{"id":2505,"date":"2007-07-24T14:35:58","date_gmt":"2007-07-24T12:35:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2505"},"modified":"2016-01-01T10:53:54","modified_gmt":"2016-01-01T09:53:54","slug":"babyboomern-droht-schwieriger-abschied-aus-dem-erwerbsleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2505","title":{"rendered":"Babyboomern droht schwieriger Abschied aus dem Erwerbsleben"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer empirischen Studie des &bdquo;Internationalen Instituts f&uuml;r Empirische Sozial&ouml;konomie&ldquo; (INIFES) kommen deutlich mehr Menschen im n&auml;chsten Jahrzehnt in die Sp&auml;tphase des Erwerbslebens. Das droht die Probleme &Auml;lterer am Arbeitsmarkt zu versch&auml;rfen &ndash; denn die Berufschancen der 55- bis 64-J&auml;hrigen stehen schon jetzt in vielen Regionen und Branchen nicht gut.<br>\nMit einem demografisch bedingten Fachkr&auml;ftemangel ist in Deutschland in den n&auml;chsten 20 Jahren nicht zu rechnen. Doch die Arbeitskr&auml;fte werden &auml;lter &ndash; es gibt k&uuml;nftig deutlich mehr 55- bis 64-J&auml;hrige. &ldquo;F&uuml;r die regionale Arbeitsmarktpolitik wird dies auf Jahrzehnte hinaus die entscheidende demografische Herausforderung sein&rdquo;, schreiben Professor Ernst Kistler, Andreas Ebert und Falko Trischler. Denn die Chancen, bis zur Rente im Beruf bleiben zu k&ouml;nnen, stehen je nach Region und Branche schon heute oft nicht gut &ndash; und k&ouml;nnten sich bei zunehmender Konkurrenz und einem h&ouml;heren gesetzlichen Rentenalter noch verschlechtern.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/hbs\/hs.xsl\/32014_87247.html%20\">B&ouml;ckler Impuls 12\/2007<\/a><br>\n<!--more--><br>\n<strong>&Auml;ltere Besch&auml;ftigte<\/strong><br>\nBabyboomern droht schwieriger Abschied aus dem Erwerbsleben<br>\nDeutlich mehr Menschen kommen im n&auml;chsten Jahrzehnt in die Sp&auml;tphase des Erwerbslebens. Das droht die Probleme &Auml;lterer am Arbeitsmarkt zu versch&auml;rfen &ndash; denn die Berufschancen der 55- bis 64-J&auml;hrigen stehen schon jetzt in vielen Regionen und Branchen nicht gut.<br>\nMit einem demografisch bedingten Fachkr&auml;ftemangel ist in Deutschland in den n&auml;chsten 20 Jahren nicht zu rechnen. Doch die Arbeitskr&auml;fte werden &auml;lter &ndash; es gibt k&uuml;nftig deutlich mehr 55- bis 64-J&auml;hrige, prognostizieren Forscher des Internationalen Instituts f&uuml;r Empirische Sozial&ouml;konomie (INIFES). &ldquo;F&uuml;r die regionale Arbeitsmarktpolitik wird dies auf Jahrzehnte hinaus die entscheidende demografische Herausforderung sein&rdquo;, schreiben Professor Ernst Kistler, Andreas Ebert und Falko Trischler. Denn die Chancen, bis zur Rente im Beruf bleiben zu k&ouml;nnen, stehen je nach Region und Branche schon heute oft nicht gut &ndash; und k&ouml;nnten sich bei zunehmender Konkurrenz und einem h&ouml;heren gesetzlichen Rentenalter noch verschlechtern. Die Wissenschaftler haben umfassende Daten zu Demografie, Arbeitsmarkt und Rentengeschehen in den Regionen zusammengestellt. Ihr Projekt &ldquo;Smart Region&rdquo; wurde von der EU-Kommission und der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung gef&ouml;rdert und liefert Informationen f&uuml;r die lokale Arbeitsmarktpolitik.<\/p><p><strong>Die Zahl der potenziellen Arbeitskr&auml;fte in Deutschland wird wachsen.<\/strong> Es starten mehr junge Menschen am Arbeitsmarkt als in Rente gehen &ndash; in den kommenden Jahren scheiden die eher schwach besetzten Kriegs- und Nachkriegsjahrg&auml;nge aus. Auch die Erwerbsneigung d&uuml;rfte zunehmen. Beim so genannten Erwerbspersonenpotenzial entwickeln sich West und Ost auseinander: In Westdeutschland w&auml;chst das Reservoir an Arbeitskr&auml;ften zwischen 2002 und 2015 von etwa 32,8 auf 34,9 Million und bleibt noch einige Zeit auf diesem Niveau. In den neuen L&auml;ndern hingegen sinkt die Zahl der Erwerbspersonen schon heute. F&uuml;r die ostdeutschen Fl&auml;chenstaaten ist bis 2020 eine Abnahme um etwa ein F&uuml;nftel zu erwarten. Doch selbst im Osten gilt, so Kistler und seine Mitarbeiter: Von einem demografisch bedingten Fach- oder gar Arbeitskr&auml;ftemangel kann vorerst keine Rede sein.