{"id":24870,"date":"2015-02-04T09:51:28","date_gmt":"2015-02-04T08:51:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24870"},"modified":"2015-02-04T11:04:49","modified_gmt":"2015-02-04T10:04:49","slug":"sprachspiele-nach-pegida-ueber-einen-islamkritischen-beitrag-in-ttt-am-1-februar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24870","title":{"rendered":"Sprachspiele nach Pegida &#8211; \u00dcber einen \u201eislamkritischen\u201c Beitrag in TTT am 1. Februar"},"content":{"rendered":"<p>Oh ja, die b&uuml;rgerliche Mitte &ndash; was immer das sein mag &ndash; und ihre politischen Bodentruppen haben klar Stellung bezogen: Pegida Pfui! Vom Mob und seinen rassistischen P&ouml;beleien wollte man sich klar abgrenzen. Doch jetzt, da die Stra&szlig;e sich wieder ins H&auml;uschen zur&uuml;ckzieht, da muss doch noch mal in wolkigen Worten gefragt werden, ob der Islam zivilisatorische Reife hat. Anders kann man den Beitrag &ndash; &bdquo;Der Islam geh&ouml;rt zu Deutschland &ndash; aber welcher?&ldquo; &ndash; in TTT am Sonntagabend kaum verstehen.  Weder findet man hier etwas Neues noch einen originellen Gedanken &ndash; nur der antiislamistische Br&uuml;hw&uuml;rfel wird mal wieder ausgekocht. Von <strong>Walter van Rossum<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSo erfahren wir: &bdquo;Das Problem: Der Islam h&auml;lt den Koran f&uuml;r das Wort Gottes, das 1:1 umgesetzt werden muss und &uuml;ber allen von Menschen gemachten Gesetzen steht.&ldquo; Das Problem: den Islam gibt es nicht und es gibt auch nicht die Scharia, es gibt keinen Katechismus, es gibt ein Buch &ndash; den Koran &ndash; mit ein paar tausend, meist m&uuml;ndlichen und lokalen Auslegungen. Auftritt des Ankl&auml;gers im Namen einer eher sehr hausgemachten Aufkl&auml;rung: Der Schweizer Publizist Frank A. Meyer. Er erkl&auml;rt uns noch ein Problem, n&auml;mlich, &bdquo;dass beispielsweise der Islam nicht kompatibel ist &ndash; im Prinzip, von seiner Lehre her, die sieht das auch nicht vor &ndash; mit der Demokratie. Man will aber auch das Problem nicht diskutieren.&ldquo; Doch ich will gerne diskutieren oder wenigstens fragen: welche Religion ist denn kompatibel mit der Demokratie? Religionen sind notwendigerweise immer im Konflikt mit der laizistischen Moderne. Gott ist nun mal kein Demokrat. Allein, das Problem ist nicht neu. Relativ neu ist nur, dass ein paar Kirchenvertreter sich mit der Moderne  arrangiert haben und die Gr&ouml;&szlig;e ihrer G&ouml;tter eher im Innenleben stattfinden lassen. <\/p><p>Und mit ein paar Wikipedia-Studien k&ouml;nnten sogar TTT-Autoren herausbekommen, dass &bdquo;der&ldquo; Islam vor allem in den L&auml;ndern m&auml;chtig ist, die nach &uuml;ber zweihundert Jahren westlicher Kolonialherrschaft gewisserma&szlig;en als politische Missgeburten das Licht der Welt erblickt haben und als Staaten eben deshalb nie funktioniert haben. Die F&uuml;rsten dieser L&auml;nder haben alles Erdenkliche getan, um keine funktionierende Gesellschaft zu errichten. Trotzdem waren und sind sie in den meisten F&auml;llen enge, um nicht zu sagen: innige Freunde des supermodernen Westens. Denn es ist so: die Speerspitze der Moderne und also der Menschheit &uuml;berhaupt hat &uuml;berhaupt kein Problem mit Diktatoren. Hauptsache kein Islam &ndash; da verliert man schnell die Kontrolle. Das ist eigentlich so peinlich, dass Aufkl&auml;rer sich kr&uuml;mmen m&uuml;ssten. W&auml;ren sie denn welche. <\/p><p>Jeder Frame diese Beitrags atmet den Geist unertr&auml;glicher westlicher &Uuml;berlegenheit: Man plaudert von Muslimen als vormodernen Barbaren. Und unvermeidlich kommt ein absolut schlagendes Beispiel: die Ungleichheit der Geschlechter. Wer h&auml;tte damit gerechnet? Man m&ouml;chte den Schweizer Frank A. Meyer nur dran erinnern, dass in der Schweiz erst 1971 das Wahlrecht f&uuml;r Frauen eingef&uuml;hrt worden ist &ndash; in manchen Kantonen hat es sogar noch 20 Jahre l&auml;nger gedauert. Da war die Schweiz l&auml;ngst ein hochmoderner Industrie- und Bankenstaat, schwer laizistisch und mit jeder Menge Aufkl&auml;rung hinter sich. Ich wage mal eine ganz ganz heikle These: K&ouml;nnte es nicht sein, dass Geschlechterungleichheit (und auch Homophobie) nicht unbedingt was mit Moderne, Religion und Laizismus oder Aufkl&auml;rung zu tun haben? Ansonsten erkl&auml;re ich mich bereit bis zur n&auml;chsten Ausgabe von TTT ein Dutzend Muslima vors Mikrofon zu bringen, die durchaus charmant und sexy und wahlweise in f&uuml;nf Sprache sehr pr&auml;zise erkl&auml;ren k&ouml;nnen, warum ihnen das Kopftuch so wichtig ist, an dem die westliche Toleranz seit 20 Jahren zerbricht. Und sie werden sicherlich ausdr&uuml;cklich hinzuf&uuml;gen, dass sie ihre Interessen nicht von Frank A. Meyer, Alice Schwarzer oder amerikanischen Drohnen vertreten w&uuml;nschen. Irgendwann ist das ganz einfach nur noch eine Angelegenheit der H&ouml;flichkeit und des Respekts &ndash; &uuml;brigens auch vor der Aufkl&auml;rung. <\/p><p>Doch ich f&uuml;rchte, unsere Aufkl&auml;rer faseln deshalb so gerne &uuml;ber Barbaren, weil sie nur so noch der Wonnen der Moderne teilhaftig werden. Sonst leuchtet hier ja nicht mehr allzu viel. Der Autor des TTT-Beitrags sieht sich leider gezwungen, den Muslimen weiterhin &bdquo;eine anstrengende Debatte zumuten zu m&uuml;ssen&ldquo;.  Ich w&uuml;rde solchen Wichtigtuern hingegen eher empfehlen, sich vielleicht mal auf die Grundlagen der Moderne zu besinnen. Einfach ein bisschen lesen. Diderot, Kant, Voltaire. Dann w&uuml;rden unsere Zivilisationsphilosophen bald merken, dass die meisten der Fragen, die sie erfunden zu haben glauben, bereits im 18. Jahrhundert auf wesentlich komplexerem Niveau diskutiert worden sind als die kulturellen Bodentruppen der laufenden Geostrategien wahrscheinlich ahnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh ja, die b&uuml;rgerliche Mitte &ndash; was immer das sein mag &ndash; und ihre politischen Bodentruppen haben klar Stellung bezogen: Pegida Pfui! Vom Mob und seinen rassistischen P&ouml;beleien wollte man sich klar abgrenzen. 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