{"id":25103,"date":"2015-02-20T09:18:34","date_gmt":"2015-02-20T08:18:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25103"},"modified":"2015-02-20T13:51:49","modified_gmt":"2015-02-20T12:51:49","slug":"die-bundesregierung-verstoesst-gegen-geltendes-deutsches-und-europaeisches-recht-ein-aufruf-an-juristinnen-und-juristen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25103","title":{"rendered":"Die Bundesregierung verst\u00f6\u00dft gegen geltendes deutsches und europ\u00e4isches Recht \u2013 ein Aufruf an Juristinnen und Juristen"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Aufruf richtet sich an alle Leserinnen und Leser von flassbeck-economics und den NachDenkSeiten, nicht nur an die Juristen unter ihnen. Wir wenden uns aber im besonderen an gute, kritische Juristinnen und Juristen. Wir bitten Sie, sich mit dem unten skizzierten Rechtsversto&szlig; zu besch&auml;ftigen und eine Klage gegen die Bundesregierung zu pr&uuml;fen und vorzubereiten. Wir werden, wenn sich eine Gruppe von Juristen zur Vorbereitung einer Klage zusammen findet, mit fachlichem Rat aus &ouml;konomischer Sicht helfen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5364\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-25103-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150220_Aufruf_an_JuristInnen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150220_Aufruf_an_JuristInnen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150220_Aufruf_an_JuristInnen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150220_Aufruf_an_JuristInnen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=25103-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150220_Aufruf_an_JuristInnen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150220_Aufruf_an_JuristInnen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Der Aufruf &ndash; Eine Initiative von flassbeck-economics und NachDenkSeiten:<\/strong><\/p><p>Im Gesetz zur F&ouml;rderung der Stabilit&auml;t und des Wachstums der Wirtschaft (StabG) vom 8.&nbsp;Juni 1967 werden die gesamtwirtschaftlichen Ziele der Bunderepublik Deutschland beschrieben. Das Gesetz legt fest, dass der Staat seine Politik an vier gesamtwirtschaftlichen Zielen auszurichten habe: <\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Preisniveaustabilit%C3%A4t\">Preisniveaustabilit&auml;t<\/a><\/li>\n<li>hoher <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Besch%C3%A4ftigungsstand\">Besch&auml;ftigungsstand<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Au%C3%9Fenwirtschaftliches_Gleichgewicht\">au&szlig;enwirtschaftliches Gleichgewicht<\/a><\/li>\n<li>bei angemessenem und stetigem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftswachstum\">Wirtschaftswachstum<\/a><\/li>\n<\/ul><p>In Art. 109 des Grundgesetzes hei&szlig;t es unter (2), leider kompliziert formuliert: <\/p><blockquote><p>\nBund und L&auml;nder erf&uuml;llen gemeinsam die Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland aus Rechtsakten der Europ&auml;ischen Gemeinschaft auf Grund des Artikels 104 des Vertrags zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaft zur Einhaltung der Haushaltsdisziplin und tragen in diesem Rahmen den Erfordernissen des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts Rechnung.\n<\/p><\/blockquote><p>Von den genannten vier Zielen, die das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht beschreiben, sind derzeit mindestens zwei gravierend verletzt: Die Preisstabilit&auml;t und das au&szlig;enwirtschaftliche Gleichgewicht. W&auml;hrend f&uuml;r ersteres die europ&auml;ische Zentralbank verantwortlich ist, liegt die Verantwortung f&uuml;r das au&szlig;enwirtschaftliche Gleichgewicht weiter in den H&auml;nden der nationalen Regierungen. Dieses sogenannte Gleichgewicht, also der mittelfristige Ausgleich von Leistungsbilanzdefiziten und &ndash;&uuml;bersch&uuml;ssen, ist von hoher Bedeutung f&uuml;r Europa, insbesondere f&uuml;r den Euroraum und die hier lebenden Menschen. Die Kombination von anhaltend hohen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen und hoher Wettbewerbsf&auml;higkeit bei einigen L&auml;ndern und geringer Wettbewerbsf&auml;higkeit und gro&szlig;en Leistungsbilanzdefiziten in anderen L&auml;ndern birgt enormen Sprengstoff f&uuml;r die Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion und Europa insgesamt. Ohne eine R&uuml;ckkehr zu einem Gleichgewicht wird sich die Krise in Europa auf viele andere L&auml;nder ausweiten. Deshalb ist die Verpflichtung der Politik, f&uuml;r au&szlig;enwirtschaftliches Gleichgewicht zu sorgen, von hoher Bedeutung und sie muss ernst genommen werden.<\/p><p>Eine Klage k&ouml;nnte an den Ernst dieser Verpflichtung erinnern und die Bundesregierung zwingen, Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, die geeignet sind, f&uuml;r Abhilfe zu sorgen. <\/p><p>Kein Land verst&ouml;&szlig;t in so gravierender Weise wie Deutschland gegen das Ziel &bdquo;au&szlig;enwirtschaftliches Gleichgewicht&ldquo;. Mit 7,4 Prozent (so die Sch&auml;tzung der Deutschen Bundesbank in Verbindung mit den j&uuml;ngsten Daten zum nominalen Bruttoinlandsprodukt seitens des Statistischen Bundesamtes) stellt der deutsche Leistungsbilanz&uuml;berschuss im Jahr 2014 einen neuen Rekord dar. In den vorausgehenden Jahren betrug er bereits sagenhafte 5,7 Prozent (2010), 6,1 Prozent (2011), 7,1 Prozent (2912) und 6,7 Prozent (2013) des nominalen Bruttoinlandprodukts.