{"id":24995,"date":"2015-02-12T09:22:07","date_gmt":"2015-02-12T08:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24995"},"modified":"2024-09-23T02:08:58","modified_gmt":"2024-09-23T00:08:58","slug":"medien-im-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24995","title":{"rendered":"Medien im Krieg"},"content":{"rendered":"<p>Dass die Medien sehr wohl auch einseitige Propaganda, ja, L&uuml;gen verbreiten, ist vielen sp&auml;testens seit dem Machtkampf um die Ukraine mehr als bewusst. Ist die Einseitigkeit hierbei jedoch nur Zu- oder eher Regelfall? Und wie kommen sie eigentlich in die Welt &ndash; all die Kriegseintritts- und sonstigen L&uuml;gen? Zu diesen Fragen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>J&ouml;rg Becker<\/strong>, der seit Langem hierzu arbeitet und forscht.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Becker, <a href=\"http:\/\/www.springer.com\/springer+vs\/medien\/politische+kommunikation\/book\/978-3-658-07476-0\">Ihr neues Buch<\/a>, das demn&auml;chst erscheint und das Sie selbst als eine Art Lebenswerk bezeichnen, tr&auml;gt den Titel &bdquo;Medien im Krieg &ndash; Krieg in den Medien&ldquo;. Was ist Ihr Anliegen mit diesem Buch? Worum geht es?<\/strong><\/p><p>Ich habe mit diesem Buch ein mehrfaches Anliegen. Der doppelte Titel soll darauf hinweisen, dass jede Auseinandersetzung mit diesem Thema dann v&ouml;llig zu kurz greift, wenn sie sich darauf beschr&auml;nkt, allein &uuml;ber verzerrte Inhalte nachzudenken, also nur auf Kriegsberichterstattung orientiert. Die ist zwar selbstverst&auml;ndlich wichtig, aber es geht vor allem um die gesellschaftlichen Strukturen, die derlei verlogene Berichterstattung bedingen. <\/p><p>Daher spreche ich in diesem Buch auch &uuml;ber die T&auml;tigkeiten von PR-Agenturen, die mit aktivem Kriegsmarketing in den Medien Profit machen, vom v&ouml;lkerrechstwidrigen Bombardement von Mediengeb&auml;uden im Krieg, davon, wie elit&auml;re soziale Netzwerke zwischen Medien und Politik das Kriegsgesch&auml;ft hochschrauben und beschreibe, dass sich in Kriegszeiten auch NGOs vor den militaristischen Karren der Mainstream-Medien spannen lassen. Ich bin kein Medienwissenschaftler, der sich damit zufrieden gibt, sich schlaue Gedanken &uuml;ber die Inhalte in den Medien zu machen, sondern Politikwissenschaftler, der die politischen Bedingungen jenseits der Inhaltsebene analysieren will. <\/p><p>Wichtig ist mir in meinem ganzen Buch auch ein historischer Gedanke und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen mache ich kontinuierlich darauf aufmerksam, dass es besonders zu Kriegsanfang bestimmte Kriegsl&uuml;gen in den Medien schon immer gegeben hat, zum anderen kann ich den historischen Gedanken an meinem eigenen Berufsleben verdeutlichen, da ich nun seit vierzig Jahren an diesem Thema arbeite. <\/p><p><strong>Mit &bdquo;historischem Gedanken&ldquo; meinen Sie also die Entwicklung von Kriegsl&uuml;gen und -propaganda &uuml;ber die Zeit?<\/strong><\/p><p>Ja, genau das. In der Schule haben wir alle von dem von den Nazis am 31. August 1939 fingierten &Uuml;berfall auf den Sender Gleiwitz als Vorwand f&uuml;r den deutschen &Uuml;berfall auf Polen geh&ouml;rt. Und wir haben in der Schule doch ebenso gelernt, dass der &Uuml;berfall auf amerikanische Schiffe 1964 in der Bucht von Tonkin nur vorget&auml;uscht war, um den USA einen Vorwand zu liefern, den Vietnamkrieg beginnen zu k&ouml;nnen. Wo steht geschrieben, dass es solche L&uuml;gen nicht mehr gibt? Was lernen wir endlich aus solchen L&uuml;genkriegsgeschichten? Warum sind die deutschen Medien nicht wenigstens nachtr&auml;glich zu Selbstkritik f&auml;hig, wenn sie schon 1964 die gesamten amerikanischen L&uuml;gen mitgetragen haben?   <\/p><p><strong>Es wird also gelogen und manipuliert? Von wem und wie denn genau &ndash; und warum? <\/strong><\/p><p>Nun, selbstverst&auml;ndlich l&uuml;gen die <em>Herrschenden<\/em> &ndash; und zwar die in der Politik genauso wie die in den Medien. Wer meint, dass es sich bei brandhei&szlig;en Themen wie Krieg und Medien in den Feldern Politik und Medien um voneinander getrennte Sph&auml;ren handelt, wer etwa meint, dass Medien die Politik kontrollierten oder dass Politiker die Medien manipulierten, der irrt in beiden F&auml;llen. Zwischen beiden Sph&auml;ren gibt es vielmehr einen so engen Austausch von Menschen, Ideen und Geld, dass es sich mehr oder minder nur um eine einzige Sph&auml;re handelt. Es ist die von mir so beschriebene und sogenannte Struktur M hoch 5 (M&amp;sup5;). Das steht f&uuml;r  Macht &ndash; Maschine &ndash; Milit&auml;r &ndash; M&auml;nner &ndash; Medien. <\/p><p>Freilich hatte der k&uuml;rzlich verstorbene M&uuml;nchener Soziologe <em>Ulrich Beck<\/em> v&ouml;llig recht, als er sagte, dass dem Kosovo-Krieg ein, wenn auch ungewolltes, B&uuml;ndnis von NATO und Amnesty International zugrunde lag. Die gesellschaftliche Mitmachfalle haut den evangelischen Pfarrern unseres Landes &ndash; Joachim Gauck, Wolfgang Huber, Katrin G&ouml;ring-Eckardt und anderen &ndash; doch seit langem ihre Bergpredigt um die Ohren, die Gr&uuml;nen &ndash; Joschka Fischer und Cem &Ouml;zdemir etwa &ndash; haben an der T&uuml;r des politischen Opportunismus ihren Antimilitarismus doch l&auml;ngst abgegeben und den gesch&auml;tzten 12 Prozent Hedonisten aus der Mittelschicht unserer Republik sind Shopping und Swingerclubs allemal wichtiger als etwa die Erfahrung eines Kriegsberichterstatters wie Goethe, der mitten in der Schlacht von Valmy 1792 feststellte, dass er nun Augenzeuge &bdquo;einer neuen Epoche der Weltgeschichte&ldquo; geworden sei. Die nicht aufzul&ouml;sende Weber&lsquo;sche Dynamik von Verantwortungs- und Gesinnungsethik ist bei Medien und Politik inzwischen an eine intellektuell sehr d&uuml;nne, zumal kurzfristige Verantwortungsethik verkr&uuml;ppelt oder ist beim Lustgef&uuml;hl der Hedonisten sogar v&ouml;llig abhandengekommen. Was k&uuml;mmert mich schon ein Krieg in Libyen?, hei&szlig;t es da wohl.       <\/p><p><strong>Lassen Sie uns das bitte anhand des Irakkrieges, der mich politisierte und den Sie &ndash; neben anderen Kriegen &ndash; in Ihrem Buch auch analysieren, bitte einmal durchgehen. Welche &bdquo;L&uuml;gen&ldquo; gab es hier genau &ndash; und wie kamen diese in die Welt?<\/strong><\/p><p>Dieser Krieg spielt im Rahmen meines Buches eine besondere Rolle, denn&hellip; 1. Die exklusive Rolle des TV-Senders CNN und die &uuml;ber das Fernsehen &ouml;ffentlich ausgetragenen Duelle zwischen <em>Saddam Hussein<\/em> und <em>George Bush senior<\/em> waren in ihren Auswirkungen derartig stark, dass man seit diesem Krieg vom CNN-Faktor spricht und damit also eine komplette, perfekte, mediale Kriegsinszenierung meint. 2. Da sich diese mediale Inszenierung auch innerhalb aller Nahoststaaten abspielte, die dortigen TV-Zuschauer aber die US-amerikanische Siegerpose von CNN nicht l&auml;nger ertragen konnten und wollten, f&uuml;hrte dies 1996 zur Geburtsstunde eines neuen globalen TV-Senders, n&auml;mlich Al-Dschasira. 