{"id":24970,"date":"2015-02-11T09:25:10","date_gmt":"2015-02-11T08:25:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24970"},"modified":"2015-02-11T10:20:33","modified_gmt":"2015-02-11T09:20:33","slug":"drittmittel-korrumpieren-mehr-und-mehr-die-idee-der-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24970","title":{"rendered":"Drittmittel korrumpieren mehr und mehr die Idee der Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Bei real stagnierenden Grundmitteln, sind die Universit&auml;ten, um &uuml;berhaupt noch Forschung betreiben zu k&ouml;nnen, mehr und mehr auf die Einwerbung von Drittmitteln angewiesen. Der Wettbewerb um Drittmittel wurde geradezu zum Steuerungsinstrument der Universit&auml;tsforschung. Das Grundecht der Wissenschaftsfreiheit f&uuml;r den einzelnen Hochschulwissenschaftler wird dadurch eingeschr&auml;nkt und die Idee der Universit&auml;t als ein von Fremdbestimmung, von wirtschaftlichen Verwertungsinteressen oder von politischen Zweckm&auml;&szlig;igkeitsvorstellungen freier Ort der Wissenschaft wird zunehmend korrumpiert. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDrittmittel sind Mittel, die von Hochschulwissenschaftlern zur F&ouml;rderung von Forschung und Entwicklung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Lehre zus&auml;tzlich zum regul&auml;ren Hochschulhaushalt (Grundausstattung) von &ouml;ffentlichen oder privaten Stellen eingeworben werden. <\/p><p>Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamt von Ende November 2014 warb im Jahre 2012 ein\/e Professor\/in (die Medizin nicht eingerechnet) im Durchschnitt Drittmittel von 243.700 Euro ein. (Das ist ein Plus von 4,9% gegen&uuml;ber 2011.) Wie so h&auml;ufig sagt dieser Durchschnittswert aber relativ wenig aus. In den Ingenieurwissenschaften wirbt ein\/e Professor\/in durchschnittlich 604.100 Euro, in der Medizin sind es 555.000 Euro, bei den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 113.000 Euro im Durchschnitt und in den Sprach- und Kulturwissenschaften lag der Durchschnittsbetrag bei 109.100 Euro.<\/p><p>Bei der Drittmitteleinwerbung gibt es gro&szlig;e Unterschiede zwischen den Universit&auml;ten; besonders viel werben die Technischen Hochschulen ein: An der RWTH Aachen hat jede\/r Professor\/in durchschnittlich 790.800 Euro eingeworben, an der TU Chemnitz war es nur etwas mehr als die H&auml;lfte, <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2014\/11\/PD14_422_213.html;jsessionid=F027787AAD5917B3334FC7058A28AC4D.cae1\">n&auml;mlich 426.400 Euro<\/a>.<\/p><p>Insgesamt warben die Universit&auml;ten (einschlie&szlig;lich der Medizin) 6,3 Milliarden Euro an Drittmitteln ein (Es gibt allerdings Sch&auml;tzungen, die von weit h&ouml;heren Betr&auml;gen ausgehen.) Die &ouml;ffentlichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben (also die Grundmittel) der Hochschulen <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/BildungForschungKultur\/BildungKulturFinanzen\/BildungsausgabenPDF_5217108.pdf?__blob=publicationFile\">lagen 2012 bei 14,3 Milliarden Euro<\/a>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p>(Die gesamten &ouml;ffentliche Ausgaben f&uuml;r Hochschulen und andere terti&auml;re Bildungsg&auml;nge (z.B. Fachschulen) betrugen 34,6 Milliarden Euro (<a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/BildungForschungKultur\/BildungKulturFinanzen\/Bildungsfinanzbericht1023206147004.pdf?__blob=publicationFile\">Bildungsfinanzbericht 2014<\/a>)<\/p><p>Die &ouml;ffentlichen Grundmittel f&uuml;r Forschung und Entwicklung sind zwar unter den L&auml;ndern unterschiedlich hoch, insgesamt haben sich die Grundmitteleinnahmen der Hochschulen zwischen 1998 und 2010 (real) kaum gesteigert, n&auml;mlich von 12,6 auf 15,5 Milliarden Euro*. Der Anteil der Forschungsausgaben f&uuml;r die Hochschulen lag laut Statistischem Bundesamt 2011\/12 bei 0,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegen&uuml;ber einem Anteil von 0,4% im Jahre 1995 (<a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/BildungForschungKultur\/BildungKulturFinanzen\/BildungsausgabenPDF_5217108.pdf?