{"id":24886,"date":"2015-02-05T13:42:55","date_gmt":"2015-02-05T12:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24886"},"modified":"2024-09-23T02:09:52","modified_gmt":"2024-09-23T00:09:52","slug":"terroralarm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24886","title":{"rendered":"Terroralarm"},"content":{"rendered":"<p>Fast jedes terroristische Attentat f&uuml;hrt in Folge unmittelbar zu einem weiteren. Zu einem politischen n&auml;mlich, welches auf die Einschr&auml;nkung der Grund- und Freiheitsrechte aller B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger abzielt, um hierdurch &ndash; so wird behauptet &ndash; der terroristischen Gefahr besser begegnen zu k&ouml;nnen. Aber, mal ehrlich: Wenn die Total&uuml;berwachung der Kommunikationswege wirklich vor Terror sch&uuml;tzen w&uuml;rde und deswegen nun auch <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/vorratsdatenspeicherung-merkel-draengt-auf-rasche-umsetzung\/11225126.html\">in Deutschland n&ouml;tig w&auml;re<\/a> &ndash; warum genau hat sie mit diesem Anliegen in Frankreich dann soeben vollends <a href=\"http:\/\/blog.fefe.de\/?ts=aa4ec9ad\">versagt<\/a>? Und wenn die Einschr&auml;nkungen der Grundrechte f&uuml;r so genannte &bdquo;Gef&auml;hrder&ldquo; wirklich und ausschlie&szlig;lich weiteren Terror verhindern sollen &ndash; warum verbleibt der Begriff dann so <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vOeZhTWXOhw\">nebul&ouml;s<\/a> und werden in Gro&szlig;britannien inzwischen investigative Journalisten zum Teil als solche <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/uk-news\/2015\/jan\/19\/gchq-intercepted-emails-journalists-ny-times-bbc-guardian-le-monde-reuters-nbc-washington-post\">&uuml;berwacht<\/a>? Und: Sch&uuml;tzt ein <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/islamistische-terrorgefahr-in-deutschland-die-bundeswehr-sollte-die-polizei-unterstuetzen\/11275404.html\">Bundeswehreinsatz im Inland<\/a>, wie er nun erneut in die Diskussion ger&auml;t, wirklich dabei, Anschl&auml;ge zu verhindern &ndash; und wenn ja, wie und wodurch eigentlich genau? &Uuml;ber die &bdquo;Antiterror&ldquo;-Gesetze im Land und ihre bisherigen wie zu erwartenden Wirkungen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Michael Csaszk&oacute;czy<\/strong> vom Bundesvorstand der Roten Hilfe.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Csaszk&oacute;czy, sie sind Mitglied im Bundesvorstand der Roten Hilfe, die sich vor allem <a href=\"http:\/\/www.rote-hilfe.de\/ueber-uns\">f&uuml;r politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum einsetzt<\/a>. Wie bewerten Sie die aktuelle <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24545\">Terrorhysterie im Land<\/a> und welche Entwicklungen zeichnen sich Ihrer Einsch&auml;tzung nach hier ab?<\/strong><\/p><p>Terroranschl&auml;ge waren schon immer ein willkommener Anlass, sicherheits- und ordnungspolitische Ma&szlig;nahmen durchzusetzen und Grundrechte weiter einzuschr&auml;nken. Die daf&uuml;r notwendigen Gesetze liegen meist bereits vorformuliert in den Schubladen bereit. Anlass sind oft Anschl&auml;ge von Gruppen, deren Bek&auml;mpfung wirklich kaum jemand missbilligen kann. Rechte oder Islamisten also zum Beispiel. Die rechtlichen Ma&szlig;st&auml;be, die dabei verschoben werden, betreffen aber dann letztendlich auch emanzipatorische Bewegungen. Und ob die so genannten Antiterrorma&szlig;nahmen ihrem vorgeblichen urspr&uuml;nglichen Zweck &uuml;berhaupt dienlich sind und sein