3. Dieser sogenannte Zweite Irakkrieg war der wichtigste Krieg nach 1945, in dem die Medien Saddam Hussein als einen Wiederg&auml;nger von <em>Adolf Hitler<\/em> verteufelten. Tauchte nach 1945 ein Vergleich mit Auschwitz in deutschen Medien erst w&auml;hrend des Biafrakriegs 1967\/70 auf, so verkauften dann US-amerikanische PR-Agenturen den Medien dieser Welt das Doppelpaket Auschwitz + <em>Slobodan Milo&scaron;evi&#263;<\/em> als weiteren Wiederg&auml;nger Hitlers h&ouml;chst professionell im bosnischen Medienkrieg 1992\/95 gegen Serbien.<\/p><p>Und auch die ganze L&uuml;gerei l&auml;sst sich gut im Sommer 2003 zu Beginn des Irak-Krieges nachzeichnen. Wiederum brauchte man einen Vorwand, um ein Land anzugreifen. Ich nenne mal ein paar der damals wichtigsten L&uuml;gen. Die al-Qaida-L&uuml;ge, also, die absurderweise unterstellte Kooperation von Saddam Hussein mit al-Qaida, die Niger-L&uuml;ge nach der der Irak aus dem Niger Uran gekauft haben sollte, die L&uuml;ge &uuml;ber Massenvernichtungswaffen im Irak, die L&uuml;ge, der Irak verf&uuml;ge &uuml;ber Raketen mit einer Reichweite von 200 Kilometern oder die L&uuml;ge, dass die Hussein-Statue in Bagdad durch die irakische Bev&ouml;lkerung gest&uuml;rzt worden sei, obwohl dieser Sturz eine h&ouml;chst geschickte Bildmanipulation des amerikanisches Milit&auml;rs war.<\/p><p>Im &Uuml;brigen diente in Deutschland die L&uuml;ge von einem sogenannten Hufeisenplan Verteidigungsminister Rudolf Scharping im Fr&uuml;hling 1999 zur Rechtfertigung der NATO-Intervention in den Kosovo. <\/p><p>Skandal&ouml;s sind aber nicht nur diese L&uuml;gen, skandal&ouml;s ist es ebenso, dass solchen L&uuml;gen nachher, wenn sie auffliegen, nichts folgt. Warum setzte der von einem Minister angelogene Deutsche Bundestag keinen Untersuchungsausschuss ein? Warum wurde gegen Scharping kein Strafverfahren eingeleitet? Warum besch&auml;ftigte sich der Deutsche Presserat nicht mit dieser L&uuml;ge?           <\/p><p><strong>&hellip;und wie kommt man derlei L&uuml;gen schlie&szlig;lich auf die Spur? Und wer denkt sie sich aus und verbreitet sie?<\/strong><\/p><p>Auch wenn es sich wie eine platte Verschw&ouml;rungstheorie von Klein-Schmittchen anh&ouml;rt, ist es doch eine empirisch &uuml;berpr&uuml;fbare Tatsache, dass sich weltweit inzwischen viele PR-Agenturen gegen Profit Kriegsl&uuml;gen im Auftrag sehr unterschiedlicher Krieg f&uuml;hrender Regierungen mit wissenschaftlicher Strenge systematisch ausdenken und deren &ouml;ffentliche Wirksamkeit gemeinsam mit ihren Auftraggebern auch nachtr&auml;glich noch evaluieren. <\/p><p>Dazu gibt es in meinem Buch nicht nur aus den Balkan-Kriegen, sondern auch aus dem Georgienkrieg im Sommer 2008 viele Beispiele. Regelrechte Signalw&ouml;rter in der Medienberichterstattung, die auf die Arbeit professioneller <em>PR-Berater<\/em> und <em>Spin-Doktoren<\/em> hindeuten, sind dabei aktuell &bdquo;Flucht&ldquo;, &bdquo;Vertreibung&ldquo; und &bdquo;Genozid&ldquo;. Diese W&ouml;rter sind deswegen inzwischen zu inhaltsleeren Signalw&ouml;rtern verkommen, weil sie in dem rechtlich mehr als fragw&uuml;rdigen Kontext einer &bdquo;<em>Responsibility to Protect<\/em>&ldquo; als Lackmustest daf&uuml;r gelten, ob irgendeine Gro&szlig;macht Menschenrechte sozusagen mit Unterst&uuml;tzung durch die eigene Bev&ouml;lkerung &bdquo;herbeibomben&ldquo; darf. <\/p><p>Mediale Kriegsl&uuml;gen kann man oft aber auch an immer denselben und h&auml;ufig wieder kehrenden Motiven erkennen. So beispielsweise verwundete Kleinkinder, besonders grausame Kriegshandlungen, Misshandlungen von Frauen, Negativberichte usw. usf. Leider erweist sich so manche mediale Kriegsl&uuml;ge aber erst dann als richtige L&uuml;ge, wenn Generationen sp&auml;ter Regierungsarchive ge&ouml;ffnet werden d&uuml;rfen, die dann auch einer Auswertung durch die Forschung zur Verf&uuml;gung stehen. Meine Erfahrung lehrt mich, dass mediale Kriegsl&uuml;gen durchweg noch sehr viel dreister waren, als man dies zeitgen&ouml;ssisch mit guten Gr&uuml;nden jeweils h&auml;tte vermuten k&ouml;nnen.                  <\/p><p><strong>Sie beschreiben in Ihrem Buch auch massive Manipulationen zu den Themen &bdquo;islamistische Terrormilizen&ldquo; und &bdquo;IS&ldquo;. Bitte f&uuml;hren Sie doch einmal anhand dieser Beispiele aus, welchen Werdegang eine L&uuml;ge von der Manifestation eines Interesses hin &uuml;ber ihre Geburt und schlie&szlig;lich zu ihrer Verbreitung so nimmt&hellip;<\/strong><\/p><p>Auch in meinem Buch bin ich bei dieser Frage ein wenig vorsichtig und z&ouml;gerlich, weil wir es mit einem aktuellen Konflikt zu tun haben und vieles da noch schwer recherchier- und nachvollziehbar ist. Es liegt halt in der Natur von Wissenschaft, dass sie langsam arbeiten und einer gr&uuml;ndlichen Realit&auml;tsanalyse hinterherhinken muss. Ich gebe dennoch einmal einige Nachdenkenspunkte bereits im Vorfeld an&hellip; Es sind die die folgenden: <\/p><ol>\n<li>Soweit ich das &uuml;berblicke, ist mit Ausnahme der Journalistin <em>Karin Leukefeld<\/em> kein anderer deutscher Journalist in Syrien &uuml;berhaupt akkreditiert und spricht mit realen Menschen in diesem Land. Und auch <em>J&uuml;rgen Todenh&ouml;fers<\/em> Nahost-Reportagen sind deswegen so gut, weil er vor Ort reale Menschen nicht mit einer von au&szlig;en herangetragenen Deformation ausfragt, sondern sie ihre eigene Sicht erz&auml;hlen l&auml;sst. W&auml;hrend Leukefelds Berichte in der &bdquo;<em>jungen Welt<\/em>&ldquo; seit langem und kontinuierlich ein h&ouml;chst differenziertes Bild von der Kriegssituation in Syrien darstellen, lebt die normale Syrien- und IS-Berichterstattung hingegen von schlechtem Agentur- und Studiojournalismus auf der Basis von Zweitquellen sowie der systematischen Ausblendung von Stimme aus  vermeintlich &bdquo;feindlichen Lagern&ldquo;, obwohl doch das Prinzip des &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Audiatur_et_altera_pars\">audiatur et altera pars<\/a>&ldquo; eines der ersten Grundprinzipien von gutem Journalismus sein sollte. Ein ARD-Korrespondent im Studio in Kairo, der seinen Lagebericht &uuml;ber den 1.500 Kilometer entfernten irakischen &bdquo;IS&ldquo; nur auf die Lekt&uuml;re der &auml;gyptischen Zeitung &bdquo;<em>Al Ahram<\/em>&ldquo; st&uuml;tzt, k&ouml;nnte seine f&uuml;nf inhaltsarmen Mikrophon-S&auml;tze genauso gut von einem Balkon aus in Bad Kreuznach oder Bitterfeld sprechen. <\/li>\n<li>Die generelle Islamophobie sowohl bei den Menschen als auch bei den Medien, besonders aber wohl beim ZDF, auf die mein Kollege <em>Kai Hafez<\/em> von der Universit&auml;t Erfurt mehrfach und empirisch gut belegt hingewiesen hat, versperrt dem normalen Medienrezipienten eine differenzierte Medienwahrnehmung selbst f&uuml;r den Fall, dass ein Medienangebot