{"id":2497,"date":"2007-07-19T16:07:24","date_gmt":"2007-07-19T14:07:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2497"},"modified":"2016-01-01T11:11:59","modified_gmt":"2016-01-01T10:11:59","slug":"die-freie-universitaet-vor-dem-boersengang-bemerkungen-zur-oekonomisierung-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2497","title":{"rendered":"Die Freie Universit\u00e4t vor dem B\u00f6rsengang? \u2013 Bemerkungen zur \u00d6konomisierung der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Eine Universit&auml;t, die sich als Gemeinwesen versteht, wird sich einem &ouml;ffentlichen Auftrag verpflichtet f&uuml;hlen und sich &uuml;ber den Inhalt des &ouml;ffentlichen Auftrags intern streiten. Eine Universit&auml;t nach dem Modell des Privatunternehmens wird sich umdefinieren zur Unterordnung all ihrer T&auml;tigkeiten unter das oberste Prinzip, auf dem Markt erfolgreich zu sein. Dieses Modell der unternehmerischen Universit&auml;t nimmt vollst&auml;ndig Abschied von der Idee und der Tradition der Universit&auml;t nicht nur als Gruppenuniversit&auml;t sondern &uuml;berhaupt als Gemeinwesen.<br>\nGibt es Hoffnung, dass die &bdquo;unternehmerische Universit&auml;t&ldquo; nicht das Ende der Universit&auml;tsgeschichte ist?<br>\nBodo Zeuner, Emeritus am Otto-Suhr-Institut  an der FU Berlin hat uns seine Abschiedsvorlesung vom 11. Juli 2007 zur Verf&uuml;gung gestellt.<br>\nDer folgende Text erscheint auch im September in der Nr. 148 der Zeitschrift PROKLA. In dieser Ausgabe werden die Konsequenzen der &ldquo;Verbetriebswirtschaftlichung&rdquo; von immer mehr gesellschaftlichen Bereichen untersucht. Bestellungen &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.prokla.de\/\">www.prokla.de<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nProf. Dr. Bodo Zeuner<\/p><p><em>Abschiedsvorlesung am 11. Juli 2007, 18 Uhr, Hs. A des OSI, Ihnestr. 21<\/em><\/p><p><strong>Die Freie Universit&auml;t Berlin vor dem B&ouml;rsengang?<br>\nBemerkungen zur &Ouml;konomisierung der Wissenschaft<br>\n<\/strong><\/p><p>Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,<\/p><p>ich hatte am Otto-Suhr-Institut in den letzten Jahren die Chance und das leidvolle Vergn&uuml;gen, die Abschiedsvorlesungen vieler Freunde und Kollegen mitzuerleben und manchmal auch mit zu gestalten. Daraus konnte ich lernen, das solch eine Vorlesung zum einen inhaltlich eine Art Res&uuml;mee des eigenen Tuns und Erkennens als Wissenschaftler sein sollte, dass sie aber zweitens auch eine pers&ouml;nliche Komponente haben muss.<\/p><p>Mit dieser pers&ouml;nlichen Komponente fange ich jetzt an. Es wird sich schon zeigen, wie sie mit den wissenschaftlichen Inhalten zusammenh&auml;ngt. <\/p><p>Ich bin vor fast 30 Jahren hier zum Professor berufen worden, und zwar f&uuml;r Politische Wissenschaft allgemein, unter besonderer Ber&uuml;cksichtigung eines Arbeitsgebiets, das, so glaube ich mich zu erinnern, &bdquo;politische Soziologie der abh&auml;ngigen Erwerbspersonen&ldquo; hie&szlig;, also mich verpflichtet hat, mich besonders um die Analyse der politischen Regulierung der Arbeitsbeziehungen zu k&uuml;mmern. Ich war vorher am OSI Student, Assistent und Assistenzprofessor (das &auml;hnelt dem heutigen Juniorprofessor) gewesen, zwischendurch Redakteur in Hamburg, beim NDR und sp&auml;ter beim &bdquo;Spiegel&ldquo;. Beim &bdquo;Spiegel&ldquo; habe ich, direkt im Anschluss an die Studentenbewegung, f&uuml;r Mitbestimmung der Journalisten gek&auml;mpft und auch daf&uuml;r, dass der &bdquo;Spiegel&ldquo; ein von selbstbestimmt arbeitenden Journalisten gemachtes noch &bdquo;linkeres Blatt&ldquo; werden sollte, als der Herausgeber Rudolf Augstein wollte. Als Reaktion auf unsere Initiative <\/p><ul>\n<li>warf Rudolf Augstein erstens f&uuml;nf Anf&uuml;hrer der redaktionsinternen Revolte: Alexander von Hoffmann, Hermann Gremliza, Otto K&ouml;hler, Dieter Brumm und Bodo Zeuner, hinaus und<\/li>\n<li>schenkte er zweitens die H&auml;lfte der Eigentumsanteile am Unternehmen &bdquo;Spiegel&ldquo; der Belegschaft, behielt aber die Alleinherrschaft als f&uuml;r die Linie des Blattes zust&auml;ndiger Herausgeber. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/li>\n<\/ul><p>Der &bdquo;Spiegel&ldquo; wurde kein linkeres Blatt &ndash; wie etwa: &bdquo;Le Monde&ldquo; &ndash; aber die Belegschaft und die Redaktion verdienen seither gut mit und sind darauf bedacht, Anzeigenkunden nicht zu verprellen, weil das ihren kollektiven Profit mindern k&ouml;nnte. <\/p><p>Ich hatte gro&szlig;es Gl&uuml;ck, dass ich 1972, als Augstein mich gefeuert hatte, wieder ans OSI kommen konnte: Hier war gerade eine Assistenzprofessur f&uuml;r Interessenverbandsforschung frei &ndash; und meine Freunde aus der inzwischen gegr&uuml;ndeten SAZ, der &bdquo;Sozialistischen Assistentenzelle&ldquo;, setzten sich daf&uuml;r ein, dass ich, der ich zuvor eher als Parteienforscher ein Profil bei den Politologen gewonnen hatte, diese Stelle bekam. Ich hatte auch w&auml;hrend meiner Zeit beim &bdquo;Spiegel&ldquo; den Kontakt zu den Freunden am OSI, insbesondere aus der SAZ, nie abgebrochen. Jedenfalls wurde ich 1972 Assistenzprofessor und 1977 Professor auf Lebenszeit am OSI. <\/p><p>Auch bei dieser Berufung hatte ich Gl&uuml;ck; auch dabei spielte die Solidarit&auml;t der SAZ eine Rolle. Damals expandierte das OSI dramatisch, die Studentenzahlen nahmen zu, und der Staat war noch nicht der Meinung, er m&uuml;sse prinzipiell sparen, die Steuerlast f&uuml;r die Unternehmen senken und die Reform bestehe darin, die Universit&auml;ten auf private Finanzierungsquellen zu verweisen. Vielmehr galt Bildung noch als &ouml;ffentliches Gut und &ouml;ffentliche Aufgabe, die auch &ouml;ffentlich zu finanzieren war &ndash; und zum Inhalt dieser &ouml;ffentlichen Aufgabe geh&ouml;rte es damals, die Hochschulen f&uuml;r breitere Schichten zu &ouml;ffnen, die Studierenden nicht nur f&uuml;r ihr Funktionieren im Besch&auml;ftigungssystem zu qualifizieren, sondern auch ihr kritisches Analyseverm&ouml;gen zu f&ouml;rdern. Damals wurden neue Stellen geschaffen, die solchen Aufgabenstellungen entsprachen. Dazu geh&ouml;rte meine Professur, die mir die M&ouml;glichkeit gab, mich auf die Politik der Arbeitsbeziehungen und auf die politische Erwachsenenbildung zu konzentrieren. Im heutigen &bdquo;neuen OSI&ldquo; mit, wie in den fr&uuml;hen 60er Jahren, nur 11 Gro&szlig;professuren gibt es f&uuml;r beide Gebiete, die Arbeitsbeziehungen und die politische Erwachsenenbildung, keine eigene Professur mehr &ndash; und bei der Fortf&uuml;hrung der Erwachsenenbildung muss, wie ich h&ouml;re, darum gek&auml;mpft werden, dass &uuml;berhaupt noch eine Mitarbeiterstelle f&uuml;r diese Pflichtaufgabe zur Verf&uuml;gung steht.<\/p><p>Dass ich am OSI Assistenzprofessor und dann Professor wurde, beruhte also, neben meiner individuellen Qualifikation und Qualit&auml;t, auch auf der Solidarit&auml;t der damaligen Mittelbaugruppe und auf pers&ouml;nlichem Gl&uuml;ck, letzteres in doppelter Weise: Ich hatte Gl&uuml;ck, dass gerade ein Stelle frei war, f&uuml;r die sich kein in den Augen der Ausw&auml;hlenden besserer Bewerber fand, und ich hatte das Gl&uuml;ck, in einer Zeit zu leben, in der das, was ich als Wissenschaftler anbieten wollte und konnte, als &ouml;ffentlich zu finanzierende &ouml;ffentliche Aufgabe angesehen wurde. Gewiss, ohne von anderen anerkannte Leistung w&auml;re ich nicht Professor geworden, aber der Umkehrung, ich sei allein durch hervorragende Leistung meines eigenen Gl&uuml;ckes Schmied gewesen, will ich ausdr&uuml;cklich und mit dem Absicht der Generalisierung widersprechen. Zur Leistung mussten gerade ge&ouml;ffnete Gelegenheitsfenster und Solidarit&auml;t hinzukommen. <\/p><p>Auf Gl&uuml;ck und Solidarit&auml;t werde ich am Ende dieser Vorlesung noch zur&uuml;ckkommen.<\/p><p>Das Thema meiner Vorlesung ist die &Ouml;konomisierung, genauer: die Markt-&Ouml;konomisierung der Wissenschaft, vor allem wie sie an den Universit&auml;ten betrieben wird, vor allem am Beispiel der Freien Universit&auml;t Berlin.<\/p><p>Urspr&uuml;nglich hatte ich vor, bei meinem Abschied &uuml;ber ein anderes Thema, zu dem ich in den letzten Jahren gearbeitet und mit Irmtraud Schlosser auch eine Ringvorlesung veranstaltet habe, zu reden, n&auml;mlich <strong>Solidarit&auml;t<\/strong>: Solidarit&auml;t l&auml;sst sich ja, ausgehend von der franz&ouml;sischen Revolution, als Grundwert, und, ausgehend von Sozialtheorien wie der Emile Durkheims, als unverzichtbares Bindemittel jeder Gesellschaft beschreiben. Was also geschieht mit unseren sozialen Beziehungen und unseren politischen Ordnungen, wenn immer mehr Solidarit&auml;t ben&ouml;tigt und immer weniger Solidarit&auml;t tats&auml;chlich hergestellt und erm&ouml;glicht wird? Bricht die weltweite Marktgesellschaft an diesem Widerspruch zusammen?<\/p><p>Ich h&auml;tte wie gesagt Lust gehabt, in meiner Abschiedsvorlesung &uuml;ber diese Frage zu sprechen. Aber dann fragte ich eine mir nahe stehende Frau, die das OSI gut kennt, ob ich eher &uuml;ber die &Ouml;konomisierung der FU oder &uuml;ber die Probleme der Solidarit&auml;t reden sollte &ndash; und sie sagte: Nat&uuml;rlich musst du zum Abschied eine kritische Vorlesung zur Freien Universit&auml;t halten. <\/p><p>Das mache ich also jetzt. Und am Ende werde ich auf die Frage der Solidarit&auml;t zur&uuml;ckkommen, und zwar, in Anlehnung an eine Formulierung von Leszek Kolakowski, als Frage <em>nach der M&ouml;glichkeit und Unm&ouml;glichkeit, ein solidarisch handelnder Wissenschaftler zu sein.<\/em> <\/p><p>&nbsp;<\/p><p><strong>Die FU vor dem B&ouml;rsengang? &ndash; Bemerkungen zur &Ouml;konomisierung der Wissenschaft<\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Ich will die Themenfrage nicht mit einer Kapitalmarkt-Prognose beantworten, sondern zun&auml;chst eine These begr&uuml;nden, n&auml;mlich, dass die FU sich bei ihren eigenen Umstrukturierungen so verh&auml;lt, als wolle sie sich demn&auml;chst kapitalprivatisieren, als w&auml;re also der B&ouml;rsengang, wie bei der Deutschen Bahn AG, ihr oberstes Entwicklungsziel. Und selbstverst&auml;ndlich will ich er&ouml;rtern, was diese Entwicklung bedeutet und was aus ihr folgt und in welche Widerspr&uuml;che das ger&auml;t und was sich entgegensetzen l&auml;sst.<\/p><p>Was &bdquo;kapitalprivatisieren&ldquo; hei&szlig;t, l&auml;sst sich dem IPO-Test entnehmen. Diesen Test f&uuml;r die B&ouml;rsen-Fitness von Unternehmen ver&ouml;ffentlicht die Deutsche B&ouml;rse im Internet. Er besteht aus 10 Fragen, bei denen es um &bdquo;grundlegende Kriterien&ldquo; f&uuml;r die B&ouml;rsenreife geht. Dazu geh&ouml;ren u.a. &bdquo;&uuml;berdurchschnittliche Perspektiven in einem Kernmarkt&ldquo; (Frage 1), &bdquo;&uuml;berdurchschnittliches nachhaltiges Wachstum in neuen innovativen M&auml;rkten&ldquo; (Frage 2), sowie &bdquo;ein &uuml;berzeugendes nachvollziehbares und nachhaltiges Unternehmenskonzept&ldquo; (Frage 3). Dann folgen Kriterien zur Binnenstruktur, die ich etwas genauer zitieren will:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Strategien und Ziele werden regelm&auml;&szlig;ig &uuml;berpr&uuml;ft und in einer detaillierten Unternehmensplanung laufend fortgef&uuml;hrt.&ldquo; (Frage 3)<\/li>\n<li>&bdquo;Ihr Unternehmen hat eine klare Unternehmensstruktur und einem der Unternehmensgr&ouml;&szlig;e in der Tiefe und Breite angemessene F&uuml;hrungsstruktur. Alle wesentlichen Managementpositionen sind mit Personen besetzt, die eine entsprechende fachliche Qualifikation f&uuml;r ihre Aufgabenbereiche mitbringen.