__blob=publicationFile\">Bildungsausgaben Tabelle 3<\/a>)<\/p><p>Die von den Hochschulen eingeworbenen Drittmittel stiegen hingegen im selben Zeitraum dagegen nominal um mehr als 100 Prozent von 2,5 auf &uuml;ber 5,3 Milliarden Euro an. Damit hat sich die &bdquo;Drittmittelquote&ldquo;, also der Anteil der Drittmittel an der Gesamtfinanzierung der Hochschulen und ihrer Forschungen, in nur gut einem Jahrzehnt von 16 auf 26 Prozent erh&ouml;ht.<\/p><p>Der Anteil der Drittmittel an den Forschungsausgaben ist an den Hochschulen sehr unterschiedlich: er liegt bei den technischen  Hochschulen mit einem hohen Anteil an mathematisch-naturwissenschaftlichen oder ingenieurwissenschaftlichen F&auml;chern deutlich h&ouml;her als an klassischen Universit&auml;ten, bei der RWTH Aachen liegt dieser Anteil z.B. bei &uuml;ber 40%.<\/p><p>2011 waren an deutschen Hochschulen 26&nbsp;% des wissenschaftlichen und k&uuml;nstlerischen Personals, umgerechnet in Vollzeitbesch&auml;ftigte, durch Drittmittel finanziert. Bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lag der <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2013\/07\/PD13_222_213.html\">Anteil an drittmittelfinanziertem Personal sogar bei 38%<\/a>. <\/p><p>Etwa jeder dritte Euro der Drittmitteleinnahmen kam von der (staatlich finanzierten) Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/169069\/umfrage\/drittmittel-einnahmen-hochschulen-1998-und-2008\/\">Jeder f&uuml;nfte Euro von der gewerblichen Wirtschaft<\/a>.<\/p><p><strong>Wer hat Interesse an einer Steigerung des Drittmittelanteils an der Hochschulforschung?<\/strong><\/p><p>Interesse an einer Steigerung der Drittmittel haben nat&uuml;rlich in erster Linie die Hochschulforscher, sie erweitern damit ihre Forschungsbudgets &uuml;ber die Grundfinanzierung hinaus, k&ouml;nnen zus&auml;tzliches wissenschaftliches Personal (auf Zeit) einstellen und steigern damit ihr Forschungsrenommee. <\/p><p>In zweiter Linie hat aber auch die Hochschule als Institution Interesse an hohen Drittmitteleinnahmen: In den meisten L&auml;ndern gibt es eine sog. leistungsorientierte Mittelvergabe an die Hochschulen und dabei ist die Einwerbung von Drittmitteln eines der wichtigsten (Leistungs-)Kriterien. Auch bei der Exzellenzinitiative war die Einwerbung von Drittmitteln von ma&szlig;geblicher Bedeutung.<\/p><p>Eine entscheidende Rolle spielen aber politische Interessen:<br>\nHochschulen werden im Wesentlichen von den L&auml;ndern finanziert und nahezu alle L&auml;nder sind verschuldet. Da ist man froh wenn man zus&auml;tzliche Forschungsmittel f&uuml;r die Hochschulen von der DFG einwerben kann, die zu 58% vom Bund finanziert wird.<\/p><p>Und nat&uuml;rlich sind auch private F&ouml;rdermittel aus der Wirtschaft oder von Stiftungen h&ouml;chst willkommen &ndash; Tendenz steigend.<\/p><p>Die wettbewerbliche Einwerbung von Forschungsmitteln entspricht dem Leitbild f&uuml;r die Hochschulreformen seit der Jahrhundertwende. Das Paradigma der &bdquo;entfesselten&ldquo; bzw. der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschulen hat sich weitgehend durchgesetzt. Das hei&szlig;t, die Hochschulforschung soll durch die anonymen Zw&auml;nge des Wettbewerbs um Drittmittel gesteuert werden.<\/p><p>Deshalb wurde sogar die staatliche Grundfinanzierung der Hochschulen in vielen L&auml;ndern &bdquo;leistungsorientiert&ldquo; an die &bdquo;Erfolge&ldquo; bei der Einwerbung von Drittmitteln gekoppelt. <\/p><p><strong>Welche Probleme bringt die Abh&auml;ngigkeit von Drittmitteln mit sich?