{"id":24910,"date":"2015-02-06T11:39:52","date_gmt":"2015-02-06T10:39:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24910"},"modified":"2015-02-06T13:33:01","modified_gmt":"2015-02-06T12:33:01","slug":"oekonomenaufruf-fuer-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24910","title":{"rendered":"\u00d6konomenaufruf f\u00fcr Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>Folgt man den deutschen Medien, k&ouml;nnte man glatt glauben, dass die Politik der Troika von fast allen namhaften europ&auml;ischen  Wirtschaftswissenschaftlern geteilt wird. Doch dies ist ein Trugschluss und entspricht nicht der Realit&auml;t. Um zu zeigen, dass &Ouml;konomie auch kritisch sein kann, haben zahlreiche namhafte international &Ouml;konomen einen <a href=\"http:\/\/blogs.mediapart.fr\/edition\/english-club\/article\/050215\/scholars-appeal-greece\">Aufruf<\/a> verfasst, der sehr lesenswert ist. <strong>Sabine Tober<\/strong> hat diesen Aufruf f&uuml;r die NachDenkSeiten ins Deutsche &uuml;bersetzt.<br>\n<!--more--><br>\nWir, die UnterzeichnerInnen, appellieren an die Regierungen Europas, an die Europ&auml;ische Kommission, die Europ&auml;ische Znentralbank und den IWF, die Entscheidung des griechischen Volkes, einen neuen Kurs einzuschlagen, zu respektieren und guten Glaubens in Verhandlungen mit der neuen Regierung Griechenlands zur L&ouml;sung des griechischen Schuldenproblems einzutreten.<\/p><p>Die griechische Regierung besteht zu Recht auf neuen Konzepten, denn die bisherigen sind gescheitert. Sie haben nicht zu wirtschaftlichem Aufschwung und finanzieller Stabilit&auml;t gef&uuml;hrt. Sie haben die griechische Gesellschaft stark belastet und ihre Institutionen geschw&auml;cht. Diese Vorgehensweise ist untauglich und hat zu keinem Fortschritt gef&uuml;hrt, den es zu bewahren gilt. Wir bitten Griechenlands europ&auml;ische Partner dringend, diese Tatsache zu akzeptieren.<br>\ndenn ohne sie w&auml;re diese neue Regierung niemals gew&auml;hlt worden. <\/p><p>Griechenland braucht sofortige humanit&auml;re Unterst&uuml;tzung, einen h&ouml;heren Mindestlohn, neue Arbeitspl&auml;tze, Investitionen und Ma&szlig;nahmen zur Wiederherstellung und Verbesserung von grundlegenden Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheitspflege. Das Land braucht ein leistungf&auml;higeres und progressiveres Steuersystem, das sich weniger auf die Mehrwertsteuer st&uuml;tzt und effektiver bei der Besteuerung von Einkommen und Verm&ouml;gen vorgehen kann. Es muss die Korruption bek&auml;mpfen, bestrafen und ausrotten. Die neue Regierung braucht finanzpolitischen Spielraum, um diese Ma&szlig;nahmen einf&uuml;hren und ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen zu k&ouml;nnen, und die ununterbrochene finanzielle Unterst&uuml;tzung durch die Europ&auml;ische Zentralbank ist unabdingbar, um den Finanzsektor zwischenzeitlich stabil zu halten. Wir bitten Griechenlands europ&auml;ische Partner und die involvierten Institutionen dringlich, diesen finanzpolitischen Spielraum und diese Unterst&uuml;tzung bereitzustellen.