{"id":2492,"date":"2007-07-17T09:24:29","date_gmt":"2007-07-17T07:24:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2492"},"modified":"2016-01-01T11:18:23","modified_gmt":"2016-01-01T10:18:23","slug":"arbeit-ist-lebensnotwendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2492","title":{"rendered":"\u201eArbeit ist lebensnotwendig\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Notker Wolf, Abtprimas des Benediktinerordens, fungiert als Botschafter der INSM.<br>\nDamit eine Lobbyinitiative als &uuml;berparteilich und unabh&auml;ngig erscheinen kann, ben&ouml;tigt sie ja bekanntlich Unterst&uuml;tzung aus dem gesamten gesellschaftlichen Spektrum. So komplettierte die INSM jetzt ihren Unterst&uuml;tzerkreis mit einem Geistlichen, dem Abtprimas des Benediktinerordens, Notker Wolf. In einer <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Downloads\/PDF_-_Dateien\/Anzeigen\/INSM_Anzeigenmotiv_Arbeit_ist_lebensnotwendig.pdf\">einseitigen Anzeige [PDF &ndash; 488 KB]<\/a> unter dem Titel &bdquo;Arbeit ist lebensnotwendig&ldquo; im SPIEGEL Nr. 29\/16.07.07 auf Seite 27 kommt der Geistliche in einem Interview mit den Fragestellern der INSM zu Wort. Ein Kommentar von Matthias Burghardt.<br>\n<!--more--><br>\nDie katholische und die evangelische Kirche in Deutschland haben ja bereits ihren Frieden mit dem wirtschaftspolitischen Kurs der vergangen Jahre geschlossen. Im Impulstext der katholischen Bisch&ouml;fe &bdquo;Das Soziale neu denken&ldquo; aus dem Jahr 2004 wurde die Lage so dargestellt: Das Soziale &bdquo;wurde zu einem Anspruch, um eine immer komfortable Normalit&auml;t herzustellen&ldquo;. <\/p><p>Die Arbeitslosen, die hunderte von Bewerbungen schreiben, oder die allein erziehenden M&uuml;tter die vor der Wahl stehen, ob sie ihren Kindern nun Kleidung, Essen oder Eintrittsgeld f&uuml;rs Freibad kaufen, die 11 Millionen Menschen in Deutschland die arm oder von Armut bedroht sind, empfinden ihr Leben wahrscheinlich nicht so &bdquo;komfortabel&ldquo; wie die katholischen Bisch&ouml;fe wohl vermuteten.<br>\nDie Bisch&ouml;fe stellten in der Schrift weiterhin fest: &bdquo;Jeder ist zun&auml;chst f&uuml;r die Gestaltung seines Lebens selbst verantwortlich&ldquo;. Sie offenbarten damit ihre individualistische Weltsicht, die ihre Pfarrer in den leeren Kirchen sonnt&auml;glich beklagen, weil sie erleben m&uuml;ssen, dass die<br>\neigenverantwortlichen Individuen, die ihr Leben selbst gestalten, auch keine Gemeinschaft mehr brauchen. <\/p><p>Die evangelische Kirche ist mit ihrer Denkschrift zur Armut auch schon auf den Mainstream eingeschwenkt, mit ihrem Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber an der Spitze, der immer wieder weitere &bdquo;Reformen&ldquo; anmahnt und vorsorglich vor einem neuen &bdquo;Reformstau&ldquo; warnt.<\/p><p>In die gleiche Kerbe schl&auml;gt nun auch der neue Botschafter der INSM, Abtprimas Notker Wolf. Seiner Meinung nach soll jeder Einzelne befragt werden: &bdquo;Bist du wirklich bereit eine Arbeit anzunehmen, auch wenn sie schlecht bezahlt ist? Willst du deinen Lebensunterhalt selbst verdienen oder nicht?&ldquo;<br>\nDiese Doppelfrage ist  eine zynische Form der Verweigerung der wirtschaftlichen Realit&auml;t. F&uuml;r Wolf ist offenbar Arbeitslosigkeit nur pers&ouml;nliches Phlegma.<br>\nDem Benediktiner-Manager, der seine Dienste auch durch <a href=\"http:\/\/www.gastreferenten.de\/referenten\/anlaesse-besonderer-art\/abtprimus-dr.