{"id":25100,"date":"2015-02-19T15:02:05","date_gmt":"2015-02-19T14:02:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25100"},"modified":"2019-07-05T10:28:12","modified_gmt":"2019-07-05T08:28:12","slug":"der-showdown-zwischen-griechenland-und-der-troika-schaeuble-spielt-alles-oder-nichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25100","title":{"rendered":"Der Showdown zwischen Griechenland und der Troika \u2013 Sch\u00e4uble spielt alles oder nichts"},"content":{"rendered":"<p>Die Verhandlungen zwischen Griechenland und den Finanzministern der Eurozone gehen heute weiter und sollen nach griechischen Vorstellungen am morgigen Freitag ein erfolgreiches Ende finden. Die neue Athener Regierung hat beantragt, das Kreditprogramm mit der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF um etwa sechs Monate zu verl&auml;ngern. Mit einer solchen &bdquo;&Uuml;bergangsl&ouml;sung&ldquo; w&auml;re der zeitliche Spielraum gewonnen, um ein neues Abkommen mit ver&auml;nderten Bedingungen und verbesserten Parametern f&uuml;r eine &Uuml;berwindung der griechischen Krise auszuhandeln. Eine Darstellung der (noch)-Differenzen zwischen der neuen griechischen Regierung und den Euro-Partnern von <strong>Niels Kadritzke<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Ringen um Begriffe<\/strong><\/p><p>Das Interessante &ndash; aber auch Dramatische &ndash; an der aktuellen Situation liegt darin, dass die zu &uuml;berbr&uuml;ckenden Differenzen vornehmlich auf der sprachlichen, also symbolischen Ebene liegen. Dabei hat es die griechische Seite bereits geschafft, den Begriff Troika aus dem Vokabular der Beschlussentw&uuml;rfe zu tilgen. <\/p><p>Auf beiden Seiten redet man heute von den drei &bdquo;Institutionen&ldquo;, mit denen Griechenland die Verhandlungen &uuml;ber die L&ouml;sung seines Verschuldungsproblems f&uuml;hrt. Das hat allerdings mehr als nur symbolische Bedeutung, denn Athen hat damit das Prinzip durchgesetzt, dass man mit diesen Institutionen nur noch auf &bdquo;gleicher Ebene&ldquo; verhandelt: Also auf der offiziellen Ebene griechische Minister mit EU-Kommissaren und den Spitzen von EZB und IWF; auf der technischen Ebene darunter die Beauftragten der fr&uuml;heren Troika, die bei ihren Besuchen in Athen &uuml;ber die Details der zu erf&uuml;llenden Verpflichtungen jetzt nicht mehr mit griechischen Ministern, sondern mit den Experten der einzelnen Ministerien zu verhandeln haben.  <\/p><p>Schwerer zu &uuml;berwinden ist die terminologische Differenz in einer zweiten Frage, um die es in der letzten Woche unter den Finanzministern in Br&uuml;ssel zum Krach gekommen ist. Im Kern geht es um ein einziges Wort: Soll und kann die griechische Seite eine &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; der alten Kreditvereinbarung beantragen, die ja bereits von der alten &bdquo;Troika&ldquo; &uuml;ber die eigentliche Laufzeit (urspr&uuml;nglich bis Ende 2014) hinaus bis Ende dieses Monats  (Februar) verl&auml;ngert wurde. Eine blo&szlig;e &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; bedeutet nach Auffassung der Euro-Partner, dass auch die Bedingungen f&uuml;r dieses Programm, sprich das &bdquo;Memorandum&ldquo; verl&auml;ngert wird, sodass Griechenland die von der Samaras-Regierung unterschriebenen Sparauflagen zu erf&uuml;llen h&auml;tte. Die Tsipras-Regierung hat bislang darauf bestanden, den Ausdruck &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; ganz zu vermeiden, etwas durch den Begriff &bdquo;Br&uuml;ckenprogramm&ldquo;. Oder aber klarzustellen, dass eine solche Verl&auml;ngerung mit einer Ver&auml;nderung dieses Programms einhergeht, dass es sich also nicht einfach um die &bdquo;Abarbeitung&ldquo; des alten Programms handelt.