{"id":2487,"date":"2007-07-13T22:26:40","date_gmt":"2007-07-13T20:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2487"},"modified":"2016-01-01T11:27:44","modified_gmt":"2016-01-01T10:27:44","slug":"spiegel-interview-steinmeier-ein-lehrreiches-material-zum-studium-der-laufenden-und-geplanten-meinungsmache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2487","title":{"rendered":"Spiegel-Interview Steinmeier &#8211; ein lehrreiches Material zum Studium der laufenden und geplanten Meinungsmache."},"content":{"rendered":"<p>Dieses Interview enth&auml;lt gleich mehrere der absehbaren Linien der neoliberalen Meinungsmache und best&auml;tigt auch einige der g&auml;ngigen Methoden der Meinungsbeeinflussung. Wir bringen Ausz&uuml;ge, kommentieren und fassen vorweg zusammen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nSteinmeier ist m&ouml;glicherweise der Kanzlerkandidat der SPD. In jedem Fall wird er stellvertretender Vorsitzender und damit noch einflussreicher als bisher. Er war in der Vergangenheit wesentlich am Aufstieg Gerhard Schr&ouml;ders und an der Formulierung der Agenda 2010 und der anderen Reformen beteiligt.<br>\nIn den Ausz&uuml;gen des unten folgenden Interviews wird sichtbar, dass ihn keinerlei Zweifel an der Richtigkeit dieser Politik plagen. Die eigene Propaganda wird bei ihm sichtbar schon zur wahrgenommenen Realit&auml;t. Er nimmt die Realit&auml;t der Folgen dieser Reform f&uuml;r unz&auml;hlige Menschen nicht wahr, jedenfalls tut er so, als w&uuml;sste er nicht darum. Er formuliert fast schon bewundernswert affirmativ. Er strickt an mehreren Legenden.<\/p><p>Noch eine Anmerkung zu den Methoden. Es sind die &uuml;blichen Methoden einer wirkungsvollen Propaganda: <\/p><ul>\n<li>Es wird ma&szlig;los &uuml;bertrieben. (Wirtschaftswunder, Wucht der Globalisierung, &hellip;)<\/li>\n<li>Die Hauptbotschaften werden in Variation wiederholt.<\/li>\n<li>Angriff ist die beste Verteidigung (auf Besitzstandswahrer zum Beispiel),<\/li>\n<li>affirmativ (z. B. kein Zweifel an der Richtigkeit der Bomben im Kosovo Krieg).<\/li>\n<li>Der Psychotrick: Um eine Botschaft A (z. B.: die Reformpolitik war erfolgreich) zu vermitteln, wird die Botschaft B (die SPD hat sich f&uuml;r unser Land geopfert) formuliert. Wenn sich die SPD geopfert hat, wer zweifelt dann noch am Erfolg.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die wichtigsten Botschaften, die Steinmeier uns vermitteln will und die mit Sicherheit in den n&auml;chsten Monaten penetrant wiederholt und von anderen ebenfalls verbreitet werden:<\/strong><\/p><ol type=\"a\">\n<li>Die Reformpolitik war n&ouml;tig wegen der Globalisierung.<\/li>\n<li>Alles ist neu. Die Globalisierung ist ein neues Ph&auml;nomen. Steinmeier spricht von der &bdquo;Wucht&ldquo; der Globalisierung.<\/li>\n<li>Die Reformen mussten gegen den Willen des Wahlvolkes durchgesetzt werden. Die Bereitschaft der Menschen war nicht gen&uuml;gend entwickelt. Aber die SPD hat sich geopfert und unserem Land einen gro&szlig;en Dienst erwiesen.<\/li>\n<li>Die SPD war mutig und kraftvoll. (Mut und Kraft &ndash; diese Worte kommen h&auml;ufig vor) Die SPD kann stolz sein.<\/li>\n<li>Die Umfrage-Schw&auml;che der SPD ist nicht die Folge einer falschen Politik, sondern einer unzureichenden Verkaufe. Wir mussten handeln. Wir hatten keine Zeit f&uuml;r &Uuml;berzeugungsarbeit.<\/li>\n<li>Mit etwas Abstand werden die Menschen das begreifen.