<\/p><p><strong>Mehr &Auml;ltere am Arbeitsmarkt:<\/strong> Die Babyboomer kommen in die Sp&auml;tphase des Erwerbslebens, darum erwarten die Wissenschaftler wesentlich mehr &auml;ltere Erwerbspersonen. Die Gruppe der 55- bis 64-J&auml;hrigen wird 2022 bundesweit um ein Drittel st&auml;rker besetzt sein als 20 Jahre zuvor. Dieser Trend trifft nicht alle alten Bundesl&auml;nder in gleichem Ma&szlig;e: Bremen wird ihn weniger sp&uuml;ren, Baden-W&uuml;rttemberg st&auml;rker. Innerhalb der Fl&auml;chenl&auml;nder f&auml;chert sich das Bild weiter auf, so die INIFES-Forscher. Sie haben f&uuml;r die bayerischen Landkreise eine Prognose bis 2020 ausgewertet. Das Ergebnis: Der Zunahme der 55- bis 64-J&auml;hrigen je Landkreis streut enorm &ndash; zwischen praktisch null und &uuml;ber 60 Prozent. In M&uuml;nchen werden auch in 13 Jahren &auml;hnlich viele &Auml;ltere leben wie heute. Im Kreis Eichst&auml;tt kommt es hingegen zu einer rasanten Alterung. Das d&uuml;rfte daran liegen, dass in der Vergangenheit viele j&uuml;ngere Arbeitskr&auml;fte in die N&auml;he Ingolstadts gezogen sind.<\/p><p><strong>Die Perspektiven weichen je nach regionaler Wirtschaftsstruktur deutlich voneinander ab.<\/strong> &ldquo;Es gibt keinen einheitlichen Arbeitsmarkt f&uuml;r &Auml;ltere, sondern es bestehen enorme regional-, branchen-, berufs- und qualifikationsspezifische Differenzierungen&rdquo;, beobachten die Forscher. In Bundesl&auml;ndern wie Baden-W&uuml;rttemberg, Bayern und Hamburg stand 2005 jeder zweite 55- bis 64-J&auml;hrige im Berufsleben. In den neuen Bundesl&auml;ndern lagen hingegen die Quoten durchweg unter 40 Prozent. F&uuml;r einen langen Verbleib im Job erweisen sich zwei Faktoren als entscheidend: die allgemeine Lage am Arbeitsmarkt und die regionale Wirtschaftsstruktur. So sind die Besch&auml;ftigungschancen &Auml;lterer im Dienstleistungssektor besser als in Industrie und Landwirtschaft. Weil &Auml;ltere oft in alten Industrieberufen t&auml;tig waren, sind sie von Jobverlusten in Folge des Strukturwandels besonders betroffen. Zudem scheidet aus Fertigungsberufen ein gr&ouml;&szlig;erer Anteil aufgrund der Gesundheitsbelastungen vorzeitig aus.<\/p><p><strong>Die Aussichten &Auml;lterer sind in vielen Berufen schlecht.<\/strong> Bei einigen Wirtschaftszweigen ist es nur sehr schwer m&ouml;glich, das Rentenalter im Job zu erreichen &ndash; etwa in der Textil-, Bau- und Holzbranche. Generell sind die Anteile &Auml;lterer in Branchen niedrig, in denen hohe k&ouml;rperliche Belastungen anfallen. Risikozweige sind auch Chemie, Kunststoff, Papier und Druck. Hier gibt es aber regionale Unterschiede: An manchen Standorten k&ouml;nnen &auml;ltere Besch&auml;ftigte l&auml;nger am Arbeitsplatz bleiben, wie eine Fallstudie zu bayerischen Arbeitsagenturbezirken zeigt. In der Regel aber addieren sich die Risiken: Gerade in Regionen mit schlechter Arbeitsmarktlage haben viele &Auml;ltere lange in Jobs mit hohen Belastungen gearbeitet. Aufgrund der Arbeitsbedingungen ist ein vorzeitiger Abschied in einer ganzen Reihe von Berufen &uuml;blich: Von den Zimmerern und Dachdeckern, die 2004 aus dem Erwerbsleben ausschieden, ging etwa jeder zweite mit einer Erwerbsminderungsrente. Bei den Bauausstattern waren es 48, bei Maurern 44, im Stra&szlig;en- und Tiefbau 46 Prozent. Dar&uuml;ber hinaus fanden die Wissenschaftler noch eine Reihe bislang eher wenig beachteter Problemzonen: In den Sektoren Ern&auml;hrung und Gastgewerbe arbeiten nur sehr wenige 55- bis 64-J&auml;hrige. Auch in Gesundheitsberufen ist die Quote &Auml;lterer niedrig- was auf die hohe Belastung in Pflegejobs hinweist. In akademischen Berufen sind dagegen die Chancen gr&ouml;&szlig;er, lange im Arbeitsleben zu bleiben. Hoch Qualifizierte arbeiten h&auml;ufiger in Dienstleistungsbranchen und sind darum weniger vom Strukturwandel bedroht; zudem sind sie geringeren Gesundheitsbelastungen ausgesetzt.