<\/p><p>Der deutsche Leistungsbilanz&uuml;berschuss war niemals zuvor so hoch (vgl. Abbildung), auch nicht in den Zeiten vor der deutschen Wiedervereinigung. Die gut 4 Prozent, die Westdeutschland in der zweiten H&auml;lfte der 1980er Jahre einmal erreicht hatte, galten damals als Extremwert. Der sich dadurch ergebende Druck von Seiten der Devisenm&auml;rkte f&uuml;hrte dazu, dass die D-Mark gegen&uuml;ber dem US-Dollar und innerhalb des Europ&auml;ischen W&auml;hrungssystems (EWS) aufgewertet wurde. Das Ventil einer &Auml;nderung der Wechselkurse zwischen den W&auml;hrungen steht innerhalb einer W&auml;hrungsunion nicht mehr zur Verf&uuml;gung. Das macht die heutigen Abweichungen viel gravierender, weil die Alternative dazu Lohnsenkung ist, die, wie der Fall S&uuml;deuropas klar zeigt, extrem negative Wirkungen auf die Ziele des angemessenen Wachstums und hohen Besch&auml;ftigungsstand hat.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150219_aufruf.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150219_aufruf_small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Der jetzt eingetretene Leistungsbilanz&uuml;berschuss von 7,4 Prozent verst&ouml;&szlig;t auch gegen europ&auml;isches Recht. Er sprengt sogar die (willk&uuml;rlich und asymmetrisch gesetzte) Grenze von 6 Prozent des (im sogenannten Europ&auml;ischen Semester festgelegten) Verfahrens bei makro&ouml;konomischen Ungleichgewichten (Macroeconomic Imbalance Procedure, MIP) deutlich. Diese Grenze war und ist an sich schon ein Unding, weil sie nicht symmetrisch ist zu der Grenze mit umgekehrtem Vorzeichen f&uuml;r Defizitl&auml;nder. Den Defizitl&auml;ndern der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion hat man eine Grenze von -4 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts gesetzt, ab deren Unterschreiten die EU-Kommission das au&szlig;enwirtschaftliche Ungleichgewicht des Landes als kritisch ansieht und auf eine Verringerung der Defizite dr&auml;ngt. Bei den &Uuml;berschussl&auml;ndern hat man &ndash; vermutlich auf politischen Druck Deutschlands &ndash; eine Grenze von 6 Prozent festgelegt. Obendrein wird auch nur der Dreijahresdurchschnitt der Salden betrachtet, d.h. f&uuml;r einzelne Jahre k&ouml;nnen die Grenzen &uuml;ber- bzw. unterschritten werden (wenn das in anderen Jahren entsprechend ausgeglichen wird), ohne dass die EU-Kommission sofort Alarm schl&auml;gt. Doch auch im Dreijahresdurchschnitt &uuml;berschreitet der deutsche &Uuml;berschuss die 6-Prozent-Grenze.<\/p><p>Die Asymmetrie in der Beurteilung von &Uuml;bersch&uuml;ssen und Defiziten ist grunds&auml;tzlich abzulehnen, weil die Logik der volkswirtschaftlichen Saldenmechanik zwingend erfordert, dass die Summe aller Leistungsbilanzdefizite in der Welt gleich der Summe aller Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse ist. &Uuml;bersch&uuml;sse und Defizite kommen niemals unabh&auml;ngig voneinander zustande. Die Schuld des Schuldners, die in Deutschland immer vorschnell vermutet wird, gibt es in den komplexen Abl&auml;ufen der globalisierten Wirtschaft nicht. Deswegen ist ein au&szlig;enwirtschaftlicher &Uuml;berschuss eine ebenso gravierende Fehlentwicklung wie ein Defizit. <\/p><p>F&uuml;r 2015 erwartet die Bundesregierung gem&auml;&szlig; ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2015 (siehe Tabelle auf Seite 60) einen noch einmal steigenden &Uuml;berschuss in der Leistungsbilanz (steigenden Au&szlig;enbeitrag). Sie nimmt damit, ohne Gegenma&szlig;nahmen zu ergreifen, hin, dass das Ziel noch deutlicher als zuvor verletzt wird. <\/p><p>Deshalb rufen wir hiermit kritische Juristinnen und Juristen auf, sich mit diesem Thema intensiv zu befassen und eine Klage gegen die Bundesregierung zu pr&uuml;fen. <\/p><p>F&uuml;r flassbeck-economics und die NachDenkSeiten<\/p><p><strong>Heiner Flassbeck und Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p><p>Kontakt: <a href=\"mailto:mail@flassbeck.de\">mail(at)flassbeck.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Aufruf richtet sich an alle Leserinnen und Leser von flassbeck-economics und den NachDenkSeiten, nicht nur an die Juristen unter ihnen. Wir wenden uns aber im besonderen an gute, kritische Juristinnen und Juristen. Wir bitten Sie, sich mit dem unten skizzierten Rechtsversto&szlig; zu besch&auml;ftigen und eine Klage gegen die Bundesregierung zu pr&uuml;fen und vorzubereiten. Wir<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25103\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,35,188,22,30],"tags":[1187,499,402],"class_list":["post-25103","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-bundesregierung","category-europaische-union","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-deflation","tag-handelsbilanz","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25103","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25103"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25103\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25128,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25103\/revisions\/25128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25103"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25103"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25103"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}