k&ouml;nnen, fragt dann aber bald niemand mehr und ihre R&uuml;cknahme steht ohnehin nicht mehr zur Debatte. Das urspr&uuml;nglich im Gefolge des 11. September vom Deutschen Bundestag verabschiedete <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Terrorismusbek%C3%A4mpfungsgesetz\">Antiterrorgesetz<\/a> wurde 2007 einfach ohne gro&szlig;e Debatte um weitere f&uuml;nf Jahre verl&auml;ngert und soll danach in ein dauerhaftes Gesetz gegossen werden. Dabei m&uuml;sste jedem und jeder eigentlich klar sein: Ein Anschlag wie der auf <em>Charlie Hebdo<\/em> und den koscheren Supermarkt in Paris sind durch einen Staat pr&auml;ventiv unm&ouml;glich zu verhindern, wenn er sich nicht in einen Polizeistaat verwandeln will.<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das mit dem Polizeistaat? Im Rahmen einer so evidenten terroristischen Bedrohung muss man doch geeignete Ma&szlig;nahmen ergreifen&hellip;<\/strong><\/p><p>Ich gebe zu, dass es eine erschreckende Wahrheit ist, der man sich aber meiner Meinung nach stellen muss: Wenn jemand nichtsahnende unbewaffnete Menschen umbringen will, dann wird er immer auch eine M&ouml;glichkeit dazu finden. Das gilt umso mehr, wenn Gruppen, die solche Aktionen planen, andernorts aus wirtschaftlichen und geostrategischen Gr&uuml;nden vom Westen mit Waffen versorgt und gef&ouml;rdert worden sind. <\/p><p>Wir haben daher letztlich nur die M&ouml;glichkeit, Ideologien und gesellschaftliche Strukturen zu bek&auml;mpfen, unter deren Einfluss Menschen solche Anschl&auml;ge begehen. Alle angefeindeten Gruppen unter permanenten Polizeischutz zu stellen ist dabei eine genauso irrwitzige Vorstellung wie jene, durch geheimdienstliche Operationen alle Menschen herauszufiltern, die so etwas in Zukunft tun wollen k&ouml;nnten, und diesen schlie&szlig;lich pr&auml;ventiv die Grundrechte zu entziehen. <\/p><p>Der Kampf gegen Rechts &ndash; und dazu geh&ouml;rt f&uuml;r mich nat&uuml;rlich auch der Kampf gegen religi&ouml;se Fundamentalisten &ndash; bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nicht an Polizei und Ordnungsbeh&ouml;rden delegieren k&ouml;nnen. <\/p><p>Noch einmal: Es geht hier um Grundrechte, deren Aufhebung nicht nur gesellschaftlich erk&auml;mpfte Positionen angreift, sondern sich sehr bald auch gegen Bewegungen richtet, die f&uuml;r sozialen Fortschritt, Gleichheit und Solidarit&auml;t k&auml;mpfen. <\/p><p><strong>Tangieren die sp&auml;testens seit 9\/11 institutionalisierten &bdquo;Antiterrorma&szlig;nahmen&ldquo; denn auch die M&ouml;glichkeiten linker Gesellschaftskritik? Und wenn ja: Inwiefern?<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich. Mit den Antiterrorgesetzen wurden den Geheimdiensten weitreichende zus&auml;tzliche Rechte einger&auml;umt, Grundrechte wie das Post- und Fernmeldegeheimnis aufgeweicht, die biometrische Erfassung der gesamten Bev&ouml;lkerung in die Wege geleitet und zum Beispiel im Zuge der Antiterrordatei das Trennungsgebot von Geheimdiensten und Polizei weiter aufgeweicht. <\/p><p>Das Ausl&auml;nderrecht wurde versch&auml;rft und mit dem Paragraphen 129 b die politische Verfolgung von Widerstandsaktivit&auml;ten auch dann erm&ouml;glicht, wenn die angeblichen Taten im Ausland gegen befreundete Staaten wie etwa die T&uuml;rkei ver&uuml;bt wurden.<\/p><p><strong>&bdquo;Politische Verfolgung&ldquo;? In Deutschland wird doch niemand politisch verfolgt &ndash; erst recht nicht als Terrorist.