&ldquo; (Frage 4)<\/li>\n<li>&bdquo;Ihr Unternehmen verf&uuml;gt &uuml;ber effiziente Managementinformations-,  Kontroll- und Risikosysteme ..&ldquo; (Frage 5)<\/li>\n<li>&bdquo;Ihr Unternehmen verf&uuml;gt &uuml;ber ein Aufsichtsgremium oder Beirat sowie deren Mitglieder &uuml;ber eine fachlich, angemessene Qualifikation&ldquo; (Frage 6). [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/li>\n<\/ul><p>Die Fragen 7-10 betreffen das Verh&auml;ltnis zum Kapitalmarkt, insbesondere zur Bereitschaft, sich dem Kapitalmarkt zu &ouml;ffnen. &bdquo;Ein kontinuierlicher Dialog mit Investoren und Intermedi&auml;ren&ldquo; muss &bdquo;fester Bestandteil&ldquo; der Unternehmensstrategie sein (Frage 8). <\/p><p>Dass derartige Kriterien vom Pr&auml;sidenten der FU selber als Leitmodell angesehen werden, zeigte sich im November 2006. Damals wurde die Freie Universit&auml;t Berlin von dem Wirtschaftsmagazin &bdquo;karriere&ldquo; und dem Prognos-Institut unter 35 Konkurrenten zur &bdquo;unternehmerischsten Hochschule&ldquo; in Deutschland gek&uuml;rt. Die Kriterien f&uuml;r dieses Ranking waren denkbar simpel: Es ging um gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche &Uuml;bereinstimmung mit einem Wirtschaftsunternehmen, das Leitbild lautete &bdquo;Unternehmen Hochschule&ldquo;. Dazu geh&ouml;rte u.a., dass Universit&auml;ten nach neuen Wegen der Finanzierung und damit mehr Unabh&auml;ngigkeit von staatlichen Geldern suchen und dass sie &bdquo;nicht verwaltet, sondern gemanagt&ldquo; werden. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] FU-Pr&auml;sident Dieter Lenzen erkl&auml;rte prompt seine Freude &uuml;ber diesen  Spitzenplatz und dar&uuml;ber, &bdquo;dass unser Kurs zur unternehmerischen Gestaltung der Universit&auml;t gerade in Zeiten knapper Kassen Best&auml;tigung findet&ldquo;. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Pr&auml;sident Lenzen ist nicht nur Chefmanager der &bdquo;unternehmerischsten Universit&auml;t&ldquo; Deutschlands, er macht auch aus seiner Parteinahme f&uuml;r Unternehmerinteressen und Unternehmerideologien keinen Hehl. Er ist F&ouml;rdermitglied der vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall ins Leben gerufenen und finanzierten &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo;. Die Initiative &bdquo;Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; ist ein neoliberaler Think-Tank, der stolz darauf ist, &ouml;ffentliche Diskurse zu steuern, ja zu manipulieren, Journalisten zu beeinflussen, eine ideologische Deutungshoheit im Sinne seiner Auftraggeber herzustellen. Rudolf Speth, Privatdozent des OSI und vom OSI &ndash; aus leicht erkl&auml;rlichen Gr&uuml;nden bisher vergeblich &ndash; f&uuml;r die Ernennung zum apl. Professor vorgeschlagen, beschreibt die INSM als &bdquo;PR-Unternehmen f&uuml;r die Interessen der Wirtschaft&ldquo;, als &bdquo;Ausdruck einer Radikalisierung der &ouml;konomischen Eliten, die die Politik (&hellip;) st&auml;rker unter Druck setzen.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]  Wer auch nur in den Verdacht ger&auml;t, die Wissenschaft in den Dienst einer solchen Propagandamaschine stellen zu wollen, m&uuml;sste nach traditionellen Ma&szlig;st&auml;ben disqualifiziert sein f&uuml;r ein Pr&auml;sidentenamt, das die Autonomie der Wissenschaft zu verteidigen hat. <\/p><p>Herr Lenzen aber ist ein ehrenwerter Mann. Er wurde 2007 mit wenigen Gegenstimmen wiedergew&auml;hlt, und es gab dabei keine inneruniversit&auml;re Debatte &uuml;ber seine Rolle als Propagandist von Arbeitgeberinteressen. Das kann man nur mit einem kompletten Normwandel hinsichtlich dessen, was Universit&auml;t sein und wozu sie dienen soll, erkl&auml;ren.<\/p><p>Auf diesen Normwandel und den ihm entsprechenden Strukturwandel kommt es mir hier an &ndash; nicht auf einen personalisierenden politischen Angriff auf Pr&auml;sident Lenzen. Einige KollegInnen, denen ich einen Entwurf dieses Textes zu lesen gab, rieten mir, um nicht in  &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorien&ldquo; zu verfallen, Herrn Lenzen als &bdquo;Charaktermaske&ldquo; im Marx&rsquo;schen Sinne herauszustellen. Ich denke, dass man &uuml;ber diese Entgegensetzung hinauskommen sollte: Selbstverst&auml;ndlich sind es objektive und globale Entwicklungen, die zur &Ouml;konomisierung von Wissenschaft dr&auml;ngen und Akteuren wie Lenzen erst ein Aktionsfeld er&ouml;ffnen. Andererseits ist der gegenw&auml;rtige FU-Pr&auml;sident nicht nur ein passives R&auml;dchen im Getriebe der Systemzw&auml;nge, sondern ein exemplarischer und auch bundesweit f&uuml;hrender Protagonist und Promotor der Markt-&Ouml;konomisierung von Wissenschaft.<\/p><p>Der Normwandel ist, was das angestrebte Ziel angeht, leicht zu beschreiben: Es geht um die reale und gewollte Anpassung der Universit&auml;t in Struktur und Funktion an ein zum Zweck der Profiterzielung wirtschaftendes Privatunternehmen. Dazu geh&ouml;ren mindestens folgende, miteinander verkoppelte und gleichzeitig vollzogene Restrukturierungsprozesse (neudeutsch &bdquo;Reformen&ldquo;) genannt:<\/p><p>&nbsp;<\/p><p class=\"entry_p_center\"><strong>1. Kommodifizierung der Wissenschaftsprodukte<\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Gesch&auml;ftsziel ist die Produktion von Waren, die privat nutzbar und auf dem Markt ver&auml;u&szlig;erbar sind, statt von Kollektivg&uuml;tern: Also werden die Studierenden zu Kunden umdefiniert, die verwendbare Qualifikationen und entsprechende Zertifikate nachfragen und auch mit Studiengeb&uuml;hren bezahlen. Weiterbildungsangebote werden entsprechend zahlungskr&auml;ftiger Nachfrage der Berufst&auml;tigen oder ihrer Arbeitgeber entwickelt. Die Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse zielt ebenfalls auf die zahlungskr&auml;ftige Nachfrage, im wesentlichen &bdquo;der Wirtschaft&ldquo; und &bdquo;der &ouml;ffentlichen H&auml;nde&ldquo;.<br>\nHier stellt sich allerdings schon ein Problem: Wissenschaft kann sich nicht vollst&auml;ndig den Schuh- oder Automobil-Produzenten angleichen &ndash; denn sie unterliegt dem Wahrheitskriterium, Schuhe und Autos m&uuml;ssen dagegen nur n&uuml;tzlich sein. Diese Bindung an das Streben nach Wahrheit macht sogar den spezifischen Gebrauchswert der Wissenschaft aus und verleiht ihren Produkten eine besondere W&uuml;rde und Autorit&auml;t. Sie erst begr&uuml;ndet das Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit. Ein Professor, der von vornherein zugeben w&uuml;rde, dass er sein wissenschaftliches Gutachten inhaltlich an den Interessen des Meistbietenden orientiert, w&uuml;rde dieses Gutachten entwerten. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r die Ware Qualifikation, die nur dann einen Wert hat, wenn sich mit ihr eine dokumentierbare Leistung verbindet: Sollte sich herumsprechen, dass akademische Titel und Zertifikate k&auml;uflich oder doch f&uuml;r Reiche mit wesentlich geringerem Leistungsaufwand zu erwerben sind als f&uuml;r andere, dann w&uuml;rde das die Titel und Zertifikate entwerten.<br>\nDie Umstellung der Wissenschaft von der Produktion &ouml;ffentlicher G&uuml;ter auf die Warenproduktion hat also ihre T&uuml;cken, weil sich auch in der Ware Wissenschaft und der Ware Zertifikat noch bestimmte Wesenselemente des fr&uuml;heren &ouml;ffentlichen Guts wiederfinden lassen m&uuml;ssen. Die &uuml;bliche L&ouml;sung des Problems bei der Privatisierung von &ouml;ffentlichen G&uuml;tern ist die Einrichtung von Regulierungsbeh&ouml;rden, die Mindeststandards sicherstellen, etwa: Landesmedienanstalten, Bundesaufsichtsamt f&uuml;r das Versicherungswesen. Vergleichbares hatten wir bei den Universit&auml;ten schon immer, n&auml;mlich als Staatsaufsicht. Nun aber wird auch diese privatisiert, etwa bei der Akkreditierung neuer Studieng&auml;nge durch miteinander konkurrierende Akkreditierungsfirmen &ndash; gewisserma&szlig;en eine Privatisierung zweiter Ordnung, bei der auch die Kontrolle der Erf&uuml;llung gemeinwohlorientierter Minimalstandards noch in private H&auml;nde gegeben wird. Und wir haben mit dem CHE (Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung) der Bertelsmann-Stiftung ein privates &ndash; und Privatinteressen eines Konzerns f&ouml;rderndes &ndash; &Uuml;ber-Wissenschaftsministerium, das zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen sowohl das neue sogenannte &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; konzipiert hat als auch vom &bdquo;Innovationsminister&ldquo; Pinkwart (FDP) mit der &bdquo;Umsetzung&ldquo; dieser &bdquo;Hochschulfreiheit&ldquo; beauftragt worden ist. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<br>\nDie Umstellung auf Warenproduktion bedeutet auch, worauf Konrad Paul Liessmann in seinem vor einem Jahr erschienenen brillanten Essay &uuml;ber die &bdquo;Theorie der Unbildung&ldquo; hingewiesen hat, eine &bdquo;Industrialisierung&ldquo; des universit&auml;ren Produktionsprozesses, wobei <em>Industrie<\/em>, als Gegenbegriff zu <em>Handwerk<\/em>, verstanden wird als &bdquo;die tendenziell mechanisierte und automatisierte Herstellung von identischen Produkten unter identischen Bedingungen mit identischen Mitteln.&ldquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Liessmann sieht in den Naturwissenschaften mit ihrem Verfahren des Experiments durchaus eine Anschlussstelle f&uuml;r die Industrialisierung von Wissenschaft, w&auml;hrend die Theorieproduktion, die Grundlagenforschung und die Geisteswissenschaften eher dem Handwerksmodell folgen und sich der Standardisierung entziehen.<br>\nDiese Industrialisierung der Produkte von Forschung und &ndash; nicht <em>Lehre<\/em>, sondern &ndash; <em>Ausbildung<\/em> scheint mir die gegenw&auml;rtige &Ouml;konomisierung &uuml;brigens auch f&uuml;r die Gewerkschaften attraktiv gemacht zu haben &ndash; bis hin zur Unterst&uuml;tzung des &bdquo;Bologna-Prozesses&ldquo; durch meine eigene Bildungsgewerkschaft GEW. Ich kritisiere mich selbst als Gewerkschaftsforscher und Gewerkschafter daf&uuml;r, mich nicht fr&uuml;hzeitig gegen diese Politik engagiert zu haben.<\/p><p>&nbsp;<\/p><p class=\"entry_p_center\"><strong>2. Marktabh&auml;ngigkeit der Wissenschaftsproduktion und der Wissenschaftsunternehmen.<\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Diese h&auml;ngt mit der unter 1. genannten Kommodifizierung zusammen, geht aber dar&uuml;ber hinaus und verdient deshalb eine gesonderte Betrachtung. Die &bdquo;Reform&ldquo; begn&uuml;gt sich ja nicht damit, die Universit&auml;ten mehr oder weniger auf die Herstellung verk&auml;uflicher Produkte und Dienstleistungen umzuorientieren. Vielmehr wird ein nationales und globales System der marktf&ouml;rmigen Konkurrenz zwischen den Wissenschaftsunternehmen konstruiert, das auf brutale Resultate ausgerichtet ist: Ruin&ouml;se Konkurrenz nach dem Prinzip &bdquo;Winner takes all&ldquo;. Nur wer an der Spitze mitmischt, wer international in der ersten Liga spielt, und wie die Metaphern alle hei&szlig;en, hat eine &Uuml;berlebenschance.