<\/p><p><strong>In Ostdeutschland gibt es inzwischen ganze Berufsgruppen, in denen &uuml;berdurchschnittlich viele &Auml;ltere arbeiten.<\/strong> &ldquo;Besonders hervor sticht dabei die Gruppe der Lehrer in Brandenburg und Th&uuml;ringen&rdquo;, so die Forscher vom INIFES. Einen weit &uuml;berdurchschnittlichen Anteil 55- bis 64-J&auml;hriger stellen sie auch bei den Ingenieuren, Chemikern und Physikern fest. Allerdings: Die hohe Quote in diesen Berufen ist nicht damit zu begr&uuml;nden, dass im Osten ein l&auml;ngerer Verbleib in diesen Berufen leichter f&auml;llt. Vielmehr sind die j&uuml;ngeren Jahrg&auml;nge nur schwach besetzt, weil in Akademikerpositionen wenig eingestellt wurde und viele Hochqualifizierte der j&uuml;ngeren Generation abgewandert sind. Zudem weisen die Forscher darauf hin, dass es gerade in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen zahlreiche &auml;ltere Arbeitslose gebe. Auch wenn in der &ouml;ffentlichen Debatte oft veraltete Qualifikationen als Grund herangezogen werden, sei &ldquo;dies im wesentlichen eine Folge verfehlter, jugendzentrierter betrieblicher Personalpolitik.&rdquo;<\/p><p><strong>Es wird schwieriger, das EU-Besch&auml;ftigungsziel zu erf&uuml;llen.<\/strong> Bislang steht Deutschland im internationalen Vergleich nicht schlecht da. Das Ziel der Europ&auml;ischen Union &ndash; jeder zweite 55- bis 64-J&auml;hrige soll einen Job haben &ndash; ist fast erreicht. Der Grund: Jahrelang ging die Zahl der Personen im Alter von 55 bis 64 deutlich zur&uuml;ck, so Kistler, Ebert und Trischler. &ldquo;Das hat dazu gef&uuml;hrt, dass in der Politik die Probleme &Auml;lterer am Arbeitsmarkt massiv untersch&auml;tzt werden&rdquo;. Nun aber dreht sich der demografische Trend, weil geburtenschwache Jahrg&auml;nge ausscheiden und Babyboomer nachr&uuml;cken. Die Wissenschaftler warnen vor den Folgen: Die Arbeitsmarktlage f&uuml;r &Auml;ltere werde sich dramatisch verschlechtern &ndash; wenn niemand gegensteuert. Das INIFES empfiehlt gezielte Unterst&uuml;tzung der Besch&auml;ftigten &ndash; etwa durch betriebliche Gesundheitsf&ouml;rderung und Weiterbildung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer empirischen Studie des &bdquo;Internationalen Instituts f&uuml;r Empirische Sozial&ouml;konomie&ldquo; (INIFES) kommen deutlich mehr Menschen im n&auml;chsten Jahrzehnt in die Sp&auml;tphase des Erwerbslebens. Das droht die Probleme &Auml;lterer am Arbeitsmarkt zu versch&auml;rfen &ndash; denn die Berufschancen der 55- bis 64-J&auml;hrigen stehen schon jetzt in vielen Regionen und Branchen nicht gut.<br \/> Mit einem demografisch bedingten Fachkr&auml;ftemangel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2505\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,155,92],"tags":[745],"class_list":["post-2505","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-demografische-entwicklung","category-fachkraftemangel","tag-erwerbstaetige"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2505","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2505"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2505\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29811,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2505\/revisions\/29811"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}