<\/strong><\/p><p>Drittmittel sorgen nicht mehr daf&uuml;r, dass die Hochschulforscher zus&auml;tzliches Geld f&uuml;r die Forschung ausgeben k&ouml;nnen, wie das fr&uuml;her einmal der Fall war, sie werden mehr und mehr zur Grundbedingung f&uuml;r Forschung &uuml;berhaupt. Weite Bereiche der Forschung k&ouml;nnten ohne Drittmittel gar nicht mehr durchgef&uuml;hrt werden, weil die Grundfinanzierung der Forschung seit Jahren stagniert. <\/p><p>Es besteht die Gefahr, dass das Individualrecht der Wissenschaftsfreiheit, das jedem Hochschulwissenschaftler vom Grundgesetz garantiert wird, ausgeh&ouml;hlt wird und das individuelle Erkenntnisinteresse und damit auch die Forschungsentwicklung insgesamt vom Wettbewerb um die Einwerbung von Drittmitteln gesteuert wird. <\/p><p>Was bei der einseitigen Betonung der &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; auf dem Feld der Einwerbung von Drittmitteln dar&uuml;ber hinaus &uuml;bersehen und vernachl&auml;ssigt wird, ist die Tatsache, dass die Lehre gegen&uuml;ber der Forschung an Boden verliert. Um mehr Drittmittel einzuwerben, werden z.B. bei Berufungs- und Bleibeverhandlungen immer h&auml;ufiger deutliche Reduzierungen bei den Lehrdeputaten gew&auml;hrt.<\/p><p>Bei der Vergabe von &ouml;ffentlichen Forschungsdrittmitteln etwa durch die  DFG, bei der immerhin noch Wissenschaftler &uuml;ber die eingereichten Forschungsantr&auml;ge entscheiden, besteht die Gefahr, dass sozusagen ein Old-Boys-Network, also etablierte Professoren vor allem die Mainstream-Forschung f&ouml;rdern und innovative Ans&auml;tze vernachl&auml;ssigt werden.<\/p><p>Es w&auml;re doch eher verwunderlich, wenn die Wirtschaft nicht dazu neigte, die mit Steuergeldern grundfinanzierten Hochschulen als verl&auml;ngerte wissenschaftliche Werkb&auml;nke zu nutzen. Sie sehen wie es z.B. in einem offenen Brief der NRW- Hochschulratsvorsitzenden hei&szlig;t im &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19873\">Schulterschluss der Hochschulen mit Industrie  und Wirtschaft einen wesentlichen Baustein f&uuml;r wirtschaftlichen Erfolg<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Die nach wie vor &uuml;berwiegend &ouml;ffentlich finanzierten Hochschulen geraten unter das Diktat einseitiger externen Verwertungsinteressen. Dieser grundlegende institutionelle Wandel bedroht die innere akademische Freiheit und unterwirft Bildung und Wissenstransfer &auml;u&szlig;eren Zwecken.<\/p><p>Das Konzept der wettbewerbsgesteuerten Hochschule, also das Regime von McKinsey und Co widerspricht den &bdquo;professionskulturellen&ldquo; Voraussetzungen einer freien Wissenschaft und beeintr&auml;chtigt die Innovationsf&auml;higkeit der Hochschulforschung. Denn Innovationen entstehen innerhalb der Universit&auml;t als Ergebnis weitgehend ungeplanter Prozesse in Nischen, die sich einer direkten Kontrolle entz&ouml;gen. Sie beruhen auf kollektivem Lernen, setzten Vertrauen und gegenseitige Anerkennung vor. Durch strikte Effizienzorientierung geraten gerade jene assoziativen Arbeitsformen, Freir&auml;ume und Vertrauensbeziehungen unter Druck, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17091\">die eine zentrale Bedingung f&uuml;r Innovationen sind<\/a>.<\/p><p><strong>Wie macht sich die Abh&auml;ngigkeit von Geldgebern bemerkbar?<\/strong><\/p><p>Den Verdacht der Abh&auml;ngigkeit sch&uuml;rt die Wirtschaft selbst, indem sie sich gegen die Transparenz von Kooperationsvereinbarungen (wie etwa zwischen der Bayer AG und der Universit&auml;t K&ouml;ln) oder von Forschungsauftr&auml;gen und Auftraggebern wehren. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17091\">Transparenz und Autonomie bzw. Forschungsfreiheit sind jedoch die beiden Seiten einer Medaille<\/a>.<\/p><p>Es darf nicht sein: dass Pharmafirmen die Agenda staatlicher Hochschulen bestimmen. Und dass sie dies im Verborgenen tun.