{"id":25008,"date":"2015-02-13T12:26:50","date_gmt":"2015-02-13T11:26:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25008"},"modified":"2015-02-13T16:51:47","modified_gmt":"2015-02-13T15:51:47","slug":"kennst-du-das-land-wo-der-kautschuk-waechst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25008","title":{"rendered":"Kennst Du das Land, wo der Kautschuk w\u00e4chst?"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150213_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Beinahe drei Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fl&auml;che Kambodschas wurden von der Regierung an Konzerne &bdquo;verpachtet&ldquo;. Das entspricht fast einem Drittel des Landes. Auf 80% der verpachteten Fl&auml;che wird nun Kautschuk angebaut. In fast allen F&auml;llen f&uuml;hren diese Verpachtungen zu Vertreibungen, die meist mit Gewalt durch Polizei und Milit&auml;r gegen die Zivilbev&ouml;lkerung einhergehen. Mehr als eine halbe Millionen Kambodschaner sind bereits Opfer von Landkonflikten. Die Profiteure sind sowohl die einheimischen Eliten wie auch internationale Konzerne. Was f&uuml;r ein Land wie Kambodscha eine echte Katastrophe ist, wird in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit jedoch kaum wahrgenommen. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nStellen Sie sich doch einmal folgende Situation vor: Sie wachen morgens auf und vor ihrem Haus stehen Bulldozer. Bewaffnete Einheiten der Bundespolizei dringen in ihr Haus und nehmen sich ihre elektrischen Ger&auml;te und Wertsachen mit. Daraufhin werden Sie gewaltsam aus ihrem Haus gedr&auml;ngt und die Bulldozer beginnen ihr zerst&ouml;rerisches Werk. Nun sind Sie obdachlos und es gibt keine staatliche Stelle, die sich f&uuml;r Sie und ihr Schicksal interessiert. Game over! <\/p><p><em>Lars Bauer und Jens Berger von den NachDenkSeiten waren vor wenigen Wochen auf Einladung der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/welthungerhilfe.cambodia.laos\">Welthungerhilfe<\/a> vor Ort in Kambodscha und haben sich selbst ein Bild &uuml;ber die Ursachen und Folgen des Landgrabbings gemacht. Dieser Artikel beschreibt die Hintergr&uuml;nde und versucht Perspektiven zu zeichnen. Die Rechercheergebnisse vor Ort sind in der Videoreportage &bdquo;Landgrabbing in Kambodscha&ldquo; verarbeitet. Am Ende des Textes finden Sie zahlreiche Links auf weiterf&uuml;hrende Informationen.<\/em><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Vimeo\" data-provider-slug=\"vimeo\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Vimeo &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Vimeo zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/119253354\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"vimeo\">Inhalte von Vimeo nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><em>(F&uuml;r Leser, die technische Probleme mit vimeo haben, findet sich auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7-zrdK0S750\">eine Kopie unseres Films auf YouTube<\/a>.)<\/em><\/p><p><strong>Ein kleiner geschichtlicher Exkurs<\/strong><\/p><div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150213_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Was sich f&uuml;r deutsche Ohren unglaublich anh&ouml;rt, ist in Kambodscha trauriger Alltag. Einer der Gr&uuml;nde, warum es gerade in Kambodscha derlei massive Landkonflikte gibt, liegt in der j&uuml;ngeren Geschichte des Landes. Nach der franz&ouml;sischen Kolonialherrschaft entwickelte sich Kambodscha zu einem politisch stabilen Land, das sich im gro&szlig;en Spiel der Superm&auml;chte neutral verhielt. Dies war vor allem den USA jedoch ein Dorn im Auge, die Ende der 1960er ihren Krieg in Vietnam St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck auf die Nachbarstaaten ausweiteten. 