{"id":2502,"date":"2007-07-24T09:29:00","date_gmt":"2007-07-24T07:29:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2502"},"modified":"2016-01-01T11:06:21","modified_gmt":"2016-01-01T10:06:21","slug":"young-leaders-akademie-auch-ein-teil-des-reaktionaeren-netzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2502","title":{"rendered":"Young Leaders Akademie &#8211; auch ein Teil des reaktion\u00e4ren Netzes"},"content":{"rendered":"<p>Mich erreichte eine interessante Mail eines aufgeweckten jungen Menschen, der an einem Treffen der genannten Akademie teilnahm. Den doktrin&auml;ren Charakter dieser Einrichtung kennen sicher viele Sch&uuml;ler\/innen und Lehrer\/innen nicht. Machen Sie in Ihrem Bekanntenkreis bitte darauf aufmerksam, damit sich die eingeladenen jungen Leute vorbereiten k&ouml;nnen. Es folgt die Mail an die Redaktion der NachDenkSeiten.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Mit gro&szlig;em Interesse lese ich gerade ihre B&uuml;cher Machtwahn und Reforml&uuml;ge. Ersteres erinnerte mich auch an meine Teilnahme an der Young Leaders Akademie in Strausberg bei Berlin. Das ist eine f&uuml;nft&auml;gige Akademie, an der etwa 100 ausgew&auml;hlte, besonders engagierte Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler teilnehmen d&uuml;rfen (die Communication Consulting Network GmbH, welche die Veranstaltungen organisiert, hat leider keine Homepage.) Wir sollten dort lernen, was wir als &ldquo;Eliten von Morgen&rdquo; an ethischer Grundbildung brauchen. Zum Beispiel h&ouml;rten wir diverse Vortr&auml;ge zu Bioethik, Menschenw&uuml;rde oder Verteidigungspolitik. Diese Akademien werden von der Stiftung politische und christliche Jugendbildung e.V. getragen, im Kuratorium sitzen Vertreter gro&szlig;er Unternehmen (z.B. Allianz, FAZ), der Politik und den Kirchen.<br>\nWir nahmen dort auch an einem Jugend Presse Kongress teil, wo wir eine eigene Zeitung und einen Filmbeitrag erstellen sollten. Unter anderem durften wir N.F., eine Diplom-Volkswirtin der Ludwig-Erhard-Stiftung, interviewen, um dann einen Artikel dar&uuml;ber zu schreiben. Im fast 30 min&uuml;tigen Interview ist meiner Gruppe schnell aufgefallen, dass sich Frau F. nur in vorgefertigten Sprachmustern ausdr&uuml;ckte und kritischen Fragen stets auswich, am Ende dann mit der Antwort &ldquo;ein Patentrezept gibt es nicht&rdquo;. Leider habe ich Ihr Buch erst 2 Monate sp&auml;ter gelesen.<br>\nIch dachte es w&auml;re f&uuml;r Sie von Interesse, wie unser Zeitungsartikel dann aussah:<\/p><p><strong>Wirtschaftswunder ohne Patentrezept<\/strong><br>\nWie die soziale Marktwirtschaft Deutschland ein Schnippchen schl&auml;gt<\/p><p>&bdquo;Die beste L&ouml;sung f&uuml;r Deutschlands wirtschaftliche Probleme ist die soziale Marktwirtschaft&rdquo;, meint N.F., Diplom-Volkswirtin der Ludwig-Erhard-Stiftung.<br>\nDer Grundgedanke dieses L&ouml;sungsansatzes ist Ludwig Erhards Theorie der sozialen Marktwirtschaft. Sie wurzelt in der freien Marktwirtschaft, nach der sich der Staat komplett aus der Wirtschaft heraush&auml;lt. Die dadurch entstehenden Folgen wie beispielsweise soziale Ungerechtigkeiten versucht der Staat durch die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft zu vermeiden, die sich in der Freiheit, dem Wettbewerbsprinzip und der Subsidiarit&auml;t (&bdquo;Hilfe zur Selbsthilfe&rdquo;) ausdr&uuml;cken.<br>\nNach Ansicht der Ludwig Erhard Stiftung hat sich die soziale Marktwirtschaft in den Nachkriegsjahren bew&auml;hrt und gezeigt, dass sie ein zukunftsf&auml;higes Wirtschaftssystem ist. In den Jahren des deutschen Wirtschaftwunders nach 1948 bescherte die richtige Umsetzung des Konzeptes dem deutschen Volk Wohlstand durch stetig steigende Einkommen, Vollbesch&auml;ftigung und soziale Sicherheit.<br>\nIn den folgenden Jahrzehnten nutzte man die erwirtschafteten Gewinne aber immer h&auml;ufiger, um die sozialen Sicherungssysteme noch weiter auszubauen. Dies widerspricht Erhards Grundsatz der Subsidiarit&auml;t darin, dass der Staat durch Reformen und Gesetze, beispielsweise der Fr&uuml;hrente, immer mehr Einfluss auf das Wirtschaftssystem erlangt. W&auml;hrend diese Ma&szlig;nahmen in den 60er und 70er Jahren noch finanzierbar waren, erwiesen sie sich schon bald als Klotz am Bein. Schon damals sah Erhard diese problematische Entwicklung voraus.