Syriza zugstanden, keinerlei Pl&auml;ne f&uuml;r die Trennung von Kirche und Staat voranzutreiben.<\/p><p>In diesem Bericht, der sehr plausibel klingt, wird ein h&ouml;chst knapper Koalitionsvertrag beschrieben, der eher einem Nichtangriffspakt &auml;hnelt. Dieser Charakterisierung entspricht auch die Einsch&auml;tzung, die aus den meisten der jetzt darstellten Antworten herauszufiltern ist. Denn alle Befragten sehen in der Koalition Syriza-Anel nur eine taktische Konstellation und kein strategisches B&uuml;ndnis. Und sie stellen den &auml;u&szlig;eren Zwang in Rechnung, dass die Syriza sehr schnell eine Regierung bilden musste, schon um nach au&szlig;en zu signalisieren, dass es nicht zu einer zweiten Parlamentswahl kommen wird. <\/p><p>Antwort 1: F&uuml;r die Syriza hat die Frage der Schuldenregelung absolute Priorit&auml;t. Eine L&ouml;sung muss innerhalb weniger Monate (sp&auml;testens bis Juli) gefunden werden, dem allein dient das B&uuml;ndnis mit Kammenos, mit dem einzig in dieser Frage eine Art Einigung besteht. Die Syriza kalkuliere f&uuml;r diese Koalition maximal ein Jahr; danach werde man sehen, wie es um andere Koalitionsm&ouml;glichkeiten steht &ndash; oder vielleicht Neuwahlen anstreben. Die Kammenos-Partei sei in dieser zentralen Frage einfach berechenbarer und einfacher zu behandeln. Mit Potami h&auml;tte man vielleicht komplizierte Verhandlungen f&uuml;hren m&uuml;ssen, f&uuml;r die auch die von der Verfassung vorgesehenen drei Tage kaum ausgereicht h&auml;tten. Fazit: Man wollte unbedingt ganz schnell eine Regierung bilden, was nur mit Kammenos m&ouml;glich war.<\/p><p>Antwort 2: In den Verhandlungen mit der EU und dem IWF braucht die Syriza eine m&ouml;glichst geschlossene Front. Man glaubt, maximale Forderungen stellen zu m&uuml;ssen, um einen m&ouml;glichst g&uuml;nstigen Deal herauszuschlagen (was die Bedingungen einer Schuldenreduktion betrifft). Mit der Potami-Partei und deren Vorsitzenden Theodorakis h&auml;tte man sich darauf einlassen m&uuml;ssen, schon in den Koalitionsverhandlungen die eigene Position zu &bdquo;verw&auml;ssern&ldquo;. Diese Gefahr besteht bei Kammenos nicht, der eher noch h&auml;rtere Forderungen als die Syriza-&Ouml;konomen vertritt. <\/p><p>Antwort 3: Was die Innenpolitik betrifft, so bereitet sich die Syriza auf einen gro&szlig;en Konflikt mit den &bdquo;Oligarchen&ldquo; vor, denen man vor allem ihre Machtpositionen in den Medien bestreiten will. Dazu muss man wissen, dass die gro&szlig;en Fernsehsender fast alle hoch verschuldet sind, und dass die Regierung Samaras in einem ihrer letzten Gesetze den privaten TV-Sendern erneut ein gro&szlig;es Geschenk gemacht hat, das sie vor dem Bankrott bewahren soll (sie m&uuml;ssen f&uuml;r ein weiteres Jahr die Mehrwertsteuern nicht abf&uuml;hren, die sie von ihren Werbekunden kassieren). Das Problem mit Theodorakis w&auml;re gewesen, dass viele Linke diesen als &bdquo;Produkt&ldquo; eben dieser privaten Medien sehen. In der Tat war der Potami-Chef im Wahlkampf der Darling von Sendern, die ihn als Alternative zur Pasok aufbauen wollten. Man konnte sich also nicht sicher sein, wie Theodorakis sich bei einem Konflikt mit den &bdquo;Medien-Oligarchen&ldquo; verhalten w&uuml;rde.<\/p><p>Antwort 4: Das Hauptziel von Tsipras sei, die Troika so hart wie m&ouml;glich zu bedr&auml;ngen, um zumindestens einen Teil seiner Forderungen durchzubringen. Dies glaubt er nur mit eine Partner tun zu k&ouml;nnen, der nicht schon vor vornherein sagt, dass er &bdquo;nur&ldquo; einen Kompromiss will. Bei Potami h&auml;tte er seine Forderungen schon reduzieren m&uuml;ssen, ehe er &uuml;berhaupt in Br&uuml;ssel, Frankurt und Berlin antritt. Bei Kammenos kann er sich sicher sein: Wenn der das Verteidigungsministerium kriegt, was sein ganzer Ehrgeiz ist, hat er sein Spielzeug und wird sich nicht in die Syriza-Verhandlungsstrategie einmischen.