1970 putschte in Kambodscha mit amerikanischer Unterst&uuml;tzung eine Milit&auml;rjunta und zog das Land endg&uuml;ltig in den Vietnamkrieg hinein. Dies sorgte daf&uuml;r, dass in Kambodscha eine &ndash; zumindest auf dem Papier &ndash; kommunistische Guerillatruppe namens Rote Khmer mit nordvietnamesischer Unterst&uuml;tzung einen B&uuml;rgerkrieg anzettelte, den sie 1975 auch gewann.<\/p><p>Unter Pol Pot zogen die Roten Khmer ein historisch einmaliges Terrorregime auf. Binnen weniger Jahre wurden rund zwei Millionen Menschen get&ouml;tet &ndash; teilweise reichte es bereits, wenn man eine Brille trug, da man dann als &bdquo;bourgeoiser&ldquo; Verr&auml;ter und somit als Staatsfeind galt. Die Roten Khmer wollten Kambodscha zu einem &bdquo;kommunistisch-primitivistischen&ldquo; Bauernstaat machen, in dem &ndash; wie so vieles andere &ndash; auch St&auml;dte als konterrevolution&auml;r galten und aufgel&ouml;st werden mussten. Kurz nach der Machtergreifung der Roten Khmer lebten in der ehemaligen Millionenstadt Phnom Penh nur noch 20.000 Menschen, die dort in den Ruinen K&uuml;he und Schweine hielten. Dies ging dann auch den nun wiedervereinigten kommunistischen Vietnam zu weit, das nun seinerseits in Kambodscha einmarschierte und das Land besetzte. Der folgende B&uuml;rgerkrieg wurde erst 1991 durch einen Waffenstillstand beendet und es sollte noch mehr als zehn weitere Jahre dauern, bis das Land eine stabile Regierung bekommen sollte. <\/p><p>Dies Alles hatte nat&uuml;rlich auch massive Auswirkungen auf die Landfrage. Unter den Roten Khmer galt jeder Privatbesitz als &bdquo;bourgeois&ldquo;, s&auml;mtliche Urkunden, Vertr&auml;ge und Katastereintr&auml;ge wurden vernichtet. Und auch die Nachfolger aus dem kommunistischen Vietnam hatten kein gesteigertes Interesse daran, sich um die privaten Besitzverh&auml;ltnisse des besetzten Landes zu k&uuml;mmern. Hinzu kam, dass durch jahrzehntelangen Krieg, Vertreibung und Flucht nur wenige Kambodschaner &uuml;berhaupt noch auf dem Flecken Land lebten, den ihre Familien seit Generationen bewirtschaftet haben. Was man mit geh&ouml;riger Untertreibung als &bdquo;mangelnde Rechtssicherheit&ldquo; bezeichnen k&ouml;nnte, sollte sich f&uuml;r korrupte Kleptokraten und ausl&auml;ndische Konzerne als echter Gl&uuml;cksfall erweisen. Denn wo es keine anerkannten Besitzurkunden gibt, lassen sich die Menschen auch vergleichsweise einfach vertreiben.<\/p><p><strong>Von Holzbaronen zu Kautschukbaronen<\/strong><\/p><div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150213_03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Bereits in Zeiten des B&uuml;rgerkriegs geh&ouml;rte illegal geschlagenes Tropenholz zu den wichtigsten Einnahmequellen f&uuml;r s&auml;mtliche Kriegsparteien. Forciert wurde dies in der Region vor allem durch die wirtschaftliche &Ouml;ffnung Vietnams, das kurz nach China bereist 1986 den Weg des Staatskapitalismus eingeschlagen hatte. Es entstand ein Dorado f&uuml;r eine neue &uuml;beraus korrupte Clique aus Parteifunktion&auml;ren, die das eigene Land und die angrenzenden Staaten Kambodscha und Laos ziemlich schnell mit neuen Gesch&auml;ftsm&ouml;glichkeiten &bdquo;begl&uuml;ckten&ldquo;. Als besonders lukrativ erwies sich dabei der unkontrollierte Einschlag und Export von Tropenholz. In Kambodscha entstand so rund um die Familien der obersten Parteifunktion&auml;re eine &auml;u&szlig;erst