<\/p><p>Dies ist der Hintergrund des Streits um die alternativen Kommuniqu&eacute;s nach der Br&uuml;sseler Sitzung der Euro-Finanzminister am Abend des 11. Februar. Griechische Quellen (Kathimerini) hatten schon am letzten Sonntag detailliert &uuml;ber diese Verhandlungen und die Gr&uuml;nde ihres Scheiterns berichtet. Demnach hatte der griechische Finanzminister Varoufakis einem Textentwurf des EU-Finanzkommissars Pierre Moscovici bereits zugestimmt. Eine Viertelstunde danach legte dann der Vorsitzende der Finanzministerrunde, der Niederl&auml;nder Dijsselbloem, einen anderen Text vor, den Varoufakis nach telefonischer R&uuml;cksprache mit Tsipras als unannehmbar abgelehnt hat.<\/p><p><strong>Der Krach zwischen Moskovici von der EU-Kommissioin und Dijsselbloem, dem Vorsitzenden der Euro-Gruppe<\/strong><\/p><p>Gestern hat nun das griechische Finanzministerium neben den eigenen &bdquo;non-Papers&ldquo; (also vorl&auml;ufigen Arbeitspapieren), die Varoufakis seinen Kollegen &uuml;bermittelt hat, auch die beiden Kommuniqu&eacute;-Entw&uuml;rfe ver&ouml;ffentlicht (was in Br&uuml;ssel ver&auml;rgert als Indiskretion vermerkt wurde, von Journalisten und anderen aber als Beitrag zur Transparenz &uuml;ber einen wichtigen Vorgang nachdr&uuml;cklich zu begr&uuml;&szlig;en ist). Anhand dieser Texte l&auml;sst sich die Differenz, und damit die noch zu &uuml;berbr&uuml;ckende L&uuml;cke bei den Verhandlungen dieser Woche, sehr pr&auml;zise darstellen.<\/p><p>In dem Moscovici-Text wird zun&auml;chst festgehalten, welche Vorstellungen die griechische Seite &uuml;ber ein neu auszuhandelndes Programm entwickelt hat. Da ist die Rede von der Verpflichtung auf einen &bdquo;breiteren, sozial gerechten und st&auml;rkeren Reformprozess, mit dem Ziel von dauerhaft verbesserten Wachstumsaussichten&ldquo;. Hervorgehoben wird zudem die Notwendigkeit eines faireren und effektiveren Steuersystems und einer Bek&auml;mpfung der humanit&auml;ren Krise. Griechenland habe, so hei&szlig;t es weiter, vor allem zugesagt, keine einseitigen Ma&szlig;nahmen zu treffen und eng mit ihren europ&auml;ischen und internationalen Partnern zusammen zu arbeiten. Dabei werde Athen alle bestehenden Verpflichtungen einhalten,  &bdquo;gesunde und dauerhaft ausgeglichene Staatshaushalte&ldquo; garantieren, sowie alle finanziellen Verpflichtungen gegen&uuml;ber seinen Gl&auml;ubigern erf&uuml;llen.<\/p><p>Nach Darlegung dieser Prinzipien kommt der entscheidende Satz (in exakter, also nicht besonders fl&uuml;ssiger &Uuml;bersetzung): &bdquo;Obiges stellt eine Basis f&uuml;r eine Verl&auml;ngerung der laufenden Kreditvereinbarung dar, welche die Form eines (viermonatigen) Zwischenprogramms annehmen k&ouml;nnte, als ein &Uuml;bergangsstadium zu einem neuen Vertrag &uuml;ber Wachstum f&uuml;r Griechenland, das in dieser Periode er&ouml;rtert und beschlossen werden wird.