<\/p><p>Zu Recht strebt die griechische Regierung einen Erlass der ihren europ&auml;ischen Partnern geschuldeten Gelder an. Diese Schulden sind unhaltbar und werden deshalb ohnehin nicht komplett zur&uuml;ckgezahlt werden. Deshalb entsteht durch einen Schuldenerlass auch kein wirtschaftlicher Schaden, weder f&uuml;r ein anderes Land noch f&uuml;r dessen Steuerzahler. Ganz im Gegenteil wird ein Neubeginn Griechenlands dazu beitragen, auch seinen Partnern neue Aktivit&auml;ten, Eink&uuml;nfte und Gewinne zu verschaffen. Wir bitten die Gl&auml;ubiger Griechenlands, diese Gelegenheit wahrzunehmen und ihren eigenen Bev&ouml;lkerungen diese Fakten klar und ehrlich darzulegen.<\/p><p>Bei all diesem geht es auch um die Zukunft ganz Europas. Eine Politik des Drohens und der Angstmache, eine Politik der Fristsetzungen, des Starrsinns und der Erpressung w&uuml;rde allen Europ&auml;ern nur zeigen, dass das europ&auml;ische Projekt gescheitert ist. Es w&auml;re dann moralisch, politisch und wirtschaftlich gescheitert.Wir bitten Europas F&uuml;hrungsspitze, jeden Versuch einer N&ouml;tigung der Regierung und des Volkes Griechenlands zur&uuml;ckzuweisen und zu verurteilen. <\/p><p>Ein Erfolg Griechenlands kann Europa allerdings den Weg zu neuem Wohlstand und Stabilit&auml;t weisen mit einer neuen Rolle f&uuml;r die Demokratie und einer neuen Offenheit f&uuml;r Wahlen, die zu konstruktiven Ver&auml;nderungen f&uuml;hren. Wir stehen gemeinsam mit Griechenland und Europa, f&uuml;r die Demokratie und f&uuml;r den Wandel.<\/p><p>Wir bitten die Spitzenpolitiker Europas, die griechischen Entscheidungsprozesse, die das Resultat einer hart erk&auml;mpften und entschieden demokratischen Auswahl sind, zu respektieren, und den Weg einer realistischen Wertung und eines sinnvollen Verhandelns einzuschlagen.<\/p><p><strong>Erstunterzeichner:<\/strong><\/p><p>Elmar Altvater (FU, Germany)<br>\nPhilippe Askenazy (CNRS, France),<br>\nClair Brown (University of California, Berkley, US)<br>\nDorothee Bohle (Central European University, Hungary)<br>\nGiovanni Dosi, (Pisa Institute of Economics, Italy)<br>\nC&eacute;dric Durand (Universit&eacute; Paris 13, France)<br>\nGerald Epstein (UMASS, USA)<br>\nTrevor Evans (Berlin School of Economics and Law, Germany)<br>\nJames Galbraith (University of Texas at Austin, US)<br>\nGa&euml;l Giraud (CNRS, France)<br>\nStephany Griffith-Jones (Columbia University, US)<br>\nLaura Horn (Roskilde University, Denmark)<br>\nRobert Jessop (University of Lancaster, UK)<br>\nSteve Keen (Kingston University, UK)<br>\nMarc Lavoie (Ottawa University, Canada)<br>\nTony Lawson (Cambridge, UK)<br>\nDimitris Milonakis (University of Crete, Greece)<br>\nAndreas N&ouml;lke (Goethe University Frankfurt\/Main, Germany)<br>\nDominique Meda (Paris Dauphine, France),<br>\nEl Mouhoub Mouhoud (Paris Dauphine, France)<br>\nAndr&eacute; Orl&eacute;an (EHESS, France),<br>\nHenk Overbeek (VU University Amsterdam, Netherlands)<br>\nMario Pianta (University of Urbino, Italy)<br>\nAlfonso Palacio Vera (Computense University of Madrid, Spain)<br>\nAnwar Shaikh (New School for Social Research, US)<br>\nJacques Sapir (EHESS, France)<br>\nRobert Wade (LSE, UK)<\/p><p>Die komplette Liste der Unterzeichner finden Sie <a href=\"http:\/\/blogs.mediapart.fr\/edition\/english-club\/article\/050215\/scholars-appeal-greece\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgt man den deutschen Medien, k&ouml;nnte man glatt glauben, dass die Politik der Troika von fast allen namhaften europ&auml;ischen Wirtschaftswissenschaftlern geteilt wird. Doch dies ist ein Trugschluss und entspricht nicht der Realit&auml;t. 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