<\/strong><\/p><p>Der Begriff des Terrorismus ist leider sehr dehnbar und propagandistisch zudem hochgradig aufgeladen. Wer ein Terrorist ist, das bestimmt der Staat recht willk&uuml;rlich. <\/p><p>Nur zur Erinnerung: Bis zum Jahr 2008 stand Nelson Mandela auf den Terrorlisten der USA. Und je nach innen- und au&szlig;enpolitischer Gemengelage verwandeln sich beispielsweise auch linke Kurdinnen und Kurden von Terroristinnen und Terroristen zu Freiheitsk&auml;mpfenden und umgekehrt. <\/p><p>Der einzige Paragraph, der in Deutschland so etwas wie eine Definition von &bdquo;Terrorismus&ldquo; liefert, der &sect; 129 a des Strafgesetzbuches, darf getrost als Gummiparagraph bezeichnet werden und dient in erster Linie zur Ausforschung, Einsch&uuml;chterung und Kriminalisierung linker Bewegungen. <\/p><p>Das l&auml;sst sich auch statistisch belegen: Nur 3 Prozent  der nach &sect; 129 a eingeleiteten Verfahren enden n&auml;mlich mit einer Verurteilung. Bis zur Einstellung derselben aber bietet der Paragraph den Ermittlungsbeh&ouml;rden eine sonst nirgendwo m&ouml;gliche Aushebelung von Grundrechten &ndash; von der kompletten &Uuml;berwachung des pers&ouml;nlichen Umfeldes &uuml;ber die nicht weiter zu begr&uuml;ndende Untersuchungshaft und die Einschr&auml;nkung von Verteidigerrechten bis hin zur Isolationshaft. Und selbst f&uuml;r eine Verurteilung ist keine konkrete Straftat notwendig &ndash; die blo&szlig;e Mitgliedschaft in einer als terroristisch definierten Gruppe reicht bereits aus. Das f&uuml;hrt nicht nur bei der migrantischen Linken, deren Verfolgung oftmals gar nicht ins Blickfeld der deutschen &Ouml;ffentlichkeit ger&auml;t, zu grotesken Verfahren. Bekannt wurde in j&uuml;ngster Zeit etwa auch die Geschichte des Sozialwissenschaftlers Andrej Holm, der 2007 wegen mutma&szlig;licher Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung inhaftiert wurde.<\/p><p><strong>Ja, von Andrej Holm und seiner Geschichte habe ich lose geh&ouml;rt. Wer ist er &ndash; und was ist geschehen?<\/strong><\/p><p>Andrej Holm forscht und lehrt in Berlin zu den Themen Stadterneuerung, Wohnungspolitik und Gentrifizierung. F&uuml;r die Ermittlungsbeh&ouml;rden wurde daraus die Besch&auml;ftigung mit so genannten &bdquo;anschlagsrelevanten Themen&ldquo;. Treffen wurden zu &ldquo;konspirativen Sitzungen&ldquo; einer so genannten &ldquo;militanten gruppe&ldquo; hochstilisiert, weil Holm &bdquo;m&ouml;glicherweise kein Handy dabei hatte&ldquo;. <\/p><p>Das war alles, was der Staatsschutz nach mehr als einem Jahr intensivster &Uuml;berwachung vorzuweisen hatte &ndash; faktisch also nichts als Behauptungen und Verdrehungen. Das reichte aber zur Inhaftierung wegen Terrorverdachts inklusive martialischer St&uuml;rmung der Familienwohnung durch ein Sondereinsatzkommando. <\/p><p>Die Untersuchungshaft wurde schlie&szlig;lich erst sehr viel sp&auml;ter durch den Bundesgerichtshof wieder aufgehoben, weil es &bdquo;keine hinreichenden Indizien f&uuml;r einen dringenden Tatverdacht&ldquo; gegeben habe. Zu einer Anklage gegen Andrej Holm ist es nie gekommen. <\/p><p><strong>Und derlei Entwicklungen nehmen zu? Warum und wodurch?