<br>\nDer seit zwei Jahren inszenierte bundesweite &bdquo;Exzellenz&ldquo;-Wettbewerb liefert daf&uuml;r pr&auml;chtige Beispiele. Der Sache nach geht es um die Verteilung unzureichender Mittel f&uuml;r universit&auml;re Forschung durch die staatlichen Haushalte. Um von der Unterfinanzierung des &ouml;ffentlichen Guts &bdquo;wissenschaftliche Forschung&ldquo; abzulenken, wird ein ruin&ouml;ser Wettbewerb um das k&uuml;nstlich verknappte Gut &bdquo;Exzellenz&ldquo; und den Titel &bdquo;Eliteuniversit&auml;t&ldquo; veranstaltet. Wer nicht gewinnt, steigt ab. Diese Anrufung wurde von der Freien Universit&auml;t und auch von unserem Fachbereich besonders begeistert und besinnungslos aufgenommen. Anfang 2006, nachdem die FU zum Wettbewerb um das Label &bdquo;Eliteuniversit&auml;t&ldquo; in die Runde der letzten 10 gekommen war, schrieb Pr&auml;sident Lenzen in einem Rundbrief an alle Professoren der FU:<br>\n&bdquo;In diesen Jahren entscheidet sich, ob die Freie Universit&auml;t unter den ,Top Ten&rsquo; auch weiterhin ihren Platz hat, oder ob sie zur&uuml;ckf&auml;llt. Das bedeutet auch, dass alle strategischen Entscheidungen &uuml;ber Strukturen, Berufungen, Schwerpunkte, Arbeitsziele immer auch vor dem Hintergrund dieses Ziels bewertet und getroffen werden m&uuml;ssen.&ldquo;<br>\nAm Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften wurde Lenzens Marschroute, alles dem Exzellenzwettbewerb unterzuordnen, sofort befolgt: Es gab Umbauma&szlig;nahmen zur Freir&auml;umung eines ganzen Traktes, tempor&auml;re Schlie&szlig;ungen und dauerhafte Verlagerungen ganzer Bibliotheken mitten im Semester mit dem alleinigen Ziel, der externen Bewertungskommission bei einer Begehung vorzuf&uuml;hren, dass das vom Fachbereich geplante Exzellenzcluster f&uuml;r den Fall seiner Bewilligung die ben&ouml;tigten R&auml;ume unverz&uuml;glich bereit stellen k&ouml;nne. Die &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; des Standorts OSI bzw. FB PolSoz sollte um jeden Preis optimiert werden. Das Cluster fiel dann trotzdem durch. Die bis heute leer stehenden R&auml;ume sollen jetzt anderen Zwecken zugef&uuml;hrt werden.<br>\nDer Witz bei dieser Marktunterwerfung ist, dass sie funktioniert, auch wenn ein realer Markt, auf dem G&uuml;ter und Dienstleistungen gegen Geld getauscht werden, gar nicht vorhanden ist. Marktprozesse lassen sich im Universit&auml;tswettbewerb sehr gut simulieren. Eine ganze Industrie von Ranking- und Evaluierungsfirmen versucht einen virtuellen Markt herzustellen, auf dem die einzelnen Universit&auml;ten und Hochschulen verbittert und atemlos um Anteile und Positionen k&auml;mpfen. Auf diesem simulierten Markt ist die Konkurrenz mindestens so  gnadenlos wie auf &bdquo;echten&ldquo; M&auml;rkten. Den ideologischen Konstrukteuren des Marktradikalismus ist es gelungen, einen Real-Bluff zu installieren: Sie k&ouml;nnen, um ein Wort von Wolf Wagner aus seinem ber&uuml;hmten Buch &uuml;ber Uni-Bluff [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] aufzugreifen, den Kuchen essen, ohne ihn &uuml;berhaupt zu haben. Wie gewaltsam diese simulierten Marktzw&auml;nge wirken, wurde mir klar, als ich neulich mit einem ausw&auml;rtigen Mitglied eines Hochschulkuratoriums sprach und von ihm die resignierte Einsch&auml;tzung h&ouml;rte: Kein Hochschulpr&auml;sident k&ouml;nnte sich dem Wettrennen um &bdquo;Exzellenz&ldquo; verweigern, auch wenn er diesen Wettbewerb f&uuml;r politisch unsinnig und gef&auml;hrlich hielte.<br>\nImmerhin k&ouml;nnte ein solcher Pr&auml;sident, wenn es ihn denn g&auml;be, die FU hat ihn nicht, versuchen, ein wenig Sand in das Getriebe der besinnungslosen Konkurriererei zu streuen und sich mit den Mitkonkurrenten zu beraten und vielleicht sogar zu verst&auml;ndigen. &ndash; Denn auf die Frage, ob man aus einer als ruin&ouml;s erkannten Konkurrenz, aus einem <em>race to the bottom<\/em>, aussteigen kann, gibt es in der Tradition der Arbeiterbewegung eine Antwort: Organisierung von Solidarit&auml;t zum Bau von D&auml;mmen gegen Unterbietungskonkurrenz. Darauf komme ich am Ende zur&uuml;ck.<\/p><p>&nbsp;<\/p><p class=\"entry_p_center\"><strong>3. Unternehmisierung des Universit&auml;tsbetriebs<\/strong><\/p><p class=\"entry_p_center\"><strong>3.1. Das Programm der Unternehmisierung<\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Der dritte Restrukturierungsprozess auf dem Wege zum Privatunternehmen betrifft die <strong>Binnenstruktur des Unternehmens<\/strong>. Ich nenne sie &bdquo;Unternehmisierung&ldquo; und nicht &bdquo;Verbetriebswirtschaftlichung&ldquo;, denn gegen gute Betriebsf&uuml;hrung w&auml;re ja nichts einzuwenden. Die Freie Universit&auml;t Berlin hat eine miserable Betriebsf&uuml;hrung, wie sich zu  Beispiel bei der Einf&uuml;hrung des Registrierungssystems &bdquo;Campus Management&ldquo; zeigte &ndash; aber sie wird trotzdem zur unternehmerischsten Hochschule ernannt, weil sie sich den Zielen der Transformation in ein Unternehmen besonders verschrieben hat. &Uuml;ber diese Unternehmisierung der Universit&auml;t am Musterbeispiel FU will ich jetzt ausf&uuml;hrlicher reden.<br>\nWas das neue Leitbild &bdquo;Unternehmen Hochschule&ldquo; bedeutet, l&auml;sst sich gut am Vergleich mit den beiden vorangegangenen Strukturmodellen f&uuml;r deutsche Universit&auml;ten zeigen, etwa was die professionelle Autonomie der Wissenschaftler betrifft, mit den Worten des Grundgesetzes: die Freiheit von Forschung und Lehre:<\/p><ul>\n<li>Die Humboldtsche Gelehrtenrepublik war getragen von gro&szlig;em Vertrauen in eine Wissenschaft, die ihren Wert in sich tr&auml;gt, die Forschung und Lehre miteinander verkn&uuml;pft und damit den Professoren eine sehr gro&szlig;e, lediglich durch dienstrechtliche Aufsicht des Staates eingeschr&auml;nkte, professionelle Autonomie garantiert.<\/li>\n<li>Die gegen den &bdquo;Muff unter den Talaren&ldquo; erk&auml;mpfte Gruppenuniversit&auml;t beschnitt professorale Privilegien durch eine differenzierte Mitbestimmung aller funktionalen Gruppen; beibehalten wurde aber die gro&szlig;e professionelle und fachliche Autonomie derer, die Wissenschaft betreiben.<\/li>\n<\/ul><p>Das Modell &bdquo;Unternehmen Hochschule&ldquo; koppelt dagegen die Produktion von Wissenschaft und Studierendenausbildung direkt an Markterfolge und erlegt den Universit&auml;ten auch die Binnenstruktur eines marktorientierten Unternehmens auf. Darin hat professionelle Autonomie nur noch in dem Ma&szlig;e Platz, wie sie dem Gesch&auml;ftsinteresse dient. Innerhalb der unternehmerischen Universit&auml;t geht es um die optimale Verbindung von Hierarchie und Konkurrenz. Das bedeutet auf jeden Fall die Aufhebung, mindestens aber das Leerlaufenlassen aller Formen von Demokratie und Mitbestimmung. <\/p><p>Ohne jede Bem&auml;ntelung machte dies Margret Wintermantel, Pr&auml;sidentin der Hochschulrektorenkonferenz und damit h&ouml;chste Repr&auml;sentantin der universit&auml;ren Wissenschaft, auf einer Tagung in Berlin im M&auml;rz dieses Jahres deutlich. Uwe Schlicht referierte im &bdquo;Tagesspiegel&ldquo; vom 20.3.2007 unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Wer das Sagen an der Uni hat&ldquo; folgende Aussagen von Wintermantel:<br>\n&bdquo;Die Hochschulen (&hellip;) m&uuml;ssten (&hellip;) lernen, langfristig strategisch zu planen. Diese Professionalisierung falle vielen Pr&auml;sidenten und Dekanen jedoch noch schwer. Darum sei es auch schwierig, neue Rektoren zu finden. Konflikte zwischen den unternehmerisch denkenden Hochschulr&auml;ten oder Kuratorien und den Akademischen Senaten w&uuml;rden aufbrechen. <strong>Doch ben&ouml;tige das Leitungspersonal f&uuml;r die neuen Aufgaben eine umfassende Entscheidungsbefugnis.<\/strong> (Herv. B.Z.) Den Gremien der akademischen Selbstverwaltung weist die HRK-Pr&auml;sidentin die Aufgaben der Beratung und Kontrolle zu. Die Hochschulen wandelten sich zu unternehmerisch gef&uuml;hrten Universit&auml;ten und n&auml;hmen Abschied von der Gruppenuniversit&auml;t der siebziger und achtziger Jahre.&ldquo;<\/p><p>Das ist ein klares Programm: Universit&auml;ten als Wirtschaftsunternehmen <em>sans phrase<\/em>. Wie bei, sagen wir, der Firma Mercedes gibt es zwei &bdquo;unternehmerisch&ldquo; denkende und handelnde Instanzen: den Aufsichtsrat (bei den Unis: Hochschulr&auml;te und Kuratorien, besetzt mit sogenannten &bdquo;unabh&auml;ngigen Pers&ouml;nlichkeiten&ldquo;, die gro&szlig;enteils aus der Wirtschaft kommen) und den Vorstand (&bdquo;das Leitungspersonal&ldquo;). Letzterer braucht, es sei wiederholt, eine &bdquo;umfassende Entscheidungsbefugnis&ldquo;. Es darf also nicht behindert werden durch interne Mitentscheider, die es bei Mercedes auch nicht gibt, n&auml;mlich Gremien der akademischen Selbstverwaltung, Akademische Senate zum Beispiel. Solche Gremien sollen zugunsten der &bdquo;unternehmerisch&ldquo; funktionierenden Instanzen entmachtet werden. Die &bdquo;Gremien der akademischen Selbstverwaltung&ldquo; sollten sich auf &bdquo;Beratung und Kontrolle&ldquo; reduzieren. Nun ist dies ein Widerspruch in sich: Gremien, die nur noch beratend und  kontrollierend t&auml;tig sind, aber keine origin&auml;ren Entscheidungsbefugnisse haben, verdienen nicht mehr den Namen &bdquo;Selbstverwaltung&ldquo;, wie sich z.B. aus dem Vergleich mit der kommunalen Selbstverwaltung ergibt: Wenn Stadtr&auml;te oder Gemeinder&auml;te gegen&uuml;ber den allein entscheidenden B&uuml;rgermeistern und Verwaltungschefs nur noch Beratungs- oder nachtr&auml;gliche Kontrollrechte h&auml;tten, dann g&auml;be es keine kommunale Selbstverwaltung mehr, sondern eine kommunale Diktatur.<\/p><p>Genau dies, die innerbetriebliche Diktatur des Managements, ist erkl&auml;rtes Ziel gegenw&auml;rtiger Umstrukturierungen im Hochschulwesen. Nun ist <em>Diktatur<\/em> offensichtlich ein b&ouml;ser Vorwurf, und genau so will ich diesen Begriff auch verstanden wissen. Das gilt allerdings nur, wenn von Politik, vom Gemeinwesen, die Rede ist. Wirtschaftsunternehmen eine diktatorische Verfassung vorzuwerfen, ist nicht &uuml;blich &ndash; auch als analytische Kategorie kommt der Begriff Diktatur nur in der Politikwissenschaft vor, nicht aber, soweit ich sehe, in der Betriebswirtschaftslehre und den ihr zugeh&ouml;rigen Management- und Organisationslehren. Nur wer auch den Wirtschaftsbetrieb als <em>Gemeinwesen<\/em>, und nicht nur als Veranstaltung zur Profitmaximierung der Kapitaleigner, versteht, kann dann auch, wie Gewerkschaften es tun, jedenfalls den politischen Gegenbegriff von Diktatur: <em>Demokratie<\/em> in die Debatte einf&uuml;hren und die Forderung nach Wirtschaftsdemokratie vertreten oder beklagen, dass die Demokratie am Werkstor aufh&ouml;re.<\/p><p>Wir k&ouml;nnen also auch die Umwandlung der Universit&auml;ten zur &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; &agrave; la Wintermantel und Lenzen verstehen als Versuch, sich den Anforderungen, die sich an die Universit&auml;t als ein Gemeinwesen stellen, zu entziehen. <\/p><p>Der Begriff des Gemeinwesens klingt auch in der Politikwissenschaft ein wenig altmodisch, und f&uuml;r ihn gibt es noch weniger als f&uuml;r andere Begriffe unserer Wissenschaft eine eingef&uuml;hrte anerkannte Definition. Dennoch finde ich ihn n&uuml;tzlich, weil er besonders gut den Unterschied zum privaten Wirtschaftsunternehmen deutlich macht:<br>\nDas private Wirtschaftsunternehmen verfolgt als oberstes Ziel die Erzielung von Gewinn durch den Verkauf seiner Produkte. Das bedeutet immer eine Dominanz der Shareholder, der Anteilseigner, auch wenn diese sich je nach System und &ouml;konomischer Position mehr oder weniger auf die Ber&uuml;cksichtigung anderer Stakeholder: Besch&auml;ftigte, Kunden, andere Unternehmen, einlassen. Das Hauptziel der Profitproduktion wird von keinem der Stakeholder in einem Privatunternehmen ernsthaft in Frage gestellt.