<\/li>\n<li>Die Reformen waren n&ouml;tig, um die sozialen Sicherungssysteme zu erhalten.<\/li>\n<li>Wir haben einen Boom. Ein Wirtschaftswunder.<\/li>\n<li>Er ist den Reformen zu verdanken.<\/li>\n<li>Die Linke verspricht den Weg zur&uuml;ck ins Paradies. Mit populistischen Parolen zur&uuml;ck ins Nirwana. Dieses Paradies gibt es nicht mehr.<\/li>\n<li>Die Linke predigt Isolationismus und den R&uuml;ckzug Deutschlands auf eine Insel der Seligen.<\/li>\n<li>Koalitionen mit der Linken nicht im Bund wegen der Haltung der Linken zur Sicherheitspolitik und zum westlichen B&uuml;ndnis, in Berlin schon. Keine prinzipielle Frage.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Und jetzt Ausz&uuml;ge aus dem Interview im Spiegel vom 9.7.<\/strong> <em>&ndash; mit Kurzkommentaren in Klammern und in kursiver Schrift:<\/em><\/p><p>SPIEGEL-GESPR&Auml;CH *<br>\n<strong>&bdquo;Die SPD kann stolz sein&ldquo;<\/strong><br>\nAu&szlig;enminister Frank-Walter Steinmeier, 51, &uuml;ber seine k&uuml;nftige Rolle als stellvertretender SPD-Vorsitzender, den richtigen Umgang mit der Linken und den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Herr Au&szlig;enminister, SPD-Fraktionschef Peter Struck sagt, er sehne sich nach der Kanzlerschaft von Gerhard Schr&ouml;der zur&uuml;ck. Geht es Ihnen auch so?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Nat&uuml;rlich war mir die Zeit mit Gerhard Schr&ouml;der lieber. Wir haben den Kanzler gestellt, die gr&ouml;&szlig;te Fraktion im Bundestag und auch noch die Mehrheit der Mitglieder im Kabinett.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Als Kanzleramtschef haben Sie damals ma&szlig;geblich eine Reformpolitik mitformuliert, die die SPD 180 000 Mitglieder gekostet hat. Qualifiziert Sie das f&uuml;r den Posten des Parteivize, den Sie anstreben?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Ich stehe zu Schr&ouml;ders Reformpolitik seit 2003. Die Wucht der Globalisierung hatte uns &uuml;berrascht, aber dann haben wir kraftvoll und entschieden reagiert. <em>(Hier f&auml;llt auf: keinerlei Begr&uuml;ndung f&uuml;r diese &Uuml;bertreibung. Was ist denn 1999 passiert? Bei der Wahl 19 98 war Steinmeier und Schr&ouml;der noch nicht von der Wucht getroffen. Komisch, innerhalb eines Jahres nach Regierungsantritt hatte sich die Welt ver&auml;ndert. &ndash; Interessant ist hier wie immer bei der Legendenbildung &uuml;ber die Reformen: es wird unterschlagen, dass Kohl schon seit 1982 Reformen machte und die SPD mit Schr&ouml;der ein Jahr nach der Wahl unter Bruch der Wahlversprechen auf diesen Kurs eingeschwenkt ist. Da gab es in der Zwischenzeit nichts Neues, schon gar keine Wucht.)<\/em> Deutschland auf einen neuen Kurs zu bringen war f&uuml;r uns kein Selbstzweck. Wir wollten erhalten, was uns Sozialdemokraten wichtig ist, zum Beispiel die sozialen Sicherungssysteme. <em>(Die Chuzpe ist bewundernswert: die Regierung Schr&ouml;der hat das Vertrauen in die Altersversorgung und in die Arbeitslosenversicherung zerst&ouml;rt.)<\/em> Wir ahnten aber, dass die Bereitschaft der Menschen zu einer solchen Reformpolitik nicht gen&uuml;gend entwickelt war. Trotzdem musste gehandelt werden. Daf&uuml;r haben wir bei vielen Landtagswahlen und bei der Bundestagswahl 2005 einen hohen Preis gezahlt. Aber mit etwas Abstand wird anerkannt, welchen Dienst die SPD unserem Land in diesem Jahrzehnt erwiesen hat.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ist das Schr&ouml;ders und auch Ihr Aufschwung?