<br>\nDas widerspricht der grundgesetzlichen Garantie der Freiheit von Forschung und Lehre. <\/p><p>Wie massiv gegen Transparenz der Forschung gek&auml;mpft wird, konnte man bei der Verabschiedung des Hochschulzukunftsgesetzes in NRW in diesem Jahr beobachten. Da drohten Industrie- und Handelskammer und Arbeitgeberverb&auml;nde offen mit dem Abzug und der Abwanderung von <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/wirtschaft-droht-mit-rueckzug-aus-unis-aid-1.3933075\">Forschungsmitteln aus der Wirtschaft von NRW-Hochschulen<\/a>.<\/p><p>Transparency International z&auml;hlt von Jahr zu Jahr mehr dubiose <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/studium\/drittmittel-transparency-international-beobachtet-universitaeten-a-872333.html\">Sponsoring-F&auml;lle<\/a>. H&ouml;rs&auml;le hei&szlig;en Aldi-S&uuml;d, die Deutsche Bank hat einen Platz in einer Berufungskommission, die BAYER AG schlie&szlig;t einen <a href=\"http:\/\/www.cbgnetwork.org\/5004.html\">geheimen Kooperationsvertrag mit der Uni K&ouml;ln<\/a> in angeblich sechsstelliger H&ouml;he. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/unispiegel\/d-88906233.html\">FU Berlin<\/a> und die <a href=\"http:\/\/www.sanofi.de\/l\/de\/de\/layout.jsp?cnt=574E698B-4E9D-4EDA-95BA-40B0EE30CF6B\">LMU M&uuml;nchen<\/a> schlossen Kooperationsvertr&auml;ge mit Sanofi-Aventis.<br>\nDas Darmst&auml;dter Pharmaunternehmen Merck bezuschusst Projekte der Mainzer Uni.<br>\nGerade Medizin-Professoren werden von der Pharmaindustrie gezielt umworben. Honorare f&uuml;r Studien oder Vortr&auml;ge sind dabei nur Kleinigkeiten. Das gr&ouml;&szlig;te Problem sind die Studien, <a href=\"http:\/\/mp3.podcast.hr-online.de\/mp3\/podcast\/derTag\/derTag_20110607.mp3\">die von der Industrie finanziert werden<\/a>. Selbst die Weltgesundheitsorganisation beobachtet die Verquickung zwischen Forschung und Industrie mit Sorge.<\/p><p>Berliner Unis lie&szlig;en sich ein Institut von der Deutschen Bank bezahlen. In einem Geheimvertrag wurde den Bankern viel Mitsprache einger&auml;umt: bei Lehre, Forschung und&nbsp;Personal. Im Grunde verpflichteten sich die Universit&auml;ten, dass sie beim gemeinsamen Forschungsinstitut so gut wie nichts entscheiden d&uuml;rfen, ohne dass die Deutsche Bank zustimmt. Die Besetzung der Professorenstellen erfolgte im Einvernehmen. Die Deutsche Bank durfte bestimmen, welche Forschungsergebnisse und <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/2011\/05\/skandaloser-kooperationsvertrag-zwischen-deutscher-bank-und-berliner-universitaten\/\">wann diese ver&ouml;ffentlicht werden d&uuml;rfen<\/a>.<\/p><p>Das Energiewirtschaftliche Institut der Uni K&ouml;ln hat von E.on und RWE in den letzten 5 Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag bekommen (23 Mio. Euro)<br>\nDas E.on-Energy Research-Center in Aachen in 20 Jahren 40 Mio Euro. <\/p><p>Jedes Jahr flie&szlig;en etwa 8 Millionen aus dem deutschen Verteidigungsetat als Forschungsmittel an die Hochschulen. Aus dem Verteidigungsetat der USA allein flossen seit 2003 <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/studium\/hochschule\/2014-01\/ruestungsforschung-drittmittel-universitaeten\">etwa 10,6 Millionen Euro an Drittmitteln<\/a>. <\/p><p>Ein Musterbeispiel wie Hochschulwissenschaft und Wirtschaftsinteressen miteinander vermengt werden ist der Freiburger <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9322\">Finanzwirtschaftler Prof. Bernd Raffelh&uuml;schen<\/a>.<\/p><p>Er war einer der wissenschaftlichen Hauptf&ouml;rderer der Zerst&ouml;rung der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente zugunsten einer kapitalgedeckten Rente, also der sp&auml;teren Riester- bzw. R&uuml;rup-Rente.