<\/strong><\/p><p>Nun, es sind nicht nur die spektakul&auml;ren F&auml;lle wie die 129 b-Prozesse gegen t&uuml;rkische Exillinke in Stammheim &ndash; f&uuml;r die sich &uuml;brigens kaum jemand interessiert &ndash; oder der Fall von Andrej Holm, bei denen sich die &Uuml;berwachungswut der Verfolgungsbeh&ouml;rden offenbart. <\/p><p>Aktivistinnen und Aktivisten der au&szlig;erparlamentarischen Bewegung kennen die Folgen solch staatlicher Feinderkl&auml;rung allzu h&auml;ufig bereits aus ihrem politischen Alltag. In die Personenfahndungsdatei &bdquo;LiMo&ldquo; &ndash; das steht f&uuml;r &bdquo;linksmotivierte Gewaltt&auml;ter&ldquo; &ndash; kann beispielsweise jeder politisch aktive Mensch geraten, auch wenn er noch nie in seinem Leben eine Straftat begangen hat. Im Zweifelsfall reicht schon eine Polizeikontrolle auf dem Weg zu einer Demonstration, bei der die Polizei irgendwelche Probleme &ndash; etwa Sitzblockaden oder &auml;hnliches erwartet, um in dieser angeblichen &bdquo;Gewaltt&auml;terdatei&ldquo; zu landen. Die Betroffenen erfahren in der Regel nichts von dieser Speicherung. Wenn im Nachbarland gerade ein G7-Gipfel oder ein NATO-Treffen ist, kann f&uuml;r den Betreffenden an der Grenze dann sehr schnell Schluss seinen Grundrechten &ndash; ich meine beispielsweise das Versammlungsrecht &ndash; und seiner Reisefreiheit.<\/p><p>Direkt sp&uuml;rbar wird das neue Selbstverst&auml;ndnis der Polizei als politischer Akteur, wenn zum Beispiel in Dresden bei den Blockaden gegen den Naziaufmarsch eine Funkzellenabfrage mit 800.600 Verkehrsdaten und 229 Bestandsdaten durchgef&uuml;hrt wird und dabei auch die Handys von Bundestagsabgeordneten mit ins Visier geraten. Dass solche Ma&szlig;nahmen gelegentlich f&uuml;r rechtswidrig erkl&auml;rt werden, kratzt die Repressionsbeh&ouml;rden wenig &ndash; denn das hat ja mit keinerlei Konsequenzen f&uuml;r sie. Erst Mitte Januar hat beispielsweise die Leipziger Polizei bei einem Polizeikessel nach einer Spontandemonstration ungef&auml;hr 150 Handys beschlagnahmt um deren Daten auszuwerten. Dass das sp&auml;ter f&uuml;r illegal erkl&auml;rt wird, wissen die Beamten vermutlich ganz gut. Interessieren tut es sie aber nicht. Und so wird gesammelt und gesammelt und geraten auch Freunde und Bekannte von Menschen, die ihre Grundrechte noch mit Entschlossenheit verteidigen, immer mehr ins Visier. <\/p><p>Und wer von politischer Polizei und Geheimdiensten erst einmal als Linksextremist gebrandmarkt ist, der kann damit rechnen, dass seine Grundrechte im konkreten Zweifelsfall &uuml;berhaupt nicht mehr z&auml;hlen. Dabei findet die Eingruppierung als Extremist durch den sogenannten &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo;, die weitreichende Konsequenzen f&uuml;r die Betroffenen hat, weitgehend in extralegalem Rahmen statt.<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das mit den Geheimdiensten und der Extralegalit&auml;t? Extremist ist schlie&szlig;lich Extremist, oder nicht?<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die Dehnbarkeit und gelegentliche Absurdit&auml;t dessen, was als Terrorismus bezeichnet wird, haben wir ja schon gesprochen. F&uuml;r den Begriff Extremismus &ndash; der ja im Beh&ouml;rdendenken als so eine Art Vorstufe zum Terrorismus fungiert &ndash; gilt &Auml;hnliches. Wer &bdquo;Extremist&ldquo; ist, das liegt weitgehend in der Definitionsmacht des &bdquo;Verfassungsschutzes&ldquo; und richtet sich mitnichten nach verfassungsrechtlichen oder &auml;hnlichen Grunds&auml;tzen, sondern ist schlicht eine vom Geheimdienst selbst ausgesprochene &bdquo;staatliche Feinderkl&auml;rung&ldquo;, die je nach politischer Opportunit&auml;t wechseln und modifiziert werden kann. <\/p><p>So wurde erfreulicherweise nach dringenden Bitten seitens der Politik die Beobachtung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, die vom Verfassungsschutz jahrzehntelang als &bdquo;linksextremistisch beeinflusst&ldquo; gef&uuml;hrt wurde, in einigen Bundesl&auml;ndern inzwischen eingestellt. Sie erschien  mittlerweile wohl als gar zu anachronistisch. Ob damit die geheimdienstliche Bespitzelung der Betroffenen aber wirklich beendet wurde, steht auf einem anderen Blatt. Antifaschismus &ndash; selbst der historische Widerstand gegen den Nationalsozialismus &ndash; gilt dem Inlandsgeheimdienst immer noch als verd&auml;chtig, selbst wenn damit die Opfer der Nazis erneut ins Visier des Staates geraten.