gesch&auml;ftst&uuml;chtige &bdquo;Holzmafia&ldquo; &ndash; die Holzbarone. Waren 1990 noch 73% des Landes von Wald bedeckt, sind es heute nur noch 57%. Der Export des renditestarken Tropenholzes erfolgte dabei meist &uuml;ber neu gegr&uuml;ndete vietnamesische Konzerne. Ein geh&ouml;riger Teil der Gewinne floss jedoch zu den korrupten Eliten Kambodschas, die vor Ort Konzessionen erteilten und die Drecksarbeit organisierten. Dies war auch der Startschuss f&uuml;r die sogenannten Landkonzessionen, die noch heute der offizielle Begriff f&uuml;r das Landgrabbing sind.<\/p><p>Nachdem die besonders lukrativen Tropenholzreservate abgeholzt waren und der Markt sich durch ein rigoroses Einfuhrverbot f&uuml;r nicht zertifiziertes Holz durch die EU und die USA verkleinert hatte, suchten sich die Holzbarone ein neues und sicher ebenso renditestarkes T&auml;tigkeitsfeld. Aus den Holzbaronen wurden nun die Kautschukbarone. Auf riesigen Arealen wird nun Naturkautschuk angebaut, der &ndash; wie schon beim Tropenholz &ndash; meist &uuml;ber Vietnam auf den Weltmarkt gelangt. Was das Gesch&auml;ftsmodell betrifft, hat sich dabei nicht viel ge&auml;ndert. Korrupte kambodschanische Funktion&auml;re erteilen den Agrarkonzernen die n&ouml;tigen Konzessionen und die Menschen, die auf den betroffenen Landfl&auml;chen leben, werden meist mit r&uuml;den Methoden vertrieben. Die meisten der Agrarkonzerne, die von solchen Landkonzessionen profitieren, sind einheimische Konzerne, die direkt oder indirekt Mitgliedern der obersten Parteielite oder deren Verwandten geh&ouml;ren. An zweiter Stelle folgen die altbekannten vietnamesischen Konzerne, weit dahinter Konzerne aus China, Malaysia und Thailand. Um vor Ort ins Gesch&auml;ft zu kommen, sind einerseits vergleichbar kleine Geb&uuml;hren an den Staat und andererseits vergleichbar hohe Schmiergeldzahlungen an eine ganze Reihe von Offiziellen n&ouml;tig. &Uuml;ber ein ausgekl&uuml;geltes Verteilungssystem werden vom Ministerpr&auml;sidenten ganz oben, &uuml;ber die Minister, Gouverneure, Armeeoffiziere bis hin zum kleinen Soldaten, der die ehemaligen Bewohner mit seinem Gewehr vertreibt, zahlreiche R&auml;der im System geschmiert.<\/p><p><strong>Wer sind die Profiteure?<\/strong><\/p><p>Einer der Gr&uuml;nde, warum das Thema &bdquo;Landgrabbing&ldquo; in Deutschland selbst bei kritischen Menschen keinen hohen Stellenwert genie&szlig;t, liegt wohl daran, dass es nicht in unser angelerntes Opfer-T&auml;ter-Schema passt. Wie das Fallbeispiel Kambodscha zeigt, geh&ouml;ren die T&auml;ter nicht unbedingt zum Kreis der &bdquo;&uuml;blichen Verd&auml;chtigen&ldquo;. Die verantwortlichen Unternehmen hei&szlig;en nicht Goldman Sachs oder Monsanto, sondern Hoang Anh Gia Lai Group (HAGL) oder Vietnam Rubber Group (VRG) &ndash; letztere ist sogar ein Staatskonzern. T&auml;ter und Opfer haben hier meist die gleiche Nationalit&auml;t oder kommen zumindest aus derselben Region. <\/p><p>Der Norden ist jedoch auf einem anderen Gebiet nach wie vor hervorragend im Gesch&auml;ft. Jedes Unternehmen ben&ouml;tigt Kapital f&uuml;r seine Investitionen &ndash; das gilt freilich auch f&uuml;r das Landgrabbing. Wer finanziert die kambodschanischen und vietnamesischen Agrarunternehmen? Zu einem der Finanziers der HAGL-Gruppe geh&ouml;rte bis vor kurzen die Deutsche Bank, wodurch das Thema &bdquo;Landgrabbing&ldquo; zumindest eine einzige Schlagzeile in den gro&szlig;en deutschen Medien <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/hagl-deutsche-bank-gibt-beteiligung-am-kautschuk-konzern-auf-a-937030.html\">bekam<\/a>. Danach