&ldquo;<\/p><p>Mit diesem Text war eine zentrale Bedingung der griechischen Seite erf&uuml;llt. Die Regierung Tsipras kann den Begriff &ldquo;Verl&auml;ngerung&rdquo; nicht hinnehmen ohne die Pr&auml;zisierung, dass die damit einhergehenden Auflagen ver&auml;ndert werden m&uuml;ssen. F&uuml;r Varoufakis brachte dieser Text auch deshalb eine wichtige Kl&auml;rung, weil er ausdr&uuml;cklich auf die humanit&auml;re Krise in Griechenland verwies, die eine Umschichtung des Programms erforderlich mache.<\/p><p>Ganz anders las sich dagegen der von Dijsselbloem vorgelegte Text. Auch darin war von den griechischen Zusagen die Rede, einen &bdquo;breiteren und tieferen Reformprozess&ldquo; einzuleiten, der auf Wachstum und Besch&auml;ftigung, aber auch auf die Stabilit&auml;t des Finanzsektors ziele. Gelobt wurde auch, dass sich Athen auf &bdquo;l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Reformen&ldquo; verpflichte, insbesondere was den Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung und eine effizientere &ouml;ffentliche Verwaltung betrifft.<br>\nAber beim kritischen Punkt der &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; des Kreditprogramms, tauchte auf einmal die Formulierung auf: Die griechische Seite habe &bdquo;angedeutet, dass sie vorhabe(n), das Programm erfolgreich zu beenden, wobei die Pl&auml;ne der neuen Regierung ber&uuml;cksichtigt werden sollen&ldquo;.<\/p><p>Hier war also auf einmal vom &bdquo;Abschluss&ldquo; des alten Programms die Rede. Dass dieses Programm wom&ouml;glich ver&auml;ndert werden k&ouml;nnte, wird nur ganz knapp angedeutet: mit dem Hinweis auf die M&ouml;glichkeit, die in das laufende Programm &bdquo;eingebaute Flexibilit&auml;t&ldquo; auszunutzen; und mit der Formulierung, man k&ouml;nne dabei einige Ideen der neuen Regierung &bdquo;ber&uuml;cksichtigen&ldquo;. Aber gerade diese M&ouml;glichkeit wird bereits durch den n&auml;chsten Satz wieder relativiert, in dem es hei&szlig;t: die griechische Seite habe zugesagt, eng mit den Partnern zusammenzuarbeiten, &bdquo;insbesondere auf dem Gebiet der Steuerpolitik, der Privatisierung, der Arbeitsmarktreformen, des Finanzsektors und der Rentenpolitik&ldquo;.<\/p><p>Dieser Katalog der &bdquo;Zusammenarbeit&ldquo; enth&auml;lt also explizit drei Sachgebiete &ndash; n&auml;mlich Privatisierungen, Arbeitsmarktreformen und Renten\/Pensionen &ndash;  die f&uuml;r die Regierung Tsipras die zentralen Kritikpunkte am alten &bdquo;Memorandum&ldquo; sind, die sie also gerade im Hinblick auf ein neues Abkommen neu verhandeln will. Die Klarstellung aus dem Moscovici-Text, dass die &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; des Programms zugleich &ndash; und parallel &ndash; die Ver&auml;nderung oder ein Umschreiben der Vereinbarungen mit den &bdquo;drei Institutionen&ldquo; erm&ouml;glichen soll, wurde einfach gestrichen.<\/p><p>Das also ist der Hintergrund f&uuml;r den &bdquo;Krach&ldquo; vom 11. Februar. Wer f&uuml;r die Liquidierung des Moscovici-Entwurfs gesorgt hat, wird in Athen nicht gesagt, aber nat&uuml;rlich wird vermutet, dass Dijsselbloem die ver&auml;nderten Fassung von deutscher Seite diktiert bekam.<\/p><p><strong>Was bedeutet dies Alles f&uuml;r die Verhandlungen in den n&auml;chsten beiden Tagen?