<\/p><p>Beim Verfassungsschutz sitzen ja nicht in erster Linie Verfassungsrechtler, sondern Mitarbeiter eines Geheimdienstes, der nach dem Krieg von Altnazis aufgebaut wurde und weiter in den Kategorien des Kalten Krieges denkt. Kritik am Kapitalismus ist nach den Kategorien des Verfassungsschutzes fast schon gleichbedeutend mit dem Kampf gegen die so genannte freiheitlich-demokratische Grundordnung. Dass der &bdquo;Verfassungsschutz&ldquo; nach dem wiederholten Bekanntwerden seiner Verstrickungen mit der Naziszene noch nicht aufgel&ouml;st wurde, ist schlimm genug. Dass aber ausgerechnet dieser Geheimdienst geeignet sein soll, Linke zu Verfassungsfeinden zu erkl&auml;ren und &uuml;ber politischer Verfolgung immensen Ausma&szlig;es sozusagen nicht nur Deutungshoheit, sondern auch Handlungsmacht innehat, ist schlicht grotesk.<\/p><p><strong>Aber rassistische Aufm&auml;rsche wie jene von PEGIDA, die m&uuml;ssen doch verboten werden &ndash; das muss doch gerade auch im Interesse linker Akteure sein?<\/strong><\/p><p>Sich rassistischen Aufm&auml;rschen entgegenzustellen, sollte eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein, die wir nicht der Polizei &uuml;berlassen k&ouml;nnen. Allerdings ist das Verbot der PEGIDA-Demonstration ein sch&ouml;nes Beispiel daf&uuml;r, wie rasant sich vorgeblich gegen wirklich bek&auml;mpfenswerte Gruppen gerichtete Ma&szlig;nahmen, die mit Terrorabwehr begr&uuml;ndet werden, alsbald auch gegen Linke wenden k&ouml;nnen. <\/p><p>Denn ohne weitere Begr&uuml;ndung wurde das mit diffusen Anschlagspl&auml;nen begr&uuml;ndete Demonstrationsverbot auch auf alle antirassistischen Demonstrationen ausgeweitet. Gleichzeitig werten Regierungsvertreter wie Sigmar Gabriel den rassistischen Mob zu besorgten B&uuml;rgern um und somit auf, deren Anliegen man ernst nehmen m&uuml;sse. Die Behauptung einer Terrorgefahr, die niemals belegt worden ist, diente hier faktisch der <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/959000.notstand.html\">Aush&ouml;hlung fundamentaler Grundrechte<\/a> &ndash; und zwar auf allen Seiten. <\/p><p><strong>Wenn das nun alles so ist&hellip; was zu tun t&auml;te aktuell dann am ehesten not?<\/strong><\/p><p>Die Linke t&auml;te gut daran, ein Bewusstsein daf&uuml;r zu entwickeln, dass Grundrechte in historischen K&auml;mpfen um Befreiung errungene Rechte sind. Sie zu verteidigen, wo sie vom Staat ausgeh&ouml;hlt werden, ist dabei nicht nur dort notwendig, wo die Linke selbst betroffen ist. Das gilt auch und insbesondere dann, wenn man sich etwas Besseres vorstellen kann als eine b&uuml;rgerlich-kapitalistische Gesellschaft.<\/p><p>Und eine solche Haltung bedeutet eben <em>nicht<\/em>, rassistische Demonstrationen, antisemitische Hetze oder islamistischen Terror achselzuckend hinzunehmen. Sie bedeutet ganz im Gegenteil: Der Kampf dagegen ist unsere ureigenste pers&ouml;nliche, politische sowie soziale Sache und nicht etwa die von Polizei und Geheimdiensten.