hat sich die Deutsche Bank &ouml;ffentlichkeitswirksam von HAGL getrennt &ndash; zumindest offiziell. Wer die &bdquo;Landgrabbing-Unternehmen&ldquo; finanziert, ist im undurchdringlichen Dickicht der Holdings, Offshore-Gesellschaften und Briefkastenfirmen nicht zu beantworten. Niemand w&uuml;rde je &ouml;ffentlich zugeben, in der derlei Gesch&auml;fte involviert zu sein. Angebote d&uuml;rfte es jedoch reichlich geben. Bekanntlich ist die Nachfrage nach rentablen Investments, die dann auch gerne einmal ethisch verwerflich sein d&uuml;rfen, gr&ouml;&szlig;er denn je.<\/p><p><strong>Ein Volk in Duldungsstarre<\/strong><\/p><div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150213_04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Auf dem Papier ist Kambodscha eine parlamentarische Wahlmonarchie. In der Realit&auml;t kontrolliert jedoch die Kambodschanische Volkspartei (CPP) alle wichtigen Positionen im Land. Kambodscha wird von einer Funktionselite regiert &ndash; einem &bdquo;tiefen Staat&ldquo;, ein Staat im Staate, der eine gewachsene konspirative Verflechtung aus Politik, Milit&auml;r, Justiz, Verwaltung und Wirtschaft darstellt. Obgleich Korruption, Klepotkratie und Menschenrechtsverletzungen allgegenw&auml;rtig sind, ist das Volk in eine Duldungsstarre verfallen. Der Grund daf&uuml;r ist vor allem historischer Natur. <\/p><p>Nach Jahrzehnten des B&uuml;rgerkriegs, des V&ouml;lkermordes durch die Roten Khmer und der vietnamesischen Besatzung haben die Kambodschaner einen sicherlich verst&auml;ndlichen Wunsch nach Stabilit&auml;t. Wenn man sich zwischen Freiheit und Stabilit&auml;t entscheiden muss, w&auml;hlt man die Stabilit&auml;t. Diese Duldungsstarre wird jedoch von Jahr zu Jahr kleiner. Vor allem die j&uuml;ngere Generation ist nicht mehr gewillt, zur allgegenw&auml;rtigen Ausbeutung zu schweigen. <\/p><p><strong>Was tun?<\/strong><\/p><p>Um die Landkonflikte in Kambodscha zu entsch&auml;rfen, ist es unabdingbar, dass die kambodschanische Politik die Sorgen und N&ouml;te ihrer Bev&ouml;lkerung ernst nimmt und daf&uuml;r sorgt, dass die bereits vorhandenen Gesetze auch Anwendung finden. Es ist vollkommen verst&auml;ndlich, dass ein Entwicklungsland &uuml;ber den Export von Agrarg&uuml;tern und Rohstoffen Erl&ouml;se erzielen will, mit denen die Entwicklung des Landes unterst&uuml;tzt werden kann. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn die Gewinne einzig und allein von einer kleinen Elite eingeheimst und f&uuml;r teure Konsumg&uuml;ter ausgegeben werden. Ohne Druck wird die kambodschanische Politik jedoch ganz sicher nicht ihre lukrativsten Einnahmequellen versiegen lassen.<\/p><p>Dieser Druck kann zum Teil von au&szlig;en kommen. Kambodscha erh&auml;lt j&auml;hrlich mehr als eine Milliarde Dollar an Entwicklungshilfe von den Staaten des Nordens und den internationalen Organisationen. Immer wieder fordern die Geberl&auml;nder, dass die kambodschanische Regierung die Menschenrechte achten und f&uuml;r mehr Transparenz sorgen soll. Auch das Thema Landgrabbing wird in diesem Kontext immer wieder direkt angesprochen. Passiert ist jedoch nahezu nichts. Kambodscha verabschiedete Gesetze und Direktiven, an die sich die Beh&ouml;rden jedoch nicht halten. Die Geberl&auml;nder nehmen dies murrend zur Kenntnis, stellen neue Forderungen und erh&ouml;hen Jahr f&uuml;r Jahr die Hilfsleistungen. Das ist nat&uuml;rlich im h&ouml;chsten Ma&szlig;e unglaubw&uuml;rdig und wird die korrupten Eliten des Landes nicht sonderlich beeindrucken.