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> F&uuml;r mich pers&ouml;nlich w&auml;re das zu viel der Ehre. Aber der Begriff Aufschwung scheint mir unzureichend f&uuml;r das, was wir gerade erleben. Ich w&uuml;rde es das dritte deutsche Wirtschaftswunder <em>(ein Aufschwung, der bei der Mehrheit der Menschen nur wenig sp&uuml;rbar ist, wird zum Wirtschaftswunder hochstilisiert)<\/em> nennen.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie bescheiden. K&ouml;nnten Sie das bitte erl&auml;utern?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> <em>(Das folgende zeugt von einem beachtlich schiefen Bild der Wirtschaftsgeschichte unseres Landes:)<\/em> Das erste Wirtschaftswunder fand beim Wiederaufbau nach 1945 <em>(das stimmt)<\/em> statt, das zweite nach der Wiedervereinigung, allerdings von Helmut Kohl finanziert auf Pump. <em>(Wie denn das? Erstens kam man bei der Wiedervereinigung an h&ouml;heren Schulden nun wirklich nicht vorbei. Wichtiger noch: das Wirtschaftswunder dauerte gerade mal zwei Jahre. 19 92 schon ging es abw&auml;rts. Seitdem haben wir eine der l&auml;ngsten Stagnationen mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,2% bis 2005. Steinmeier verschweigt nat&uuml;rlich, dass die Regierung Schr&ouml;der den kleinen Zwischen-Aufschwung von 1997 bis 2000 zusammen mit der Bundesbank abgebrochen hat, sinnigerweise mit der Folge wiederum massiv steigender Schuldenzuw&auml;chse.)<\/em> Dieses dritte basiert auf unserem breitangelegten Reformprozess, der Deutschlands Antwort auf die Globalisierung markiert <em>(Donnerwetter. Dieses Selbstbewusstsein m&ouml;chte man haben. Nat&uuml;rlich wie immer kein Wort zu den Wirkungszusammenh&auml;ngen zwischen Reformen und der wirtschaftlichen Belebung. Sind die Riester-Rente oder die Steuerbefreiung der Heuschrecken oder Hartz IV und die gescheiterten Hartz I bis III die Ursachen f&uuml;r das Wirtschaftswunder? Der Mann hat keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenh&auml;nge, aber er &uuml;berspielt die Ahnungslosigkeit pr&auml;chtig)<\/em> &ndash; nat&uuml;rlich flankiert von einer guten Weltkonjunktur. Wir haben eine Million Arbeitspl&auml;tze mehr dank der Agendapolitik; vor allem aber sind viele unsichere Jobs wieder sicherer geworden. <em>(Diese Behauptung ist dreist. Denn die von der Regierung Schr&ouml;der betriebene F&ouml;rderung der Minijobs hat die sozialversicherungspflichtigen Jobs von 30 Millionen im Jahre 1990 auf etwas &uuml;ber 26 Millionen im Jahr 2005 sinken lassen)<\/em> Und nur wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, kann zu Recht wieder h&ouml;here L&ouml;hne fordern.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Komisch, dass Ihre Partei gar nicht stolz darauf zu sein scheint.<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Genau daf&uuml;r werbe ich ja. Wir hatten den Mut und die Kraft, eine Politik durchzusetzen, die nicht auf den n&auml;chsten Wahltag ausgerichtet war. Darauf kann die SPD bis heute stolz sein.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Beschreiben Sie doch einmal aus Ihrer Sicht den Zustand der SPD. Was ist das heute f&uuml;r eine Partei?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Die SPD ist drei gro&szlig;en Zielen verpflichtet. Sie ist die Partei des Friedens, der Arbeit und des sozialen Zusammenhalts. Dabei sind wir in der Lage, in der Regierung das Machbare vom W&uuml;nschbaren zu unterscheiden. Wir grenzen uns von denjenigen ab, die mit populistischen Parolen den Weg ins politische Nirwana wdh weisen.