<\/p><p>Ein Gemeinwesen dagegen strebt<\/p><ol type=\"a\">\n<li>nicht nach Profit. Vielmehr produziert es &ouml;ffentliche G&uuml;ter oder es erbringt Leistungen, die dem Gemeinwohl, dem gemeinsamen Wohl gr&ouml;&szlig;erer und kleinerer Personengruppen oder sozialer Einheiten dienen. Was als Gemeinwohl und als &ouml;ffentliches Gut verstanden wird, ist in einem Gemeinwesen normalerweise unter den Beteiligten umstritten und bedarf der Diskussion und der Einigung, in Habermas&rsquo; Begriffen: des Diskurses, der Deliberation und der Konsensfindung. Deshalb zeichnet sich ein Gemeinwesen<\/li>\n<li>durch eine <em>politische<\/em> Binnenstruktur aus, durch eine Verfassung, die es erm&ouml;glicht, unterschiedliche Vorstellungen &uuml;ber die gemeinsam zu verfolgenden Ziele diskursiv zu kl&auml;ren und die f&uuml;r alle verbindlichen Entscheidungen unter Anerkennung unterschiedlicher Wertorientierungen und Interessen zu treffen.<\/li>\n<\/ol><p>Eine Universit&auml;t, die sich als Gemeinwesen versteht, wird sich einem &ouml;ffentlichen Auftrag verpflichtet f&uuml;hlen und sich &uuml;ber den Inhalt des &ouml;ffentlichen Auftrags intern streiten: Mehr Leistungsdruck oder mehr freie Entwicklungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Studierenden; mehr Qualifikation zu kritischem Denken oder mehr Anpassung an Anforderungen des Besch&auml;ftigungssystems, mehr Grundlagen- oder mehr Anwendungsforschung, mehr &Ouml;ffnung f&uuml;r Bildungsbenachteiligte oder mehr Selektion von Eliten, mehr &Ouml;ffnung f&uuml;r Arbeitnehmerinteressen oder f&uuml;r Unternehmerinteressen, etc. Einen Teil dieses Streits wird die Universit&auml;t nicht intern allein entscheiden d&uuml;rfen, sondern hier hat auch der Staat als Ausdruck des die gesamte Gesellschaft umfassenden Gemeinwesens mitzureden: Schlie&szlig;lich wird die Universit&auml;t von diesem Gesamtgemeinwesen rechtlich und finanziell mit getragen.<\/p><p>Eine Universit&auml;t nach dem Modell des Privatunternehmens wird sich umdefinieren zur Unterordnung all ihrer T&auml;tigkeiten unter <strong>das oberste Prinzip<\/strong>, auf dem Markt erfolgreich zu sein. Interner Streit &uuml;ber die oben genannten Fragen, die sich beim politischen Thema &bdquo;Was ist der &ouml;ffentliche Auftrag?&ldquo; stellen, mag zwar noch stattfinden, aber er wird nicht mehr in ernster Absicht ausgetragen, sondern als Sandkastenspiel. Er wird durch den Vorrang des Unternehmensziels Markterfolg gewisserma&szlig;en entsubstantialisiert. Diskurs und Deliberation werden zum schm&uuml;ckenden Beiwerk, bleiben folgenlos. Grundlagenforschung? Studienziel kritische Kompetenz? Mehr Frauenf&ouml;rderung? &ndash; Alles schon recht, aber nur wenn der Markt es nicht bestraft! <\/p><p>Der Unterschied zwischen einem Privatunternehmen und einer als Gemeinwesen verstandenen Universit&auml;t betrifft direkt die Anerkennung von professioneller Autonomie. Auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Konzernen m&uuml;ssen ein wenig selbst&auml;ndige T&uuml;ftelei ihrer Konstrukteure und Ingenieure ertragen und f&ouml;rdern &ndash; aber doch nur in den Grenzen eines mindestens mittelfristig erwartbaren Beitrags zum Gesch&auml;ftserfolg.<br>\nEine Universit&auml;t als Gemeinwesen dagegen hat die Grundlagenforscher, die Orchideenf&auml;chler und die Systemkritiker wegen ihres Eigenwerts f&uuml;r die Wissenschaft anzuerkennen und institutionell zu f&ouml;rdern.<\/p><p>Die Unternehmisierung der deutschen Universit&auml;t, bei der die FU stolz allen anderen voran schreitet, ist also ein, um es noch einmal zu sagen, sehr deutlicher Bruch mit den beiden vorangegangenen Universit&auml;tsmodellen, die beide Gemeinwesen waren:<br>\nDie Humboldtsche Gelehrtenrepublik, auch wenn sie in Deutschland im XX. Jahrhundert zur autorit&auml;ren Ordinarienuniversit&auml;t degeneriert war, hatte die Struktur einer durch Kooptation rekrutierten aristokratischen Republik, in dem nur der Professorenstand Vollb&uuml;rgerrechte genoss. Dass die selbstherrlichen Ordinarien sich von den Nazis bereitwillig bis widerstandslos gleichschalten lie&szlig;en, h&auml;tte diese Struktur schon 1945 dringend reformbed&uuml;rftig erscheinen lassen m&uuml;ssen. Zu dieser Reform kam es aber erst mit der Studentenbewegung.<br>\nAuf ihren Druck hin wurde das aristokratische Gemeinwesen Professorenrepublik ersetzt durch ein demokratischeres Gemeinwesen der Mitbestimmung aller an der Produktion von Forschung und Lehre beteiligten Gruppen. Da das OSI, eben auch dieses Geb&auml;ude und dieser H&ouml;rsaal A, im Jahre 1968 ein wichtiger Ort grunds&auml;tzlicher Auseinandersetzung um die k&uuml;nftige Hochschulstruktur war, will ich, gewisserma&szlig;en als Zeitzeuge, einige hier ausgetragene Debatten in Erinnerung rufen. Konsens war damals, dass die Ordinarienuniversit&auml;t demokratisiert werden m&uuml;sse. Die radikalen Linken forderten, dass Grundsatzentscheidungen &uuml;ber die Universit&auml;t durch Vollversammlungen oder Urabstimmungen, bei denen f&uuml;r alle Uni-Angeh&ouml;rigen das Prinzip <em>one man one vote<\/em> gelte, zu f&auml;llen seien. Die gem&auml;&szlig;igten sozialdemokratischen Reformer forderten, dass die Mitentscheidungsrechte der Gruppen nach ihrer professionellen Kompetenz und auch nach der Dauerhaftigkeit ihrer Bindung an die Uni gestaffelt w&uuml;rden. Dies ber&uuml;cksichtigend einigte man sich auf die Drittelparit&auml;t von ordentlichen Professoren (das waren damals am OSI 11), von wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern und von Studenten. Unbestritten war dabei die Qualit&auml;t des OSI als Gemeinwesen, also als Organisation mit einem ideellen Ziel, dessen Angeh&ouml;rige trotz unterschiedlicher Gruppeninteressen m&ouml;glichst demokratisch ihre Kooperation organisieren. Das Gemeinwesen OSI sollte &uuml;berdies dem Gemeinwesen &bdquo;Gesellschaft&ldquo; dienen. Als Ziel der am OSI betriebenen Wissenschaft wurde in der OSI-Satzung 1968 definiert:<br>\n&bdquo;Das Institut untersucht in Forschung und Lehre die Gestaltung des &ouml;ffentlichen Lebens unter empirisch-analytischen und normativen Aspekten; es erarbeitet damit die Voraussetzungen f&uuml;r die Erweiterung von Freiheit und Selbstbestimmung in allen Bereichen der Gesellschaft.&ldquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<br>\nDie OSI-Satzung, in der das stand, enthielt im &uuml;brigen zum ersten Mal in der deutschen Universit&auml;tsgeschichte die Drittelparit&auml;t und die Einrichtung von fachbezogenen Untereineinheiten statt des alten Ordinarienprinzips, nach dem jeder Professor ohne Abstimmung mit seinen Kollegen &uuml;ber die Inhalte seiner Forschung und seiner Lehre allein entschied. Vom OSI ausgehend wurde damals die Mitbestimmung aller Gruppen zum Leitprinzip der Hochschulstrukturreformen in West-Berlin und letztlich in allen Bundesl&auml;ndern. Die heute geschm&auml;hte &bdquo;Gruppenuniversit&auml;t&ldquo; ist hier, in diesen R&auml;umen, erfunden worden &ndash; und wir verteidigen sie viel zu schlecht und zu mutlos gegen das Modell Lenzen\/Wintermantel.<\/p><p>Dieses Modell der unternehmerischen Universit&auml;t nimmt vollst&auml;ndig Abschied von der Idee und der Tradition der Universit&auml;t nicht nur als Gruppenuniversit&auml;t sondern &uuml;berhaupt als Gemeinwesen. <\/p><p>Dies zeigt sich beim FU-Pr&auml;sidenten Lenzen auch am Geschichtsbild. Im Mai 2007 legte Lenzen dem Akademischen Senat ein auf 10 Seiten formuliertes &bdquo;Zukunftskonzept&ldquo; unter dem Titel &bdquo;Freie Universit&auml;t Berlin &ndash; Internationale Netzwerkuniversit&auml;t&ldquo; vor. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Darin gibt es zwei R&uuml;ckblicke auf die Geschichte der FU. Der erste verweist unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Freiheitsgeschichte&ldquo; auf die Gr&uuml;ndung 1948 als &bdquo;Antwort auf die Verfolgung und Ermordung systemkritischer Studenten der im damaligen sowjetischen Sektor des geteilten Berlin befindlichen Universit&auml;t unter den Linden (ab 1949 Humboldt Universit&auml;t).&ldquo; (ebda. S. 1) Der Text geht weiter mit der internationalen Unterst&uuml;tzung, die diese Gr&uuml;ndung erhielt, und damit, dass die FU rasch eine der gr&ouml;&szlig;ten deutschen Universit&auml;ten wurde, die heute mit der Humboldt-Universit&auml;t vielfach kooperiert. Unter &bdquo;Freiheitsgeschichte&ldquo; wird also im wesentlichen mitgeteilt, dass die FU eine viel freiheitlichere Tradition habe als die Humboldt-Universit&auml;t, mit der sie ja derzeit um den Titel &bdquo;Elite-Universit&auml;t&ldquo; konkurriert. Ein sch&ouml;nes Beispiel daf&uuml;r, wie der so hochgelobte Wettbewerb der Universit&auml;ten diese zur Geschichtsklitterung, also zur Unwissenschaftlichkeit, verleitet.<br>\nDenn: Was unbedingt auch zur Freiheitsgeschichte unserer Universit&auml;t geh&ouml;rt h&auml;tte, bleibt unerw&auml;hnt, n&auml;mlich dass die FU von den &bdquo;systemkritischen&ldquo; Studenten selber ma&szlig;geblich mit gegr&uuml;ndet wurde, w&auml;hrend viele Professoren opportunistisch und z&ouml;gerlich abwarteten, und dass deshalb schon seit 1948 die Studierenden in allen Gremien der FU durch von ihnen gew&auml;hlte Repr&auml;sentanten vertreten waren. &bdquo;Berliner Modell&ldquo; hie&szlig; dieser fr&uuml;he Einstieg in die sp&auml;ter so getaufte &bdquo;Gruppenuniversit&auml;t&ldquo; damals, und die FU war stolz darauf.<br>\nErst recht h&auml;tte zur Freiheitsgeschichte auch die f&uuml;hrende Rolle der FU in der Studentenbewegung und bei der Studien- und Hochschulreform der Jahre 1965-1969 geh&ouml;rt. Damals wurde im Gemeinwesen FU heftig um verschiedene Freiheitsbegriffe gestritten.  Niemand wird von dem derzeitigen Pr&auml;sidenten erwarten, dass er die damaligen Umbr&uuml;che und Reformen auch noch positiv w&uuml;rdigt, aber sie einfach zu verschweigen, ist unredlich.<\/p><p>Es bleibt aber nicht beim Verschweigen. Im zweiten historischen Abschnitt des Zukunftspapiers, unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Reformuniversit&auml;t&ldquo;, wird der Begriff &bdquo;Reform&ldquo; den Reformern fr&uuml;herer Perioden schlicht entwendet. Nach der Vorlage des Pr&auml;sidenten Lenzen wird die FU erst &bdquo;nach der Wende 1989, verst&auml;rkt aber seit 2000&ldquo; zur Reformuniversit&auml;t. Was ist damit gemeint? Im Text hei&szlig;t es: &bdquo;eine neue Grundordnung, ein new public management, (der) Bologna-Prozess, eine profilbildende Strukturplanung, ein Qualit&auml;tsmanagementsystem, eine Verbesserung der Einnahmesituation sowie technische und bauliche Modernisierungen&ldquo;. Das passt gut in die zitierten IPO-Richtlinien zur B&ouml;rsenreife von Unternehmen. Es ist der marktliberale &bdquo;Reform&ldquo;-Begriff, um dessen Alleingeltung sich die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit ihrem F&ouml;rdermitglied Lenzen nach Kr&auml;ften und leider ziemlich erfolgreich bem&uuml;ht.<br>\nIn dieser Alleingeltung, in dieser Aneignung und Monopolisierung des Reformbegriffs durch ignorante und arrogante Macht liegt f&uuml;r mich das Emp&ouml;rende: Dass andere fr&uuml;her unter Reform etwas sehr anderes verstanden, n&auml;mlich Ausweitung von Demokratie und Gerechtigkeit, oder um es mit der OSI-Satzung von 1968 zu sagen, &bdquo;Erweiterung von Freiheit und Selbstbestimmung in allen Bereichen der Gesellschaft&ldquo;, wird historisch ausradiert, kommt im Selbstbild der Freien Universit&auml;t &uuml;berhaupt nicht mehr vor. Hier wird diskursive Macht, hier wird geschichtspolitische Deutungshoheit nicht nur angestrebt, sondern herrschaftlich-pr&auml;sidial ausge&uuml;bt.