<\/strong><\/p><p>Wie Tsipras inzwischen erkl&auml;rte, sei die griechische Seite mit der Annahme des Moscovici-Entwurfs bereits an ihre &ldquo;Tabugrenzen&rdquo; gegangen. Damit deutet er auch eine gewisse Differenz zu Varoufakis an, der ja bereit war, den Text, an dem er mit Moscovici gearbeitet hatte, sofort und vorbehaltlos zu unterschreiben. Aber Tsipras hat auch klar gesagt, dass man alles tun wird, eine Regelung doch noch unter Dach und Fach zu bringen. Und aus heutiger Sicht spricht vieles daf&uuml;r, dass dies auch gelingen wird. Daf&uuml;r sprechen auch die harten Fakten &bdquo;on the ground&ldquo;, sprich der Zustand der griechischen &ouml;ffentlichen Finanzen und vor allem der Banken. Denn die haben in den letzten Tagen einen Abfluss von Guthaben erlebt, den sie nicht mehr lange &uuml;berstehen k&ouml;nnen &ndash; zumindest nicht ohne weitere Aufstockung der ELA-Mittel (Nothilfe die von der nationalen Notenbank auf eigene Faust an Banken ausgereicht werden kann), <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/europa\/wie-die-ezb-irland-und-zypern-mit-ela-drohung-auf-linie-brachte-a-1019196.html\">die allerdings vom EZB-Rat gestoppt werden k&ouml;nnen<\/a>.<\/p><p>Das st&auml;rkste Indiz f&uuml;r die &bdquo;L&ouml;sbarkeit&ldquo; des aktuellen Konflikts ist die Tatsache, dass sich die Kontroverse vor allem im Bereich der Semantik bewegt. Nachdem die griechische Seite geschafft hat, den Begriff &ldquo;Troika&rdquo; zu tilgen (dabei aber die &ldquo;technische Hilfe&rdquo; der Troika-Mitglieder weiterhin akzeptiert), will sie auch den Begriff &ldquo;Verl&auml;ngerung&rdquo; des Memorandums zumindest relativieren. Das schien mit dem Moscovici-Text erreicht, der von einem revidierten Katalog von Bedingungen ausgeht, die man auf griechischer Seite ma&szlig;geblich mitgestalten will. Man muss also eine Formulierung finden, die einerseits an der &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; festh&auml;lt, andererseits die Parallelit&auml;t mit dem Aushandeln eines neuen Programms hervorhebt, sodass die Regierung Tsipras sagen kann: Wir haben nicht nur einen neuen &bdquo;Umgang&ldquo; mit den Partnern durchgesetzt, sondern auch sicher gestellt, dass die &bdquo;Verl&auml;ngerung&ldquo; des alten Programms zugleich einen &Uuml;bergang zu Neuverhandlungen &uuml;ber das gesamte Programm sichert. Wobei Athen gegen&uuml;ber den &bdquo;drei Institutionen&ldquo; betont, dass sie 70 Prozent der mit der alten Troika verabredeten Reformen (inzwischen spricht man sogar von mehr als 70 Prozent) nicht nur akzeptiert und sinnvoll findet, sondern sehr viel energischer umsetzen will als die abgew&auml;hlte Samaras-Regierung.<\/p><p><strong>Ein neuer Kompromissvorschlag Griechenlands<\/strong><\/p><p>Inzwischen hat Athen eine solche Formulierung vorgelegt. Sie lautet, nach einer Meldung von Bloomberg News (die den griechischen Text eingesehen haben will): W&auml;hrend des Zeitraums der Verl&auml;ngerung (von sechs Monaten) wolle man &bdquo;gemeinsam vorgehen und dabei die gegebene Flexibilit&auml;t in dem gegenw&auml;rtigen Arrangement optimal ausnutzen&ldquo;. Angestrebt sei ein &bdquo;erfolgreicher Abschluss&ldquo; des alten Arrangements, aber zugleich &bdquo;eine &Uuml;berpr&uuml;fung auf der Basis der Vorschl&auml;ge sowohl seitens der griechischen Regierung als auch der Institutionen&ldquo; (meine &Uuml;bersetzung, die nicht mit der von Spiegel-online identisch ist). In dem Brief verspricht die griechische Regierung aber erstmals auch, die finanziellen und prozeduralen Inhalte des bestehenden Rettungsprogramms als bindend anzuerkennen.