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Die Agenda 2010, die Schr&ouml;der im M&auml;rz 2003 vorstellte, war f&uuml;r Ihre Partei eine Z&auml;sur. Haben Sie genug getan, die Partei bei diesem Prozess mitzunehmen?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Ich gebe zu, dass vieles als Reform von oben begriffen wurde. Die Agenda <em>(eingef&uuml;hrtes Motiv: Die Politik war gut, nur schlecht verkauft.)<\/em> ist nicht organisch von unten gewachsen.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Auch in den folgenden Jahren haben Sie die SPD und Teile der &Ouml;ffentlichkeit nicht ausreichend &uuml;berzeugen k&ouml;nnen.<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Reformdruck trifft meistens rasch auf Gegendruck. Da werden Besitzst&auml;nde verteidigt. <em>(Angriff mit gelerntem Denkmodell. Nicht der Versuch einer beispielhaften Begr&uuml;ndung. Kein Bezug zur Realit&auml;t.)<\/em>  Sicherlich w&auml;re es g&uuml;nstiger gewesen, wir h&auml;tten uns mehr Zeit f&uuml;r einen geduldigen gesellschaftlichen &Uuml;berzeugungsprozess genommen. <em>(Botschaft B f&uuml;r A: zu wenig Zeit genommen insinuiert die Richtigkeit der eingeschlagenen Linie)<\/em> Aber wir hatten diese Zeit nicht, wir mussten handeln. Die heutigen Ergebnisse zeigen <em>(Affirmativ: richtiger Weg, Erfolg. Das wird einfach wiederholt behauptet, bis es sitzt)<\/em>, dass der Weg richtig war. (&hellip;) Nur mit gen&uuml;gend Selbstbewusstsein werden wir auch andere &uuml;berzeugen k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Danach sieht es derzeit nicht aus. Fast die H&auml;lfte der SPD-Anh&auml;nger favorisiert die zentralen Forderungen der Linken, vom Abzug aus Afghanistan &uuml;ber die R&uuml;cknahme der Rente mit 67 bis zum Stopp von Hartz IV. Sind die Positionen der Parteif&uuml;hrung zu weit rechts f&uuml;r Ihre Kernw&auml;hlerschaft?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Das ist keine Frage von rechts oder links, sondern von richtig oder falsch. Oskar Lafontaine verspricht den Weg zur&uuml;ck ins Paradies der siebziger oder achtziger Jahre. Damals gab es die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich, und bei leichten R&uuml;ckenbeschwerden fand man einen Arzt, der einem die Papiere f&uuml;r die Fr&uuml;hrente klarmachte. Internationale Krisen bek&auml;mpfte man mit Solidarit&auml;tsbekundungen, oder die Regierung schrieb den USA einen dicken Scheck aus. Dieses Paradies gibt es nicht mehr <em>(Alles ist neu)<\/em>, und deshalb kann ich vor Lafontaines Versprechungen nur warnen. Er verspricht Milch und Honig, aber am Ende w&uuml;rde es doch nur Wasser und Brot geben. <em>(Hier ist interessant, wieder einmal zu sehen, wie die heute f&uuml;hrenden Sozialdemokraten mit der Vergangenheit ihrer eigenen Partei umgehen: Statt die fr&uuml;heren gesellschaftspolitischen Errungenschaften zu loben, werden sie schlecht gemacht. Statt fr&uuml;here Au&szlig;en- und sicherheitspolitische Taten und Erfolge zu r&uuml;hmen, macht sich der heutige Au&szlig;enminister und Sozialdemokrat dar&uuml;ber lustig. Weder die Entspannungspolitik der ersten Stunde noch die deutschen Anst&ouml;&szlig;e zur KSZE waren Scheckbuchpolitik und auch nicht nur Solidarit&auml;tsbekundungen. Wie hier wichtige Erfolge verspielt und verschenkt werden, ist schon bemerkenswert.)