<br>\nDabei kommt es auf faktische Genauigkeit und Stimmigkeit nicht an. Zum Beispiel werden die Reformen seit dem Jahre 2000 als Ursache f&uuml;r eine an der FU eingetretene massive Steigerung der Forschungsleistungen genannt. Als erstes Beispiel f&uuml;r F&auml;cher &bdquo;mit der besten Performance&ldquo;, vor allem durch Drittmitteleinwerbung, Absolventenziffern und Promotionen, wird unser Fach Politikwissenschaft genannt. Nun stand das OSI aber schon lange vor der Lenzenschen &bdquo;Reform&ldquo; bei diesen Indikatoren, vor allem bei der Drittmitteleinwerbung &ndash; und zwar von anerkannten Stiftungen und nicht von Privatunternehmen &ndash; vergleichsweise sehr gut da, &auml;hnlich wie bei den Promotionen; all dies hat mit Lenzens Managementsystemen, Profilbildungen und dem Bologna-Prozess nicht das geringste zu tun. Eher schon damit, dass sich am OSI ein der Idee eines wissenschaftlichen Gemeinwesens verpflichtetes, alle am Wissenschaftsprozess beteiligten Gruppen umfassendes Ethos des legitimen politischen Streits und der Kooperation lange erhalten hat.<\/p><p>Ein genauerer Blick auf die Umwandlung der Freien Universit&auml;t von einem Gemeinwesen in ein vom Management gef&uuml;hrtes Unternehmen zeigt auf der programmatischen Ebene eine Doppellogik und eine entsprechende Doppelstruktur. Die schon benannte Problematik, dass die Produkte der Universit&auml;t ihren Marktwert gef&auml;hrden, wenn die Uni zu einem Waren produzierenden Unternehmen wie alle anderen wird und dabei ihren Anspruch unabh&auml;ngiger, ja zweckfreier Wahrheitssuche aufgibt, spiegelt sich in spezifischer Weise auch im FU-Zukunftskonzept 2007 wider.<br>\nDas Wort &bdquo;Doppelstruktur&ldquo; geh&ouml;rt sogar zu den Leitbildern des Papiers. Sie wird wie folgt beschrieben:<br>\n&bdquo;Seit 2003 hat die Freie Universit&auml;t eine Doppelstruktur entwickelt. Da Forschung auf internationalem Niveau nur interdisziplin&auml;r geleistet werden kann, existiert neben der Struktur der f&uuml;r die akademischen Angelegenheiten, insbesondere die Lehre, zust&auml;ndigen Fachbereichsstruktur eine Clusterstruktur der Forschungsschwerpunkte&ldquo; (ebd. S. 3)<br>\nEs lohnt sich, diese Selbstbeschreibung der FU genau zu betrachten. Es gibt also innerhalb der Universit&auml;t zwei Strukturen, die offenbar gleichwertig und gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die eine Struktur, die herk&ouml;mmliche, wird als &bdquo;akademisch&ldquo; bezeichnet und hat vor allem mit der Lehre zu tun.  Diese Struktur wird auch &bdquo;Fachbereichsstruktur&ldquo; genannt, was wohl hei&szlig;en soll, dass die Fachbereiche als Selbstverwaltungseinheiten in ihr weiterhin eine Rolle spielen sollen.<br>\nDie zweite, daneben stehende Struktur wird &bdquo;Clusterstruktur&ldquo; genannt. Sie ist offensichtlich nicht &bdquo;akademisch&ldquo;, hat mit der Lehre nichts zu tun und entzieht sich der herk&ouml;mmlichen &uuml;ber die Fachbereiche organisierten akademischen Selbstverwaltung. Diese Struktur besteht aus einem Dreigestirn von &bdquo;Zentren&ldquo;, einem <em>Zentrum f&uuml;r Clusterentwicklung<\/em>, einem <em>Zentrum f&uuml;r Graduiertenstudien<\/em> und einem <em>Zentrum f&uuml;r internationalen Austausch<\/em>. Alle drei &bdquo;Zentren&ldquo; werden &bdquo;strategische Zentren&ldquo; genannt und sind Teil des zentralen Universit&auml;tsmanagements. Die Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Einrichtung dieser zweiten Struktur lautet ganz einfach, dass Forschung auf internationalem Niveau nur interdisziplin&auml;r geleistet werden k&ouml;nne.<br>\nDies ist offensichtlich Unsinn: Es gibt hochspezialisierte monodiziplin&auml;re internationale Netzwerke und Z&uuml;nfte von Forschern. Andererseits waren Interdisziplinarit&auml;t und Internationalit&auml;t schon immer Prinzipien guter Wissenschaft, ihr Fehlen war schon immer ein Kritikpunkt an verkrusteten Strukturen, z.B. an professoralen Erbh&ouml;fen. Fr&uuml;her hat man daraus aber keine Forderung nach Umwandlung der Universit&auml;t in ein Unternehmen abgeleitet, und schon gar nicht eine &bdquo;Doppelstruktur&ldquo; von einerseits akademischen, andererseits Forschungs-Angelegenheiten, die der akademischen Selbstverwaltung zu entziehen seien, postuliert.<br>\nMit Lenzens Doppelstruktur-Konzept wird die Einheit von Forschung und Lehre ausdr&uuml;cklich aufgek&uuml;ndigt. Mit diesem Konzept wird die Forschung explizit der Mitbestimmung der Gremien der Gruppenuniversit&auml;t entzogen. Und dies alles vollst&auml;ndig am geltenden Hochschulgesetz vorbei, das mit seinen Experimentier- und &Ouml;ffnungsklauseln zwar den Universit&auml;ten auch strukturelle Umgestaltungsm&ouml;glichkeiten gibt &ndash; aber sicherlich nicht die, eine v&ouml;llig demokratiefreie Managementstruktur f&uuml;r die Forschung einfach durch pr&auml;sidialen Ukas gleichberechtigt neben die akademische Selbstverwaltung zu stellen.<br>\nUnd so, als simples  Nebeneinander der akademisch-gemeinwesenorientierten Struktur und der Managementstruktur der Forschung, kann und soll es nach Lenzens Zukunftskonzept ja auch gar nicht funktionieren. Der in der &bdquo;Doppelstruktur&ldquo; liegende Widerspruch muss aufgel&ouml;st werden. Wie das geschehen soll, ist unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Steuerung des Zukunftsprojekts&ldquo; nachzulesen:<br>\n&bdquo;Die Steuerung des Zukunftsprojekts geht vom Willen und der Expertise der Wissenschaftler(innen) aus. Sie organisieren sich in den Focus areas und in den Clusters und Forschungsschwerpunkten nach selbst gesetzten Richtlinien. Diese strikte bottom-up-Orientierung ist die Voraussetzung f&uuml;r eine erfolgreiche Arbeit im wissenschaftlichen Bereich.&ldquo;<br>\nWer nun aufatmet, weil das System anscheinend doch von unten nach oben funktioniert und die professionelle Autonomie respektiert, hat sich zu fr&uuml;h gefreut. Denn: Die Motivation der Wissenschaftler(innen) ist halt nur der Ausgangspunkt, der Rohstoff. Dessen Verarbeitung geschieht umgekehrt, &bdquo;top-down&ldquo;, n&auml;mlich so:<br>\n&bdquo;Die Organisation des Prozesses im Sinne der Projektsteuerung obliegt einer Stabsgruppe des Pr&auml;sidenten, die auch f&uuml;r die Organisation der Evaluation in einem international &uuml;blichen Regelkreismodell zust&auml;ndig ist. Die Qualit&auml;tssicherung wird verst&auml;rkt durch eine mit der LMU &ldquo;das ist die schon auf dem Olymp der Elite-Unis angekommene M&uuml;nchener Ludwigs-Maximilians-Universit&auml;t, B.Z.&rdquo; vereinbarte Zusammenarbeit im Rahmen des Benchmarking-Prozesses. Die wissenschaftliche Qualit&auml;tssicherung erfolgt durch die laufende Beratungst&auml;tigkeit des aus 25 Mitgliedern bestehenden Exzellenzrates f&uuml;r die Forschung der Universit&auml;t sowie durch den Internationalen Beirat im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit.&ldquo; <\/p><p>Wir sollten genau verstehen, was uns hiermit verk&uuml;ndet ist: Der Prozess zur Gestaltung der Zukunft der FU wird also gesteuert, und zwar vom Stab des pr&auml;sidialen Chefmanagers und von R&auml;ten und Beir&auml;ten aus ausw&auml;rtigen Hochkommissaren, die dieser Pr&auml;sident beruft und die die Marktposition und Wettbewerbsf&auml;higkeit des Unternehmens FU und seiner Produkte, damit letztlich auch seines Personals, st&auml;ndig &uuml;berpr&uuml;fen, evaluieren, bewerten sollen.<br>\nEs folgt ein schmaler Satz: &bdquo;Die gesetzlichen Zust&auml;ndigkeiten der Organe der Freien Universit&auml;t (&hellip;) bleiben unber&uuml;hrt.&ldquo;  Mit der salvatorischen Klausel &bdquo;bleiben unber&uuml;hrt&ldquo; pflegen Juristen oft eigentlich nicht mehr gewollte, leider formal noch geltende, demn&auml;chst m&ouml;glichst abzuschaffende Normen zu kennzeichnen. Klar ist jedenfalls, dass im Zweifelsfall die Steuerung durch das zentrale Management sich gegen&uuml;ber jedwedem Eigensinn der professionellen Wissenschaftler durchsetzt.<br>\nNoch eine Bemerkung zum Begriff &bdquo;Netzwerk&ldquo;, der in Lenzens Papier zentral ist. Der Begriff ist entlehnt von den Alternativbewegungen und ihrem <em>antihierarchischen<\/em> und <em>antizentralistischen<\/em> Anspruch aus dem 70er und 80er Jahren. F&uuml;r das Lenzensche Konzept l&auml;sst sich dagegen der antizentralistische Anspruch mit &bdquo;Markt&ldquo;  &uuml;bersetzen, und der antihierarchische Anspruch wird aufgel&ouml;st in Richtung der Konkurrenz zwischen intern hierarchisch strukturierten Einheiten, eine Konkurrenz, die, sonst w&auml;re es ja kein &bdquo;Netzwerk&ldquo;, durch vielf&auml;ltige kl&uuml;ngelartige und seilschaftliche Privatverbindungen unter den Hierarchen gemindert wird &ndash; eigentlich genau so wie in  der alten Ordinarienuniversit&auml;t. &Auml;hnlich wie beim Begriff &bdquo;Reform&ldquo; wird auch beim urspr&uuml;nglich hierarchie- und marktkritisch gemeinten Begriff &bdquo;Netzwerk&ldquo; eine vollkommen marktradikale Umdefinition vorgenommen. <\/p><p>Auch in anderen &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen scheut sich der FU-Pr&auml;sident nicht, sich klar zum Vorrang des Managementprinzips vor dem externen und internen Demokratieprinzip zu bekennen. Das wird in einem Streitgespr&auml;ch zwischen ihm und dem damaligen Wissenschaftssenator Thomas Flierl deutlich, das der &bdquo;Tagesspiegel&ldquo; am 12.9.2005 dokumentiert. Da hier der Kern der Kontroverse getroffen wird, zitiere ich ausf&uuml;hrlich.<\/p><blockquote><p>LENZEN: Wenn man einen Wettbewerb zwischen den Universit&auml;ten w&uuml;nscht, dann geh&ouml;rt nat&uuml;rlich dazu, dass diejenigen, die f&uuml;r die Institution verantwortlich sind, auch die Personalpolitik machen k&ouml;nnen. In erster Linie die Fachleute aus den Fachbereichen. Die gesamtstrategische Steuerung muss in die H&auml;nde der Hochschulleitungen, also der Dekanate und Pr&auml;sidien, gebracht werden. Denn die Gesamtlinie einer Uni kann nicht von einer Berufungskommission &uuml;berblickt werden. Kein Mensch k&auml;me auf die Idee, die Bereichsleiter bei Mercedes durch den Wirtschaftsminister oder die Belegschaft ausw&auml;hlen zu lassen. Oder nehmen wir den Exzellenzwettbewerb. Der wird zu einer einzigartigen Verschiebung von Schwerpunkten in den Universit&auml;ten f&uuml;hren. Deshalb haben DFG und Wissenschaftsrat den Hochschulleitungen als Antragstellern eine besondere Rolle zugewiesen.<br>\nFLIERL: Ich kann verstehen, dass aus der Sicht eines Pr&auml;sidenten unternehmens&auml;hnliche Steuerungsmodelle beispielgebend sind. Aber es kann nicht sein, dass sich Pr&auml;sidialregime entwickeln, die sich &uuml;ber die Gremien hinwegsetzen. Es gab ja das b&ouml;se Wort von Gerhard Casper, dem ehemaligen Stanford-Pr&auml;sidenten, Demokratie habe an den Hochschulen nichts zu suchen. Ich sage: Autonomie als Selbstzweck bringt nichts. Das f&uuml;hrt nur zu st&auml;rkerer Hierarchisierung in der Hochschule und zur st&auml;rkeren Auslieferung an Partner, die nicht unmittelbar das &ouml;ffentliche Interesse vertreten. Autonomie kann nur  mit doppelter Demokratisierung verbunden sein, nach innen und gegen&uuml;ber der Gesellschaft.&ldquo; (Tagesspiegel, 12.09.2005, S. 25)<\/p><\/blockquote><p>Lenzen und Flierl haben die Sache pr&auml;zise auf den Punkt gebracht. Flierl verteidigt das Gemeinwesen Universit&auml;t im Rahmen des gr&ouml;&szlig;eren demokratischen Gemeinwesens. Lenzen kennt nur ein Modell: Mercedes, den privaten Weltkonzern. Thomas Flierl war ein Senator, dessen Einsichtsverm&ouml;gen leider nicht von entsprechendem Durchsetzungsverm&ouml;gen begleitet war.