<\/p><p>Wie soeben berichtet wird, lehnt Deutschland den Antrag der griechischen Regierung f&uuml;r eine Verl&auml;ngerung von Finanzhilfen ab. Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin J&auml;ger, sagte der Nachrichtenagentur dpa, ein Schreiben der Griechen entspreche &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/griechenland-321.html\">nicht den am Montag in der Eurogruppe vereinbarten Kriterien<\/a>&ldquo;.<br>\nDie EU-Kommission hingegen wertet Antrag positiv. Junckers Sprecher sagte, <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/staatsverschuldung\/griechenland-krise-griechenland-beantragt-verlaengerung-der-euro-finanzhilfen_id_4487700.html\">der Antrag ebne den Weg zu einem Kompromiss<\/a>.<\/p><p><strong>Kompromiss st&ouml;&szlig;t bei den Griechen auf Zustimmung<\/strong><\/p><p>Wenn es der Tsipras-Regierung gelingen sollte, in Br&uuml;ssel eine Vereinbarung auf dieser Linie zu erzielen, wird sie keinerlei Probleme haben, dies in Griechenland als Erfolg zu verkaufen. Dass die griechische &Ouml;ffentlichkeit einen Kompromiss akzeptieren w&uuml;rde, steht au&szlig;er Zweifel. Nach der neuesten Umfrage, die am 16. 02 in der Efimerida ton Syntakton publiziert wurde, billigen &uuml;ber 75 Prozent der Befragten die Verhandlungstaktik der Regierung. Aber ebenso eindeutig ist, was sie sich von dieser Taktik versprechen: 68 Prozent der Befragten wollen, dass die Regierung eine &ldquo;ehrenvolle&rdquo;, f&uuml;r alle Seiten akzeptable L&ouml;sung erzielt. Und da zugleich 81,2 Prozent f&uuml;r den Verbleib in der Eurozone sind, k&ouml;nnte die Regierung einen Kompromiss, der genau diesem Ziel dient, auch dann gut begr&uuml;nden, wenn wichtige griechische Forderungen von den europ&auml;ischen Partnern nicht erf&uuml;llt werden. <\/p><p>Auf einen submaximalen Erfolg ist die griechische &Ouml;ffentlichkeit auch deshalb vorbereitet, weil sie zur Kenntnis nehmen musste, dass&nbsp; es mit der viel beschworenen &ldquo;Solidarit&auml;t des S&uuml;dens&rdquo; innerhalb der Eurozone nicht weit her ist. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht, dass Athen bei den Verhandlungen in Br&uuml;ssel im Kreise der Eurozone weitgehend isoliert war. Als relativer Verb&uuml;ndeter erwies sich dagegen&nbsp;EU-Finanzkommissar Moscovici, dem Varoufakis ausdr&uuml;cklich f&uuml;r seine &bdquo;h&ouml;chst positive Rolle&ldquo; gedankt hat, aber auch IWF-Chefin Christine Lagarde, die nach griechischen Presseberichten sogar bereit gewesen sein soll, einen Hinweis auf das &ldquo;partielle Versagen&rdquo; der Troika-Politik zu akzeptieren.<br>\n&nbsp;<br>\nEine L&ouml;sung des Konflikts, den man in Athen nach wie vor nicht nur f&uuml;r m&ouml;glich, sondern f&uuml;r sehr wahrscheinlich h&auml;lt, wird auf einem semantischen Kompromiss basieren, der auf irgendeine Weise ausdr&uuml;ckt, dass das alte Memorandum durch eine andere Vereinbarung abgel&ouml;st wird (Ein umfassendes Bild &uuml;ber die Reform-Agenda der Tsipras-Regierung bietet das non-paper, das Varoufakis am 11. Februar in Br&uuml;ssel vorgelegt hat. Dieses Konzept wurde in englischer Fassung in der heutigen Ausgabe der &ldquo;Efimerida ton syntakton&rdquo; zug&auml;nglich gemacht, <a href=\"http:\/\/www.efsyn.gr\/sites\/efsyn.gr\/files\/wysiwyg\/nonpaper-greek-1102.pdf\">und ist abzurufen unter<\/a>.)