<br>\n&bdquo;Es wurde nicht langfristig genug gedacht, Verschuldungen sind kurzfristiges Denken, da die nachfolgenden Generationen die Schulden tilgen m&uuml;ssen. Heute merken wir die Auswirkungen der gro&szlig;z&uuml;gigen Investitionen in das Sozialsystem&rdquo;, erkl&auml;rt N.F..<br>\nUm in den folgenden Jahren wettbewerbsf&auml;hig und &uuml;berhaupt f&auml;hig zu bleiben, den Sozialstaat weiter zu tragen, muss Deutschland zu Erhards Grunds&auml;tzen zur&uuml;ckkehren, so die Stiftung.<br>\nAlso darf sich der Staat nicht noch weiter in die Wirtschaft einbringen, sondern sollte sich eher zur&uuml;ckziehen, wie dies schon durch die Hartz-IV-Reform und die Praxisgeb&uuml;hren geschehen ist. M&ouml;gliche L&ouml;sungsans&auml;tze w&auml;ren: eine Reform der Rentenpolitik zu mehr Eigenvorsorge, Selbstbeteiligung an den Kosten der Sozialversicherung und weitere K&uuml;rzung von wohlfahrtsstaatlichen Beitr&auml;gen. Dies ist kein Widerspruch zur Idee der sozialen Marktwirtschaft, denn in Erhards Sinne darf der Staat lediglich Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Investitionen in Bildung und Infrastruktur sind dennoch notwendig, da diese den nachfolgenden Generationen zugute kommen und eine sichere Versorgung gew&auml;hrleisten.<br>\nNur durch eine radikale &Auml;nderung der Reformpolitik kann Deutschland sich vor dem vollst&auml;ndigen Ruin retten. Vor allem die Ausgaben, die aus dem Sozialsystem resultieren, tragen ma&szlig;geblich zur Neuverschuldungen bei, so F..<br>\nL&ouml;sungsans&auml;tze in Form von alternativen Sozial- bzw. Wirtschaftsystemen, wie z.B. der Sozialismus oder die v&ouml;llig freie Marktwirtschaft, haben laut der Ludwig-Erhard-Stiftung keine Zukunftschancen und werden sich nicht durchsetzen. &bdquo;Ein Patentrezept wird es auch in der Zukunft nicht geben.&rdquo; stellt N.F. jedoch klar.<br>\nNeben den logischen und fachlichen Fehlern sieht man auch, wie wir Jugendlichen als &ldquo;Eliten von Morgen&rdquo; schon zu Multiplikatoren dieser neoliberalen Ideologie gemacht werden sollen. In einem anderen Vortrag wurde uns unter anderem erkl&auml;rt, dass wir mit Millionen Indern, die irgendwo in einer Gosse sitzen und mit ihrem Laptop arbeiten, konkurrieren werden, und dass wir lernen m&uuml;ssten, in der U-Bahn zu schlafen und rund um die Uhr zu arbeiten&hellip; <\/p><p>Trotzdem fand ich die 5 Tage auf dem Bundeswehrgel&auml;nde (AiK) sehr interessant und bereichernd, alleine schon weil man Kontakte kn&uuml;pfen und nette Leute kennen lernen kann. Aber diese Veranstaltungen sind ein weiteres Beispiel f&uuml;r Manipulation und daf&uuml;r, wie weit die Netzwerke gehen.<br>\nHoffentlich habe ich Sie jetzt nicht gelangweilt. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en&ldquo;<\/p><p><em>P.S.: Gelangweilt hat mich dieser Bericht keineswegs. AM<\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mich erreichte eine interessante Mail eines aufgeweckten jungen Menschen, der an einem Treffen der genannten Akademie teilnahm. Den doktrin&auml;ren Charakter dieser Einrichtung kennen sicher viele Sch&uuml;ler\/innen und Lehrer\/innen nicht. Machen Sie in Ihrem Bekanntenkreis bitte darauf aufmerksam, damit sich die eingeladenen jungen Leute vorbereiten k&ouml;nnen. Es folgt die Mail an die Redaktion der NachDenkSeiten.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[129,160,11],"tags":[442,374,528],"class_list":["post-2502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-markt-und-staat","category-strategien-der-meinungsmache","tag-eigenverantwortung","tag-eliten","tag-soziale-marktwirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2502"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29813,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions\/29813"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}