<br>\nAm Ende des Streitgespr&auml;chs spitzt Lenzen seine marktradikale Botschaft noch einmal zu:<\/p><blockquote><p>Ich kann nur hoffen, dass wir nicht noch einmal in eine Grundsatzdebatte &uuml;ber die Funktion der Hochschulen hineingezogen werden. Wir m&uuml;ssen in den n&auml;chsten zwei Jahren alle Kr&auml;fte auf den Exzellenzwettbewerb konzentrieren. Daher kann ich nur appellieren, das Thema ein f&uuml;r allemal zu beenden und die Wettbewerbsf&auml;higkeit der Berliner Universit&auml;ten nicht weiter zu gef&auml;hrden.&ldquo; (Ebda.)<\/p><\/blockquote><p>Dies ist nun ein offener Angriff auf intellektuelle Selbstreflexion, auf sich selbst zum Gegenstand machende Wissenschaft, auf kritische Wissenschaft &uuml;berhaupt. Selbstreflexion, Selbstzweifel gar, gef&auml;hrden die Marktchancen seines Unternehmens. Deshalb m&ouml;chte Lenzen solche Grundsatzdebatten unterbinden, und zwar nicht nur in den n&auml;chsten zwei Jahren, w&auml;hrend die Konkurrenz um die Exzellenz tobt und alle Kr&auml;fte bindet, sondern &bdquo;ein f&uuml;r allemal&ldquo;. Warum? Na klar: Die Konkurrenz wird ewig weiter gehen, und deshalb hat der Chefmanager immer Grund, die Mitarbeiter zum &auml;u&szlig;ersten Einsatz im Kampf  um Marktanteile anzufeuern und sie von jedem intellektuellen Zweifel an dem Sinn ihres Tuns abzuhalten. Schon vor 6 Jahren haben kluge Beobachter der franz&ouml;sischen Szene diese Haltung als &bdquo;Anwachsen eines wahrhaftigen Anti-Intellektualismus&ldquo; unter Akademikern und Universit&auml;tslehrern beschrieben. [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Unter Lenzen wird dieser Anti-Intellektualismus zum Programm gemacht. <\/p><p>&nbsp;<\/p><p class=\"entry_p_center\"><strong>3.2. Die Praxis der Unternehmisierung der FU Berlin<\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Der n&auml;chste Abschnitt dieses Vortrags sollte sich eigentlich mit <strong>Widerspr&uuml;chen zwischen Programm und Realit&auml;t<\/strong> besch&auml;ftigen, etwa in dem Sinne, dass das Programm der Lenzenschen &bdquo;Reformuniversit&auml;t&ldquo; noch eine reale Doppelstruktur enth&auml;lt mit <\/p><ul>\n<li>einerseits Mitbestimmung, Chancen f&uuml;r selbst&auml;ndige Wissenschaft und Selbstreflexion, professionelle Autonomie, Wahrheitssuche um ihrer selbst willen<\/li>\n<li>und andererseits eben Wettbewerbsf&auml;higkeit, Markt, Konkurrenz, kurzum Modell Privatunternehmen &agrave; la Mercedes.<\/li>\n<\/ul><p>Das genaue Nachlesen der Lenzenschen Programme hat mir da die Illusionen gr&uuml;ndlich ausgetrieben. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Programm und Realit&auml;t an der FU. Die Praxis ist ganz einfach: Die in der Doppelstruktur angelegten Widerspr&uuml;che werden, wenn&rsquo;s drauf ankommt, regelm&auml;&szlig;ig und ausnahmslos zugunsten der Leitung und ihrer &bdquo;umfassenden Entscheidungsbefugnis&ldquo; (Wintermantel) aufgel&ouml;st. Der Wille des Pr&auml;sidenten, des Generalmanagers (bei der Vorliebe dieser Manager f&uuml;r das Englische als Herrschaftssprache verwundert es, dass sie sich nicht l&auml;ngst selbst als CEO, als Chief Executive Officer, bezeichnen) ist oberstes Gesetz.<\/p><p>Wenn ich diese Praxis jetzt anhand eigener Erfahrungen beschreibe, dann zur Illustration eines Befundes, der mich selbst &uuml;berrascht und nachtr&auml;glich besch&auml;mt &ndash; n&auml;mlich dass die sogenannte akademische Selbstverwaltung, als ich in ihr noch eifrig t&auml;tig war, schon l&auml;ngst durch die Lenzenschen &bdquo;Reformen&ldquo;, durch das Prinzip der Umwandlung des Gemeinwesens Universit&auml;t in einen privatwirtschaftlichen Betrieb, entsubstantialisiert und entfunktionalisert war. <\/p><p>Ich war am OSI Gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Direktor, lange Jahre Vorsitzender des Pr&uuml;fungsausschusses, Mitglied des Instituts- und des Fachbereichsrats. Ich erlebte in diesen Funktionen zum Beispiel folgendes:<\/p><ul>\n<li>Fachlich begr&uuml;ndete und beschlossene Vorschl&auml;ge des OSI zur Ernennung bestimmter Personen zu au&szlig;erplanm&auml;&szlig;igen Professoren wurden vom daf&uuml;r zust&auml;ndigen Ersten Vizepr&auml;sidenten nach eigenen Vorlieben umgeordnet. Die Begr&uuml;ndung daf&uuml;r lautete, sofern die Fachvertreter &uuml;berhaupt des Empfangs einer Begr&uuml;ndung f&uuml;r w&uuml;rdig erachtet wurden, dass das Pr&auml;sidium besser als das OSI &uuml;berblicken k&ouml;nne, welche Berufungen dem von der Universit&auml;tsleitung angestrebten Profil am besten entspr&auml;chen. Da gab es dann auch Empfehlungen aus dem FU-Pr&auml;sidium, etwa: Schlagt doch lieber Herrn A als Frau B vor! Herr A hat sich in den Medien einen Namen gemacht! oder: Wenn das OSI zwei Gr&uuml;ne benennt, ist das zuviel!<\/li>\n<li>Durch Kommissionen erarbeitete Vorschlagslisten f&uuml;r die Besetzung von Dauer-Professuren &ndash; und die sind selbstverst&auml;ndlich f&uuml;r die Zukunft des Instituts noch viel wichtiger als die zuvor genannten apl. Professuren &ndash; wurden vom Pr&auml;sidium ebenfalls   mit derselben Begr&uuml;ndung &ndash; &bdquo;Wir als Uni-Leitung sind zust&auml;ndig f&uuml;rs Profil&ldquo; &ndash; angehalten, zur&uuml;ckgewiesen, gestoppt, zur&uuml;ckgezogen, statt, wie es sich bei Respektierung der Fachkompetenz geh&ouml;rt h&auml;tte, an den f&uuml;r die Berufung zust&auml;ndigen Senator weitergeleitet.<\/li>\n<li>Das Prinzip der Selbstfinanzierung wurde auch jenen Service-Einrichtungen der FU aufgezwungen, die nach einem vor-neoliberalen Verst&auml;ndnis eine Bringschuld gegen&uuml;ber der Gesellschaft haben, etwa der Kooperationsstelle FU-DGB. Diese Kooperationsstelle kann seit dem Wandel zu Lenzens &bdquo;Reformuniversit&auml;t&ldquo; Angebote f&uuml;r Arbeitnehmer nur noch dann machen, wenn die Kosten von den Arbeitgebern oder von den Teilnehmern selbst bezahlt werden.<\/li>\n<li>Bei der Beantragung von gr&ouml;&szlig;eren Forschungsprojekten aus den Fachbereichen ist die Unterst&uuml;tzung durch den Pr&auml;sidenten ein entscheidendes Kriterium f&uuml;r die F&ouml;rderung dieses Projekts durch Drittmittelgeber, etwa die Deutsche Forschungsgemeinschaft; mithin m&uuml;ssen sich die Wissenschaftler als Antragsteller nicht nur um die Qualit&auml;t ihres Vorhabens, sondern auch um das politische Wohlwollen der Universit&auml;tsleitung bem&uuml;hen;<\/li>\n<li>Bei der Planung f&uuml;r die &bdquo;Lange Nacht der Wissenschaft&ldquo; vor einigen Jahren wurde eine Initiative aus dem Fachbereich, geplant von Peter Grottian gemeinsam mit anderen Dozenten und Studierenden, deshalb gestoppt, weil der Pr&auml;sident, in seiner &uuml;bergeordneten Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r das Profil der FU, Grottian schlicht nicht wollte. Also verbot er einfach diese Initiative, und der damalige Dekan stellte diesen Befehl ebenso einfach durch. (Es ist ja bei Lenzen, wie im Tagesspiegel-Streitgespr&auml;ch 2005 klar wurde, f&uuml;r die Dekane die Rolle eines Fachbereichs- oder Abteilungsleiters wie bei Mercedes vorgesehen. Der damalige Dekan ist dieser Rolle voll gerecht geworden.)<\/li>\n<\/ul><p>Wie in einem Wirtschaftsunternehmen muss man sich also &bdquo;mit denen da oben&ldquo; gut stellen, sonst wird man nichts, sonst kriegt man nichts, sonst ist man ein <em>&bdquo;loser&ldquo;<\/em>. <\/p><p>Schon bevor Pr&auml;sident Lenzen die Umwandlung der FU nach dem &bdquo;Modell Mercedes&ldquo; zum obersten Entwicklungsziel erkl&auml;rt hatte, gab es zwei grundlegende Umbr&uuml;che der Freien Universit&auml;t in Richtung auf privatwirtschaftliche Strukturen &ndash; die Zielvereinbarungen der Fachbereiche mit dem Pr&auml;sidium und die Einrichtung von Kostenstellen f&uuml;r die einzelnen Wissenschaftsproduzenten, d.h. f&uuml;r Professoren. <\/p><ul>\n<li>In den Zielvereinbarungen zwischen dem Pr&auml;sidenten und den Dekanen der Fachbereiche wird entsprechend den Ideen der Zentrale festgelegt, was die Fachbereiche tun sollen &ndash; wenn  nicht, erhalten sie weniger Haushaltsmittel. Gewiss kann dabei den Fachbereichen im Prinzip ebenso Sinnvolles wie Unsinniges auferlegt werden, etwa: Frauenf&ouml;rderung oder aber, im Fall des OSI und seiner Berufsfeldorientierung im Hauptstudium besonders unsinnig: Reduzierung der Lehrauftr&auml;ge von Praktikern. Ob Sinnvolles oder Unfug beg&uuml;nstigt wird, entscheidet aber nicht die Fakult&auml;t nach ihren fachlichen Gesichtspunkten, sondern die Zentrale, und die entscheidet nicht nach generellen Richtlinien, sondern nach Gutd&uuml;nken im Einzelfall. An die Stelle des allgemeinen Gesetzes tritt der Vertrag als privatrechtliches Instrument, so wie schon bei den Vertr&auml;gen des Senats von Berlin mit den einzelnen Hochschulen &uuml;ber deren Finanzierung. Aber w&auml;hrend diese Vertr&auml;ge wenigstens formal noch einer Ratifizierung durch das Landesparlament bed&uuml;rfen, sind die analogen &bdquo;Zielvereinbarungen&ldquo; auf der n&auml;chst unteren Ebene, also zwischen dem Universit&auml;tspr&auml;sidium und den Fachbereichen, weitgehend geheime Vereinbarungen zwischen Chefs, die sich nicht in die Karten gucken lassen. Mehrere gesch&auml;ftsf&uuml;hrende Direktoren des OSI haben K&auml;mpfe gegen die Dekane ausgefochten, allein darum, dass sie und die gew&auml;hlten Gremien an der Abfassung solcher Zielvereinbarungen beteiligt wurden. Ein fr&uuml;herer Dekan verweigerte dem Institutsrat des OSI sogar die Information &uuml;ber den Inhalt der zwischen ihm und dem Pr&auml;sidenten abgeschlossenen Zielvereinbarung, obwohl dieser Inhalt die Gesch&auml;ftsgrundlage f&uuml;r den Institutshaushalt war. In der politischen Theorie und der Verfassungstheorie gibt es den Unterschied zwischen Gesetzen, die vom Parlament zu beschlie&szlig;en sind, und Vertr&auml;gen, die vom Parlament nur noch ratifiziert &ndash; oder eben auch abgelehnt &ndash; werden k&ouml;nnen. Dann gibt es noch, bei ausdr&uuml;cklicher Erm&auml;chtigung, Vertr&auml;ge, die nicht der Ratifizierung bed&uuml;rfen, aber immerhin den Parlamenten zug&auml;nglich sein m&uuml;ssen. Geheimvertr&auml;ge, die keinem demokratisch bestellten Kontrollgremium mehr vorgelegt werden m&uuml;ssen und dennoch gelten, gibt es nur in Privatunternehmen oder in Diktaturen.<\/li>\n<li>Vor Lenzen eingef&uuml;hrt wurde an der FU auch das System der Kostenstellen, das den Professoren nach Leistungspunkten Haushaltsmittel zu ihrer zur pers&ouml;nlichen Verf&uuml;gung bereitstellt &ndash; auch dies ein Schritt zur internen &Ouml;konomisierung, zur Versch&auml;rfung der Konkurrenz zwischen den Professoren, zur Erschwerung von Kooperation und Interdisziplinarit&auml;t und zur Erh&ouml;hung der Hierarchie innerhalb der Lehrst&uuml;hle, also der Herrschaft der Professoren &uuml;ber ihre Mitarbeiter. Dies bedeutete einerseits die Wiedereinf&uuml;hrung des Ordinarienprinzips, andererseits wurde an die Stelle der kollektiven Regierung des Professorenstandes die Konkurrenz zwischen den professoralen Unternehmern um verknappte Mittel gesetzt. Hier wurde etwas versucht, was man heutzutage &bdquo;hybrid&ldquo; zu nennen pflegt: Eine Kombination von Restauration der St&auml;ndegesellschaft mit marktradikalem Konkurrenzprinzip.