einmal gut sein sollte. Wo <em>Peter Scholl-Latour<\/em> weithin als exzellenter Islamspezialist gilt, da hat es das &bdquo;Licht aus dem Orient&ldquo; eben schwer &ndash; und eben das meint Aufkl&auml;rung, was man gut bei Goethe nachlesen kann. Wirklich gute Nahostjournalisten wie <em>Rudolf Chimelli<\/em> von der S&uuml;ddeutschen oder <em>Rainer Hermann<\/em> von der FAZ kommen &uuml;ber die Aufmerksamkeitsschranke der geschw&auml;tzig-scheinpluralen TV-Talkshows dagegen &uuml;berhaupt nicht mehr hinaus. Gut l&auml;sst sich au&szlig;erdem mit <em><a href=\"http:\/\/de.qantara.de\/autor\/charlotte-wiedemann\">Charlotte Wiedemann<\/a><\/em> argumentieren, dass nicht &bdquo;der Westen&ldquo; von &bdquo;dem Islam&ldquo; bedroht wird, sondern unterschiedliche Muslime vielmehr mit sich selbst um ihre Zukunft ringen; so zum Beispiel in Pakistan, im Jemen und in Bahrain.        <\/li>\n<li>Die Interessenslagen im Syrienkrieg, bei den &bdquo;islamistischen Terrormilizen&ldquo; und dem &bdquo;IS&ldquo; sind komplex und wechselnd. Da werden auf einmal die USA und Schiiten aus dem Iran zu Zwangs-Verb&uuml;ndeten gegen den sunnitischen &bdquo;IS&ldquo; und da unterst&uuml;tzt der westliche B&uuml;ndnispartner Saudi-Arabien in Syrien Salafisten mit Waffen und Geld, w&auml;hrend Salafisten in Deutschland pauschal als Terroristen gelten. W&auml;hrend katarische Millionen zum einen an &bdquo;Terrormilizen&ldquo; flie&szlig;en, flie&szlig;en sie zum anderen ebenfalls als friedliche Aktienpakete ins befreundete Deutschland und zwar zu VW und Siemens. W&auml;hrend die kurdische PKK in Deutschland als terroristische Organisation verboten ist, bekommen die kurdischen Peschmerga in Syrien Waffenhilfe aus Deutschland und w&auml;hrend der NATO-Partner T&uuml;rkei traumatisiert vom jahrelangen B&uuml;rgerkrieg mit den Kurden im eigenen Land voller Angst auf deren m&ouml;gliche Autonomie starrt, sieht man sich dort wenig veranlasst, dem Abschlachten von syrischen Kurden jenseits der t&uuml;rkischen Grenze etwas entgegenzusetzen. Und jenseits all dieser Dimensionen w&auml;re dann auch noch &uuml;ber deutschen Waffenexport in den Nahen Osten zu reden.\n<p>Mit einer solch komplexen Gemengelage k&ouml;nnen unsere Massenmedien strukturell einfach nicht umgehen. Wer glaubt, dass Massenmedien im gegenw&auml;rtigen Kapitalismus die Aufgabe h&auml;tten, zu informieren und aufzukl&auml;ren, liegt absolut falsch. Stattdessen verd&uuml;nnen sie Informationen, sie personalisieren, sie bauschen Nebens&auml;chlichkeiten auf, sie thematisieren bestimmte Zusammenh&auml;nge gar nicht, sie inszenieren und sie sind eine andauernde und gewaltige Entertainmentmaschine, der es um Reichweiten, Einschaltquoten, Absatzm&auml;rkte und Geld geht. Ist dieses bereits der strukturelle Dauerzustand medialer Berichterstattung im Frieden, dann darf man sich nicht dar&uuml;ber wundern, dass dieselben Mechanismen auch und erst recht f&uuml;r die Berichterstattung in Kriegszeiten gelten.<\/p><\/li>\n<li>Wie schon seit vielen Jahren im Nahen Osten zu beobachten ist, sind die heutigen Kriege vor allem auch Medienkriege. Vor laufender Kamera hingerichtete westliche Journalisten sind Teil dieser brutalen Dynamik, doch nicht nur von &bdquo;islamistischen Terrormilizen&ldquo; und dem &bdquo;IS&ldquo;, sondern auch von einem weltweit bilder- und mediengeilen TV- und Youtube-Publikum, das diese Bilder mit einer voyeuristischen Hassliebe offenbar regelrecht braucht. W&uuml;rde niemand solche Bilder zeigen oder sehen wollen, dann w&auml;re dem &bdquo;Terrorismus&ldquo; bereits ein gro&szlig;er Teil seines Bodens entzogen. Stattdessen gibt es seit langem zwei dynamisch sich aufblasende M&auml;rkte, die ohne das Internet nicht existieren w&uuml;rden: Das sind der Finanz- und der Terrorismusmarkt.