<br>\nDie staatlich gef&ouml;rderte Riesterrente war eine &Ouml;lquelle f&uuml;r die Versicherungswirtschaft. Raffelh&uuml;schen hat nicht nur viele Forschungsauftr&auml;ge von der Versicherungswirtschaft bekommen, sein Institut wurde kofinanziert z.B. durch HDI Gerling Pensionsmanagement AG, die INSM, die S&uuml;ddeutsche Krankenversicherung, die Union Asset Management Holding AG sowie dem Verband der privaten Krankenversicherung e.&nbsp;V.  Er sa&szlig; im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe, war wissenschaftlicher Berater f&uuml;r die Victoria Versicherungs AG<\/p><p>Er ist au&szlig;erdem Mitglied des Vorstands der neoliberalen Stiftung Marktwirtschaft, wo er seit 2006 regelm&auml;&szlig;ig die &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Generationenbilanz\">Generationenbilanz<\/a>&ldquo; herausbringt. Ideologisches Ziel ist es von der Umverteilung von unten nach oben abzulenken und soziale Ungleichheit zu einem Kampf  zwischen den Generationen umzudeuten.<br>\nDar&uuml;ber hinaus ist er als Botschafter der arbeitgeberfinanzierten PR-Organisation &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9967\">Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft<\/a>&ldquo; t&auml;tig. Raffelh&uuml;schen ist Beiratsmitglied der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stiftung_f%C3%BCr_die_Rechte_zuk%C3%BCnftiger_Generationen\">Stiftung f&uuml;r die Rechte zuk&uuml;nftiger Generationen<\/a>. Raffelh&uuml;schen bet&auml;tigt sich auch als Vortragsreisender f&uuml;r die private Versicherungswirtschaft, beispielsweise mit 40 Veranstaltungen der Heidelberger MLP AG im Jahre 2004 und weiteren im Jahre 2005.<\/p><p><strong>Stiftungsprofessuren<\/strong><\/p><p>Auch die sog. Stiftungsprofessuren sind ein effektives Mittel zur Einflussnahme auf die Entwicklung der Hochschulforschung.<\/p><p>Der Stifterverband f&uuml;r die deutsche Wissenschaft sch&auml;tzt, <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/drittmittel-an-hochschulen-zwischen-freigeist-und.724.de.html?dram:article_id=283064\">dass bereits 1000 Lehrst&uuml;hle von Finanziers mit Eigeninteressen gef&ouml;rdert oder komplett finanziert werden<\/a>.<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei Stiftungsprofessuren gekungelt wird. Wenn Firmen Universit&auml;ten Millionen spenden, wollen sie gern vorher wissen, welcher Wissenschaftler auf den von ihnen bezahlten Posten berufen wird. Sie wollen darauf Einfluss aus&uuml;ben, in welche Richtung geforscht wird und wie sich die Ergebnisse nutzen lassen. Besonders anf&auml;llig sind F&auml;cher, in denen die Forschung teuer ist, Medizin etwa oder Pharmazie. Aber meist sind solche Absprachen informell; es wird kein Vertrag dar&uuml;ber abgeschlossen, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/studium\/deutsche-bank-deal-mit-berliner-unis-kauf-dir-einen-prof-a-765337.html\">der beide Seiten nicht gut aussehen l&auml;sst<\/a>.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Stiftungsprofessuren werden &uuml;blicherweise f&uuml;r spezielle Fachgebiete ausgeschrieben, f&uuml;r die die Hochschulen angesichts knapper Stellen, keine Lehr- oder Forschungspriorit&auml;t setzen k&ouml;nnen. Und sie werden umgekehrt wiederum von Stiftern gesponsert, die auf einem Wissensgebiet ein spezielles Interesse haben.<\/p><p>Praktisch bedeutet das, dass private Wissenschaftsinteressen in die &ouml;ffentlichen Hochschulen hineingetragen werden, die ansonsten f&uuml;r die Scientific Community in den jeweiligen Fachbereichen nicht so wichtig erachtet wurden, dass daf&uuml;r eine neue Professur eingerichtet oder eine Stelle aus einem anderen Fachgebiet umgewidmet worden w&auml;ren.<\/p><p>Mit den Stiftungsprofessuren findet in den jeweiligen F&auml;chern eine &bdquo;Profilbildung&ldquo; bzw. eine fachliche Schwerpunktbildung statt, die &uuml;ber den gesamten Fachbereich ausstrahlt, zumal die berufenen Stiftungsprofessoren wiederum auch ein Mitspracherecht &uuml;ber die k&uuml;nftige fachliche Weiterentwicklung haben.