<\/li>\n<\/ul><p>Alle diese Schritte zur Entmachtung der demokratisch gew&auml;hlten Gremien wurden von diesen Gremien selbst beschlossen. Sie waren anscheinend &uuml;berzeugt davon, dass &bdquo;mehr Warenproduktion, mehr Wettbewerb, mehr Herrschaft des Managements&ldquo; besser ist als ihre eigene Mitbestimmung. Insofern gibt es eine doppelte Parallele zu Deutschland im Jahre 1933, als die Demokratie sich durch erm&auml;chtigenden Mehrheitsbeschluss f&uuml;r eine Diktatur selbst abschaffte: Erstens waren die Demokraten zu schwach und zerstritten, und zweitens war die &ouml;ffentliche Stimmung gegen die Demokratie, veranstaltet unter anderem von den Medien und unterst&uuml;tzt von wichtigen Unternehmern wie damals Hugenberg, zu stark.<br>\nNicht die Folgen &ndash; ich denke nicht daran, den neoliberalen Markttotalitarismus in Ideologie oder Praxis mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen &ndash;, wohl aber die Mechanismen der Nichtverteidigung der Demokratie, der Abdankung von Selbst- und Mitbestimmung aus Karrieregr&uuml;nden und Charakterlosigkeit, sind ziemlich &auml;hnlich.<br>\nIch meine diesen Vergleich auch selbstkritisch, was meine Generation von Wissenschaftlern, von linken Wissenschaftern, von 68ern, angeht: Wir haben es nicht geschafft, die demokratische, die Mitbestimmungsuniversit&auml;t, die wir schon glaubten, erk&auml;mpft zu haben, auf Dauer zu stellen. Aber um das zu erreichen, h&auml;tte unsere Generation an den Unis sich besser solidarisch organisieren, und nicht nur &bdquo;vernetzen&ldquo; m&uuml;ssen. &bdquo;Vernetzen&ldquo; &ndash; als Prinzip der Kooperation jenseits von Hierarchie und Markt gedacht &ndash;  fanden alle immer gro&szlig;artig. Was bei der Vernetzungsidee indessen immer fehlte, war die Verbindlichkeit. Jeder nutzt das Netz nach eigenen Bed&uuml;rfnissen. Wenn es aber darum geht, zur Abwehr von diktatorischen &Uuml;bergriffen zusammenzustehen, reicht die Vernetzung nicht aus. Das Vorhandensein eines Netzes ist eine gute Voraussetzung f&uuml;r Solidarit&auml;t &ndash; aber es kann sie nicht ersetzen.<br>\nInsgesamt: Wenn ich der Humboldtschen Professorenrepublik vorwerfe, sich in den Jahren 1933ff. widerstandslos dem Nationalsozialismus an den Hals geworfen zu haben, dann werfe ich der von meiner Generation bestimmten demokratisierten Gruppenuniversit&auml;t vor, sich in den 90er Jahren ebenso widerstandslos der Umwandlung ihrer Universit&auml;ten in Privatunternehmen gebeugt zu haben.<br>\nUm es in den Worten des Wiener Philosophen Konrad Paul Liessmann zu sagen, dessen luzide Streitschrift &bdquo;Theorie der Unbildung&ldquo; ich dringend zur Lekt&uuml;re empfehle:<br>\n&bdquo;Wer zusieht, wie Universit&auml;tsfunktion&auml;re jede noch so dumme Phrase aus dem Repertoire der Heilslehren des <em>New Management<\/em> beflissen adorieren, mu&szlig; sich &uuml;ber die einstige Willf&auml;hrigkeit der Intelligenz gegen&uuml;ber anderen ideologischen und totalit&auml;ren Versuchungen nicht mehr wundern.&ldquo; [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>&nbsp;<\/p><p class=\"entry_p_center\"><strong>4. Widerspr&uuml;che und Widerst&auml;nde: Was l&auml;sst sich tun?<\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><p>Zum Schluss soll die Frage nach Widerspr&uuml;chen und m&ouml;glichen Widerst&auml;nden im beschriebenen Prozess der Umwandlung vom Gemeinwesen zum Privatunternehmen er&ouml;rtert werden &ndash; bei der hier gebotenen K&uuml;rze notwendigerweise ein wenig schematisch. Von &bdquo;Widerspruch&ldquo; spreche ich, wenn innerhalb eines Prozesses unterschiedliche Funktions- und Handlungslogiken aufeinandersto&szlig;en und das System durcheinanderbringen. Von &bdquo;Widerstand&ldquo; ist die Rede, wenn Widerspr&uuml;che zum Gegenstand subjektiven Handelns von sozialen Akteuren werden. [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p>Etliche im System der unternehmerischen Universit&auml;t angelegten Widerspr&uuml;che wurden bereits benannt: <\/p><ul>\n<li>Eine Wissenschaftsproduktion, die das Streben nach Wahrheit dem Markterfolg unterordnet, k&ouml;nnte ihren eigenen Gebrauchswert ruinieren.<\/li>\n<li>Der industrialisierten Wissensproduktion k&ouml;nnte die handwerkliche Kreativit&auml;t abhanden kommen.<\/li>\n<li>Ebenso k&ouml;nnte die Abdr&auml;ngung der professionellen Autonomie der Wissenschaftsproduzenten in eine Nischenexistenz die Kreativit&auml;t und die Produktivit&auml;t gef&auml;hrden.<\/li>\n<li>Die ihrerseits privat verfassten und private &ouml;konomische Interessen verfolgenden Agenturen des Coaching, Controlling, Monitoring, Ranking, Benchmarking etc. und der Akkreditierung k&ouml;nnten sich als unwirksam, chaotisch und in h&ouml;chstem Ma&szlig;e selber &uuml;berwachungs- und regulierungsbed&uuml;rftig erweisen.<\/li>\n<li>Auch ein systemtheoretischer Blick im Gefolge Luhmanns l&auml;sst Reibungen und Kommunikationsst&ouml;rungen erwarten, wenn der kommunikative Code der &Ouml;konomie besinnungslos auf das System Wissenschaft &uuml;bertragen wird. Nicht alle Dekane werden es z.B. als Ehre ansehen, wie ein &bdquo;Bereichsleiter bei Mercedes&ldquo; behandelt zu werden.<\/li>\n<li>Studierende, die als K&auml;ufer und Kunden von Wissenschaft bzw. Ausbildung auftreten, werden auf schlechte Lehre, f&uuml;r die sie nun auch noch bezahlen m&uuml;ssen, vielleicht mit mehr Wut als bisher reagieren.<\/li>\n<li>Auch rein betriebswirtschaftlich gesehen steht die Unterwerfung der Wissenschaft unter reale oder real-simulierte Marktmechanismen, etwa: permanente Berichtspflichten, Evaluationen etc., der Konzentration der Wissenschaftler auf ihre eigenen wissenschaftlichen Leistungen entgegen.<\/li>\n<\/ul><p>Obwohl es also systeminterne Widerspr&uuml;che gibt, die Zweifel am Funktionieren des Projekts der Unternehmisierung der Hochschulen n&auml;hren, ist Vorsicht geboten bei dem Versuch, aus diesen Widerspr&uuml;chen Hoffnung auf eine positive, demokratische und wissenschaftsgerechte Umkehrung der beschriebenen Entwicklung abzuleiten. Der Widerspruch wird keineswegs von selbst zum Widerstand.<\/p><ul>\n<li>Denn zum einen dr&auml;ngen die Widerspr&uuml;che nicht alle in dieselbe Richtung. So f&uuml;hrt die Wut des Kunden &uuml;ber schlechte Warenqualit&auml;t keineswegs automatisch zum Wunsch nach qualitativer Ver&auml;nderung der Ware. Wer sich als Student emp&ouml;rt, an der Uni zu wenig Karrieretaugliches zu lernen, wird deshalb nicht nach mehr wahrheitssuchender und kritischer Wissenschaft verlangen, sondern im Zweifel eine noch marktgerechtere Ausbildung fordern.<\/li>\n<li>Zweitens kann das System darauf verweisen, dass es noch nicht perfekt sei, und dass noch mehr Unternehmisierung, noch mehr Wettbewerb, Kundenorientierung und Management die L&ouml;sung der bisher aufgetretenen Probleme sei. So gebiert das Scheitern der ersten &bdquo;Reform&ldquo; die zweite &bdquo;Reform&ldquo;, und die Entwicklung in dieselbe Richtung wird noch beschleunigt. Es ist &uuml;berhaupt ein Kennzeichen der marktradikalen Ideologie, dass sie in allen Bereichen, vor allem bei der Bek&auml;mpfung von Armut und Arbeitslosigkeit, auf den empirischen Beweis des Versagens ihrer Rezepte mit der Forderung nach &bdquo;noch mehr Markt&ldquo; reagiert. Diese Strategie der Selbstimmunisierung der neoliberalen Religion gegen empirische Widerlegung wird auch als Reaktion auf Misserfolge und Systemwiderspr&uuml;che im Wissenschaftsbereich bisher erfolgreich angewandt.<\/li>\n<li>Drittens w&auml;re es ein Fehler, dem Wissenschaftssystem selber eine besonders kr&auml;ftige Widerstandspotenz zu unterstellen. Dazu noch einmal ein Zitat von Konrad Paul  Liessmann: &bdquo;Gerade dass die modernen Wissenschaften seit ihrer Etablierung unter unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bedingungen klaglos funktionierten &ndash; im liberalen Amerika so gut wie im nationalsozialistischen Deutschland, in der stalinistischen Sowjetunion so gut wie im autorit&auml;ren China &ndash;, sollte vorsichtig gegen&uuml;ber der These stimmen, dass es die Produktion, Verteilung und Verwertung von Wissen selbst ist, die die Kraft haben k&ouml;nnte, eine Gesellschaft zu formieren.&ldquo; (Liessmann 2006, S.48)<\/li>\n<\/ul><p>Auch wenn sich aus den Widerspr&uuml;chen trotz dieser Schwierigkeiten ein Widerstand erg&auml;be, k&ouml;nnte es sein, dass er chancenlos w&auml;re. Die marktradikalen Umstrukturierungen der Wissenschaft k&ouml;nnten ja, obwohl Ergebnis politischer Entscheidungen, unumkehrbar gemacht worden sein. Haben wir es mit einem &bdquo;Lock-in-Effekt&ldquo; zu tun, bei dem urspr&uuml;nglich vorhandene Alternativen systematisch vernichtet wurden und werden? Elmar Altvater hat das k&uuml;rzlich so beschrieben: &bdquo;Dem Tina-Wort &ldquo;Margaret Thatchers: &bdquo;There is no alternative&ldquo;, B.Z.&rdquo; folgen also Tina-Taten. Neben der gezielten Blockade von Alternativen hei&szlig;t dies insbesondere die Errichtung von Sachzw&auml;ngen, an denen alternative Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik und Versuche des Ausscherens aus der Logik des Marktes scheitern sollen.&ldquo; [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>F&uuml;r die Lock-in-Vermutung sprechen im Wissenschaftsbereich vor allem die internationalen und globalen Rahmenbedingungen, etwa GATS, TRIPS, die weltweit den Staaten umfangreiche Liberalisierungen, Privatisierungen, Markt&ouml;ffnungen f&uuml;r private Anbieter auch im Bildungsbereich aufzwingen oder nahelegen, und der europ&auml;ische &bdquo;Bologna-Prozess&ldquo;, der durch die Selbstverpflichtung zur Angleichung der Hochschulabschl&uuml;sse zu einer Kommodifizierung von Bildungsleistungen, z.B. durch ECTS-Punkte f&uuml;r inhaltlich sehr Verschiedenes, beitr&auml;gt. [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p>Dagegen spricht, dass gerade im Bereich von Bildung und Wissenschaft nicht zu sehen ist, warum einmal getroffene politische Entscheidungen nicht erneut politisch zur Debatte gestellt werden und revidierbar sein k&ouml;nnen sollen. Schlie&szlig;lich geht es hier bei den Entscheidern und beim Entscheidungsgegenstand in besonderer Weise um Subjektives, um Wissen, Denken, &Uuml;berzeugungen &ndash; um Geist. Geist zur Ware zu machen, das wird mit Macht versucht &ndash; aber das Gelingen ist weniger sicher als bei anderen Waren. Es kommt sehr stark auf Deutungen an und darauf, wer die Deutungshoheit hat. <\/p><p>So w&auml;re zum Beispiel die &Ouml;konomisierung der universit&auml;ren Wissenschaft im Sinne des Modells der &bdquo;unternehmerischen Universit&auml;t&ldquo; samt der Zweckverschiebung von der Produktion &ouml;ffentlicher G&uuml;ter zur Warenproduktion in den 60er, 70er und 80er Jahren noch nicht m&ouml;glich gewesen. Wer damals ein Programm der Universit&auml;t als Wirtschaftsunternehmen &agrave; la Mercedes propagiert h&auml;tte, den h&auml;tte man bildungspolitisch und bildungstheoretisch als unseri&ouml;s angesehen.<\/p><p>Das Lenzensche Programm setzt eine neoliberale Deutungshoheit im &ouml;ffentlichen Diskurs voraus, die erst in den 80er Jahren errungen wurde. [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Bis dahin haben auch die Konservativen die Wissenschaft als &ouml;ffentliches Gut angesehen &ndash; und dieses Gut sogar gegen vermeintliche Eroberungsversuche durch Linke, Marxisten, Gewerkschafter etc. zum Teil mit gro&szlig;em propagandistischen Aufwand zu verteidigen versucht &ndash; so etwa die &bdquo;Notgemeinschaft f&uuml;r eine Freie Universit&auml;t&ldquo; mit Aufrufen gegen die Gefahr, die FU Berlin w&uuml;rde von &bdquo;Hammer und Sichel&ldquo; beherrscht. Heute haben nur wenige Konservative noch etwas dagegen, wenn Universit&auml;ten vom Mercedes-Stern gepr&auml;gt werden &ndash; und die Gewerkschaften  begleiten den &bdquo;Bologna-Prozess&ldquo; positiv, statt sich gegen die Durchmarktung der Wissenschaft zu wehren.