<\/p><p>Der Blick auf das Stimmungsbild in der griechischen Gesellschaft gibt Tsipras und Varoufakis also die Sicherheit, dass sie das Mandat f&uuml;r einen substantiellen Kompromiss in den Br&uuml;sseler Verhandlungen haben. Das relativiert auch die Bedeutung der &bdquo;St&ouml;rpotentiale&ldquo;, die man in Athen zwar sieht, aber f&uuml;r nicht entscheidend h&auml;lt. Da ist zum einen der linke Fl&uuml;gel der Syriza, der sich in Einzelfragen immer wieder zu Wort meldet, aber nicht gegen eine Entscheidung rebellieren w&uuml;rde, die eine Syriza-Regierung als Abwendung der Gefahr eines Grexit darstellen kann.<\/p><p><em>(Nebenbei bemerkt: Von anderer Natur ist das St&ouml;rpotential namens Kammenos. Der Verteidigungsminister und Anel-Vorsitzende hat vor zwei Tagen f&uuml;r Aufsehen gesorgt, als er t&ouml;nte: &bdquo;Wenn wir in den Verhandlungen (in Br&uuml;ssel) nicht kriegen, was wir wollen, werden wir ein Kougi veranstalten.&ldquo;<\/em><\/p><p><em>Der Name Kougi hat f&uuml;r das griechische Publikum eine pr&auml;zise Bedeutung: Es handelt sich um ein epirotische Bergdorf, dessen Bewohner (die Soulioten, also christliche Albaner waren) die Belagerung durch Truppen des albanischen Herrschers Ali Pascha im Jahre 1803 dadurch beendeten, dass sie sich selbst in die Luft sprengten. Der griechische Verteidigungsminister k&uuml;ndigt also an, dass sich die Griechen eher in die Luft sprengen als einen Kompromiss eingehen w&uuml;rden. Krasser kann man die Wirkung eines Grexit f&uuml;r die griechische Gesellschaft nicht beschreiben.<\/em><br>\n<em>Gestern hat Kammenos seinen Ruf noch weiter ruiniert, indem er seine Kougi-Phantasien mit der Idee konkretisierte, als erstes k&ouml;nne man ja einen Fernsehsender in Pir&auml;us in die Luft sprengen, womit er den Sender Skai-TV meinte, den Kammenos f&uuml;r besonders regierungsfeindlich h&auml;lt. Das unverantwortliche Geschw&auml;tz dieses Ministers nimmt zwar in Griechenland niemand ernst, aber der Mann k&ouml;nnte dennoch zu einer internationalen Belastung werden, wenn ihn Tsipras nicht zur R&auml;son bringen kann. Das hat er der Regierungschef bislang &ouml;ffentlich nicht getan, im Gegensatz zu Varoufakis, der seine Verachtung f&uuml;r den Kollegen Kammenos ganz offen zeigt.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verhandlungen zwischen Griechenland und den Finanzministern der Eurozone gehen heute weiter und sollen nach griechischen Vorstellungen am morgigen Freitag ein erfolgreiches Ende finden. Die neue Athener Regierung hat beantragt, das Kreditprogramm mit der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF um etwa sechs Monate zu verl&auml;ngern. Mit einer solchen &bdquo;&Uuml;bergangsl&ouml;sung&ldquo; w&auml;re der zeitliche Spielraum gewonnen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25100\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,22,156,146],"tags":[1327,1555,1328,325,654,1292],"class_list":["post-25100","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","category-schulden-sparen","category-soziale-gerechtigkeit","tag-dijsselbloem-jeroen","tag-griechenland","tag-moscovici-pierre","tag-staatsschulden","tag-troika","tag-varoufakis-yanis"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25100"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53062,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25100\/revisions\/53062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}