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Michael Csaszk&oacute;czy<\/strong> (geb. 1970) ist Mitglied im Bundesvorstand der Roten Hilfe. Von 2003 bis 2007 war er als Lehrer mit Berufsverbot belegt. Begr&uuml;ndet wurde diese Ma&szlig;nahme mit seiner vom Verfassungsschutz monierten Mitgliedschaft in antifaschistischen Gruppen und der Roten Hilfe. 2007 wurde das Berufsverbot in letzter Instanz f&uuml;r grundrechtswidrig erkl&auml;rt. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterh&ouml;ren:<\/strong><\/p><p><strong>&ldquo;Ist jetzt alles Terrorismus?&rdquo;<\/strong><\/p><p>Am 30. September 2007 informierten in der vollbesetzten Berliner Volksb&uuml;hne Rolf G&ouml;ssner, Christina Clemm, Fritz Storim und Roland Roth &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/einstellung.so36.net\/de\/303\">politische Dimension des Paragrafen 129a<\/a> und die Bedeutung des aktuellen Verfahrens. Zu der Veranstaltung kamen &uuml;ber 500 Interessierte. Die Vortr&auml;ge wurden aufgenommen und k&ouml;nnen nun online <a href=\"https:\/\/einstellung.so36.net\/de\/378\">angeh&ouml;rt<\/a> werden.<\/p><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p><strong>S&ouml;ren Purz: Die richtige Einstellung &ndash; ein Film &uuml;ber ein 129a-Verfahren<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Vimeo\" data-provider-slug=\"vimeo\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Vimeo &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Vimeo zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"\" width=\"500\" height=\"315\" frameborder=\"0\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/4223889?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"vimeo\">Inhalte von Vimeo nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Andrej Holm: Der Gef&auml;hrder<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/pyvxprjToNk\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: <a href=\"https:\/\/einstellung.so36.net\/de\/soli\/36\">Wir sind alle 129a<\/a><\/li>\n<li>Artikel: <a href=\"https:\/\/einstellung.so36.net\/de\/soli\/21\">Terrorismuskeule ohne R&uuml;cksicht auf den Rechtsstaat<\/a><\/li>\n<li>Artikel: <a href=\"https:\/\/einstellung.so36.net\/de\/soli\/65\">BdWi verurteilt &ldquo;Terrorismus&rdquo;-Verd&auml;chtigungen<\/a><\/li>\n<li>Artikel: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/26\/26459\/1.html\">Ein Weblog des Terrors<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.attac.de\/presse\/detailansicht\/news\/gegen-kriminalisierung-kritischer-wissenschaft\/?cHash=ea08d89fdf7ec0982e4ad50bad2f4c5c\">Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats von attac zur Verhaftung des Sozialwissenschaftlers Andrej H. vom 3. August 2007<\/a><\/li>\n<li>Dokumentation: <a href=\"http:\/\/www.gegen-berufsverbote.de\/index1.php\">Der Fall Michael Csaszk&oacute;czy<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Eine automatische E-Mail-Benachrichtigung &uuml;ber <strong>neue Texte von Jens Wernicke<\/strong> k&ouml;nnen Sie <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">hier<\/a> bestellen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/8023084924b64e788ae75cd0f39ed911\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast jedes terroristische Attentat f&uuml;hrt in Folge unmittelbar zu einem weiteren. Zu einem politischen n&auml;mlich, welches auf die Einschr&auml;nkung der Grund- und Freiheitsrechte aller B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger abzielt, um hierdurch &ndash; so wird behauptet &ndash; der terroristischen Gefahr besser begegnen zu k&ouml;nnen. 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