<\/p><p>Dennoch: Auf Deutungen, auf den Kampf um Hegemonie kommt es an, und da er nicht zu Ende ist, gilt auch das TINA-Prinzip nicht &ndash; in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik schon gar nicht. Allerdings kann der Kampf um eine nicht mehr marktradikale Deutungshoheit nicht auf diesem Politikfeld allein und nicht in einem Lande gef&uuml;hrt werden. Ich denke dass es eine internationale Gegenbewegung geben kann und muss, bei der insbesondere die Studenten eine gro&szlig;e Rolle spielen k&ouml;nnen.<\/p><p>Ein ganz wichtiges Ziel, wenn nicht sogar das Hauptziel des ganzen Programms zur &Ouml;konomisierung der Wissenschaft scheint mir zu sein, die Studentinnen und Studenten, dieses in jeder Gesellschaft immer wieder nachwachsende Potential an Infragestellung und zuweilen auch an Rebellion, dauerhaft karrieristisch ruhig zu stellen. Da die Nachfrage nach akademischer Qualifikation im Besch&auml;ftigungssystem prinzipiell nicht vorhersagbar ist, l&auml;sst sich auch die karrieristische Kalmierung nicht wirklich reibungslos planen. Sie wird auch deshalb nicht gelingen, weil die Studierenden, jedenfalls in den Wissenschaften, deren Aneignung nur bei selbst&auml;ndigem Denken der Lernenden funktionieren kann, niemals daran zu hindern sind, selbstst&auml;ndig weiter und &uuml;ber gesetzte Grenzen hinaus zu denken. Einen solchen &Uuml;berschuss des erlernten Denkverm&ouml;gens &uuml;ber die gebrauchte Qualifikation, ein &bdquo;&uuml;bersch&uuml;ssiges Bewusstsein&ldquo; hat schon Rudolf Bahro in seiner Kritik des Staatssozialismus als ein Problem des Systems und ein Ferment der Ver&auml;nderung beschrieben. [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] Es ist sicherlich auch nicht falsch, Studierenden &uuml;berall auf der Welt, ob in Berkeley, Bogot&aacute;, Berlin oder Beijing, eine besonders gro&szlig;e Bereitschaft zur Suche nach Sinn und zur Kooperation statt Konkurrenz zu unterstellen.<br>\nAllerdings gilt es hier illusionslos soziologisch zu analysieren: Studiert wird mit dem Ziel, die eigenen Berufs- und Karrierechancen zu verbessern, sich also in der Konkurrenz besser als andere zu positionieren. Mag das bei den Studierenden noch zu einem ambivalenten Selbst- und Lebensverst&auml;ndnis von einerseits Altruismus\/Solidarit&auml;t und andererseits rein individuellem Karrierestreben f&uuml;hren &ndash; bei ihren akademischen Lehrern ist diese Ambivalenz fast immer zur Seite der Karriere hin aufgel&ouml;st.<br>\nBei den Universit&auml;tswissenschaftlern besteht eine strukturbedingte Unf&auml;higkeit zu solidarischem Handeln. Ihnen wird im Zuge ihres Aufstiegs Konkurrenz als Habitus ansozialisert und Solidarit&auml;tsbed&uuml;rfnisse werden wegsozialisert. Man muss auf jeden Fall besser sein als die oder der andere. Was es unter den individuell auf Konkurrenz gegeneinander ausgerichteten Wissenschaftskarrieristen&Iacute;nnen gibt, sind nicht-solidarische Gruppenzusammenschl&uuml;sse von stets prek&auml;rer Art: Seilschaften und Zitierkartelle. Das hei&szlig;t: Jeder kann jeden fallen lassen, wenn es ihm gerade opportun erscheint.<br>\nUnd wer sich in diesem Kampf als Gewinner erweist, der darf sich noch r&uuml;hmen, aus dem edlen Wettstreit als Bester hervorgegangen zu sein. Wer dieses Erfolgserlebnis hinter sich hat, wird dann auch das ganze Konkurrenzsystem f&uuml;r gerecht, und, wenn er besonders bequem denkt, sogar f&uuml;r &bdquo;objektiv&ldquo; halten.<\/p><p>In der Wissenschaft aufgestiegene Menschen, vor allem die Professoren, sind daher im allgemeinen sozial sehr viel d&uuml;mmer als etwa Fabrikarbeiter, die ziemlich fr&uuml;h durch Erfahrung lernen, dass es ihnen schlechter geht, wenn sie nur f&uuml;r sich ihr Gl&uuml;ck versuchen, statt sich zusammenzuschlie&szlig;en: Allein machen sie dich ein, lautet die Formel f&uuml;r diese Solidarit&auml;t. <\/p><p>Der Normal-Wissenschaftler macht in seiner Karriere vielleicht noch die Erfahrung, dass er &bdquo;allein eingemacht&ldquo; wird, aber nicht die Gegenerfahrung, dass sich dagegen Solidarit&auml;t organisieren l&auml;sst. Ich dagegen hatte das Gl&uuml;ck, diese Gegenerfahrung gleich zweimal machen zu k&ouml;nnen: In der solidarischen, die eigene berufliche Existenz riskierenden Gruppe von linken Journalisten beim &bdquo;Spiegel&ldquo;, und dann in der SAZ, der Sozialistischen Assistentenzelle am OSI, ohne die ich, wie gesagt, nicht Professor am OSI geworden w&auml;re.<\/p><p>Ich wei&szlig; nicht wirklich, was sich daraus lernen l&auml;sst. Ich w&uuml;nsche dem Projekt des Chefmanagers Lenzen, das alle in ruin&ouml;se Konkurrenzen treibt, von Kopf und von Herzen den Zusammenbruch an seinen eigenen Widerspr&uuml;chen und, noch besser: an bewussten Widerst&auml;nden. Ich w&uuml;nsche mir, dass es eine solidarische Wissenschaftlergruppe &auml;hnlich der SAZ wieder g&auml;be. Diese Gruppe m&uuml;sste sich &uuml;berhaupt nicht mehr &bdquo;sozialistisch&ldquo; nennen, aber sie m&uuml;sste die Idee der Solidarit&auml;t gegen das menschenfeindliche und gesellschaftszerst&ouml;rende Konkurrenzprinzip verteidigen und vertreten. Das Schweigen der L&auml;mmer kann doch keine Perspektive sein!<\/p><p>Meine Antwort auf die Frage nach der M&ouml;glichkeit und Unm&ouml;glichkeit, ein solidarisch handelnder Wissenschaftler zu sein, die ich am Anfang gestellt habe, ist also klar: Es gibt keine Unm&ouml;glichkeit, sondern nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass Wissenschaftler sich solidarisch verhalten. Diese Wahrscheinlichkeit wird gr&ouml;&szlig;er, wenn Solidarit&auml;t als soziale Norm auch in anderen Gesellschaftsbereichen wieder an Geltung gewinnt. Und wenn Wissenschaftler, die wissen, dass keine Gesellschaft ohne Solidarit&auml;t &uuml;berleben kann, diese Erkenntnis auch auf sich selber beziehen. Und wenn schlie&szlig;lich die Studierenden es sich nicht bieten lassen, in einen gnadenlosen Konkurrenzkampf gegeneinander getrieben zu werden, sondern an dem Anspruch einer tendenziell universal-menschenrechtlich ausgerichteten Solidarit&auml;t festhalten. Die Proteste gegen den G8-Gipfel in diesem Jahr und auch die von den Studierenden des OSI dazu in diesem Semester selbst&auml;ndig organisierten Veranstaltungen geben mir Hoffnung, dass die &bdquo;unternehmerische Universit&auml;t&ldquo; nicht das Ende der Universit&auml;tsgeschichte ist.<\/p><p>Dankesch&ouml;n<\/p><p>BZ<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Vgl. Bodo Zeuner: Veto gegen Augstein. Der Kampf in der &bdquo;Spiegel&ldquo;-Redaktion um Mitbestimmung, Hoffmann und Campe, Hamburg 1972<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Ich zitiere w&ouml;rtlich samt Fehlern aus dem &bdquo;IPO-Test&ldquo;, <a href=\"http:\/\/deutsche-boerse.com\/dbag\/dispatch\/de\/kir\/gdb_navigation\/home\">http:\/\/deutsche-boerse.com<\/a>; download v.24.4.2007. Die Beherrschung der deutschen Sprache geh&ouml;rt offensichtlich nicht zu den Kriterien f&uuml;r B&ouml;rsenfitness.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] So Prognos-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Christian B&ouml;llhoff lt. BerliNews vom 23.11.2006<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] FU-Pressemitteilung Nr. 261 aus 2006<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Rudolf Speth: Die politischen Strategien der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, D&uuml;sseldorf (Hans-B&ouml;ckler-Stiftung) 2004, S. 43<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] vgl. z.B. Ursula Link-Heer: Die neue Hochschulfreiheit. Nach Diktat reformiert und verbetriebswirtschaftlicht. In kultuRRevolution Nr. 52, April 2007, S. 60-61<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Konrad Paul Liessmann: Theorie der Unbildung. Die Irrt&uuml;mer der Wissensgesellschaft, Paul Zsolnay Verlag Wien 2006, S.38<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Wolf Wagner: Uni-Angst und Uni-Bluff. Wie studieren und sich nicht verlieren, Rotbuch-Verlag Berlin 1977<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] zit. nach Martin Wildermuth: Reform und Konflikt am Otto-Suhr-Institut 1968 bis 1972. In: Kontinuit&auml;ten und Br&uuml;che in der deutschen Politikwissenschaft, hg. v. Gerhard G&ouml;hler und Bodo Zeuner, Nomos Baden-Baden 1991, S. 199-220, Zit. S. 205<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] FU Berlin: Internationale Netzwerkuniversit&auml;t. Das Zukunftskonzept der Freien Universit&auml;t f&uuml;r die Exzellenzinitiative des Bundes und der L&auml;nder im &Uuml;berblick, Ms., Mai 2007 (im folgenden zit. als FU-Zukunftskonzept 2007)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Alain Accardo, Philippe Corcuff: Kapitulieren die Intelektuellen? In: LE MONDE diplomatique, M&auml;rz 2001.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Konrad Paul Liessmann: Theorie der Unbildung. Die Irrt&uuml;mer der Wissensgesellschaft, Paul Zsolnay Verlag Wien 2006, S. 47<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Vgl. Bodo Zeuner: Widerspruch, Widerstand, Solidarit&auml;t und Entgrenzung &ndash; neue und alte Probleme der deutschen Gewerkschaften. In: Kritische Theorie im gesellschaftlichen Strukturwandel, hg.v. Joachim Beerhorst, Alex Demirovic und Michael Guggemos, Suhrkamp Frankfurt 2004, S. 318-353<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Elmar Altvater: Solidarisches Wirtschaften: prek&auml;r oder emanzipativ? In: Solidarische &Ouml;konomie, hg. von Elmar Altvater und Nicola Sekler, Reader des Wissenschaftlichen Beirats von Attc, VSA-Verlag Hamburg 2006, S. 9<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Vgl. David Hachfeld: Das GATS-Abkommen und die Kommerzialisierung von Bildung in der BRD. In: Universit&auml;t im Umbruch. Der globale Bildungsmarkt und die Transformation der Hochschulen, hg. v. AStA der FU Berlin &ndash; Hochschulreferat, Berlin 2005, S. 30-55 <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] N&auml;heres bei: Bodo Zeuner: Zum Wandel der normativen Grundlagen der Wissenschafts-, Hochschul-, und Bildungspolitik. In: Politik der Integration &ndash; Symbole, Repr&auml;sentation, Institution. Festschrift f&uuml;r Gerhard G&ouml;hler zum 65. Geburtstag, hg. v, Hubertus Buchstein und Rainer Schmalz-Bruns, Nomos Baden-Baden, 2006, S. 137-155<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Rudolf Bahro: Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus. Europ&auml;ische Verlagsanstalt, Frankfurt\/M. 1977<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Universit&auml;t, die sich als Gemeinwesen versteht, wird sich einem &ouml;ffentlichen Auftrag verpflichtet f&uuml;hlen und sich &uuml;ber den Inhalt des &ouml;ffentlichen Auftrags intern streiten. Eine Universit&auml;t nach dem Modell des Privatunternehmens wird sich umdefinieren zur Unterordnung all ihrer T&auml;tigkeiten unter das oberste Prinzip, auf dem Markt erfolgreich zu sein. Dieses Modell der unternehmerischen Universit&auml;t nimmt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2497\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17,128,28],"tags":[373,270,565],"class_list":["post-2497","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-insm","category-privatisierung","tag-oekonomisierung","tag-boersengang","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2497"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29815,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2497\/revisions\/29815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}