<\/p><p>Mit dem zu berufenden Wissenschaftler k&ouml;nnen die Stifter auch die wissenschaftlichen Fragestellungen und die Zielrichtung dieser Professur bestimmen. Im Regelfall geht damit einher, dass die Berufenen mit ihrem Forschungsgebiet und mit ihrer Lehre<br>\nauch die Erkenntnisvorstellungen, um nicht zu sagen die Interessen ihrer Stifter vertreten. Und so gewinnen diese privaten Interessen auch Einfluss auf die jeweiligen F&auml;cher.<\/p><p>Das Wichtigste aber ist: Der Begriff &bdquo;Stiftungsprofessur&ldquo; ist in aller Regel eher besch&ouml;nigend bzw. verdeckend. Denn in aller Regel ist die Dauer der Finanzierung durch den &bdquo;Stifter&ldquo; auf 3 oder maximal 5 Jahre begrenzt. Danach muss in den meisten F&auml;llen die Hochschule diese Professur aus eigenen Mitteln f&ouml;rdern  und das hei&szlig;t fast immer, dass eine andere Professur &bdquo;umgewidmet&ldquo; werden muss. Das hat in der Vergangenheit vor allem die Geisteswissenschaften getroffen.<\/p><p>Vor einigen Jahren hatte ich mir einmal die M&uuml;he gemacht die Stiftungsprofessuren und die Stiftungsgastprofessuren an der Johann-Wolfgang-Goethe Uni in Frankfurt <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2153\">herauszusuchen<\/a>.<br>\n2007 hatte diese Uni 500 Professorinnen und Professoren, 23 Stiftungsprofessoren<br>\n14 Stiftungsgastprofessoren.<br>\nDarunter z.B.<\/p><ul>\n<li>Stiftungsprofessur f&uuml;r Wirtschaftsrecht\/Law &amp; Finance von der <strong>Dresdner Bank<\/strong><\/li>\n<li>Stiftungsprofessur des <strong>Bundesverbandes Deutscher Investment- und Verm&ouml;gensverwaltungsgesellschaften (BVI)<\/strong> f&uuml;r Betriebswirtschaftslehre, inbesondere Investment, Portfolio-Management und Alterssicherung<\/li>\n<li>Volkswirtschaftslehre, inbesondere Monet&auml;re &Ouml;konomie der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2153\">Stiftung Geld und W&auml;hrung<\/a><\/li>\n<li><strong>Sitftungsprofessuren der DekaBank und der Helaba<\/strong> etc.etc.<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] die gegen&uuml;ber der Erhebung des Statistischen Bundesamtes h&ouml;heren Werte sind dem &bdquo;F&ouml;rderatlas 2012&ldquo; entnommen, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem Stifterverband f&uuml;r die Deutsche Wissenschaft <a href=\"http:\/\/www.dfg.de\/service\/presse\/pressemitteilungen\/2012\/pressemitteilung_nr_24\/\">2012 herausgegeben hat<\/a><br>\n<a href=\"http:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/wordpress\/?p=15307\">Siehe wieder andere Zahlen in Forschungs &amp; Lehre<\/a>. &Uuml;bereinstimmend sind jedoch die Trends.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei real stagnierenden Grundmitteln, sind die Universit&auml;ten, um &uuml;berhaupt noch Forschung betreiben zu k&ouml;nnen, mehr und mehr auf die Einwerbung von Drittmitteln angewiesen. Der Wettbewerb um Drittmittel wurde geradezu zum Steuerungsinstrument der Universit&auml;tsforschung. Das Grundecht der Wissenschaftsfreiheit f&uuml;r den einzelnen Hochschulwissenschaftler wird dadurch eingeschr&auml;nkt und die Idee der Universit&auml;t als ein von Fremdbestimmung, von wirtschaftlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24970\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17,129],"tags":[235,651,438,363,1310,565,221],"class_list":["post-24970","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-drittmittel","tag-energiewirtschaft","tag-pharmaindustrie","tag-raffelhueschen-bernd","tag-sponsoring","tag-unternehmerische-hochschule","tag-versicherungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24970"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24970\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24972,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24970\/revisions\/24972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}