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Ich bin mal absichtlich ein wenig naiv und frage mit Erich K&auml;stner: &bdquo;Wo bleibt denn in Ihrem neuen Buch das Positive, Herr Becker? Gibt es das denn gar nicht?&ldquo;<\/strong><\/p><p>Doch, doch, das zeige ich in meinem Buch auch. So distanzierte sich beispielsweise am 31. M&auml;rz 2003 der Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Axel Springer AG in einer &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rung von der &bdquo;&uuml;berwiegend einseitigen Berichterstattung &uuml;ber den Krieg im Irak&ldquo; durch Zeitungen des eigenen Hauses. Und nur kurz darauf brachte die &ldquo;<em>BILD<\/em>&ldquo; eine Ausgabe, in der nur noch Irakkriegsgegner zu Wort kamen. Man sieht also: Widerstand lohnt sich. <\/p><p><strong>In diesem Sinne: Danke f&uuml;r Ihre Arbeit und noch gr&ouml;&szlig;eren Dank f&uuml;r das gute Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>J&ouml;rg Becker<\/strong> (Prof. Dr.) ist seit 1987 Honorarprofessor f&uuml;r Politikwissenschaft an der Universit&auml;t Marburg, war von 1987 bis 2010 Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des KomTech-Instituts f&uuml;r Kommunikations- und Technologieforschung in Solingen und von 1999 bis 2011 Gastprofessor f&uuml;r Politikwissenschaft an der Universit&auml;t Innsbruck. Von ihm stammen zahlreiche deutsche und internationale Ver&ouml;ffentlichungen zu den Bereichen Internationale Beziehungen, Friedensforschung und Medienpolitik.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Eine automatische E-Mail-Benachrichtigung &uuml;ber <strong>neue Texte von Jens Wernicke<\/strong> k&ouml;nnen Sie <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">hier<\/a> bestellen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/dee639f9d34e446fae5951cf6b8e918f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Medien sehr wohl auch einseitige Propaganda, ja, L&uuml;gen verbreiten, ist vielen sp&auml;testens seit dem Machtkampf um die Ukraine mehr als bewusst. Ist die Einseitigkeit hierbei jedoch nur Zu- oder eher Regelfall? Und wie kommen sie eigentlich in die Welt &ndash; all die Kriegseintritts- und sonstigen L&uuml;gen? Zu diesen Fragen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24995\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,41,171,85],"tags":[641,1202,462,432,1611,1955,1553,950,1270],"class_list":["post-24995","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-medienanalyse","category-militaereinsaetzekriege","category-pr","tag-irak","tag-isis","tag-jugoslawien","tag-kosovo","tag-kriegsluegen","tag-leukefeld-karin","tag-syrien","tag-tuerkei","tag-todenhoefer-juergen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24995","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24995"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24995\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121669,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24995\/revisions\/121669"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24995"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}