<\/p><p>In diesem Zusammenhang h&ouml;rt man dann immer wieder das Argument, wenn sich der Norden zur&uuml;ckz&ouml;ge, st&uuml;nde China schon bereit und man d&uuml;rfe den letzten Hebel, den man auf ein Land wie Kambodscha hat, nicht leichtfertig aus der Hand geben. Da ist nat&uuml;rlich was dran. Doch was n&uuml;tzt ein Hebel, wenn man ihn ohnehin nicht einsetzt? <\/p><p><strong>Kaum Einfluss auf wirtschaftlicher Ebene<\/strong><\/p><div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150213_05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Viel wichtiger scheinen dem Norden indes die Wirtschaftsbeziehungen zu sein. Vor allem das schnell wachsende Vietnam steht auf der Wunschliste deutscher Konzerne weit oben. Da wundert es dann auch nicht, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel die Partnerschaft mit Vietnam lieber <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2014\/10\/2014-10-15-bkin-empfaengt-pm-vietnam.html\">&bdquo;mit Leben f&uuml;llen will&ldquo;<\/a>, als kritisch auf die Landgrabbing-Aktivit&auml;ten vietnameischer Konzerne in S&uuml;dostasien einzugehen. Worin unterscheidet sich eigentlich die deutsche von der chinesischen Au&szlig;enpolitik? Auch Deutschland geht es prim&auml;r um Wirtschaftsinteressen. Kambodschaner, denen Bulldozer ihr Haus einrei&szlig;en, interessieren da, wenn &uuml;berhaupt, nur am Rande.<\/p><p>Es ist ohnehin schwer zu sagen, ob es auf wirtschaftlicher Ebene &uuml;berhaupt einen Hebel gibt. Beim Handel mit Tropenholz haben die EU und die USA zumindest, wenn auch viel zu sp&auml;t, geschafft, Zertifizierungen zu implementieren, die daf&uuml;r sorgen, dass es ohne hohe kriminelle Energie sehr schwer ist, illegal geschlagenes Holz aus der Region in die EU und die USA zu exportieren. Beim Kautschuk ist dies jedoch nicht so einfach. Offiziell sind China, S&uuml;dkorea, Malaysia und Vietnam die gr&ouml;&szlig;ten Abnehmer f&uuml;r kambodschanischen Kautschuk. Handelsregeln der EU und USA w&uuml;rden &ndash; so denn &uuml;berhaupt gewollt &ndash; hier verpuffen. <\/p><p>Ein wenig anders sieht es beim Zuckerrohr aus &ndash; hinter dem Kautschuk das zweitgr&ouml;&szlig;te Agrarprodukt, das auf Fl&auml;chen mit Landkonzessionen angebaut wird. Das sogenannte &bdquo;Everything but Arms&ldquo;-Abkommen (Alles au&szlig;er Waffen) gestattet es 49 Entwicklungsl&auml;ndern, ihre Exporte zollfrei in die EU einf&uuml;hren zu d&uuml;rfen.  Oft ist das Gegenteil von &bdquo;gut&ldquo; &bdquo;gut gemeint&ldquo;. Diese Regelung, die zweifelsohne gut gemeint war, hat dazu gef&uuml;hrt, dass in Kambodscha vermehrt Landkonzessionen f&uuml;r den Zuckeranbau vergeben werden. So wurde aus einer Richtlinie zur Hilfe f&uuml;r Entwicklungsl&auml;nder eine Initialz&uuml;ndung f&uuml;r das Landgrabbing. Paradoxerweise werden hier Unternehmen, die sich durch Landgrabbing-Aktivit&auml;ten hervortun, durch die Handelspolitik der EU nicht sanktioniert, sondern subventioniert. Dies zeigt, wie komplex die Gemengelage ist und wie schwer es ist, vern&uuml;nftige Richtlinien zu erlassen, mit denen den Menschen vor Ort tats&auml;chlich geholfen wird.<\/p><p>Vielversprechender sieht es da auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe aus. NGOs wie die deutsche Welthungerhilfe leisten vor Ort Hilfe zu Selbsthilfe, indem sie den Betroffenen unter die Arme greifen und den noch nicht Betroffenen &uuml;ber lokale NGOs Rechtshilfe geben. Dieser konkrete Ansatz ist sicherlich sinnvoller als abstrakte Debatten &uuml;ber au&szlig;en- und wirtschaftspolitische Initiativen, die ohnehin weder in Deutschland noch im Rest der EU oder den USA politisch umsetzbar sind, da sie den Interessen der Gro&szlig;konzerne zuwiderlaufen. Kurzfristig wird sich am Leid der Bev&ouml;lkerung leider wenig &auml;ndern. Mittel- bis langfristig ist eine Besserung nur durch einen stetig steigenden Druck von innen heraus zu erwarten. Dazu muss jedoch die Zivilgesellschaft vor Ort gest&auml;rkt werden. Dies ist wahrscheinlich dann auch der beste Weg, den eine moderne Entwicklungshilfe gehen kann. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.<\/p><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p>Weiter Fotos von unserer Kambodscha-Reise finden Sie <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/131094821@N07\/sets\/72157650611868342\/\">hier<\/a>.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/Xdg8LNrEJwQ\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><br>\nNo land &ndash; no life: Land grabbing in Cambodia<br>\nWelthungerhilfe<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/PikgYI52YXA\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><br>\nFrom Homes to Prison Cells: A Story of Land Grabbing in Cambodia<br>\nLICADHO<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/3epqpR9OBhY\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><br>\nRubber Barons<br>\nGlobal Witness<\/p><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><p>Sehr viele Hintergrundinformationen finden Sie auf den Seiten von <a href=\"http:\/\/www.licadho-cambodia.org\">LICADHO<\/a><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.globalwitness.org\/campaigns\/corruption\/oil-gas-and-mining\/cambodia\">L&auml;nderdossier &bdquo;Kambodscha&ldquo;<\/a> bei Global Witness <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.globalwitness.org\/rubberbarons\/\">Rubber Barons<\/a> von Global Witness <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.globalwitness.org\/library\/country-sale\">Country for Sale<\/a> von Global Witness<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/15_Dossier_FIAN_Kambodscha_Land_Grabbing_2014.pdf\">Dossier &bdquo;Landgrabbing in Kambodscha&ldquo; [PDF]<\/a> von FIAN<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/2011-LICADHO_Land_Dispute_Presentation.pdf\">Pr&auml;sentation &bdquo;Land Issues in Cambodia&ldquo; [PDF]<\/a> von LICADHO<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/ADHOC-A_Turning_Point_Land_Housing_NRM_2012.pdf\">Dossier &bdquo;A Turning Point?&ldquo; [PDF]<\/a> von ADHOC<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150213_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Beinahe drei Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fl&auml;che Kambodschas wurden von der Regierung an Konzerne &bdquo;verpachtet&ldquo;. Das entspricht fast einem Drittel des Landes. Auf 80% der verpachteten Fl&auml;che wird nun Kautschuk angebaut. In fast allen F&auml;llen f&uuml;hren diese Verpachtungen zu Vertreibungen, die meist mit Gewalt durch Polizei<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25008\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,37,20,178],"tags":[912,379,1312,1311,1314,357],"class_list":["post-25008","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-globalisierung","category-landerberichte","category-ressourcen","tag-buergerkrieg","tag-china","tag-kambodscha","tag-landgrabbing","tag-tiefer-staat","tag-vietnam"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25008"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25008\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25012,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25008\/revisions\/25012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}