-notker-wolf.htm\">Vermittlungsagenturen f&uuml;r prominente Referenten anbieten l&auml;sst<\/a>,  scheint es wohl entgangen zu sein, dass heute 2,7 Millionen Frauen und 1,1 Millionen M&auml;nner zwar Vollzeit arbeiten, aber damit trotzdem nicht ihren Lebensunterhalt verdienen k&ouml;nnen, denn Vollzeitarbeit und ausreichender Lohn zum Lebensunterhalt, bedingen sich heute nicht mehr zwangsl&auml;ufig. <\/p><p>Diese Menschen haben also schlecht bezahlte Arbeit angenommen, sie wollten ihren Lebensunterhalt verdienen &ndash; und was ist nun die Antwort des Vorstehers von 25.000 Benidiktinern? &bdquo;Auch ein Sozialhilfeempf&auml;nger muss sehen, dass er seinen Lebensunterhalt bald wieder allein bestreitet&ldquo;. Das geht f&uuml;r eine immer gr&ouml;&szlig;er werdende Zahl von Menschen nur mit einem zweiten Job oder mehreren Minijobs, was auch l&auml;ngst Realit&auml;t in unserem Land geworden ist und zu gro&szlig;en Verwerfungen f&uuml;hrt: Probleme in der Ehe, Kinderlosigkeit etc. was dann wiederum besonders von den Kirchen beweint wird.<\/p><p>Aber Notker Wolf legt noch einen drauf. &bdquo;Wir fragen aber zu wenig danach, wo wir ohne den Staat auskommen k&ouml;nnen. Die B&uuml;rger verhalten sich oft wie Kinder, die keine Verantwortung &uuml;bernehmen wollen.&ldquo;<br>\nMit katholischer Soziallehre oder dem Evangelium Jesu Christi hat die Nachplapperei neoliberaler Glaubenss&auml;tze des Abtprimas nichts zu tun. Er beweist damit eher, dass er selbst kindisch ist und nicht die B&uuml;rger. Wie ein Sektierer von Scientology macht der das mittelalterliche &bdquo;ora et labora&ldquo; zum Dogma der kapitalistischen Neuzeit.<br>\nMit dieser Agitation gegen den Staat und die Sozialstaatlichkeit fallen Notker Wolf und andere Kirchenvertreter weit hinter die Einsicht zur&uuml;ck, die Ketteler und Kolping, ja die schon Jesus Christus vor 2.000 Jahren hatte: Der Mensch erreicht Selbstverantwortung nur durch Mitverantwortung. <\/p><p>PS: Aber wir sollten Wolf vielleicht ruhig den Gefallen tun und fragend werden. So k&ouml;nnen wir doch fragen, warum man gerade in den kirchlichen Diensten so oft Lohndumping und plumpe Lohndr&uuml;ckerei vorfindet? Und wenn wir gerade dabei sind, k&ouml;nnten wir doch den Gedanken zu Ende f&uuml;hren und  &uuml;berlegen, wo wir sonst noch ohne den Staat auskommen wollen, so k&ouml;nnten wir doch z.B. fragen, warum wir auch das Einziehen der Kirchensteuern nicht einfach den Kirchen &uuml;berlassen?<\/p><p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Wolf scheint er Vorzeige-M&ouml;nch der INSM zu sein und wird auf sog. Diskussionsveranstaltungen herumgereicht. Wie wenig Interesse an Diskussion  die INSM in Wirklichkeit hat verdeutlicht eine Debatte zwischen dem Abtprimas und der ehemaligen Vizechefin des DGB, Ursula Engelen Kefer. In ihrem <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Veranstaltungen\/Rueckblick_2006\/Rueckblick_2006\/Veranstaltungsrueckblick__Abtprimas_Dr._Notker_Wolf_diskutiert_mit_Dr._Ursula_Engelen-Kefer.html\">Bericht &uuml;ber diese Veranstaltung<\/a> wird Engelen-Kefer mit keinem einzigen Satz zitiert, daf&uuml;r mit umso gr&ouml;&szlig;erer Begeisterung die hohlen Spr&uuml;che des Ordens-Managers.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Notker Wolf, Abtprimas des Benediktinerordens, fungiert als Botschafter der INSM.<br \/> Damit eine Lobbyinitiative als &uuml;berparteilich und unabh&auml;ngig erscheinen kann, ben&ouml;tigt sie ja bekanntlich Unterst&uuml;tzung aus dem gesamten gesellschaftlichen Spektrum. So komplettierte die INSM jetzt ihren Unterst&uuml;tzerkreis mit einem Geistlichen, dem Abtprimas des Benediktinerordens, Notker Wolf. 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