<\/em><\/p><p>(&hellip;)<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Welche Bedingungen m&uuml;sste die Linke erf&uuml;llen, um f&uuml;r die SPD b&uuml;ndnisf&auml;hig zu sein?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Das ist keine prinzipielle Frage mehr. In Berlin gibt es ja schon die rot-rote Koalition unter F&uuml;hrung von Klaus Wowereit. Entscheidend ist doch die Frage nach dem Bund. Als Au&szlig;enminister erlebe ich hautnah im Bundestag, dass die Linken der internationalen Verantwortung Deutschlands nicht gerecht w&uuml;rden. Es geht um die Haltung zum westlichen B&uuml;ndnis und die Solidarit&auml;t, die daraus erw&auml;chst. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Kooperationen mit der Linken auf Bundesebene m&ouml;glich<br>\nsein sollen.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Im Wahlkampf 1998 verlangten die Gr&uuml;nen einen Benzinpreis von f&uuml;nf Mark pro Liter und das Ende von Auslandseins&auml;tzen, trotzdem haben Sie mit ihnen koaliert. Warum geht so etwas nicht auch mit den Linken?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Als die Gr&uuml;nen 1998 in die Regierung kamen, gab es im Grunde genommen so gut wie keine Erfahrungen mit Auslandseins&auml;tzen.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie bitte? Drei Jahre schon stand die Bundeswehr damals in Bosnien, und die Gr&uuml;nen waren dagegen.<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Joschka Fischer und die Gr&uuml;nen haben rasch gelernt, wie wir in der Kosovo-Krise 1999 erlebt haben. Davon sind die Linken meilenweit entfernt, vor allem wegen ihrer beinahe nationalistischen Verengung.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was meinen Sie damit?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Eigentlich berufen sich linke Parteien gern auf die Tradition des Internationalismus. Diese Linke aber predigt den Isolationismus und den R&uuml;ckzug Deutschlands auf eine Insel der Seligen.<\/p><p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Die Erfahrung mit den Gr&uuml;nen lehrt doch, dass der Realit&auml;tssinn einer Partei nach Regierungseintritt dramatisch schnell wachsen kann. Warum sollte das bei den Linken nicht auch passieren?<br>\n<strong>Steinmeier:<\/strong> Eine Bundesregierung ist keine Lehrwerkstatt. Da braucht es klare Perspektiven und klare Bekenntnisse. Diese waren 1998 von den Gr&uuml;nen zu erhalten. <em>(Nat&uuml;rlich kein Wort dazu, dass der noch nicht gew&auml;hlte Bundeskanzler Schr&ouml;der und der noch nicht ernannte Bundesau&szlig;enminister Joschka Fischer im Oktober 1998 vom damaligen US Pr&auml;sidenten Clinton bei einem Antrittsbesuch in Washington auf den Auslandseinsatz mit Bomben im Kosovo &bdquo;eingestimmt&ldquo; worden sind.)<\/em> Nichts spricht daf&uuml;r, dass das mit der Linkspartei heute der Fall w&auml;re.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p><em>Und so weiter.<\/em><\/p><p>* Mit den Redakteuren Georg Mascolo, Horand Knaup und Ralf Beste im Berliner Reichstag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Interview enth&auml;lt gleich mehrere der absehbaren Linien der neoliberalen Meinungsmache und best&auml;tigt auch einige der g&auml;ngigen Methoden der Meinungsbeeinflussung. Wir bringen Ausz&uuml;ge, kommentieren und fassen vorweg zusammen. 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