<\/p><p>Im &Uuml;brigen sei der Syriza eine &bdquo;rechte Pr&auml;senz&ldquo; in der Regierung durchaus willkommen, um Polizei und Armee  einigerma&szlig;en still zu stellen. Und dass Tsipras auf die Syriza-Pl&auml;ne zur Trennung von Staat und Kirche oder zur Schwulenehe verzichtet, wird ihm gar nicht unlieb sein, da diese Forderungen nach wie vor noch nicht mehrheitsf&auml;hig seien. Diese Themen sind eher &bdquo;hei&szlig;e Eisen&ldquo;, die man jetzt erst mal abk&uuml;hlen lassen will. Der Preis, den man Kammenos zahlen muss, sei also durchaus annehmbar.<\/p><p>Antwort 5: Die Anel ist eine Partei im Abstieg (von 10, 6 Prozent im Mai 2012 auf nur noch 4,8 Prozent bei diesen Wahlen). Sie ist also keine ernstzunehmende Konkurrenz, im Gegensatz zu To Potami, die eine neue Kraft mit noch unerforschtem Potential ist. In einer Koalition mit Potami h&auml;tte man st&auml;ndig mit Profilierungs-Rivalit&auml;ten rechnen m&uuml;ssen, zumal deren medienerfahrener Chef Stavros Theodorakis ebenfalls eine gewisse Ausstrahlung auf ein gr&ouml;&szlig;eres Publikum hat. <\/p><p>Antwort 6: Tsipras und andere Syriza-Leute haben dieselbe falsche Idee wie Kammenos: dass Griechenland das Zentrum der Welt sei, und dass man erreichen kann, was man will, wenn man nur laut genug danach schreit. Tsipras ist Produkt eines linken Systems, das bis jetzt nur Forderungen aufgestellt hat, ohne die Konfronation mit der Realit&auml;t zu riskieren. Kammenos dagegen ist der Sohn eines reichen Unternehmers, der ihn in die Politik geschickt hat, und der dann schnell merkte, dass man mit Populismus eine Karriere machen kann. Beide haben also noch nicht die Erfahrung gemacht, dass es in der realen Welt immer um Kompromisse geht. Im &Uuml;brigen bestehen &auml;hnliche Illusionen in allen griechischen Parteien, also auch bei Potami, Pasok und Nea Dimokratia.<\/p><p>Soweit meine kleine Meinungsumfrage. Eine Interpretation sollte sich jeder Leser zumuten. Ich sehe aber einen gro&szlig;en gemeinsamen Nenner: Es handelt sich um ein rein taktisches B&uuml;ndnis mit dem Ziel, einen m&ouml;glichst g&uuml;nstigen Kompromiss in den Verhandlungen um die &bdquo;griechische Rettung&ldquo; herauszuholen. Die Frage stellt sich allerdings, ob man das mit einem Verb&uuml;ndeten erreichen kann, der die Verhandlungspartner als &bdquo;Besatzungsmacht&ldquo; beschimpft. <\/p><p>Ich w&uuml;rde das bezweifeln. Aber das ist nat&uuml;rlich ein sehr vorl&auml;ufiger Befund.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wahlergebnis vom 25. Januar ist klarer ausgefallen, als es die meisten Beobachter erwartet haben. Dieses Votum hat selbst die meisten Syriza-W&auml;hler &uuml;berrascht, und wahrscheinlich auch die Parteif&uuml;hrung. Was es bedeutet &ndash; auch f&uuml;r Europa &ndash; wird sich erst erweisen m&uuml;ssen, wenn die neue Regierung mit den EU-Partnern, der EZB und dem IWF &uuml;ber die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24781\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[181,173,125,190],"tags":[1290,1272,1291,325,1224,1230],"class_list":["post-24781","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europapolitik","category-griechenland","category-rechte-gefahr","category-wahlen","tag-anel","tag-chrysi-avgi","tag-kammenos-panos","tag-staatsschulden","tag-syriza","tag-tsipras-alexis"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24781","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24781"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24781\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53063,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24781\/revisions\/53063"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}